Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre – das Geschehen

ERSTES BUCH

I 1 Die Schauspielerin Mariane (M) erhält ein Paket ihres Verehrers Norberg, dem ihre Dienerin Barbara zugetan ist. Sie bekommt Besuch von ihrem neuen Geliebten Wilhelm (W).

I 2 W spricht mit seiner Mutter über die vom Vater getadelte Leidenschaft fürs Theater und das Puppenspiel („David und Goliath“), das seine Mutter ihm vor 12 Jahren geschenkt hat; er nimmt die Puppen in seine Stube.

I 3 W geht in der Nacht mit den Puppen zu M; man isst, W muss von dem Ballett der Puppen erzählen, wie es früher aufgeführt wurde.

I 4 W erzählt von einer zweiten Aufführung des Stücks und davon, wie er einen Blick hinter den Vorhang getan hat

I 5 und wie er einmal unbemerkt in die Speisekammer kam und dort neben Obst auch die Kisten mit den Puppen fand, wobei er das Textbuch mitnahm und dann auswendig lernte; von der Vorbereitung einer neuen Aufführung.

I 6 W durfte bei einer Aufführung mitspielen, mit großem Erfolg trotz einer kleinen Panne. Er spielte dann Opernstücke mit den Figuren und bastelte ihnen neue Kleider. W fragt M nach ihrer Kindheit, wird aber von Barbara wieder an seine Lebensgeschichte zurückverwiesen.

I 7 W bastelte Ritterfiguren und bereitete eine Aufführung von „Das befreite Jerusalem“ (Tasso) vor, was aber schiefging, so dass man erneut auf „David und Goliath“ verfiel.

I 8 Während M einschläft, erzählt W von seiner frühen Theaterbegeisterung und begleitenden Aktivitäten sowie einem Gedicht, das er mit 14 verfasste.

I 9 W ist von der Liebe erfüllt, während M sich unsicher an den Geliebten klammert. W findet in ihr die Bestätigung seines geplanten Ausbruchs aus dem bürgerlichen Leben als Schauspieler.

I 10 W bereitet seinen Aufbruch vor; Werner hält ihm die Stümperei seiner theatralischen Bemühungen vor und wirbt für die solide Arbeit als Kaufmann.

I 11 Charakterisierung der Väter: der alte Wilhelm – der alte Werner; sie beschließen, W auf eine Handelsreise zu schicken, damit er lernt und sich bewährt; sie besorgen ihm ein Pferd. W geht in der Nacht zu M und teilt ihr den Plan mit, mit ihr aufzubrechen – sie bleibt verhalten.

I 12 Barbara muss unglückliche M trösten, die zwischen zwei Liebhabern steht und wohl schwanger ist; sie bevorzugt W, der aber kein Geld hat und abreisen will,wogegen Norberg bald kommt. Sie überlässt sich der Führung Barbaras.

I 13 W trifft auf der ersten Station einen Geschäftspartner, dessen Tochter mit einem Schauspieler durchgebrannt ist; beide werden wieder eingefangen. W ist beim Verhör anwesend; sie bekennt sich zu ihrer Liebe. W sieht die Parallele zu seinem Fall und setzt sich für die Liebenden ein.

I 14 W spricht mit Melina, dem Schauspieler, und will sich für ihn bei den Schwiegereltern verwenden; Melina will gegen W‘ Rat einen bürgerlichen Beruf ergreifen und schildert W das Elend des Schauspielerlebens. Bei den Eltern erreicht W nicht viel, die Liebenden wollen heiraten und müssen sich eine neue Truppe suchen.

I 15 W reitet heim und denkt über seine Liebesseligkeit, die Einrichtung von M‘ Zimmer (unordentlich) und die Reden der Schauspieler nach, denen sein Enthusiasmus fehlt. – W‘ Verhältnis zu seinem Freund Werner. Der hält ihm das schräge Verhältnis zu M vor, ohne Erfolg. M bezirzt ihn erneut, teils durch Lügen über die Anfänge ihrer Liebe, und bestärkt ihn so in seinen Plänen.

I 16 Brief W‘ an M: Er wirbt um sie, möchte zur Truppe Serlo gehen und sie nachholen. Er will heiraten und mit ihr als Schauspieler die Menschen beglücken.

I 17 W bei M, die ihn beinahe abweist; er gibt ihr nicht den Brief. Er trifft einen Fremden, der die Kunstsammlung des Großvaters kannte und für einen anderen gekauft hat. Sie sprechen über W‘ Lieblingsbild und über das vermeintliche Schicksal der Menschen. – W streicht um M‘ Wagen, sieht später eine Gestalt herauskommen und findet in einem Tuch M‘ einen Zettel Norbergs an sie, der bezeugt, dass beide ein Verhältnis haben.

