Weltliteratur – die 100 besten Romane

Heute umfasst der Begriff „Weltliteratur“ zwei verschiedene, methodisch nicht immer klar voneinander getrennte Vorstellungen: eine qualitative und eine quantitative Definition. Bei der qualitativen Begriffsdefinition wird davon ausgegangen, dass die internationale Verbreitung eines Werks allein noch keine hinreichende Bedingung für die Zuordnung zur Weltliteratur darstelle. Ausschlaggebend sind hingegen der beispielhafte künstlerische Wert des jeweiligen Werkes und sein Einfluss auf die Entwicklung der weltweiten Literatur. Eine Einigung über allgemein anerkannte Kriterien, um zu entscheiden, welchen Werken weltliterarischer Rang zugestanden werden kann, ist nicht einfach, zumal durch Epoche und Region gegebene Spezifika der Entstehungssituation der einzelnen Werke zu berücksichtigen sind. Deshalb ist diese kanonisch gewordene Verwendung des Begriffs „Weltliteratur“ problematisch, darüber hinaus haben verschiedene Nationen und Völker kulturell bedingt unterschiedliche Perspektiven auf die Bedeutung von Literatur. (Art. „Weltliteratur“ in Wikipedia, vgl. auch http://wiki.bildungsserver.de/weltliteratur/index.php/Was_ist_Weltliteratur%3F und http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/birus_weltliteratur.pdf) Es ist natürlich Unsinn, anzunehmen, es gebe 100 Bücher, die jeder „Gebildete“ gelesen haben müsse – wenn man unter dem Stichwort „100 beste Romane“ sucht, findet man allerdings Listen mit Titeln, die man vielleicht einmal lesen könnte, falls man sie nicht kennt: Anregungen, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem würde ich auch Bücher dazu zählen, die man in keiner Liste findet, z.B. Lars Gyllensten: Kains Memoiren, oder St. Lem: Memoiren, gefunden in der Badewanne – beide gibt es über booklooker zu kaufen, ich kann die Lektüre nur empfehlen!

http://leselisten.de/weltliteratur-liste-100-beste-buecher/

https://de.wikipedia.org/wiki/ZEIT-Bibliothek_der_100_B%C3%BCcher

http://www.fabelhafte-buecher.de/category/franzoesische-100-beste-buecher/ (mehrere Listen)

http://www.fabelhafte-buecher.de/le-monde-die-franzosische-liste-der-100-wichtigsten-bucher-der-weltliteratur/ (franz.)

http://autoren-heute.de/weltliteratur.php

http://www.hoye.de/100.pdf

http://www.lesekost.de/kanon/HHL04.htm (viele Listen)

http://www.literaturtipps.de/listenansicht_buecher/toplist/klassiker-2.html

http://www.abebooks.de/Buecher-Highlight/Hundert-beste-Buecher-20-Jahrhundert.shtml (20. Jh.)

http://www.abebooks.de/Buecher-Highlight/Hundert-beste-Buecher.shtml

http://diepresse.com/home/kultur/literatur/575448/Autoren-kuren-die-100-besten-Bucher

https://buchjunkie.wordpress.com/2010/07/29/100-bucher-die-man-angeblich-gelesen-haben-sollte/

http://vonarndt.de/buecher-texte/textminiaturen/literatur-tips/

http://www.freenet.de/lifestyle/maenner/diese-buecher-muessen-sie-lesen-die-topten-klassiker-der-weltliteratur_656908_4743240.html?pictureshowoffset=8 (top 10)

Vgl. auch unter dem Stichwort „Weltliteratur“:

http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/

http://bildungsserver.hamburg.de/weltliteratur/

http://wiki.bildungsserver.de/weltliteratur/index.php/Hauptseite

Gary: Du hast das Leben noch vor dir – Momos Perspektive

Momo ist der Ich-Erzähler in Emil Ajars (= Romain Garys) Roman „Du hast das Leben noch vor dir“ (deutsch 1977 bei S. Fischer, hier nach der Lizenzausgabe des Dt. Bücherbundes, Stuttgart, Hamburg, München o.J.). Momo erzählt im Rückblick auf das Geschehen („Jetzt, wo ich mich erinnere, sage ich mir…“, S. 197), wobei unklar ist, wie weit das Jetzt vom erzählten Geschehen zeitlich entfernt ist. Er erzählt jedoch ohne größere Distanz so, als ob er noch die Perspektive des 14jährigen Jungen hätte; dass er damals 14 Jahre alt war, weiß er seit dem Auftauchen seines unbekannten Vaters (S. 177 ff.) – vorher hat er nach den gefälschten Papieren der Madame Rosa als 10 Jahre alt gegolten (vgl. S. 196: „Ich war noch völlig aus dem Häuschen bei dem Gedanken, daß ich auf einen Schlag vier Jahre älter war…“).

Während Momo erzählt, hat man den Eindruck, er sei tatsächlich erst zehn Jahre alt; das hängt 1. mit den Faktoren zusammen, die seine Weltsicht (Perspektive) geprägt haben, 2. damit, dass er an seiner Kindersprache festhält (so sagt er durchweg „Zuhalter“ und erst am Schluss, S. 254, erklärt er: „Ich weiß jetzt zwar, daß es Zuhälter heißt, aber das ist die Macht der Gewohnheit.“), und 3. damit, dass es kaum eine Distanz zwischen dem erlebenden und dem erzählenden Momo gibt.

Welche Faktoren haben Momos Leben geprägt? Er ist ein Hurenkind, das von seinem Vater im Alter von drei Jahren bei Madame Rosa abgegeben worden ist; Madame Rosa ist eine ehemalige Hure, die jetzt davon lebt, dass sie gegen Entgelt, aber auch unentgeltlich sich um Hurenkinder kümmert. Sie lebt in einem Bezirk von Paris, in dem Araber, Juden und Schwarze wohnen (Rue Bisson und Umgebung: Belleville.). Momo ist zwar in die Schule gegangen, aber offenbar nur wenige Jahre, da er von Madame Rosa als Zehnjähriger geführt wird. Er kennt neben Madame Rosa und den von ihr betreuten Kindern die Leute, die im Haus wohnen, einige Bekannte Rosas und einige Menschen aus der Nachbarschaft.

An einigen Beispielen möchte ich zeigen, wie sich dies alles auf die Darstellung des Geschehens auswirkt:

  1. „Ich kann Ihnen gleich schon als erstes sagen, daß wir zu Fuß im sechsten Stock gewohnt haben und daß das für Madame Rosa bei all den Kilos, die sie mit sich rumschleppte, und nur zwei Beinen ein richtiger Grund für ein Alltagsleben war, mit allen Sorgen und Mühen.“ (S. 7) Das ist der erste Satz des Romans. Die Sprache Momos ist Alltagssprache, restringiert: „zu Fuß wohnen“ kürzt ab, lässt das Verb „gehen“ oder „hinaufsteigen“ aus. „bei all den Kilos…“ ist Umgangssprache; „und [bei] nur zwei Beinen“ ist naiv, da jeder nur zwei Beine hat, egal wie schwer er ist. „ein Alltagsleben […], mit allen Sorgen und Mühen“ ist eine Redewendung der Erwachsenen, die Momo übernommen hat und die nicht zu seiner Weltsicht passt.
  2. „Ich muß so drei Jahre alt gewesen sein, als ich Madame Rosa zum ersten Mal gesehen habe. Vorher hat man nämlich keine Erinnerung und lebt in der Unwissenheit. Mit vier oder fünf Jahren habe ich aufgehört, unwissend zu sein, und manchmal fehlt mir das.“ (S. 7) Mit dem ersten Satz führt Momo den Zuhörer in die Irre – er weiß zum Zeitpunkt des Erzählens, dass er damals drei Jahre alt war (S. 177 ff.), tut jetzt aber so, als wüsste er es nicht genau; auf diesem Schein beruht der Eindruck, man höre einem Zehnjährigen zu. „und manchmal fehlt mir das“: Dies ist eine der Wendungen, mit denen der altkluge Momo seine scheinbar abgebrühte Skepsis demonstriert.
  3. Als er sechs oder sieben Jahre alt war, hat er erfahren, dass Madame Rosa monatlich eine Geldanweisung für seinen Unterhalt bekommt, „und es war ein harter Schlag für mich zu wissen, daß ich bezahlt werde. Ich hatte geglaubt, Madame Rosa würde mich umsonst lieben und wir täten einander was bedeuten. Ich habe eine ganze Nacht deswegen geweint, und es war mein erster großer Kummer.“ (S. 8) „daß ich bezahlt werde“ ist hier ziemlich restringierte Umgangssprache; die Enttäuschung, nicht „umsonst“ geliebt zu werden, also niemandem etwas zu bedeuten, bestimmt sein Leben, auch wenn Madame Rosa ihm das Gegenteil sagt (S. 8). So stiehlt er, um Aufmerksamkeit zu gewinnen (S. 13 f.), oder er geht in die Praxis von Dr. Katz, „wo man mich untersuchte, als ob ich etwas Wichtiges wäre“ (S. 27). „Ich habe sogar überall in die Wohnung geschissen, um aufzufallen. Nichts.“ (S. 11) Die letzte Bemerkung zeigt, dass das psychologische Wissen Momos („um aufzufallen“) nicht zu seinem Alter, seiner Sprache und seiner Lebenssituation passt.
  4. „Kinder sind alle sehr ansteckend. Ist mal eins da, kommen auch gleich die andern. […] Das sind alles die Geschichten von Kindern, wo sich nicht rechtzeitig haben abtreiben lassen können und wo nicht notwendig waren.“ (S. 15) Diese Härte, mit der ein Kind (mit zitierter Erwachsenenperspektive, restringiert) über sich und seine Wohngenossen als unterlassene oder misslungene Abtreibungen spricht, zeigt die Härte der Welt, in der Momo lebt – sie steht dann im Kontrast zu der Hingabe, mit der er Madame Rosa schließlich pflegt.

Fazit: Momos Sicht ist die Perspektive des kleinen, wenig geliebten Außenseiters auf seine Umgebung; in Wahrheit weiß er jedoch mehr (nicht nur vom Alter her), als in seiner restringierten Sprache zum Ausdruck kommt. Momo bewahrt seine Menschlichkeit und ermöglicht es am Schluss Madame Rosa, in Frieden in ihrem Schlupfloch zu sterben: „Ich finde, es gibt nichts Gemeineres, als Leuten, die sich nicht mehr wehren können und die zu nichts mehr nützen wollen, mit Gewalt das Leben in den Schlund zu stoßen.“ (S. 255) Der Kontrast beglaubigt die Menschlichkeit Momos, die sich mit einer Lüge auch gegen das ärztliche Interesse am Weiterleben der Kranken, und sei als bewusstloses „Gemüse“, durchsetzt.

