Machfus: Der Dieb und die Hunde – Besprechung

„Denn nun war die Zeit der Abrechnung gekommen. Wie eine lodernde Flamme würde er sie vernichten. Todesangst sollte sie in Verzweiflung stürzen und sie den Treuebruch verfluchen lassen.“ (S. 5) Von solchen Gefühlen erfüllt wird Said, der Dieb, nach vier Jahren Knast aus dem Gefängnis entlassen und macht sich daran, „die Hunde“ – die Untreuen, die Verräter – zu bestrafen. Das sind seine geschiedene Frau Nabawija, die ihm seine Tochter Sina vorenthält und jetzt mit seinem Bekannten Alisch verheiratet ist, und Raouf Alwan, ein Anwalt, sein ehemaliger Mentor, der die Theorie zu seinen „revolutionären“ Diebstählen geliefert hatte und inzwischen Karriere gemacht hat. Sie alle weisen ihn zurück und er zieht mit einem Revolver in den Krieg gegen sie; dabei erschießt er zwei Menschen – leider sind das Unbeteiligte statt der von ihm anvisierten „Hunde“.

Unterstützung oder Unterschlupf findet er bei einem Kaffeehausbesitzer, einem Scheich und bei der schönen Nur, die ihn früher bereits geliebt hat und ihn jetzt aufnimmt. Der Scheich mahnt ihn zur Umkehr, Nur will mit ihm fliehen und glücklich sein – alles vergebens, die Rachegelüste sind zu stark, er sieht sich als Held, die Zeitungen berichten über ihn, die kleinen Leute verehren ihn, die Polizei jagt ihn. Zum Schluss wird er gestellt und stirbt wohl nach einem Schusswechsel auf dem Friedhof.

Das erzählte Geschehen dauert etwa zwei Wochen, die Vorgeschichte wird in Erinnerungen Saids nachgetragen. Oft nimmt der Leser unmittelbar an seinen Gedanken teil (meistens in Ich-, gelegentlich in Du-Form), die nicht er sich macht, sondern die ihn umtreiben. Das Ende ist unausweichlich, da er in seiner Wut rasend und verblendet ist.

Ich habe im Netz keine Besprechung gefunden – und, ehrlich gesagt, wenn man das 1961 erschienene Buch (deutsch 1980) nicht gelesen hat, hat man nichts verpasst. Es gibt wesentlich bessere Bücher des Nobelpreisträgers Nagib Machfus, vor allem die Kairo-Trilogie: Zwischen den Palästen; Palast der Sehnsucht; Zuckergässchen.

http://www.zeit.de/1988/43/die-welt-des-nagib-machfus (Würdigung des Autors anlässlich des Nobelpreises 1988)

http://www.histo-couch.de/nagib-machfus.html (Biografie und Werke)

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