Hermann Ungar: Die Verstümmelten (1923), gelesen

Franz Polzer ist Beamter einer Bank, das ist in der Literatur kein gutes Omen. Er ist ein zerbrochener Mensch, zerbrochen von seinem alleinerziehenden harten Vater. Durch Vermittlung eines Bekannten hat er nach abgebrochenem Studium eine Stelle in einer Bank bekommen und sie 16 Jahre mit der Zuverlässigkeit eines Automaten ausgefüllt, wie auch sein freudloses Leben in immer der gleichen Routine abläuft. Neben ihm spielen sein Jugendfreund Karl Fanta, seine Vermieterin, die Witwe Klara Porges, einige Kollegen der Bank, ein Pfleger des später erkrankten Fanta und dessen Ehefrau sowie ein Arzt eine Rolle im Geschehen.

Seine Vermieterin macht sich also an Franz heran, was ihm äußerst unangenehm ist, und wird schwanger – vermutlich von ihm, vielleicht auch nicht; der Arzt protegiert ihn und stattet ihn neu aus, worauf er befördert wird – womit er aber nicht zurecht kommt. Der Pfleger, ein ehemaliger Metzger, ist ein religiöser Spinner, und als Frau Porges das Schutzheiligenbild des hl. Franz verbrennt, ist die Ordnung in Franz Polzers Leben endgültig zerbrochen. Die Frauen sind allesamt Weiber, die Männer Mistkerle – Verdächtigungen, Intrigen, Ängste verwirren das Leben der Menschen, zerstören ihre Beziehungen, und am Ende ist Frau Porges geköpft, vermutlich von Franz: eine schauerliche Parabel einer sinnlosen Welt.

Die Erzählung weist nicht nur viele Wiederholungen, sondern auch einige Brüche auf: So ist zum Beispiel der ehemalige Jugendfreund Fanta plötzlich todkrank, und wie die arme, sexuell übergriffige Wirtin Klara plötzlich von Geldgier getrieben, und zwar erfolgreich getrieben wird, bleibt unklar. Der Roman hätte also wohl noch einmal überarbeitet werden müssen – das Niveau Kafkas hat er trotz des verwandten Vater-Sohn-Konflikts nicht (ganz) erreicht. Katja Petrowskaja hat die Leser der SZ in einer kurzen Empfehlung auf diesen Roman hingewiesen. Man kann das Buch in zwei Stunden im Netz lesen:

http://freilesen.de/werk_Hermann_Ungar,Die-Verstuemmelten,2940,1.html

http://freilesen.de/Hermann_Ungar_Die-Verstuemmelten_1,2940,1.pdf (die letzte Ziffer fortlaufend bis Kap. 17 verändern)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-verstummelten-614/14

http://fictionbook.ru/author/hermann_ungar/die_verstummelten/read_online.html

(alle mit den gleichen Fehlern, also z.B. gelegentlich „Poker“ statt „Polzer“)

Leider ist der Roman im Netzwerk tredition (noch) nicht greifbar: https://tredition.de/autoren/autoren-uebersicht/

Über Hermann Ungar: http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/UngarHermann

Kempowski: Tadellöser & Wolff – Inhalt, Links

Der Roman besteht aus kleinen Episoden; in ihnen tauchen viele Redensarten der Rostocker Bürger auf. So ist z.B. „Tadellöser und Wolff“ eine Umschreibung für „tadellos“, semantisch falsch gesteigert zu „tadellöser“ und dann mit der Bezeichnung der Zigarrenfabrik „Loeser & Wolff“ verbunden zu „Tadellöser & Wolff“. Man kann den „Inhalt“ des Romans nicht nacherzählen, man kann nur eine kurze Übersicht über die Kapitel geben, wobei aufgrund des episodischen Erzählens die Auswahl der genannten Aspekte auch gut anders ausfallen könnte.

1) Umzug der Familie in Rostock, in der Nähe einer katholischen Kirche; man kann St. Jacobi sehen. Familie Kempowski

2) Nachbar Woldemann, dessen Tochter Ute; Hausbesitzer Krause

3) Rostock als Stadt

4) Mit Robert und Schwester Ulla im Kino; die Sonntagnachmittage; Schulfreund Manfred

5) Zur Schule an ausgebrannter Synagoge vorbei; in die Oberschule, bei Lehrer „Hannes“; Schule, Schüler, Lehrer

6) Dicker Krahl als Freund – Spielen bei ihm

7) Mit den Pimpfen auf Fahrt; Erlebnisse und Verletzung

8) Robert, der große Bruder, und seine Freunde; Musik; Ausflug mit Mädchen nach Warnemünde

9) Urlaub im Harz, andere Familien und Gäste; Ausflug

10) Der Krieg kommt in den Alltag, Woldemann ziehen nach Berlin; Vater meldet sich freiwillig als Soldat und wird nicht genommen (Mitglied in der Loge)

11) Großvater väterlicherseits stirbt, Begräbnis, Erbangelegenheiten (Schulden)

12) Walter wird krank (Scharlach); Weihnachten und Winter

13) 1941 – Krieg u.a.; Vater wird eingezogen; eines seiner Schiffe läuft auf eine Mine; verschiedene Bekannte sind gefallen. (Das Sterben geht dann so weiter…)

14) Klavierunterricht, Musikschule, Konzert

15) In der Hitlerjugend-Spielschar; WHW-Sammlung; Feier zu Weihnachten

16) Roberts Freunde bei Kempowski

17) Woldemann im April 1942 aus Berlin zurück; Spiele mit Ute; häufig Fliegeralarm; Ende April erster Angriff auf Rostock, die Folgen; Mutter will weg aus der Stadt.

18) Reisevorbereitung, Mutter fährt mit Walter ab; in Gartz empfängt der Vater sie, sie kommen im Gasthof unter; Fahrt zum Förster Schulz; von KH-Häftlingen darf man nicht sprechen; bei Pastor Vorndran; Heimfahrt nach Rostock, Unordnung und Verluste

19) Sörensen, ihr dänischer Praktikant, wird als Spion verhaftet und wieder freigelassen; seine Erfahrungen mit den Deutschen; er zieht bei Kempowski ein; die Fächer in der Schule; Sörensen kehrt aus Dänemark zurück: ein anderes Land, andere Leute

20) Erkundung der nicht zerstörten Marienkirche

21) Sörensen geht mit Ulla ins Kino, Vater auf Urlaub lamentiert; dann wird doch mit Sörensen geplaudert und gefeiert.

22) Nachhilfe bei „Tante Anna“ (= Frau Kröger); Hordenführer in der HJ (bei „Dienst“ fällt die Nachhilfe aus!); Frauenkränzchen zu Besuch bei Kempowski.

23) Konfirmandenunterricht, der Pfarrer, verschiedene Kirchen

24) Ulla studiert; Sörensens Sicht auf Deutschland; Walter bei Krahl; auf der Suche nach „Aufklärung“; Sörensen wirbt um Ulla, die lernt Dänisch; Weihnachten: Vorbereitungen, Predigt, Feier zu Hause ohne den Vater.

25) Hochzeit im Mai (1943): Vorbereitungen, Verwandte, Trauung – Onkel Richard ist ein strammer Nazi; Festessen, Abfahrt des Paars nach Kopenhagen.

26) Mit Uli Prütter in der Nachhilfe; Mutter hat Magengeschwür, Walter kommt bei Prütter unter, wo der Haushalt viel lockerer als bei Kempowski läuft; Ende der Nachhilfe.

27) Operation der Mutter gelungen, Walter fährt zu Opa de Bonsac nach Hamburg in die Ferien; allein mit dem Opa, Museumsbesuche, Verwandte in Hamburg; Einrichtung des Großvaters, Erinnerungen; Schura, das ukrainische Dienstmädchen; Nachangriff auf Hamburg, Abreise.

28) Walter drückt sich möglichst bei der HJ; ist mit Ulli zusammen, tut „männliche“ Sprüche; tritt lässig auf; Vater wird versetzt, ins Partisanengebiet.

29) Dreharbeiten für einen Film; dandyhaftes Auftreten, Walter ist 14 Jahre alt; die Jungen bauen viel Mist.

30) Sommer 1944: zu von Germitz aufs Land; Ferdinand und seine Familie; frühmorgens raus zum Rauchen; Walter erklärt die Sprüche der Stadt; Ferdinand fährt weg, Walter mit Greta unterwegs; Abend am Kamin; Heimfahrt.

31) Oktober: Urlaub des Vaters, der immer noch auf Beförderung wartet; sein Blick als Militär; Krasemann verhaftet, Robert eingezogen; Vater bietet Walter (15) eine Zigarette an; Pläne für die Zukunft; Erinnerungen; Rostock ist zerbombt; Nazi-Propaganda; Abfahrt des Vaters. – Ein Spruch aus Kap. 31: „Und wie kann man bloß ‚Merkel’ heißen.“

32) Walter zum Pflichtdienst im Herbst 1944: Altpapier usw. sammeln, Kartoffeln aufheben, Bucheckern sammeln; wegen seiner Eigenheiten wird Walter zur Linien-HJ versetzt; der neue Führer redet ihm gut zu; Walter schwärmt für Antje; Jungen überfallen ihn und wollen ihm seine langen Haare stutzen; Vorladung zum Bann; er soll sich die Haare schneiden lassen, statt herumzulungern; Mutter zahlt 50 Mark Strafe, er wird in der HJ degradiert.

33) Walter hat „Magengeschwüre“ – ist kerngesund; Greta von Germitz zu Besuch; im November wird er in die Pflichtgefolgschaft überwiesen (Strafe); an einem Sonntag Übungen, Schleifen, Schikanen; zum Sportpalast kommandiert, unter einem Vorwand entlassen; am Abend im Konzert: eine Labsal!

34) Leben im Krieg, Knappheit; Vorräte anlegen; Januar 1945 russische Offensive; Flüchtlingstrecks, Schule geschlossen; einzelne Flüchtlinge kommen ins Haus.

35) Am 17. Februar wird Walter eingezogen, Kurierdienste für Heinckel; Vorbereitungen für den Endkampf; Anfang März geht das Reisen für Heinckel los; Soldaten setzen sich nach Westen ab; eine fremde Frau im Haus; Großvater de Bonsac ist ausgebombt und kommt, er ist nicht mehr für Hitler; am 22. März ist Musterung [Problem mit der Chronologie: für die vielen Reisen war nicht genug Zeit!], er wird als Sohn von „Körling“ (Spitzname des Vaters) zurückgestellt.

36) Mitte April soll er Medikamente in Berlin holen, dort geht er ins Kino; russische Artillerie beschießt die Stadt, es fährt kein Zug mehr; Walter schlägt sich nach Rostock durch, ist am 25. April zurück.

37) Drei Tage zu Hause; seine Kuriereinheit ist aufgelöst; am 29. April kommen andere Jungen zum Volkssturm; Mutter schlägt die Möglichkeit einer Flucht per Schiff aus; Krause geht weg, auch die dienstverpflichteten Franzosen; flüchtende Soldaten am 30. April; am 1. Mai gibt es bei Kempowski Sekt, auf den gewonnenen Krieg; man spricht von Übergabeverhandlungen; die ersten Russen kommen.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Tadell%C3%B6ser_%26_Wolff_(Roman)

http://literaturlexikon.uni-saarland.de/index.php?id=4221 (die Figuren des Romans)

https://books.google.de/books?id=DdVLCgAAQBAJ&pg=PT8&dq=%22morgens+hatten+wir+noch+in+der+alten+Wohnung+auf+grauen%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjRjczT1NLOAhUHAsAKHacRDqsQ6AEIKDAC#v=onepage&q=%22morgens%20hatten%20wir%20noch%20in%20der%20alten%20Wohnung%20auf%20grauen%22&f=false (Text des Romans)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43257845.html (Besprechung, 1971)

http://zettelsraum.blogspot.de/2007/06/walter-kempowski.html (Würdigung, 2007)

http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&dig=2008%2F12%2F04%2Fa0037&cHash=b04c502d821a656fb0c5838a9960f861 (Besprechung 2008)

http://starke-meinungen.de/blog/2010/02/16/%E2%80%9Etadelloser-wolff%E2%80%9C-eine-kritik-des-deutschen-burgertums/ (Besprechung)

http://www.versalia.de/Rezension.Kempowski_Walter.970.html (dito)

http://www.syz.net/docs/kempowski.pdf (kurze Analyse)

https://uu.diva-portal.org/smash/get/diva2:211431/FULLTEXT02.pdf (große narratologische Analyse)

https://www.uni-leipzig.de/~germ/upload/user/stockinger/SS2010/Handout_Tadelloeser2.doc (Analyse)

https://de.wikipedia.org/wiki/Tadell%C3%B6ser_%26_Wolff_(Film)

https://www.youtube.com/watch?v=evBSfog5djA (Film) Inzwischen gibt es auch ein Theaterstück dazu.

https://www.youtube.com/watch?v=1LoWk3UPd20&list=PLXMZnuW27mdC6k1Ct6bNJqXl11zZT0GWI (Film: Ein Kapitel für sich, 1. Teil)

https://www.youtube.com/watch?v=pKUOPnP9Cho&list=PLCQ8wDEjXgxlIMiWLv6wqN9MpoR3QJ6Yy (Film: Ein Kapitel für sich, 2. Teil)

https://www.youtube.com/watch?v=aPw3fP4wxIQ&list=PLNvxXUG7IY-_OqvA5A_YgCPVy5RdyLi4Q (Gespräch mit Kempowski)

http://www.graal-mueritz.de/schriftsteller/kempowski-biografie-und-werk.php (Biografie und Werk Kempowskis)

http://www.zeit.de/online/2007/41/kempowski (Würdigung, zu seinem Tod)

http://www.sueddeutsche.de/kultur/walter-kempowski-gestorben-dank-ihm-ging-es-uns-gold-1.797177 (Nachruf)

http://www.lyrikwelt.de/hintergrund/kempowski-bericht-h.htm (dito)

http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/kempowski-biografie-r.htm (dito)

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article127597804/Besessen-vom-eiskalten-Daemon-der-Befragung.html (Plankton, sein letztes Buch)

http://www.kempowski.info/kempowski04.htm (Übersicht: Die deutsche Chronik)

https://www.rostock-heute.de/walter-kempowski-stadtrundgang-rostock/14464 (Kempowski in Rostock)

Döblin: Berlin Alexanderplatz – Inhaltsangabe

Dies ist die Wikipedia-Inhaltsangabe vom 23. Juli 2016, und zwar in der Fassung, wie ich sie vom 4.- 9. August überarbeitet habe. Was Wikipedia aus meiner Überarbeitung macht, wird man sehen. Ich habe dort einiges Fehlende ergänzt, Fehler korrigiert und ganz selten Text gestrichen; ich habe mich bemüht, in die Vorlage nicht allzu stark einzugreifen. So stellt die folgende Inhaltsangabe also einen Kompromiss dar.

Der Roman „berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf in Berlin. Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun wieder in Berlin und will anständig sein.“ (aus dem Vorspruch zum ganzen Roman)

Erstes Buch

Franz Biberkopf wird aus der Strafanstalt Tegel entlassen. Nachdem er aus Eifersucht seine Freundin Ida erschlagen hatte, musste er dort eine vierjährige Haftstrafe wegen Totschlags verbüßen. Vom großstädtischen Alltag überfordert, reagiert Biberkopf auf seine neue Umgebung mit einer verzerrten Wahrnehmung; so verschmelzen die leblos gewordenen Passanten mit den Gebäuden, am Rosenthaler Platz erschrickt er vor einem speisenden Paar und wechselt wegen der angenehmen Dunkelheit, die ihn an den Gefängnisaufenthalt erinnert, die Straßenseite. Dort fürchtet sich Biberkopf bald vor herunterrutschenden Dächern. In einem Hausflur sucht er nach Schutz; dem erschöpften wie sichtlich angeschlagenen Biberkopf eilt ein rotbärtiger Ostjude zu Hilfe und nimmt ihn in der Stube eines Rabbiners mit. Im Zimmer angekommen streitet sich Nachum mit einem Alten über Biberkopfs Anwesenheit. Um Biberkopf zu beruhigen, erzählt Nachum die Geschichte des Stefan Zannowich, Sohn eines Betrügers und Falschspielers. In Padua soll jener Stefan sich das vornehme Verhalten von den Adeligen abgeschaut haben. Später gab er sich als Baron Warta aus und nannte sich selbst Skanderbeg, oder, nachdem der Tod des Herrschers bekannt war, einen Nachfahren des albanischen Nationalhelden, Prinz Castriot von Albanien. Er sei nach Deutschland und Montenegro gereist und habe sich mit dem sächsischen Kurfürsten, dem Kronprinzen von Preußen und Kaiserin Therese angefreundet. Deren Zuneigung sei sogar so weit gegangen, dass die Kaiserin den Hochstapler vor möglicher Verfolgung bewahrt habe. Als Biberkopf sich endlich vom Boden erhebt und auf dem Sofa Platz nimmt, betritt ein weiterer Mann das Zimmer. Eliser, ein junger, braunhaariger Jude erzählt die Geschichte zu Ende; demnach war Stefan Zannochwich hochverschuldet und wurde in Brüssel angezeigt. Mit dreißig Jahren sei er schließlich im Gefängnis durch Selbstmord verstorben. Sie verabschieden Biberkopf, der erst einmal einen Cognac trinken möchte. Nach dem Besuch eines nicht jugendfreien Films im Kino verlangt es ihn nach Beischlaf, sodass er sich für drei Mark anschließend mit einer dicken kleinen Frau amüsiert: „Sie knöpfte sich von oben die Bluse auf. Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb. Wenn der Hund mit der Wurst übern Rinnstein springt. Sie griff ihn, drückte ihn an sich. Putt, putt, putt, mein Hühnchen, putt, putt putt, mein Hahn.“ Der Geschlechtsverkehr verläuft enttäuschend. In den nächsten Tagen säuft und isst er reichlich. Biberkopf besucht Idas Schwester Minna und vergnügt sich mit ihr; die zerrissene Schürze ersetzt er ihr. Er sucht erneut die beiden Juden auf. Er schwört sich und aller Welt, anständig zu bleiben. „Dann aber ging ihm das Geld aus…“

Zweites Buch

Zu Beginn des Kapitels wird aus vielen kleinen Teilen ein Bild Berlins gezeichnet. Biberkopf treibt sich auf dem Rosenthaler Platz herum („Der Rosenthaler Platz unterhält sich“). In einer Versammlung werden ihm von einem aufgebrachten Redner Papiere angedreht, die ihn als ambulanten Gewerbetreibender für Textilwaren ausweisen. Er beginnt mit dem Verkauf von Schlipshaltern. Später entscheidet er sich für den Verkauf von Zeitungen (zuerst Zeitschriften für sexuelle Aufklärung), worin er auch durch seine neue Freundin, die Polin Lina Przyballa, unterstützt wird. In einer Kneipe trifft er auf einen betrunkenen Invaliden und beginnt dessen Einstellung zu teilen. Biberkopf, der eigentlich nichts gegen Juden hat und lediglich für Ordnung ist, beginnt völkische Zeitungen zu vertreiben. Als er eines Mittags in seine Stammkneipe eintreten will, wird er von einigen Linken beobachtet. Im Lokal ziehen sie seine Hakenkreuz-Armbinde hervor und machen sich über Franz lustig. Der ehemalige Häftling, offenbar von der gescheiterten Novemberrevolution in den Jahren 1918/1919 enttäuscht und jetzt anscheinend zum feindlichen Lager übergewechselt, erinnert die aufgebrachten Gäste vergeblich an Arras. Am Abend sitzt Biberkopf wieder in seiner Kneipe und wird diesmal von einigen Linken angegriffen. Wegen der drohenden Schlägerei fordert der Wirt Henschke Biberkopf zum Verlassen seines Lokals auf. Biberkopf tobt und brüllt seine Gegner nieder. Er geht mit Lina weg, die auf eine richtige Verlobung hofft. Zum Schluss wird Franz Biberkopf als Mann vorgestellt; seine Vorgeschichte wird nachgetragen: wie er im Streit seine Braut Ida so geschlagen hat, dass sie fünf Wochen später starb. Dieser Totschlag wird in Parallele zur Ermordung Agamemnons und Klytemnestras gesetzt – Franz wurde aber nicht von den Erinnyen gehetzt.