ZWEITES BUCH

II 1 [Zeitsprung: mehrere Jahre] Nach einerKrankheit leidet er an der verlorenen Liebe.

II 2 W kritisiert seine Gedichte und sein schauspielerisches Können. Er widmet sich den Handelsgeschäften, er vernichtet alle Zeugnisse seiner jugendlichen Schwärmerei (Liebe, Kunst). Er streitet mit Werner, ob mittelmäßige Produkte aufbewahrt zu werden verdienen. W‘ Lobpreis des Dichters. W‘ Liebe zu M ist immer noch lebendig.

II 3 In der Arbeit findet w Ruhe. Er unternimmt eine neue Reise; er kassiert Schulden und erlebt in einem Bergdorf ein von Arbeitern inszeniertes Schauspiel. Einige Schuldner müssen verklagt werden. Er kommt zurück in die Ebene, in ein Städtchen.

II 4 Er trifft eine Gesellschaft Gaukler und lernt Philine und Laertes kennen, man fährt zum Essen raus und erlebt eine Aufführung von Bergleuten. Am Abend beobachtet man die Aufführung der Gaukler, W lernt Mignon (Mi) kennen. Am nächsten Tag versetzt Philine sie, W geht mit Laertes zu einem Restaurant, sie treffen Philine wieder; diese ist unstet und freizügig. Zurück zu den Gauklern, W rettet Mi vor einem Schläger; er kauft sie für 30 Taler los, sie ist verschwunden. Neue Aufführung der Gaukler. – W äußert sich mehrmals lobend über die Möglichkeiten des Theaters.

II 5 Gaukler fort, Mi taucht auf und will dienen; W übt sich im Tanzen und Fechten. Herr und Frau Melina kommen, finden keinen Geschmack an Laertes und Philine.

II 6 W wird von Melina um Geld für Theaterausrüstung angegangen, schafft die Abreise nicht und lebt auch im Zauber Mi‘.

II 7 Es kommen einige Schauspieler; Mi bedient. W erfährt, dass M schwanger war und entlassen wurde, ihr Helfer ist von ihr enttäuscht.

II 8 W denkt an M, Mi führt den Eitertanz für W auf.

II 9 Man fährt per Schiff essen und extemporiert Rollen; ein fremder „Geistlicher“ kommt hinzu; W spricht mit ihm über Schauspieler und Erziehung. Man verlebt gemeinsam den Tag.
II 10 Der Geistliche ist weg – fröhliche Heimfahrt; zu Hause wird ein deutsches Ritterstück vorgelesen, mit viel Punsch, es gibt Radau und Scherben.

II 11 W kommt für den Schaden auf und kauft Philine Geschenke; ein alter Harfner kommt und muss singen, u.a. „Was hör‘ ich draußen vor dem Tor“. Man spricht über seine Kunst – W ist über Melinas Vorwürfe verärgert.

II 12 W ist durch Philines Knutschen benommen und sagt Melina das Geld für die Ausrüstung zu. Es kommen verschiedene Männer, W ist unruhig.

II 13 W geht zum Harfner und hört „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“; W ist gerührt. Dann wird „Wer sich der Einsamkeit ergibt“ vorgetragen; der Sänger erbaut W.

II 14 W zahlt 300 Taler an den Notar für Melina; er erlebt die Eifersucht von Philines Diener Friedrich gegen den Stallmeister, ihre neue Eroberung. Die beiden fechten miteinander. W denkt über seine Situation nach und will fort. Mi erleidet einen Anfall wegen seiner geplanten Abreise; W verspricht ihr, sie zu behalten als sein Kind.

DRITTES BUCH

III 1 Mi‘ Lied; Melina als Theaterdirektor: Graf und Gräfin kommen und begutachten die Schauspieler, W wird der Gräfin vorgestellt. Chance, auf dem Schloss zu spielen.

III 2 Baron als Theaterexperte des Grafen bei den Schauspielern und W; W überlegt, ob er bleiben soll; er preist die Adeligen glücklich. Verteilung der Rollen, Aufführungen in der Stadt.

III 3 Umzug zum Schloss, unfreundlicher Empfang. Philine geht mit dem Stallmeister ins Schloss und schickt W Konfekt.

III 4 Der Graf kommt, um nach dem Rechten zu sehen, dazu Jarno (J); Vorbereitungen für eine Aufführung.

III 5 W wird zum Vortrag zur Gräfin gebeten, doch vor lauter Betrieb kommt es nicht dazu; er wird durch kleine Geschenke entschädigt.

III 6 Zu Ehren des Fürsten soll einVorspiel aufgeführt werden. W wird heimlich am Abend zur Gräfin eingeladen und plant mit den Damen Text und Aufführung, muss aber Kompromisse machen.

