Bechstein: Die verzauberte Prinzessin – Analyse

Text: http://www.maerchen.com/bechstein/die-verzauberte-prinzessin.php (Fassung 1845)

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/allgemein/verzauberteprinzessin.html (dito)

http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=74&titelid=219 (Fassung 1856)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/m-7468/5 (dito)

http://www.maerchen.net/classic/b-verz_p_in.htm (dito)

(Ludwig Bechstein: Sämtliche Märchen. Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Walter Scherf, 1976, S. 44 ff.)

Wie man sieht, gibt es das Märchen in zwei unterschiedlichen Fassungen; wir halten uns hier an die zweite Fassung, wie sie in Bechsteins „Sämtliche Märchen“ (Winkler Verlag und WBG, Darmstadt 1976, mit Anmerkungen von Walter Scherf) steht.

Die Struktur des Märchens ist wesentlich vom Gegensatz zwischen den Söhnen (gut – böse), dann auch von der unterschiedlichen Liebe des Vaters zu ihnen bestimmt:

Ausgangssituation: Es war einmal ein armer Handwerksmann mit zwei Söhnen

Hans                       Helmerich

gut                                –

–                             geliebt

Anstoß des Geschehens: Reise des Vaters, Information über Königstochter

wird zur Aufgabe: Königstochter erlösen und Belohnung gewinnen

Das Geschehen:

Akteur Vater, denkt gut von Helmerich,

plant, Helmerich zu befördern,

rüstet Helmerich aus (u.a. mit Pferd).

Akteur Helmerich, reist öffentlich ab,

verspricht übermütig baldigen Erfolg,

  1. Aktion (kleine Proben): tötet Ameisen, Enten, Bienen – er versagt;
  2. Aktion: unterzieht sich den drei großen Proben (Leinsamen sammeln…),

versagt in seinem Hochmut und wird bestraft.

Bestätigung des Scheiterns: Ein Jahr war verflossen…

Akteur Vater, bedauert, Helmerich verloren zu haben,

denkt schlecht von Hans,

verweigert diesem die Ausrüstung.

Akteur Hans, bricht heimlich zu Fuß auf,

ist zuversichtlich, ohne etwas zu versprechen,

  1. Aktion (kleine Proben): hilft Ameisen, Enten, Bienen – er bewährt sich;
  2. Aktion: unterzieht sich den drei großen Proben,

besteht sie mit Hilfe der geretteten Tiere und erlöst Prinzessin,

Belohnung: Sie ist seine Braut.

Bestätigung des Erfolgs: 1. Er lässt die Eltern holen, 2. alle lebten herrlich und in Freuden…

 

Das erzählte Geschehen lebt von vielen Kontrasten, die schließlich aufgelöst werden: guter Sohn – böser Sohn (der stirbt), Übermut – kein Übermut, Hilfe der Tiere – keine Hilfe, Erfolg – Misserfolg; armer Handwerker – reiche Königstochter (heiratet den Sohn des Handwerkers). Die Handlungen des Vaters beeinflussen das Geschehen nicht; nur der Charakter der Söhne lenkt ihr Handeln und entscheidet so bei den kleinen Proben, ob sie die Hilfe der Tiere bei den drei großen Proben (als Belohnung für das Bestehen der ersten Proben) erhalten. Die ungleiche Liebe des Vaters (Wertschätzung – keine W.) löst sich auf, ohne dass dies ausdrücklich gesagt würde; sie dient dazu, den Erfolg des ungeliebten Guten umso heller erstrahlen zu lassen, weil dieser trotz schlechter Voraussetzungen Erfolg hat, also die drei kleinen Proben und dann die drei großen Proben besteht.

 

Bechstein verweist auf Grimms Märchen „Die weiße Schlange“, wo der Diener die Sprache der Tiere versteht und mit Hilfe von ihm geretteter Tiere (Fische, Ameisen, Raben) die Königstochter als Frau gewinnt. Walter Scherf weist noch auf Grimms Märchen „Die Bienenkönigin“ als verwandten Text hin; dort löst der jüngste Sohn die drei Aufgaben mit Hilfe der von ihm geretteten Ameisen, Enten und Bienen und gewinnt die Königstochter. Motiv: Hilfe der Tiere

Hilfe von Seiten mit ihm verschwägerter „Tiere“ erhält der Held in Grimms Märchen „Die drei Schwestern“ (nur in der 1. Auflage), von Tieren allgemein in Bechsteins Märchen „Der Mann ohne Herz“ und „Seelenlos“, aber auch in anderen Märchen.

Frühe Zeugnisse des Märchens finden sich nach Scherf im „Papageienbuch“ (1330); Bechstein verweist auf mündliche Überlieferung als seine Quelle, wogegen Scherf vermutet, Bechstein habe den Beitrag eines ungenannten Gewährsmanns ausgeschmückt.

Das Märchen ist leicht zu verstehen; man kann es in der Grundschule vorlesen oder erzählen.

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