Maya Angelou: Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt (1969) – vorgestellt

Warum fesseln uns die Geschichten der Unterdrückten? Sind es die Gefahren, die sie zu bestehen haben, oder ist es ihr Kämpferherz, das uns beeindruckt? Maya Angelou, eigentlich Marguerite A. Johnson (1928-2014), war eine bedeutende Figur der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In ihrem 1969 veröffentlichten Buch „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“ (deutsch 1980), erzählt sie ihre Lebensgeschichte im Alter von drei bis 17 Jahren: wie sie von ihren geschiedenen Eltern zusammen mit ihrem Bruder zur Oma geschickt wurde, wie sie die Demütigungen der Schwarzen in den USA am eigenen Leibe erlebte, wie sie durch den Zusammenhalt der Familie und die Religion ihrer lebenstüchtigen Großmutter geprägt wurde, wie sie langsam (und manchmal zu heftig und schnell) in die Sexualität eingeführt wurde, wie sie um ihre Selbständigkeit kämpfte und noch als gute Schülerin Mutter wurde…

Es ist ein bewegendes Buch. „In ihren zarten Jahren wird die schwarze Frau von allen Kräften der Natur heimgesucht. Sie gerät in ein dreifaches Kreuzfeuer von Vorurteilen: des unlogischen weißen Hasses, der schwarzen Ohnmacht und des männlichen Chauvinismus.“ Maya Angelou hat dieses Kreuzfeuer bestanden.

Rezensionen:

https://wortgelueste.de/angelou-ich-weiss-warum-der-gefangene-vogel-singt/

https://www.deutschlandfunk.de/maya-angelou-ich-weiss-warum-der-gefangene-vogel-singt-von.700.de.html?dram:article_id=440735

https://www.54books.de/angelou-ich-weiss-warum-der-gefangene-vogel-singt/

https://motivationsgeschichten.com/2012/04/09/maya-angelou-weiss-gefangene-vogel-singt-13420993/

https://www.54books.de/54readsma-maya-angelou-ich-weiss-warum-der-gefangene-vogel-singt/

die Autorin:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_Angelou

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A. Uzarski: Möppi. Die Memoiren eines Hundes (1921) – kurz vorgestellt

Adolf Uzarski, 1885 in Duisburg geboren, war in der Weimarer Republik als Maler und Schriftsteller eine feste Größe in der Düsseldorfer Kunstszene. Sein Roman „Möppi“ (1921) stellt die Memoiren eines Düsseldorfer Hundes dar, in denen aus der Hundeperspektive das Leben der Menschen im und nach dem Weltkrieg betrachtet wird. Das Buch lebt vom gleichen Humor, den es auch bei Herbert Knebel, dem Ohnesorg-Theater oder bei Millowitsch gibt, also von der Komik der Stereotypen. Dabei fallen einige besonders Eingebildete wie etwa Oberlehrer Dr. Kuhbach besonders heftig auf die Nase.

Fazit: Speziell in der Umgebung Düsseldorfs kann man Möppis Memoiren (350 Seiten) auch heute noch lesen, wenn man diese Art von Humor mag; die Heute-Show ist schließlich auch kaum besser.

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Uzarski

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/adolf-uzarski/

https://www.google.de/search?hl=de&tbm=isch&source=hp&biw=1865&bih=974&ei=XPCxXJvgLY6imwXBz764DA&q=adolf+uzarski&oq=Uzarski&gs_l=img.1.1.0j0i5i30l3j0i24.1485.4026..6525…0.0..1.205.761.4j2j1……2….1..gws-wiz-img…..0..0i30j0i10i24.93K5SX31FG0

I. Turgenjew: Väter und Söhne – vorgestellt

Turgenjews Roman „Väter und Söhne“ (1861, deutsch 1869) ist eine Art Parabel von der Heimkehr der verlorenen Söhne. In ihr wird vom Weg zweier Freunde erzählt, die nach dem Studium in ihre Heimatdörfer zurückkehren, Arkadij und Basarow. Arkadij steht unter Basarows Einfluss, der ihn zu einem „Nihilisten“ gemacht hat – einem, der sich gegen alle Autorität, alles Hergebrachte einschließlich Liebe und Ehe wendet und nur anerkennt, was seiner Prüfung standhält.

Arkadij ist Sohn eines kleinen Adeligen, der seine Güter mehr schlecht als recht verwalten lässt; nach dem Tod seiner Frau lebt er mit der jungen Fenitschka zusammen, sie haben einen kleinen Sohn. Außerdem lebt sein Bruder Pawel bei Ihnen, der ihm gelegentlich finanziell unter die Arme greift. Basarows Vater ist ein ehemaliger Regimentsarzt, der als Bauer und Heilpraktiker wirtschaftet. Basarow betreibt intensiv wissenschaftliche Untersuchungen, er ist Mediziner.

