Faust I: Auerbachs Keller, Hexenküche

Die beiden Szenen stellen den Beginn der Weltfahrt dar, zu der Faust mit Mephisto aufbrechen soll (V. 2051 ff., vgl. V. 1850). Sie verbinden die Gelehrtentragödie (ab Szene „Nacht“, V. 354 ff.) mit der Gretchentragödie (ab Szene „Straße“, V. 2605 ff.). Sie enthalten viele satirische und „unterhaltende“ Elemente und entsprechen so der Forderung der Lustigen Person aus dem Vorspiel auf dem Theater:

„Laßt Phantasie mit allen ihren Chören,

Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft,

Doch, merkt euch wohl! Nicht ohne Narrheit hören!“ (V. 86-88, vgl. V. 170/73)

 

Auerbachs Keller

Das ist die erste Station der Weltfahrt, von der Faust völlig enttäuscht ist.

  • Die Studenten saufen, behandeln verschiedene Themen (V. 2073 ff.).
  • Sie singen das Rattenlied (V. 2126 ff.), eine Ständesatire auf den Klerus.

[Faust und Mephisto treten auf.]

  • Wechselseitige Einschätzung der beiden Parteien, Necken (V. 2158 ff.)
  • Mephistos Flohlied, eine Satire auf den Feudalstaat (V. 2207 ff.)
  • Satirischer Seitenhieb auf die Revolution (V. 2244, vgl. V. 2295)
  • Weinzauber Mephistos (V. 2245 ff.)
  • Fausts Unbehagen (V. 2296), Mephisto kündigt Größeres an (die Bestialität, V. 2297 f.).
  • Feuerzauber und Verwirrung der Studenten (V. 2299 ff.)

[Faust und Mephisto verschwinden.]

  • Die Studenten besprechen ihre Erfahrung mit Mephisto (V. 2322 ff.).

 

Hexenküche

Die Szene stellt eine bedenkliche Bedrohung der Vernunft dar (vgl. V. 1851 ff.). In der Regieanweisung wird die Hexenküche beschrieben.

  • Fausts Abneigung gegen das Zauberwesen (vs. Natur!, V. 2337 ff.) und das alte Weib (V. 2366 ff.)
  • Mephisto spricht mit den Tieren (V. 2380 ff.).
  • Faust ist vom Spiegel-Bild fasziniert (V. 2429 ff., vgl. V. 2456 und 2461 f.), ihm wird eine reale Frau versprochen (-> V. 2599 ff. -> „Straße“ etc).
  • Mephisto spielt „König“ (2450/2 Anspielung auf die Situation in Frankreich?)

[Die Hexe kommt.]

  • Begrüßung von Hexe und Teufel, ihrem Herrn – Entmythologisierung der Teufelsfigur (V. 2465 ff.)
  • Bitte um Verjüngungstrank, die Hexe warnt (V. 2518 ff.)

[ Hokuspokus der Hexe]

  • Das Hexeneinmaleins -> Polemik gegen den christlichen Glauben, das Wortmotiv taucht auf (V. 2532 ff.)
  • Fortsetzung des Zaubers, Faust trinkt (V. 2567 ff.).
  • Abschluss des Zaubers (V. 2585 ff.)
  • Überleitung durch Mephisto über „Cupido“ (Begierde) des verjüngten Faust –> Spiegelbild –> „leibhaftig“ zur folgenden Szene, der ersten Begegnung mit Margarete

Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-pakt-und-wette-verlauf-und-funktion/ und https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-aufbau-der-gretchenhandlung/, um die beiden Szenen in den großen Zusammenhang zu stellen.

Zu Auerbachs Keller

http://www.abipur.de/referate/stat/656135734.html (interessant: Beobachtungen zu Versformen und zum Flohlied, Einordnung in die Abfolge der Szenen) =

http://www.e-hausaufgaben.de/Hausaufgaben/D1245-Goethe-Johann-Wolfgang-von-Faust-I-und-II-Textanalyse-und-Interpretation.php (wer hat wo abgeschrieben?)

http://www.goethe-psychoanalyse.de/Publikationen/auerbachs/auerbachs0_00.html (psychoanalyt., ab S. 28, deutet das Geschehen als Delirium, trägt nichts zum Verständnis der Szene bei)

Zu Hexenküche

http://www.abipur.de/referate/stat/677141602.html (i.W. knappe Inhaltsangabe, der letzte Absatz stellt die Szene in den Zusammenhang des Dramas)

http://herrlarbig.de/2013/10/28/faust-1-hexenkueche-vers-23372604/ (subjektive Eindrücke bei der Lektüre, die Ironie im Rat Mephistos zur Feldarbeit wird nicht erkannt; bemüht „moderne“ Lesart)

Die Wortproblematik, ein Motiv in „Faust I“

Eines des beherrschenden Motive des Dramas ist Fausts Misstrauen gegenüber dem Wort bzw. der Wahrheit der Worte; dieses Misstrauen kann man aus dem „Sturm und Drang“ (Rebellion des Gefühls gegen die „Aufklärung“ und die geordnete Welt der Väter) verstehen, es hat aber auch in der mittelalterlichen Philosophie seine Vorgeschichte („Nominalismus“, s.u.).

  • Das erste Mal taucht das Motiv in der Szene „Nacht“ (bereits im Urfaust!) auf. Der Gelehrte Faust beklagt, „daß wir nichts wissen können“ (V. 385), er will nicht mehr bloß „in Worten kramen“ (V. 385), sondern unmittelbaren Zugang zur lebendigen Natur finden („Ich fühle Mut…“, V. 464). Vgl. auch das „Meer des Irrtums“ (V. 1065), in dem Faust und sein Vater sich bewegt hätten.
  • Im Gespräch mit Wagner, dem Stubengelehrten und Bücherfanatiker, vertritt Faust den Primat des Verstands und des rechten Sinnes gegenüber bloß angelernten Wörtern (V. 550-565).
  • Ebenso grundsätzlich wie in der Nacht-Szene sind seine Bedenken gegen den Anfang des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort.“ (Joh 1,1) Dem kann Faust in seiner Bibelübersetzung nicht zustimmen, lieber verfälscht er den Text (V. 1224-1237).
  • Mephisto kennt Faust und spielt mit dessen Misstrauen gegenüber der Wahrheit des Wortes, als Faust sich nach dem Namen seines Gastes erkundigt (V. 1327 ff.): Geplänkel am Rande.
  • Faust verteidigt gegen sein sonstiges Misstrauen das „Manneswort“ als wahr und glaubwürdig, als Mephisto eine schriftliche Abmachung einfordert (V. 1716 ff.).
  • Damit zu vergleichen ist Fausts Widerstand, als Mephisto ihm rät, vor Marthe ein falsches Zeugnis über den Tod ihres Mannes abzulegen (V. 3033 ff., „Straße“). Faust verwahrt sich heftig dagegen (V. 3039), worauf Mephisto spöttisch daran erinnert, dass Faust als Gelehrter doch auch von Gott und der Welt (beliebige, also nicht richtige) Definitionen „mit großer Kraft gegeben“ (V. 3045) habe.
  • Mephisto greift in einem auf den nächsten Tag vor: Faust werde Gretchen mit seinen Liebesschwüren betören und belügen (V. 3051 ff.); Faust verteidigt das Recht zu solchen Schwüren und Beteuerungen, indem er auf die Tiefe und Glut des Gefühls verweist, das man zu Recht „ewig, ewig nenne“ (V. 3065 – vgl. auch den Gesang der drei Erzengel, die von Gott bekennen, dass „keiner dich ergründen mag“, V. 268, dort allerdings eher im Zusammenhang der Theodizeefrage).
  • Glänzend drückt Mephisto in der Schüler-Szene im „Studierzimmer“ die Problematik der Worte aus, als er satirisch ihren unkritischen und auch sinnlosen Gebrauch einfordert (ab V. 1910, speziell V. 1948 ff. und 1988 ff. – vgl. auch Wagner, die Karikatur eines Gelehrten).
  • Das Motiv taucht auch in der Polemik Mephistos gegen den christlichen Glauben an Gottes „Dreifaltigkeit“ auf (V. 2560 ff.): „Gewöhnlich glaubt der Mensch … wenn er nur Worte hört.“
  • Im „Garten“ turteln Gretchen und Faust; Gretchen befragt das Blumenorakel, mit dem Ergebnis „Er liebt mich!“ (V. 3183). Faust wertet dieses „Blumenwort“ als wahren, gültigen „Götterausspruch“ (V. 3184 f.), und sein (fühlbarer) Händedruck soll sagen, was in Wahrheit „unaussprechlich“ ist (V. 3189 f.).
  • In „Marthens Garten“ wird Fausts Rechtgläubigkeit überprüft. Faust lehnt es ab, sich auf ein Glaubensbekenntnis festlegen zu lassen (V. 3426 ff.), und verteidigt seine Position wortreich (speziell V. 3451 ff. – in Parallele zur Unaussprechlichkeit der Liebe), ohne Margarete allerdings überzeugen zu können (V. 3466/68).