Ich sehe selber, dass diese Skizze nur den Anfang einer vertieften Untersuchung darstellen kann – es geht mir einmal darum, die Möglichkeiten der Momo-Perspektive aufzuzeigen, und dann auch darum, für den großartigen Roman zu werben, den es derzeit leider nicht im Buchhandel neu zu kaufen gibt. Vgl. auch https://norberto42.wordpress.com/2015/10/20/schmitt-monsieur-ibrahim-und-die-blumen-des-koran-kurz-vorgestellt/!

Zum Begriff der Erzählperspektive:

http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Erz%C3%A4hlperspektive

http://wortwuchs.net/erzaehlperspektive/

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechniken)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

https://www.uni-due.de/einladung/index.php?option=com_content&view=article&id=548%3A5-gattungen-und-textstrukturen-1-epik&catid=40%3Akapitel-5&Itemid=53 (v.a. 3. Wer erzählt?)

Zeruya Shalev: Liebesleben – die Vergleiche

In dem viel gelobten Buch „Liebesleben“ von Zeruya Shalev sind die Vergleiche teilweise sehr eigenwillig; ich möchte exemplarisch die ersten Vergleiche (in der Übersetzung von Mirjam Pressler) untersuchen.

  1. Sie (Ja’ara) ist verblüfft, dass ein Fremder ihr die Tür der Wohnung ihrer Eltern öffnet, „mein Name rutschte aus seinem Mund wie ein Fisch aus dem Netz, und ich stürzte in die Wohnung“. (S. 7)
  2. „Wie auf frischer Tat ertappt, drehten sie [die Eltern, N.T.] mir die Gesichter zu“ (S. 7).
  3. „ein Glas Wasser in der Hand, das Glas bewegte sich im gleichen Rhythmus wie er hin und her“ (S. 7).
  4. „sie ist gesund wie ein Ochse“, sagte der Vater (S. 7).
  5. „ich wünschte, ich wäre so gesund wie sie“, sagte er (S. 7).
  6. „er benahm sich wie der Herr des Hauses“, sagte sie (S. 8)
  7. „ihre dünnen Haare standen hoch wie die Stacheln eines Igels“ (S. 8).
  8. Ihr Zopf war früher „lebendig wie eine kleine Katze“ (S. 8).
  9. „und ich sagte, warum hast du ihn [den Zopf, N.T.] abgeschnitten, das war, wie wenn man ein Bein amputiert, hättest du dir mit derselben Leichtigkeit ein Bein amputieren lassen?“ (S. 8)
  10. „die Stelle, wo unsere Arme sich berührt hatten, brannte, als hätte mich etwas gestochen“ (S. 8).

Das sind die ersten zehn Vergleiche. Ich urteile:

a) Völlig normale Vergleiche sind Nr. 2, 5, 6, 7.

b) Gesuchte Vergleiche sind Nr. 2, 8, 10.

c) Unsinnige Vergleiche sind Nr. 1, 4, 9. Solche manirierten Vergleiche gefallen mir nicht und lassen mir auch die Art, wie von der sexuellen Verfallenheit der jungen Frau erzählt wird, als gleichfalls maniriert erscheinen. Ich konnte das Buch nur anlesen, es stieß mich ab.

Rezensionen:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17069382.html (neutral)

http://www.luise-berlin.de/lesezei/blz01_04/text48.htm (begeistert)

http://www.dieterwunderlich.de/Shalev_liebesleben.htm (Inhalt ausführlich)

https://caterinaseneva.wordpress.com/2012/07/06/zeruya-shalev-liebesleben/ (positiv)

https://www.perlentaucher.de/buch/zeruya-shalev/liebesleben.html (Sammelbericht Rezensionen)

http://www.litlog.de/ich-finde-dieses-buch-flach/ (über literarische Wertung, am Beispiel des Literarischen Quartetts, u.a. zu Shalev)

Huckleberry Finns Abenteuer – übersetzt von Wolf Harranth

Mark Twain stellt dem Roman „Huckleberry Finns Abenteuer“ eine Erklärung voran: „Im vorliegenden Buch werden eine Anzahl von Dialekten benutzt…“ Das stellt Übersetzer natürlich vor eine große Schwierigkeit: Wie kann man amerikanische Dialekte des 19. Jahrhunderts ins Deutsche des 20. Oder 21. Jahrhunderts übersetzen? Es gibt eine neue Übersetzung von „Huckleberry Finns Abenteuer“ durch Wolf Harranth, welche sehr gelobt wird (siehe http://www.deutschlandfunk.de/huckleberry-finn.700.de.html?dram:article_id=81383 ). Harranth konjugiert zum Beispiel für die Sprache Hucks kein einziges Verb stark, sondern alle schwach („hat er übertreibt“); das ist sicher eine Möglichkeit, den restringierten Code des Außenseiters Huckleberry zu verdeutschen. Dazu passt jedoch nicht, dass ein solcher Knabe die Wörter ramponiert, sentimentalisch, diskutieren (einmal verkürzt zu skutiert), kapriziert, schlankes Bürschchen, verzagt kennt. Ein sorgfältiges Lektorat hätte diese Patzer ausmerzen sollen – Harranth gibt aber zu bedenken, dass Mark Twain in drei Phasen an dem Roman gearbeitet und die Sprache Hucks selber nicht konsequent durchgehalten hat; man müsste also in jedem Einzelfall prüfen, was tatsächlich im Original steht und wie sich das im Vergleich zu anderen Stellen übersetzen lässt. Aber so genau will ich nun auch nicht wissen.

Vgl. auch http://www.mazakarini.com/app/download/5241126064/Wolf+Harranth+2.pdf?t=1315858838 (Interview mit Wolf Harranth, u.a. zu „Huckleberry Finns Abenteuer“)

https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/twain-huckleberry-finns-abenteuer-kein-kinderbuch/

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://genius.com/albums/Mark-twain/Adventures-of-huckleberry-finn (dito)

Hier zwei alte deutsche Übersetzungen:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (Übersetzung Henny Koch, 1885) = https://damnick.de/media/huckleberry-finn/Twain-Huckleberry_Finns_Abenteuer_und_Fahrten-Damnick_Verlag.pdf

http://www.zeno.org/Literatur/M/Twain,+Mark/Roman/Abenteuer+und+Fahrten+des+Huckleberry+Finn (Stuttgart 1892 – der Übersetzer ist im Netz partout nicht zu ermitteln, nur die Gesamtheit der Übersetzer von Mark Twains ausgewählte Humoristische Schriften. [Deutsch von Udo Brachvogel, Frank Siller, Margarete Jacobi, G. Kuhr u. a.] Verlag von Robert Lutz, Stuttgart)

Ach

Der Kollege Matthias Klagges schrieb mir u.a.:

Nebenbei dann einiges gelernt zu „ach“ (Ulla Hahn, Angeschaut, Z. 11),
wahrscheinlich dem wichtigsten Minimalsignifikant in der deutschen Literatur…

Das Wörtchen Ach in der deutschen Liebeslyrik vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert
http://www.deutsche-liebeslyrik.de/manuskript/manuskript60/manuskript60.htm

außerdem: Goethe: Faust:
„Habe nun, ach! Philosophie“
„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“

Schiller (sowieso):
„Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen? /
Spricht die Seele so spricht ach! schon die Seele nicht mehr.“ (aus: Musenalmanach für das Jahr 1797) => spricht die Seele ACH, so spricht die Seele schon NICHT mehr

und vor allem: Kleist, dazu sofort gekauft und dann gelesen
László F. Földényi: Heinrich von Kleist. Im Netz der Wörter. München. Matthes & Seitz 1999. S. 15-23 (= ACH!) – sehr gut,

und dort zu Hahn „Angeschaut“ gefunden / passend: „Alkmene: Ach!“ (Ende von Kleist: Amphitryon)

„Alkmenes Seufzer, als sie von Jupiter verlassen wird, der ihr in Gestalt des Gatten Amphitryon eine Liebesnacht geschenkt hatte. Wie überlebt ein sterbliches Wesen diese Heimsuchung durch einen göttlichen Liebhaber? Wie kann das Leben danach weitergehen? Muss es nicht zur Wüste werden, und ist das „Ach“ nicht auch Ausdruck des Schreckens vor dem Undsoweiter der Gewöhnlichkeit?“ Vgl. Rüdiger Safranski: „Ach“. http://www.zeit.de/2000/03/200003.l-kleist_.xml (aufgerufen 14.9.2015)

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Ich meine, man müsste Schillers Distischon anders lesen, und zwar so (vgl. http://amor.cms.hu-berlin.de/~h2816i3x/Talks/SchillerSinnspruch.pdf):

„Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen? /
Spricht die Seele, so spricht ach! schon die Seele nicht mehr.“

Das steht in einer Tradition, die wir schon im Römerbrief (8,26) finden: „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ Bei Paulus finden wir auch die Gegenüberstellung gramma/pneuma.

Vgl. auch http://lexika.digitale-sammlungen.de/adelung/lemma/bsb00009131_3_1_1067, https://de.wiktionary.org/wiki/ach und die anderen Wörterbücher zu „ach“!

Rousseau: Bekenntnisse – Inhalt

Inhalt nach der Übersetzung von Ernst Hardt – Insel Taschenbuch 823 (1985); man müsste sich mit Hilfe dieser Übersicht auch in anderen Ausgaben bzw. Übersetzungen zurechtfinden können.

 

ERSTER TEIL

Erstes Buch (1712-1728)

Programm des Autors 37

Die Eltern 38

Geburt JJR’ 39, Tod der Mutter

Seine Tante Suson und die Wärterin Jacqueline 40

Erste Lektüre 40

1719/23 Lektüre aus Vaters Bibliothek 41

Geschichte des einzigen Bruders 42

Erziehung und kindliche Missetaten 43

Musikalische Erziehung 44

Auswirkung der Erziehung auf den Charakter 45

Onkel Bernard als Vormund, Leben auf dem Land 46

Freundschaft mit dem Vetter Bernard 47

Frl. Lambercier als Erzieherin 48

Sexuelle Tönung des Verhältnisses zu Frl. Lambercier 49 f.

Keuschheit und sexuelle Vorstellungen 51

Masochistische Komponente in der Sexualität 52 f.

Unschuldig als Lügner bestraft 54

Leiden an ungerechter Bestrafung 55 f.

Ende der unschuldig-glücklichen Kindheit 57

Genaue Erinnerung an das Leben in Bossey 58

Episode: Wasserleitung zum Weidenbaum angelegt 59 ff.

