Mankell: Die Rückkehr des Tanzlehrers – Besprechung

„Die Rückkehr des Tanzlehrers“ (2000, deutsch 2002) ist das erste Buch Mankells, das ich lese; ich hatte zwar ein Wallander-Buch erwartet, nehme aber mit dem gelesenen vorlieb und vergleiche es dementsprechend nicht mit früheren Romanen Mankells – das besorgen die Autoren in den unten angeführten Links.

Auf der „krimi-couch“ (s.u.) kann man den Inhalt des Romans leicht nachlesen. Ich begnüge mich mit einigen skizzenhaften Strichen: Ein junger Polizist, Stefan Lindmann (37 Jahre), steht nach der Diagnose „Zungenkrebs“ vor dem Beginn seiner Behandlung. In diese drei Wochen fällt die Jagd nach dem Mörder seines früheren Kollegen Molin. Aber auch dessen Nachbar wird bald darauf ermordet, der Polizist Lindmann und andere werden bedroht – außerdem zeigt sich ein Netzwerk alter und junger Nazis, das in Schweden 1999 aktiv ist und vor nichts zurückschreckt.

Als Mörder Molins bekennt sich dem Leser zeitig ein deutscher Jude, der nach Argentinien ausgewandert ist und der in Molin den Mörder seines Vaters identifiziert und furchtbar bestraft hat. Dass die Lösung dieses Mords in der Richtung „3. Reich“ liegt, wird schon durch das einleitende Kapitel angedeutet: Ein englischer Henker erhängt 1945 zwölf deutsche Kriegsverbrecher. Der Verfolgung entkommen ist jedoch Walter Lehmann, einer der schlimmsten NS-Verbrecher; stellvertretend für ihn wird 1999 Molin, sein willfähriger Schüler, Mitglied des Waffen-SS, in Schweden hingerichtet, obwohl er sich nach seiner Pensionierung in den schwedischen Wäldern versteckt hat. Aaron Silberstein, der Rächer seines Vaters, verschwindet nach einer Begegnung mit Lindmann.

Das ist die eine Seite des Romans, die Erzählung vom Fortwirken und -leben der Nazis in Schweden; Molins schöne Tochter Veronica und andere Figuren gehören noch in diese Szenerie.

Die zweite Seite – neben innerpolizeilichen Eifersüchteleien – ist Stefan Lindmanns penetrante Auseinandersetzung mit seiner Krankheit, die ich reichlich aufgesetzt finde. „Ich fliehe, dachte er. Die ganze Zeit bin ich auf der Flucht vor dem 19. November [Beginn der Behandlung, N.T.].“ (S. 288) Zum Schluss bleibt er seinem Vater böse, der auch ein Nazi war, was er vor seinen Kindern verheimlicht hat. Als er am 19. November den Hügel zum Krankenhaus hinaufgeht, ist er jedoch gereift: „Er war vollkommen ruhig und fühlte, daß er dem, was ihm bevorstand, gewachsen war.“ (S. 480) Wie diese Reifung zustande gekommen ist, bleibt mir jedoch schleierhaft.

Ebensowenig verstehe ich, warum Silberstein auf seiner ungefährdeten Flucht umkehrt, als er vom zweiten Mord erfährt: „Er war zurückgekehrt, um klarzustellen, daß nicht er Abraham Andersson getötet hatte.“ (S. 212) „Sein Dasein würde unmöglich werden, wenn er nicht herauszufinden versuchte, was Abraham Andersson geschehen war.“ (S. 275) Wenn er wieder in Argentinien ist, könnte ihm gleichgültig sein, was man vom Mord an Andersson denkt und wem man diesen zur Last legt. Auch dass Silberstein den Mord an Herbert Molin „schon lange gesühnt“ hat (S. 481), ein Gedanke Stefan Lindmanns, der letzte Satz im Buch, bleibt mir ein Rätsel. Wodurch soll er ihn gesühnt haben, durch seine lebensgefährliche Jagd auf den Mörder Anderssons?

Durch seine vielen Wiederholungen in den Gesprächen der Polizisten, das Lamento Lindmanns um seinen Krebs und sein ewiges Lavieren mit seiner polnischen Freundin Elena (auch hier wird zum Schluss alles gut) zieht sich das erzählte Geschehen wie ein Kaugummi in die Länge; Spannung kommt erst gegen Ende auf, als es um die Aufklärung des zweiten Mordes geht. – Dieser Roman reizt mich nicht, weitere Bücher Mankells zu lesen, auch wenn die im Blut Molins getanzten Tangoschritte den damals ermordeten Tanzlehrer Silberstein und seinen Schüler und Mörder Herbert Molin in einem originellen Symbol des Rächers Aaron Silberstein verbinden.

http://www.krimi-couch.de/krimis/henning-mankell-die-rueckkehr-des-tanzlehrers.html (Inhalt ausführlich; positiv, einige kritische Töne)

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/der-neue-mankell-tod-nach-dem-tango-a-220377.html (etwas kritischer)

http://www.schwedenkrimi.de/mankell_rez.htm (zwei Besprechungen weiter unten, beide kritischer)

http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/dierueckkehrdes-r.htm (ohne Wertung)

http://www.schweden-seite.de/henning_mankell_die_rueckkehr_des_tanzlehrers.html (positiv)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5509 (positiv)

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