Die beiden jungen Männer leben nach der Heimkehr teilweise zu Hause, teilweise bei der schönen Frau Odinzowa, einer jungen Witwe, die ein großes Gut geerbt hat, und ihrer Schwester Katja. Daneben gibt es noch die aufgekratzte „moderne“ Frau Kukschina und den Taugenichts Sitnikow nebst einigen weiteren Nebenfiguren, die wir nicht zu beachten brauchen. Arkadij und Basarow entfremden sich voneinander, was auch an ihrer Verehrung der Frau Odinzowa liegen mag, die sich stärker zu Basarow hingezogen fühlt, um ihn dann doch abzuweisen – resp. er selber sieht, dass sie ihn nicht lieben kann, und geht fort, während Arkadij sich zu ihrer Schwester Katja hingezogen fühlt.

Als Basarow in einer einsamen Stunde Fenitschka küsst, wird er von Pawlow beobachtet; der fordert ihn zum Duell auf und wird dabei verletzt. Damit neigt sich das Geschehen dem Ende zu: Die beiden Freunde wissen, dass sie einander fremd geworden sind. Arkadij heiratet Katja und übernimmt die elterlichen Güter, er hat sich durch Katjas Einfluss verändert und seinen Frieden mit der Familie gefunden; sein Vater heiratet Fenitschka, Pawlow zieht fort. Basarow wird nach einigen Wirren Gehilfe seines Vaters und arrangiert sich so mit ihm; bei einer Obduktion steckt er sich an einem Toten an, der an Typhus gestorben war, und geht ebenfalls dem Ende entgegen: „Ja, verneine einer einmal den Tod! Er verneint euch; damit ist alles gesagt.“

Im 28. Kapitel gibt der Erzähler noch einen Ausblick auf das weitere Schicksal der Hauptpersonen, wobei der letzte Blick auf das Grab Basarows fällt und er im Hinblick auf dessen traurige Eltern fragt: „Ist es möglich, daß ihre Gebete, ihre Tränen vergeblich wären?“

https://www.zeit.de/1980/36/vaeter-und-soehne

https://www.deutschlandfunk.de/iwan-turgenjew-vaeter-und-soehne-ueber-liebesverwirrungen.700.de.html?dram:article_id=410525

https://www.belletristik-couch.de/titel/3094-vaeter-und-soehne/

https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4ter_und_S%C3%B6hne

https://de.rbth.com/kultur/81177-vaeter-und-soehne-warum-turgenjew-lesen

https://www.ndr.de/kultur/buch/Iwan-Turgenjew-Vaeter-und-Soehne,weltliteratur192.html

https://www.horst-juergen-gerigk.de/aufs%C3%A4tze/turgenjew-heute/ (Turgenjews Bedeutung)

http://www.glanzundelend.de/Red17/t17/iwan_sergejewitsch_turgenjew.htm (dito)

https://archive.org/details/idealeundwirklic00kropuoft/page/108 (Kropotkin über Turgenjew, speziell S. 127 ff.)

https://archive.org/details/bub_gb_i20hAAAAMAAJ/page/n153 (E. Borkowsky über Turgenjew, speziell S. 147 ff.)

Text des Romans: https://archive.org/details/vterundshne00turg/page/n5; mit der Eindeutschung des russischen Namens ergeben sich auch die Schreibweisen Turgenev und Turgenjeff. 

P. Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs, 1898 – Rezension

Im Alter von 57 Jahren hat Peter oder Pjotr Kropotkin seine Memoiren geschrieben. Er berichtet ausführlich über seine Kindheit als Sohn eines russischen Großfürsten und Halbwaise, die mit ihrer Stiefmutter nicht gut auskam; über seine Zeit in der Pagenschule des Zaren; über seine wissenschaftlichen Reisen in Sibirien, seine Rückkehr nach Petersburg und die erste Reise nach Westeuropa, wo er Propaganda für die sozialistisch-anarchische Idee der Befreiung der Arbeiter betrieb. In Russland wurde er verhaftet, konnte jedoch auf abenteuerliche Weise aus dem Krankenhaus der Festung entfliehen und ging wieder nach Westeuropa, wo er weiter für seine Propaganda lebte und in Frankreich auch einige Zeit im Gefängnis von Clairvaux verbrachte.

