I. Turgenjew: Väter und Söhne – vorgestellt

Turgenjews Roman „Väter und Söhne“ (1861, deutsch 1869) ist eine Art Parabel von der Heimkehr der verlorenen Söhne. In ihr wird vom Weg zweier Freunde erzählt, die nach dem Studium in ihre Heimatdörfer zurückkehren, Arkadij und Basarow. Arkadij steht unter Basarows Einfluss, der ihn zu einem „Nihilisten“ gemacht hat – einem, der sich gegen alle Autorität, alles Hergebrachte einschließlich Liebe und Ehe wendet und nur anerkennt, was seiner Prüfung standhält.

Arkadij ist Sohn eines kleinen Adeligen, der seine Güter mehr schlecht als recht verwalten lässt; nach dem Tod seiner Frau lebt er mit der jungen Fenitschka zusammen, sie haben einen kleinen Sohn. Außerdem lebt sein Bruder Pawel bei Ihnen, der ihm gelegentlich finanziell unter die Arme greift. Basarows Vater ist ein ehemaliger Regimentsarzt, der als Bauer und Heilpraktiker wirtschaftet. Basarow betreibt intensiv wissenschaftliche Untersuchungen, er ist Mediziner.

Die beiden jungen Männer leben nach der Heimkehr teilweise zu Hause, teilweise bei der schönen Frau Odinzowa, einer jungen Witwe, die ein großes Gut geerbt hat, und ihrer Schwester Katja. Daneben gibt es noch die aufgekratzte „moderne“ Frau Kukschina und den Taugenichts Sitnikow nebst einigen weiteren Nebenfiguren, die wir nicht zu beachten brauchen. Arkadij und Basarow entfremden sich voneinander, was auch an ihrer Verehrung der Frau Odinzowa liegen mag, die sich stärker zu Basarow hingezogen fühlt, um ihn dann doch abzuweisen – resp. er sieht selber, dass sie ihn nicht lieben kann, und geht fort, während Arkadij sich zu ihrer Schwester Katja hingezogen fühlt.

Als Basarow in einer einsamen Stunde Fenitschka küsst, wird er von Pawlow beobachtet; der fordert ihn zum Duell auf und wird dabei verletzt. Damit neigt sich das Geschehen dem Ende zu: Die beiden Freunde wissen, dass sie einander fremd geworden sind. Arkadij heiratet Katja und übernimmt die elterlichen Güter, er hat sich durch Katjas Einfluss verändert und seinen Frieden mit der Familie gefunden; sein Vater heiratet Fenitschka, Pawlow zieht fort. Basarow wird nach einigen Wirren Gehilfe seines Vaters und arrangiert sich so mit ihm; bei einer Obduktion steckt er sich an einem Toten an, der an Typhus gestorben war, und geht ebenfalls dem Ende entgegen: „Ja, verneine einer einmal den Tod! Er verneint euch; damit ist alles gesagt.“

Im 28. Kapitel gibt der Erzähler noch einen Ausblick auf das weitere Schicksal der Hauptpersonen, wobei der letzte Blick auf das Grab Basarows fällt und er im Hinblick auf dessen traurige Eltern fragt: „Ist es möglich, daß ihre Gebete, ihre Tränen vergeblich wären?“

https://www.zeit.de/1980/36/vaeter-und-soehne

https://www.deutschlandfunk.de/iwan-turgenjew-vaeter-und-soehne-ueber-liebesverwirrungen.700.de.html?dram:article_id=410525

https://www.belletristik-couch.de/titel/3094-vaeter-und-soehne/

https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4ter_und_S%C3%B6hne

https://de.rbth.com/kultur/81177-vaeter-und-soehne-warum-turgenjew-lesen

https://www.ndr.de/kultur/buch/Iwan-Turgenjew-Vaeter-und-Soehne,weltliteratur192.html

https://www.horst-juergen-gerigk.de/aufs%C3%A4tze/turgenjew-heute/ (Turgenjews Bedeutung)

http://www.glanzundelend.de/Red17/t17/iwan_sergejewitsch_turgenjew.htm (dito)

https://archive.org/details/idealeundwirklic00kropuoft/page/108 (Kropotkin über Turgenjew, speziell S. 127 ff.)

https://archive.org/details/bub_gb_i20hAAAAMAAJ/page/n153 (E. Borkowsky über Turgenjew, speziell S. 147 ff.)

Text des Romans: https://archive.org/details/vterundshne00turg/page/n5; mit der Eindeutschung des russischen Namens ergeben sich auch die Schreibweisen Turgenev und Turgenjeff. 

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