Márquez: Die Liebe in den Zeiten der Cholera – Inhalt, Aufbau

Gabriel García Márquez: Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Köln 1987

Im ersten Kapitel wird Dr. Juvenal Urbino vorgestellt, mit seinem Tagesablauf und Stationen seines Lebens, mit seinem Haus, seinem Papagei und seiner Ehefrau Fermina Daza (72 Jahre). Er ist 81 Jahre alt und lebt in Cartagena de Indias, Kolumbien. Am Pfingstsonntag des Jahres 1930 (erschlossen aus dem Film „Im Westen nichts Neues“) wird er mit dem Selbstmord seines Freundes und Schachpartners Jeremiah de Saint-Amour konfrontiert, um dessen Begräbnis und Abschiedsbrief er sich kümmert; nach dem Mittagsschlaf will er seinen entflohenen Papagei einfangen, stürzt dabei und stirbt (um 16.08 h). Er hat ein bedeutendes öffentliches Leben geführt; er soll am nächsten Tag begraben werden. Florentino Ariza (76) leitet das Geschehen im Trauerhaus. Am Ende des Pfingstmontags, nach der Totenfeier, gesteht er der Witwe Fermina Diaz seine unverbrüchliche Liebe und wird von ihr hinausgeworfen.

Der Erzähler greift im 2. Kapitel auf den Anfang dieser Liebe zurück: vor 51 Jahren, 9 Monaten und 4 Tagen hatte sie Florentino endgültig abgewiesen. Er ist die Hauptfigur des 2. Kapitels; erzählt werden sein Leben und die Geschichte seiner Bekanntschaft mit Fermina, sein Werben und Warten, auch seine Pläne, einen versunkenen Schatz zu heben. Nach einer großen Reise mit ihrem Vater erkennt Fermina (17 Jahre), wie unfertig Florentino ist, und weist ihn zurück (vgl. Anfang des Kapitels); er kann sie dann bis zur Nacht seines neuen Geständnisses (vgl. Ende 1. Kap.) nicht wieder allein sprechen. – Hier sieht man schon, wie quasi ringförmig erzählt wird: Es wird ein bedeutendes Datum gesetzt (das neue Liebesbekenntnis; der Bruch des Verhältnisses) und dann wird erzählt, wie es dazu gekommen ist.

Im 3. Kapitel werden die Erzählstränge getrennt, weil auch das Leben Ferminas und Florentinos in getrennten Bahnen verläuft. Zunächst steht Dr. Juvenal Urbino im Blick des Erzählers: Im Alter von 28 Jahren kommt er nach dem Studium der Medizin aus Europa zurück und wird in der ärmlichen Stadt als Arzt tätig. Er kämpft gegen das sanitäre Chaos und die Cholera; er lernt Fermina Daza kennen und liebt sie – Ferminas Cousine Hildebranda kommt zu Besuch; nach einem Traum stimmt die zunächst abweisende Fermina der Heirat mit Juvenal zu. – Florentino verlässt die Stadt, verliert auf einem Schiff seine Unschuld und kehrt nach Cartagena zurück – Fermina ist auf Hochzeitsreise. Florentino lernt die Witwe Nazaret und andere Frauen kennen. – Fermina kehrt schwanger von der zweijährigen Hochzeitsreise zurück; es wird dann nachgetragen, wie sie geheiratet hat, wie sie in Paris gelebt hat und von Dr. Urbino vorsichtig in die Liebe eingeführt wurde.

Florentino beginnt zielstrebig ein neues Leben; er hilft anderen Leuten beim Schreiben von Liebesbriefen (und muss dabei manchmal seine eigenen Briefe für den Partner beantworten – einer der ironischen Züge des Romans). Er wird mit seiner Herkunft vorgestellt; seine zahlreichen Frauengeschichten werden in Beispielen erzählt; er wartet von jetzt an auf den Tod Dr. Urbinos. – Fermina erkennt, warum sie Florentino abgewiesen hat; erzählt wird auch die Geschichte ihrer Ehe. – Florentino und Fermina erleben jeweils verschiedene Krisen. Florentinos Mutter stirbt und er entdeckt, dass er alt wird (von jetzt an ein Thema des Erzählers); Fermina kehrt von einer weiteren großen Reise schwanger zurück und erkennt, was sie ist: eine Luxusdienerin. Mehrfach wird ihre Ehe mit Juvenal thematisiert.

Die Jahrhundertwende 1900 wird mit einer Ballonfahrt gefeiert, selbstverständlich ist das Ehepaar Urbino dabei. Florentino bemerkt in einem Restaurant das Ehepaar Urbino und beobachtet es unauffällig. Wegen einer Ehekrise fährt Fermina dann fort. Die Geschichte des Verhältnisses Dr. Urbinos mit Barabara Lynch, dessen Entdeckung und Urbinos Geständnis werden nachgetragen – Urbino und seine Frau merken, dass sie altern. Fermina fährt in das Dorf ihrer Kindheit und wird später von ihrem Mann abgeholt. Im Kino trifft das Ehepaar Urbino einmal zufällig Florentino mit einer Frau. In der Firma steigt Florentino auf; er erinnert sich seiner Liebschaften und beginnt ein Verhältnis mit seiner entfernten jungen Verwandten America Vicuna. Am Pfingstsonntag überrascht ihn ein großes Totengeläute; er erfährt vom Unfall Dr. Urbinos, fährt zu dessen Haus und trifft Fermina, wie schon am Endes des 1. Kapitels erzählt. Ihn trifft das Altern, er erkrankt; nach drei Wochen kommt ein Brief Ferminas.