Kropotkin erzählt lebhaft und anschaulich von den Intrigen am Zarenhof, von der Lebensführung der Fürsten, von dem Umtrieben der russischen Agenten im Ausland und ihren Fantasieberichten, von der Leichtigkeit des Einsperrens, Verbannens, Peitschens und Tötens in Russland, sodass die 600 Seiten gut zu lesen sind. Man erfährt einiges aus dem Privatleben der Familie Kropotkin, vieles über die Zustände in Russland, als die Leibeigenschaft aufgehoben und gleichzeitig hintertrieben wurde, und noch mehr über die Art, wie Kropotkin und andere die Bildung der Arbeiter verbessern und ihnen eine eine utopische Perspektive geben wollten.

Die meisten Namen, die Kropotkin erwähnt, sind heute für einen normalen Leser ohne Bedeutung; aber dem ein oder anderen Namen kann man doch übers Internet nachgehen, wobei man Erstaunliches finden kann. Ich werde jedenfalls aufgrund der Bemerkungen Kropotkins als nächstes Buch Turgenjew: Väter und Söhne, lesen.

Rezensionen:

https://www.zeit.de/1970/02/ein-revolutionaer-als-weisser-christus

https://wolfdieternarr.de/files/Narr_2003_Peter-A-Kropotkin_Graswurzelrevolution.pdf

www.kritisch-lesen.de/rezension/memoiren-eines-revolutionars.pdf

Kropotkin:

https://www.biologie-seite.de/Biologie/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin

https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/peter-kropotkin/4-kropotkin-eine-biografie

https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin

https://www.bibliothekderfreien.de/texte/peter-kropotkin.html (Bedeutung)

https://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Kropotkin,_Peter

https://de.wikisource.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin (Werke)

http://www.anarchie-mannheim.de/schriftenreihe/03_Kropotkin.pdf (zwei Aufsätze)

Friedrich Christian Laukhard (1792 ff.) – ein Leseerlebnis

Friedrich Christian Laukhards Beschreibung seines Lebens zu lesen ist ein großes Erlebnis. Sie ist ab 1792 in sechs Bänden erschienen; sie wurde 1908 leicht gekürzt neu herausgegeben. Laukhard war der Sohn eines evangelischen Pfarrers, der seinem leichtlebigen Sohn immer wieder unter die Arme griff. Beeindruckend sind seine Schilderungen des Studentenlebens, seiner kurzen Laufbahn an der Uni und der akademischen Intrigen, seiner Geschicke als preußischer Soldat, als Beobachter des revolutionären Frankreichs, als Erzähler vieler Begegnungen mit freundlichen Menschen:

Magister F. Ch. Laukhards Leben und Schicksale. Von ihm selbst beschrieben. Bearbeitet von Dr. Viktor Petersen (1908)

https://archive.org/details/magisterfchlauk00petegoog/page/n11

https://archive.org/details/lebenundschicksa02laukuoft/page/n5 (Bd. 2)

Über F. C. Laukhard:

https://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd118726692.html

https://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd118726692.html#adbcontent

https://www.laukhard.de/Laukhards-Lebensdaten.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Christian_Laukhard

https://de.wikisource.org/wiki/Friedrich_Christian_Laukhard

Laukhard hat auch „Beyträge und Berichtigungen zu Herrn D. Karl Friedrich Bahrdts Lebensbeschreibung in Briefen eines Pfälzers“ (1791, https://archive.org/details/bub_gb_z985AAAAcAAJ/page/n5) geschrieben. Damit sei auf Carl Friedrich Bahrdts Selbstbiografie verwiesen, welche ebenfalls lesenswert ist, auch wenn viel geflunkert oder beschönigt wird.

https://www.deutsche-biographie.de/gnd11850598X.html#ndbcontent (alte und neue Biografie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_Bahrdt

https://de.wikisource.org/wiki/Carl_Friedrich_Bahrdt

B. Wollschlaeger: Ich bin Jude aus dem Herzen (2017) – Besprechung

Bernd Wollschlaegers Buch ist eine Bekehrungsgeschichte. Der 1958 geborene Wollschlaeger kommt mit seinem Vater und dessen Verstrickung ins Dritte Reich (erfolgreicher Panzerführer, überzeugter Nazi) nicht zurecht und ist auf der Suche nach der Wahrheit von seines Vaters Vergangenheit. Durch die Freundschaft mit einem hübschen Mädchen aus Israel und einem jungen Palästinenser, die er auf einer Tagung kennengelernt hat, kommt er für einige Tage nach Israel und ist von diesem Land begeistert.