 

Ich habe nur ein Papier zur Wortproblematik bei Goethe gefunden:

https://www.researchgate.net/publication/229866483_Goethes_Dialog_mit_der_christlichen_Wortauffassung

Vgl. auch die Fortsetzung der Wortproblematik im fin de siècle, etwa im Motto des Romans „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (https://norberto42.wordpress.com/2012/01/30/musil-die-verwirrungen-des-zoglings-torles-analysen/) oder in Hofmannsthals Chandos-Brief.

Sturm und Drang:

http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Sturm_und_Drang

Nominalismus:

http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=617&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=073ea9086cff66cac677d578d45a93e2

http://www.philo.uni-saarland.de/people/analytic/strobach/alteseite/veranst/mittelalter/univers.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Universalienproblem

Analysen zu „Faust I“:

https://norberto42.wordpress.com/2012/03/10/goethe-faust-i-erste-analysen/

Faust: Zeichen des Makrokosmos

Das Zeichen des Makrokosmus im Buch des Nostradamus (Goethe: Faust I, Regieanweisung vor V. 430) gibt es nicht zu sehen; aber wir können verstehen, was die Idee des Makrokosmos ausmacht und was Faust dementsprechend sehen müsste:

Makrokosmos („große Welt“, von griechisch makrós „groß“ und kósmos „Welt“ […]) ist der Gegenbegriff zu Mikrokosmos („kleine Welt“). Man versteht darunter die Welt als Ganzes, insoweit sie unter einem philosophischen oder religiösen Gesichtspunkt als geordnete, in sich geschlossene Einheit – als Kosmos – aufgefasst wird. Der „Mikrokosmos“ ist dann ein abgegrenzter Teil des Makrokosmos, der zum Ganzen in einem bestimmten Verhältnis steht, etwa in einer Ähnlichkeits- oder Analogiebeziehung.

[…] Besonders häufig gilt der Mensch oder sein Körper in diesem Sinn als Mikrokosmos, daher ist der Makrokosmos/Mikrokosmos-Gedanke ein wichtiger Bestandteil vieler anthropologischer Konzepte. Oft wird auch geltend gemacht, dass der Mikrokosmos aus denselben Elementen aufgebaut sei wie der Makrokosmos.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Makrokosmos) Es geht also um Beziehungen zwischen den Himmelskörpern (Planeten, Sternen = Sternzeichen), den Elementen der Erde und den Körperteilen bzw. Organen des Menschen, um harmonische Entsprechungen in der ganzen Welt.

Diese Entsprechungen sind in verschiedenen Bildern dargestellt – so ähnlich hat man sich auch das Zeichen des Makrokosmos im „Faust“ vorzustellen:

Spagyrik – Das Weltbild der Alchemia medica

Der Begriff „Spagyrik“ setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „spáein“ (trennen) und „ágeirein“ (verbinden) zusammen. Dadurch dass in einem fortlaufenden Rhythmus das „Gute“ vom „Schlechten“ getrennt und weiter ausschließlich das „Gute“ wieder miteinander verbunden wird, erhöht sich die Qualität. Der Begriff „Spagyrik“ drückt die universelle Verbesserungsmethode der kosmischen Ordnung aus – Spagyrik ist Lernprozeß.

Die alchemistische Erfahrung führt zu der Einsicht, dass alle sieben Planetenprinzipien des Universums auch im Menschen veranlagt sind. Das bedeutet, der Mensch (Mikrokosmos) hat Entsprechung zum Universum (Makrokosmos): „Wie das Universum, so der Mensch“ (alchemistischer Grundsatz, s. auch Ayurveda)

Dementsprechend versteht die Alchemia medica verschiedene Organe als „innere Planeten oder Metalle“ des Menschen:

  • Im Gehirn wirkt das Mond-Prinzip,
  • in der Lunge wirkt das Merkur-Prinzip,
  • in den Nieren wirkt das Venus-Prinzip,
  • im Herz wirkt das Sonnen-Prinzip,
  • in der Galle wirkt das Mars-Prinzip,
  • in der Leber wirkt das Jupiter-Prinzip und
  • in der Milz wirkt das Saturn-Prinzip.

Dieselben Formbildungskräfte, die die Planeten und Metalle geformt haben, haben auch die menschlichen Organe ausgebildet. So sind beispielsweise das Goldmetall und das Herz Träger derselben Formbildungskraft. Die Wirkkraft einer spagyrisch zubereiteten Goldtinktur ist somit für das Herz Heilmittel. Dieses Prinzip hat Paracelsus (1493–1541) auf die einfache Formel der Alchemia medica gebracht: „Das Gestirn wird durch das Gestirn geheilt“. Aus dieser Formel hat später Hahnemann (1755–1843) das Simileprinzip der Homöopathie – „Gleiches wird geheilt durch Gleiches“– abgeleitet. Die Bernus-Spagyrik und die Homöopathie haben somit den selben metaphysischen Hintergrund. (http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.heilpraxisamelbufer.de%2Finhalt%2Fbilder%2Fnhk7.gif&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.heilpraxisamelbufer.de%2Finhalt%2Fnaturheilkunde4.htm&h=300&w=297&tbnid=O1SmQImp8O_lUM%3A&docid=m-grgQ57rDETIM&hl=de&ei=zI0XWKiYMYrwarOqn-AI&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=727&page=0&start=0&ndsp=30&ved=0ahUKEwiorsm71oXQAhUKuBoKHTPVB4wQMwhRKBgwGA&bih=960&biw=1628)

Ein anderes Bild: Die Tierkreiszeichen des Himmels in Beziehung zu den Organen resp. Körperteilen des Menschen; es fehlen die Beziehungen zu den Stoffen (Metalle etc.) der Erde: http://www.astromedik.de/assets/images/3Scan2.JPG

Eine Abhandlung mit Darstellungen findet man unter http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fpaulijungunusmundus.eu%2Fhknw%2Fanimamundi_jung_gw12_p66.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fpaulijungunusmundus.eu%2Fhknw%2Fconiunctio_alchem_mod_t2b1.htm&h=406&w=332&tbnid=eflftypB5wbqCM%3A&docid=j-e2B42MBKixxM&hl=de&ei=zI0XWKiYMYrwarOqn-AI&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1556&page=1&start=30&ndsp=49&ved=0ahUKEwiorsm71oXQAhUKuBoKHTPVB4wQMwhpKDAwMA&bih=960&biw=1628

Eine sehr schöne schematische Darstellung findet man bei Gottwein in der Erläuterung der Prinzipien des Arztes Hippokrates (fehlt hier):

Das Selbstverständnis der Hippokratische Heilkunst:

  1. Die Analogie zwischen Makro- und Mikrokosmos
    • Das (Natur-)Gesetz beherrscht alles. (Hippokr.genit.1)
    • Alles im Körper ist eine Nachbildung des Weltganzen. (Hippokr.vict.1,10)
    • Der Ausgangspunkt der ärztlichen Kunst ist für mich die Zusammensetzung der ewigen Dinge (d.h. des Makrokosmos); denn es ist unmöglich, die Natur der Krankheiten zu erkennen – das ist es ja gerade, was zu finden Sache der ärztlichen Kunst ist – , wenn man nicht die Natur in ihrer Unteilbarkeit von Anfan an kennt, aus der heraus sie sich entwickelt haben. (Hippokr.virg.)
    • Ich werde nun zeigen, dass sowohl die Gesamtwelt als auch alle ihre (einzelnen) Körper bei einer Störung (bzw. Krankheit) das Gleiche erleiden. (Hippokr.hebd.12)
    • Das Warme ging, als alles erschüttert wurde, zum größten Teil an den obersten Umlauf; die Alten scheinen mir es Aither genannt zu haben. Der zweite Teil unten wird Erde genannt, sie ist kalt, trocken und vielbewegt. In ihr ist viel von dem Warmen enthalten. Der dritte Teil ist der der Luft, sie nimmt den Zwischenraum ein, sie ist etwas warm und feucht. Der vierte Teil, der Erde am nächsten stehend, ist das ganz Feuchte (Wasser) und Dichte. (Hippokr.anat.2)
    • Alle Lebewesen […] haben das Warme von der Sonne, alle Feuchtigkeit vom Wasser, das Kalte vom Hauch der (kalten) Luft, das in den Knochen und Fleisch vorhandene Trockene von der Erde. (Hippokr.hebd.18)
    • Vom Darm her leiten Adern die Grundstoffe aus der Nahrung selektiv in vier Zentralorgane (Herz, Milz, Gallenblase, Gehirn) und diese geben sie mit den Säften an den Körper ab. Die Flüssigkeit ist das Fahrzeug der Nahrung. (Hippokr.alim.55)
  1. Gesundheit und Krankheit
  1. Wohlbefinden und Gesundheit besteht im harmonischen Ausgleich (εὐκρασίη) aller vier natürlichen Körperelemente (συμπαθέα πάντα), Krankheit in einer quantitativen oder funktionellen Störung ((παρὰ φύσιν oder ὑπὲρ φύσιν)). Die Voraussetzungen der Gesundheit liegen in der 1.) Zeugung, 2.) richtigen Ernährung, 3. körperlichen Betätigung und 4.) Anpassungsfähigkeit an makrokosmische Veränderungen.
      • Der Körper des Menschen enthält in sich Blut, Schleim, gelbe und dunkle Galle, und diese (Säfte) machen die Natur des Menschen aus und wegen dieser ist er krank bzw. gesund. Gesund ist er besonders dann, wenn diese (Säfte) nach Mischung, Wirkungskraft und Menge in richtigem Verhältnis zueinander stehen und vollständig miteinander vermischt sind. (Hippokr.nat.hom.4)
      • Weder Überfüllung noch Hunger noch sonst irgendetwas, was über die Natur (μᾶλλον τῆς φύσιος) geht, ist gut. (Hippokr.aph.2,4)
      • Das Wohlbefinden des Menschen besteht in einer gewissen (normalen) Natur, die sich von Natur aus eine keineswegs abweichende, sondern ganz harmonische (εὐαρμοστεῦσα) Bewegung verschafft hat. (Hippokr.praec.9)
      • Ein Zusammenfließten, ein Zusammenatmen, alles in Zusammenstimmung (συμπαθέα πάντα). (Hippokr.alim.23)

Bei den meisten Menschen weicht die individuelle Natur (φύσις – Konstitution) von dem Ideal der εὐκρασίη ab. Es ergeben sich je nach Überschuss eines Körpersaftes vier Temperamente: Sanguiniker (Blut), Phlegmatiger (Schleim), Choleriker (gelbe Galle), Melancholiker (schwarze Galle). Sie erkranken in bestimmten Jahreszeiten leichter an den für sie spezifischen Krankheiten.

http://www.gottwein.de/graeca/graeca01.php, dort unter „Hippokrates (Lex)“, am Ende der Darstellung


Man findet bei google-Bilder unter dem Stichwort „Makrokosmos“ diese und andere Darstellungen. In „Faust I“ ist das Zeichen des Makrosmos dem erscheinenden realen, wirkenden Erdgeist entgegengesetzt: Das Zeichen des Ganzen ist schwach, bringt Faust keine Erleichterung oder Erlösung; der reale Geist unserer Erde ist zu stark, ihm ist Faust nicht gewachsen, als er Befreiung aus seiner engen Studierstube sucht. So betritt er den Weg, der ihn abwechselnd ins Enge und ins Weite, ins Enge und ins Weite… führt (vgl. dazu http://www.nicolas-bellm.de/schule/deutsch/faust.htm).

Analysen zu „Faust I“:

https://norberto42.wordpress.com/2012/03/10/goethe-faust-i-erste-analysen/

Klausur zu Faust I, V. 1530-1785

von Dr. Peter Brinkemper:

Deutsch Sek. II, Q-Phase

Text: Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Teil, Zeilen 1530-1785

Aufgabenstellung:

  1. Analysieren und interpretieren Sie die angeführte Textstelle aus dem „Studierzimmer“ als typische Situation in einem Drama. Greifen Sie dabei auf wichtige Aussagen im „Prolog im Himmel“ in „Faust“ sowie Angaben zum Pakt aus dem „Volksbuch“ zu Faust zurück.
  2. Vertiefen Sie durch die formale und inhaltliche Analyse rhetorischer Figuren die Deutung des Textes. (Gezielte eigene Schwerpunktsetzung)
  3. Achten Sie dabei auf die sprachliche und logische Präzision der Zitate, der sinngemäßen Wiedergabe und der eigenen Aussagen sowie der Verwendung von rhetorischen und dramatischen Fachbegriffen.

60 Punkte insgesamt für Analyse und Interpretation.

20 Punkte: Inhalt, Thema, Bezug zu „Prolog im Himmel“ und epischem Volksbuch (AFB I-II)

20 Punkte: Inhalt, Form, Rhetorik, Vertiefung der Deutung (AFB II-III)

20 Punkte: Sprache, Logik, Zitat, Wiedergabe, eigene Aussage, Textbezug etc.

Erwartungshorizont

  1. Analysieren und interpretieren Sie die angeführte Textstelle aus dem „Studierzimmer“ als typische Situation in einem Drama. Greifen Sie dabei auf wichtige Aussagen im „Prolog im Himmel“ in „Faust“ sowie Angaben zum Pakt aus dem „Volksbuch“ zu Faust zurück.

-Einleitung in die Klausur. Goethes „Faust I“ als Hauptwerk, Lebenswerk, Drama: Aufklärung/Sturm u. Drang/Klassik. Thema: Leben /Denken. Zweifel/Glauben. „Diesseits/Jenseits“ von Gut/Böse. Geduld/Ungeduld. Freiheit/Zwang. Teufelspakt als Hochmut/Gier im Denken u. Leben, als Rückzug in Theorie u. aus Praxis. Wahrheit u. Lüge, Überheblichkeit u. Maßlosigkeit (7 Todsü.); Liter., Relig., Mythos.

– In Goethe, „Faust“, „Prolog im Himmel“ (Fassung 1827), beschließen der Herr („christlicher“? Gott) u. Mephisto Test/Wette-1 über d. Verführbarkeit d. Menschen, resp. Faust u. seine Seele. Der Herr ist nachsichtig, er glaubt an Fausts höheres, gutes Streben; Mephisto zielt ab auf die Verführbarkeit F.s zum Niederen/Bösen. Der Herr ist sich des Gewinns d. Wette-1 sicher, Faust sei für das Gute u. Wahre zu retten. Mephisto will F. in die Hölle führen u. vorher durch d. Niederungen des Daseins („Staub“) verderben (Erlebnisse als Köder).