Drittes Buch

Pünktlich zu Weihnachten verlagert Franz seinen Verkauf auf Schnürsenkel. Er hat Erfolg („Zwanzich Märker“): Er hat das Herz einer Witwe gewonnen, die ihm nach einer Schmuserei allerhand abkauft. Bei dieser lässt er dann einige seiner Waren, um sie später abzuholen. In einer Kneipe prahlt Franz vor Lüders, Linas Onkel, mit dieser Geschichte; der besucht am nächsten Vormittag die Witwe und gibt vor, im Auftrag Biberkopfs die Ware abzuholen. Auch raubt er ihr Geld und wühlt noch in den Tischkästen. Die Frau verliert das Bewusstsein und Lüders verschwindet. Der ahnungslose Franz besucht an einem anderen Tag die Witwe, doch sie schlägt die Tür zu und schiebt den Riegel vor. Aus einem Brief erfährt Franz von Otto Lüders‘ Betrug und kündigt am gleichen Tag sein Zimmer; er verschwindet spurlos. Nach vierundzwanzig Stunden wendet sich die besorgte Lina an Meck, der Lüders niederschlägt und ihn so zwingt, Biberkopf aufzusuchen. Der gibt Franz Geld, vermutlich das der Witwe geraubte Geld. Franz bespritzt ihn mit Wasser und muss auch die neue Wohnung aufgeben. Danach bleibt er verschwunden. – Im Vorspruch des dritten Buchs ist das erzählte Geschehen als der erste Schlag angekündigt, den das Schicksal Franz verpasst.

Viertes Buch

Franz verkriecht sich in seiner neuen Bude in der Linienstraße und verbringt seine Zeit mit Trinken und Schlafen, während das wieder breit geschilderte großstädtische Leben seinen Lauf nimmt. Er denkt über sein Leben nach, doch die Fragerei führt ihn nicht aus der Auswegslosigkeit heraus. Also sucht er einen Pastor auf, der ihm jedoch nicht weiterhelfen kann. Anschließend besucht Biberkopf die Juden in der Münzstraße, ohne sich an ihren Gesprächen zu beteiligen. Es folgt die Schlachthofszene, die mit der Beschreibung des Berliner Schlachthofes im Nordosten der Stadt beginnt und über die Darstellung verschiedener Schlachtungen (Schweine, ein Stier, ein Lämmchen) bis zur Auslegung der Fleischware im Metzgerladen geht. Zahlreiche Informationen, wie die Zahl des Viehs, die Größe und Lage des Hofes werden dem Leser unterbreitet. Die Allegorie wird durch ein Gespräch Hiobs unterbrochen, worin eine unbekannte „Stimme“ (Gott, Satan, Engel?) dem schwer gepeinigten Hiob offenbart, dass nur er sich selbst helfen könne; nachdem Hiob die ganze Nacht geschrien hat, wird er von seinen ersten Geschwüren geheilt.

Als dann ein Kalb geschlachtet worden ist, endet die Schlachthofzsene: „Der Körper auf der Bank wirft sich. Die Beine zucken, stoßen, kindlich dünne, knotige Beine. Aber die Augen sind ganz starr, blind. Es sind tote Augen. Das ist ein gestorbenes Tier.“ Eine Zwischenüberschrift („Und haben alle einerlei Odem, und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh“ – ein Satz der biblischen Weisheitsliteratur) deutet den Sinn der Schlachthofszene an. – In einer Nacht im Februar 1928 wird der als Hausverwalter angestellte Zimmerer Gerner Zeuge eines Diebstahls; er beschließt mit seiner Frau, sich als Dieb selbständig zu machen, aber zweimal kommen die Ganoven hinzu, als er im Lager klauen will. Die Diebesware wird in seiner Wohnung gelagert; er betrinkt sich vor Glück mit seiner Frau und wird am nächsten Tag von der Polizei überrascht und abgeführt. Franz sieht die Verhaftung und die gaffenden Spießer. Er kommt aus seinem Trott heraus, geht etwas essen und widersteht der Versuchung, wieder mit dem Saufen zu beginnen. Er geht zu Minna und trifft dort nur Karl, Minnas Mann (und Idas Schwager). Eine Versöhnung scheitert, Karl weist ihn ab; Franz beschimpft Karl und verlässt unzufrieden das Gebäude. – Zum Schluss spricht Franz mit einer ihm unbekannten Stimme; er ist sich wieder seiner selbst und seiner Kraft bewusst.

Fünftes Buch

Zunächst wird wieder das Leben und Treiben am Alexanderplatz geschildert. – Franz Biberkopf bleibt anständig. Am Alexanderplatz verkauft er Zeitungen, wenn auch die Zahl seiner Abnehmer klein bleibt. Am Abend des 9. Februar trifft er den kleinen Meck, der ihn in eine Kneipe lockt. Dort fragt ihn ein gewisser Pums, ob er nicht einmal mit „Obst“ handeln möchte. Biberkopf verneint, wird aber von Meck auf einen „Gelben“ aufmerksam gemacht. Es ist Reinhold, der aufgrund seines Aussehens und des Gebarens eines Kranken Mitleid in Biberkopf erregt. Franz findet Gefallen an Reinhold, distanziert sich aber weiterhin von Pums Bande. Eines Abends kommt Reinhold zu Biberkopf und erzählt ihm von einer Kutscherfrau, die er gerne loshaben möchte. Statt dass er sie einfach selbst fortschickt, übernimmt Biberkopf seine Freundin Fränze. Biberkopf erfährt von Reinholds Hypersexualität, so muss dieser alle vier Wochen eine neue Freundin haben; Franz übernimmt bald dessen Freundin Cilly. Als Reinhold wieder eine Freundin an Franz abgeben will, weigert der sich, denn er liebt Cilly tatsächlich. Mit Reinhold bespricht er dessen Sucht nach neuen Frauen, ohne dass sie zu einem Ergebnis kommen. Franz trifft an einem anderen Tag Meck in einer Kneipe, auch Pums und seine Leute sind da; Pums, der offenbar unsaubere Geschäfte macht, will Franz in seine Geschäfte einbeziehen – Franz zögert. Durch ein Jeremiazitat („Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt…“), das später wiederholt wird, deutet der Erzähler an, dass bald der im Vorspruch angekündigte erste schwere Streich Franz trifft: Am 8. April, einem Sonntag, beobachtet Franz eine Prügelei zwischen zwei Pums-Leuten; Franz lässt sich überreden, für einen von ihnen eine Bestellung bei Pums abzugeben. Pums engagiert ihn zu einem guten Stundenlohn, beim Obsthandel mitzumachen (fünf Mark pro Stunde). Auch Reinhold ist da, aber ganz verändert: stark und dominierend. Franz merkt nicht, wie er zu einem Raubzug mitgenommen wird; er soll Schmiere stehen. Als er zu fliehen versucht, wird er von Reinhold aufgehalten. „Die Welt ist von Eisen, man kann nichts machen, da kommt sie, da läuft sie, da sitzen sie drin…“ Als sie mit dem Diebesgut losfahren, werden sie von einem Auto verfolgt. Reinhold wird zornig, weil er Franz seine Probleme offenbart hat; Franz wird von Reinhold und dessen Komplizen brutal aus dem fahrenden Fluchtauto gestoßen. Das Verfolgungsauto überfährt ihn. – Das fünfte Buch schließt mit Überlegungen des Erzählers zum Sonnenaufgang am nächsten Morgen.

Sechstes Buch

Reinhold ist glücklich; er verprügelt seine Freundin Trude, womit es ihm gelingt, sie loszuwerden. Franz Biberkopf wird in der Nacht zum 9. April nach Magdeburg gefahren, der rechte Arm wird ihm abgesägt. Der Zuhälter Herbert und dessen Freundin Eva besuchen Biberkopf im Krankenhaus, doch auf Fragen nach dem Unglück reagiert er nicht, er schweigt. Nach Berlin zurückgekommen, offenbaren ihm die Freunde Herbert, Eva und Emil, dass es sich bei Pums um einen ausgekochten Betrüger handelt; doch Franz verzichtet darauf, die Pums-Bande zu bestrafen oder Schadenersatz für den Arm zu verlangen. Nachdem der Pums-Bande klar wurde, dass Franz überlebt hat, verlangt Reinhold als einziger seine Tötung; die anderen sammeln Geld für Franz, das aber von Schreiber unterschlagen wird.

Der Erzähler berichtet Berliner Ereignisse aus dem Juni 1928. Franz konsumiert nun apolitische Zeitungen, Herbert und Eva übernehmen seinen Unterhalt. Allerdings begibt er sich wieder in Berliner Kneipen, lernt Emmi kennen und plant gar, auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Dem neugierigen Meck erzählt er von einer Schießerei mit Polizisten. Über Willi kommt er zur Hehlerei. Biberkopf kleidet sich neu und legt sich einen neuen Namen zu; er trägt einen Sommeranzug, das gekaufte Eiserne Kreuz an seiner Brust erklärt die Verletzung. Als Franz Räcker gelingt ihm das große Geschäft. Nachdem Eva Biberkopf ein Mädchen, Emilie Parsunke, die lieber Sonja heißt, besorgt, obwohl sie selbst noch in ihn verliebt ist, scheint seine Welt in Ordnung zu sein. Sonja geht für ihn anschaffen. Kurzfristig politisiert er wieder und plädiert auf einer Veranstaltung gegen die anständige Arbeit. Eva und Herbert machen sich Sorgen um den Umgang Franzens; Eva will ein Kind von Franz, was Sonja überschwänglich gutheißt. Es drängt Franz noch einmal nach Tegel, er bleibt betrunken über Nacht weg. Er versöhnt sich wieder mit Sonja und schläft einmal mit Eva, seiner Ex-Freundin, weil Sonja nichts dagegen hat. Den Verlust seines Armes hat Franz jedoch nicht verwunden; er wendet sich dem Alkohol zu und lehnt jede Hilfe ab. Er sucht Reinhold auf und erfährt aus dessen Munde, dass Cilly mit ihm zusammen ist. Reinhold gibt vor, die Wunde sehen zu wollen, und als Biberkopf ihm den Stumpf zeigt, ekelt er sich davor. Dann verhöhnt er ihn mit banalen Fragen und schlägt Biberkopf einen falschen Arm vor. Als Biberkopf ablehnt, greift Reinhold nach Taschentüchern und Strümpfen, die er in den leeren Ärmel stopft. Der Gedemütigte muss sich von Reinhold noch anhören, dass dieser Krüppel nicht leiden könne – Franz zittert die ganze Zeit und ist fertig. Er schämt sich wegen dieser Demütigung; bald darauf fährt er erneut zu Reinhold, diesmal ist er stark und selbstbewusst und erzählt von Sonja. Reinhold ist bereit, mit ihm über eine Entschädigung zu verhandeln, will ihm aber heimlich Sonja wegnehmen.

Zum Schluss des sechsten Buches zieht der Erzähler ein Fazit: Es ist bei Franz eine Wendung nach rückwärts eingetreten. Er ist jetzt Lude (Zuhälter) und wird wieder ein Verbrecher sein. Er wollte anständig sein, aber diesen Eid hat er nicht halten können; denn Lüders hat ihn betrogen und Reinhold hat ihn aus dem Auto geschmissen. Er will fragen, warum er seinen Arm verloren hat. Nach einem zweimaligen „vielleicht“ ahnt der Leser, dass es mit Franz böse enden wird.

Siebentes Buch

Es beginnt mit Stadtszenen, einem Bericht über die kriminelle Karriere eines Fliegers, Tagebucheinträgen eines Mädchens und Szenen aus dem Arbeitsgericht. Franz besucht Reinhold, er schließt sich der Pums-Bande an, die ihn trotz anfänglichen Widerwillens aufnimmt. Da Pums stiller Teilhaber von fünf Pelzwarengeschäften ist, stehlen sie in einer Samstagnacht im September Tuchballen. Biberkopf wird mit 200 Mark bezahlt, die er seiner Freundin Mieze geben will. Sie vermutet, dass ihr Franz sie verlassen will, und bricht plötzlich in Tränen aus. Sie erinnert sich an Evas Bitte, auf Franz zu achten, und informiert daraufhin Eva, die wiederum ihren Freund Herbert; Eva ist besorgt. Als Franz gerade mit einem Kollegen die Gegend nach der Möglichkeit für den nächsten Einbruch absucht, besucht Reinhold Mieze, quatscht allerlei und erzählt ihr von seinem Frauentausch mit Franz. Auf Reinholds Drängen stellt Franz ihm seine Mieze vor; dafür versteckt er Reinhold in seinem Bett. An der Haustür lässt er Mieze schwören, dass sie sich nicht in das Bett legen wird, weil er dort eine Überraschung für sie versteckt habe. Mieze hält ihr Versprechen und erzählt Franz von einem jungen Schlosser, der sie liebt und verfolgt hat – sie will von Franz getröstet werden. Voller Eifersucht verprügelt der seine Freundin schwer, so dass Reinhold eingreifen muss. Am Abend vertragen sich Franz und seine verletzte Mieze wieder. Am 29. August geht Mieze, mit einer Maske verkleidet, auf den Ball in Rahnsdorf, den die Pumsbande regelmäßig besucht, und gibt sich mit dem Klempner Matter ab. Reinhold fasst nun den Entschluss, Biberkopf Mieze wegzunehmen. Es gelingt ihm, sie mit Hilfe seines Verbrecherkollegen Karl Matter, des Schlossers der Pumsbande, nach Bad Freienwalde (Oder) zu locken; aber im Hotel geht Mieze einfach auf ihr Zimmer und entzieht sich Reinhold. Am Samstag, dem 1. September, wiederholt sich das Spiel; Karl zieht sich zurück, Reinhold geht mit Mieze im Wald spazieren. Für einen Kuss soll er sagen, was Pums eigentlich macht. Nach einem wilden Schmusen flieht Mieze, doch Reinhold holt sie ein. Er erzählt ihr, wie Franz seinen Arm verloren hat; er will Mieze unbedingt für sich haben und versucht, sie zu vergewaltigen, aber sie wehrt sich. Da erwürgt er die Zwanzigjährige und verscharrt ihre Leiche mit Karls Hilfe im Wald. „Die Bäume schaukeln, schwanken. Jegliches, jegliches. (…) Wumm wumm.“ – Im Vorspruch des achten Buchs wird die Bedeutung des Mordes so umschrieben: „Franz Biberkopf hat den Hammerschlag erhalten (…).“

[Hier ist im Roman ein Fehler in der Chronologie: Das Morddatum passt nicht zum Datum des Einbruchs.]

Achtes Buch

Biberkopf ist über Miezes Ausbleiben zunächst (am 2. und 3. September) nicht besonders besorgt, da er annimmt, sie sei mit einem vornehmen Kavalier verreist. Eva ist schwanger; sie vermutet, dass Mieze tot ist. Herbert weiß keine Hilfe – Ende September kommt Matter wieder nach Berlin. Der Erzähler schildert Eindrücke von Berlin und zitiert zur tristen Lage des Menschen Verse aus dem Buch Kohelet.

Die Mitglieder der Pumsbande beginnen sich zu streiten; denn sie fühlen sich von ihrem Hehler Pums überlistet. Nachdem auch der Einbruch in einer Verbandsstofffabrik scheitert, machen sie Klempnerkarl dafür verantwortlich, der über Reinhold in Wut gerät. Karl, von seinen ehemaligen Partnern enttäuscht, gründet seine eigene Bande; nach einem erfolgreichen ersten Einbruch wird er beim zweiten erwischt – vermutlich ist er von Reinhold verraten worden. Er entschließt sich, Reinhold zu bestrafen, und erzählt einem Richter von der Ermordung Miezes. Nach längerem Suchen – die Leiche war an anderer Stelle verscharrt worden – wird sie ausgegraben; die Polizei beginnt gegen Reinhold, der auch noch Franz Biberkopf in die Sache hineinzieht, zu ermitteln. Der Erzähler stellt Franz in Parallele zu Hiob, er werde von der großen Hure Babylon bedroht. Franz findet bei Bekannten Unterschlupf.

Aus der Zeitung erfährt Eva von Miezes Ermordung und teilt dies aufgelöst Franz mit; Franz und Reinhold werden als Tatverdächtige gesucht. Franz versteht Miezes Ermordung als Reinholds Rache; er will Reinhold bestrafen. Auch Herbert macht Jagd auf Reinhold; Franz ist am Ende. Im November sucht er Reinhold überall vergebens; er zündet dessen Haus zur Warnung an. Zwei Engel gehen neben Franz und beschützen ihn vorläufig, damit die Polizei ihn nicht erkennt. Erneut besucht Biberkopf die Kneipen am Alexanderplatz und gerät dort in eine Razzia; er wird von einem Polizisten angesprochen, zieht eine Waffe und schießt. Franz, der sich schon länger der Meldepflicht entzogen hatte und als Tatverdächtiger im Fall Emilie Parsunke gilt, wird festgenommen. Im Polizeipräsidium wird er als der wegen Mordes Gesuchte identifiziert.

Neuntes Buch

Reinhold ist bereits verhaftet: Er hat sich auf Fahndungsplakaten gesehen und, um sich zu tarnen, mit den Papieren des polnischen Taschendiebs Moroskiewicz eine Dame überfallen; so hoffte er der Fahndung zu entgehen. Reinhold kommt im Zuchthaus mit dem Polen Dluga in der Mattenweberei zusammen. Durch die Bekanntschaft Dlugas mit dem wahren Moroskiewicz droht Reinholds Tarnung aufzufallen. Tatsächlich beginnt der Pole, den falschen Moroskiewicz zu erpressen. Reinhold verprügelt Dluga, woraufhin er seine Haft in einer Einzelzelle verbringen muss. Nachdem er einige Wochen alleine zugebracht hatte, begeht Miezes Mörder den entscheidenden Fehler. Er schläft mit einem jungen Mithäftling, der nach seiner Entlassung vor einem Arbeitslosen mit seinem Wissen über Reinholds Mord prahlt. Der Arbeitslose, Konrad, verpfeift Reinhold, um die 1000 Mark Belohnung zu bekommen; Reinhold wird nach Berlin verlegt. Franz Biberkopf dreht durch und wird halb verhungert in die Irrenanstalt Buch überführt; er wird zwangsweise künstlich ernährt. Er wehrt sich dagegen; die jungen Ärzte analysieren ihn und behandeln ihn mit Elektroschocks. Er hört die Sturmgeister; die alten Ärzte resignieren, seine Seelenteile schleichen sich davon.

Der Tod hat sein Lied begonnen; Franz hört ihn singen, der Tod schwingt sein blitzendes Beil. Er wirft Franz Biberkopf vor, die Augen im Leben nicht aufgemacht und nicht auf den Tod gehört zu haben. Die wichtigen Gestalten seines Lebens tauchen vor Franz auf; Reinhold erscheint ihm als Teufel, mit dem hätte er nicht kämpfen dürfen. Auch Ida erscheint ihm. Franz weint über sich, was er getan hat und wie er gewesen ist. Mieze erscheint auch noch. Franz hat seine Fehler bereut und stirbt.

