C. F. Meyer: Auf dem Canal grande – Analyse

Auf dem Canal grande betten …

Text:

http://nddg.de/gedicht/19686-Auf+dem+Canal+grande-Meyer.html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=271

Das Gedicht ist 1889 veröffentlicht worden; ein Beobachter beschreibt das abendliche Geschehen auf dem Canal grande in Venedig. Er spricht gebundene Prosa, vierhebige Trochäen pro Vers, ohne Reim; hinter dem ersten und dritten Vers jeder Strophe geht der Satz unmittelbar über in den nächsten Vers (Enjambement), so dass er eigentlich zügig spricht, auch wenn er nach dem zweiten und vierten Vers eine Pause macht.

Zunächst beschreibt er die Situation als dunkel oder sich verdunkelnd (tiefe Schatten, dunkle Gondeln, Geheimnis). Der kühne Vergleich „als ein flüsterndes Geheimnis“ (für die gleitenden Gondeln, V. 4) verweist schon auf das später angedeutete Liebeswerben (3. Str.) voraus. Mit der Konjunktion „Aber“ (V. 5) wird eine Veränderung eingeleitet: Das Dunkel ist von Licht durchzogen: rotglühende Sonne, flammender Lichtstreifen, grell (2. Str.). Auch im Verb „glühen“ wird das später genannte leidenschaftliche Treiben im Naturphänomen vorbereitet.

In dieser ambivalenten Situation (dunkel-hell) treiben die Menschen das ambivalente Spiel ihrer Leidenschaft: laut und hell sind die Stimmen, stumm und begehrend die Gesten (Gebärden, Blicke). Hier wertet der Beobachter das Spiel der Augen als „frevel“ (V. 12), sündhaft, die Grenzen des Verbotenen überschreitend; dem entsprechen die überredenden Gebärden, das Kosen und Fummeln des Liebestaumels. Das Licht passt dazu: Es ist purpurrot, das Licht der Abendsonne, das Licht der sündigen Angebote.

In der letzten Strophe wird beschrieben, wie das Geschehen ausklingt: Das leidenschaftliche Treiben währt nur kurz; dann „erlischt“ es, wenn die Boote aus dem Lichtstreifen ins Dunkle gleiten, „im Schatten drüben“ (V. 15). Aus dem hellen Gelächter wird „ein unverständlich Murmeln“ (V. 16), die Überredung ist gelungen, das Liebesspiel vollendet sich.

Das unverständliche Murmeln ist die Summe aus dem flüsternden Geheimnis (V. 4), dem hellen Gelächter (V. 10) und den überredenden Gebärden (V. 11). Das flüsternde „Geheimnis“ und das unverständliche „Murmeln“ (V. 16) rahmen die Beschreibung des ambivalenten abendlichen Geschehens auf dem Canal grande ein.

http://www.farbe.com/rot.htm (Farbe rot)

http://www.symbolonline.de/index.php?title=Rot (dito)

http://www.mara-thoene.de/html/farbensymbolik.html (Symbolik der Farben)

http://www.kunstdirekt.net/Symbole/symbolfarbe.htm (dito)

http://conrad-ferdinand-meyer.de/werke/Gedichte/ (Meyer: sämtliche Gedichte)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Meyer,+Conrad+Ferdinand/Gedichte (Gedichte, 1892)

https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Meyer,_Conrad_Ferdinand (Biografie)

http://www.deutsche-biographie.de/ppn118581775.html (dito, neuer)

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