Bechstein: Die beiden Brüder – Analyse

Text: http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Neues+deutsches+M%C3%A4rchenbuch/Die+beiden+Br%C3%BCder

Bechstein erzählt hier einen Schwank, bei dem zwei Brüder die „Helden“ sind; manchmal wird für die beiden Positionen des Klugen und des Dummen auch ein Ehepaar genommen, so etwa in „Der Frieder und das Catherlieschen“ oder in Bechsteins „Die drei Gaben“, wo letztlich beide dumm sind und doch Glück haben. – Man kann den Schwank auch noch in Klasse 5 und 6 vorlesen, da können die Kinder sich recht an der Dummheit anderer erfreuen (ich selber habe oft die Geschichte von Frieder und Katherlieschen vorgelesen).

 

Ausgangssituation:

Zwei Brüder, ein kluger und ein dummer, hüten die Schafe eines Metzgers; sie wechseln sich im Kochen und Schafehüten täglich ab.

Geschehen:

  • Der Dumme bessert eines Tages mit den von ihm gekochten Klößen und dem Sauerkraut eine Brücke aus, sodass sie nichts zu essen haben.
  • Der Kluge spottet und ermahnt den Dummen, am nächsten Tag bloß auf die Schafe zu achten, statt „kluge“ Gedanken auszuführen.
  • Am nächsten Tag schlägt der Dumme die Schafe tot, weil sie sich nicht der Reihe nach hinlegen wollen.
  • Sie streiten über ihre Situation (Wortspiel: „verloren sein“) und beschließen zu fliehen.
  • Sie kommen in einen Wald und steigen in der Nacht auf einen Baum, nehmen dabei auch ihr Essen mit.
  • Es kommen zwei Räuber mit einem Sack Nüsse und einem Sack Geld, die unter dem Baum ihr Geld teilen wollen.
  • Den Brüdern fällt Essen aus dem Kessel, so dass die Räuber schließlich glauben, es komme ein Gewitter mit Wolkenbruch, und fliehen.
  • Die beiden Brüder teilen die gefundenen Säcke: Der Dumme wählt den großen Sack mit den Nüssen und lässt dem Klugen den kleinen Sack mit den harten Sachen übrig.
  • Der Dumme isst die Nüsse nach und nach auf, gibt auch seinem Bruder davon ab.
  • Dem Klugen wird der Geldsack zu schwer, aber der Dumme weigert sich, ihn für den Klugen zu tragen.
  • Sie teilen das Geld, so dass jeder die Hälfte tragen kann, und kaufen sich Schafe für das Geld.

Abschluss:

„[…] und sie fingen ihr Wesen wieder von vorn an.“

 

http://www.maerchen.com/ludwig-bechstein.htm (Bechstein: Deutsches Märchenbuch, 1845)

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_M%C3%A4rchenbuch (Deutsches Märchenbuch, Ausgabe letzter Hand 1857)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Deutsches+M%C3%A4rchenbuch (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_deutsches_M%C3%A4rchenbuch (Neues deutsches Märchenbuch, 1856)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Neues+deutsches+M%C3%A4rchenbuch (dito)

(Ludwig Bechstein: Sämtliche Märchen. Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Walter Scherf, 1976)

(Klaus Schmidt: Untersuchungen zu den Märchensammlungen von Ludwig Bechstein, 1935, Nachdruck 1984)

 

Hiermit endet die Serie meiner kurzen Analysen von Bechstein-Märchen. Ich hatte sämtliche Märchen gelesen und die ausgesucht, die mir am besten gefielen; dazu gehören einmal die Schwänke und phantastische Märchen, dann aber auch Märchen mit geistreichen Wortspielen, welche Kinder sicher oft noch nicht zu schätzen wissen. Bei solchen Märchen habe ich den Eindruck, dass Bechstein die Märchenform benutzt hat, um seine Lust am Wortspiel auszutoben.

Die Märchen, die er von den Brüdern Grimm übernommen hat, habe ich nicht berücksichtigt; die knappere Fassung der Grimms gefällt mir durchweg besser. Auch Märchen mit inneren Widersprüchen und Lücken oder allzu moralisierende Exemplare habe ich nicht berücksichtigt; Bechsteins Lust am Fabulieren hat eben ihre Vor- und Nachteile. Doch sind eine ganze Reihe seiner Märchen es wert, dass sie nicht vergessen werden.

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