– Im protestantischen „Volksbuch“ (1587) schließt Faustus (Gelehrter, schwarzer Magier) einen Pakt mit d. Teufel; mit d. Ziel, von ihm als Diener in 24 Jahren Lebenszeit alles zu bekommen, was er auf „normalem“ Wege nicht erreichte, wenn Faustus ihm seine Seele für die Hölle überschreibt u. ab jetzt schon von d. Gottes-Glauben u. d. christl. Liebe (zu sich u. Mitmenschen) abschwört (aus Christentum austritt u. nur mit Teufel kommuniziert). Eine existentielle Entscheidung: in der Wahrheit oder der Lüge leben, in Gott od. mit Teufel.

Textstelle Goethes „Faust I“: StudZimmer II. Teufel besucht Faust erneut. – Er will d. frustrierten Wissenschaftler u. Magier zum Genuss ins normale Leben u. in d. Welt locken; so will er die Seele ködern, sein Alter-Ego werden, mit dem Pakt die Wette-1 gegen Gott gewinnen. – Z.1530ff.

Faust ist negativ, stark; voller Sturm u. Drang, Zweifel/Wut; zu alt für trivialen Genuss/zu jung, um wunschlos zu sein. – Z.1544ff.

– Rückblick auf verhinderten Selbstmord zwischen Denken/Leben. – Z.1572ff. Weiter Hunger nach Wissen/Macht u. Leben. – Z.1675ff.).

– Fluch auf Glaube, Liebe, Hoffnung u. Geduld (entspricht „Absage“ im „Volksbuch“, ist aber spontaner). – Z.1583ff.

– Mephisto bahnt Teufelspakt an, über d. einseitige Angebot, das Leben mit M.s Hilfe wirklich zu erleben. Einladung als Köder. – Z.1627ff.

– Verhandlung, ausweichend; dann in zweiseitiger Formel, sinngemäß: „Ich diene dir hier, du dienst mir im Jenseits.“ – so: Z.1656ff.

– F.s Gleichgültigkeit, Misstrauen gegenüber Jenseits u. qualitativen Möglichkeiten im Diesseits. F. bezweifelt Angebot.- Z.1660ff.

– Faust setzt sein rastloses, unzufriedenes Wesen in den Vorschlag ein: Teufel könne Vertragsziel früher einlösen, wenn er Wette2 (vgl. Wette-1, „Prolog“) eingeht: In dem Augenblick, in dem Faust, durch M.s Hilfe, zufrieden wäre, hätte F. verloren, endete sein Leben. – Z.1692ff.

Faust sieht in Unzufriedenheit u. Entwertung gerade Macht, Stärke, Schutz, auch vor teufl. Hinterhalt. Vgl. „Prolog i. H.“: F.s kritisches Streben verfolgt niedere und höhere Ziele, in Konkurrenz zu Meph. u. Gott. Fausts Zufriedenheit hat eigene sinnl./geistige Qualität. Mephisto übersieht das. Er verlangt formal (den alten) schriftl. Vertrag, Faust reagiert verächtlich u. wild, erst mit Ablehnung, dann mit positivem Übereifer. Er solle mit seinem Blut unterschreiben (siehe „Volksbuch“, Vertrag ca. nach alter Vorlage). – Z.1712ff.

– Erklärung von F.: plötzliche Treue zum „Bündnis“. Ihm geht es um Rausch, als paradoxe Manipulation v. Leben, Welt, Zeit. – Z.1741ff.

– Mephisto ahnt F.’s Trick, äußert Zweifel an Sinn von Leben/Welt, nur ein ferner Gott finde eine höhere Genügsamkeit daran. – Z.1776-85.

  1. Vertiefen Sie durch formale u. inhaltliche Analyse rhetorischer Figuren die Text-Deutung (eigener Schwerpunkt).

Die Ausführungen werden durch entsprechende, selbst ausgewählte Schlüsselstellen erläutert. Drama/Spiel auf mehreren Ebenen.

-Dramatische Mischung aus Monolog u. Dialog. Faust als subjektiv-lyrischer Redner über sich selbst, mit instabilem, wildem, dynamisch überlegenem Selbstverständnis, an allem kritisch zweifelnd, einen negativen Gott in sich, der nicht nach außen wirkt, unzufrieden mit Leben/Geist/Seele, dann sprunghaft für Verführungsangebot, für Pakt in Form von Wette-2. Mephisto als dialogischer Unterbrecher. F. als ‚ernsthafter Dichter’ gegen M., den ‚Komödianten’, der verführen will u. sich als Kumpel ausgibt.

-Mephistos doppeltes äußerliches Rollenspiel: Seelenhändler vor Gott. Selbstbeschreibung als edler ital. Junker vor F., der die Lebenslust verkörpert. Drängt sich als Alter-Ego auf. Faust glaubt sich stark genug, dieses Alter-Ego innerlich zu verkraften u. im Ernstfall loszuwerden.

-Fausts innerlicher Monolog-Ansatz: Figur mit vielfältiger Spaltung, Polarität, negativ-kritisch-theoretischer Lebens-/-Geist, inneres Drama. Dazu Bilder, Metaphern., Personifikationen. Epischer Rückblick: F.s Selbstmordversuch; Spionage; Leben: Ende/Neustart.

-Eindringliche Wiederholung der Unzufriedenheit u. Verachtung, mit sich, als Geist u. Lebewesen, u. der Welt, Anapher der Flüche.

-Geister-Chor (antikes Dramen-Element; ähnlich wie der Oster-Chor, doch Mephistos u. nicht Gottes Stimmen)

-M.s Appell gegen lebensfeindlichen Gram u. Sorge (Vergleich: „Geier“, Prometheus), Angebot des scheinbar lebensbejahenden Dieners.

-Vertragsverhandlungen, Erwartungen Fausts, Voraussetzungen, Hinterhalte, Missverstehen, Stimmungsumschwung, Paradoxa, Hyperbeln, Widersprüche, Vertauschen v. Ursache u. Wirkung, zeitl. Vorher u. Nachher, Mittel u. Ziel, Hohem u. Niederem.

-Verwandlung d. Vertrags in Wette-2 – hier Abweichung vom „klaren“ „Volksbuch“ – durch Fausts Stürmen u. Drängen, sein(e) Kraft, Tatendrang, Springen in der Zeit u. im Leben; sein Zersprengen u. Manipulieren der Zeit (magische Welt-u.-Zeit-Reisen). Die Wette-2 soll Faust bei Zufriedenheit schon früher dem Teufel ausliefern od. bei Unzufriedenheit auch weiter vor ihm schützen. Dynamisierung des Vertrags. Wille zur Überwindung d. Zeit. Wille zur Überlegenheit über den Teufel (scheinbar od. wirklich, von Gott gewollt?). Fausts positive Kraft od. negativer Größenwahn? Macht u. Ohnmacht d. Teufels, Hang zu Lüge, Illusion. List u. Hinterlist, auch bei Gott u. Faust.

  1. Achten Sie dabei auf die sprach. und logische Präzision der Zitate, der sinngemäßen Wiedergabe und der eigenen Aussagen sowie der Verwendung rhetorischer u. dramatischer Fachbegriffe.

– Sprache, Gliederung und Logik (der eigenen Arbeit) werden hinreichend oder in hohem Maße präzise ausformuliert.

– Das Niveau der Schriftsprache und Fachspr. wird erreicht, unter Vermeidung mündlicher Umgangsspr. (Fehler: A, W, Satz, Logik, Z, RS, Gr).

– Zitate (Sätze, Satzteile, Wörter) u. Textbezug gekennzeichnet („“, Seite, Zeile, Vers) u. nachvollziehbar sowie sinnvoll eingesetzt.

