Der verhexte Ring

Es war einmal eine schöne Wiese und mitten darauf lag ein großer Kuhfladen. Drei Feen gingen vorüber, und wie sie den Fladen sahen, sprach die erste: „Ich will diesen Kuhfladen bezaubern, dann wird er sich verwandeln in ein schönes junges Mädchen!“ Die zweite sprach: „Ich schenke ihr königliche Kleider, eine goldene Krone und einen schönen Ring!“ – „Aber ich“, sagte die dritte, „ich werde den Ring verhexen, so dass jemand, der ihn am Finger trägt, wenn er den Mund aufmacht, nur sagen kann: Scheiße! Scheiße! Scheiße!“

Wie sie wünschten, so wurde es: Der Kuhfladen verwandelte sich in ein schönes Mädchen, das war gekleidet wie eine Königin und trug am Finger den verhexten Ring. Die Feen verschwanden, das Mädchen blieb allein zurück. Da kam der junge König, sah das Mädchen, sie gefiel ihm sehr. „Wie schön du bist!“ sagte er, „wie schön sind deine Augen, deine Lippen, deine Haare.“ Sie sagte nur: „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“

Der König ließ sich davon jedoch nicht beirren. „Fahre mit mir auf mein Schloss.“ – „Scheiße!“, sagte die Schöne, aber sie stieg ein. Und sie war so lieblich, und er war so verliebt, dass er im Schloss gleich der Mutter seine Hochzeitspläne bekanntgab. Ihr Widerspruch nützte nicht.

Die Leute in der Kirche bewunderten die schöne Braut, und all die feinen Herren machten ihr Komplimente. Doch sie sagte dazu immer nur: „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“

Dann fing die Messe an; als  der Klingelbeutel herumgereicht wurde, warfen alle ein paar Münzen oder Scheine ein. Wie er aber zu dem Mädchen kam, da hatte sie kein Geld bei sich, und weil sie sonst nichts zu geben hatte, zog sie den Ring von ihrem Finger und warf ihn in den Klingelbeutel. Der Pfarrer winkte den Küster zu sich, ließ sich den Klingelbeutel geben und nahm den Ring heraus. „So ein schöner Ring“, dachte er, „der ist doch viel zu schade, den behältst du für dich.“ Er steckte den Ring an seinen Finger, seufzte tief und wandte sich an die Gemeinde. „Meine geliebten Brüder,“ wollte er sagen, doch als er den Mund aufmachte, kam nichts als „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ heraus.

Da lachten die Leute und gingen nach Hause. Auch der König kehrte heim mit seiner schönen Braut. Und da konnte sie reden, so wie alle, und ihre Stimme war lieblich. Zur großen Freude ihrer Schwiegermutter rief sie nie wieder: „Scheiße!“

(http://www.mainpost.de/regional/bad-kissingen/Der-verhexte-Ring;art764,4719052, minmal überarbeitet, vgl.  auch http://www.stories.uni-bremen.de/maerchen/ring.html)

Mein Bemühen um Märchen ergibt sich daraus, dass ich seit einigen Monaten in einer Kita als Lesepate vorlese.

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