Einige Jahre bei Onkel Bernard 62 ff.

Prügeleien, erste „Liebe“ 64

Frl. von Vulson 65 f. – zwei Arten von Liebe 65 ff.

Frl. Goton (als „Lehrerin“) 66 ff.

Bei Herrn Masseron: um Schuldeneintreiber zu werden 69

Lehre beim Kunststecher Ducommun 69 f. – JJR verändert sich 70 f.

Unterdrückung und ihre Auswirkungen 70 ff.

Erster Diebstahl 73

„Apfeljagd“ 74

Zusammenhang: stehlen – geschlagen werden 75 f.

Eindringen in verschlossene Kammer 76

Leidenschaft und Schüchternheit 77

Keine Beziehung zu Geld 76/80

„Das Geld, das man besitzt, ist ein Mittel zur Freiheit, das Geld, dem man nachjagt, ein Mittel zur Knechtschaft, deshalb bin ich so genau und so bedürfnislos.“ (80)

Geiz 79 f.

Episode: Verkauf einer Eintrittskarte als Diebstahl 81

Neue Lesewut 82 ff.

Hang zur Einsamkeit als Folge davon 84

Flucht vor dem Lehrherrn 86

Abschied vom Vetter Bernard 86 f.

Was aus JJR als Handwerker geworden wäre 87 f.

Zweites Buch (1728-1731)

Bedeutung der Flucht als Ausbrechen 89

Beim Pfarrer von Pontverre 90 ff.

Zu Frau von Warens geschickt 92 f.

Begegnung mit Frau von Warens am Palmsonntag 1728 94

Aussehen und Geschichte der Frau von Warens 95 ff.

Liebe zu Frau von Warens 98

Erstes gemeinsames Essen 99

Man organisiert die Reise nach Turin 100 f.

Abreise am Mittwoch der Karwoche 102

Vater JJR’ trifft am Donnerstag bei Frau v.W. ein, reist JJR aber nicht nach

Analyse der väterlichen Zurückhaltung 103

Grundsatz, „daß man allen Verhältnissen aus dem Wege gehen soll, die unsere Pflichten zu unseren Vorteilen in Gegensatz bringen und unser Heil im Nachteile anderer finden lassen“ (103)

Die beiden Reisebegleiter 105

Jugendliche Unbeschwertheit und Freiheit 106

Lust am Wandern 107

(Rechtfertigung der Ausführlichkeit des Berichts 108)

Im Katechumenenhospiz in Turin 109

Die anderen Katechumenen 110

JJR’ religiöse Erziehung 111 f.

Abneigung gegen die Konversion 113

Reflexion der Unfähigkeit, Widerstand zu leisten 114

Theologische Dispute mit den Priestern 115 ff.

JJR wehrt homosexuelle Annäherung ab 117 f.

Verteidigung der Homosexualität durch die Aufsicht 119 f.

Quasitaufe des JJR 121 f.

Wieder in Freiheit, in Turin 123 ff.

Frau Basile 126 ff.

Der Ladendiener Basiles 132

Rückkehr Basiles, Rauswurf JJR’ 134 f.

Anstellung bei der Gräfin von Vercellis als Sekretär 136

Intrigen der Diener gegen JJR 139

Kühles Verhältnis zur Gräfin 140

Tod der Gräfin 140

Diebstahl eines Bandes, den er der Köchin anhängt 141 f.

Lebenslange Reue 143

Erklärung des Vergehens aus Liebe und Scham usw. 144

Das Gute des Vergehens: Verhinderung weiterer Untaten 145

Drittes Buch (1728-1732)

Befangenheit gegenüber Frauen, unklares Begehren 146

Leicht exhibitionistisches Auftreten 147

Episode: Verfolgung des kleinen Exhibitionisten und Rettung 147 ff.

Moralisch-praktische Belehrung durch Herrn Gaime 149 ff.

Lehre, „daß, wenn jeder Mensch in den Herzen aller anderen lesen könnte, gar viele Leute lieber würden [sozial, N.T.] hinab- denn hinaufsteigen wollen“

(Gaime: Vorbild des savoyardischen Vikars, 151)

Durch Graf della Rocca an Graf von Gouvon vermittelt 151 f.

Diener bei Graf von Gouvon 153

Bemühen um Gunsterweise des Frl. von Breil 154/56

Empfehlung an den Abbé von Gouvon 157

Lateinunterricht und Arbeit als Sekretär beim Abbé 158 f.

Pläne mit JJR im Haus Solar (von Gouvon) 159 f.

Freundschaft mit dem Genfer Bacle, Vernachlässigung der Pflichten

(Reiz einer Reise und) Kündigung 160 f.

Graf von Favria will vermitteln, aber JJR bleibt stur 162

Plan, mit Demonstration eines Heronbrunnens sich durchzuschlagen 163

1731/32 Reise mit Bacla, Abschied 164 f.

gütige Aufnahme durch Frau von Warens 166 f.

zärtliche Empfindung für Frau von Warens 168

Leben im Haus der Frau v. W. 169

Zärtliche Beziehung „Mama – Kleiner“ 170 ff.

JJR entdeckt das Onanieren 173

„ich war keusch, weil ich sie liebte“ 174

Neckereien 175

Literarische Bildung durch Bücher und Gespräche 176

Versuch einer Vermittlung an Herrn von Aubonne scheitert, weil JJR zu beschränkt ist 177 f.

JJR erklärt sich selbst: feuriges Temperament, verbunden mit langsamem Denken 179

Vergleich mit Szenenwechsel im Theater: langsam entsteht aus Chaos Ordnung – Notwendigkeit, Texte zu überarbeiten 180 f.

Entsprechende Probleme beim Sprechen 181 f.

Folge: Neigung, sich zurückzuziehen 183

Ins Seminar zum Lateinlernen 184 f.

Abbé Gatier als Lehrer 186 (ebenfalls Vorbild für den savoyardischen Vikar 187)

JJR wirkt an der Bezeugung eines Wunders mit 188 f.

JJR zu dumm fürs Lateinlernen, wird entlassen 190

Ausbildung als Musiker bei Le Maitre 190

Eine Zeit des Glücks in Annecy 191

Ein Fremder taucht auf, Herr Venture, französischer Musiker 192 ff.

Zuneigung JJR’ zu Venture 194 f., Mama rät davon ab

Flucht Le Maitres, JJR begleitet ihn 196 ff.

In Lyon bekommt Le Maitre einen Anfall, JJR lässt ihn im Stich 200

Vorausblick auf das nächste Buch: Zeit der größten Entfremdung 201

Rückkehr nach Annecy, Mama ist nach Paris gereist 202

Viertes Buch (1731-32)

Geschick Le Maitres, unbedeutende Reue JJR’ 204

Anschluss an Herrn Venture 205

Bekanntschaft mit Frl. Giraud und anderen Mädchen 206

Vorliebe eher für adelige Damen 207

Episode: Beim Spaziergang treffen ihn zwei hübsche Reiterinnen und nehmen ihn mit, Frl. von Graffenried und Frl. Galley 207 ff.

Bekanntschaft mit Oberrichter Simon, Komposition eines Liedes 213 ff.

Oberrichter Simon 215 ff.

Reise mit Frl. Merceret nach Freiburg 219 ff.

Begegnung mit dem Vater in Nyon 220 f.

In der Nähe von Lausanne, JJR ist pleite 222 f.

Plan, nach dem Vorbild Ventures Musik zu lehren – Leben auf Pump 224 f.

„Im Volke, wo die großen Leidenschaften nur in großen Abständen aufleben, verschaffen sich die natürlichen Gefühle mehr Gehör. In den höheren Ständen dagegen sind sie völlig erstickt, und unter der Maske des Mitgefühls spricht immer nur der Eigennutz oder die Eitelkeit.“ (224)

Arbeit als „Komponist“, Dirigent und „Musiklehrer“ 225 ff.

Verhältnis zu „Mama“ 228 ff.

„Ich liebte sie weder aus Pflicht noch aus Eigennutz, noch aus Schicklichkeit, ich liebte sie, weil ich zum Lieben geboren war.“ (229)

Wanderung zum Genfer See, Bedeutung des Waadtlandes als Paradies 230 f.

In Neuchatel: „Unmerklich erlernte ich die Musik, indem ich sie lehrte.“ 232

Begegnung mit dem Archimandrit von Jerusalem, JJR in dessen Dienst (Sammlung für das Hl. Grab) 232 ff.

Trennung von ihm durch Marquis von Bonac 236 ff.

Reise nach Paris 238 f.

Eindrücke von Paris, das vorgesehene Amt gefällt JJR nicht 240 ff.

Abschied mit Spottgedicht auf Herrn Godard 242 f.

Außerordentliche Bedeutung des Reisens zu Fuß für JJR 243 ff.

„Was scheren mich Leser, Publikum und die ganze Erde, solange ich [beim Reisen, N.T.] durch alle Himmel fliege? […] Stets fühlte ich, daß draußen vor der Tür ein neues Paradies meiner harrte, und mein Sinn stand nur danach, es zu erobern.“ (244)

Verpflegung durch einen Bauern, der Armut vorschützt, um vor Abgaben sicher zu sein 245 f.

Reise nach Lyon, zu Frl. von Chatelet 247

Erinnerungen an eine andere undatierbare Reise nach Lyon, zwei homosexuelle Avancen 247 ff.

Ohne Geld in Lyon 251 ff.

Beschäftigung als Notenkopist bei Herrn Rolichon 253 f.

Geld von Mama 254, bei Frl. Chatelet 255

Anregende Gespräche mit ihr; „denn sicherlich sind die anregenden und verständigen Gespräche einer begabten Frau mehr geeignet, einen jungen Mann zu bilden, als die ganze pedantische Philosophie der Bücher“. (255)

Die letzte Frußreise JJR’, zu Mama nach Chambéry 256 ff.

Ankunft, Anstellung als Sekretär beim Kataster 258 ff.

[Bedeutung der Kindheit, Methode der Selbstdarstellung: Reflexion 260 f.]

„Ich möchte meine Seele für den Leser gewissermaßen durchsichtig machen, und deshalb bestrebe ich mich, sie ihm unter allen Gesichtspunkten zu zeigen…“ (260)

Fünftes Buch (1732-1736)

(Notwendigkeit des Reifens 262, 265 f.)

das düstere Haus Mamas in Chambéry 262 f.

Claude Anet als Vertrauter Mamas und Erzieher JJR’ 263 ff.

JJR arbeitet sich in die Arithmetik ein 266 f.