Wörtliche und indirekte/sinngemäße Wiedergabe sind angemessen auf Originaltext sowie auf die eigene Darstellung abgestimmt.

– Die eigene Darstellung wird den Möglichkeiten der Bezugstexte gerecht (Goethes „Faust I; „Volksbuch“). Sie umfasst selbstständige Gedanken, Ideen, Thesen, Ausführungen (reproduktiv, differenziert, anspruchsvoll, originell), die am Text belegt werden können und seinen „tieferen Sinn“ weiter „ausschöpfen“. Der Text wird als konkrete, anschauliche Partitur mit Zeichen und Hinweisen genutzt.

– Nacherzählung (Präteritum statt Präsens; am Text entlang Paraphrasieren oder wörtliches Abschreiben) vermeiden!

– Die eigene Darstellung wird methodisch durch plausible/fruchtbare Hypothese /Perspektive geleitet. Diese berücksichtigt und entwickelt (wenige / viele) Aspekte, Leerstellen, Andeutungen des konkreten Textes (Werk, Kontext, Intertext). Die Interpretationshypothese nutzt Hinweise d. Aufgabenstellung u. Unterricht. Erforderliches Abstraktionsniveau wird erreicht.

– Die Klausurzeit wird ausreichend genutzt durch mehrmaliges Lesen u. Bearbeiten des Textes. Sorgfältige Vorarbeit auf Notizzettel und sowie Erstellung der Klausur unter Beachtung der o.a. Aspekte. „Denken-Lesen-Schreiben“ (DLS).

Notenskala, Punkte: 1 (51-60), 2 (41-50), 3 (30-40), 4 (20-29), 5 (10-19), 6 (1-9).

Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-pakt-und-wette-verlauf-und-funktion/ (Übersicht zu Pakt und Wette)

Lessing: Emilia Galotti – Inhalt, Geschehen

Übersicht über das Geschehen

* ein Kabinett des Prinzen
I 1 Prinz(-Kammerdiener): Gegenüberstellung der Orsina und der Emilia in den Gedanken des Prinzen; Brief der Orsina bleibt ungelesen (-> IV 3)
I 2 Conti-Prinz: Conti mit zwei Bildern, Orsina – X
I 3 Monolog Prinz: zweite Gegenüberstellung (I 1 <-)
I 4 Prinz-Conti: Charakterisierung der Orsina, Begeisterung für Schönheit Emilias angesichts der beiden Bilder
I 5 Monolog Prinz: gute Absichten gegen Familie Galotti
I 6 Marinelli-Prinz: Info über Wünsche der Orsina und die bevorstehende Heirat Emilias mit Graf Appiani, dem Feind Marinellis; erste Überlegungen dazu; Prinz lässt Marinelli für sich denken und uneingeschränkt handeln; „Falle“ angedeutet (-> II 3, II 10)
I 7 Prinz (- Kammerdiener): Prinz will sich Emilia in der Kirche nähern -> II 6), hebt Bild wieder auf.
I 8 Camillo Rota-Prinz: Prinz überlässt alle Entscheidungen seinem Rat, ist besessen von seinem Plan, will schnell Todesurteil unterschreiben (Info über Emilia und ihre erste Begegnung mit dem Prinzen in I 4 und in I 6)

* ein Saal in dem Hause der Galotti
II 1 Claudia-Pirro: Odoardo wird angekündigt
II 2 Odoardo-vorige: Sorge des Vaters um den Ausgang seiner Tochter; Info: in Kirche (-> II 6)
II 3 Pirro-Angelo: Diener Pirro als Gaunerkumpan Angelos, der die Route Odoardos und des Brautpaars auskundschaftet; Pirro ahnt Verbrechen (-> III 2), wehrt sich vergeblich gegen Komplizenschaft.
II 4 Odoardo-Claudia(-Pirro): Sorge Odoardos über Ausbleiben Emilias; Gespräch über städt. Erziehung Emilias und deren Folgen (Bekanntschaft mit Appiani und Prinz)
II 5 Claudia: reflektiert des Prinzen Absichten
II 6 Emilia-Claudia: Emilia, verwirrt durch des Prinzen Annäherung, erzählt ihrer Mutter den Vorfall, bei dem sie sich kaum gewehrt hat; Claudia rät ihr ab, Appiani zu informieren, beruhigt sie.
II 7 Appiani-vorige: Appiani in Gedanken; Gespräch über Brautschmuck, Vorahnungen („Tränen“)
II 8 Appiani-Claudia: Appiani will Prinz informieren; erklärt seine Sorgen (kurz vor dem Ziel).
II 9 vorige-Pirro-Marinelli: Ankunft Marinellis gemeldet
II 10 Appiani-Marinelli: Marinelli will Appiani zum Fürsten laden bzw. Gesandten bitten; abgelehnt, Streit, Duellforderung
II 11 Appiani-Claudia: Appiani beruhigt Claudia über den Streit.

* ein Vorsaal auf dem Lustschlosse des Prinzen
III 1 Prinz-Marinelli: Bericht Marinellis über sein Treffen mit Appiani; Andeutung, dann Erklärung des gleichzeitig erfolgenden Überfalls
III 2 Marinelli, dann Angelo: Angelo berichtet vom Überfall, Marinelli ist am Tod des Grafen interessiert
III 3 Prinz-Marinelli: in Erwartung Emilias: der Prinz ist unsicher, berichtet von der Begegnung am Morgen (III 1 <-, II 6 <-).
III 4 Marinelli-Battista-Emilia: Emilia, in Sorge um Mutter und Appiani, wird auf den Prinzen vorbereitet.
III 5 Prinz-Emilia-Marinelli: Begegnung; Sorge Emilias um die Angehörigen, im Zwiespalt angesichts der Bekenntnisse des Prinzen
III 6 Battista-Marinelli: beraten, wie sie mit Claudia umgehen sollen
III 7 vorige-Claudia: Battista führt Claudia zu Marinelli.
III 8 Claudia-Marinelli: Begegnung; Claudia, die in Marinelli den Mörder Appianis erkennt, durchschaut die Zusammenhänge des Geschehens; Emilia hört sie sprechen.

IV 1 Prinz-Marinelli: Prinz zornig über Appianis Tod, wird beschwichtigt; strategische Reflexion des Geschehens; Marinelli erklärt, was die morgendliche Aktion des Prinzen (II 6) im Zusammenhang bedeutet
IV 2 Battiasta-vorige: Ankunft der Orsina gemeldet
IV 3 Orsina-Marinelli: Orsina erklärt ihre Ankunft (Brief I 1 <-), Marinelli schwätzt ihr hilflos nach; Orsina äußert sich ironisch über den „Zufall“ und reflektiert die Möglichkeit von Zufällen (-> IV 5).
IV 4 vorige-Prinz: Prinz will an ihr vorbeigehen.
IV 5 Orsina-Marinelli: Marinelle erzählt ihr (teilweise), wer beim Prinzen ist; Orsina erkennt den Prinzen als Mörder, da sie von der Begegnung am Morgen weiß (II 6 <-, IV 3 <-)
IV 6 vorige-Odoardo: Odoardo kommt an, will zum Pinzen.; Orsina lässt sich von Marinelli nicht wegschicken.
IV 7 Orsina-Odoardo: gegen Marinellis Warnung erkennt Odoardo sie als normal; Gemeinsamkeit der beiden: Verstand verloren, Herz  gebrochen; Odoardo erinnert sich an Gespräch mit Claudia (II 4), erhält Dolch der Orsina. Sie, als verlassene Frau rasend, bittet ihn um Rache.
IV 8 vorige-Claudia: Claudia beteuert eigene und Emilias Unschuld, berichtet von Emilias Befinden; Odoardo schickt die beiden Frauen weg.

