Die drei kleinen Schweinchen – ein Märchen

von Joseph Jacobs (Volksmärchen aus England)

Es war einmal eine Schweinemutter, die hatte drei kleine Schweinchen. Die Schweinchen aßen und aßen und irgendwann waren sie so groß, dass sie in dem Haus, in dem sie wohnten, nicht mehr genug Platz hatten. Da sagte die Schweinemutter:

„Ihr könnt jetzt nicht mehr bei mir bleiben, meine Kinder. Jedes muss ein eigenes Haus für sich selbst haben.“

Und sie schickte sie in die große, weite Welt hinaus.

Das erste Schweinchen begegnete einem Mann mit einem Bündel Stroh. Es sagte zu ihm:

„Bitte, lieber Mann, gib mir das Stroh, denn ich will mir ein Haus daraus bauen.“

Da sagte der Mann:

„Gib mir erst von deinen Borsten, damit ich mir eine Bürste daraus machen kann.“

Da gab ihm das Schweinchen einige seiner Borsten. Der Mann gab ihm dafür das Stroh und half ihm, das Haus aufzubauen. Vorne hatte das Haus eine große Tür und hinten eine kleine Tür. Dann schaute das Schweinchen sein Strohhaus an und sang:

„Ich hab‘ ein schönes Haus von Stroh,

ich bin so sicher und so froh.

Und kommt der böse Wolf vorbei,

dann lache ich, hihi, heihei!“

Das zweite Schweinchen begegnete einem Mann, der ein Bündel Holz trug. Es sagte zu ihm:

„Bitte, lieber Mann, gib mir das Holz, ich will mir daraus ein Haus bauen.“

Der Mann antwortete:

„Gib mir erst von deinen Borsten, damit ich mir eine Bürste daraus machen kann.“

Da gab ihm das Schweinchen einige seiner Borsten. Der Mann gab ihm dafür das Holz und half ihm, das Haus aufzubauen. Vorne hatte das Haus eine große Tür und hinten eine kleine Tür. Dann schaute das Schweinchen sein Holzhaus an und sang:

„Ich hab‘ ein schönes Haus von Holz,

ich bin so sicher und so stolz.

Und kommt der böse Wolf vorbei,

dann lache ich, hihi, heihei!“

Das dritte Schweinchen begegnete einem Mann, der zog einen Karren voller Ziegelsteine. Es sagte zu ihm:

„Bitte, lieber Mann, gib mir von den Ziegelsteinen, ich will mir ein Haus daraus bauen.“

Der Mann antwortete:

„Gib mir erst von deinen Borsten, damit ich mir eine Bürste daraus machen kann.“

Da gab ihm das Schweinchen einige seiner Borsten. Der Mann gab ihm dafür die Ziegelsteine und half ihm, das Haus aufzubauen. Vorne hatte das Haus eine große Tür und hinten eine kleine Tür. Dann schaute das Schweinchen sein Haus aus Ziegelsteinen an und sang:

„Ich hab‘ ein schönes Haus von Stein,

es ist so sicher und so fein.

Und kommt der böse Wolf vorbei,

dann lache ich, hihi, heihei!“

So lebte nun jedes Schweinchen in seinem eigenen kleinen Haus, und jedes war glücklich und zufrieden.

Doch eines Tages kam der Wolf aus dem Wald, klopfte an die große Tür des Strohhauses und rief:

„Liebes, gutes kleines Schwein,

lass mich doch zu dir hinein.“

Das Schweinchen aber antwortete:

„Bin ganz allein, bin ganz allein,

ich lass‘ dich nicht ins Haus herein.“

Da sprach der Wolf:

„Ich werde strampeln und trampeln,

ich werde husten und prusten

und dir dein Haus zusammenpusten.“

Und der Wolf strampelte und trampelte, er hustete und prustete und pustete das ganze Strohhaus zusammen. Aber das kleine Schweinchen war nicht mehr da. Es war hinten durch die kleine Tür zum zweiten Schweinchen ins Holzhaus gelaufen.