Nun wird von den ersten Tagen des neuen Menschen Franz Biberkopf erzählt. Die Hure Babylon hat den Kampf mit dem Tod verloren. Den Kranken, der Franz war, haben Schupos und Ärzte befragt; er war unschuldig bzw. nicht zurechnungsfähig, er wird aus Buch entlassen. Der Erzähler gibt ihm zur Unterscheidung vom alten Franz Biberkopf den Namen Karl. Er geht zu Eva, die von Herbert getrennt ist und ihr Kind verloren hat; gemeinsam gehen sie zu Miezes Grab. Sie nehmen auch an der Verhandlung gegen Reinhold und Matter teil: Reinhold wird zu zehn Jahren Zuchthaus wegen Totschlags im Affekt verurteilt. Nach dem Prozess nimmt Biberkopf eine Stelle als Hilfsportier in einer Fabrik an. – Zum Schluss reflektiert der Erzähler den Lebensweg Franzens: „Wach sein, wach sein, man ist nicht allein.“

„Es geht in die Freiheit, die Freiheit hinein, die alte Welt muß stürzen, wach auf, die Morgenluft.

Und Schritt gefaßt und rechts und links und rechts und links, marschieren, marschieren, wir ziehen in den Krieg, es ziehen mit uns hundert Spielleute mit, sie trommeln und pfeifen, widebumm widebumm, dem einen gehts gerade, dem einen gehts krumm, der eine bleibt stehen, der andere fällt um, der eine rennt weiter, der andere liegt stumm, widebumm widebumm.“

Abschließend ist zu drei Aspekten etwas zu sagen:

  • Eine „Inhaltsangabe“ ist nach meiner Einsicht ein missliches Ding; sie lebt von der falschen Vorstellung, ein Roman werde durch seinen Inhalt erfasst. In Wahrheit konstituiert der Blick und das Gebaren des Erzählers den Roman; daher habe ich an verschiedenen Stellen den Erzähler in die Inhaltsangabe eingeführt.
  • Erst recht Döblins Roman „Alexanderplatz“ kann nicht vom Inhalt, wie er in der Wikipedia am 3. August 2016 vorgestellt wurde, erfasst werden: Viele Anspielungen oder Zitate aus der Literatur, aus Liedern oder der Bibel gehören wesentlich zum Text und geben dem „Inhalt“ seine Bestimmung. Ich habe zaghaft versucht, diese Elemente andeutungsweise in die Inhaltsangabe hineinzunehmen.
  • Eine Übersicht über die Diskussion des Romans gibt Dieter Liewerscheidt: Döblins Berlin Alexanderplatz, ein Ostberliner Initiationsroman, in: wirkendes wort, 66. Jg., August 2016, S. 279-292.

Kafka: Die Verwandlung – Gregor Samsas Irrtümer

(Der Einfachheit halber zähle ich die Kapitel römisch und die Absätze darin arabisch, um für die Arbeit mit verschiedenen Ausgaben vergleichbare Ergebnisse zu belegen. I besteht aus 27, II aus 29, III aus 36 Absätzen.)

Bei einer ruhigen dritten Lektüre ist mir aufgefallen, wie oft Gregor sich in der Einschätzung seiner Situation irrt. Das beginnt schon, als er im Bett über seine Lage nachdenkt und die von ihm wahrgenommene Verwandlung zu den „Narrheiten“ zählt, die man besser vergisst (I 3); dementsprechend meint er, die Veränderung seiner Stimme als „Vorbote einer tüchtigen Verkühlung, einer Berufskrankheit der Reisenden,“ (I 8) verstehen zu können. In einer größeren Reflexion (I 17) zeigt sich, dass er seine Situation völlig falsch einschätzt: Seine Schwester mache sich „doch vorläufig wohl unnötige Sorgen“ um den Verlust seines Arbeitsplatzes; er werde „leicht eine passende Ausrede finden“, dass er den Prokuristen nicht vorgelassen habe. Diesen Irrtum spinnt er in einer Überlegung darüber fort, wie die anderen reagieren werden, wenn sie ihn sehen: Entweder erschrecken sie oder erschrecken nicht (I 19) – er sei in jedem Fall aus dem Schneider, indem er sich ihrem Urteil unterstellt. Als man nach einem Arzt und einem Schlosser schickt, glaubt er, man sei bereit, ihm zu helfen (I 21) – er fühlt sich „wieder einbezogen in den menschlichen Kreis“. Auch als die anderen ihn voller Entsetzen gesehen haben (I 23), glaubt er noch, er habe als einziger die Ruhe bewahrt und könne gleich mit seiner Kollektion wegfahren (I 25).

Dass er selber einen Widerspruch in sich trägt, offenbaren seine Überlegungen, wie er sich aus seiner hilflosen Lage befreien soll: Einerseits hält er es für das Vernünftigste, „alles zu opfern“ – anderseits weiß er, dass „besser als verzweifelte Entschlüsse ruhige und ruhigste Überlegung“ ist (I 11; ähnlich ist der Widerspruch: unbedingt aufstehen wollen, I 8 – im Bett bleiben wollen, I 10). Vielleicht kann man diesen Widerspruch als „Grund“ seiner zahlreichen Irrtümer ansehen, aber auch als Grund dafür, dass er von anderen Hilfe erwartet („wie einfach alles wäre, wenn man ihm zu Hilfe käme“, I 12) und dass er „in irgendeiner unsinnigen Hoffnung“ befangen ist (I 14).

Auch in der Einschätzung der Lage der Familie (Verschuldung, die er erst in fünf oder sechs Jahren abtragen kann, I 6), irrte er sich, wie der Vater später darlegt (II 12). Er bescheinigt sich selber „Voraussicht“, die den Eltern abhanden gekommen sei (I 27), die Zukunft der Familie hänge von ihm ab – ein Irrtum, wie man in Kap. III sieht. In dieser Situation zeigt der Erzähler erneut Gregors Zwiespalt auf: Er agiert, ohne an seine realen Möglichkeiten zu denken (I 27); doch er fühlt „zum ersten Mal an diesem Morgen ein körperliches Wohlbehagen“, als er sich wie ein Käfer bewegen kann (I 27): Mit dem Denken verfehlt Gregor seine Verwandlung, mit seinem Fühlen stellt er sich ihr.

Gregors Irrtümer setzen sich fort, als er die Hilfsbereitschaft seiner Schwester einschätzt: Sie handle „aus Zartgefühl“ (II 7), wo sie doch offenbar Gregor mit den Essensresten wie ein Tier füttert und seinen Napf nicht mit den Händen, „sondern mit einem Fetzen“ anfasst (II 7); oder sie wolle den Eltern eine kleine Trauer ersparen (II 8), wo doch der Vater ihn wie ein Tier gescheucht hat (I 27). In diesem Irrtum bleibt er befangen (II 17, das Fenster öffnen). Unklar ist eine Bemerkung des Erzählers, als er über die Gründe spekuliert, warum Grete auf der Entfernung sämtlicher Möbel aus Gregors Zimmer besteht (II 22): „Vielleicht aber spielte auch der schwärmerische Sinn der Mädchen ihres Alters mit…“ – falls diesen Satz der auktoriale Erzähler spricht, kann er nicht dem irrenden Gregor zugerechnet werden. In der Einschätzung der Aktion irrt Gregor sich jedoch (II 24): Es geschehe nichts Außergewöhnliches, die beiden Frauen handelten aus guten Absichten – dabei nehmen sie ihm „alles, was ihm lieb war“. Als die Mutter ihn Ohnmacht fällt, meint er, er könne helfen (II 27) und den bald informierten Vater besänftigen (II 28) – dabei hat Grete ihn längst als Tier qualifiziert („Gregor ist ausgebrochen.“).

Unklar sind die beiden nächsten Stellen: dass die Verfolgung nicht den Anschein einer Verfolgung hat (II 29) und dass Gregor noch ein Familienmitglied ist (III 1) – je nachdem wen man dafür als Sprecher annimmt, handelt es sich um Irrtümer Gregors oder Einschätzungen des Erzählers. Bei der oft gebrauchten erlebten Rede ist nämlich nicht immer klar zu entscheiden, wo die Sicht des Erzählers endet und Gregors Sicht die Erzählrede bestimmt. Keinen Zweifel gibt es dagegen bei der nächsten Stelle: „Manchmal dachte er daran, beim nächsten Öffnen der Tür die Angelegenheiten der Familie ganz so wie früher in die Hand zu nehmen“ (III 7) – daran ist natürlich nicht zu denken; bei dieser Gelegenheit erscheinen auch die Figuren seiner Berufswelt und zwei junge Frauen in seinen Gedanken – doch sie helfen ihm und der Familie nicht und entschwinden wieder, ohne dass Gregor ihnen nachtrauerte: Die Episode stellt ein kurzes Aufbäumen in der Geschichte seines großen Niedergangs (s. Ende von I und von II) dar.

Der letzte große Irrtum unterläuft ihm, als er seine Schwester Violine spielen hört und die Zimmerherren davon bald nicht mehr angetan sind, während Gregor von der Musik ergriffen ist: „War er ein Tier, da ihn die Musik so ergriff?“ (III 14) Diesen Satz denkt Gregor. Der Satz ist doppeldeutig, er kann auf die Antworten Ja und Nein hinauslaufen; m.E. passt zur Logik des Gedankens („von Musik ergriffen sein“) nur die Antwort, dass er dann ja wohl kein Tier sein könne. Er ist entschlossen, zur Schwester vorzudringen und sie ganz für sich allein zu gewinnen, er will sie zu Tränen rühren und schließlich „ihren Hals küssen“ (III 14) – dabei lässt man ihn längst verkommen (III 7), sein Leben geht schon zu Ende („Gregor aß nun fast gar nichts mehr“, III 9); und als der verkümmerte Käfer gestorben ist, dehnt die aufblühende Tochter „ihren jungen Körper“ (III 36).

Wir haben von Gregors Irrtümern gesprochen, von der falschen Einschätzung seiner Lage und seiner Stellung in der Familie; ich habe auch auf Gregors inneren Widerspruch hingewiesen und darauf, dass er Hilfe von anderen erwartet, was offenbar verfehlt ist. Man müsste nun untersuchen, wie diese Phänomene zusammenhängen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf zwei Paradoxa hinweisen: Das erste ist die Tatsache, dass der Erzähler den verwandelten Gregor immer noch Gregor nennt, weil(?) er trotz seines Käferkörpers und -lebens noch denkt. Das zweite ist ein ungeheuerlicher Satz Gretes: „Wenn es Gregor wäre, er hätte längst eingesehen, daß ein Zusammenleben von Menschen mit einem solchen Tier nicht möglich ist, und wäre freiwillig fortgegangen.“ (III 25) Hier liegt eine Art negativer double bind der Geschwister vor: Wenn es ein Tier ist, sollte es entfernt werden, und wenn er mein Bruder ist, sollte er gehen, das Tier: Er sollte in jedem Fall gehen. Wie weit mit dieser Ambivalenz die Situation der Familie Samsa zu verstehen ist, wäre eine neue Frage, welche die Psychologen beantworten müssten.

Siehe https://norberto68.wordpress.com/2016/02/23/merkmale-und-zweck-der-erlebten-rede/!

Kafka: Motiv der Verwandlung

 

verwandeln, tr.: das Obj. in etwas anderes übergehen oder dazu werden lassen; rbez.: in etwas anderes übergehen oder dazu werden“ (Sanders: Handwörterbuch der deutschen Sprache, 1911 – die Abkürzungen stehen für transitiv und rückbezüglich)

verwandeln: „etwas in einen anderen Zustand versetzen, so daß es nicht mehr das ist, was es war, und ist daher verschieden von verändern und umgestalten“ (Hoffmann: Vollständiges Wörterbuch der deutschen Sprache, Bd. 6, 1861)

In mehreren Wörterbüchern der deutschen Sprache (Weigand, 1910; Paul, 1908) fehlt das Lemma „verwandeln“.

verwandeln: etw., jmdn. v. ♦ einer Sache, jmdm. eine andere Gestalt, ein anderes Aussehen geben, etw., jmdn. (völlig) ändern [dwds]

Die Verwandlung ist ein Wandel des Wesens durch Veränderung seines Äußeren oder Inneren, in der Mythologie zumeist durch Magie. [Wikipedia: Verwandlung]

Metamorphose in der Mythologie bezeichnet den Gestaltenwechsel oder die Verwandlung einer Gottheit, eines mythischen Wesens oder eines Menschen, seltener von Tieren oder Objekten. Diese kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Häufig verläuft die Verwandlung einer Gottheit oder eines Menschen in ein Tier – besonders die Vogelmetamorphose ist ein beliebtes Thema – aber auch in eine Pflanze oder ein Gewässer. Eine besondere Form der Verwandlung ist die Versteinerung. Eine Verwandlung kann auch einen Geschlechtswandel beinhalten. Die Verwandlung von Tieren in Menschen ist seltener.

Fast alle Kulturen kennen die Metamorphose. Sie kann ein Zeichen göttlicher Macht sein, aber auch die Folge einer magischen Handlung. Im Schamanismus spielt die Verwandlung in ein Tier eine besondere Rolle. In der Neuzeit sind Metamorphosen beliebte Sujets in Märchen und in Literatur. Während aber in Mythen und Sagen Verwandlungen häufig einen Nutzen erbringen, ist diese in Märchen meist die Folge von Verwünschungen und Bestrafungen. In der Volkssage ist das Bild der Hexe, die sich in eine Katze verwandelt, ebenfalls verbreitet. [Wikipedia: Metamorphose (Mythologie)]

Die Kategorie der Identität verknüpft mehrere separat wahrnehmbare Phänomene zu dem Eindruck, dass es sich bei ihnen um ein und dasselbe handelt und dass daher alle Assoziationen, die mit dem Wesenskern des einen verbunden sind, auf das andere übertragen werden können. (S. 182)  Gleichheit bedeutet Übereinstimmung des Eigenschaftsprofils, während das keineswegs kontraintuitive Konzept der Verwandlung die Möglichkeit unterstellt, Identität auch bei Wechsel des Erscheinungsbildes zu bewahren. (S. 183, in Norbert Bischof: Moral. Ihre Natur, ihre Dynamik und ihr Schatten, Wien/Köln/Weimar 2012)

 

Auf die Frage, warum Kafka Märchenmotive (wie die Verwandlung) verwendet, hat in einem Forum ein „booster1965“ geantwortet:

Das Groteske entwickelt sich in Kafkas Umformungen zu dem eigentlichen Pendant des Märchenhaften. […]

Kafkas Erzählungen und Romane stimmen nicht mit der Welt überein, die wird durch unsere Sinne wahrnehmen. In seinen Werken treten sprechende und sich verwandelnde Tiere in Erscheinung. […]

Kafkas märchenhaft anmutende Erzählungen rücken jedoch von der etablierten und nach Jolles benannten einfachen Form des Märchens ab. Sie stimmen ausnahmslos nicht mit der naiven Moral des Märchens überein. Denn in den Kafkaschen Märchen wird der Protagonist am Ende nicht erlöst. Es findet keine Rückverwandlung statt. Nach Jolles werden demnach die Erwartungen und Anforderungen, die der Leser an eine gerechte Welt gemäß dem Märchen stellt, nicht erfüllt. […]

Das Motiv der Verwandlung ist so alt wie die Märchen selbst. Am berühmtesten sind die ‚Metamorphosen’ des Ovids. Dieser schildert den Akt der Verwandlung an sich, Kafkas Erzählungen setzen erst nach der Verwandlung des Helden ein und es werden im Laufe der Erzählung Leben und Schicksal des Verwandelten geschildert. Gemeinsam ist beiden aber das Muster der Bestrafungsverwandlung. In der Antike sind es die Götter, die die erniedrigenden Mächte darstellen, in den Märchen oft unbekannte Schicksalsmächte, bei Kafka ist es ebenfalls stets eine anonyme Macht.

Eine zentrale Stellung nimmt das Verwandlungsmotiv im Märchen ein. Häufig verwandelt sich ein Mensch in ein Tier und die Rückverwandlung findet durch eine menschliche Erlösung statt. Man denke z.B. an die Rückverwandlung des verzauberten Prinzen im Froschkönig: Die Prinzessin gibt ihre Ablehnung dem väterlichen Wunsch gegenüber auf und nimmt das Tier an. Die von außen ausgelöste Rückverwandlung eines zum Tier verwandelten Menschen findet sich auch in dem Märchen ‚Die Schöne und das Biest’.

Kafka kannte die Grimmschen Märchen gut. Gelegentlich benutzte er auch Märchen, Volkssagen oder E.T.A. Hoffmanns Nachtstücke als Quellen, durch die er auch einen Anschluss an Ovids Metamorphosen gewann. Nach Max Brods Erinnerung habe Kafka eine Neigung zu „phantastischen Märchen“ besessen. Dies ist jedoch kritisch aufzunehmen, denn Kafka stand dem Märchen auch sehr skeptisch gegenüber. Dies geht aus seiner Tagebucheintragung hervor, die er sich infolge seiner Urlaubsbekanntschaft mit einer jungen Schweizerin in Riva notierte: „Gerne wollte ich Märchen (warum hasse ich das Wort so?) schreiben, die der W. gefallen können.“ Wichtige Ideen für seine märchenhaften Erzählungen könnte Kafka auch aus der religiösen Tradition und der Volkskultur des Ostjudentums erhalten haben. Durch seine Begegnung mit dem jiddischen Theater in Prag in den Jahren 1910-1912 erhielt Kafka, vor allem durch den Schauspieler Jizchak Löwy, wichtige Einblicke in ihre Mythen und Märchen.

‚Die Verwandlung’, die zu den berühmtesten übernatürlichen Erzählungen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist, in Bezug zum Märchen zu setzen liegt nahe, wenn man die groben Handlungspunkte dieser Erzählung betrachtet. Eine einzelne Person wird von einem schweren Schicksal getroffen und muss versuchen, sich so gut wie es nur geht, mit dieser Situation zu arrangieren. Aber im Sinne der Märchenstruktur wird Gregor Samsa nicht von seiner Metamorphose erlöst, weshalb man die Verwandlung auch als Antimärchen betrachtet hat. Aber der Begriff ‚Antimärchen’ ist nur in Bezug auf die bekannten Grimmschen Märchen sinnvoll, denn viele außereuropäischen Volksmärchen, wie etwa die auch Kafka bekannte chinesischen, kennen auch das tragische Ende des Helden.“ (http://www.gutefrage.net/frage/warum-maerchen-motive-in-die-verwandlung-) – Vgl. auch meine Untersuchungen: https://norberto42.wordpress.com/2016/02/19/kafka-die-verwandlung-wie-gregor-sie-in-i-erlebt/ und https://norberto42.wordpress.com/2016/02/19/kafka-die-verwandlung-warum-gregor-ein-ungeziefer-wird/ und https://norberto42.wordpress.com/2016/02/27/verwandlungen-als-kafkas-kernmotiv/!