III 7 Vorbereitungen für das Vorspiel und das Stück; Mi will den Eiertanz nicht vorführen. Wie man Bedenken des Grafen auszuräumen gedenkt.

III 8 Der Fürst kommt an, Aufführung von Vorspiel und Stück; Interesse an den Aufführungen nimmt bald ab, W und die Gräfin mögen sich. Verschiedene Gunstbezeugungen an mehrere. W spricht mit dem Fürsten und J über französisches und englisches Theater; J macht ihn mit Shakespeare bekannt. W‘ neuer Blick auf das Leben der Großen.

III 9 Spannungen zwischen dem Baron und einigen Schauspielern, Spottgedicht auf den Baron; Überfall auf den Pedanten, den Günstling des Grafen, als vermeintlichen Verfasser des Gedichts. W lebt zurückgezogen, ist in die Welt Shakespeares eingetaucht. W setzt sich für Friedrich ein, der gestäupt werden sollte und begnadigt wird, so in W‘ „Familie“ aufgenommen wird (neben dem Alten und Mi).

III 10 Philine und die Baronesse fördern die Neigung der Gräfin zu W; der wird am Abend zu ihr gebeten. Er wird als Graf verkleidet und soll sich dann vor der Gräfin offenbaren – da kommt der echte Graf und sieht ihn kurz. W wird schnell entfernt und muss später dem Grafen etwas vorlesen.

III 11 W ist von Shakespeare beeindruckt, spricht mit J darüber. J deutet ihm einen Auftrag an, setzt aber den Alten und Mi herab, was ihn diskreditiert. W erfährt von den Machenschaften eines Hauptmanns und hält sich von J und dem Militär fern.

III 12 Der Graf ist verändert, weil er sich selbst gesehen zu haben glaubt. Machenschaften der Baronesse und J‘. W muss für die Gräfin seine Werke abschreiben und sie vor den herausgeputzten Damen – ganz im Banne der Gräfin – vorlesen. Sie schenkt ihm einen Ring mit einer Locke, beim Abschied küssen sie sich. Sie schickt ihn abrupt fort.

VIERTES BUCH

IV 1 Philine und Laertes – die verrinnende Zeit. Graf und Gräfin gehen fort, er gibt W einen Beutel Gold. W schreibt einen Brief nach Hause. Die Schauspieler bereiten den Aufbruch vor; der Alte will sich von W trennen, aber der behält ihn.

IV 2 W legt sich andere Kleidung (im Geist Shakespeares) zu, die Truppe ist ausgelassen. Über den Unterschied zwischen Bürgerlichen und Adeligen (W). Die Truppe führt freiwillig ein Stück auf, um sich zu erproben. W spricht über die Disziplin der Musiker als Vorbild für die Schauspieler und den Wert echter Kunst. Man beschließt, sich republikanisch zu organisieren.

IV 3 W erklärt, dass Kunstkritik auf Gründen beruhen müsse und dass man in den Geist des Autors eingedrungen sein müsse; er belegt das an seinen Problemen und Versuchen, die Figur Hamlet zu verstehen.

IV 4 Philine erzählt die Geschichte von Laertes‘ Liebesunglück. Gerüchte von einem Freicorps verunsichern die Truppe. W setzt sich für die vorgesehene Reiseroute ein, man bricht auf und rastet auf einer Waldwiese.

IV 5 Man fühlt sich wohl, W und Laertes spielen einen Fechtkampf. Überfall durch Räuber, Kampf. Philine mit dem verwundeten W und Mi bleiben als einzige zurück, der Rest flieht.

IV 6 Eine kleine Reisegruppe um eine schöne Frau kümmert sich um die Drei und versorgt W‘ Wunden.

IV 7 Man holt die Drei ins Dorf, die Truppe nimmt sie feindselig auf.

IV 8 W verteidigt sich gegen Vorwürfe, er sei schuld am Überfall; Frau Melina hat eine Totgeburt. W verzichtet auf seine Forderungen und will seine Habe allen zugute kommen lassen sowie Verluste ersetzen.

IV 9 Ein Jäger der Schönen bringt die Vier ins Pfarrhaus; W will Philine wegschicken, sie bleibt , „und wenn ich dich liebe, was geht’s dich an?“ W immer noch unter dem Eindruck seiner Retterin.

IV 10 Die Truppe bekommt von W Empfehlungsschreiben für Serlo und Reisegeld, obwohl sie schon welches hatte; Philine verlässt W auf seine Bitte, Mi umsorgt ihn.

IV 11 W‘ Pläne; ihn plagt die Sehnsucht nach seiner Retterin, der schönen Amazone. „Nur wer die Sehnsucht kennt…“

IV 12 W kann Namen und Aufenthalt der Amazone nicht ausmachen; er ist krisenhaft unruhig und bricht zu Serlo auf.