Lust am Zeichnen; Beschäftigung mit Pflanzen versäumt 267 f.

Beschäftigung mit Musik 268 f.

Garten in der Vorstandt 269 f.

Krieg, Sympathie für die Franzosen wegen der Begeisterung für französische Literatur 270 ff.

Intensives Studium der Musik, Abbé Palais, Pater Caton 272 ff.

Mobbing gegen Pater Caton 275 f.

JJR verlässt das Kataster und stürzt sich ganz auf die Musik 276 ff.

„[…] und das große Gefallen, das ich damals daran [am gesellschaftlichen Verkehr, N.T.] fand, hat mir bewiesen, daß es weniger mein als ihr Fehler ist, wenn ich nicht unter Menschen lebe“ (278)

verschiedene Musikschülerinnen 279 ff.

Gefährdung durch Frau Lard 281 f.

Frau von Menthon 283 f.

Mama wechselt den Ton und macht JJR ein eindeutiges Angebot (als Therapie gegen anderweitige Versuchungen) 284 ff.

Erster Beischlaf 289

Tugenden, Fehler und Liebhaber Mamas 289 ff.

Mama behandelt ihn nun als Mann 292 ff.

„[…] und niemals wird die ganze Moral eines Schulmeisters das liebreiche und zärtliche Geplauder einer verständigen Frau ersetzen können, die man liebt“ (293)

Anet der dritte im Bunde 295

Über die schädlichen Folgen der Untätigkeit 296 f.

Oberarzt Grossi 298 f.

Anet stirbt 300 f.

Mamas Verschwendung führt zu JJR’ Geiz 301 f.

Reise nach Besancon, um Komposition bei Abbé Blanchard zu lernen 303 f.

JJR’ Koffer wird beschlagnahmt 304 ff.

Rückkehr zu Mama 306

Erlebnisse des Musikers JJR 306 ff.

Herr von Gauffecourt 309 ff.

Herr von Conzié vermittelt Liebe zu Voltaire und zur Literatur 311 f.

Übersicht über Mamas Finanzen 312 f. (mit Entschuldigung eigenen Verschwendens)

Reisen im Dienst Mamas, Bekanntschaften 313 f.

Episode: von Cocelli veruntreuter Plan der Befestigung Genfs 314 ff.

Missliche Lage JJR’ (Gesundheit, Liebe) 317 ff.

Bagueret, Leidenschaft fürs Schachspielen 319 ff.

Ernste Krankheit, Pflege durch Mama, tiefe Verbundenheit 321 ff.

„[…] und ich sollte [noch, N.T.] eine Fülle von Leiden jeglicher Art erdulden, damit ich eines Tages ein Beispiel werde für den, der allein von der Liebe zum öffentlichen Wohle und zur Gerechtigkeit angetrieben, es kraft seiner Unschuld wagt, den Menschen freimütig die Wahrheit zu sagen, ohne sich durch Kabalen zu stützen und ohne sich Anhänger zu seinem Schutze geschaffen zu haben“ (324)

Ende Sommer 1736 Umzug mit Mama auf ein Landgut 325

Sechstes Buch (1736-1741)

Leben im Landhaus: die Zeit des Glücks 326 ff.

Krise der Gesundheit 328 ff.

Stellung zur Religion, Mamas Katholizismus 330 ff.

JJR erwartet gelassen den Tod 333 f.

Ernte, danach Rückkehr in die Stadt 334

Herr Salomon, der Arzt 334 ff.

Lust zu studieren 335 f.

Frühling auf dem Land 336 f.

Vom Lesen und Studieren 337 ff., 342 ff.

Tagesablauf 340 ff.

Beichtvater P. Hémet S.J. 349

Höllenangst JJR’ 349 f.

ein großer Spaziergang mit Mama 351 ff.

Mama pachtet zusätzlich Ackerland 353 f.

1737/41 Im nächsten Frühjahr Reise nach Genf (Erbteil Mutter) 354 f.

Studium der Anatomie, Angst vor Krankheiten 356 f.

Reise nach Montpellier, Frau von Larnage verführt JJR 357 ff.

Besuch des Pont-du-Gard und der Arena von Nimes 366 f.

In Montpellier bei den Ärzten 368 ff.

Entschluss, trotz Abmachung nicht zu Frau von Larnage zu fahren, sondern zu Mama 371 f. („ich hatte meine Pflicht meinem Vergnügen vorgezogen“ 372)

(Reflexion über Tugend 372 f.)

Rückkehr zu Mama, kühler Empfang, Enttäuschung: Es ist ein neuer junger Mann da, Friseur Vintzenried, der die Arbeiter Mamas beaufsichtigt 373 ff.

Diskussion der Situation mit Mama, Verzicht JJR’ 377 f.

JJR arrangiert sich schlecht mit Vintzenried 379 f.

Verhältnis zu Mama kühlt ab 380 f.

Abreise nach Lyon, um Erzieher zu werden 381

Fehler in der Erziehung zweier Jungen (bei von Mably) 382 f.

JJR stiehlt Wein 384 f.

Kündigung nach einem Jahr, Rückkehr zu Mama 385 f.

Die Vergangenheit bleibt tot 386, Sorgen um Mamas Finanzen 387

JJR ersetzt die Notensymbole durch Zahlen 388

Abreise aus Savoyen 389

„Dies waren die Irrtümer und Fehler meiner Jugend.“ (390)

 

ZWEITER TEIL

Siebentes Buch (1741-1749)

Über den ersten und den zweiten Teil der „Bekenntnisse“ und die Quellen des Wissens: die eigenen Empfindungen (und einige Briefe) 393 ff.

Widrige Umstände des neuen Schreibens nach zwei Jahren 395 f.

In Lyon – Treffen mit alten Bekannten, Verkauf von Büchern 396 ff.

Frl. Sevre 399

Herbst 1741 in Paris, verschiedene Bekanntschaften 400 f.

JJR stellt seine Musiksymboldarstellung (Zahlen) der Akademie vor 402 f.

Rameaus Einwand gegen dieses System 404

Ausarbeitung des Systems zu einem Buch, Druck des Buches 405

Das Geld geht zur Neige 406 f.

Empfehlung durch Pater Castel an mehrere Frauen 408 f.

Frau von Beuzeval und Frau von Brogli laden zum Essen ein 409 ff.

Frau Dupin, Verkehr in ihrem Haus 411 ff., Liebesbrief wird kühl zurückgegeben

Herr von Francueil, ihr Stiefsohn 413 f.

Lungenentzündung, Pläne zu einer Oper 414 ff.

Mit Verzögerungen wird JJR Sekretär des Gesandten in Venedig, Graf von Montaigu 417 f.

1743/44 Reise nach Venedig, mit Hindernissen 418 ff.

Streit um Kanzleigebühren 421 ff.

Arbeit als Sekretär des Gesandten 423 ff., einige Episoden eigenmächtigen Handelns

Ersatzzahlung für einen verschwundenen Schuldschein 430 f.

Beispiele selbständigen Handelns 432 ff.

Streit mit Herrn Vitali 434 ff.

Streit mit dem Gesandten 438 ff.

Dramatischer Abschied vom Amt 440 f.

Hilfe bei Herrn Le Blond 441

Belustigungen in Venedig, v.a. die Musik 442 ff.

Verliebt in Frl. von Cataneo 446, zwei Beinahe-Abenteuer mit Dirnen 447 ff.

Förderung eines armen kleinen Mädchens 455 f.

Nach 18 Monaten Dienst: Rückreise über die Schweiz und Lyon nach Paris, wo JJR keinen Rechtsschutz erhält, weil er nicht Franzose ist 456 ff.

Auch Frau von Beuzenval und Pater Castel tun ihm Unrecht 459 f.

von Montaigu wird abberufen und begleicht seine Schulden bei JJR 460 f.

Ignazio E. de Altuna als Freund 461 ff.

JJR lernt Thérèse Levasseur kennen und lieben 465 ff.

Therese ist dumm, hat aber gesunde Empfindungen und Verstand 468 f.

Oper vollendet 469

Zwei private Aufführungen, Umarbeitung eines Aktes 470 ff.

1745/47 Überarbeitung einer von Rameau/Voltaire begonnenen Oper und deren Aufführung; Intrigen der Frau de la Poplinière, Gunst Richileus 472 ff.

Therese wird von ihrer Familie ausgebeutet 478 f.

Misserfolge beim Versuch, mit Musik Geld zu verdienen 479 f.

1747/49 Arbeit für Frau Dupin und Herrn von Francueil 481

Reise nach Schloss Chenonceaux 482

Therese ist schwanger, JJR übernimmt die Grundsätze der Tischgesellschaft bei Frau La Selle, das Kind wird ins Findelhaus gegeben, auch das zweite Kind im nächsten Jahr 482 ff.

Frau von Épinay 485 ff.

Frl. von Bellegarde, verheiratete Gräfin von Houdetot 487

Diderot und Condillac 488, d’ Alambert 489, Ausarbeitung „Musik“ für die Enzyklopädie (ohne Bezahlung) 489

Diderot verhaftet 489 f.

Achtes Buch (1749-1756)

Bekanntschaft mit Klüpffell und Grimm 491

Diderot aus dem Gefängnis entlassen 492

Sommer 1749: JJR liest die Preisfrage der Akademie von Dijon 493

Begeisterung, Arbeit an der Preisfrage 494 f.

Gemeinsame Wohnung mit Therese bezogen 496 ff.

Besuch bei Klüpffells Mädchen 498 f.

1750/52 JJR gewinnt den Preis der Akademie

„Ich konnte mir nichts Größeres und Schöneres mehr vorstellen, als über Schicksal und Meinung der Menschen hinaus frei und tugendhaft zu sein und sich selber zu genügen. Obgleich falsche Scham und Furcht vor dem Gerede der Leute mich hinderten, sofort nach diesen Anschauungen zu leben und offenkundig und entschlossen mit den Grundsätzen meines Jahrhunderts zu brechen (…)“ (500)

dritte Schwangerschaft Thereses – scheinheilige Rechtfertigung dafür, dass auch dieses Kind (und die beiden nächsten) ins Findelhaus gegeben wird 500 ff. – Text s.u.

Frau von Chenonceaux 504 f.

Arbeit als Steuereinnehmer des Herrn von Francueil 506

Erneut Blasenleiden, Erwartung des baldigen Todes 507 f.

„Ich entsagte für immer allen Gedanken auf Glück und Emporkommen. Fest entschlossen, die wenige Zeit, die ich noch zu leben hatte, in Unabhängigkeit und Armut zu verbringen, wandte ich alle Kräfte meiner Seele darauf, alle durch die Meinung der Menschen uns auferlegten Fesseln zu zersprengen und, ohne mich weiter um ihr Urteil zu kümmern, mutig alles das zu tun, was mir recht dünkte.“ (508)

JJR schreibt lieber Noten ab, statt Geld zu verwalten 509 f.