In seinem „Kommentar zu sämtlichen Erzählungen“ Kafkas (1977, 2. Aufl.) äußert sich Hartmut Binder über mögliche literarische Vorlagen zur „Verwandlung“: Es bestehe kein direkter Zusammenhang mit Ovids Metamorphosen oder vergleichbaren Verwandlungsvorgängen im Märchen – gegen C. Heselhaus, 1952 – sondern mit Dostojewskijs Roman „Der Doppelgänger“ (so M. Spilka, 1959), aus dem Kafka viele Einzelmotive übernommen habe (S. 156). 1983 hat H. Binder auf Johannes Vilhelm Jensens Mythen und Jagden und Exotische Novellen, in denen Verwandlungen in Tiere und von Tieren eine zentrale Rolle spielen, hingewiesen man sieht, dass sich die „Quellen“ Kafkas fix ändern können. Zu Dostojewskijs Roman:

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelg%C3%A4nger_%28Dostojewski%29

http://gutenberg.spiegel.de/buch/-7090/1 (Text)

http://www.dostojewski.eu/02_WERK/18461_Der_Doppelgaenger.htm (Links und Literatur)

Monika Schmitz-Emans: Poetiken der Verwandlung, Innsbruck 2008, untersucht das Motiv der Verwandlung als ein in der europäischen Literatur verbreitetes Motiv. Nicht nur Ovids „Metamorphosen“, sondern auch der Apuleius Roman „Der goldene Esel“ (170) seien seit der Antike bekannt: S. http://www.heinrich-tischner.de/50-ku/marchen/marchen/eselsrom.htm oder https://de.wikipedia.org/wiki/Apuleius; http://www.symbolon.de/downtxt/esel.htm (Text) oder http://www.zeno.org/Literatur/M/Apuleius/Roman/Der+goldene+Esel (Text)

Auch in der deutschen Literatur habe es lange vor Kafka Verwandlung gegeben, so etwa im 17. Jh. die Figur des „Baldanders“ bei Grimmelshausen (Der abenteuerliche Simplicissimus. Continuatio des abenteuerlichen Simplicissimi oder Der Schluß desselben), 9. Kapitel). Ein großer Repräsentant des Motivs sei E.T.A. Hoffmann: Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza (1814); Lebens-Ansichten des Katers Murr (1819/21); Meister Floh (1822) Sie nennt auch Wilhelm Busch; aber das zählt nur eingeschränkt: Wilhelm Busch: Die Verwandlung (1868, märchenartig, erinnert an „Hänsel und Gretel“). Sie verweist auf die großen Namen Darwin – Nietzsche – Freud, die stehen r Verzeitlichung und Dissoziation des Menschen, dessen Wesen sich aufzulösen scheint (S. 45 ff.)

Allgemein sagt Monika Schmitz-Emans über die Literatur des 19. Jahrhunderts: „Zum Grundprinzip ästhetischer Darstellung wird damit die Verfremdung des Vertrauten. Anders gesagt: Ästhetische Darstellung stellt sich nicht mehr in den Dienst der Identifikation dessen, was schon gewusst und bekannt ist, sondern sie betont die Abhängigkeit aller Gegenstände der Erfahrung vom Blick und von Prozessen der interpretierenden Darstellung. Sie macht die Wandelbarkeit aller so genannten Gegenstände des Wissens und der Erfahrung deutlich – und damit die Kontingenz dessen, was in einem bestimmten Moment als ‚Welt‘ erfahren wird.“ (S. 23) Bekannt sei auch Lewis Carrolls Buch „Alice im Wunderland“ (1865). – Kafka stehe also mit „Die Verwandlung“ in einer großen Tradition, die auch nach seinem Tod weitergeführt wird: Italo Calvino, Christoph Ransmayr, Yoko Tawada u.a.

Märchenartige Verwandlungen scheint es in der expressionistischen Literatur öfter gegeben zu haben. Ich bin auf Döblins Märchen „Vom Hinzel und dem wilden Lenchen“ (vor 1915) gestoßen: „Im schlichten Gang der Handlung ereignet sich eine Metamorphose: Hinzel wird zu einem molch. Diese Verwandlung ist Sinnbild der Rückführung eines Menschen in kreatürliche Natur; unter dem Schwarzwaldboden sind Sand und Wasser, ein Reich des Zaubers, der sich von der rationalistischen Oberwelt und von der bürgerlichen Nützlichkeit Lenchens absetzt.“ (Wilfried F. Schoeller: Alfred Döblin. Eine Biographie, München 2011, S. 133)

 

Das Motiv des Käfers taucht bereits in Kafkas Erzählung „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“ ( 1907/09, postum veröffentlicht) auf:

„Da schien es Raban, er werde auch noch die lange schlimme Zeit der nächsten vierzehn Tage überstehn. Denn es sind nur vierzehn Tage, also eine begrenzte Zeit, und wenn auch die Ärgernisse immer größer werden, so vermindert sich doch die Zeit, während welcher man sie ertragen muß. Daher wächst der Mut ohne Zweifel. ›Alle, die mich quälen wollen und die jetzt den ganzen Raum um mich besetzt haben, werden ganz allmählich durch den gütigen Ablauf dieser Tage zurückgedrängt, ohne daß ich ihnen auch nur im geringsten helfen müßte. Und ich kann, wie es sich als natürlich ergeben wird, schwach und still sein und alles mit mir ausführen lassen und doch muß alles gut werden, nur durch die verfließenden Tage.

Und überdies kann ich es nicht machen, wie ich es immer als Kind bei gefährlichen Geschäften machte? Ich brauche nicht einmal selbst aufs Land fahren, das ist nicht nötig. Ich schicke meinen angekleideten Körper. Wankt er zur Tür meines Zimmers hinaus, so zeigt das Wanken nicht Furcht, sondern seine Nichtigkeit. Es ist auch nicht Aufregung, wenn er über die Treppe stolpert, wenn er schluchzend aufs Land fährt und weinend dort sein Nachtmahl ißt. Denn ich, ich liege inzwischen in meinem Bett, glatt zugedeckt mit gelbbrauner Decke, ausgesetzt der Luft, die durch das wenig geöffnete Zimmer weht. Die Wagen und Leute auf der Gasse fahren und gehen zögernd auf blankem Boden, denn ich träume noch. Kutscher und Spaziergänger sind schüchtern und jeden Schritt, den sie vorwärts wollen, erbitten sie von mir, indem sie mich ansehn. Ich ermuntere sie, sie finden kein Hindernis. Ich habe, wie ich im Bett liege, die Gestalt eines großen Käfers, eines Hirschkäfers oder eines Maikäfers, glaube ich.‹

Vor einer Auslage, in der hinter einer nassen gläsernen Scheibe auf Stäbchen kleine Herrenhüte hingen, blieb er stehn und schaute, die Lippen gespitzt, in sie. ›Nun, mein Hut wird für die Ferien noch reichen‹, dachte er und ging weiter, ›und wenn mich niemand meines Hutes halber leiden kann, dann ist es desto besser. Eines Käfers große Gestalt, ja. Ich stellte es dann so an, als handle es sich um einen Winterschlaf, und ich preßte meine Beinchen an meinen gebauchten Leib. Und ich lisple eine kleine Zahl Worte, das sind Anordnungen an meinen traurigen Körper, der knapp bei mir steht und gebeugt ist. Bald bin ich fertig – er verbeugt sich, er geht flüchtig und alles wird er aufs beste vollführen, während ich ruhe.‹“ (http://gutenberg.spiegel.de/buch/franz-kafka-erz-161/3)

Vgl. auch die Käferbilder:

https://turmsegler.net/img/2007/Luis_Scafati-Kafka.gif

http://www.goldini.com/muestras/kafka.jpg

https://norberto42.wordpress.com/tag/die-verwandlung/ (Bilder zu Die Verwandlung)

 

Motiv (Verwandlung OR Metamorphose OR Gestaltwandel):

http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/5725/Metamorphose (Begriff der Metamorphose)

http://www.kallerkunst.de/atelier/text/metamorphose/ (Prinzip der Metamorphose, M. in der Kunst)

http://www.jugendliteratur.net/download/gasperi.pdf Die immer mögliche Verwandlung (im Märchen)

http://www.brg-schoren.ac.at/wiki/5i/index.php/Verwandlung_als_Symbol

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=3205&ausgabe=200012 (Besprechung einer Diss.)

http://www.maerchenlexikon.de/texte/archiv/derungs01.htm (Märchen und Totemismus)

http://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/06/02/08/7/9783060602087_x1SE_005.pdf (Motiv Verwandlung in der Literatur)

https://de.wikipedia.org/wiki/Metamorphosen_%28Ovid%29 (ein Klassiker der Literatur)

http://www.hellenica.de/Griechenland/Mythos/Metamorphosen.html (zu Ovid)

http://www.perikopen.de/Lesejahr_A/2Fast_A_Mt17_1-9_Wussow.pdf (Zur Verklärung = Verwandlung Jesu)

https://www.historicum.net/themen/hexenforschung/lexikon/alphabetisch/p-z/artikel/Zauber_und_Hexentiere/ (Verwandlung in Tiere, in Zusammenhang mit dem Hexenglauben)

http://www.judith-sixel.de/reviews/ (Judith Sixel: Roman: Verwandlung einer Frau in eine Ratte)

http://www.rpgworld.de/wiki/themes/vampire_masquerade/gestaltwandel (Gestaltwandel in Rollenspielen)

Huckleberry Finns Abenteuer – ein Abenteuerroman?

Diesen Aufsatz habe ich in didaktischer Absicht im Herbst 2015 verfasst:

Um dem Missverständnis, „Huckleberry Finns Abenteuer“ sei ein Kinderbuch, vorzubeugen, möchte ich zu Beginn kurz die Perspektive des Ich-Erzählers untersuchen und zeigen, was deren Verwendung leistet.[i] Huckleberry, der Ich-Erzähler, führt sich ausdrücklich als bloß literarische Figur ein: „Ihr wißt noch nichts von mir, wenn ihr nicht ein Buch gelesen habt“, welches allerdings „ein wahres Buch ist, mit ein paar Flunkereien“[ii] – ein Spiel mit der Fiktionalität. Ohne eine theoretische Diskussion anzetteln zu wollen, nenne ich in Anlehnung an Claudio Mende[iii] einige Stichwörter zur ersten Orientierung:

Erzählperspektive

  • Sie resultiert aus dem Standort (Blickwinkel, Blickdistanz, Außen-/Innensicht), von dem aus Handlungen und Geschehen beobachtet werden, und der Haltung (Einstellung) des Erzählers.
  • Die Wahrnehmung der fiktiven Wirklichkeit wird bestimmt vom Blickwinkel (point of view) des Erzählers.
  • Die Haltung des Erzählers kann von Zustimmung, Objektivität, Skepsis bis hin zur Distanziertheit reichen.

Ich-Erzählsituation

  • Anschauung und Blickwinkel nur einer Person (=> Unmittelbarkeit/ Authentizität);
  • Erzähler steht als Figur unter Figuren der Handlung;
  • berichtende Erzählweise;
  • erzählendes Ich in zeitlicher Distanz zu erlebenden Ich;
  • Ich-Erzähler kann zu seinem vergangenen Verhalten Stellung nehmen und es kommentieren.

Wenn man den Bericht des Ich-Erzählers Huckleberry Finn betrachtet, fällt gleich zu Beginn (1. Kapitel) seine Distanz zur bürgerlichen Welt auf:

  • Die Witwe Douglas will ihn „siwilisieren“ (alle Belege aus dem 1. Kapitel), aber ein solches Leben ist für Huck „scheußlich regelmäßig und anständig“. Als er wieder in seine Lumpen und seine Zuckertonne steigt, ist er „frei und zufrieden“.
  • Im Bericht vom geregelten Leben beklagt er, dass er pünktlich zum Abendbrot kommen musste.
  • Er hat kein Verständnis für das Tischgebet: Die Witwe beugt ihren Kopf und hat „n’bißchen über das Essen gebrummelt“.
  • Eintopf, in dem alles verschwimmt, ist ihm lieber als bürgerliches Essen.
  • Er versteht die biblische Unterweisung nicht („Moses und die Bimsen“) und hat kein Interesse an Moses, weil der „schon ’ne beträchtliche Weile tot ist“ und Huck sich für Tote nun mal nicht interessiert.
  • Dass er nicht rauchen darf, kritisiert er einmal im Vergleich zu Moses (Rauchen ist für etwas gut, Moses nicht), dann mit Bezug auf die Witwe (Sie hat vom Rauchen keine Ahnung, schnupft jedoch, „aber das war natürlich richtig, weil sie’s machte“).

Huck lebt ganz in der Gegenwart, frei von Konventionen und Sorgen, ohne Pläne für die Zukunft. In Hucks Sicht – in Darstellung, Wortwahl und Kommentaren – erscheint das bürgerliche Leben verfremdet, es verliert den Status des Selbstverständlichen; das kann auf den bürgerlichen Leser humoristisch wirken (und dann als Kinderbuch verniedlicht werden), kann aber auch zu scharfer Satire werden: z.B. in der Darstellung der Grangerfords im 17. und 18. Kapitel, etwa bei der todessüchtigen Dichtung der Tochter und der sinnlosen Fehde zwischen den „frommen“ Familien.

Welche Abenteuer erlebt nun dieser kleine Außenseiter Huckleberry Finn? Ich untersuche exemplarisch einige Beispiele, wobei der Kampf mit dem Gewissen das größte Abenteuer Hucks ist.

Vorspiel: Gründung einer Räuberbande (Kap. 2)

Bei der Gründung der Räuberbande durch Tom Sawyer gibt es eine Reihe von Schwierigkeiten, welche das erzählte Geschehen ironisch brechen:

* Huck Finn kann mit Mühe Miss Watson als Familienmitglied zum Töten anbieten;

* die Jungen wollen ehrliche Wegelagerer statt einfache Diebe sein und sich nur mit Raub und Totschlag abgeben;

* sie halten am „Auslösen“ von Gefangenen fest, obwohl sie nicht wissen, was das ist – doch der Bezug auf die Bücher muss gewahrt bleiben;

* gegen den Einspruch Ben Rogers’ wird an nächtlichen Wachen festgehalten, „wie’s der Regel entspricht“ (S. 19);

* Tommy Barnes wird mit 5 Cent bestochen, trotz seiner Angst bei der Bande zu bleiben;

* Ben Rogers drängt darauf, sonntags nicht zu rauben und zu morden – „es sonntags zu machen wäre ’ne Sünde“ (S. 19).

Folgerichtig berichtet Huck im nächsten Kapitel: „Ungefähr ’nen Monat lang spielten wir ab und zu Räuber, und dann trat ich aus.“ (S. 22) Wir finden Tom Sawyer als denjenigen vor, der Abenteuerbücher kennt und darauf aus ist, selber solche Abenteuer im Spiel zu erleben; indirekt werden damit die in Kap. 35-40/41 erzählten Ereignisse vorbereitet (der etwas gekünstelte Ausstieg aus der großen Fahrt auf dem Mississippi, dem Handlungsgerüst des Romans).

Die ersten Kapitel des Romans (1-4) kann man als Einleitung betrachten; erst als Hucks Vater auftaucht (letzter Satz im 4. Kapitel), wird es spannend. Toms Abenteuervorstellungen (Kap. 2) unterscheiden sich von den Abenteuern, die Huckleberry Finn tatsächlich erlebt; das soll im Folgenden an drei Beispielen gezeigt werden.

Der Ausbruch (Kap. 6, 7)

Nach dem gescheiterten Versuch des Richters, den alten Finn vom Alkohol abzubringen und in die gute Gesellschaft aufzunehmen (Kap. 5), wird Huck von seinem Vater aus der „zivilisierten“ Welt entführt; das wilde Leben des Säufers Finn ist die Gegenwelt, aus der Huck stammt und in die er wieder eintaucht. Als es für ihn dort lebensgefährlich wird, muss er sich retten und aus der Welt des verkommenen Vaters ausbrechen.

  • Huck bekommt bald Prügel und wird eingesperrt;
  • mit einer Säge bereitet er den Ausbruch vor;
  • aufgrund einer Drohung des Vaters schmiedet er einen Fluchtplan;
  • im Delirium tobt der Vater und verfolgt Huck als seinen „Todesengel“ mit einem Messer;
  • am nächsten Morgen fängt Huck ein treibendes Kanu ein und bekommt eine Idee, wie er sich künftig vor Verfolgung schützen kann;
  • als er eingesperrt wird, sägt er das Loch in den Bohlen fertig und ist frei;
  • er packt Vorräte und Geräte ins Kanu;
  • er legt falsche Spuren; dabei gibt es einen (ironischen) Bezug auf Tom Sawyer („Ich wünschte, Tom Sawyer wäre da; ich wußte, der würde sich für so was interessieren und noch ’n paar Feinheiten dazutun…“, S. 46 – Kap. 7)
  • am Abend plant er, zur Jackson-Insel zu fahren;
  • er schläft ein, der Vater kommt zurück (Gefahr!);
  • er fährt ab, kommt auf der Jackson-Insel an und legt sich schlafen.

Ergebnis: In der Welt des heruntergekommenen Säufers drohen dem Sohn reale Gefahren; wie er sich daraus auf die Jackson-Insel rettet, ist das erste große Abenteuer Huckleberry Finns.

Mit der Insel betritt er ein Zwischenreich zwischen der zivilisierten Welt und der Welt des Flusses, wo er den entlaufenen Sklaven Jim trifft; als er von Frau Loftus erfährt, dass einige Männer hinter Jim her sind (Kap. 11), bricht er mit Jim in der Nacht mit einem Floß zur großen Fahrt auf dem Mississippi auf – ein Thema und zugleich das Handlungsgerüst des Romans.

Abenteuer auf dem Wrack (Kap. 12,13)

Huck berichtet, wie sie sich nachts auf ihrem Floß auf dem Mississippi treiben lassen (Kap. 12); während eines Gewitters stoßen sie in der fünften Nacht auf ein Wrack.

  • Mit dem Bezug auf Tom Sawyer rechtfertigt Huck seine Entscheidung, das Wrack zu untersuchen („Glaubst du vielleicht, Tom Sawyer würde so ’ne Gelegenheit vorbeigehen lassen? Pustekuchen! Der nicht. Er würd’s ein Abenteuer nennen…“, S. 86 und noch einmal S. 87).
  • Sie treffen unverhofft auf Gauner (Bill und Jake gegen Jim Turner);
  • Huck hört ein Gespräch zwischen Bill und Jake in unmittelbarer Nähe (Koje);
  • das Floß ist abgetrieben, doch Huck und Jim finden ein Boot;
  • die Gauner setzen sich ins Boot (Gefahr!), aber gehen aufs Wrack zurück;
  • Jim und Huck fahren mit dem Boot ab;
  • Huck schmiedet einen Plan, wie er die Mörder Bill und Jake bestrafen lassen kann;
  • sie finden ihr Floß wieder.

Es folgt ein Nachtrag, wie Huck an Land geht und eine Lügengeschichte erzählt, um die Wrackbesatzung zu retten, was jedoch scheitert – nett ist dabei die satirische Bemerkung über Schufte und Taugenichtse („die Art Leute, für die sich die Witwe und die guten Menschen am meisten interessieren“, S. 95); Huck kehrt zu Jim zurück.

Ergebnis: Das Erlebnis auf dem Wrack ist eines der typischen Abenteuer, die man auf dem Fluss erleben kann; Jims Gefährdung durch die Sklavenjäger (Kap. 16) ist kein typisches Flussabenteuer, bereitet jedoch die erste Auseinandersetzung mit dem „Gewissen“ vor (Kap. 16, vgl. Kap. 31).

Was Huck an Land bei den Grangerfords sowie mit Herzog und König erlebt, fällt eher unter satirische Gesellschaftskritik als unter „Abenteuer“.

Der Kampf mit dem Gewissen[iv] (Kap. 31)

Als Huck mit Jim sich von König und Herzog absetzen will, merkt er, dass Jim fort ist; der „König“ hat ihn verraten (mit Hilfe der Suchmeldung, die zum Schutz Jims gedruckt worden war, Kap. 20) und sich ordentlich besoffen. Huck denkt nach:

  • Er will Jim an Miss Watson verraten, damit dieser wenigstens zu Hause Sklave sein kann;
  • er verwirft diesen Plan, weil er dann als „Niggerhelfer“ gelten könnte;
  • er verallgemeinert seine Bedenken: „So ist das nun – man tut was Niedriges, und dann will man die Folgen nicht tragen.“ (S. 254)
  • Er bekommt Gewissensbisse wegen seines Vorhabens;
  • ihn trifft die Erleuchtung, vom Himmel aus beobachtet und geschlagen zu werden;
  • das Beten klappt nicht, weil er nach eigener Einsicht an seiner „Sünde“ festhält;
  • er schreibt dann den Brief an Miss Watson und hat das Gefühl, rein zu sein;
  • er denkt nach, erinnert sich an Jim und die Fahrt auf dem Fluss, an Jims Menschlichkeit und Herzlichkeit,
  • entscheidet sich deshalb für seinen Freund Jim und damit für die „Hölle“, er zerreißt den Brief;
  • er wählt endgültig das (nach den Normen St. Petersburgs) schlechte Leben und die Befreiung Jims;
  • er schmiedet einen Plan … und scheitert, als er den König trifft.