Da ging der Wolf zum Holzhaus, klopfte vorne an die große Tür und rief:

„Liebes, gutes kleines Schwein,

lass‘ mich doch zu dir hinein.“

Das zweite Schweinchen aber antwortete:

„Bin ganz allein, bin ganz allein,

ich lass dich nicht ins Haus herein.“

Da sprach der Wolf:

„Ich werde strampeln und trampeln,

ich werde husten und prusten

und dir dein Haus zusammenpusten.“

Und der Wolf strampelte und trampelte, er hustete und prustete und pustete das ganze Holzhaus zusammen. Aber die kleinen Schweinchen waren nicht mehr da; sie waren hinten durch die kleine Tür zum dritten Schweinchen ins Ziegelhaus gelaufen. Da ging der Wolf zum Ziegelhaus, klopfte vorne an die große Tür und rief:

„Liebes, gutes kleines Schwein,

lass‘ mich doch zu dir hinein.“

Das dritte Schweinchen aber antwortete:

„Bin ganz allein, bin ganz allein,

ich lass‘ dich nicht ins Haus herein.“

Da sprach der Wolf:

„Ich werde strampeln und trampeln,

ich werde husten und prusten

und dir dein Haus zusammenpusten.“

Und der Wolf strampelte und trampelte, er hustete und prustete, aber er konnte das Haus nicht zusammenpusten, weil es ja aus Ziegelsteinen gebaut war. Da wurde er schrecklich zornig und brüllte:

„Warte nur, gleich habe ich dich!“

und machte sich daran, durch den Kamin ins Haus zu klettern. Als die drei Schweinchen merkten, was der Wolf vorhatte, fragte das erste Schweinchen:

„Was sollen wir nur tun?“

Das zweite Schweinchen antwortete:

„Ich will ein großes Feuer im Kamin machen.“

Und das dritte Schweinchen sagte:

„Ich will einen großen Topf mit Wasser auf den Ofen stellen.“

Das taten sie auch.

Nicht lange danach – das Feuer prasselte schon lustig und das Wasser brodelte – kam der Wolf durch den Kamin herunter und plumpste mitten ins heiße Wasser hinein. Schnell legten die drei kleinen Schweinchen einen Deckel darauf und verschlossen den Topf. Dann tanzten sie vor Freude um den Kamin herum und sangen:

„Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot,

ein Ende hat die große Not.“

Dann baute sich das erste Schweinchen ein Ziegelhaus und das zweite auch, und fortan lebten alle drei zufrieden und froh und sicher.

(Quelle/Vorlage: http://www.internet-maerchen.de/maerchen/schwein.htm bzw. http://www.maerchenstern.de/maerchen/die-drei-kleinen-schweinchen.php5) Es gibt eine andere Version des Märchens, von der meine märchenkundige Schwester Kunigunde behauptet, das sei die richtige Version: http://www.hekaya.de/maerchen/die-geschichte-von-den-drei-kleinen-schweinchen–europa_369.html

Vgl. „Die drei kleinen Hühnchen“ (http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_frankreich/huehnchen.html und http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Frankreich/Ernst+Tegethoff%3A+Franz%C3%B6sische+Volksm%C3%A4rchen+2/Aus+S%C3%BCdfrankreich/48.+Die+drei+kleinen+H%C3%BChnchen)

Damit Kinder (und Erwachsene) das Märchen verstehen, müssen sie wissen, dass früher auf dem Feuer (oder Herd) unter dem offenen Kamin gekocht wurde – andernfalls könnte der Wolf nicht in die Schüssel fallen. Dazu habe ich mit Mühe ein Bild gefunden: http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/2003/geist-soz/1/bilder-2/62_haushalt/u_0781.jpg in der schönen Reihe http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fvolltexte%2F2003%2Fgeist-soz%2F1%2Fbilder-2%2F62_haushalt%2Fu_0781.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fvolltexte%2F2003%2Fgeist-soz%2F1%2Fhtml-2%2F62-haushalt%2Ffr-h-01.html&h=500&w=785&tbnid=fDF_UvE8siNBfM%3A&zoom=1&docid=hjUqbvmz6P-8FM&hl=de&ei=rKZIVJzqN8a8ygO0mYFI&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=4060&page=8&start=213&ndsp=31&ved=0CEUQrQMwFTjIAQ

bzw. das Bild http://de.wikipedia.org/wiki/Hohenloher_Freilandmuseum_Wackershofen#mediaviewer/File:Offene_Kochstelle.JPG;

zur Kulturgeschichte des Kochens vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Herd

http://www.schornsteinmarkt.de/wiki/index.php/Schornstein

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4uchern;

http://de.wikipedia.org/wiki/Zahn_zulegen bzw. die Ergebnisse der Suche „offene Kochstelle“:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?search=offene+Kochstelle&title=Spezial%3ASuche&go=Artikel

P.S. Das Märchen ist im Kindergarten ein großer Renner!

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