Entscheidend ist dabei seine Gebetserfahrung an der Klagemauer, zu der ihn seine katholische Mutter ausdrücklich geschickt hat; er findet dort die Worte des Gebets und spürt die spirituelle Energie der Mauer (!?) und die Gegenwart Gottes. Ein alter Jude erklärt ihm seine Ergriffenheit nach der jüdisch-mystischen Seelenlehre (Neschamah – Ruach – Nefesh): Eine einsame Neschamah habe ihn gefunden… Außerdem nimmt er aufgrund einiger Andeutungen an, dass es in der Familie der Mutter jüdische Vorfahren gegeben habe, und so ist er zu seiner Reise zum Judentum bereit. Er wendet sich damit von seiner Familie und seinem Vaterland, weniger vom gar nicht praktizierten Christentum ab; er folgt seiner Sehnsucht, nicht besseren Einsichten – intellektuell sind Wollschlaegers Ausführungen eher schlicht. Wird hier letztlich ein Vater-Sohn-Konflikt auf spirituell-nationaler Ebene ausgetragen?

Diese Reise ist das Thema des Buches; es ist eine Bekehrung, die wie andere Bekehrungen auch abläuft, nur dass sich hier jemand originellerweise zum Judentum bekehrt. Die Geschichte wird durch Konflikte mit dem Vater, die Differenz zwischen der jüdischen Freundin und dem palästinensischen Freund und die Polarität zwischen der jüdischen Frau, die er geliebt hat, und einer linken Mexikanerin, mit der später intensiv geschlafen hat, dramatisiert. Er wird Jude, zieht nach Israel, heiratet trotz mancher jüdisch-orthodoxer Schikanen, zieht als Arzt mit der Familie nach Amerika, wird geschieden, heiratet erneut… Das alles spielt aber kaum eine Rolle, es ist eben eine Bekehrungsgeschichte und damit für die Öffentlichkeit bedeutungslos; auch die Berichte über den Besuch Jerusalems und die Probleme Israels enthalten nur Altbekanntes.

Der deutsche Untertitel „Wie ich die Nazi-Vergangenheit meines Vaters bewältigte“ führt in die Irre: Er lehnt es ausdrücklich ab, aus Schuldgefühlen zum Judentum konvertiert zu sein. Außerdem macht er sich die Wahrheitssuche in dieser Hinsicht etwas zu schwer: Statt von seinem Vater immer wieder vergeblich Auskunft zu verlangen, hätte er die reiche Literatur zum Thema studieren sollen und nicht auf den Film „Holocaust“ (1979) warten müssen.

Die großen Zeitungen haben das Buch nicht zur Kenntnis genommen, und das war auch richtig so.

Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (1777 ff.)

Lohnt es sich heute noch, Johann Heinrich Jung-Stillings „Lebensgeschichte“ zu lesen? Sie ist in mehreren Teilen ab 1777 erschienen; der erste Teil wurde von seinem Freund Goethe herausgegeben. Bei zeo.org stehen nur die ersten drei Teile: Heinrich Stillings Jugend, Heinrich Stillings Jünglings-Jahre, Heinrich Stillings Wanderschaft (http://www.zeno.org/Literatur/M/Jung-Stilling,+Johann+Heinrich/Autobiographische+Schriften); Gutenberg-Spiegel bietet auch noch einen Teil des vierten Bandes – das alles zeigt, dass heute doch größere Reserven gegenüber den Schriften Jung-Stillings bestehen.

Bereits sein Charakter gefällt mir nicht ganz, „jede Ironie, und jede Satyre, war ihm ein Gräuel, alle anderen Schwachheiten konnte er entschuldigen“. Erschwerend kommt hinzu, dass er fortwährend fromme Gedanken hegt und sein Leben unter der Idee erzählt, er sei von Gott auf seinem Weg geführt worden:

So angenehm verflossen dreyzehn Wochen, und ich kann sagen: daß Stilling während der Zeit sich weder seines Handwerks schämte, noch sonsten großes Verlangen trug, davon abzukommen. Um das Ende dieser Zeit, etwa mitten im Julius, gieng er an einem Sonntag Nachmittag durch eine Gasse der Stadt Schauberg; die Sonne schien angenehm, und der Himmel war hier und da mit einzelnen Wolken bedeckt; er hatte weder tiefe Betrachtungen, noch sonst etwas sonderliches in den Gedanken; von ohngefähr blickte er in die Höhe und sah eine lichte Wolke über seinem Haupte hinziehen; mit diesem Anblick durchdrung eine unbekannte Kraft seine Seele, ihm wurde so innig wohl, er zitterte am ganzen Leibe, und konnte sich kaum enthalten, daß er nicht darnieder sunk; von dem Augenblick an fühlte er eine unüberwindliche Neigung, ganz für die Ehre Gottes, und das Wohl seiner Mitmenschen zu leben und zu sterben; seine Liebe zum Vater der Menschen, und zum göttlichen Erlöser, desgleichen zu allen Menschen, war in dem Augenblick so groß, daß er willig sein Leben aufgeopfert hätte, wenn’s nöthig gewesen wäre. Dabey fühlte er einen unwiderstehlichen Trieb, über seine Gedanken, Worte und Werke zu wachen, damit sie alle Gottgeziemend, angenehm, und nützlich seyn möchten. Auf der Stelle machte er einen vesten und unwiderruflichen Bund mit Gott, sich hinführo lediglich Seiner Führung zu überlassen, und keine eitle Wünsche mehr zu hegen, sondern wenn es Gott gefallen würde, daß er Lebenslang ein Handwerksmann bleiben sollte, willig und mit Freuden damit zufrieden zu seyn.