IV 13 Serlo kritisiert die Melina-Truppe als unfähig; seine Schwester Aurelia (A) kommt hinzu. W charakterisiert Hamlet und wirbt für das Stück.

IV 14 W spricht mit A über Ophelia, A ist betroffen und lehnt sich an W als Freund an. Philine ist bei Serlo untergekommen, bekennt W ihre Liebe und klärt ihn über die Verhältnisse Serlos und A‘ auf.

IV 15 Gegen seine Einsicht bricht W nicht zur Geschäftsreise auf. Theateraufführung ist gut. A zieht ihn ins Vertrauen, beklagt ihr Geschick und ihre Kindheit. Gespräch mit Serlo über Hamlet.

IV 16 W spricht mit A über Ophelias Lieder. A kämpft mit Serlo um ihren Dolch; A klärt W über sich selbst auf (Naivität gegenüber Menschen bei tiefer Kenntnis des Menschen) und erzählt ihre Theater- und Ehegeschichte. Mi will einen kleinen Atlas haben, ihre leidenschaftliche Liebe zu W. A‘ Freundschaft mit einem neuen Mann, auch nach dem Tod ihres Mannes. – A schickt W weg.

IV 17 W bricht zu Geschäftsbesuchen auf, es geht ordentlich voran. Er kann das vom Vater erwartete Reisejournal nicht schreiben, mangels Kenntnis. Laertes will ihm helfen, ein fiktives Journal zu schreiben.

IV 18 Serlos Lebensgeschichte als Theatergeschichte

IV 19 W findet Geschmack am Leben als Kaufmann, bekommt aber von Serlo das Angebot, selber bei ihm aufzutreten und die ganze Melina-Truppe mit zu engagieren. W denkt über Schicksal und sein Leben nach und schwankt zwischen den beiden Möglichkeiten Künstler/Kaufmann.

IV 20 A klagt W ihr theatralisches und menschlich-weibliches Leiden. W schwört ihr, nie sich leichtfertig einer Frau zu nahen, sie fährt mit dem Dolch über W‘ Hand, als Zeichen seines Versprechens.

FÜNFTES BUCH

V 1 Mia und Felix, A‘ Sohn; Serlo und die Kunst. Nachricht Werners vom Tod des Vaters. W‘ unkluge Art, seine mangelnde Lebenserfahrung zu kompensieren.

V 2 Werners Brief (Auszug): Er will W‘ Schwester heiraten, das Elternhaus verkaufen und einen Bauernhof erwerben, den W neu organisieren soll – seine Begeisterung über das fiktive Reisejournal. W sträubt sich gegen die Vorschläge.

V 3 W‘ Antwort an Werner: W gesteht die Fälschung des Journals und nennt als Ziel, sich selbst auszubilden: Vergleich der Möglichkeiten des Edelmanns und des Bürgers dazu. Er möchte eine öffentliche Person sein, was nur auf dem Theater möglich sei. Er will seinen Namen ändern und überlässt Werner die Verwaltung des Vermögens. – W unterzeichnet den Vertrag mit Serlo, das Bild der schönen Amazone vor Augen.

V 4 Zusage Serlos, den „Hamlet“ aufzuführen, soweit möglich. Streit mit W, ob man das Stück kürzen darf. Nach ein paar Tagen entwirft W einen Plan, wie man „Hamlet“ von Ballast befreien könnte. Serlo stimmt ihm begeistert zu.

V 5 W macht sich an die Arbeit, Philine soll auch mitspielen; ihre kleine Rangelei mit Serlo wegen der Pantoffeln.

V 6 Überlegungen, wie die Rollen zu besetzen sind und wie man auch den Souffleur einspannen könnte. W zweifelt, ob er selber für den Hamlet die richtige Besetzung ist.

V 7 Gespräch über den Unterschied von Roman und Drama; man veranstaltet eine Leseprobe des „Hamlet“. Serlo spricht über die Begabung des guten Schauspielers; vor dem Geist des Stücks müsse der Buchstabe richtig erfasst sein.

V 8 Zwei Theaterfreunde sind bei den Proben anwesend und greifen korrigierend ein: Bedingungen eines guten Spiels.

V 9 Proben zum „Hamlet“

V 10 Nach der Generalprobe – Kritik Philines an den Disputen der Männer. A kritisiert Philine vor W, der verteidigt sie. Philine spielt ihm einen Streich (Pantoffeln vor dem Bett).

V 11 Die Aufführung wird ein großer Erfolg; Rolle des Geistes wird herausgestellt.

