Stieg Larsson: Vergebung – Besprechung

Dieser Roman ist die direkte Fortsetzung von „Verdammnis“: Lisbeth Salander liegt im Krankenhaus, zwei Zimmer neben ihrem verletzten Vater, einen Tag (8. April) nach dem großen Kampf (7. April). Aber Niedermann, ihr Halbbruder, ist wieder frei – der Kampf gegen ihn bildet den Schluss des Romans. Durch die Einleitungen (geschichtliche Verweise auf weibliche Kämpferinnen) zu den Hauptteilen wird das Geschehen als Kampf von Kriegerinnen gedeutet: Lisbeth, Sonja Modig, Annika Giannini, Erika Berger, Susanne Linder und später Monica Figuerola.

Das erzählte Geschehen ist, kurz gesagt, ein Kampf der Guten (Mikael, seine Schwester als Lisbeths Anwältin, der Lisbeth behandelnde Arzt, die Firma Armanskij, die neue Gruppe der Sicherheitspolizei, der alte Palmgren) gegen die Bösen (die Sektion, Teleborian, der Staatsanwalt, Zalatschenko, ein paar Auftragsmörder, Niedermann). Dieser Kampf wird von den Bösen mit äußerster Härte und von den Guten mit großer Intelligenz und vor allem Computerhackerei geführt und schließlich vor Gericht und durch einige Verhaftungen entschieden; dabei legen die Bösen selber einige Böse um, Lisbeth begnügt sich damit, ihres Halbbruders Füße mit einer Nagelmaschine an ein dickes Brett festzunageln (James Bond lässt grüßen), damit die Rocker ihn töten, auf die sie wiederum die Polizei hetzt. Und das Betthupferl Mikael kriegt schließlich doch so etwas wie eine feste Freundin, wenn auch Erika ein Tränchen nicht unterdrücken kann.

Der Roman wird dadurch erzählbar, dass die Sektion als sektiererische Gruppe der Sicherheitspolizei eingeführt wird (S.126 ff.). Die Wende des Geschehens liegt beim Treffen mit dem Ministerpräsidenten (S. 433 ff.) und dem Eingreifen Trinitys (S. 440 ff.). Endgültig ist der Kampf auf S. 785 entschieden, aber bis alles erledigt ist und alle Bösen erledigt sind, geht es bis S. 848 weiter. Damit kommen wir zu dem, was überflüssiges Fett an diesem Romankörper ist: Erikas Wechsel zu einer Tageszeitung und ihre Rückkehr zu „Millenium“ sowie die damit verbundenen persönlichen und beruflichen Probleme (Erika wird verfolgt und in der Redaktion angefeindet, ihr Chef ist ein Ausbeuter von Kinderarbeit -> Loyalitäts- und Berufskonflikt) sind überflüssig, Lisbeths Sauf- und Ficktour ist überflüssig, ihr von Wennerström ergaunerter Reichtum über 2 Milliarden Dollar – so bereits in „Verdammnis“ – geht ins Satirische, ebenso der Umgang mit ihrem Anwalt in Gibraltar. Aber was schreibt man nicht alles, damit es wieder ein Bestseller wird? Sogar ein Ministerpräsident wird eingeschaltet, damit die Kampftruppe der Guten etabliert werden kann. Der Kampf im Zentrum des Romans ist spannend, wenn auch wegen der vielen neu eingeführten Figuren manchmal etwas unübersichtlich; wie man natürlich die ganze Zeit weiß, siegen am Ende die Guten. – Was mir ein wenig zu denken gegeben hat, ist die Beobachtung, wie sich die Sektion innerhalb der Sicherheitspolizei verselbstständigt hat und nur noch auf ihren eigenen (Macht)Erhalt bedacht ist, wenn auch die alten Männer dafür ihr Leben opfern; aber auch solches kennt man längst aus der Wirklichkeit.

Ach ja, und die Übersetzerin Wibke Kuhn hat gelegentlich Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache: Unbeirrbar hält sie daran fest, „dass das Mädchen in den Kopf geschossen worden war“ (S. 11, ebenso S. 163, S. 805 – ich denke an Veronika Feldbusch und ihren üppigen Busen: Hier werden Sie geholfen): Man stelle sich das vor, jemandem wird ein Mädchen in den Kopf geschossen! Sie meint natürlich, dass dem Mädchen in den Kopf geschossen wurde; aber das kann sie nicht sagen. Wibke, dir kann hier dafür nicht gelobt werden.

http://www.krimi-couch.de/krimis/stieg-larsson-vergebung.html (begeistert)

https://leselust.wordpress.com/2010/03/17/rezension-vergebung/ (positiv)

http://www.taz.de/!5170554/ (sehr kritisch)

http://www.dieterwunderlich.de/Larsson_vergebung.htm (Inhalt sehr ausführlich, Lob mit vorsichtiger Kritik)

https://kriminalakte.wordpress.com/2010/06/03/buch-filmkritik-stieg-larssons-%E2%80%9Evergebung%E2%80%9C/ (neutral)

http://deutschsprachige-literatur.blogspot.de/2011/11/inhaltsangabe-vergebung-von-stieg.html (Inhalt)

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