C. F. Meyer: Hochzeitslied – Überlegungen

Über die Zeitgebundenheit großer Dichter

Bereits wenn die in der „Freiburger Anthologie“ gesammelten bedeutenderen Gedichte Conrad Ferdinand Meyers anschaut, erkennt man, wie stark manche zeitgebunden sind. Ich denke etwa an das 1881 veröffentlichte „Hochzeitslied“ – Meyer war immerhin Mitte 50, also eigentlich ein reifer Mann:

 

Hochzeitslied

Aus der Eltern Macht und Haus
Tritt die züchtge Braut heraus
An des Lebens Scheide –
Geh und lieb und leide!

 

5 Freigesprochen, unterjocht,
Wie der junge Busen pocht
Im Gewand von Seide –
Geh und lieb und leide!

 

Frommer Augen helle Lust
10 Überstrahlt an voller Brust
Blitzendes Geschmeide –
Geh und lieb und leide!

 

Merke dir’s, du blondes Haar:
Schmerz und Lust Geschwisterpaar,
15 Unzertrennlich beide –
Geh und lieb und leide!

(http://www.lyrik123.de/conrad-ferdinand-meyer-hochzeitslied-9709/)

Dass Liebe und Leid zusammenhängen, ist sicher eine Einsicht, die man im Lauf des Lebens erwirbt – falls man sie nicht bereits hatte. Aber dass dieses „Leiden“ hier anscheinend nur der Braut, also der Frau angedient und aufgetragen wird, ist doch Signatur einer paternalistischen Welt, wogegen Frauen zu Recht revoltiert haben.

Mit diesem Gedicht wird die Analyse Meyer’scher Gedichte hier abgeschlossen.

 

http://www.zeno.org/Literatur/M/Meyer,+Conrad+Ferdinand/Gedichte (Gedichte, 1892)

http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/meyer_gedichte_1882 (Gedichte, 1882)

https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Meyer,_Conrad_Ferdinand (Biografie)

http://www.deutsche-biographie.de/ppn118581775.html (dito, neuer)

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