Starobinski: Rousseau, 1988 – Besprechung

Jean Starobinski: Rousseau. Eine Welt von Widerständen. Aus dem Französischen von Ulrich Raulff. München/Wien 1988 (Paris 1971)

Ich bin nicht kompetent, das Buch zu besprechen; ich möchte es nur vorstellen. Nachdem ich die „Bekenntnisse“ gelesen hatte, habe ich sie nun verstanden – dank der Lektüre von Starobinskis Buch. „Rousseau ersehnt die Kommunikation und Transparenz der Herzen, doch seine Erwartung wird enttäuscht, und er schlägt den entgegengesetzten Weg ein, er nimmt das Hindernis an und ruft es hervor, das Hindernis, das ihm erlaubt, sich in passive Resignation und die Gewißheit seiner Unschuld einzuschließen.“ (S. 10)

In zehn Kapiteln und sieben Essais entfaltet Starobinski das Denken und die Persönlichkeit, das aus der Persönlichkeit stammende Denken Rousseaus. Er führt viele Zitate an, so dass man sein Buch auch gut als Einführung in das Denken Rousseaus lesen kann, wenn man von Rousseau selber noch nichts kennt. Es hat für mich die Qualität gehabt, dass ich Rousseaus Denken immer wieder auch mit meinen Erfahrungen und meinem Denken verglichen habe – es regt also zum Nachdenken an, mich jedenfalls.

Wenn man verfolgt, wie Rousseau den unmöglichen Versuch unternimmt, wieder in die ursprüngliche Unmittelbarkeit des Lebens zu kommen, die totale Transparenz der Herzen zu finden (und schon daran scheitert, dass er dabei auf die Sprache als ein Mittel zurückgreift); wenn man ferner bedenkt, was Dieter Wyss über „Die drei fundamentalen Enttäuschungen in der Liebesbeziehung“ (Wyss: Lieben als Lernprozess, Göttingen 1975, S. 75 ff.) geschrieben hat; dann wird noch klarer als bisher, wie naiv Erich Fromm Gedanken Rousseaus übernommen und als psychische Möglichkeit dargestellt hat, was bei Rousseau ideale (Re)Konstruktion ist.

Muss ich noch sagen, dass es sich für theoretisch-philosophisch interessierte Leser lohnt, das Buch zu lesen, weil Rousseau schließlich einer der Gründerväter der Moderne ist?

In dem Sammelband „Aussichten des Denkens“ sind Gespräche mit verschiedenen (zumeist) „Philosophen“ dokumentiert, darunter mit Jean Starobinski (S. 89 ff.).

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