Wie Fermina als Witwe lebt und wie es dazu kam, dass sie Florentino geschrieben hat, wird zu Beginn des letzten Kapitels erzählt. Florentino liest Ferminas Brief und antwortet zwei Wochen später, er schreibt mit der Maschine (ganz modern); er schreibt dann öfter und ruft sogar einmal an, um sogleich wieder aufzulegen. Er geht zum 1. Jahrgedächtnis des Todes Juvenals, wofür Fermina ihm dankt. Fermina hat sich in dem Jahr verändert und, auch dank Florentinos Briefen, sich vom alten Plunder gelöst. Er besucht sie einmal, dann regelmäßig; sie besuchen auch öfter das Ehepaar Dr. Urbino Diaz (ihren Sohn). Nach einem Unfall Florentinos greift die Klatschpresse Ferminas Familie an – Florentino verteidigt sie in einem großartigen Leserbrief. Fermina verbietet ihrer Tochter, die ihr wegen des Verhältnisses zu Florentino Vorwürfe macht, das Haus; man einigt sich auf eine Flussfahrt für Fermina, Florentino fährt mit. Während dieser Fahrt kommen sie sich näher und lieben sich als alte Leute. Um unangenehmen Mitreisenden auf der Rückfahrt zu entgehen, ordnet Florentino als Chef der Flussschiffahrtsgesellschaft an, dass sie allein auf dem Dampfer zurückfahren – sie greifen eine Anregung des Kapitäns auf und hissen dabei die gelbe Choleraflagge, so dass sie unbehelligt bleiben, haben mit der Flagge dann aber Probleme, in Cartagena zu landen. So ordnet Florentino an, einfach zurückzufahren, immer hin und her: „Das ganze Leben“ (S. 509).

Der auktoriale Erzähler weiß von den Figuren mehr als diese selber. Die Liebe Florentinos und Ferminas spielt in einer Zeit, in der an den Ufern des Flusses die Cholera ausgebrochen war (wie auch schon vorher oft, Dr. Urbino hat sie bekämpft). So schützen sie ihre Liebe vor der Zudringlichkeit anderer, indem sie auf ihrem Schiff die gelbe Choleraflagge hissen. Es gibt aber noch eine weitere Beziehung der beiden Größen: Florentinos Pate stellt nämlich fest, „daß die Symptome der Liebe [beim kranken Florentino, N.T.] denen der Cholera gleichen“ (S. 96), weshalb seine Mutter sie bei ihm verwechselt (S. 320). Auch als der erste Besuch bei Fermina Florentino auf den Magen schlägt, meint der Chauffeur, es könnte die Cholera sein (S. 447). „Es war aber dasselbe wie immer.“

Was in dieser Darstellung zu kurz kommt, sind zwei Aspekte: Márquez hat nicht nur einen Roman über die Liebe Florentinos (und seine vielen Frauengeschichten), sondern auch über die Ehe Ferminas (und die Ehe überhaupt) sowie über das Altern geschrieben – und darin über die Witwenschaft und die Liebe im Alter; und über die Befreiung einer alten Frau aus den Konventionen der gehobenen Gesellschaft.

http://www.ciao.de/Die_Liebe_in_den_Zeiten_der_Cholera_Roman_Gabriel_Garcia_Marquez__Test_3103781

http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php?topic=4733.0

http://biblionomicon.blogspot.de/2008/02/500-seiten-und-50-jahre-spter-kriegen.html

http://miss-booleana.de/2013/08/20/ausgelesen-gabriel-garcia-marquez-die-liebe-in-den-zeiten-der-cholera/

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Liebe_in_den_Zeiten_der_Cholera (knapp)

http://www.lesekost.de/amlit/suedam/HHL29.htm

http://geckosleseleben.blogspot.de/2011/07/rezension-die-liebe-in-den-zeiten-der.html =

http://de.paperblog.com/rezension-die-liebe-in-den-zeiten-der-cholera-gabriel-garcia-marquez-180227/

http://100buecher.blogspot.de/2011/11/14-listen-nr-97-die-liebe-in-den-zeiten.html

http://www.meine-lieblingsbuecher.de/Lese-Tipps/GarciaMarquez/garciamarquez.html

http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/dieliebeindenzeiten-r.htm

http://www.carilat.de/stories/stories_colombia.htm Cartagena: ein Kapitel Karibik

http://www.metaphorik.de/sites/www.metaphorik.de/files/article/meinke-metaphorisierung.pdf (Die Metaphorisierung der Zeit bei Márquez, Magisterarbeit)

 

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