Arnaldur Indridason: Frostnacht – Besprechung

Der zehnjährige Elias, Sohn einer Thailänderin und eines Isländers, die natürlich geschieden sind, wird ermordet – das ist Anlass für hundertmal die gleiche Frage: „Wie kann so etwas geschehen?“ und fünfzigmal die gleiche Erwägung, das müsse irgendwie mit der Ausländerfeindlichkeit zu tun haben. Am Ende stellt sich nach vielen, vielen Umwegen heraus, dass der Mord eine verunglückte Halbstarkenaktion war und dass Elias gestorben ist, weil er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Das war der fünfte Erlendur-Roman, den ich gelesen habe, und es war definitiv der letzte. Allmählich hängen mir Erlendurs Probleme mit seinen Kindern und dem früh verunglückten Bruder zum Hals heraus, und auch Olis Problem mit dem Kinderwunsch seiner Frau kann mich nicht bewegen. Die Lösung des Falls erfolgt beinahe so zufällig wie der Mord – das ist bei der intensiv beschworenen Ausländerfeindlichkeit kontraproduktiv, finde ich: So schlimm ist das mit der Abneigung gegenüber Ausländern eigentlich überhaupt nicht. Im Gegenteil, der einzige, der bewusst zusticht, ist Niran, ein in Island deplatzierter Thaijunge, der irrtümlich einen ausländerfeindlichen Lehrer für den Mörder seines (Halb)Bruders hält.

Der Roman zieht sich in die Länge und Breite, die Spannung ist mäßig, zieht in der Mitte ein bisschen an; die vielen Wiederholungen (s.o.) sind öde. Die oft gestellte Frage, ob wohl eine Ehe gelingen könne, wenn einmal einer untreu gewesen ist, wird auf einfachstem Niveau bedacht und führt zu nichts.

Als Erlendur seinen ehemaligen Vorgesetzten Marian Briem begräbt, sucht er „nach dem Sinn von allem, von Leben und Tod. Wie immer fand er keine Antworten. Es gab keine endgültige Antwort auf die lebenslange Einsamkeit der Person [wie kann es eine Antwort auf die Einsamkeit einer Person geben? N.T.], deren Überreste sich in der Urne befanden. Oder auf den Tod seines eigenen Bruders vor vielen Jahren..(…) Das Leben war ein ungeregeltes Gewirr von Zufällen, und die bestimmten die menschlichen Schicksale wie Unwetter, die unverhofft hereinbrachen und Vernichtung und Tod mit sich brachten.“ Nachdem (in miserabler Übersetzung, nehme ich zugunsten des Autors an) derart philosophischer Tiefsinn in kleinster Dosierung geboten worden ist (Kap. 30), kann der Roman bald enden.

Mehr als drei Erlendur-Romane sollte man vielleicht nicht lesen, unter denen sollte aber „Kältezone“ sein.

http://www.schwedenkrimi.de/arnaldur_indridason_rezension.htm (dort die siebente Rezension, positiv)

http://www.buechertreff.de/thread/43658-arnaldur-indridason-frostnacht/ (knapp, zurückhaltend)

http://www.booksection.de/buch/830-Frostnacht (knapp, trotz Kritik positiv)

http://liviato.de/buch/zusammenfassung/frostnacht-island-krimi/5244 (Inhalt)

Christian Mathis auf facebook: „Ein Roman, der sich in einer Fülle von Ansätzen verliert“

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