Druck der Preisschrift, Umstellung der Lebensweise 510 f.

Wäschediebstahl bei JJR 511 f.

Literarische Auseinandersetzung um die Preisschrift 513 ff.

Beschwernisse der Publicity 515 f.

JJR gewöhnt sich den Stil eines Grobians an 517 f., „und bald gab es in ganz Paris keinen gesuchteren Menschen mehr als mich“ (518)

Querelen in den Freundschaften 518 ff., Entfremdung von Grimm 520

Von Holbach und Duclos als Freunde 521 f.

Verschiedene Ruhepunkte auf dem Land 523 ff.

Die komische Oper „Dorfwahrsager“ komponiert 525 f.

1752 Erfolgreiche Aufführungen 526 ff.

Zur Audienz beim König bestellt, geht nicht hin 532 ff.

Diderot wirft ihm vor, die Pension des Königs ausgeschlagen zu haben 534 f.

1753 Arbeit an der Ouvertüre des „Dorfwahrsager“, Nähe zur italienischen Musik 536 ff.

Streit um die französische Musik und JJR’ Rechte 539 ff.

Finanzieller Ertrag der Oper 542

JJR’ Stück „Narziss“ aufgeführt, fällt durch 543 f.

Anregung zur „Abhandlung über die Ungleichheit“ 544 ff.

Trennung von den Ärzten, einsame Spaziergänge 546 f.

1754/56 Reise mit Gauffecourt und Therese nach Genf, Therese von G. belästigt, JJR ist von ihm enttäuscht 547

Wiedersehen mit der heruntergekommenen Mama 548 f.

Rückkehr zum Protestantismus in Genf, mit theologischer und politischer Begründung 550 ff.

Fahrt auf dem See, neue Bekannte 552, neue Pläne 553

Rückkehr nach Paris, Druck der „Abhandlung über die Ungleichheit“ 553 f.

Frau von Epinay hat am Schloss die Eremitage (Gartenhaus) für JJR renovieren lassen und möbliert 555 f.

JJR verzichtet auf die geplante Rückkehr nach Genf, zumal da Voltaire in die Nähe von Genf gezogen ist 556 f.

Wiedersehen u.a. mit Venture 558 f.

JJR setzt sich beim König von Polen für Pallissot ein 559

Über die „Bekenntnisse“ 560 f.

„Ich will stets gerecht und wahr sein und von allen anderen so viel Gutes sagen, wie mir nur möglich ist, und Schlechtes nur, soweit es nötig ist und soweit ich dazu gezwungen bin. Wer darf in Anbetracht der Lage, in die man mich gebracht hat, mehr von mir verlangen?“ (560)

„(…) aber da ja mein Name am Ende doch fortleben wird, muß ich danach streben, daß mit ihm zusammen auch die Erinnerung an den unglücklichen Menschen fortdauert, der ihn trug, und zwar so, wie er wirklich war, und nicht so, wie ungerechte Feinde ihn unablässig zu schildern suchen.“ (561)

(Kap. 8 ist ein Musterbeispiel wehleidiger Selbstgerechtigkeit, die man kaum noch Selbstbetrug nennen mag.)

Neuntes Buch (1756-1757)

Umzug in das neue Haus am 9. April 1756, in Erwartung des stets ersehnten ländlichen Glücks 562 f.

JJR lehnt professionelles Schreiben von Büchern ab 563 f.

Einrichtung im Landleben 565 f.

  • Arbeit am Buch „Staatliche Einrichtungen…“ 566 ff.
  • Über die Ablehnung der Bücher JJR’ 569 f.
  • Arbeit an „Die sensitive Moral…“ der Veränderung eines Menschen 571 ff.
  • Gedanken über ein Erziehungssystem 573
  • Arbeit am Musiklexikon 574

Unannehmlichkeit der Verpflichtung gegenüber Frau von Épinay 574 ff.

  • JJR’ Verhältnis zu Therese, Bedeutung des Verhältnisses 578 ff.
  • Spannung im Verhältnis zu Frau Levasseur 580 f.
  • Freundschaften 581 f.
  • Wandlung JJR’ nach seiner ersten Veröffentlichung 582 ff.
  • Probleme mit Frau Lavasseur 584 ff. (auch sonst oft)
  • Distanz zu Therese 588 f.

Projekt: Werke des Abbé von Saint-Pierre herausgeben 590 ff.

Unvollkommenheit des Glücks 592 ff.

Sehnsucht und Liebesphantasien 596 ff.

„Das Bewußtsein meines inneren Wertes rief das Gefühl für das mir angetane Unrecht hervor, aber es entschädigt mich gewissermaßen auch dafür und ließ mich Tränen vergießen, deren Strömen mir wohltat.“ (596)

„Die Unmöglichkeit, mich an wirkliche Wesen zu wenden, trieb mich in das Land der Träume hinaus, und da ich nichts Seiendes entdeckte, das meiner Trunkenheit würdig gewesen wäre, nährte ich sie in einer idealen Welt…“ (597)

Unannehmlichkeiten zerstören die Fantasien 598

Voltaires „Candide“ als Antwort auf einen Brief JJR’, in dem dieser Voltaires Zweifel an Gottes Vorsehung „widerlegte“ 598 ff.

Vorstellungen von Freundschaft und Liebe in einem Dreiecksverhältnis – Skizzen zu einem Roman 600 ff.

Besuch der Frau von Houdetot 603 f.

JJR als Wächter des Obstes des Herrn von Épinay 604 ff.

1757 Fortsetzung der Arbeit am Roman 607 f.

Streit um die Enzyklopädie 608 f.

JJR’ Roman „Julie“ 609 f.

Unterrock der Frau von Épinay 610 f.

Winter/Frühling: Einsamkeit und Ruhe 611 f.

Gräfin Houdetot kommt, JJR verliebt sich in sie, die Geliebte Saint-Lamberts 613 ff.

Geständnis und Zurechtweisung bei erneutem Besuch 615 ff.; sie bleibt freundlich; JJR fühlt sich verspottet und fordert den Beweis der Aufrichtigkeit

Besuch bei ihr mit rührender Szene 620 f.

„(…) wenn ich auch manchmal, von meinen Sinnen betäubt, versuchte, sie zu verführen, so habe ich es doch niemals ernstlich gewünscht!“ (620)

(…) hätte sie sich freiwillig in meine Gewalt begeben, außer in wenigen kurzen Augenblicken des Rausches hätte ich es zurückgewiesen, um diesen Preis glücklich zu werden.“ (620)

Schilderung des Liebestaumels JJR’ 621 f.

Reaktionen der Umwelt auf die Liebesepisode 622 ff., Frau von Épinay als treibende Kraft und Intrigantin

Unfreundlicher Briefwechsel JJR’ mit Frau von Épinay 627 ff.

Oberflächliche Versöhnung JJR – Frau von Épinay 632 f., ohne Aussprache

Zerwürfnis mit Diderot, Klatsch und Intrigen 633 ff.

Reise nach Paris zu Diderot 640 ff.

Saint-Lambert plus Geliebte zu Besuch 642 ff.

Frau von Houdetot ist gegen JJR verändert 644 f., sie fordert ihre Briefe zurück

Große Abrechnung mit Grimm 645 ff.

„Er behandelte mich nicht völlig wie seinen Untergebenen, sondern vielmehr wie eine Null.“ (649)

oberflächliche Aussöhnung mit Grimm 655 ff.

Duclos und Saint-Lambert als die letzten Freunde 658 ff.

Frau von Épinay will nach Genf reisen – Streit mit Diderot, ob JJR sie begleiten müsse 660 ff.

Trennung von Frau von Houdetot 664 ff.

„Beziehungen, (…) in denen aber die Leidenschaft, die mir diese liebenswürdigste Frau einflößte, die heftigste vielleicht, die je ein Mensch empfunden, sich stets vor unserem eigenen und des Himmels Angesicht einen Ruhm wird machen dürfen aus den seltenen und qualvollen Opfern, die wir beide der Pflicht, der Ehre, der Liebe und der Freundschaft gebracht haben.“ (667)

Briefwechsel mit Grimm in Sachen Reise, endgültiger Bruch mit ihm 668 ff.

Briefwechsel mit Frau von Épinay, mit Kündigung der Eremitage, Umzug nach Montmorency (15. 12. 1757) und Rauswurf der intriganten Mutter Thereses 673 ff.

Zehntes Buch (1758-1760)

Frau von Épinay will JJR’ Auslagen für den Gärtner begleichen 678 ff., ansonsten gehen die Kämpfe weiter; gesundheitliche Probleme JJR’

Brief über das Schauspiel (an d’ Alembert gerichtet) 686 f., 694 f.

„(…) aber es schuf mir ein großes Bedauern, meine Mitmenschen zu verlassen, ehe sie meinen Wert empfunden und eingesehen hatten, wie sehr ich ihre Liebe verdient hätte, wenn sie mich besser gekannt.“ (687)

Bruch mit Diderot 688 f., ähnlich mit Saint-Lambert 689 f.

Einladung zum Essen von Herrn von Épinay

„Julie“ vollendet 695

neue Bekanntschaften 696 ff. (Loyseau de Mauléon usw.)

Bekannte in Paris (Roguin usw.) 700 ff.

Briefliche Beziehung zu Herrn L. von Malesherbes 706 ff.

Angebot einer Rezensentenstelle abgelehnt 709 f.

Kosten des normalen gesellschaftlichen Verkehrs 710 ff.

Arbeit an „Émile“ und „Der Gesellschaftsvertrag“ 713

Anregung des Verlegers Rey, die „Bekenntnisse“ zu schreiben 714

Bekanntschaft mit Herzog von Luxembourg und Frau 715 ff.

Sie gehen JJR eine Wohnung in einem Schlösschen 719 f.

Wohnung im Schlösschen 726 f.

Wohnung im Palais Luxembourg in Paris 728

Marquise von Verdelin 729 ff.

Ungeschicklichkeiten JJR’ gegenüber Frau von Luxembourg 731 ff.

Sie bemüht sich um den Druck des „Émile“ 737 f.

Beschämende Episode mit ihrer Nichte 738 f.

Literarische Fehden um Diderot 739 ff.

Abbé Morelets Inhaftierung 740 ff.

Streit um JJR’ Brief an Voltaire 743 ff.

Begegnung mit dem Prinzen Conti und seiner Geliebten, Frau von Boufflers 747 ff.