Ergebnis: Der Kampf mit den Normen der Südstaaten, in denen man ihn „zivilisiert“ hat, und seinem davon geprägten „Gewissen“ ist das größte Abenteuer – Huck findet zu sich selbst, indem er sich gegen die konventionellen Normen der Sklavenhaltergesellschaft entscheidet. Am Ende von Kap. 33 folgt noch eine Reflexion auf das Gewissen: „Wenn ich ’nen Köter hätte, der nicht mehr Verstand hätte als ’n Gewissen, dann würd ich ihn vergiften.“ (S. 277)

Befreiung Jims

Die Abenteuer, die sich um die Befreiung Jims ranken (Kap. 35 ff.), stellen eher eine Parodie auf die von Tom Sawyer mehr oder weniger verstandene Abenteuerliteratur, speziell die erfolgreichen Romane Walter Scotts, dar – es sind ohne Rücksicht auf andere erfundene Spiele, die zu nichts führen: „Na, das Abenteuer wollt’ ich erleben – und bis zum Hals wär ich im Blut gewatet, um … Heiliger Bimbam – Tante Polly!“ (Kap. 42, S. 343).

Was kann man außerdem im Unterricht behandeln?

Ich nenne nur einige Stichworte:

  • die Charaktere;
  • die satirischen Züge (bürgerliches Leben; Unterhaltungsbedürfnis);
  • Rassismus;
  • Probleme des Übersetzens (ausgewählte Stellen);
  • Vergleich der Verfilmungen mit dem Romantext (ausgewählte Stellen).

Wenn man Hilfen im Internet sucht, ist es sinnvoll, neben dem deutschen Titel auch nach „The Adventures of Huckleberry Finn“ zu suchen.

  • Diesen Aufsatz habe ich zu einem Zeitschriftenartikel verarbeitet: Huckleberry Finns Abenteuer auf dem Weg zu sich selbst, in: Deutschunterricht, 69. Jg., Oktober 5-2016, S. 36 ff.

Zum Schluss, zur Erleichterung Ihrer Arbeit, einige Links:

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (1890: Henny Koch, dt. Übersetzung)

https://www.youtube.com/watch?v=iGIWs3sf7cg (Vorlesung, engl.)

http://www.cliffsnotes.com/literature/a/the-adventures-of-huckleberry-finn/the-adventures-of-huckleberry-finn-at-a-glance (große Analyse)

https://www.sparknotes.com/lit/huckfinn/canalysis.html (dito)

http://www.megaessays.com/essays/Satire.html (die Satire)

https://sites.google.com/site/huckfinnsatiresite/satire-in-huckleberry-finn/analysis (Analyse: Satire)

http://twain.lib.virginia.edu/wilson/slavery/mtslavhp.html (Sklaverei bei Mark Twain)

http://twain.lib.virginia.edu/huckfinn/huchompg.html (Material)

https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/ (Skizzen meines Unterrichts vor vielen Jahren)

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer)

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten – Links)

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung zur kritischen Lektüre, für Studenten)

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler)

Filme:

https://www.youtube.com/watch?v=kB2CAlYEmEA (Spielfilm Teil 13)

https://www.youtube.com/watch?v=bbiHg6pFNRc (Spielfilm Teil 14)

https://www.youtube.com/watch?v=z3J-wXBd1h8 (Spielfilm Teil 15)

https://www.youtube.com/watch?v=92m4Lt0XYuI (Spielfilm Teil 16)

https://www.youtube.com/watch?v=ohu2zZhzfaQ (Spielfilm, Teil 17)

https://www.youtube.com/watch?v=ztP_A9X3F7s (Spielfilm Teil 18)

https://www.youtube.com/watch?v=esm81DkVNdE (Spielfilm Teil 19)

https://www.youtube.com/watch?v=diqbX_xTkiw (Spielfilm Teil 20)

https://www.youtube.com/watch?v=Dw9wOYclp90 (Film 1955, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=SqqwGWYE38c (Teil 4 – Huck Finn, ab ca. 22 min)

https://www.youtube.com/watch?v=3h8x8cV-A08 (Disney: Tom und Huck, ab ca. 32:40 – problematisch, stark verkürzt)

[i] Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/twain-huckleberry-finns-abenteuer-kein-kinderbuch/

[ii] Ausgabe: Diogenes Taschenbuch 21370, 1985, S. 9 – Übersetzung von Lore Krüger

[iii] http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html; vgl.

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechnikjen)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

https://www.uni-due.de/einladung/index.php?option=com_content&view=article&id=548%3A5-gattungen-und-textstrukturen-1-epik&catid=40%3Akapitel-5&Itemid=53 (v.a. 3. Wer erzählt?)

[iv] Rudolf Ginters hat diese Geschichte zu einer theologischen Reflexion der Bedeutung des Gewissens genutzt: Werte und Normen. Einführung in die philosophische und theologische Ethik. Göttingen/Düsseldorf 1982, S. 272 ff.

Twain: Huckleberry Finns Abenteuer – Links

Bei den Vorarbeiten zu einem Aufsatz über „Huckleberry Finns Abenteuer“ (The Adventures of Huckleberry Finn) habe ich gesammelt, was im Netz derzeit zum Thema zu finden ist. Hier das Ergebnis – möglicherweise eine Hilfe für Leute, die am Thema interessiert sind:

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://genius.com/albums/Mark-twain/Adventures-of-huckleberry-finn (dito)

http://www.online-literature.com/twain/huckleberry_finn/ (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_des_Huckleberry_Finn

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Adventures_of_Huckleberry_Finn

http://www.britannica.com/topic/Huckleberry-Finn-novel-by-Twain

https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Sawyers_und_Huckleberry_Finns_Abenteuer (Film, 1968)

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_des_Huck_Finn (Film, 2012)

http://twain.lib.virginia.edu/huckfinn/huchompg.html (Material) x , von http://twain.lib.virginia.edu/index2.html)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (dt. Übersetzung Henny Koch, 1885, Goldmann 1962) = https://damnick.de/media/huckleberry-finn/Twain-Huckleberry_Finns_Abenteuer_und_Fahrten-Damnick_Verlag.pdf

http://www.zeno.org/Literatur/M/Twain,+Mark/Roman/Abenteuer+und+Fahrten+des+Huckleberry+Finn (deutsch, Stuttgart 1892)

deutsche Ausgaben: dtv 2006, 416 Seiten, ü. von Lore Krüger 10,00 (dazu: Aufbau Tb, übersetzt von Lore Krüger 9,99 – 60er Jahre, sehr gut)

Tom Sawyer & Huckleberry Finn. Neu übersetzt und hrsg. von Andreas Nohl dtv 14166 (2012), 14,90 – mit Anhang

Reclam: übersetzt von Ekkehard Schöller, 8,90

Insel Tb 3528, 2009, neu ü. von Friedhelm Rathjen (1997, mit Anm., sehr gut) 11,90

Übers. von Wolf Harranth, sehr gut (Cecilie Dressler Verlag)

http://www.dieterwunderlich.de/Mark_Twain_Huckleberry_Finn.htm (Inhalt)

http://mcgoodwin.net/pages/otherbooks/mt_huckfinn.html (Inhalt, kurz)

http://etc.usf.edu/lit2go/21/the-adventures-of-huckleberry-finn/ (Inhalt, kürzest)

 

https://www.youtube.com/watch?v=1BHy4KDQQpM (Hörspiel für Kinder)

https://www.youtube.com/watch?v=XPkmCFvTtXk (2.)

https://www.youtube.com/watch?v=7ztFw1NKwsg (3.)

https://www.youtube.com/watch?v=gqUsOFeW62w (4.)

https://www.youtube.com/watch?v=664MVoL8xjE (5.)

https://www.youtube.com/watch?v=R_ZxKoCWTHk (6.)

https://www.youtube.com/watch?v=kB2CAlYEmEA (Spielfilm Teil 13)

https://www.youtube.com/watch?v=bbiHg6pFNRc (Spielfilm Teil 14)

https://www.youtube.com/watch?v=z3J-wXBd1h8 (Spielfilm Teil 15)

https://www.youtube.com/watch?v=92m4Lt0XYuI (Spielfilm Teil 16)

https://www.youtube.com/watch?v=ohu2zZhzfaQ (Spielfilm, Teil 17)

https://www.youtube.com/watch?v=ztP_A9X3F7s (Spielfilm Teil 18)

https://www.youtube.com/watch?v=esm81DkVNdE (Spielfilm Teil 19)

https://www.youtube.com/watch?v=diqbX_xTkiw (Spielfilm Teil 20)

https://www.youtube.com/watch?v=Dw9wOYclp90 (Film 1955, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=8sBQg4fZ-ho (Film, 9:13)

https://www.youtube.com/watch?v=pXB4uzhEmNw (Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer, Teil 1)

https://www.youtube.com/watch?v=8RAn7yAJ0Vw (Teil 2)

https://www.youtube.com/watch?v=8QcElED1ro4 (Teil 3)

https://www.youtube.com/watch?v=SqqwGWYE38c (Teil 4 – Huck Finn, ab ca. 22 min)

https://www.youtube.com/watch?v=VLW-0h4ESCo (Zeichentrick, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=3h8x8cV-A08 (Disney: Tom und Huck, ab ca. 32:40 – problematisch, stark verkürzt)

https://www.youtube.com/watch?v=qaVEVnCcMng (Tom Sawyer und Huck Finn – Hörbuch komplett)

http://www.majestic.de/presse/huckfinn/huck_finn_presseheft_2012-11-30.pdf (Presseheft Film 2012)

https://www.perlentaucher.de/buch/mark-twain/huckleberry-finns-abenteuer.html Verriss eines Hörbuchs

https://www.youtube.com/watch?v=iGIWs3sf7cg (Vorlesung, engl.) x

https://www.youtube.com/watch?v=iknyDWSg-HI (Twain: biograf. Dokumentation) -> unter dem Titel noch einmal systematisch suchen

http://www.cliffsnotes.com/literature/a/the-adventures-of-huckleberry-finn/the-adventures-of-huckleberry-finn-at-a-glance (große Analyse) x

https://www.sparknotes.com/lit/huckfinn/canalysis.html (dito) x

http://www.gradesaver.com/the-adventures-of-huckleberry-finn/ (Anal.)

http://shs-english.wikispaces.com/file/view/The_Adventures_of_Huckleberry_Finn_eNotes-1.pdf (Summaries and Analysis)

http://www.megaessays.com/viewpaper/19018.html (Analysen), darunter:

http://www.megaessays.com/essays/Satire.html (die Satire) x

http://twain.lib.virginia.edu/wilson/slavery/mtslavhp.html (Sklaverei bei Mark Twain) x

http://www.exampleessays.com/papers/Huckleberry_Finn/The_Adventures_Of_Tom_Sawyer.html (Analysen)

http://www.directessays.com/essays/Adventures_Of_Huckleberry_Finn.html (Analysen)

http://novelinks.org/uploads/Novels/TheAdventuresOfHuckleberryFinn/Concept%20Analysis.pdf (Analyse)

https://www.academia.edu/7423186/Analysis-The_Adventures_of_Huckleberry_Finn (Analyse)

http://www.litcharts.com/lit/the-adventures-of-huckleberry-finn/themes (Analyse)

http://www.globethesis.com/?t=2195360302977227 (Zusammenfassung großer Anal.)

http://www.novelguide.com/the-adventures-of-huckleberry-finn/theme-analysis (Inhalt, kurze Anal.)

http://study.com/academy/lesson/the-adventures-of-huckleberry-finn-themes-and-analysis.html (kurze Analyse)

https://philipzamora.files.wordpress.com/2013/01/1231791-slavery-huckleberry-finn-ma.pdf (dito)

http://www.pbs.org/wgbh/cultureshock/teachers/huck/essay.html (dito)

http://www.123helpme.com/escape-from-civilization-an-analysis-of-mark-twains-the-adventures-of-huckleberry-finn-view.asp?id=168602 (dito)

http://classiclit.about.com/od/adventuresofhuckleberry/a/huckfinn_writer.htm (kurze Analysen)

http://www.studymode.com/essays/The-Adventures-Of-Huckleberry-Finn-585079.html (rhetorische Analyse)

http://wn.com/huckleberry_finn_|_context_analysis_|_60second_recap%C2%AE (Hörbuch, engl., mit Kontextanalyse)

http://www.studymode.com/essays/Huckleberry-Finn-Lit-Analysis-68500225.html (lit. Analyse), siehe:

http://www.studymode.com/subjects/huckleberry-finn-rhetorical-analysis-page1.html

http://www.articlemyriad.com/character-analysis-jim-huckleberry-finn-mark-twain-antislavery-message/ (die Charaktere)

https://sites.google.com/site/huckfinnsatiresite/satire-in-huckleberry-finn/analysis (Analyse: Satire)

http://itech.fgcu.edu/&/issues/vol1/issue1/huckfinn.htm (Analyse: Jim)

http://nelsonhuck29.wikispaces.com/Superstitions+in+Huckleberry+Finn (superstitions=Aberglaube im Roman)

http://3tags.org/article/the-adventures-of-huckleberry-finn-analysing-its-racial-context-and-reception (Analyse rassist. Kontext)

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer) x

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten – Links) x

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung krit. Lektüre, für Studenten) x

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler) x

 

https://librivox.org/die-abenteuer-tom-sawyers-by-mark-twain/ (Tom Sawyer als Hörbuch)

https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/

https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/huckleberry-finns-abenteuer-uebersetzt-von-wolf-harranth/

Klausur zu Roth: Hiob, Kap. IX

von Dr. Peter Brinkemper:

Deutsch Sek. II, Q-Phase

Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes. 1930.

Textstelle: Kapitel IX, S. 84-88 (Ausgabe Schöningh Paderborn 2013/15) – Reise und Ankunft in Amerika

Aufgabenstellung mit Lösungserwartung:

  1. Analysieren und interpretieren Sie das angeführte Kapitel als typische Episode eines Romans oder epischen Textes. Beziehen Sie sich auf das Thema: regionale jüdische Tradition versus europäische Moderne im Epochenumbruch von 1900 (1. WK, Migration, 2. WK). Gliedern Sie den Text und beachten Sie die Perspektive der Hauptperson. Greifen Sie dabei auf wichtige Aussagen in den vorherigen Kapiteln zurück. (AFB I-II)

20 Punkte: Inhalt, Thema, Gliederung, Bezug zum vorherigen Text und Kontext.

Sinnvolle Einleitung in die Klausur. Roths „Hiob“ als mehrdeutiger Titel zwischen der Bibel-Figur und der realistischen Geschichte des europäischen Ostjuden, „Roman eines einfachen Mannes“: Mendel Singer und seiner Familie. Differenz zwischen Glauben und Alltag, Gott und Geschichte, Bibel und Roman. Mendel und Hiob Charaktere sind nicht deckungsgleich.

Die theologische Frage (Theodizee allgemein oder individuell): Gutsein und Frömmigkeit nur bei Wohlstand (Satans Argument) oder auch bei Armut/im Leiden? Gottgefälliges Verhalten nicht nur, wenn es einem gut geht, sondern auch, wenn eine Krise kommt? Frage der Bewährung oder Unterwerfung? Glauben und religiöse Sprache nicht absolut, sondern Ausdrucksmittel für die Perspektive der Hauptperson (Personale Perspektive, Er-Erzählung). Frage der Gestaltung und Bedeutung der Religion. Akzeptanz oder Kritik der Religion durch Erzähler? Später Rebellion der Hauptfigur, gegen sich selbst und Gott (nicht in Bibel; Roth, Kap. XIII). Traditioneller Rückfall oder Modernisierung des Hiob-Stoffs? Wird die religiöse Sprache in Auseinandersetzung mit Alltag und Migration „abgenutzt“ ? Gelingt die religiöse Betrachtungsweise noch, oder ist sie zum Scheitern verurteilt (am Ende des Romans)?

– Spannweite inhaltlich und formal: zwischen religiöser Tradition und europäisch-amerikanischer Moderne. Spannung zwischen Fixierung auf traditionelle Positionen und plötzlichen Wendepunkten durch moderne Entwicklungen. Wandel, mit oder gegen die Religion? (Migration; 1. WK; eventuell Vorwegnahme 2. WK und Holocaust). Bibl. Wertungen werden ent-/umgewertet.

– Hinweise zur Vorgeschichte: Armut der Familie, Unterdrückung der Ehefrau Deborah, Kinderreichtum, Beruf Mendels: Rabbi, traditioneller starker Glaube, Wohnung zwischen Leben und Arbeiten (Schule) auf engstem Raum. Angst vor Moderne, auch vor Medizin, vor Technik, Industrie, Transport (Auto), vor Wohlstand durch gewöhnlichen Beruf. Jüngster Sohn Menuchim behindert. Hinnahme als zu duldendes Schicksal statt medizinischer Behandlung, dabei Hoffnung auf spätere Heilung. Abweichung von der traditionellen Norm durch die älteren Kinder, sie wollen die Familie verlassen: Mirjam (wilde Liebe zu Kosaken). Jonas wird russ. Soldat. Schmerjah alias Sam geht auf Umwegen in die USA; – von Deborah finanziell unterstützt. Als Schlepper, für arme Leute, die mit gefälschten Papieren abwandern, auch als Wehrdienstdeserteure fliehen. Sam will Familie in die USA locken und dort wieder modern herstellen. Sam kündigt mit Brief, überbracht vom Boten Mac, in gewisser Weise eine Verführer- und Teufelsfigur, baldige Tickets für die Familie zur Reise in die USA an (Kap. VI). Mendel entschließt sich plötzlich, eher defensiv, für die Reise in die USA, ohne Menuchim, weil er durch Abwanderung der Söhne und Mirjams sexuelle Abenteuer mit den Kosaken die Gefahr für den Bestand der Familie erkennt. Er rennt der Modernisierungswunsch seiner Frau und seiner Kinder hinterher.

