H. Broch: Die Schuldlosen – gelesen

Die Schuldlosen“ ist ein eigenwilliger „Roman in elf Erzählungen“, die auf die Jahre 1913 / 1923 / 1933 datiert sind, die meisten auf 1923. Die verschiedenen Handlungen spielen in Deutschland und sind mehr oder weniger deutlich miteinander verknüpft; Ausgangspunkt waren fünf alte Novellen, die später überarbeitet und durch weitere Geschichten ergänzt und verbunden wurden. Das Thema ist das „schuldlose“ Leben der Figuren, die jeweils auf ihre Weise ihr Leben verfehlen und so schuldig werden und Sühne leisten müssen – sie sind der Nährboden, auf deren Gleichgültigkeit die Hitlerei sich durchsetzen kann.

Die Hauptfigur ist Andreas, ein holländischer ehemaliger Diamantenhändler, der nebenbei immer viel Geld verdient und sich in die Sohnesrolle bei einer verwitweten Baronin flüchtet; in deren Haus regiert unausgesprochen die hinterlistige Magd Zerline, welche die jüngferliche Tochter der Baronin gegen Melitta, für zwei Tage die Geliebte Andreas‘, aufhetzt, welche Melitta dann in den Tod treibt. Eine andere Hauptfigur, über Andreas mit dem Geschehen verbunden, ist Herr Zacharias, ehemaliger Hilfslehrer für Mathematik, später Studienrat – ein autoritärer Charakter, ein widerlicher Spießer als Typ des absoluten Durchschnitts. Allein schon die beiden Novellen, in denen Zacharias agiert („Methodisch konstruiert“ und „Die vier Reden des Studienrats Zacharias“), lohnen die Lektüre des Romans, und wem dieser unzugänglich ist, sollte die Novellen gesondert lesen.

Die Erzählungen zu den drei Jahren 1913, 1923, 1933 werden jeweils durch ein längeres Gedicht eingeleitet; nicht nur die einleitende Parabel von der Stimme“, sondern auch die Erzählungen selber sind von einer eigenwilligen Sein-und-Nichts-Mystik gefärbt, mit der der Autor die absolute ethische Verpflichtung zu einem authentischen Leben verdeutlichen will – als Akt der Sühne ist der Selbstmord des Andreas zu verstehen.

In dem von Paul Michael Lützeler herausgegebenen Suhrkamp-Band tragen die Kommentare Hermann Brochs zum Verständnis des Romans mehr bei als der schwache Artikel in der Wikipedia.

zu Broch: http://www.pointernet.pds.hu/kissendre/germanisztika/20050409201044406000000413.html

http://forvm.contextxxi.org/_hermann-broch_.html

http://stefanieweiss.tk/author/hermann-broch/?page=2 (Bücher Brochs herunterladen)

der Roman:

http://www.literaturepochen.at/exil/multimedia/pdf/brochhandlung.pdf (Broch: Die Handlung [des Romans])

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schuldlosen (Schwächen im Verständnis des Romans)

http://www.lostinfactsandfiction.de/hermann-broch-die-schuldlosen/ (kritisch)

Die_Gleichgultigkeit_als_ethische_Schuld_in_Hermann_Brochs_Die_Schuldlosen.pdf (Die Gleichgültigkeit als ethische Schuld in Hermann Brochs Die Schuldlosen)

http://www.solon-line.de/2014/06/30/stimme-und-blick-gleichgueltigkeit-und-antwortfaehigkeit/ (Stimme und Blick, Gleichgültigkeit und Antwortfähigkeit. Hermann Brochs Roman „Die Schuldlosen“ und die Krise Europas)

https://www.academia.edu/34654124/09.HainzDTP1.pdf (Martin A. Hainz: Handlungsmelodik? (An-)Ästhetiken in Brochs Schuldlosen)

https://d-nb.info/105972443X/34 (Mythos und Mathematik. Hermann Brochs Roman Die Schuldlosen und seine Essays)

http://www.goldbergstiftung.org/file/broch.pdf (Musikalische Zeit und Zeichen-Raum in Brochs Roman Die Schuldlosen und Mozarts Don Giovanni)