Schlafe, mein Prinzchen, schlaf‘ ein – Text

Im Internet findet man verschiedene Versionen des Textes. Das Wiegenlied ist nämlich reichlich zersungen [„Dröhnet ein schmelzendes/lustvolles Ach“; in manchen Versionen wird das seufzende Ach durch einen anderen Text ersetzt, damit die Kinder keine dummen Fragen stellen] ; ich habe versucht, den ursprünglichen Text zu finden. Es gelingt mir aber nicht, Gotters Drama „Esther“, aus dem das Gedicht als Äußerung Fatmes stammt (Gotter: Schauspiele, 1795, S. 154-156), im Internet einzusehen. Ich habe allerdings mehrere alte Versionen des Gedichts gefunden:

https://archive.org/details/bub_gb_TkkuAAAAYAAJ/page/n565 Als der Großvater die Großmutter nahm. Ein Liederbuch für altmodische Leute. 4. Aufl. Leipzig 1905, S. 555 f. (bester Text, mit Quellenangabe S. 635)

https://archive.org/details/BoehmeVtLieder1895/page/n491 Franz Magnus Böhme: Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert. Leipzig 1895, dort S. 466 f. (Nr. 623)

Meine älteste Quelle stammt aus dem Jahr 1796: https://books.google.de/books?id=rp5hAAAAcAAJ&pg=PP4&dq=Gotter:+schlafe+mein+prinzchen+1796&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwii5bLM1_jlAhVNK1AKHfxfCGI4FBDoAQhJMAU#v=onepage&q=Gotter%3A+schlafe+mein+prinzchen+1796&f=false von Friedrich Fleischmann, allerdings mit erweitertem Refrain, wie er wunderbar von Nana Mouskuri gesungen wird: https://www.youtube.com/watch?v=cJJoBqpxvWs; hier wirkt sich die Melodie so aus, dass sie gefühlvoll den Refrain erweitert. Diese Version findet man auch in der Wikipedia.

Noch eine Bemerkung zur dritten Strophe: Es muss wohl „Karessen [Liebkosungen, Zärtlichkeiten] im Kauf“ heißen; daraus wird oft vereinfachend „Karossen im Lauf“ [vielleicht auch nur falsch gelesen? e für ein unsauber gedrucktes o und das Fraktur-K für L gelesen?] gemacht, was aber falsch ist, auch wenn Kinder das besser verstehen.

2 thoughts on “Schlafe, mein Prinzchen, schlaf‘ ein – Text

  1. Hallo und herzlichen Dank für die Erinnerung an dieses schöne Lied…
    Zur Bemerkung zur dritten Strophe: auch ich hab Mühe mit den „Karossen im Lauf“, weil das einfach nicht passt, verstehe aber den Sinn von „Karessen im Kauf“, wie in der Google Books Version notiert, ebenfalls nicht. Drum hab ich mir überlegt, ob es vielleicht „Karessen zu Hauf“ heissen könnte? Also, dass das (verwöhnte) Prinzchen mit Zärtlichkeiten überhäuft wird?
    Beste Grüsse
    Maggie Widmer

    • Niemand kann einen daran hindern, „Karessen zu Hauf“ zu singen; die schwierigere Lesart ist zweifellos „im Kauf“, aber nach den Regeln der Handschriftenkunde ist die schwierigere Lesart eher die richtige (weil man beim Abschreiben tendenziell den Text glättet oder vereinfacht).
      Man müsste einmal einen Originaldruck einsehen; aber selbst das wäre keine Garantie, dass dort nicht ein Druckfehler (des Setzers) vorliegt – „zu Hauf“ ist jedenfalls keine schlechte Idee!
      Viele Grüße, Norbert Tholen

      P.S. Kennen Sie übrigens „Der weiße Neger Wumbaba“, hrsg. von Axel Hacke (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=iCWNBatp-kk)? Das ist eine Sammlung von Hörfehlern, die gerade bei gesungenen Texten sich leicht einstellen: Der weiße Neger Wumbaba steigt jedenfalls (statt „der weiße Nebel wunderbar“) in Claudius‘ „Abendlied“ aus den Wiesen… Hier sieht man, wie ein unverstandener Text vereinfacht (?, falsch!) rekonstruiert wird.

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