Das Kapitel IX schildert: Ankunft vor NY mit dem Schiff; Untersuchung durch die Behörden: sowie Eindrücke und Folgen der Stadtrundfahrt. Die Abfolge dieser Stationen ist abrupt; die Erzählung hält sich an die irrtumsanfällige Wahrnehmung von Mendels Familie. Dadurch wirken die Ereignisse assoziativ zwischen Realität, Traum und Albtraum. Die Familie ist auf dem Zwischendeck (nicht in der 1. oder 2. Klasse) untergebracht (siehe „Titanic“). – Im vorherigen Kapitel hat er mit seinem Glauben die Überfahrt über das endlose Meer gut überstanden. – Nun kündigt ein jüd. Mitpassagier, der sich auskennt, die Freiheitsstatue an. Die „elektrische Fackel“ sei kein Wunder, nur ein „Kunststück“ der Moderne. (Siehe Kerzenlicht in Zuchnow.) – Das Auftauchen der Freiheitsstatue erhält eine andere, weniger positive Bedeutung, wenn man weiß, dass damals Immigranten neben der Freiheits-Insel auf einer anderen Insel empfangen/aufgefangen werden. Daher das mehrdeutige Wort „ausgeladen“ (unauffällige Metapher der Neuen Sachlichkeit: von Bord, wie Gepäck, aber auch wie „nicht erwünscht, nicht eingeladen“) S. 84 – Abladen, Ausschiffen, Festhalten und Untersuchen aller Ankömmlinge der 3. Klasse. Nicht an Land, sondern auf Ellis Island, im Text nicht genannt, Immigrationszentrum 1892-1954, Insel nahe Liberty Statue. Dort kritische Untersuchung besonders der osteuropäischen Immigranten, die als wenig eingliederungsfähig galten. – Personal, Gendarmen, Ärzte, Krankenschwestern (berufstätige Frauen) wie „Engel“ oder „Kosaken“; Gepäck wird nicht „durchstochen“; Menuchim, so Deborah, hätte mitgenommen werden können. Bedrohliche Selektions-Metaphorik, noch vor späterem Holocaust, „Kosaken“ als Mendels Formel der Angst vor Mirjams neuen Affären S. 84 – Gespenstischer Auftritt von Schmerjah/ Sam (als Doppelerscheinung zwischen Alteuropa u. USA. Gespaltene Wahrnehmung, Innen u. Außen, Wunsch u. Wirklichkeit, Vertrautheit u. Fremde, Sams u. aus Mendels Perspektive, hat Sam Angst, auf Ellis Island die alte Sprache zu sprechen?). S. 84 f. – Erst Bevorzugung, angeblich kein Quarantäne-Aufenthalt im Lager, dann doch Befreiung durch den mutigen Mac. mit Behauptung von Heirat u. Verwandtschaft. S. 85f.- Besichtigungsfahrt durch „Amerika“ (jetzt wohl an Land, der Stadtname NY bleibt in Kap. IX ungenannt) auf Leiterwagen bei großer Hitze (S. 86ff.): Hochhäuser und Asphalt, körperliche Strapaze, „Wüste“ versus Zivilisation (realistische und religiöse Metaphern, aber sehr naiv, provinziell, hilflos gefärbt, durch jemand vom Lande, der keine Begriffe für die Strukturen der Großstadt hat): Langsamkeit u. Schnelligkeit, statt „Wind“ (natürliches Phänomen) Lärm u. Geschrei (künstlich, technisch, Massenwirkung). Vielfältige Großstadteindrücke erzeugen Ohnmacht Mendels.Erwachen im Restaurant. (S. 87f.): Entfremdung im Spiegel (kein Wiedererkennen, Bild Gottes: „weißer Bart“, dann Erkennen durch Familie) – Wiederholtes Motiv: Lächeln aus Zwang. Weinen wird unterdrückt – Die große Infragestellung, Zweifel: Was geht ihn die Familie an? Frage nach eigener Identität. Entfremdung gegenüber sich selbst. Trauriger Rückbezug auf Zuchnow (dort „sich selbst … zurückgelassen“) und den dort noch lebenden Menuchim (dieser als Teil von Mendel, Metapher der Tradition als Widerstand gegen Moderne). Tradition und Heimat brechen sich gegen erreichte Moderne mit aller Macht Bahn, allerdings negativ, im Verlust. Mendel erfährt Entfremdung („Herz“, „vereisen“, „kaltes Glas“), Modernisierung als Zwang. Mac gratuliert Mendel wie zum „Kunststück“ (s.o.) Mendels emotionale Kälte weicht ab von Bibelfigur Hiob. Mendel ist innerlich gespalten.

  1. Vertiefen Sie – durch formale u. inhaltliche Analyse rhetorischer Figuren sowie Stilmittel und Tonfall zwischen Neuer Sachlichkeit u. religiöser Sprache (aus welcher Perspektive?) – die Deutung des Texts. (Gezielte eigene Schwerpunktsetzung) (AFB II-III)

20 Punkte: Inhalt, Form, Rhetorik, Neue Sachlichkeit, Bibel (AT), Vertiefung der Deutung

Roth bereitet die Reise und Ankunft in den USA mehrschichtig auf, durch verschiedene erzählerische Mittel.

  1. Die bisherige Spannung zwischen Tradition und Moderne wird nun durch den Unterschied Osteuropa und USA maximal gesteigert, bis zum Zusammenbruch Mendels (Bedeutung für die Religion?).
  2. Kette der plötzlichen Wendungen, die u.a. mit Deborahs Vorsorge, Sams Brief u. Mendels Entschluss zu fahren beginnt.
  3. Die Technik der Doppelwahrnehmung oder filmischen Überblendung (schon bei dem Botschafter Sams, Mac) – nun bei der Ankunft und Begegnung mit Sam, zwischen der älteren osteuropäischen und der amerikanischen Erscheinung. Ähnlich die Großstadtimpressionen in großer Hitze mit Reminiszenzen/Anspielungen auf die biblische Wüste (in der Moses mit den Israeliten auf der Suche nach dem gelobten Land umherzog; vgl. Buch Daniel: 3 Männer im Feuerofen. Die Nichtanerkennung der schönen Reklame-Bilder durch die Frömmigkeit. Jüdisches Bilderverbot).
  4. Die eigene Freude der Ankunft nach der schnell beschlossenen und rasch vollzogenen Reise, die aber selbst zur kalten, herzlosen Maske des „Keep Smiling“ wird.
  5. Die Beschreibung des namenlosen NYs wird zerlegt in die Überfülle der Eindrücke, in das Tempo im neuen Land, welches das vorherige Tempo der Reise und das Schneckentempo des vormodernen Lebens in Galizien überbietet. Dazu das schlechte Gewissen, Menuchim und sich selbst, die Ruhe u. stille Frömmigkeit, dort zurückgelassen zu haben.
  6. Die Reaktion Mendels auf seine neuen Reiseeindrücke bei der Ankunft, die Einnahme einer Opferrolle mit der Erfahrung von Passivität, Betäubung und Ohnmacht und dem späteren Erkennen, sich selbst in seiner Identität durch den widerwilligen Entschluss und die Reise überholt und ausgestoßen zu haben.

Roth stellt die rein materiellen und elementaren Sensationen, die Eindrücke der noch jungen Wolkenkratzer-Großstadt bei heißem Wetter im Stil der Neuen Sachlichkeit als eine Fülle von konkreten, körperlich schmerzhaften Sinnenswahrnehmungen dar. Sie betäuben und fressen das alte Bewusstsein wie im Rausch geradezu auf.

Sie stehen im Gegensatz zu den spirituell und religiös eingefärbten einfachen Wahrnehmungen in der osteuropäischen Heimat. Diese erscheinen wie ausgelöscht oder gelähmt.

Es werden rhetorische Figuren verwendet wie Vergleiche, Metaphern, Personifikationen, Paradoxien und Widersprüche, eindringliche Wiederholungen, die die Intensität des pur Materiellen („wütende Wucht“) betonen sowie die Vernichtung des Subjekts und des Individuums, seiner früheren Wahrnehmung und seines früheren Bewusstseins (Personifikation, Anapher: „Amerika drang auf ihn ein, Amerika zerbrach ihn, Amerika zerschmetterte ihn. Nach einigen Minuten wurde er ohnmächtig.“ S.87). Amerika scheint eine leere Religion, eine Antireligion der Betäubung zu sein.

In vielem erinnern die Beschreibungsmittel an die film- und werbeförmigen Großstadt- und Traum-Schilderungen von Kästners „Fabian“ (Großstadt-Roman 1931) mit den Folgen der Unterdrückung, Fragmentierung, Auslöschung des Individuums und des Individuellen sowie der Moral und Solidarität. Hier stilistische Übereinstimmung beider Romane im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Die biblischen Metaphern (hier z.B. Wüste), die zuvor im osteuropäischen Umfeld dominant waren, werden hier leise, sie gehen förmlich unter. Bibel-Sprache, Sinnes-Eindrücke, Zeitungssprache/Reportage und Werbe-Jargon gehen im neusachlichen Tonfall Roths ineinander über. Metaphern und Werbebilder konvergieren. Man könnte aber auch noch Spuren der Allegorie der „Hure Babylon“ (prophetische Exil-Bücher und Offenbarung des Johannes) finden, um den neusachlichen Großstadteindrücken einen kritischen biblischen Unterton zuzuordnen, der weitere Katastrophen (sozial, individuell) ankündigt.

Am Ende, nach dem Wiederaufwachen, ist Mendel gegenüber sich selbst, dem Reiseziel und seiner eigenen Familie entfremdet. Es gibt keine Rückkehr in das alte religiöse Bewusstsein. Eine unglückliche, gebrochene Geisteshaltung kommt zum Ausdruck, sie wird später weiter verstärkt.

Ausblick: Bald wird er Teil der jüdischen Gemeinde von NY. Seine Familie erleidet aber viele weitere Schicksalsschläge, die seinen Glauben wiederum erschüttern.

  1. Achten Sie dabei auf die sprachliche und logische Präzision der Zitate, der sinngemäßen Wiedergabe und der eigenen Aussagen sowie der Verwendung von rhetorischen und epischen Fachbegriffen.

20 Punkte: Sprache, Logik, Zitat, Wiedergabe, eigene Aussage, Textbezug etc.

– Sprache, Logik, Gliederung (der eigenen Arbeit) werden (in hohem Maße) präzise aufeinander abgestimmt und ausformuliert.

– Die eigene Sprache erfüllt Kriterien der korrekten Schriftsprache und der Fachsprache (Fachbegriffe), Umgangssprache und mündliche Redeweisen (Chat) werden vermieden

– Mögliche Fehler: A, W, Satz, Z, Logik, RS, Gr etc. halten sich in Grenzen oder treten zu häufig auf (vgl. Schriftsprache, Fachsprache versus Umgangsspr.).

– Zitate, Textbezug (Seiten- und Zeilen-Angabe) sind hinreichend / in hohem Maße klar, nachvollziehbar sowie sinnvoll eingesetzt.

– Wörtliche und indirekte/sinngemäße Wiedergabe sind angemessen auf den Sinn des Originaltextes sowie auf die Intention der eigenen Darstellung (Ziel der Analyse und Interpretation) abgestimmt. Korrekter Textbezug bei gleichzeitiger eigenständiger Deutung, Ergänzung, Weiterführung der im Text enthaltenen Deutungsmöglichkeiten.

– Die Zitate werden inhaltlich und formal nicht bloß zitiert sondern exemplarisch ansatzweise, tiefer, erschöpfend analysiert/interpretiert. Möglich als Zitat sind ganze Sätze, Abschnitte sowie einzelne Wörter, Stichworte, Motive.

– Die eigene Darstellung wird insgesamt und/oder im Einzelargument den Bezugstexten gerecht.

– Die inhaltliche Darstellung vermeidet die Nacherzählung (kein ständiges Präteritum, keine reine Handlungswiedergabe am vorgegebenen Text entlang, keine Nicht-Kennzeichnung von übernommenen Formulierungen aus dem Text). Sie erweist die Formulierungsfähigkeit (alternative Wortwahl, Satzumstellung, sinnvolle Modifikation, Veränderung, Abwandlung, um eigenes Verstehen zu beweisen). Sie vermeidet die Missachtung der Kriterien (Aufgabenstellung bzw. Unterricht) für konkrete Interpretation

– Die inhaltliche Darstellung oder die formale Analyse des Textes oder einzelner Zitate verlieren sich in Details. Es fehlen wichtige Schritte der Abstraktion, (Quer-)Verbindung, Begründung, Einordnung, Beurteilung.

– Es besteht hinreichend Kenntnis über Handlung, Kontext und frühere Romanstellen (inhaltliche, log. Ergiebigkeit).

– Die eigene Darstellung formuliert selbstständige, eigene Gedanken, Ideen, Thesen und Ausführungen. Die Darstellung ist nicht nur reproduktiv, keine Nacherzählung, sondern differenziert, oder sogar anspruchsvoll, originell. Gedanken werden am Text (linear oder im Querbezug) belegt. Der „tiefere Sinn“ des Textes wird weiter „ausgeschöpft“. Der Text wird dabei als konkrete, anschauliche Partitur mit deutbaren Zeichen und Hinweisen genutzt.

– Die eigene Darstellung wird methodisch durch eine plausible u. fruchtbare Hypothese/Perspektive geleitet. Diese berücksichtigt u. entwickelt wenige oder viele Aspekte, Leerstellen, Andeutungen des konkreten Textes bzw. des gesamten Werkes (oder des intertextuellen Zusammenhangs). Die Interpretationshypothese nutzt Hinweise aus der Aufgabenstellung u. dem Unterricht. Das erforderliche Abstraktionsniveau wird erreicht.

– Die Klausurzeit wird ausreichend genutzt: „Denken-Lesen-Schreiben“ vernetzen (DLS).

– erste Stunde: durch mehrmaliges Lesen, Unterstreichen, Gliedern des Textes; Markieren von wichtigen Zitaten, Stichwörtern, Strukturen; Randbemerkungen für mögliche Analyse u. Interpretation;

– Notizen auf Vorschreibeblatt. Sammlung von Material (aus der konkreten Textstelle, aus der gesamten Lektüre, aus dem vorhandenen Vorwissen). Sortieren u. Gliederung von Punkten für die Lösung der Aufgabe. Anlage der eigenen Arbeit.

– Zweite und dritte Stunde: Formulierung und Niederschrift der eigenen Arbeit (siehe inhaltliche und formale Aspekte oben).

Notenskala, Punkte: 1 (51-60), 2 (41-50), 3 (30-40), 4 (20-29), 5 (10-19), 6 (1-9).

Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2011/11/30/roth-hiob-inhalt-zeitstruktur-und-aufbau/ (Analysen zum Roman)

Gary: Du hast das Leben noch vor dir – Momos Perspektive

Momo ist der Ich-Erzähler in Emil Ajars (= Romain Garys) Roman „Du hast das Leben noch vor dir“ (deutsch 1977 bei S. Fischer, hier nach der Lizenzausgabe des Dt. Bücherbundes, Stuttgart, Hamburg, München o.J.). Momo erzählt im Rückblick auf das Geschehen („Jetzt, wo ich mich erinnere, sage ich mir…“, S. 197), wobei unklar ist, wie weit das Jetzt vom erzählten Geschehen zeitlich entfernt ist. Er erzählt jedoch ohne größere Distanz so, als ob er noch die Perspektive des 14jährigen Jungen hätte; dass er damals 14 Jahre alt war, weiß er seit dem Auftauchen seines unbekannten Vaters (S. 177 ff.) – vorher hat er nach den gefälschten Papieren der Madame Rosa als 10 Jahre alt gegolten (vgl. S. 196: „Ich war noch völlig aus dem Häuschen bei dem Gedanken, daß ich auf einen Schlag vier Jahre älter war…“).

Während Momo erzählt, hat man den Eindruck, er sei tatsächlich erst zehn Jahre alt; das hängt 1. mit den Faktoren zusammen, die seine Weltsicht (Perspektive) geprägt haben, 2. damit, dass er an seiner Kindersprache festhält (so sagt er durchweg „Zuhalter“ und erst am Schluss, S. 254, erklärt er: „Ich weiß jetzt zwar, daß es Zuhälter heißt, aber das ist die Macht der Gewohnheit.“), und 3. damit, dass es kaum eine Distanz zwischen dem erlebenden und dem erzählenden Momo gibt.

Welche Faktoren haben Momos Leben geprägt? Er ist ein Hurenkind, das von seinem Vater im Alter von drei Jahren bei Madame Rosa abgegeben worden ist; Madame Rosa ist eine ehemalige Hure, die jetzt davon lebt, dass sie gegen Entgelt, aber auch unentgeltlich sich um Hurenkinder kümmert. Sie lebt in einem Bezirk von Paris, in dem Araber, Juden und Schwarze wohnen (Rue Bisson und Umgebung: Belleville.). Momo ist zwar in die Schule gegangen, aber offenbar nur wenige Jahre, da er von Madame Rosa als Zehnjähriger geführt wird. Er kennt neben Madame Rosa und den von ihr betreuten Kindern die Leute, die im Haus wohnen, einige Bekannte Rosas und einige Menschen aus der Nachbarschaft.

An einigen Beispielen möchte ich zeigen, wie sich dies alles auf die Darstellung des Geschehens auswirkt:

  1. „Ich kann Ihnen gleich schon als erstes sagen, daß wir zu Fuß im sechsten Stock gewohnt haben und daß das für Madame Rosa bei all den Kilos, die sie mit sich rumschleppte, und nur zwei Beinen ein richtiger Grund für ein Alltagsleben war, mit allen Sorgen und Mühen.“ (S. 7) Das ist der erste Satz des Romans. Die Sprache Momos ist Alltagssprache, restringiert: „zu Fuß wohnen“ kürzt ab, lässt das Verb „gehen“ oder „hinaufsteigen“ aus. „bei all den Kilos…“ ist Umgangssprache; „und [bei] nur zwei Beinen“ ist naiv, da jeder nur zwei Beine hat, egal wie schwer er ist. „ein Alltagsleben […], mit allen Sorgen und Mühen“ ist eine Redewendung der Erwachsenen, die Momo übernommen hat und die nicht zu seiner Weltsicht passt.
  2. „Ich muß so drei Jahre alt gewesen sein, als ich Madame Rosa zum ersten Mal gesehen habe. Vorher hat man nämlich keine Erinnerung und lebt in der Unwissenheit. Mit vier oder fünf Jahren habe ich aufgehört, unwissend zu sein, und manchmal fehlt mir das.“ (S. 7) Mit dem ersten Satz führt Momo den Zuhörer in die Irre – er weiß zum Zeitpunkt des Erzählens, dass er damals drei Jahre alt war (S. 177 ff.), tut jetzt aber so, als wüsste er es nicht genau; auf diesem Schein beruht der Eindruck, man höre einem Zehnjährigen zu. „und manchmal fehlt mir das“: Dies ist eine der Wendungen, mit denen der altkluge Momo seine scheinbar abgebrühte Skepsis demonstriert.
  3. Als er sechs oder sieben Jahre alt war, hat er erfahren, dass Madame Rosa monatlich eine Geldanweisung für seinen Unterhalt bekommt, „und es war ein harter Schlag für mich zu wissen, daß ich bezahlt werde. Ich hatte geglaubt, Madame Rosa würde mich umsonst lieben und wir täten einander was bedeuten. Ich habe eine ganze Nacht deswegen geweint, und es war mein erster großer Kummer.“ (S. 8) „daß ich bezahlt werde“ ist hier ziemlich restringierte Umgangssprache; die Enttäuschung, nicht „umsonst“ geliebt zu werden, also niemandem etwas zu bedeuten, bestimmt sein Leben, auch wenn Madame Rosa ihm das Gegenteil sagt (S. 8). So stiehlt er, um Aufmerksamkeit zu gewinnen (S. 13 f.), oder er geht in die Praxis von Dr. Katz, „wo man mich untersuchte, als ob ich etwas Wichtiges wäre“ (S. 27). „Ich habe sogar überall in die Wohnung geschissen, um aufzufallen. Nichts.“ (S. 11) Die letzte Bemerkung zeigt, dass das psychologische Wissen Momos („um aufzufallen“) nicht zu seinem Alter, seiner Sprache und seiner Lebenssituation passt.
  4. „Kinder sind alle sehr ansteckend. Ist mal eins da, kommen auch gleich die andern. […] Das sind alles die Geschichten von Kindern, wo sich nicht rechtzeitig haben abtreiben lassen können und wo nicht notwendig waren.“ (S. 15) Diese Härte, mit der ein Kind (mit zitierter Erwachsenenperspektive, restringiert) über sich und seine Wohngenossen als unterlassene oder misslungene Abtreibungen spricht, zeigt die Härte der Welt, in der Momo lebt – sie steht dann im Kontrast zu der Hingabe, mit der er Madame Rosa schließlich pflegt.

Fazit: Momos Sicht ist die Perspektive des kleinen, wenig geliebten Außenseiters auf seine Umgebung; in Wahrheit weiß er jedoch mehr (nicht nur vom Alter her), als in seiner restringierten Sprache zum Ausdruck kommt. Momo bewahrt seine Menschlichkeit und ermöglicht es am Schluss Madame Rosa, in Frieden in ihrem Schlupfloch zu sterben: „Ich finde, es gibt nichts Gemeineres, als Leuten, die sich nicht mehr wehren können und die zu nichts mehr nützen wollen, mit Gewalt das Leben in den Schlund zu stoßen.“ (S. 255) Der Kontrast beglaubigt die Menschlichkeit Momos, die sich mit einer Lüge auch gegen das ärztliche Interesse am Weiterleben der Kranken, und sei als bewusstloses „Gemüse“, durchsetzt.