Er kehrte alsofort um, gieng nach Haus, und sagte niemand von diesem Vorfall etwas, sondern er blieb wie er vorhin war, nur daß er weniger und behutsamer redete, welches ihn noch beliebter machte.

Diese Geschichte ist eine gewisse Wahrheit. Ich überlasse Schöngeistern, Philosophen und Psychologen, daraus zu machen, was ihnen beliebt; ich weiß wohl, was es ist, das den Menschen umkehrt, und so ganz verändert.“

Was soll man von einem Menschen halten, der eine lichte Wolke sieht und daraufhin einen unwiderruflichen Bund mit Gott schließt – ohne zu fragen, ob Gott den Bund auch mit ihm schließt – und sich Gottes Führung überlassen will? Und der später selber erkennt, dass die Sache mit der göttlichen Vorsehung eine schwierige Sache ist, und dann doch keine Konsequenzen aus dieser Einsicht zieht? (Vgl. https://also42.wordpress.com/wp-admin/post.php?action=edit&post=2713) Ich kann die Lektüre Jung-Stillings heute nur noch aus Gründen historischer Erkenntnis (Aufstieg armer Leute im späten 18. Jh., Probleme des westdeutschen Pietismus, Bekanntschaft mit Goethe) empfehlen.

Text: http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/jung_lebensgeschichte_1835

Karl Philipp Moritz: Anton Reiser

Den „Anton Reiser“ (1785-1790) wollte oder sollte ich vor 45 Jahren in meinem Zweitstudium lesen; damals bin ich nicht dazu gekommen, jetzt habe ich das nachgeholt, und ich bereue es nicht. „Anton Reiser“, in vier Teilen ab 1785 erschienen, ist eine große psychologische Studie über die Entwicklung des „Anton Reiser“ genannten Karl Philipp Moritz von der Geburt bis zum Alter von etwa 19 Jahren; die in Kürzeln genannten Namen von Zeitgenossen sind meistens historisch auflösbar. „Es war die unverantwortliche Seelenlähmung durch das zurücksetzende Betragen seiner eigenen Eltern gegen ihn, die er von seiner Kindheit an noch nicht hatte wieder vermindern können. – Es war ihm unmöglich geworden, jemanden außer sich wie seinesgleichen zu betrachten – jeder schien ihm auf irgendeine Art wichtiger, bedeutender in der Welt, als er, zu sein – daher deuchten ihm Freundschaftsbezeigungen von andern gegen ihn immer eine Art von Herablassung – weil er nun glaubte, verachtet werden zu können, so wurde er wirklich verachtet – und ihm schien oft das schon Verachtung, was ein ein anderer, mit mehr Selbstgefühl, nie würde dafür genommen haben. (…) Das Lächerlichwerden ist eine Art von Vernichtung, und das Lächerlichmachen eine Art von Mord des Selbstgefühls, die nicht ihresgleichen hat. – Von allen außer sich gehaßt zu werden, ist dagegen wünschens- und begehrenswert. – Dieser allgemeine Haß würde das Selbstgefühl nicht töten, sondern es mit einem Trotz beseelen, wovon es auf Jahrtausende leben (…) könnte. – Aber keinen Freund, und nicht einmal einen Feind zu haben – das ist die wahre Hölle, die alle Qualen der fühlbaren Vernichtung eines denkenden Wesens in sich faßt.“ Das ist die Quintessenz der Beobachtung der inneren Entwicklung Anton Reisers.

Die Entwicklung Anton Reisers führt dazu, dass er sich, obwohl ein begabter Kerl, in Traumwelten flüchtet, deren letzte das Theater ist, wo er jedoch nicht Fuß fassen kann, weil es keine freien Stellen gibt und weil die letzte Truppe, auf die er seine Hoffnung gesetzt hatte, wegen eines Betrugs des Prinzipals sich aufgelöst hat. So handelt der Roman auch „die wichtige Frage ab, inwiefern ein junger Mensch sich selber einen Beruf zu wählen imstande sei?“