V 1 Marinelli-Prinz: spekulieren über Odoardos künftiges Verhalten; Marinelli plant Neues.
V 2 Monolog Odoardo: Er besinnt sich, distanziert sich von Orsina, plant Bestrafung des Prinzen (durch Verbannung Emilias in ein Kloster).
V 3 Marinelli-Odoardo: Marinelli will Odoardo bestimmen, Emilia nicht mitzunehmen; holt den Prinzen.
V 4 Monolog Odoardo: Im Zorn rechtfertigt er schon sein gesetzloses Tun (im Kampf mit dem Prinzen).
V 5 Prinz-Marinelli-Odoardo: Disput wegen Aufenthalt Emilias; Prinz gibt dem Vater nach, doch Marinelli schlägt ein Verhör Emilias in der Stadt vor sowie ihre Trennung von der Familie. Odoardo setzt zur Ermordung des Prinzen an; Streit um den Ort der Verwahrung Emilias.
V 6 Monolog Odoardo: Er zögert, will auf Tat verzichten, kann Emilia nicht mehr ausweichen.
V 7 Emilia-Odoardo: Emilia, ruhig; Odoardo (vorher) ist unruhig: Emilia will fliehen, Odoardo offenbart ihr das Vorhaben des Prinzen. Emilia will sich töten, um der Verführung zu widerstehen, reizt ihren Vater zum Mord.
V 8 vorige-Prinz-Marinelli: Odoardo stellt sich dem Gericht des Prinzen, dieser verjagt Marinelli als „Teufel“.

Legende: (-> verweist vor auf…, <- knüpft an … an.)

Sie finden meine Analyse des Dramas unter https://norberto42.wordpress.com/2012/03/06/lessing-emila-galotti-analysen/ – als Unterrichtsreihe ausgearbeitet: http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?path=/emilia-galott

Lessing: Nathan der Weise – Inhalt, Geschehen

Übersicht über das Geschehen:

* Flur in Nathans Haus
I 1 Nathan – Daja: Beginn durch Nathans Heimkehr; Bericht über des Tempelherrn und des Sultans gute Taten -> I 2
I 2 Nathan – Daja – Recha: religiöse „Aufklärung“ Rechas durch Nathan
I 3 Nathan – Derwisch: (berichtende) Einführung Saladins
I 4 Nathan – Daja:  -> I 6; II 4 ff. (Tempelherrn holen!)
* ein Platz mit Palmen
I 5 Tempelherr – Klosterbruder: Angebot des Patriarchen (Einführung des Patriarchen und des Klosterbruders; Charakter des Tempelherrn)
I 6 Tempelherr – Daja: Tempelherr lehnt Einladung zu Nathan ab; Info: Vorgeschichte Dajas

* des Sultans Palast (Schachspiel)
II 1 Saladin – Sittah: Saladin über die Christen; Geldsorgen
II 2 Salaladin – Sittah – Al Hafi: Saladin und das Geld
II 3 die gleichen Figuren: Saladin wird über Nathan informiert -> II 6; II 9
* vor dem Hause Nathans, wo es an die Palmen stößt
II 4 Nathan – Recha – Daja: Verhältnis Vater-Tochter (vgl.I 1; III 1; IV 7; V 3, V 6-8) -> II 5
II 5 Nathan – Tempelherr: Gespräch; Freundschaft -> III 2
II 6 Nathan – Tempelherr – Daja: Info: Nathan zu Saladin eingeladen -> III 4 ff.
II 7 Nathan – Tempelherr: Nathans Haltung gegenüber Saladin -> II 4 ff.; er ahnt des Tempelherrn Identität -> III 9; IV 7; V 8; Tempelherr zu Nathan („zu uns“) eingeladen
II 8 Nathan – Daja: Nathan plant weiter -> II 9; IV 6
II 9 Nathan – Al Hafi: Al Hafi tritt ab; Info: Geldwünsche des Sultans -> III 4 ff.

* in Nathans Hause
III 1 Recha – Daja: Gespräch über Dajas Verständnis des Tempelherrn – Präludium zu III 7
III 2 Recha – Daja – Tempelherr: Begegnung Daja – Tempelherr: Mann – Frau  -> III 9 ff.
III 3 Recha – Daja: Gespräch über Rechas Liebe
* ein Audienzsaal in dem Palaste des Saladin
III 4 Saladin – Sittah: (vgl. II 3) Verfassung Saladins
III 5 Saladin – Nathan: erste Begegnung, Saladins Auftrag
III 6 Nathan: Reflexion des Auftrags -> III 7
III 7 Nathan – Saladin: Ringparabel, Freundschaft der beiden, Geldangebot (<-II 3.9) -> IV 3 ff.)
* unter den Palmen
III  8 Tempelherr: Reflexion seiner Situation
III  9 Tempelherr – Nathan: Werbung um Recha, Zurückhaltung Nathans
III 10 Tempelherr – Daja: Info: Recha ist Christin -> IV

* in den Kreuzgängen des Klosters
IV 1 Klosterbruder – Tempelherr:  -> IV 2
IV 2 Klosterbruder – Tempelherr – Patriarch: Gespräch über den „Fall“ Recha (<- III 10), Rückzieher des Tempelherrn
* ein Zimmer im Palaste Saladins
IV 3 Saladin – Sittah – Sklave:  -> IV 4
IV 4 Saladin – Tempelherr: Begegnung, Freundschaft; Gespräch über Recha; Tempelherr unreif, stürmisch(<-III 9 f.; IV 2)
IV 5 Saladin – Sittah: Beschluss, Recha zu holen (-> IV 8; V 6.8); Hinweis auf Assad
* die offene Flur in Nathans Hause
IV 6 Nathan – Daja: Gespräch über Rechas Ehe: Daja drängt, Nathan mahnt zur Geduld
IV 7 Nathan – Klosterbruder: Info über des Tempelherrn Gang zum Patriarchen (IV 2); Vorgeschichte Nathans; Identität von Assad und Recha deutet sich an
IV 8 Nathan – Daja: (<-IV 5) Daja beschließt, Recha ihre Herkunft zu enthüllen (-> V 6)

* das Zimmer mit den Geldbeuteln
V 1 Saladin – Mamelucken: Geld trifft ein; Saladins Großmut
V 2 Saladin – Emir Mansor: Info (<-V 1; II 1)
* die Palmen vor Nathans Hause
V 3 Tempelherr: Reflexion, er bereut seine Tat
V 4 Nathan – Klosterbruder: Klosterbruder bringt das Buch mit dem Stammbaum der Familie Filnek; Info über IV 2
V 5 Nathan – Tempelherr: IV 2 besprochen; neue Werbung; Andeutung des Verhältnisses („Bruder“)
* in Sittahs Harem
V 6 Sitta – Recha: (<-IV 8) Recha erzählt von Dajas Info und bangt um den Verlust des Vaters
V 7 Sitta – Recha – Saladin: Saladins Vorschläge zur Lösung von  Rechas Problem (<-IV 8; V 6)
V 8 Sitta – Recha – Saladin – Nathan – Tempelherr: Saladin fährt wie in V 7 fort; Nathan enthüllt die Identität der beiden „Kinder“ (V. 3812; 3836; <-II 7), indem er die am weitesten zurückreichende Vorgeschichte aufklärt; Lösung

Analysen zum Drama: https://norberto42.wordpress.com/2012/01/15/lessing-nathan-der-weise-analyse-inhalt/

Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame – Analysen

Der Besuch der alten Dame: Inhalt, Figuren, Deutung, Unterricht – Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Besuch_der_alten_Dame (Inhalt, Deutung)

http://www.inhaltsangabe.eu/inhaltsangabe/der-besuch-der-alten-dame-inhaltsangabe-zusammenfassung (Inhalt)

http://www.inhaltsangabe.info/deutsch/der-besuch-der-alten-dame-charakterisierungen-der-personen (Charakterisierung der Figuren)

http://www.klausschenck.de/ks/downloads/h27besuchaltedameha.pdf (Analyse: Hausarbeit S. Ködel, Kl. 11)

http://www.pangloss.de/cms/uploads/Dokumente/Schule/Deutsch/Abi/120310_Duerrenmatt_Schuld_BdaD.pdf (AB „Recht und Schuld“)

http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/bs/duerrenmatt/teil1/ue_alte_dam_essl_home.pdf (Unterrichtseinheit: Dr. P. Müller)

http://www.tg-deutsch.de/node/20 (Ergebnisse: Unterricht)