Ich sehe selber, dass diese Skizze nur den Anfang einer vertieften Untersuchung darstellen kann – es geht mir einmal darum, die Möglichkeiten der Momo-Perspektive aufzuzeigen, und dann auch darum, für den großartigen Roman zu werben, den es derzeit leider nicht im Buchhandel neu zu kaufen gibt. Vgl. auch https://norberto42.wordpress.com/2015/10/20/schmitt-monsieur-ibrahim-und-die-blumen-des-koran-kurz-vorgestellt/!

Zum Begriff der Erzählperspektive:

http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Erz%C3%A4hlperspektive

http://wortwuchs.net/erzaehlperspektive/

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechniken)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

https://www.uni-due.de/einladung/index.php?option=com_content&view=article&id=548%3A5-gattungen-und-textstrukturen-1-epik&catid=40%3Akapitel-5&Itemid=53 (v.a. 3. Wer erzählt?)

Twain: Huckleberry Finns Abenteuer – kein Kinderbuch

Ich beginne mit einer These: „Huckleberry Finns Abenteuer“ ist kein Kinderbuch. Dieser These steht entgegen, dass es in Deutschland in zahlreichen Ausgaben als Kinderbuch behandelt wird – was aber heißt: gekürzt und verfälscht wird. Ich möchte das an zwei Beispielen zeigen:

  1. Mark Twain: Huckleberry Finns Abenteuer. Neu erzählt von Maria Seidemann. Mit farbigen Bildern von Markus Zöller. Arena Verlag GmbH: Würzburg 2011 (Reihe: Kinderbuchklassiker zum Vorlesen)

In 12 Kapiteln wird das ganze Geschehen gerafft und geglättet, teilweise verfälscht. So soll Huck am Ende von Tante Polly aufgenommen werden; dann brauche er das von ihm geerbte Haus der Witwe nicht – mit dem Geld dafür könne man Jims Familie freikaufen. „Ein bisschen graulte mir davor, ein ordentlicher Junge zu werden. Aber zusammen mit meinem Freund Tom Sawyer würde ich das schon durchhalten!“ (S. 74)

  1. Mark Twain: Huckleberry Finns Abenteuer. Aus dem Amerikanischen [übersetzt und bearbeitet] von Sybil Gräfin Schönfeldt. Mit Illustrationen von Hans G. Schellenberger. Arena Verlag GmbH: Würzburg 2010 (copyright 1995 bzw. 1978) – in der Bibliothek: für ca. 12jährige.

Es fehlen die Kap. 17, 18, 21, 22, 23; Kap. 24 ist am Anfang gekürzt; Kap. 28 ist massiv gekürzt und zu Kap. 27 geschlagen, dito Kap. 31 zu Kap. 30; Kap. 34-39 sind zu einem Großkapitel zusammengefasst worden.

Zwei Gründe kann ich dafür nennen, dass „Huckleberry Finns Abenteuer“ kein Kinderbuch ist. 1. Von den großen Themen des Buchs passen nur wenige in ein Kinderbuch, weshalb der Text ja auch entsprechend verkürzt wird. Als die großen Themen sehe ich folgende:

  • Die große Reise auf dem Mississippi (ab Kap. 7)

Dieses Thema bildet das Handlungsgerüst der Erzählung; es eignet sich auch für ein Kinderbuch.

  • Abenteuer auf dem Fluss

Ich denke hier etwa daran, wie Jim und Huck nachts auf ein Wrack treffen, dabei ihr Floß verlieren und den Gangstern dort ausgeliefert wären, wenn sie nicht im letzten Augenblick sich im Boot hätten retten können. Solche Abenteuer verstehen auch Kinder.

  • Parodie der Abenteuerliteratur

In Kap. 2 und 3 sowie in Kap. 35 ff. stellt der Roman eine Parodie der Abenteuerliteratur dar; das kann Kindern höchstens verkürzt als lustige Sammlung von Abenteuern verkauft werden, siehe die entsprechende Kürzung in der Ausgabe der Gräfin Schönfeldt!

  • Satirische Kritik der Gesellschaft des Südens

Dieser thematische Faden durchzieht das ganze Buch, angefangen von der religiösen Erziehung durch Miss Watson über die Begegnung mit den Grangerfords (fehlt bei Gräfin Schönfeldt!) bis zum das Auftreten von „König“ und „Graf“ (zeigt Naivität und Rohheit der Südstaatler); die Kritik an der Sklaverei gehört nicht nur, aber vor allem zu diesem Thema. Mit seinen Lügengeschichten zeigt Huckleberry, wie man sich in dieser Gesellschaft bewegen kann. – Das ist nichts für Kinder.

  • Selbstfindung Hucks in der Freundschaft mit dem Sklaven Jim

Hierhin gehört der Bruch mit der „zivilisierten“ Welt St. Petersburgs und ihrer Normen (Kap. 31!), aber auch mit seinem Vater (Kap. 6). Solche Radikalität wird Kindern nicht zugemutet, siehe die beiden oben genannten Ausgaben!

2. In den letzten Jahren gibt es eine Reihe neuer Übersetzungen, welche die ältere Standardübersetzung Lore Krügers (dtv Nr. 2015, Diogenes 21370) abzulösen sich anschicken. Zuerst sei der Übersetzerin und Widerstandskämpferin Lore Krüger (1914-2009) ein Denkmal gesetzt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Lore_Kr%C3%BCger

http://wiki.drafd.org/index.php?title=Lore_Kr%C3%BCger

http://www.exilarchiv.de/DE/index.php?option=com_content&view=article&id=4837%3Akrueger-lore-ottilie&Itemid=100189&lang=de (mit Links)

http://www.mdr.de/kultur/lore-krueger126_zc-15948bad_zs-86171fdd.html

http://www.drafd.de/?DrafdInfo200908_Broadway

http://www.aviva-berlin.de/aviva/Druck.php?id=14191252

http://www.dkp-online.de/frauentag/uz/36101303.htm (Würdigung zum 90.)

http://www.co-berlin.org/lore-krueger-ein-koffer-voller-bilder (Ausstellung 2014/15)

http://antifa.vvn-bda.de/2015/03/01/was-bleibt-2/ (zur Ausstellung)

http://www.volksstimme.de/kultur/kultur_regional/1419961_Ein-Koffer-voller-Bilder.html (dito)

Eine andere ältere Übersetzung fertigte Barbara Cramer-Nauhaus (Dieterisch’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1956, und dann im Insel Taschenbuch 837) an; diese Übersetzung habe ich im Unterricht benutzt, weil sie mir besser als die Lore Krügers gefiel. Die neuen Übersetzungen stammen von Andreas Nohl (dtv 14166, 2012), Ekkehard Schöller (Reclam 2007), Friedhelm Rathjen (1997; jetzt Insel Tb 3528, 2009) und Wolf Harranth (Cecilie Dressler Verlag, 2012). Die Vielzahl neuerer Übersetzungen zeigt an, dass der Roman in seiner sprachlichen Eigenart in den letzten Jahren ernstgenommen wird. Damit besteht die Chance, dass der Roman in Deutschland die Beachtung findet, die ihm gebührt und die er in der englischsprachigen Welt besitzt, vgl.

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer)

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten)

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung zur krit. Lektüre, für Studenten)

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler)

Ich habe den Roman wiederholt in der Sekundarstufe II des Gymnasiums behandelt; wenn auch die Fachkollegen Deutsch mich ein wenig belächelten, hatten meine Schüler es doch nicht leicht, die satirische Darstellung etwa der Grangerfords zu verstehen. Ein kurzes Ergebnis meiner Bemühungen um „Huckleberry Finns Abenteuer“ steht seit Jahren im Netz: https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/ und vorher http://logos.kulando.de/post/2007/09/27/m_twain_huckleberry_finns_abenteuer.

Zum Schluss möchte in einer exemplarischen Kurzanalyse zeigen, wieso die mit Tom Sawyer erlebten Abenteuergeschichten eine Parodie sind (Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe Diogenes 21370, Übersetzung von Lore Krüger):

Gründung einer Räuberbande (Kap. 2)

Die ersten Kapitel des Romans (1-4), das Leben in St. Petersburg, kann man als Einleitung betrachten; erst als Huckleberrys Vater auftaucht, wird es spannend. So hat auch die Gründung der Räuberbande, von der Huck erzählt, den Charakter eines parodistischen Vorspiels zu den folgenden Abenteuern:

  • Huck und Tom treffen die anderen Jungen
  • und gehen nach einem Schweigeeid in eine Höhle;
  • sie gründen eine Räuberbande und bekräftigen ihn durch einen furchtbaren Eid mit zahlreichen Morddrohungen;
  • sie folgen dabei weithin den Vorlagen „aus Piratenbüchern und Räuberromanen“ (S. 17);
  • es gibt eine Reihe von Schwierigkeiten, welche das erzählte Geschehen ironisch brechen:
  • Huck Finn kann mit Mühe Miss Watson als Familienmitglied zum Töten anbieten;
  • die Jungen wollen ehrliche Wegelagerer statt einfache Diebe sein und sich nur mit Raub und Totschlag abgeben;
  • sie halten am „Auslösen“ von Gefangenen fest, obwohl sie nicht wissen, was das ist – doch der Bezug auf die Bücher muss gewahrt bleiben;
  • gegen den Einspruch Ben Rogers’ wird an nächtlichen Wachen festgehalten, „wie’s der Regel entspricht“ (S. 19);
  • Tommy Barnes wird mit 5 Cent bestochen, trotz seiner Angst bei der Bande zu bleiben;
  • Ben Rogers drängt darauf, sonntags nicht zu rauben und zu morden – „es sonntags zu machen wäre ’ne Sünde“ (S. 19).

Folgerichtig berichtet Huck im nächsten Kapitel: „Ungefähr ’nen Monat lang spielten wir ab und zu Räuber, und dann trat ich aus.“ (S. 22) Er hat sich auf seine Augen statt auf die Bücher verlassen, und weil auch das Experiment des Lampenreibens (Kap. 3) scheitert, denkt er über die Abenteuer der Räuberbande anders als Tom Sawyer.

Ergebnis: Wir finden Tom Sawyer als denjenigen vor, der Abenteuerbücher kennt und darauf aus ist, selber solche Abenteuer im Spiel zu erleben; indirekt werden damit die in Kap. 35-40/41 erzählten Ereignisse vorbereitet (der etwas gekünstelte Ausstieg aus der großen Fahrt auf dem Mississippi, dem Handlungsgerüst des Romans). Geheimnisvolle Abenteuer sind genau das, „wofür er eine Schwäche hatte“ (S. 269, Anfang Kap. 33). Toms Abenteuervorstellungen unterscheiden sich von den Abenteuern, die Huckleberry Finn tatsächlich erlebt, s.o.

Dostojewski: Die Dämonen – Inhalt

ERSTER TEIL

Erstes Kapitel: Statt einer Einführung. Einige Einzelheiten …

I Stepan Werchowenskij (St) wird vom Ich-Erzähler vorgestellt: ein Möchtegern-Verfolgter, eine Beinahe-Gelehrter, ein Quasi-Dichter. Das Prinzip Ich-Erzähler wird aber nicht durchgehalten; vieles wird erzählt, was Ich gar nicht wissen kann.

II Er nimmt das Angebot der Stawrogina (Sta) an, Hauslehrer ihres Sohnes zu werden; sie achtet auch darauf, dass er (zweimaliger Witwer) nicht versumpft.

III Die beiden stritten sich wegen Kleinigkeiten, dann schrieb St große Briefe an sie, welche unbeantwortet blieben, und man ging zur Tagesordnung über. Er war ihre Erfindung, ihr Traum.

IV Zwei Episoden der Streitereien, die mit ihrem Satz „Das werde ich Ihnen nie vergessen!“ enden.

V Sie hat auch St’ Kostüm erdacht (nach dem Vorbild eines von ihr verehrten Dichters); die neuen Ideen kann er ihr aber nicht erklären, so dass sie nach Petersburg reisen wollen, um sich ein Bild von der Moderne zu machen.

VI Dort finden sie den Winter über kaum Anschluss an höhere Kreise, aber an viele unsäglich geschwätzige Literaten; sie wollen auch eine Zeitschrift gründen … Im Frühjahr fahren sie wieder ab.

VII Zur Erholung fährt St vier Monate ins Ausland, nach Berlin, wo er angeblich hart arbeitet und feiert; er schreibt nutzlose Briefe voller Sehnsucht, kommt heim und erkennt, dass er ein Schmarotzer ist.

VIII In den nächsten Jahren trifft sich regelmäßig ein Freundeskreis, dem u.a. Lipútin, Schátoff und Wirgínskij gehören – sie werden jeweils vorgestellt.

IX Es wird über das belanglose Treiben des Kreises und dessen bedeutsame Gesprächsthemen berichtet – das ganze erste Kapitel ist eine hübsche Satire auf das Leben unnützer Schwätzer.

Zweites Kapitel: Prinz Heinz. Die Brautwerbung

I Nikolai Stawrogin (Nik), Sohn der Sta: als Schüler St’, dann im Lyzeum, glänzende Karriere beim Militär, Degradierung wegen zweier Duelle, erneut Aufstieg zum Offizier, verkommt nach der Entlassung und kommt mit ca. 25 Jahren als ein schöner Mann zurück – Sta beginnt wieder, ihr eigenes Gut zu bewirtschaften.

II Zwei dumme Streiche Nik’: Er führt einen alten Herrn an der Nase herum und küsst bei einem Fest die Frau des Gastgebers Liputin. [Nik wird mit Prinz Heinrich nach Shakespeare vergleichen.]

III Er wird vom Gouverneur Ossipowitsch zur Rechenschaft gezogen und beißt den ins Ohr; Nik wird verhaftet, er bekommt ein Fieberdelirium, gilt als krank und reist nach Italien – verabschiedet sich noch vom Fourieristen Liputin.

IV Nik verreist für drei Jahre, reussiert in Paris bei der Drosdowa (D) und ihrer reichen Stieftochter Lisa (L); der neue Gouverneur ist von Lembke, dessen Frau Julia mit Sta verfeindet ist. Sta fährt in die Schweiz und stört die Intrigen Julias (gegen Verbindung Nik – L); nach der Rückkehr spricht sie ernsthaft mit St, um wieder mit ihm Eindruck machen zu können.

V St, der sich immer als schönen Mann gesehen hat, bemerkt mit Sta, dass er ein heruntergekommener Mensch ist.

VI Nik hat sich mit L überworfen, die D macht eine Szene bei Sta; diese klärt das energisch und bestimmt Darja Schatowa, ihr Pflegekind, mit der Nik gelegentlich freundlich gesprochen hatte, den alten St zu heiraten.

VII Sta geht zu St, der auch schon Lisas und Darjas Lehrer gewesen war, und macht ihm plausibel, er (53) werde Darja (20) heiraten. St äußert zwar Bedenken, aber …

VIII St hatte das Gut seines Sohne Pjotr heruntergewirtschaftet; der möchte es zum alten Wert verkaufen – St fehlen Tausende Rubel, weshalb er Sta’ Vorschlag gut findet (er soll 8.000 bekommen, über Darja). Sta kommt und erklärt, er brauche nicht um Darja zu werben, sie regele alles, inklusive Hochzeit.

Drittes Kapitel: Fremde Sünden

I St quält sich in der Unsicherheit, wie es nun ist; Spannungen mit dem Ich-Erzähler; St vermutet, das Liputin (Lip) mehr weiß.

II Ich trifft Schriftsteller Karmasinoff; von der Selbstüberschätzung alternder Schriftsteller und von der Karmasinoffs; dessen Eitelkeit bei der Begegnung.

III St hat von Sta verschiedene Anordnungen bekommen, wie er sich bei einem Besuch Karmasinoffs zu verhalten habe; St ist erregt – er will sich der Sta widersetzen, da erscheint Lip.

IV Er kommt mit einem Ingenieur, Kirilloff (K), der sich für das Prinzip der allgemeinen Zerstörung begeistert und dessen Vorhaben von Lip dauernd falsch dargestellt werden. K kennt Pjotr, St’ Sohn, der werde bald kommen.

V Beim Abschied spricht man von Lebädkin, der seine verrückte Schwester verprügelt und auffällig viel Geld hat; Lip berichtet, Sta habe ihn rufen lassen, um zu fragen, ob Nik verrückt ist – das muss er erzählen.

VI Sta habe ihn zu sich gebeten und im Vertrauen gefragt, of er Nik für irrsinnig halte; zur Bestätigung seiner Meinung (ja) beruft er sich auf K und Lebädkin – K will aber nicht von Lip in Anspruch genommen werden; die Störung liege in Nik’ Charakter, er sei außerdem ein Schürzenjäger; K beschimpft Lip als Klatschmaul und Spion, zumal da dieser noch eine Geldgeschichte (Nik schickt Lebädkin Geld) preisgibt; K und Lip gehen.

VII St will zu Sta gehen und sich weigern, „Fremde Sünden“ (die Nik’) zu heiraten; Ich macht ihm wegen seines Verdachts Vorwürfe; draußen treffen sie L, die sich freut, St nach Langer Zeit zu sehen; sie küsst ihn auf die Stirn und besucht ihn dann mit ihrem Begleiter Drosdoff (MD). Sie nimmt das Ich als Vertrauten St’ und lädt St direkt zu einem Gegenbesuch ein, spielt auch auf die geplante Hochzeit an; Ich wird beauftragt, Schatoff zu L zu bestellen.

VIII Ich geht zu Schatoff, trifft ihn nicht an, dafür K; der lädt ihn zum Tee ein, sie sprechen über Selbstmord; K predigt den neuen Menschen: ohne Angst vor dem Tod, er wird selber Gott sein; Freiheit heiße: sich zu töten wagen; K will eine Nachricht an Schatoff weitergeben.

IX An der Pforte trifft Ich Lebädkin und Lip; Lebedäkin ist betrunken und in L verliebt – Lip sagt, dass Nik dem Lebädkin sein Gut verkauft hat.

X Ich trifft St, der von seinem Besuch zurück und ganz durcheinander ist; St ist für Sonntag zu Sta bestellt und soll dort mit Schatoff, Darjas Bruder, die Hochzeit klären; St hat an Nik und Darja geschrieben, um seinen Verdacht zu zerstreuen, und hofft jetzt auf Pjotrs Ankunft. Ich tadelt ihn.

Viertes Kapitel: Die Hinkende

I Ich kommt um 12 h mit Schatoff zu Drosdoffs; D ist ziemlich zänkisch, Ich heißt Antón Lawréntjewitsch G–ff; MD soll mit Ich sprechen.

II L will ein Buch herausgeben, Schatoff soll ihr helfen: die in den Zeitungen eines Jahres berichteten Ereignisse sammeln, ordnen und so greifbar machen (nur Ereignisse, die die Persönlichkeit des russischen Volkes zeigen); L will das finanzieren, Schatoff soll arbeiten; Schatoff will nicht –da zeigt L den Liebesbrief Lebädkins an sie; L fragt nach Lebädkins Schwester; Schatoff soll das Buch auch drucken – er will nicht.

III Als Ich gegangen ist, ruft L Ich zurück: Sie möchte unbedingt die lahme Lebädkina sehen, Ich soll ihr dazu verhelfen, evtl. über Schatoff; sie appelliert an die Zuneigung Ich’, welches dunkle Hintergründe ahnt; Verabredung für nächsten Tag.

IV Ich geht zu Schatoff, wo auch K und Schigaljóff sind, die aber bald gehen; Schatoff erzählt, dass er mit K in Amerika war, um Ausbeutung am eigenen Leib zu erleben, dass er betrogen wurde und nur mit Hilfe Nik’ habe zurückkehren können; er stimmt zu, die Lebädkina heimlich zu besuchen. Zwischendurch Gespräch über russischen Atheismus.