– Ende des Teils, der sich auf JJR’ Briefsammlung als Quelle stützt

Elftes Buch (1761-1762)

Großer Erfolg der „Julie“, v.a. in Frankreich 751 ff.

„Ewiger Friede“ 755 f.

Verhältnis zu Luxembourg, Geschicke des Hauses 756 ff.

Abbé von Boufflers 760 f.

Keine Freunde in der Umgebung der Luxembourgs 761 ff. (Thematik bei JJR unscharf)

Frau von Luxembourg möchte eines der Kinder JJR‘ adoptieren, findet aber keines – JJR gibt eher rhetorisch eine Schuld bei der Abgabe der Kinder ins Findelhaus zu 768 f. (Die Bemerkung, die ich hier mache, kann mein Unrecht zwar in seinen Wirkungen abschwächen, aber läßt es in seinem Ursprunge noch schwerer erscheinen. 769)

Vertrag über „Émile“ 769 f.

Manuskript „Der Gesellschaftsvertrag“ zum Druck 771

Buchhändler Rey 772 f.

Druck des „Émile“ 774 ff., Ängste JJR’ 778 ff.

Politische Krise in Frankreich 777 f.

1762 Herr von Malesherbes kümmert sich um den Druck des „Émile“ 782 f.

vier Briefe an Herrn von Malesherbes 783

Druck des „Émile“ 784 f.

Blasenprobleme 786 ff.

„Émile“ erscheint 788 f., Aufnahme verhaltener

Es erscheint ein Plagiat unter anderem Namen 791 f.

Unruhe wegen des „Émile“ 792 ff., man rät JJR zur Flucht

Ankündigung der Verhaftung 796

In der Nacht Info von Conti, dass der Verhaftung nur durch Flucht zu entgehen ist 797 ff., Hilfe der Luxembourgs

Abreise am nächsten Tag 16 h mit der Kutsche 802 f., Therese bleibt zurück

Reise in die Schweiz 803 ff., dabei Gedicht „Levit Ephraim“ verfasst

Mutmaßung, ohne Flucht wäre kein Haftbefehl ausgestellt worden 808

Zwölftes Buch (1762-1765)

„Hier beginnt die Finsternis, in die ich mich seit acht Jahren hineingestoßen sehe, ohne daß es meinen undenklichen Bemühungen gelungen wäre, ihr schreckliches Dunkel zu durchdringen.“ (809)

Über sein Unglück 809

Bei Roguin 810

Verbrennung des „Émile“ in Genf, Anfeindungen 810 f.

Bern duldet JJR nicht 812 f.

Übersiedlung nach Motiers/Neuchatel (preußisch) 813 ff.

Verhältnis zu Therese 815 ff., sie kommt nach

Lord Keith 818 ff.

Großzügigkeit Friedrichs d. Gr. 823 f.

JJR schreibt an Friedrich 824 f.

Er legt sich armenische Tracht zu 825 f.

Er lernt klöppeln 826

Isabella von Ivernois 827

Herr de Peyrou 828 f.

Probleme in Neuchatel 829 f.

Entgegenkommen des Ortsgeistlichen 830 ff.

Weitere Anfeindungen 832 f.

1763 Einige Briefe aus der Zeit 1756/57 sind gestohlen, JJR vermutet d’ Alembert als Drahtzieher 834 ff.

JJR sieht sich von Genf missachtet und gibt Bürgerrecht zurück 837 f.

1764 JJR antwortet mit „Briefe vom Berge“ auf eine Streitschrift 838 f.

verschiedene zwielichtige Besucher 839 ff.

Seguier de Saint-Brisson 843 ff.

Weitere unangenehme Besucher 845 f.

„Baron von Sauttern“, ein Lügner (Sauttersheim) 846 ff.

Luxembourg stirbt 849 ff.

Tod Mamas 851

Lord Keith gibt den Dienst auf 852

JJR erhält zwei Heimatscheine 853

Abbé von Mably, ein neuer Gegner, stirbt 853 f.

Abfassung der „Bekenntnisse“ 854 f.

Gesamtausgabe der Schriften geplant 855 f.

1765 Der Plan scheitert 856

Erscheinen der „Briefe vom Berge“, Auswirkungen 856 ff.

JJR wird vor das Konsistorium der Gemeinde zur Prüfung der Rechtgläubigkeit zitiert 856 ff., er findet Helfer gegen den Pfarrer

Besuch von Frau von Verdelin, die ihn auf Hume verweist 864 ff.

Weitere Anfeindungen, JJR antwortet mit Pamphleten 866 ff.

Streit mit Vernes 868 ff.

Mobbing gegen JJR in Motiers 871 ff. und vorher, tätliche Angriffe

Insel St. Pierre im Bieler See als Zufluchtsort 874 ff., schöne Einsamkeit

Alle Rechte an Büchern gehen an Peyrou 876 f.

„Da das Alter, in dem man romantische Pläne schmiedet, für mich vorüber war und der Dunst des Ruhmes mich eher betäubt als erhoben hatte, so blieb mir als letzte Hoffnung nur noch dies: in ewiger Muße behaglich leben zu dürfen. Es ist das Leben der Seligen in der anderen Welt, und ich betrachtete es schon in dieser als mein höchstes Glück.“ (879)

über Muße 879 f.

Tagesablauf 882 ff.

Befehl, die Insel zu verlassen 887

Ultimatum: binnen 24 Stunden 889

Korsika als mögliches Exil bzw. Stätte des Wirkens 889 ff.

Warum das scheitert 894

JJR reist allein nach Berlin 895

Biel lädt ihn ein zu bleiben 895 ff.

Er entschließt sich, bis zum nächsten Frühjahr zu bleiben 898

Neue Anfeindungen, Abreise 898 f.

In Wahrheit beginnt so die Reise nach England 900

* Abschließende Beteuerung, die Wahrheit gesagt zu haben 900

 

http://wikis.zum.de/zum/Jean-Jacques_Rousseau/Die_Bekenntnisse (mit vielen Zitaten)

http://www.zeit.de/1978/47/die-bekenntnisse (kurze Würdigung)

http://www.wissen.de/bildwb/rousseaus-bekenntnisse-erinnerungen-eines-individualisten (dito)

http://www.pedocs.de/volltexte/2011/4526/pdf/ZfE_1999_03_Ladenthin_Telos_Erzaehlung_D_A.pdf (V. Ladenthin: Zur Konstruktion des Bildungsgangs…)

http://rousseaustudies.free.fr/articlerousseaus_selbstentwurf.pdf (F. Bockrath: Rousseaus existenzieller Selbstentwurf…)

https://archive.org/stream/bekenntnisseunv00hardgoog#page/n7/mode/2up (Text der „Bekenntnisse“, übersetzt von E. Hardt)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/rousseaus-bekenntnisse-erster-theil-3813/1 (Text, Erster Teil, übersetzt von H. Dehnhardt)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/rousseaus-bekenntnisse-zweiter-theil-3812/1 (Zweiter Teil, übersetzt von H. Dehnhardt)

http://books.google.de/books?id=B34-AAAAYAAJ&pg=PA3&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false (Text. Erster Teil, übersetzt von Levin Schücking)

http://books.google.de/books?id=84o-AAAAYAAJ&pg=PA3&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false (Zweiter Teil, Schücking)

http://books.google.de/books?id=9DI6AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (Nachtrag: ungedruckte Stellen des Textes)

http://catalog.hathitrust.org/Record/100390263 (Ausgewählte Briefe)

http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/titleinfo/4647677 (Vier Brief an Herrn von Malesherbes, Januar 1762 – eine Vorstufe der „Bekenntnisse“; oder http://www.europeana.eu/portal/record/09428/urn_nbn_de_gbv_3_1_313424.html)

http://www.philosophie.uni-wuppertal.de/fileadmin/philosophie/PDFs_allg/Seminarmaterialien/Schiemann/Phil._Rousseau_1755.pdf (Vorreden und 1. Teil: Untersuchung über den Ursprung und den Grund der Ungleichheit unter den Menschen)

https://www.uni-bielefeld.de/soz/zfs/pdf/ZfS_Berger_05-2004.pdf (Analyse dazu: Joh. Berger)

http://catalog.hathitrust.org/Record/011921090 (Der Gesellschaftsvertrag)

http://catalog.hathitrust.org/Record/008433188 (Über den Gesellschaftsvertrag, 1843)

http://catalog.hathitrust.org/Record/001085376 (Julie oder Die neue Heloise)

http://de.wikisource.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau wikisource JJR

http://de.wikiquote.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau wikiquote JJR

http://www.friedrich-kuemmel.de/doc/RousseauV.pdf (F. Kümmel über J.J.R.)

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http://www.theoriewiki.org/index.php?title=Jean-Jacques_Rousseau (Theorien)

http://www.tagesspiegel.de/kultur/das-monster-der-selbstentbloessung/6766940.html (J.J.R. – Würdigung)

https://archive.org/stream/jjrousseau00mbuoft#page/n7/mode/2up (Möbius: J. J. Rousseau, 1903)

https://archive.org/stream/jeanjacquesrouss00sakmuoft#page/n5/mode/2up (Sakmann: J. J. Rousseau, 1913)

 

Wie Rousseau es versteht, sich schuldig zu bekennen, doch vor allem dabei sich reinzuwaschen, zeigt die Begründung seiner Entscheidung, seine Kinder ins Findelhaus abzugeben:

Während ich über die Pflichten des Menschen philosophirte, brachte mich ein Ereignis zum bessern Nachdenken über meine eigenen. Therese wurde zum dritten Male schwanger. Zu aufrichtig gegen mich selbst, zu stolzen Herzens, um meine Grundsätze durch meine Handlungen verläugnen zu wollen, begann ich das Loos meiner Kinder und mein Verhältnis mit ihrer Mutter nach den Gesetzen der Natur, der Gerechtigkeit, der Vernunft und jener reinen heiligen Religion zu untersuchen, die, trotzdem sie ewig wie ihr Stifter ist, die Menschen befleckt haben, während sie sich stellten, als ob sie sie reinigen wollten, und aus der sie durch ihre Glaubensformeln nur eine Wortreligion gemacht haben, da es ja wenig kostet, das Unmögliche zu befehlen, wenn man sich selbst von der Ausführung desselben entbindet.