Die Geschichte Anton Reisers ist natürlich als Exempel interessant; denn menschliche Entwicklungen laufen zwar nicht gesetzmäßig, aber doch regelhaft ab, so dass Anton Reiser sowohl zum Selbstverständnis verhilft als auch darauf hinweist, wie man mit anderen (vor allem jüngeren) Menschen umzugehen hat. Im Einzelnen fallen auf:

  • die Überempfindlichkeit Antons infolge früher Demütigungen,
  • der schreckliche Einfluss der pietistischen Spinnereien seiner Eltern und einiger Erzieher,
  • Antons Flucht in Phantasiewelten (Lesewut, predigen, Theaterfieber),
  • seine Begierde nach Ruhm und Beachtung,
  • Kränkungen durch Mitschüler und Lehrer,
  • Flucht in die Einsamkeit und die Natur,
  • bitterste Armut, Todesnähe, Suizidgedanken,
  • eine Vielzahl freundlicher Helfer,
  • wobei die finanzielle Unterstützung durch den Prinzen „gespart“ statt für Anton verwendet wird;
  • das Studium wird nebenher erledigt,
  • Anton verdient Geld durch Nachhilfe,
  • geht aber sorglos damit um (zwecks Anerkennung);
  • er kann nicht glauben, dass eine Frau ihn lieben könnte;
  • es zeigt sich, wie wichtig die Kenntnis fremder Sprachen, der Sprache der feinen Lebensart, die Bildung überhaupt im bürgerlichen Zeitalter, aber auch die Freundschaft und die angemessene Kleidung für junge Menschen sind;
  • er geht von Hannover zu Fuß nach Bremen, Erfurt, Gotha, Leipzig – und steht schließlich dumm da, weil eine Theatertruppe sich aufgelöst hat.

Für die Zeitgeschichte (um 1775) ist wichtig, wie Ende des 18. Jh. einer aus der Unterschicht durch Bildung emporsteigt und wie bedeutsam ihm Shakespeare und Goethes „Werther“ werden. Allgemein ist von Bedeutung, wie Anton beschreibt, wie das Lesen ihm eine neue Welt eröffnet und wie der Entschluss, eine Predigt des angehimmelten Pastors P[aulmann] aufzuschreiben, ihn zu einem verständigen Hören führt. Das Aufschreiben veranlasst ihn dazu, dass er seine Gedanken ordnet, also gliedert, und Zusammenhänge herstellt – kurz, es bewirkt im Alter von 14 Jahren „eine neue Entwicklung seiner Verstandeskräfte“. In der Auseinandersetzung mit Gottscheds Philosophie lernt er, die Übersicht über die Materie nicht aus den Augen zu verlieren – „er schmeckte zuerst die Wonne des Denkens“.

Anton Reiser“ ist ein Klassiker, den zu lesen sich auch heute noch lohnt.

Anton Reiser“:

http://www.einladung-zur-literaturwissenschaft.de/index.php?option=com_content&view=article&id=479%3A11-5-anton-reiser

https://www.zeit.de/1979/47/anton-reiser

https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Reiser

https://klausgauger.files.wordpress.com/2010/11/karl-philipp-moritz-als-sprecher-des-vierten-standes-neu-fur-blog.pdf

https://www.ndr.de/kultur/buch/Karl-Philipp-Moritz-Anton-Reiser,weltliteratur120.html

https://www.mdr.de/kultur/empfehlungen/klassikerlesung-moritz-anton-reiser-100.html

https://www.versalia.de/rez_text.php?nr=1196

https://www.gute-literatur-meine-empfehlung.de/19-jahrhundert/karl-philipp-moritz-anton-reiser/

Karl Philipp Moritz:

https://www.deutsche-biographie.de/sfz65540.html

https://www.deutsche-biographie.de/sfz65540.html#adbcontent

http://www.bbaw.de/forschung/moritz/forum/chronik.html

http://www.sgipt.org/biogr/b_moritz.htm

http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/moritz/nuebel_selbstbeobachter.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Philipp_Moritz

https://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/MoritzKarlPhilipp

https://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_lmno/moritz.html?print

Alfred Döblin: Wissen und Verändern! – vorgestellt

Ein Student, Gustav Hocke, hatte 1931 Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“, 1929) gefragt, wie man als geistiger Mensch in Deutschland seinen Platz finden könne. Darauf hat Döblin in einem offenen Brief geantwortet – dieser Brief hatte mich beeindruckt:

  • Die Tatsache vieler Wahrheiten sei nicht bedenklich,
  • vor dem Handeln solle man gründlich nachdenken
  • und das Faktum des Klassenkampfes wahrnehmen;
  • der Kapitalismus mache krank, deformiere den Menschen,
  • der geistige Mensch müsse also auf die Seite der Unterdrückten treten;
  • der Klassenkampf führe jedoch nicht zum Sozialismus, sondern höchstens zum Staatskapitalismus.
  • Deshalb sei die Aufgabe des Intellektuellen, die Position des Menschen und der Freiheit einzunehmen;
  • der Sozialismus müsse als Utopie wieder hergestellt werden.