V 12 Feier nach der Aufführung, ausgelassen, Mi rast. In seinem Bett findet W eine Gestalt, die sich an ihn drängt.

V 13 Zettel am Schleier des Geistes auf W‘ Bett: „Flieh! Jüngling, flieh!“ – Mi ist erwachsener geworden; Philine scheint die nächtliche Besucherin gewesen zu sein.

V 14 Nach dem Brand wohnt W mit Felix und Mi in einem neuen Haus, er ist unruhig; der Harfenspieler kommt: „An die Türen will ich schleichen…“

V 15 W gibt den verwirrten Harfner in Behandlung zu einem Geistlichen; Stimmen des Publikums zum Stück. Serlo und W gehen zu Philine, bei der eine Freundin namens M ist; W möchte sie vergeblich sehen. Die beiden Frauen reisen heimlich ab, man schickt einen Kundschafter hinterher.

V 16 Veränderungen in der Truppe; A‘ Abneigung gegen französische Stücke und Sprache. Schwierigkeiten, weil die vermittelnde Philine fehlt; W ist praktisch Regisseur, er ist unzufrieden. Der Harfner erholt sich beim Pfarrer; dessen Theorien über Krankheit. W hört durch einen Arzt vom Grafen und seiner Frau, denen es infolge des alten Scherzes W‘ nicht gut geht – er fühlt sich schuldig. W geht mit dem Arzt zu A; dieser verspricht ihm ein Manuskript „Bekenntnisse einer schönen Seele“, dessen Lektüre heilsam sei.

Melina schlägt Serno vor, eine Oper aufzuführen; W und A stehen ihnen dabei im Weg. „Emilia Galotti“ wird vorbereitet, mit W als Prinz (Adel!) und A als Orsina. Streit zwischen Serlo und A, sie wird krank. Die Lektüre des Manuskripts verändert sie, sie verzeiht ihrem untreuen Freund und stirbt. W soll den Abschiedsbrief an den Ex-Freund überbringen; Mi bleibt mit Felix zurück. Gedicht Mi‘: „Heiß mich nicht reden…“

SECHSTES BUCH

Bekenntnisse einer schönen Seele

Beginn des eigentlichen Lebens mit einem Blutsturz des 7jährigen Kindes, bei dem sich eine Neigung zum Unsichtbaren und zu Gott einstellt. Große Liebe zu Büchern, mit 12 Unterricht in Französisch und Tanzen; Freundschaft mit einem Tanzpartner, als dieser erkrankt.

In der Jugend starke Verweltlichung, doch ist sie gegen Männer reserviert. „Narziss“ (N), ein junger Mann aus dem diplomatischen Dienst, freundet sich mit ihr an; er findet Anschluss an die Familie; Eklat bei einem Fest, N wird verwundet und bleibt zwei Monate krank; er möchte sie heiraten – die Mutter agiert vorsichtig. Er nimmt die Besuche wieder auf; Heiratsantrag, die Eltern stimmen bedingungsweise zu. Vorteile, wenn aus dem Liebhaber ein Bräutigam wird – die Verlobten sind über die Grenzen des Erlaubten uneinig.

Neue Annäherung an Gott; die Beförderung N‘ scheitert. Ihre Einsicht in das, was die Zuwendung zu Gott verhindert: die gängigen Zerstreuungen. Sie erkennt, dass das Band zu N nicht so stark ist wie ihr seelisches Bedürfnis nach dem Guten. Eltern machen ihr Vorhaltungen, doch sie pocht auf das Recht ihrer Überzeugung. Sie kann davon ihren Vater überzeugen; N zieht sich zurück, sie liebt ihn gleichwohl. Ein Briefwechsel mit N führt zu nichts. Nach N‘ Beförderung will er sie als fügsame Gattin heiraten – Ende der Beziehung. Neue Zuwendung zur Welt, auch im Haus eines Grafen.

Stiefbruder des Vaters taucht auf, der sie zur Stiftsdame macht und die Schwester zur Hofdame. Pflichten des neuen Lebens; sie erleidet (mit 22?) erneut einen Blutsturz.

Krankheit der Eltern – die Nähe Gottes hilft ihr; sie vertraut auf ihre Erfahrung statt auf Theorien (etwa: das Hallesche Bekehrungssystem). Nach sieben Jahren freundet sich mit „Philo“ (P) an; durch dessen vergangene Verfehlungen erkennt sie auch in sich Ansätze des Ungeheuerlichen. Sie findet Hilfe beim Menschgewordenen und Gekreuzigten = Glaube; daraus ergibt sich eine neue Heiterkeit, die Prediger enttäuschen sie jetzt. P versorgt sie mit Schriften der Herrnhuter, sie vertraut sich ihm an, doch er ist noch nicht so weit wie sie. Sie besucht Herrnhuter Versammlungen. Der Oberhofprediger streitet mit ihnen über den wahren Glauben; er stirbt.

