Stieg Larsson: Verdammnis – Besprechung

Nach einer langen und langatmigen Einleitung, in der auf 100 Seiten Lisbeth Salanders neues Leben als reiche schönheitsoperierte Frau (mitsamt überflüssigem Totschlag) vorgeführt wird, kommt das Thema Mädchenhandel als Millenium-Recherche aufs Tapet. Nach der Ermordung dreier Menschen – sie geht auf das Konto Zalatschenkos, wird aber Lisbeth angelastet – geht die Jagd auf Lisbeth (Medien und Polizei) und auf Zala (Lisbeth, Blomquist) los.

Damit ist dann Raum für indirekte Kritik an der hysterischen Medienkampagne, der teilweise voreingenommenen bzw. bösartigen Polizeiarbeit und dem korrupten Gutachterwesen eröffnet – das sind Aspekte, über die man nachdenken kann, die man aber natürlich auch aus der Wirklichkeit kennt. Einen großen Reiz stellte für mich die Tatsache dar, dass man als Leser mehr wusste als die meisten Ermittler und ihnen so wie ein Gutachter über die Schulter zuschauen konnte. Die Überfälle und Schusswechsel sind so überzogen, dass ich teilweise wie in einem Bond-Film lachen musste; da kippt die Dramatik leicht in Satire um. Höhepunkt ist Lisbeths Selbstbefreiung aus ihrem Grab, nachdem ihr Vater Zala sie „erschossen“ hat (S. 725 ff. – denkt man zumindest als Leser), danach macht sie noch zwei Kerle fertig. Ansonsten:

  • Erika Bergers Ausstieg aus „Millenium“ wird vorbereitet,
  • die seltsame Lebensgeschichte Lisbeths wird ausgebreitet,
  • Mikael wirbt lange vergeblich (über seinen von ihr gehackten Computer) um ihr Vertrauen,
  • wer journalistisch korrekt ermittelt, lebt gefährlich,
  • Zalas Vergangenheit als russischer Auftragskiller und dann Überläufer spielt eine Rolle,
  • Lisbeths Thema der geschundenen und vergewaltigten Frau (nebst Mädchenhandel) ebenfalls,
  • das antilesbische Machotum einiger Kerle fällt auf,
  • erzählerisch-stilistisch geht es manchmal lustig zu (ich denke etwa an den Fuchs, der an Lisbeths Grab seine Duftmarke hinterlässt, S. 730/36, oder an „Göteborgs verwirrendes Nahverkehrssystem, das allenfalls von Raketenbauingenieuren zu verstehen ist“, S. 729).

Fazit: zuerst Langeweile, dann Spannung, Überraschungen und einige deftige Übertreibungen; Weltliteratur ist es nicht, auch wenn es ein Bestseller war.

http://www.dieterwunderlich.de/Larsson-verdammnis.htm (Inhalt, sehr ausführlich)

https://de.wikipedia.org/wiki/Verblendung_%28Roman%29 (Inhalt, Figuren usw.)

http://www.krimi-couch.de/krimis/stieg-larsson-verdammnis.html (sehr positiv)

http://www.lesemond.de/titel/larsson-verdammnis.html (positiv)

https://kriminalakte.wordpress.com/2010/02/04/buch-filmkritik-stieg-larssons-%E2%80%9Everdammnis%E2%80%9C/ (Buch und Film)

https://de.wikipedia.org/wiki/Stieg_Larsson

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