Täuschte ich mich in meinen Ergebnissen, so ist dabei nichts erstaunlicher als die Seelenruhe, mit der ich mich ihnen überließ. Wäre ich einer jener schlecht gesinnten Menschen, die taub gegen die süße Stimme der Natur sind, in deren Herzen nie ein wahres Gefühl für Gerechtigkeit und Menschlichkeit erwachte, so würde eine solche Verhärtung ganz einfach sein; aber diese Herzenswärme, diese so lebhafte Menschenfreundlichkeit, diese Leichtigkeit, freundliche Verhältnisse anzuknüpfen, diese Gewalt, mit der sie mich beherrschen, diese bittre Herzenstrauer, wenn ich sie lösen muß, dieses angeborene Wohlwollen für meine Mitmenschen, diese glühende Liebe für das Große, das Wahre, das Schöne, das Rechte; dieser Abscheu vor jeglichem Schlechten, diese Unmöglichkeit zu hassen und zu schaden, ja es auch nur zu wünschen; diese gerührte Stimmung, diese lebhafte und süße Erregung, die ich beim Anblicke von allem, was tugendhaft, edelmüthig und liebenswürdig ist, empfinde: kann sich wohl dies alles in derselben Seele mit der sittlichen Verdorbenheit vertragen, welche die süßeste der Pflichten rücksichtslos mit Füßen tritt? Nein, ich bin davon überzeugt und behaupte es laut: es ist nicht möglich. Nicht einen einzigen Augenblick in seinem Leben hat Jean Jacques ein Mensch ohne Gefühl, ohne Herz, hat er ein unnatürlicher Vater sein können. Ich bin im Stande gewesen, mich zu irren, aber nicht, mich zu verhärten. Wenn ich meine Gründe sagte, würde ich damit zu viel sagen. Da sie mich zu verführen vermochten, würden sie auch viele andere verführen. Ich will junge Leute, die mich lesen könnten, nicht der Gefahr aussetzen, sich von demselben Irrthume täuschen zu lassen. Ich werde mich begnügen zu sagen, er bestand darin, daß ich, als ich meine Kinder der öffentlichen Erziehung überließ, weil ich sie nicht selbst zu erziehen vermochte, und sie lieber dazu bestimmte, Handwerker und Landleute als Abenteurer und Glücksjäger zu werden, als Bürger und Vater zu handeln glaubte und mich als ein Mitglied der Republik Platos betrachtete. Seitdem hat mir die Reue meines Herzens mehr als einmal gesagt, daß ich mich geirrt hatte, aber weit davon entfernt, daß meine Vernunft die gleiche Sprache gegen mich geführt hätte, habe ich oft den Himmel gesegnet, sie dadurch vor dem Loose ihres Vaters und vor dem bewahrt zu haben, das ihnen drohte, wenn ich später gezwungen gewesen wäre, meine Hand von ihnen abzuziehen. Hätte ich sie der Frau von Epinay oder der Frau von Luxembourg überlassen, die sich sei es aus Freundschaft, sei es aus Edelmuth oder aus irgend einem andern Grunde später ihrer haben annehmen wollen, wären sie wohl zu gesitteten und gebildeten Leuten erzogen worden? Ich weiß es nicht; aber davon bin ich überzeugt, daß man sie zum Hasse, vielleicht zum Verrathe ihrer Eltern getrieben hätte; es ist hundertmal besser, daß sie sie gar nicht gekannt haben.

Mein drittes Kind wurde also eben so wie die beiden ersten dem Findelhause übergeben, und auch die beiden folgenden traf dasselbe Loos, denn ich hatte in allem fünf Kinder. Diese Maßregel kam mir so gut, so verständig, so gesetzmäßig vor, daß ich mich ihrer nur aus Rücksicht auf die Mutter nicht offen rühmte; aber ich erzählte sie allen, die um unser Verhältnis wußten; ich erzählte sie Diderot und Grimm, ich setzte später Frau von Epinay und noch später Frau von Luxembourg davon in Kenntnis, und zwar offen, frei, ganz ungezwungen, und während ich sie leicht aller Welt hätte verhehlen können, denn die Gouin war eine ehrliche und sehr verschwiegene Frau, auf die ich mich vollkommen verlassen durfte. Der einzige unter meinen Freunden, dem ich mich zu eröffnen ein gewisses Interesse hatte, war der Arzt Thierry, der meine arme Tante bei einer ihrer Entbindungen, bei der sie sehr leidend war, behandelte. Mit einem Worte, ich machte aus meiner Handlungsweise kein Hehl, nicht allein, weil ich nie verstanden habe, meinen Freunden etwas zu verbergen, sondern auch weil ich wirklich nichts Arges darin erblickte. Alles erwogen wählte ich für meine Kinder das Beste, oder doch das, was ich dafür hielt. Ich hätte gewünscht und wünschte noch, ich wäre wie sie aufgezogen und unterhalten.“
(Rousseau’s Bekenntnisse. Zweiter Theil – Achtes Buch, übersetzt von H. Dehnhardt)

Nachträglich beschert mir die Lektüre von Jean Starobinski: Rousseau. Eine Welt von Widerständen, Carl Hanser Verlag 1988, ein vertieftes Verständnis Rousseaus; ohne die Lektüre Starobinskis hatte ich Rousseau für einen Psychopathen gehalten.

Dostojewski übersetzt – von Swetlana Geier u.a.

Ich lese gerade Dostojewskis „Schuld und Sühne“ bzw. „Verbrechen und Strafe“ in der Übersetzung von Swetlana Geier; diese Übersetzung wird von den Kritikern überschwänglich gelobt – ich bin aber (bisher: in den beiden ersten Teilen des Romans) auf einige Stellen gestoßen, die ich nicht verstehe oder für sinnlos halte. Zum Vergleich ziehe ich drei andere alte Übersetzungen heran: Wird an diesen Stellen in den anderen Übersetzungen der Text Dostojewskis verständlich? Folgende Übersetzungen liegen mir vor:

Swetlana Geier: Verbrechen und Strafe (1994): Fischer-Taschenbuch

Hermann Röhl: Schuld und Sühne (1912): Projekt Gutenberg

Alexander Eliasberg: Verbrechen und Strafe (1924): zeno.org

Werner Bergengruen: Schuld und Sühne (1925): Übersetzung der Manesse Bibliothek

http://www.kamahe-literatur.net/pdf/dostojewski/schuld%20und%20suehne.pdf (nachträglich gefunden – Übersetzer unbekannt)

 

Hier sind die Stellen in den verschiedenen Übersetzungen; unter jeder Stelle werte ich den Vergleich aus:

 

G: Es war ein langer, dicker Brief, zwei Lot schwer; zwei große Bogen waren winzig klein und eng beschrieben (43) [wie viel sind zwei Lot?]

R: es war ein großer, dicker Brief von zwei Lot; zwei große Briefbogen waren mit kleiner Schrift ganz vollgeschrieben.

E: der Brief war lang, ganze zwei Lot schwer; zwei große Briefbogen waren eng beschrieben

B: einen umfangreichen, dicken Brief, wohl zwei Lot schwer; zwei große Bogen waren über und über beschrieben

(Alle setzen irrtümlich voraus, dass ich das Gewicht Lot – ca. 14-18 g – und die Größe eines Bogens – 42 x 59,4 cm – kenne.)

 

G: streckte er mit einem einzigen Fausthieb einen Ordnungshüter nieder, der gute zwölf Werschok groß war (72; Werschok: altes russ. Längenmaß, 4,4 cm) [sinnlos: ein 55 cm großer Mann – Lisaweta ist übrigens mindestens acht Werschok groß, 89]

R: mit einem einzigen Schlage einen baumlangen Wächter niedergeschmettert

E: mit einem Hiebe einen hünenhaften Hüter der öffentlichen Ordnung niedergeschlagen

B: einen baumlangen Hüter des Gesetzes mit einem einzigen Hieb zu Boden geschlagen

(Alle außer Geier sind verständlich, R und B am klarsten.)

 

G: weil ich damals den noch feuchten Geldbeutel in die Tasche gesteckt habe (125 f.) [damals: am Vortag!]

R: da ja der Beutel damals, als ich ihn in die Tasche steckte, noch feucht war

E: weil ich den noch nassen Beutel in die Tasche steckte

B: ich habe ja das noch feuchte Beutelchen in die Tasche gesteckt

(E und B sind sachlich richtig, „damals“ ist sinnlos.)

 

G: hatte ein ausdruckvolles, brünettes Gesicht (132) [ungewöhnlich: brünett]

R: mit einem gebräunten, lebhaften Gesicht

E: mit dunklem Teint und beweglichem Gesicht

B: mit einem dunkelfarbigen und lebhaften Gesicht

(R und B sind sprachlich am besten.)

 

G: „Gar keen Lärm und Prügelei waren bei mir…“ [sie berlinert!], mit starkem deutschem Akzent (137)

R: „Lärm und Schlägerei haben bei mir ganz und gar nicht stattgefunden…“. Sie sprach das Russische zwar mit starkem deutschem Akzent…

E: »Gar kein Lärm und Schlägerei bei mir, Herr Kapitän«, schnatterte sie plötzlich drauf los, auf russisch, doch mit einem starken deutschen Akzent [verkürzter Satzbau!]

B: „Bei mir ist weder Lärm noch Keilerei gewesen, Herr Kapitän“, plapperte sie plötzlich los… – sie sprach übrigens geläufig russisch, wenn auch fehlerhaft und mit einem sehr deutlichen deutschen Akzent

(Das Berlinern passt nicht zu Russisch – E scheint mit dem verkürzten Satzbau die Eigenart des Sprechens am besten zu treffen.)

 

G: Nicht die Niedertracht seiner Herzensergießungen vor Ilja Petrowitsch (…) hatten sein Inneres so plötzlich verändert. (142) ([unverständlich: Niedertracht]

R: Nicht daß er sich durch seine Herzensergießungen vor Ilja Petrowitsch so erniedrigt hatte…

E: Es war nicht die Erniedrigung durch die Herzensergüsse vor Ilja Petrowitsch…

B: Nicht, daß er sich durch seine Herzensergießungen vor Ilja Petrowitsch erniedrigt hatte…

(Alle außer Geier verständlich, R und B sind am besten.)

 

G: daß das Haus nicht Charlamow gehört, sondern einem gewissen Buch, so kann man sich von einem Laut irreführen lassen! 168) [unverständlich: ein Laut]

R: daß dein Hauswirt gar nicht Charlamow, sondern Buch geheißen hat – wie man sich doch manchmal in den Lauten irren kann!

E: daß es nicht von Charlamow, sondern von Buch war, – wie leicht kann man sich am Klange irren!

B: daß es überhaupt nicht das Charmowsche, sondern das Buchsche Haus war, so kann man sich eben im Klang täuschen!

(Alle außer Geier sind verständlich, R und E vielleicht am besten.)