Heirat der Schwester, durch den Onkel vermittelt; Hochzeit in dessen wunderbar eingerichteten Schloss, Feier dauert mehrere Tage. Gespräche mit dem Onkel über die richtige Lebensführung: gemäß seinem Zweck leben! Bedeutung der Kunst für den sittlichen Menschen; beeindruckend die Bibliothek und die geistliche Vokalmusik. Sie kann sich aber nicht den Kunstwerken als solchen zuwenden.

Krankheit und Tod der ledigen Schwester, bedrückende Folgen davon; sie wendet sich nun auch praktischen Dingen zu. Geburt eines Neffen, Tod des Vaters → größte Freiheit für sie. Über das Glück der Freiheit (HA 414/10 ff.): das tun, was man für recht und schicklich hält. Dissens mit den Herrnhutern; es werden noch zwei Nichten geboren. Ihre Seele weiß: ‚Alles vergeht, Ich bin.‘ Kritik eines befreundeten Arztes an solchen Gefühlen: Der Mensch müsse tätig sein!

Geburt eines Neffen, Tod des Schwagers und der Schwester, der Onkel kümmert sich um die Kinder; Entwicklung der Kinder, in ihnen leben Eigenheiten der Familienmitglieder fort. Der Onkel hält die Kinder von ihr fern, sie ist ihm zu mystisch – sie hält am Glauben an die göttliche Nähe fest.

SIEBENTES BUCH

VII 1 W reitet zu Lothario (L), spricht mit einem Geistlichen, kommt in ein verbautes Schloss, gibt A‘ Brief ab. W wird einquartiert; sein Traum.

VII 2 Am nächsten Morgen kommt L nach einem Duell verwundet zurück; J ist da; die Vorgeschichte des Duells.

VII 3 L und J sprechen über das richtige Wirtschaften (Hofordnung verändern); die Gräfin ist L‘ Schwester, J kennt die Geschichte. J hat sich verändert. W kritisiert die Theatertruppe, J sagt: So ist die ganze Welt. W fragt J nach der Amazone, wird vertröstet.

VII 4 Der Arzt berichtet über den Zustand des Harfners und vermutet einen Fehltritt des früheren Geistlichen; dessen hoffnungslose Verschlossenheit. W soll Lydie, die Freundin L‘, durch einen Trick aus dem Haus schaffen; unter einem Vorwand fahren sie ab, Therese suchen. Am Haus Thereses wird Lydie ohnmächtig.

VII 5 Therese ist Lydies Vorgängerin bei L. W versteht sich mit Therese; Spaziergang, sie kennt sich in der Bewirtschaftung von Gütern aus. W neidet L ein bisschen seine Frauenbekanntschaften.

VII 6 Therese erzählt W ihre Geschichte: guter Vater, schwierige untreue Mutter, deren Vertraute Lydie war. Mutter reiste fort, Vater erlitt nach guten Jahren Schlaganfall und starb. Das Testament war für sie ungünstig, sie zog aus zu einer Bekannten. L sprach einmal über Männer – Frauen, sie entsprach seinem Ideal; bei einer Jagd lernte sie ihn näher kennen und wurde in Wirtschaftsfragen seine Vertraute. Lydie warb um L, aber dieser um Therese; sie sagte zu. Als es offiziell wurde, verschwand Lydie. Zufällig entdeckte L, dass er seine Schwiegermutter unter anderem Namen kannte, und verschwand.

Therese kümmert sich mit der Gräfin um fremde Kinder. Lydie verlangt geistliche Bücher zum Trost, was Therese verurteilt. L hatte ein Verhältnis mit ihrer Mutter und sich später auf Lydie eingelassen. Therese bekam Geld von einer Gönnerin und verzichtete auf ein größeres Gut, das L ihr geben wollte. – Lydie mag L‘ Freunde nicht, die ihn angeblich ihr abspenstig machen. W freut sich, Therese zu kennen; er reitet zu L zurück.

VII 7 L erzählt eine Begebenheit von einem Ritt, der ihn die Nähe des Elternhauses einer früheren Geliebten führte, und einer Verwechslung von zwei Frauen; im Gespräch über A, bei dem W seine früher geplante Kritik L‘ erwähnt, wird klar, dass A keinen Sohn hatte. W soll die Kinder holen, Therese sich um Mi, er sich um Felix kümmern und dem Theater entsagen. – L ist noch einmal zu dem Haus geritten und hat seine frühere Geliebte im Kreis ihrer Kinder getroffen, beide waren bewegt.