Es folgten weitere Briefe, von denen der dritte und der vierte noch Erwähnung verdienen. Im dritten Brief erklärt Döblin, wieso es nach 1918 infolge der deutschen Geschichte seit Luther keine Bürger, sondern feudalisierte Untertanen ohne Kaiser gebe. Im vierten Brief spricht Döblin über die traditionelle Bildung: „Die alte Bildung und das vorhandene Bildungsgut ist zu einem großen Teil unbrauchbar für die Massen. (…) Es ist eine enorme Sichtung nötig. Es ist zu vieles unter schädigenden Bedingungen gewachsen, und es besteht die Gefahr, daß ohne entschlossene Sichtung der notwendige neue Bildungsweg verlegt wird.“ Das zeigt er an den Beispielen Goethe (zu knapp), Wagner, Stefan George und Nietzsche auf.

Es folgten weitere Briefe, die jedoch insgesamt zeigen, dass seit 1931 fast 90 Jahre vergangen sind und dass die Bundesrepublik heute längst nicht mehr Weimar ist; die Faszination des Kommunismus ist vorbei.

Die Briefe sind unter dem Titel „Wissen und Verändern!“ als Buch zusammengefasst; zum Verständnis der Weimarer Republik bzw. der Bürger, vor allem der Intellektuellen in dieser Zeit ist das Buch eine große Hilfe.

25 Gedichte Erich Kästners analysiert – neu

Endlich ist mein Kästner-Buch bei Krapp & Gutknecht erschienen:

Der Link auf die Verlagsseite zeigt nicht nur die Titel der 25 dargebotenen und analysierten Gedichte, sondern auch die Beigaben, die das Verständnis der

rund 90 Jahre alten Gedichte erleichtern sollen:

  • eine Skizze von Kästners Leben
  • ein Blick auf die Weimarer Republik
  • eine Übersicht über die sozialen Fragen und Ereignisse der Zeit
  • ein Bild von Kunst und Kultur der 20er Jahre
  • eine Anleitung, wie man Gedichte systematisch analysiert – die Summe meiner theoretischen Einsichten und praktischen Erfahrung

Die Illustrationen von Christian Sobeck sind sehr gut, finde ich. Und deshalb kann ich nur eines empfehlen: das Buch unbedingt kaufen, und sei es zum Verschenken!

H. von Doderer: Die Strudlhofstiege (1951) – vorgestellt

Heute habe ich Heimito von Doderers Roman „Strudlhofstiege“ (1951) zu Ende gelesen, 860 Seiten waren das. Es ist schwer, den Roman zu charakterisieren:

  • Es ist ein Wien-Roman, in dem die Strudlhofstiege und einige Straßen in Nordwesten der Inneren Stadt eine große Rolle spielen.
  • Es ist ein Roman der Entwicklung des Majors Melzer zwischen 1911 und 1925, in dem er zum Schluss ziemlich schnell zu einem passablen Ehemann reift.
  • Es ist ein Roman, in dem der Erzähler zwar nicht den Vornamen Melzers kennt, aber mit seiner kritischen Meinung über die Figuren nicht hinter dem Berg hält; deren sympathischste ist die Paula Pichler, finde ich.
  • Es geht eigentlich nur um die Beziehungen zwischen einem größeren Kreis von Figuren, bei denen man leicht den Überblick verlieren kann (kein Wunder bei 860 Seiten!), zumal da der Erzähler auch nicht streng chronologisch vorgeht. Diese Beziehungen werden mit großer Feinheit auch in ihren vorrationalen Schwebungen gezeichnet.
  • Was mir auffällt: Die Arbeitswelt kommt fast gar nicht vor, als spiele sich das wahre Leben nur in der Freizeit ab – dabei macht die Arbeit doch den größten Tel unseres Erwachsenenlebens aus. Die Frauen leben von ihren Männern, aber von den Männern arbeiten nur ein paar – jedenfalls so, dass es für den Leser sichtbar wird.
  • Zweifellos ist das ein großer Roman, zu dessen Verständnis man sich am besten eine Karte der Innenstadt Wiens aufschlägt oder ausdruckt. Um Seite 600 herum, bei den Unterredungen des Rittmeisters mit den Zwillingsschwestern, bin ich durch eine Wüste gegangen, die ich durch kursorisches Lesen schnell zu durchqueren wusste; ansonsten folgt man dem ruhigen Erzählduktus mit Vergnügen – aber ein zweites Mal werde ich das Buch nicht lesen.