 

G: Ihr seid alle aus Spermazet gemacht… (228) [Was ist das?]

R: Kerle wie aus Gallert…

E: Aus Spermacetsalbe seid ihr alle gemacht…

B: Ihr besteht ja alle miteinander nur aus Schleim…

(R und B übersetzen am verständlichsten.)

 

G: Das männliche Geschlecht wird meist im Pekesch gemalt… (234)

Was es nicht alles in diesem Piter gibt! [unverständlich – die Sprache der Arbeiter soll einfach sein, vgl. „der Schurnal“!]

R: Die Männer werden meistens in Pekeschen gemalt…

Nein, was es hier in Petersburg nicht alles gibt!

E: Das männliche Geschlecht wird meistens in Pekeschen dargestellt…

Was es in diesem Petersburg nicht alles gibt!

B: Die Männer sind da meistens mit Pekeschen, dem Schnürrock, gemalt…

Was es doch hier in Petersburg alles gibt!

(B gibt als einziger eine Erklärung zu „Pekesche“; den zweiten Satz haben m.E. R und E am besten getroffen.)

 

Fazit: An den von mir geprüften Stellen (bis auf die erste) sind die anderen Übersetzungen klarer als die von Swetlana Geier; R und B sind meistens die besten, E oft; E gibt die sprachliche Eigenart der Figuren selbständig wieder. So einsam hervorragend wie behauptet ist also Geiers Übersetzung nicht – und den „richtigen“ Titel „Verbrechen und Strafe“ hatte Eliasberg (wie Gregor Jancho) auch schon. Man muss jedoch ihren Versuch würdigen, die sprachliche Eigenart der Figuren deutlich zu machen; außerdem gibt sie einige Erläuterungen zum Text.

Dieses Ergebnis kann aber nicht als repräsentativ für die ganze Übersetzung gelten – ich habe ja nur Stellen untersucht, an denen ich mich an Geiers Übersetzung gestoßen hatte. Aber warum muss Napoleon sich ausgerechnet mit einem Calembour (Geier, 370) über eine halbe Million Tote hinwegsetzen? Bei Bergengruen genügt ein Witzwort, bei Eliasberg ein Wortspiel; beides ist besser als das veraltete Wort „Calembour“ (spricht Raskolnikow Französisch?).

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-70228808.html (Interview mit S. Geier, 2010; bald darauf ist sie gestorben)

http://www.literaturuebersetzer.de/pages/uebersetzer-archiv/geier1987.htm (S. Geier über das Übersetzen)

http://www.taz.de/!47484/ (zu einem Film über die Übersetzerin)

http://www.literaturuebersetzer.de/pages/uebersetzer-archiv/nachruf-geier.htm (Nachruf)

http://de.rec.buecher.narkive.com/dPVAmBqS/dostojewski-empfehlung-hinsichtlich-ubersetzung (Diskussion von Übersetzungen)

http://www.zeit.de/1993/49/kleinigkeiten-kleinigkeiten/seite-2 (konkret zu „Schuld und Sühne“)

http://Schmid_1994_NZZ_Dostoevskij.pdf (zur Übersetzung Geiers von „Verbrechen und Strafe“)

http://www.peterlang.de/download/extract/51245/extract_56660.pdf (Dostoevskij auf Deutsch)

http://www.sprachwissenschaft.uni-jena.de/germsprach_multimedia/Downloads/Stud_+Tagung+Sprachwiss_/audio/Ekaterina+Kostina_2013_Figurative+Einheiten+des+Texts.pdf (zur Theorie des Übersetzens)

http://www.uebersetzungswissenschaft.de/theorien-ueb.htm (dito)

http://wiki.infowiss.net/%C3%9Cbersetzungswissenschaft (dito)

http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca07-3/wort.html (J. Lebedewa: Die vollkommene Übersetzung bleibt Utopie)

http://www.swr.de/-/id=7694244/property=download/nid=660374/1jfuqk7/swr2-wissen-20110407.pdf (Rundfunksendung: Übersetzungen)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14982 (verschiedene Übersetzungen „Anna Karenina“)

Wozu Gedichte schreiben?

In den „Dionysos-Dithyramben“ Nietzsches (1888) gibt es das Gedicht „Zwischen Raubvögeln“. Darin spricht Zarathustra (V. 41 ff.):

„Jetzt –

einsam mit dir,

zwiesam im eignen Wissen,

zwischen hundert Spiegeln

vor dir selber falsch,

zwischen hundert Erinnerungen

ungewiß,

an jeder Wunde müd,

an jedem Froste kalt,

in eignen Stricken gewürgt,

Selbstkenner!

Selbsthenker!

 

Was bandest du dich

mit dem Strick deiner Weisheit?

Was locktest du dich

ins Paradies der alten Schlange?

Was schlichst du dich ein

in dich – in dich?

 

Ein Kranker nun,

der an Schlangengift krank ist;

ein Gefangner nun,

der das härteste Los zog:

im eignen Schachte

gebückt arbeitend,

in dich selber eingehöhlt,

dich selber angrabend,

unbehilflich,

steif,

ein Leichnam –,

von hundert Lasten übertürmt,

von dir überlastet,

ein Wissender!

ein Selbsterkenner!

der weise Zarathustra!…“

Ich wähle bewusst nur diesen Auszug aus einem der Gedichte des Zyklus – philologisch korrekt müsste man den ganzen Zyklus beachten. Mir geht es jedoch um die Einsamkeit eines Denkenden, in der er sich selbst zerstört; dies ist hier wunderbar ausgearbeitet – es ist die Einsamkeit, in der und mit der man nicht leben kann, die jedoch für manche Dichter Bedingung ihres Schreibens zu sein scheint. Schreibend bitten sie beliebige Fremde um ein Gespräch, indem sie sich poetisch äußern und hierauf eine Antwort erwarten, erhoffen, erbitten – aber wehe den Lesern, wenn sie nicht „richtig“ antworten! Ich zitiere aus Celans Brief vom 12. November 1959 an Ingeborg Bachmann, es geht dabei um die Rezension der „Sprachgitter“ durch Günter Blöcker vom 11. Oktober 1959 in der Zeitung „Der Tagesspiegel“: „Du weisst auch – oder vielmehr: Du wusstest es einmal -, was ich in der Todesfuge zu sagen versucht habe. Du weißt – nein, du wusstest – und so muss ich Dich jetzt daran erinnern -, dass die Todesfuge auch dies für mich ist: eine Grabschrift und ein Grab. Wer über die Todesfuge das schreibt, was dieser Blöcker darüber geschrieben hat, der schändet die Gräber. / Auch meine Mutter hat nur dieses Grab.“

Hier kanzelt Celan nicht nur den Rezensenten Blöcker ab, hier weist er auch brutal Ingeborg Bachmann zurück, die er doch geliebt hatte und die zur Zeit dieses Briefes mit Max Frisch zusammen lebte und in ihrem Brief vom 9. November um Celans Verständnis geworben hat – sie stand zwischen zwei Männern, die ihr teuer waren.

Wenn man ein Gedicht veröffentlicht, macht es sich in der Öffentlichkeit selbständig. Wenn man seine Seele in dieses Gedicht gelegt hat, ändert das nichts daran, dass Fremde in das Gedicht hineinschauen dürfen und vielleicht keine Seele entdecken. Blöcker hat in seiner Rezension u.a. behauptet, „der Kommunikationscharakter der Sprache“ hemme und belaste Paul Celan weniger als andere; wie sehr er damit recht hat, erkennt man an Celans Reaktion. Dass die „Todesfuge“ für ihn das einzige Grab seiner Mutter ist, müssen die Leser dem Gedicht nicht ansehen. Das Grab seiner Mutter darf man nicht der Öffentlichkeit übergeben. Wenn man es freilich in seiner Einsamkeit der Öffentlichkeit übergeben muss, ist die Katastrophe abzusehen.

Es bleibt die Frage: Wozu soll man Gedichte schreiben?

Fin de Siècle und Dekadenz

Fin de Siècle

http://de.wikipedia.org/wiki/Fin_de_si%C3%A8cle (themat. Artikel)

http://afg.blogsport.de/2009/02/18/teil-i-das-fin-de-siecle-und-die-renaissance-des-irrationalen/ (von A. J. Quack)

http://www.textlog.de/schlagworte-fin-de-siecle.html (1906!)

http://complit.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/abt_complit/VOFramod01.pdf (Portrait des Fin-de-Siècle)

http://www.youtube.com/watch?v=T_lEbo0Iips (Wolfgang Maderthaner: Wien um 1900)

http://de.wikiversity.org/wiki/Hans_Castorps_Schneetraum:_Das_Fin_de_Si%C3%A8cle (F.d.S. und „Der Zauberberg“)

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/490/pdf/findesiecle.pdf (J. Jurt: Der Aufstand der Symbolisten…)

http://www.belgien-tourismus.de/informations/touristische_attraktionen_bruxelles___museum_fur_kunst_des__fin_de_siecle____eroffnung_dezember_2013/de/V/15695.html (Museum)

Dekadenz, Dekadentismus, Dekadenzdichtung

http://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenz

http://universal_lexikon.deacademic.com/54899/Dekadenz (Lexikon)

http://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenzdichtung

http://webs.schule.at/website/Literatur/literatur_dekadenz.htm (knapp: Merkmale)

http://www2.uni-erfurt.de/literaturwissenschaft/files/vorlage-pross-1.doc (sehr schlau)

Symbolismus, deutscher und französischer,

in Malerei und Dichtung:

http://oregonstate.edu/instruct/ger342/symbol.htm (Symbolismus: knapp, mit histor. Hintergrund)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_kunst/Symbolismus.htm (dito: Lexikon; dort muss es beim Stil „akademisch-realistisch“ statt „a.-tealistisch“ heißen!)

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Symbolismus (v.a. der französische Symbolismus berücksichtigt)

http://www.homepage.bnv-bamberg.de/gk_deutsch/gedichte/symbolismus.doc(Ursula Weinsheimer v.a. über den deutschen literar. Symbolismus, mit Interpretation von Rilkes „Das Karussell“)

http://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1886_moreas.html (Moréas: Der Symbolismus – Ein literarisches Manifest)

http://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1892_2bahr.html (Hermann Bahr: Symbolismus – Theorie)

http://www.kunsthalle-bielefeld.de/index.php/ausstellungen/ruckblick/schonheit-und-geheimnisder-deutsche-symbolismus-1870-1920/ (Bilder zum Symbolismus – Ausstellung in Bielefeld 2013)

http://www.kanal-21.tv/video/Deutscher-Symbolismus/973ef01b39ac15b86b9e3126f5394333 (dito)