VII 8 W trifft die Kinder und die Alte = Barbara, M‘ Dienerin; die gibt ihm M‘ Abschiedsbrief: M ist tot, Felix sein Sohn, sie war ihm treu. W trifft die Truppe und hört Neuigkeiten. Barbara erzählt ihm in der Nacht die ganze Geschichte M‘, die sich gegen Norberg gewehrt und ihn vergeblich erwartet hat. W ist voll Reue und Liebe. Er bekommt M‘ Briefsammlung und liest sie am nächsten Tag. Begegnung mit einigen vom Theater. Gespräch mit Barbara über M‘ Geschick. – Mi wehrt sich gegen eine Trennung von W und Felix und wird mit Felix und Barbara zu Therese geschickt. W nimmt endgültig Abschied vom Theater, Frau Melina hängt an ihm. W schreibt an Werner.

VII 9 L hat geerbt, man muss sich um ein neues Gut kümmern (mit Therese). J verspricht ihm die Einführung in eine neue Welt. Am nächsten Tag wird W in unbekannte Räume geführt und trifft Menschen, die seinen Lebensweg gekreuzt haben; alles geschieht geheimnisvoll, sein Leben zwischen Schicksal und Erziehung changierend. Der Abbé gibt ihm den Lehrbrief, in dem dem Menschen auch Fehler zugestanden werden. Es wird bestätigt, dass Felix sein Sohn ist; der kommt auf ihn zu, und W‘ Lehrjahre sind vorbei.

ACHTES BUCH

VIII 1 Durch die Fragen Felix‘ erkennt W seine Unwissenheit, seine Bildung scheint erst anzufangen. Werner kommt wegen des geerbten Gutes, er ist verkümmert im Vergleich mit W. Die Sorge um Felix lässt W langfristig denken und planen – unsicher, ob er Felix richtig erziehen kann. W liest die im Turm aufbewahrte Rolle seiner Lehrjahre, um Therese seine Lebensgeschichte erzählen zu können. Heiratsantrag an Therese.

VIII 2 L und Werner sprechen über die Besteuerung von Gütern und das Verhältnis zum Staat. W soll mit den Kindern die Schwester L‘ aufsuchen (er meint: die Gräfin). Er ist von Zweifeln geplagt, erkennt aber in der Einladung die Handschrift der Amazone (Natalie, N) und fährt los. Ankunft, die Amazone empfängt ihn, W sieht bekannte Kunstwerke. N berichtet von Mi‘ Situation (Krämpfe, trägt jetzt Frauenkleider): Mi war vor Kindern als „Engel“ aufgetreten, Lied „So laß mich scheinen, bis ich werde…“

VIII 3 W im Zwiespalt zwischen Therese und N. Ein Bild zeigt N‘ Tante, die Autorin der „Bekenntnisse…“. Man befindet sich im Haus von N‘ Onkel, der des Großvaters Kunstsammlung gekauft hatte. Der Abbé als Erzieher N‘ und ihrer Geschwister. Der Arzt informiert W über Mi‘ Geschichte: Sie ist als Kind von Gauklern entführt worden – sie hatte zu W gewollt, als Philine nachts in seinem Bett lag → Eifersucht, Krämpfe. W ist ratlos, der Arzt rät zu Freundlichkeit. Mi ist mit Felix da, sie ist ganz ruhig.

N erklärt ihre Eigenart, die Bedürfnisse der Menschen zu sehen und zu lindern. Sie stimmt dem Prinzip des irren Lassens bei Kindern nicht zu. Ankunft der Gräfin angekündigt.

VIII 4 N gibt W einen Brief ihrer Freundin Therese, diese stimmt der Heirat zu; W ist unsicher wegen seiner Neigung zu N; Auszüge aus Briefen Thereses an N. Man will L informieren, als J eröffnet, dass Therese nicht die Tochter ihrer Mutter und damit frei für L sei. Bestürzung, W verzichtet auf Therese. Brief Thereses: W soll sofort zu ihr kommen. Brief L‘: W soll unbedingt bei N bleiben, bis Therese sich entschieden hat. Brief Thereses: Sie will notfalls selber kommen, sie fühlt sich von den Männern verplant.

VIII 5 Man geht zum Sarkophag des Onkels, dort der Spruch „Gedenke zu leben“. Wunderbare Einrichtung des Raumes. – Therese kommt, Küsse, Mi bricht zusammen, tot. Man will sie einbalsamieren. L kommt mit J und Abbé, W ist verdrossen. J klärt ihn über den Turm auf und über das Eingreifen des Abbés in sein Leben. Er charakterisiert den Abbé und andere Personen.

VIII 6 N‘ verschollener Bruder kommt, es ist Friedrich; er ist mit der schwangeren Philine zusammen. Der Abbé erzählt die Geschichte von Thereses Eltern und ihrer Geburt; W erneuert gegen J seinen Verzicht auf Therese.

