Joanna Bator: Wolkenfern (2013) – gelesen

Es ist ein zauberhaftes Buch: von Dominika, die man schon aus „Sandberg“ kennt, von ihrem Geschick nach einem schweren Autounfall und vor allem von ihrer Reiselust – sie ist im Aufbruch, sie plant ihre Zukunft nicht, sie lebt im Augenblick und auch in der Vergangenheit. Dazu treffen wir auf ihre Mutter Jadzia, eine typische Frau und Polin, die sich am Ende von sich selbst befreien kann, und auf viele andere, meistens Frauen: in einem bewegten Reigen, in dem auch Napoleons Nachttopf als Vermächtnis von einer Figur zur nächsten wandert, um am Ende in einem Zeitschriftenaufsatz gewürdigt zu werden. Vieles ist surreal erzählt, wie die Geschichte von der großen Sintflut, in die Jadzia mit ihrer Reisegruppe in einem Auto fortgeschwemmt wird, um am Ende als eben die geläuterte daraus wieder aufzutauchen… Ich glaube, Dominika ist eine moderne Schwester des Taugenichts, nur dass die Umwelt Dominikas (v.a. polnische Frauen und ein spaßeshalber angetrauter  amerikanischer Chocolatier, welcher ein Homodingsbums ist)  teils als Kontrastprogramm, teils als Seelenverwandte (Sara mit dem fetten Arsch) viel stärker als beim Taugenichts ausgebaut ist.

Es sind in diesem Roman die Frauen, die das Leben im Guten wie im Schlechten (das ist hier das Philiströse) bestimmen. Man kann den Inhalt eigentlich nicht erzählen, und er ist auch irgendwie nicht so wichtig – wichtig ist die Leichtigkeit des Seins, in die man im Lesen hineingleitet, auch wenn man (in meinem Fall: ich, hier verallgemeinert) die Beziehungen der Figuren nicht immer durchschaut oder wieder vergisst. Man liest voller Sympathie mit Dominka und Grazynka, von der erzählt wird, sie sei schließlich mit einem Japaner liiert und als Geisha gekleidet gesehen worden. Und der Zustand des Glücks auf der griechischen Insel, er ist ein Moment und wird nicht bleiben.

Ich scheue mich nicht zu sagen: Das ist Weltliteratur.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/joanna-bator-wolkenfern-napoleons-nachttopf-12709851.html

http://www.zeit.de/2013/49/joanna-bator-wolkenfern-roman

http://literaturkritik.de/id/18724

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/generationenroman-wolkenfern-von-joanna-bator-ueber-napoleons-nachttopf-a-928013.html

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritiken/joanna-bator/wolkenfern

https://de.wikipedia.org/wiki/Joanna_Bator (Joanna Bator)

Bators erster Roman „Sandberg“ war auch eine Wucht: https://norberto42.wordpress.com/2015/02/06/joanna-bator-sandberg-besprechung/, der dritte „Dunkel, fast Nacht“ erreicht nicht ganz das Niveau der beiden ersten Bücher, finde ich: https://norberto42.wordpress.com/2017/04/23/j-bator-dunkel-fast-nacht-2016-besprechung/.

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