Agnon: Nur wie ein Gast zur Nacht – vorgestellt

In seinen [Agnons, N.T.] Geschichten kehrt der Konflikt zwischen Alt und Neu immer wieder, viele Erzaehlungen wirken wie ein Alptraum und lassen den Leser zwischen Realitaet und Phantasie zurueck. Seine Charaktere fuehren Selbstgespraeche, um sich selbst besser zu verstehen und erstaunen ihre Umgebung. In „Nur wie ein Gast zur Nacht“ besucht ein anonymer Erzaehler nach Jahren der Abwesenheit seine Stadt in Galizien und wird Zeuge ihrer Verwuestung. Der wahre Kern dieser Geschichte ist Agnons eigener Besuch in seiner Geburtsstadt Buczacz im Jahr 1930. Obwohl der Roman die Hoffnungslosigkeit und den Niedergang der juedischen Gemeinden nach dem Ersten Weltkrieg widerspiegelt, nannte Agnon bereits in seiner Jugend Buczacz eine „Stadt der Toten“. Agnon ist der Bewahrer der Tradition. In „Nur wie ein Gast zur Nacht“ nimmt der Agnon-gleiche Protagonist den Schluessel des Beit Midrasch nach Eretz Israel, „um dort zu warten bis der Messias kommt und alle Lehrhaeuser wiedererrichtet werden.“ Agnon ist sich bewusst, dass er der „Bewahrer des Schluessels“ ist. Durch seine Dichtung bewahrt er die Sprache der Lehrhaeuser. Er sah seine Rolle als Schriftsteller als eine geheiligte. Und doch ist er nicht pathetisch, sondern ironisch und distanziert. (http://jafi.jewish-life.de/zionismus/people/Agnon.html)

Der Ich-Erzähler ist in seine Heimatstadt Szybusz zurückgekehrt und erzählt, was er dort erlebt, woran er sich dabei erinnert und was ihm dazu einfällt. Es geschieht eigentlich „nichts“ oder kaum etwas, was man in eine Inhaltsangabe packen könnte – es gibt auch keine Inhaltsangabe im Netz, obwohl der Roman öfter erwähnt wird. Man muss sehr ruhig gestimmt sein, um das Buch mit Freude zu lesen – sonst langweilt man sich. Ich zitiere einen Absatz aus dem 20. Kapitel:

„In diesem Lande gibt es Fromme, die Lehrhäuser gebaut haben und sich viel darauf einbilden und sagen, daß, wenn der Messias sich uns offenbarte, er zu allererst in ihre Lehrhäuser gehen werde. Diese Burschen hier [in Israel, also die Pioniere, N.T.] bilden sich nicht ein, der Messias würde zuerst zu ihnen kommen; sie erwähnen ihn garnicht. Aber das Heraufziehen ins Land Israel und die Arbeit dort stehen im Mittelpunkt ihres ganzen Denkens. Ich weiß nicht, wer von beiden liebenswerter ist, die Frommen in der Diaspora, die den Messias zu sich ins Ausland bemühen wollen, oder diese Burschen, die sich selbst bemühen, ins Land zu gehen und es für ihn zu bereiten.“ (S. 144, Ausgabe der Sammlung „Nobelpreis für Literatur“, Bd. 60)

http://www.zeit.de/1966/44/nobelpreistraeger-samuel-j-agnon (Würdigung zum Nobelpreis 1966)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46415000.html (dito)

http://www.kirche-und-israel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=199&Itemid=5 (Agnons Lebensgeschichte)

http://www.maschiach.de/content/view/230/120/ (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Juden_in_Osteuropa (Juden in Osteuropa)

https://de.wikipedia.org/wiki/Schtetl (Schetl)

http://www.hagalil.com/galluth/polen.htm (Ostjudentum)

http://www.hagalil.com/galluth/aue.htm (Schetl)

http://www.sztetl.org.pl/en/cms/the-project/ (Virtual Shetl in Media)

http://universalium.academic.ru/196587/shtetl (Links)

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