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/duerrenmatt2/index.htm (Planung: Unterricht)

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/dautel/mtph3.html (Fortsetzung: Schema Planung, Beispiel Dürrenmatt skizziert)

http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/dramatik/alte_dame/index.html (Hilfen zum Unterricht)

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/due/due_besuch/due_besuch_0.html (Hilfen zum Unterricht)

http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/unterrichtseinheiten/drama/altedame/  (Hilfen zum Unterricht)

http://www.youtube.com/watch?v=X8FhbbjEpzE (Film)

http://verfremdung.weebly.com/der-besuch-der-alten-dame.html (kurze Filmanalyse)

http://www.youtube.com/watch?v=2vOtW8yErks (Aufführung: Kantonsschule Wohlen)

http://www.piawessels.de/der-besuch-der-alten-dame.html (Szenenbilder: Raum und Kostüm)

http://www.jvfg-cham.de/jvfg/facher/deutsch/alte_dame/besuch_der_alten_dame.php (Standbilder zum Stück)

http://www.comedystube.de/filme/klassiker-in-3-minuten/c6/s530/sort-az/ (das Stück als Comedy in 3 min)

Das Stück wird häufig aufgeführt, wie man leicht im Netz feststellen kann.

Motiv „weben“ in Faust I

Weben,

1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte „haben“, sich bewegen, besonders, sich langsam bewegen; eine längst veraltete Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. In ihm leben, weben und sind wir. […] Einige neuere Schriftsteller haben dieses veraltete Wort wieder in die witzige Schreibart einzuführen gesucht.

Es webet, wallt und spielet / Das Laub um jeden Strauch, Hagedorn […]

2. Als ein Activum. (1) * Langsam hin und her bewegen, schwingen; eine gleichfalls veraltete Bedeutung […]. (2) Durch Einschießung eines Fadens in einen ausgespannten Aufzug hervor bringen; die einzige noch gangbare Bedeutung. Leinwand, Tuch, Taffet, Spitzen, Teppicht weben. Auch als ein Neutrum, weben lernen, weben können, sich vom weben nähren. […]

Anm. […] Man siehet leicht, dass der Begriff der Bewegung der Stammbegriff ist, und dass weben, texere, nur eine Anwendung dieses allgemeinen Begriffes auf einen besondern Fall ist. Verwandte dieses Wortes sind Webel, schweben, schweifen, Weife, Wiebel, vielleicht auch Wipfel, besonders aber das Lat. vivere und Griech. βιειν, zumahl da auch leben ursprünglich sich bewegen bedeutet. […]

Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1418 f.

 

Bis auf V. 1119 standen alle Stellen, an denen von „weben“ die Rede ist, im Urfaust:

Auf Wiesen in deinem Dämmer weben – das ist Fausts Sehnsucht. Aufgaben:

1. Lesen Sie V. 392-397 (dazu die Regieanweisung von V. 354 und V. 410-417) und beschreiben Sie, was Faust möchte.

2. Umschreiben Sie die Bedeutung von „weben“ (V. 395).

Wie alles sich zum Ganzen webt – das Zeichen des Makrokosmos.

3. Lesen Sie V. 430-453 und beschreiben Sie, was Faust erlebt.

4. Umschreiben Sie die Bedeutung von „weben“ (V. 447).

Ein wechselnd Weben, ein glühendes Leben – das ist der Erdgeist.

5. Lesen Sie V. 501-509 und erklären Sie, was der Erdgeist ist.

6. Umschreiben Sie die Bedeutung von „weben“ (V. 503, 506).

7. Umschreiben Sie die Bedeutung der Metapher „Webstuhl der Zeit“ (V. 508).

Von der Gedankenfabrik und dem Weber-Meisterstück – die Logik.

8. Lesen Sie V. 1922-1935 (im Kontext von V. 1908-1941) und umschreiben Sie, was ein Weber-Meisterstück ist.

9. Umschreiben Sie die Bedeutung von „Weber“ (V. 1923, 1935).

10. Beschreiben Sie, In welchem Verhältnis das Weber-Meisterstück der Logiker vom Weben des Erdgeists steht.

Mit heilig reinem Weben entwirkte sich das Götterbild – Fausts Bild von Margarete.

11. Lesen Sie V. 2709-2716 und erklären Sie, als was für eine Figur Faust hier Margarete „sieht“.

12. Umschreiben Sie die Bedeutung von „weben“ (V. 2715).

Alles von mir webt unsichtbar sichtbar neben dir – Fausts Liebe.

13. Lesen Sie V. 3446-3450 (im Kontext von V. 3437-3458) und umschreiben Sie, was Faust mit „alles“ meint.

14. Umschreiben Sie die Bedeutung von „weben“ (V. 3449).

 

Ich weise auf den differenzierten Artikel „weben“ im Grimm’schen Wörterbuch hin:

vom historischen standpunkt aus müssen drei worte unterschieden werden, von denen die beiden ersten vielleicht dieselbe etymologische grundlage haben, das dritte ist ursprünglich ein ganz anderes wort, ist aber später mit dem zweiten zusammengeworfen worden.

1) weben ‚texere‚ (mit idg. Wurzel)

2) weben ‚sich hin und her bewegen‚ ist seinem ursprung nach schwer zu beurtheilen, da es im mhd. nur selten und nur im präsens vorkommt und im ahd. überhaupt nicht belegt ist

3) weben ‚wehen‚ ist von Luther in die schriftsprache eingeführt worden, später aber nur der dichtersprache verblieben, wo es von dem zweiten weben nicht mehr geschieden werden kann. (B. 27, Sp. 2620 f. (bzw. ff.)

B. weben ‚sich hin und her bewegen, wehen, lebendig sein, sich zeigen und wirksam sein‚. der gebrauch dieses wortes beruht hauptsächlich auf Luthers bibelsprache. schon vor Luther kommt es in der md. dichtung des 14. jahrh. vor und schon um 1300 in zwei alemannischen quellen; auch jetzt noch lebt es auszer in der Schweiz (s. 1 a cim elsäss. als ‚mit händen und füszen zappeln, schaukeln, unruhig sitzen‚ Martin-Lienhart 2, 779, ebenso lothr. Follmann 539, sonst wird es — von wewen ‚wehenabgesehen — nur in leben und weben aus der volkssprache angegeben. Luther hat das wort mit vorliebe gebraucht und auch für sein dialektisches wêwen (s. 2) eintreten lassen, auszerdem erweitert er seine verwendung, indem er es auch als transitivum setzt und auf eine art des alttestamentlichen opfers (1 f)bezieht. im 16. jahrh. wird das wort sonst von Mitteldeutschen, auch H. Sachs (bei dem es mit beben zusammenfällt), und Alemannen (besonders S. Franck) gebraucht, aber nicht gerade häufig. einige, wie die Hessen Waldis und Wicel, kennen es nur als ‚wehen‚. später setzen sich neben den resten der ursprünglichen bedeutung, besonders in weben und schweben, die wendungen der bibelsprache mit leben und weben durch; im zusammenhang damit findet sich weben auch selbstständig gebraucht als ‚in lebendiger bewegung sein, lebendig sein‚. in dieser bedeutung verzeichnet Stieler das sonst meist gar nicht aufgeführte wort. weben ‚wehen‚ tritt seit ende des 17.jahrh. auch auszerhalb seines ursprünglichen gebietes in der dichtung auf und ist besonders durch Herder in aufnahme gekommen, der das wort häufig verwendet und dabei auch sonst an Luthers bibelsprache anknüpft, ohne überall erfolg zu haben. den weitest gehenden gebrauch hat aber (besonders in den jahren 1772—75) Göthe von dem wort gemacht, vielleicht durch sein rheinfr. webern (s. d.beeinfluszt; er kennt es auszer für bewegungsvorgänge sowohl für vorgänge im menschlichen innern, wie für das walten der naturkräfte und hat in beiden verwendungen viel nachfolge gefunden. auch Klopstock, Wieland, Bürger, Schiller u. a. haben gern zu dem wort gegriffen, so dasz es in der gehobenen sprache bürgerrecht errang. hatte noch Adelung, der die bedeutung ‚sich langsam bewegenlängst veraltet nennt, die einführung des wortes in die ‚witzige schreibart‚ getadelt, so konnte Campe bemerken, dasz es als ein ‚altes und ausdrucksvolles wort‚ der edlen schreibart sehr wohl anstehe. hervorgehoben sei noch die vorliebe der romantiker für das wort, das mehr gefühlsmäszigen charakter hat, als begrifflich klar ausgeprägt ist. in der neueren dichtung ist es dann namentlich noch für naturerscheinungen sehr beliebt geworden. auch die wissenschaftliche prosa bedient sich seiner, besonders für ein unbewusztes walten von kräften. dabei ist der allgemeinen sprache nach wie vor nur leben und weben, landschaftlich vielleicht noch die eine oder andere wendung (s. 1 c Busch), eigen.

