Die Füchsin und ihre Freier

Als der alte Herr Fuchs gestorben war, kam der Wolf als Freier; er wollte die Füchsin zur Frau nehmen. Er klopfte an die Türe, und die Katze, die als Magd bei der Frau Füchsin diente, machte auf.
Der Wolf grüßte sie und sprach:
„Guten Tag, Frau Katz von Kehrewitz,
wie kommt’s, dass sie alleine sitzt?
was macht sie Gutes da?“
Die Katze antwortete:
„Brock mir Brot und Milch ein:
will der Herr mein Gast sein?“
„Dank schön, Frau Katze“, antwortete der Wolf, „ist die Frau Füchsin nicht zu Haus?“
Die Katze sprach:
„Sie sitzt droben in der Kammer,
beweint ihren Jammer,
beweint ihre große Not,
dass der alte Herr Fuchs ist tot.“
Der Wolf antwortete.
„Will sie haben einen andern Mann,
so soll sie nur herunter gan.“
Die Katz, die lief die Trepp hinan
sie hielt ihr Schwänzchen himmelan,
bis sie kam vor den langen Saal:
klopfte an mit ihren fünf goldenen Ringen.
„Frau Füchsin, ist sie drinnen?
Will sie haben einen andern Mann,
so soll sie nur herunter gan.“

Die Frau Füchsin fragte:
„Hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?“
„Nein“, antwortete die Katze, „er trägt einen grauen Anzug.“ „So kann er mir nicht dienen“, antwortete die Füchsin.

Als der Wolf abgewiesen war, kamen ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein Bär, ein Löwe und nacheinander alle Waldtiere. Aber es fehlte immer eine von den guten Eigenschaften, die der alte Herr Fuchs gehabt hatte; der Hund hatte ein schwarzes Fell, der Hirsch konnte keine Mäuse fangen, der Löwe war so groß, dass er nicht in den Fuchsbau hineinkam – und die Katze musste den Freier jedes Mal wegschicken.

Endlich kam ein junger Fuchs. Da fragte die Frau Füchsin ihre Katze:
„Hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?“
„Ja“, sagte die Katze, „das hat er.“
„So soll er heraufkommen“, sprach die Frau Füchsin und hieß die Magd das Hochzeitsfest vorbereiten:
„Katze, kehr die Stube aus,
schmeiß den alten Fuchs zum Fenster raus –
brachte manche fette Maus,
fraß sie immer alleine,
gab mir aber keine.“

Da wurde die Hochzeit gehalten mit dem jungen Herrn Fuchs, und es wurde gegessen und getrunken, gesungen und getanzt, und wenn sie nicht aufgehört haben, so tanzen sie heute noch.

(Ich habe das Märchen aus den KHM sprachlich leicht verändert und modernisiert.)

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