A. Al-Aswani: Der Automobilclub von Kairo – gelesen

Ein großartiger Roman (ägypt. 2013, deutsch 2015) aus der Zeit vor der Revolution Nassers in Ägypten: Einmal erleben wir das Geschick der Familie Gaafar, die aufgrund der Freigebigkeit des Vaters verarmt und nach Kairo gezogen ist, wo er als kleiner Angestellter im Automobilclub ein wenig verdient; er stirbt bald und lässt die Familie unversorgt zurück. So folgt der Erzähler der Geschichte seiner vier Kinder Kamil, Said, Machmud und Saliha.

Durch den Vater, aber auch durch Kamil ist die Familie mit dem Automobilclub verbunden, in dem sich neben reichen Ägyptern und Europäern auch der König herumtreibt und sein Faulenzerleben mit Pokerspiel und Frauengeschichten verschönert. Den Club leitet ein widerlicher Engländer, Mr. Wright, die Aufsicht über das schlecht bezahlte Personal übt der Günstling des Königs Ko gnadenlos aus.

Was das Geschehen vorantreibt, sind einmal der Widerstand einiger gegen den Ko und dessen Willkürherrschaft, sodann der Widerstand gegen den König, in den der Jurastudent Kamil hineingezogen wird, und vor allem die Lebensgeschichten der vier Gafaarkinder (Arbeit und Liebe), wobei die Tochter Wrights, Mitzi, die sich für ägyptisches Leben begeistert, sich vom Vater lossagt und schließlich Kamil heiratet.

Es gibt also in den vierundvierzig Kapiteln, in denen die Erzählstränge ständig wechseln und die oft aus der Ichperspektive einer Figur erzählt werden, viel Gewalt und Unterwürfigkeit; Liebe, Sex und Ehebruch; Salihas arrangierte und bald gescheiterte Ehe; Kamils Trauung im Gefängnis und zum Schluss die Ermordung Kos, der es nicht besser verdient hat. Man verschlingt die 650 Seiten förmlich – und nach gut 200 Seiten, muss ich gestehen, habe ich schon mal das letzte Kapitel gelesen; da wusste ich dann, dass es mit Ko ein böses Ende nimmt.

Zwei Episoden verdienen, gesondert erwähnt zu werden: Zu Beginn bekommt der Autor Besuch von zwei Figuren des Buchs, die ihm vor dem Druck eine CD mit ihrer wahren Geschichte übergeben: ein kleiner Gag. Und ein größerer: Wright soll und will seine Tochter dem König als Lustobjekt zuführen; Mitzi widersetzt sich zunächst, folgt dann doch der Einladung, lässt sich vom König umsäuseln und versetzt ihn dann – wie sie das macht, sei aber hier nicht verraten.

https://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/maul-halten-und-gehorchen-1.18669288

https://www.sueddeutsche.de/kultur/historischer-roman-der-echte-diener-ist-nur-ein-konsonant-1.2682476

https://www.freitag.de/autoren/soloto/der-automobilclub-von-kairo

https://de.qantara.de/inhalt/alaa-al-aswanis-roman-der-automobilclub-von-kairo-mikrokosmos-der-tyrannei

https://www.marabout.de/Aswani/Aswani3.htm

https://travelwithoutmoving.de/der-automobilclub-von-kairo-von-alaa-al-aswani/

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article147921767/Man-sieht-diesen-roten-Punkt-wenn-sie-zielen.html (Interview)

https://de.qantara.de/inhalt/interview-mit-dem-aegyptischen-autor-alaa-al-aswani-ich-schreibe-um-die-demokratie-zu (dito)

https://www.diepresse.com/4878713/al-aswani-bdquodie-agypter-sind-andere-gewordenldquo (dito)