WEBERN, verb. eine bewegung machen, bes. mit einem körpertheil, schweben, hin und hergehen, geschäftig sein. ein auf das hochd. beschränktes wort, das erst im 14. jahrh. auftritt; doch spricht für eine alte bildung (ahd. *webarôn) das daneben stehende gemeingerm. wabern, sowie die ins mhd. zurückreichenden webeln und wabeln, auch die nebenform wäfern (sp. 249 s. auch wefern) beweist (aus wer- neben wear-) das alter der bildung.

 

Vgl. meinen alten Aufsatz über Weben als Metapher: https://also42.wordpress.com/2015/07/30/weben-als-metapher/

Bulgakow: Der Meister und Margarita – inszeniert am Burgtheater Wien

Simon McBurney hat am Burgtheater Wien Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ als Stück inszeniert. Dass man solche Romane nicht inszenieren kann, ist meine feste Überzeugung. Ich stelle die bis heute zu findenden Kritiken der Aufführung vor:

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=1327198 (die Reklame)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/bulgakow-auf-der-buehne-unterteufelung-eines-romans-11773082.html

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr_kultur/461445_Ein-Roman-erregt-die-Behoerden.html

http://www.sueddeutsche.de/R55388/658287/Der-Teufel-kommt-mit-Google-Earth-Theater-nach-Bulgakows-Meister-und-Margarita-in-Wien.html

http://diepresse.com/home/kultur/literatur/761617/McBurney_Der-Teufel-fordert-bei-Bulgakow-Mitgefuehl

http://orf.at/festwochen/stories/2535523/

http://www.der-neue-merker.eu/wiener-festwochen-the-master-and-margarita

http://diepresse.com/home/kultur/news/762740/Meisterhaftes-Spiel-mit-Bulgakows-Teufeleien?_vl_backlink=/home/kultur/index.do

http://kurier.at/kultur/4498388-festwochen-grosses-kino-im-burgtheater.php

http://www.oe24.at/kultur/Wiener-Festwochen-Meister-und-Margarita-im-Burgtheater/67946690

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6991:master-and-margerita-simon-mcburney-in-wien&catid=38:die-nachtkritik&Itemid=40

http://derstandard.at/1338558517449/The-Master-and-Margarita-Mitleid-fuer-den-Satan

Einen Tag später zusätzlich:

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wzkunstgriff/buehne/462599_Bulgakow-Inszenierung-Feigheit-als-groesste-Suende.html

http://kokukoka.at/2012/06/05/the-master-and-margarita/

Faust I und II in Mönchengladbach (2012)

Gestern (26. Mai 2012) habe ich die Aufführung des kompletten „Faust“ in Mönchengladbach gesehen – man müsste eher sagen: Aufführung dessen, was die Regie davon übrig gelassen hat. In gut drei Stunden wurde ein irrwitzig gekürzter Text auf einer kargen Bühne dargeboten. Wenn man Goethes Text nicht kennt, verstand man kaum, was man sah und hörte.

Einmal fehlten die „christlichen“ Elemente, also die Wette des Herrn mit Mephisto, die Himmelsstimme am Ende von Faust I (stattdessen die Stimme Fausts: „Sie soll leben.“ – Aber wieso, bitte, soll sie leben?) und die Rettung des Unsterblichen Fausts am Ende des ganzen Stücks. Mephisto malte zwar ein Kreuz (!?) auf den Bühnenboden, wo er das Grab Fausts gezeichnet hatte – aber was soll ein Teufelspakt, ein Mephisto, ein Junker Satanas, wenn ihm kein „Herr“ entgegensteht? Dass die Bibelübersetzung und vor allem die Szene „Zwinger“ gestrichen waren, habe ich als großen Mangel im Ablauf des Geschehens empfunden; die Dom-Szene wurde von liturgischer Musik getragen, aber eben nicht vom „Dies irae“ – aber bitte, warum nicht?

Ein weiteres Manko: „Wald und Höhle“ war natürlich im Text verstümmelt und spielte auch nicht im Wald und in der Höhle, Faust kauerte bloß auf dem Boden und wurde von Mephisto animiert, zu Gretchen zu gehen, als er sich kurz und knapp an einen ominösen „erhabenen Geist“ gewandt hatte. Ein Kernzszene des Stücks war das nicht, wie überhaupt die Spannung Fausts zwischen dem Drang ins Weite und der Sehnsucht nach Enge fehlte (sogar die Stelle mit den „zwei Seelen“ in der Brust war gestrichen).

Die Elemente nichtchristlicher Mythologie verstand man überhaupt nicht: Da agierten lange Zeit vermummte Rollstuhlfahrer zwischen Feuer und Qualm: Was für Gestalten waren das? Die Erschaffung des Homunkulus konnte man erkennen, aber das Verhältnis Fausts zu Helena blieb wirklich schleier-haft; von Euphorion habe ich nichts vernommen. Ein altes Ehepaar wurde aus seiner Hütte am Meer vertrieben (bzw. wohl von modernen Schlägerpolizisten darin verbrannt) – aber wer sind schon Philemon und Baucis?

Der ganze Teil Faust II war eine Abfolge von Bildern (mit Angela Merkel als „Kaiser“), deren Bezug zu Heinrich Faust weithin unklar war – Mephisto rauchte Zigaretten, sauste immer zwischen den Figuren umher und Faust hatte einen langen Bart und einen Krückstock (kann man nicht anders alt werden?), aber so etwas wie einen roten Faden konnte ich nicht erkennen. Die musikalischen Elemente des „Faust“ fehlten leider beinahe vollständig.

Vor allem im ersten Teil ging es wie üblich in Mönchengladbach laut und hektisch zu, sodass Gretchen beinahe manisch getrieben war; Frau Marthe war dagegen überzeugend gespielt.

Fazit: Wozu soll man heute einen solchen „Goethe“ noch spielen? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist ein Teil der Schwierigkeiten, die ich mit dieser Aufführung hatte, aber auch in meiner Person begründet: Ich kenne Faust I ziemlich gut (vgl. https://norberto42.wordpress.com/2012/01/02/goethe-faust-i-aufbau-der-gretchenhandlung/ und die dort verlinkten Beiträge), Faust II dagegen kaum; das lässt mich bei Faust I vieles vermissen, während mir bei Faust II der Durchblick fehlt.