Arnaldur Indridason: Nordermoor – Besprechung

Das ist der vierte Krimi Arnaldur Indridasons, den ich lese: Er ist kaum spannend und wirkt auf mich zu konstruiert. Einmal wird geklärt, warum der alte Mann Holberg ermordet worden ist, und es wird ermittelt, wer ihn getötet hat. Um zu einer Antwort auf beide Fragen zu kommen, muss das Geschehen seinen Weg über zwei Vergewaltigungen vor 30 Jahren und zwei tote Kinder nehmen; und außerdem muss noch der pensionierte Kommissar Marian Briem helfend eingreifen, sonst wäre Kommissar Erlendur nicht weitergekommen.

Um meine Kritik zu begründen, nenne ich drei Argumente: Erstens macht der Erzähler es unnötig „spannend“, als er zum Beispiel die drei Worte auf dem Blatt Papier ganz zu Anfang erwähnt und dann Sigurdur Oli nur das dritte nennen lässt („ER“), aber die beiden anderen nicht (Kap. 1) – die erfährt man erst in Kap. 18. Die Kommissare kennen die Worte aber bereits zu Beginn – warum nicht auch der Leser? (Ähnlich das Auto, das unbemerkt dem Leichenauto folgt, Kap. 18!)

Zweitens ist der Sachzusammenhang derart komplex = konstruiert (und das heißt: eigentlich nicht lösbar), dass es des Deus ex machina Marian Briem bedarf, um überhaupt zu einer Lösung zu kommen (Kap. 7 und 26): von einem eingeklemmten Foto über Asservate, die 30 Jahre lang „zufällig“ aufbewahrt wurden, und Frauen, die nach 30 Jahren erstmals über eine Vergewaltigung sprechen, über das eher unmotivierte Aufbohren eines Kellers hin zu moderner Gentechnik…

Drittens ist die Geschichte der Braut, die am Hochzeitstag flieht, aufgesetzt und damit überflüssig – das hat überhaupt nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun, bringt nur das „moderne“ Thema des Kindesmissbrauchs künstlich ins Spiel.

Insgesamt sind die Figuren sehr menschlich gezeichnet, vor allem Erlendur; nur die beiden Übeltäter Holberg und Ellendi (auch noch der Brautvater, ganz am Rande) sind die reinen Scheusale – Typen wie die Leute, um derentwillen Gott einst Feuer und Schwefel vom Himmel auf Sodom regnen ließ (Gen 19).

Fazit: Ein guter Erlendur-, ein schwacher Kriminalroman mit einem kitschigen Schluss: Ich würde mein erstes Enkelkind nicht nach dem verstorbenen Kind eines Vergewaltigers benennen.

http://www.krimi-couch.de/krimis/arnaldur-indridason-nordermoor.html (sehr positiv)

http://www.hinternet.de/buch/i/indridason.php

http://buchwurm.org/indrif0ason-arnaldur-nordermoor-10932/

Dazu gibt es noch ein paar sehr kurze Besprechungen.

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