Bild der Strudlhofstiege:

https://www.tripadvisor.de/LocationPhotoDirectLink-g190454-d2054229-i191885552-Strudlhofstiege-Vienna.html

https://diepresse.com/home/panorama/wien/513133/Wien_Strudlhofstiege-im-neuen-Glanz

https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Denkmale/Strudlhofstiege

Der Roman:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/lektuere-heimito-von-doderers-strudlhofstiege-15001767.html

https://www.deutschlandfunk.de/buch-der-woche-ewiger-sommer-in-der-strudlhofstiege.700.de.html?dram:article_id=280093

https://www.welt.de/print/wams/kultur/article119126435/Die-Lehre-der-Leere.html

https://literaturkritik.de/id/18611

https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=144

https://www.literaturforum.de/threads/13804-heimito-von-doderer-die-strudlhofstiege

https://diepresse.com/home/kultur/literatur/613905/Strudlhofstiege-und-ihr-kurioser-SchoepferDaemon

Memoiren einer Idealistin, Bd. 2 (1875) – vorgestellt

Der zweite Band der „Memoiren einer Idealistin“ (https://archive.org/details/memoireneineride00meysuoft/page/402), eine ursprünglich nicht geplante Fortsetzung von Band 1, erschien 1875. Darin berichtet Malwida von Meysenbug aus der Zeit ihres Exils in London. Sie hielt sich mit dem Erteilen von Deutschunterricht – Deutsch war fashionable, weil der Prinzgemahl ein Deutscher war – über Wasser; dann lernte sie Alexander Herzen kennen und vertrat bei dessen Töchtern die Stelle der Mutter, welche verstorben war. Sie erläutert, wie sie deutsche Ordnung in den russischen Schlendrian Herzens brachte und wie sie in ihrer Mutterrolle aufging. Die „Familie“ zog dann nach Richmond, also aus der Großstadt weg, was den Wünschen Malwidas entgegenkam. So ist dieser Band von vielen Überlegungen zur richtigen Erziehung, aber auch dem Bericht von einigen Begegnungen mit anderen Exilanten, Auszügen aus Briefen und dem Bericht von der Hinrichtung Barthélemys bestimmt. Dabei spricht Frau von Meysenbug in schwärmerischem Ton von den Aufgaben und dem Glück einer Mutter: „Was aber den höchsten Inhalt der Mutterliebe ausmacht: die heisse Sorge um das geistige Leben, den Charakter, die volle Entwicklung aller Fähigkeiten, die Sehnsucht, in dem jungen Leben die eigene Unsterblichkeit zu erleben, das, was als Ideal in uns gewohnt hat, zu neuer Blüte hinüber zu retten in die Jugend der Erscheinung; dieses Hüten der jungen Seele, über der man noch eifriger wacht als über der eigenen, um sie vor geistigem und moralischem Unheil zu bewahren, um sie in keuscher, unverletzter Schönheit der Sonne der Erkenntnis und des Bewusstseins zu erschließen – all dieses erlebte und empfand ich in mir…“ (S. 275 f.)

Ich darf hier anmerken, dass Malwida hier ein dominantes Erziehen vertritt, was ihrer eigenen Erfahrung doch widerspricht: dass sie sich im Widerstand gegen alle Herkunft befreit hat (s. Band 1).

Die Familie kehrte jedenfalls nach London zurück, weil Herzens Sohn studieren soll, an den Stadtrand, was Malwidas Liebe zu Häuslichkeit und Landleben entgegenkommt (vgl. S. 295 f.). Als dann Herzens Jugendfreund Ogareff (Ogarew, auch andere Schreibweisen) mit seiner Frau auftauchte, ging die Idylle zu Ende: Ogareffs Frau, eine Jugendfreundin der Frau Herzen, griff in die Erziehung der Kinder ein; es kam aus Malwidas Sicht zu einem Übergewicht des Russischen und zum Konflikt, den Herzen nicht managen konnte oder wollte und dem Malwida sich durch plötzliche Abreise entzog.

Der zweite Band war für mich nicht so interessant wie der erste; er zeigt, wie sich mittellose Exilanten mit Mühe in London nach 1850 über Wasser hielten, bis sie wie auch immer irgendwo festen Fuß fassten. Die wohlklingenden Äußerungen Malwidas über Erziehung und Mütterlichkeit wirken heute etwas schwülstig und verdecken, dass die gute Absicht und „höhere“ Einsicht der Mutter leicht zum Terror werden kann.

Ich verweise noch auf https://archive.org/details/memoireneineride00meysuoft/page/324 („Memoiren einer Idealistin“, Bd. 3, 1876) und

https://archive.org/details/derlebensabende00meysgoog/page/n9 („Der Lebensabend einer Idealistin“).