VIII 7 J will nach Amerika gehen, der Turm soll sich in der ganzen Welt verteilen; er lädt W ein, ihn zu begleiten. J hat sich schon mit Lydie verabredet. Der Abbé bietet W an, als Begleiter des Marchese (Freund des Onkels von N) zu reisen. W wird sich bewusst, dass er N liebt. Er will mit Felix in die Welt und bittet Werner um Geld. Mit dem Marchese gibt es Gespräche über Kunst und oft fehlenden Kunstsinn.

VIII 8 Exequien Mi‘, kleine Feier; sie ist einbalsamiert. An einem Kreuz-Tatoo erkennt der Marchese sie als seine verschollene Nichte.

VIII 9 Marchese lädt alle nach Italien und W zur Mitreise ein. Die Gräfin kommt. Der Abbé liest die von ihm ausgearbeitete Geschichte des Marchese und seiner Familie, in der Mi als illegitimes Kind seines Bruders (Ex-Pater) und einer von Fremden erzogenen Schwester hervorgegangen ist. Der Mutter wurde etwas vorgespielt, das Kind ihr weggenommen – die kirchliche Vertuschung eines Fehltritts. Mi war ein wildes Kind, voll Musik, mit beschränktem Verstand. Nach dem Tod galt ihre Mutter als Heilige. Der Vater entfloh erneut dem Kloster.

VIII 10 Er ist der Harfner, heißt Augustin. W soll das Erbe Mi‘ antreten. Der Harfner kommt, er ist verwandelt (durch die Möglichkeit, sich zu töten). Der Graf kommt und macht sich nützlich. Felix scheint von Augustins Gift getrunken zu haben, N und W kümmern sich um ihn, er erholt sich aber schnell. Augustin will sich töten, was er schließlich schafft.

Verlegenheit vor W‘ Abreise. L offenbart W, dass Therese der Heirat mit L nur unter der Bedingung zugestimmt habe, dass W N bekommt, für die sein Herz sich entschieden habe. L bietet W an, gemeinsam zu heiraten und zu wirken. Friedrich verkündet, dass N W gewählt habe: „du kommst mir vor wie Saul, der Son Kis, der ausging, seines Vaters Eselinnen zu suchen, und ein Königreich fand.“ W ist glücklich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Meisters_Lehrjahre (unvollständig)

http://cornelia.siteware.ch/literatur/litzusammenfassungen/Wilhelm_Meisters_Lehrjahre.html

https://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/Wilhelm%20Meisters%20Lehrjahre

https://deliteratur.wordpress.com/2010/06/16/bildungsroman/ (Bildungsroman)

https://epub.ub.uni-muenchen.de/5349/1/5349.pdf (Selbmann: Der deutsche Bildungsroman)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/wp-content/uploads/2015/09/bildungsroman.pdf (Bildungsroman)

http://www.jltonline.de/index.php/conferences/article/view/582/1407 (Besprechung Böhm / Dennerlein)

http://www.literaturtipps.de/topthema/thema/wie-sich-der-bildungsroman-weiterbildete.html (Wie sich der Bildungsroman weiterbildete)

https://www.academia.edu/6102330/Dennis_Benneballe_Grade_Bildung_und_die_Turmgesellschaft_in_Goethes_Wilhelm_Meisters_Lehrjahre (Bildung und Turmgesellschaft)

https://vu.fernuni-hagen.de/lvuweb/lvu/file/FeU/KSW/2017SS/04528/oeffentlich/04528-4-01-S1+Vorschau.pdf (Aspekte des Bildungsromans in „Wilhelm Meister“)

http://geraldmackenthun.de/app/download/5784325403/Goethes_Wilhelm_Meister_%281995%29.pdf (dito)

http://sammelpunkt.philo.at/2614/1/Kammertoens_W_Meister_Kant.pdf (Kammertöns: Wieviel Kant steckt in Wilhelm Meisters Lehrjahren?)

https://www.pedocs.de/volltexte/2014/1650/pdf/Roesler_1990_Die_Grenze_erzieherischer_Moeglichkeiten.pdf (Die Grenze erzieherischer Möglichkeiten)

http://vicoweb.de/vn/refserv/source/kittler/wilhelm_meister_1978.htm (Über die Sozialisation Wilhelm Meisters)

http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/goethe/meisterslehrjahre_fischer.pdf (Die Turmgesellschaft)

https://www.christianix.de/doc/Lehrjahre.pdf (Bildungsidee, Arbeit eines Studenten)

https://bildungsserver.hamburg.de/wilhelm-meister/ (Links zu Arbeiten)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Romane/Wilhelm+Meisters+Lehrjahre (Text)

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