V Ich geht mit Schatoff zu Lebädkina, die verkommen und verwirrt ist; sie erzählt von einem Kloster und ihrem Kind; sie verwechselt die Ereignisse, nennt Schatoff Schatuschka; die Männer gehen, ehe Lebädkin kommt.

VI Als sie bei Schatoff sind, kommt Lebädkin und macht Radau, sie lassen ihn nicht herein; er deutet ein Geheimnis seiner Schwester an, sagt aber nichts; Ich geht.

VII Am nächsten Tag geht Ich mit St zu Sta, auch Schatoff kommt, dann kommt Sta mit L und Lebädkina. Rückblende: In der Kirche war der erste Besuch der neuen Gouverneurin; Sta betete, küsste das Kreuz als erste und ging, als Lebädkina vor ihr kniete und die Hand küssen wollte; Sta gab ihr 10 Rubel, einen Schal gegen die Kälte und nahm sie mit; L wollte ebenfalls mitfahren; kurze freundliche Begegnung mit der neuen Gouverneurin, Heimfahrt.

Fünftes Kapitel: Die allwissende Schlange

I Die ganze Versammlung trifft sich bei Sta, Lebädkina bekommt einen Kaffee; sie agiert ungeschickt-vertraulich; D kommt hinzu.

II Situation der Rivalität Sta – D.

III Offener Streit Sta – D, mit unklarer Anspielung auf die Lebädkina und anonyme Briefe; Darja kommt hinzu – sie hatte in Nik’ Auftrag 300 Rubel an Lebädkin (Leb) überbracht; Leb wird hereingelassen [Verfasser der anonymen Briefe] – Lisas Hass auf Darja (unverständlich).

IV Leb kommt, er tritt ungeschickt auf, will der Sta 20 Rubel zurückgeben – inszeniert; seine Schwester würde nur von Sta Geld annehmen – warum? Leb erzählt eine Schaben-Fabel (von sich als Schabe), antwortet nicht auf die Frage nach dem von Darja übermittelten Geld; Nik wird angekündigt – es kommt ein Unbekannter.

V Beschreibung des Unbekannten – er kündigt Nik an – es ist Pjotr; er wehrt des Vaters Überschwang ab; Nik kommt; Sta fragt ihn, ob Lebädkina seine Gattin ist; er stellt sich als deren Freund vor und bringt sie nach Hause; Lisa ist betroffen.

VI Aufregung – Pjotr erzählt, wie Nik vor fünf Jahren in Petersburg die Lebädkina einmal vor Spott geschützt und sie gelobt hat, während sie ihn wohl als Bräutigam verehrte; er habe ihr eine Jahrespension ausgesetzt – das war alles; Sta erklärt, wie Nik (resp. ein Mensch) einen Getretenen zur selbsterdachten Traumgestalt machen kann (sie spielt damit auch auf St an?); Sta will Lebädkina an Kindes annehmen; Pjotr berichtet weiter, dass Leb sich das Geld seiner Schwester angeeignet hat und sie aus einem Kloster, wo sie untergebracht war, des Geldes wegen herausgeholt hat und nun verprügelt usw.; Leb bestätigt, was Pjotr gesagt hat; als er gehen will/darf, kommt Nik.

VII L wird hysterisch; Pjotr stellt seinen Vater bloß, indem er aus dessen Briefen zitiert („Fremde Sünden heiraten“, ihn retten usw.), nachdem er bereits Darja gratuliert hatte; Sta verweis St auf immer ihres Hauses – Unruhe.

VIII Schatoff steht auf und schlägt Nik ins Gesicht; der, sonst kalt und todesmutig, tut nichts, schaut Schatoff an – der geht leise weg. L fällt in Ohnmacht.

ZWEITER TEIL

Erstes Kapitel: Die Nacht

I Kurzer Rückblick des erzählenden Ich auf die Ereignisse damals, die man jetzt verstehe. – St und Ich ziehen sich zurück. – Gerüchte in der Stadt über die Ereignisse bei Sta; Leb zieht mit Schwester fort; Pjotr erfreut sich der Protektion der Julia von Lembke, steigt in der Stadt schnell auf.

II Sta hat die Sache mit St’ Gut geregelt, es gehört jetzt ihr; Pjotr besucht zweimal St, was diesem nicht gut bekommt; Fremdheit zwischen den beiden; L verlobt sich mit MD. – Ab jetzt werde aus der späteren Kenntnis der Zusammenhänge berichtet.

III Acht Tage später, 19 h, Nik in seinem Arbeitszimmer, kapselt sich nicht mehr ab – Pjotr kommt; er schwatzt unendlich, redet u.a. von „unserer Sache“; er stehe Nik ganz zur Verfügung – Nik wahrt Abstand zu ihm; Pjotr will Nik wieder in die Gesellschaft holen; Nik will in fünf Tagen um L’ Hand anhalten; Pjotr kennt Fejdka, einen entsprungenen Zuchthäusler, der auch zu allem bereit sei.

IV Nik schläft eine Stunde, 21.30 kommt der Diener und bringt Schirm und Lampe; Nik geht zu K, will spätestens 2 h zurück sein.

V Nik berichtet K von Gaganows beleidigenden Briefen; er sei bereit, sich zu entschuldigen, bittet K aber zugleich, sein Sekundant für ein Duell am nächsten Tag zu sein; K sagt zu; Einzelheiten des Duellablaufs; sie sprechen über Zeit und Glück – K ist glücklich, weil alles gut ist; die Menschen seien nur unglücklich, weil sie nicht wissen, dass sie glücklich sind; Nik geht.

VI Zu Schatoff, im gleichen Haus: warum der ihn geschlagen hat – Lebädkina ist Niks Ehefrau, aber noch ein Mädchen; das Schlagen war spontan; Nik warnt Schatoff, man wolle ihn ermorden; sie sind neide Mitglieder eines Bundes, aus dem Schatoff ausgetreten ist; man wolle Schatoff aber nicht freilassen, Pjotr solle ihn beseitigen. Nik sei eigentlich nicht Mitglied, habe nur bei der Organisation geholfen und solle auch getötet werden: Schatoff hat zwei Jahre auf dieses Gespräch mit Nik gewartet, er ist sehr erregt.

VII Es geht um die Russen als das „Gottträgervolk“, wovon Nik gesprochen hatte, obwohl er Atheist war und ist; Schatoff wiederholt alte Gedanken Nik’ vom Glauben eines Volkes an seinen Gott – Nik sagt, Schatoff verändere durch seinen Fanatismus den Gedanken. Nik fragt seinerseits, ob Schatoff an Gott glaubt – der glaubt an Russland. Er wirft Nik die Heirat der Lebädkina vor, weil der so das Gemeine und Sinnlose habe steigern wollen. Nik fragt nach dem Sinn von Schatoffs Fragen – der antwortet mit einer grenzenlosen Bewunderung Nik’; Nik sei ein Herrensohn, könne deshalb das Volk nicht verstehen – Gott könne man nur durch Arbeit erringen; Schatoff solle sich um die Lebädkina kümmern, Nik solle einmal zum früheren Bischof Tíchon gehen. Nik geht. – Man beginnt, den Titel „Die Dämonen“ zu verstehen.

Zweites Kapitel: Die Nacht. Fortsetzung

I Nik geht in Gedanken zum Fluss, als sich ein Unbekannter ihm anschließt – Fejdkin (F); Pjotr wolle ihm einen Pass besorgen; er bettelt Nik um 3 Rubel an; der lehnt ab, lehnt auch dessen Dienste ab und verbietet ihm, ihn noch einmal abzupassen.

II Nik geht zu Leb, der ihn erwartet; Leb beklagt sich über die Abhängigkeit von Pjotr; er trägt ein Gedicht vor; Nik wirft Leb dessen Vergehen vor und teilt mit, er werde die bisher geheime Heirat mit Lebädkina bekannt machen, wonach Leb kein Geld mehr bekäme; Nik wirft ihm vor, er wolle Leute denunzieren – habe bereits mit Lip darüber gesprochen, sollte besser den Mund halten; Leb hat revolutionäre Flugblätter verteilt und dafür Geld bekommen; Leb denkt über das Gespräch nach, Nik geht zu seiner Frau.

III Sie hat schlimm von ihm geträumt; er möchte sie evtl. wieder ins Kloster schicken; er kündigt an, die Heirat bekannt zu machen, und bietet ihr an, zusammen an einen kleinen Ort im Gebirge zu ziehen; sie lehnt ab – hält ihn für einen Fürsten bzw. ihren Mann für einen Fürsten und Nik für einen Betrüger; sie verflucht ihn.

IV F hat auf Nik gewartet, Nik stößt ihn zu Boden; F hat eine Kirche ausgeraubt und den Wächter erstochen; er hätte auch Leb bestehlen können, habt aber auf mehr Geld von Nik (für dessen Ermordung) gehofft; Nik wirft ihm Geld zu.

Drittes Kapitel: Das Duell

I Gaganoff will sich unbedingt mit Nik schlagen, hat MD als Sekundanten; K überbringt Nik’ Forderung; man trifft sich bei einem Wäldchen.

II Beschreibung Gaganoffs – er lehnt eine Versöhnung ab; er trifft Nik am Finger, der schießt extra vorbei; beim 2. Gang schießen beide vorbei; beim dritten Mal wird Nik’ Hut getroffen, er schießt in den Wald. Er und K reiten einfach weg.

III Kurzes Gespräch, warum Nik nicht gezielt hat: Er wolle eine Bürde tragen.

IV Nik möchte Tee, Darja kommt – es geht darum, ob ihre geheime Beziehung bestehen bleibt; Darja scheint an Nik zu hängen; er berichtet von F’ Angebot, die Lebädkins zu töten – Darja sieht ihn von „jenen“ umstellt; er beschimpft sie als „Krankenschwester“; sie sagt, Gott werde ihn „vor Ihrem Dämon beschützen“.

Viertes Kapitel: Alle in Erwartung

I Am nächsten Tag wird bei einem Fest L’ Verlobung erwähnt (aber nicht ganz geglaubt) und Nik’ Duell kommentiert: Er erscheint in strahlendem Licht; Sta besucht Frau von Lembke, sie nähern sich an, St soll rehabilitiert werden; Pjotr ist oft bei Sta; Pjotr spricht Nik an, der lässt ihn abblitzen.

II Protr zu St; er beleidigt seinen Vater und informiert ihn über den Auftrag, etwas vorzutragen – er stellt sein Verhältnis zu Sta als lächerlich und schmarotzerhaft dar; Pjotr hat Sta den letzten verzweifelten Brief St’ gezeigt; ihm ist egal, wer sein Vater ist; er will dessen Vortrag beim Fest zensieren; St verflucht ihn.

III Der Werdegang des von Lembke zum Ehemann Julias und Gouverneur; Pjotr setzt von Lembke herab, Julia protegiert Pjotr; der hat ein Roman-Manuskript von Lembke ausgeliehen und „verloren“; er hat mit jenem vertrauliche politische Gespräche geführt; Julia meint, Pjotr sei einflussreich, gehorche ihr unbedingt und mache es so möglich, die ganze Jugend zu retten. Kommentar: Ohne Julias Selbstüberschätzung hätte alles Folgende gar nicht geschehen können.

Fünftes Kapitel: Vor dem Fest

I Es weht ein neuer (Un)Geist in der Stadt; junge Leute provozieren die anderen – sie sind bei Julia v.L. verortet; auch den größten Flegeln wird Verständnis entgegengebracht; bei der Sammlung für eine beraubte Madonna geben zwei junge Flegel eine Kopeke, L gibt ihre Brillantohrringe.

II Die jungen Leute reiten zum Propheten Jákowlewitsch (Jak). Unterwegs besichtigen sie respektlos einen Selbstmörder; Jak gibt einigen Besuchern Tee, einer Frau Zuckerhüte; L will MD demütigen, er soll sich knien; eine der jungen Damen wird von Jak demonstrativ überhört; L will Nik schlagen, der weicht aus.

III Wiedersehen von Sta und St – Sta bereitet ein eigenes Fest vor; sie teilt St mit, er erhalte insgesamt 3.000 Rubel pro Jahr und solle nicht mehr bei ihr wohnen; sie rechnet mit ihm ab, oft in Worten Pjotrs, Julias v. L. und der neuen Leute; sie verlangt von ihm einen netten kleinen Beitrag zum Fest, er aber will über die Sixtinische Madonna sprechen; er droht, mittellos wegzugehen – sie bezweifelt das Vorhaben. Tiefe Verstimmung.

Sechstes Kapitel: Pjotr Stepanowitsch in Tätigkeit

I Unregelmäßigkeiten und Fehler in der Verwaltung unter dem Einfluss der Julia v. L.; sie sammelt alle, die sie „verehren“; sie hofft, mit Pjotrs Hilfe eine Verschwörung aufzudecken und groß herauszukommen.

II Pjotr kommt unaufgefordert in von Lembkes Arbeitszimmer, benimmt sich rüpelhaft, wird zurechtgewiesen und erlangt über die Rückgabe des Manuskripts des Romans von Lembkes die Oberhand.

III Die beiden sprechen über revolutionäre Flugblätter, wo Pjotr sich auskennt (und worüber er in Petersburg berichtet habe); Pjotr bittet anscheinend hilflos-vertraulich für Schatoff, der ein revolutionäres Gedicht nicht drucken wollte; er bittet um sechs Tage Ruhe, dann wolle er alle Verschwörer ausliefern; von Lembke zeigt ihm einen anonymen Brief, in dem sich ein Denunziant anbietet; Pjotr nimmt den Brief, um den Schreiber zu ermitteln – spielt die Bedeutung des Briefs herunter.

IV Blümer warnt von Lembke vor Pjotr und will eine Hausdurchsuchung bei St vornehmen, wo er die Quelle der Flugblätter vermutet; von Lembke wehrt sich dagegen – unklarer Schluss des Gesprächs.

V Pjotr besucht Karmasínoff (Kar), frühstückt und wertet dessen Fest-Gedicht ab; sie sprechen über die Flugblätter, Kar sieht in ihnen die Wahrheit offen und geschmacklos ausgesprochen; Pjotr sagt auf Kar’ Frage, die Revolution werde im nächsten Jahr beginnen – Kar will sein Gut verkaufen, ist Deutscher geworden.

VI MD bei Nik – Nik könne L heiraten, da sie trotz ihres Hasses und Wahnsinns am tiefsten ihn liebe; Geplänkel; Nik bekennt, dass er bereits verheiratet ist; MD besteht darauf, dass er dann L in Ruhe lasse – er droht ihm und geht; Pjotr kommt, Nik geht mit ihm zur Versammlung; Nik fragt unterwegs nach den Leuten, die kommen; Pjotr hält sie durch Ämter und Titel, ihre Sentimentalität und die Scheu vor eigenem Denken zusammen; sie seien „Material“, er und Nik seien das Zentralkomitee; Nik sagt, durch Ermordung eines Verräters binde man die Leute noch fester; Nik fragt, ob Pjotr von der höheren Polizei sei … Nik soll eine Rede halten, als „Anordner aus dem Ausland“ (in der Sozialistischen Internationale).

Siebtes Kapitel: Bei den Unsrigen

I Die Wirginskijs (W) – Versammlung (angeblich Namenstag) bei ihnen; die Gäste sind die Blüte des grellrotesten Liberalismus der Stadt; sie werden vorgestellt – es gibt eine revolutionäre Fünfergruppe.

II Die Gäste streiten sich, giften sich an; es wird abgestimmt, ob es nun eine Versammlung ist oder nicht; das scheitert, man einigt sich mündlich auf „Versammlung“, W ist der Präsident; Pjotr trinkt Kognak und schneidet sich die Fingernägel – Schigaljóff redet über das System der neuen Weltordnung, mit dem er nicht klargekommen ist; ein Lehrer erklärt es kurz (statt an zehn Abenden): Ein Zehntel der Menschen wird frei, neun Zehntel werden unfrei und glücklich – man streitet darüber; Pjotr bekennt sich als den Einladenden, der „Mitteilungen“ zu machen habe; der Lehrer wehrt sich gegen Pjotrs Vorgehen; Gretchenfrage Pjotrs: Würde jemand einen geplanten politischen Mord anzeigen? Diskussion – Schatoff geht weg; Nik und K gehen ebenfalls, Pjotr ist blamiert. Nik, K und Pjotr wollen sich bei K treffen. – Dieses Unterkapitel ist eine Satire auf die Reden der politischen Revolutionäre.

Achtes Kapitel: Zarewitsch Iwan

Bei K zeigt Pjotr den anonymen Brief an den Gouverneur, er will von Nik geld, um die Anzeige zu verhindern; Nik weigert sich und analysiert Pjotrs Gedanken; F kommt hinzu (wohnt bei K?); Nik geht – Pjotr hängt sich verzweifelt an ihn, er will einen Aufstand machen; er will die totale Gleichheit einführen, mit Nik als Haupt des Aufstands, weil der schön sei; er solle als „Zarewitsch Iwan“ die durch Terror und moralischen Verfall Vorbereiteten ins neue Russland führen; er will auch Niks Frau ermorden und ihm L bringen, falls Nik mitmacht – Nik lehnt ab; Pjotr gibt ihm drei Tage Bedenkzeit.

Neuntes Kapitel: Bei Tichon

I Am nächsten Tag geht Nik zu Bischof Tichon (T); das allgemeine Bild von T ist unscharf; T kennt Nik angeblich, weiß einiges; Nik erzählt von Erscheinungen eines Gespenstes oder Dämons – ob das der Teufel sei; T meint, er sei krank und solle zum Arzt gehen; dann geht es um den Glauben an Gott – das Schlimmste sei Gleichgültigkeit; beide bekennen, einander zu lieben; Nik distanziert sich und ist doch mit einem Anliegen gekommen, wie T sieht. Nik gibt ihm Papiere zu lesen, die noch keiner kennt.

II Sie tragen die Überschrift „von Stawrogin“ – orakelnder Kommentar des Ich-Erzählers. Es folgt der Text: Nik entblößt sein Ich, erzählt von der mit Erniedrigung verbundenen Lust, von einem Diebstahl, von Liebesverhältnissen und dem seltsamen Verhältnis zum kleinen Mädchen Matrjoscha, die sich erhängt hat; aus Ekel vor sich hat er Lebädkina geheiratet; die Vision der drohenden Matrjoscha verfolgt ihn, er könnte sie aber bannen; Nik hat dieses Bekenntnis drucken lassen, um es zu veröffentlichen.

III T schlägt einige Verbesserungen vor, Nik lehnt ab; T erkennt die tiefe Reue Nik’ im Text und zugleich eine Demonstration der Gefühllosigkeit; wenn einer (T) ihm verzeihe, wäre das eine große Erleichterung für Nik; T spricht von lächerlichen Aspekten des Textes, die Spott erzeugen könnten; Nik will durch Leiden dahin kommen, sich selbst verzeihen zu können – das ist der Glaube an Gott, sagt T; T trägt ihm auf, einem Staretz in der Nähe fünf oder sieben Jahre zu dienen – Nik lehnt ab; da hat T eine Vision: Nik werde ein noch größeres Verbrechen begehen, um die Veröffentlichung der Blätter zu verhindern. Nik wird wütend und geht in Raserei.

Zehntes Kapitel: Wie Stepan Trofimowitsch „beschlagnahmt“ wurde

Bei St hat es eine Hausdurchsuchung gegeben, Papiere sind beschlagnahmt worden – Ich wird gerufen; Blümer war da – St befürchtet, verhaftet zu werden, und versteckt Geld in der Kleidung; St besitzt nur die Werke A. Herzens, das ist sein einziges „Vergehen“ – und er war stets für den Fortschritt; außerdem wurden zwei Proklamationen gefunden, die man ihm ins Haus geworfen hatte; St befürchtet, gefoltert zu werden; er rappelt sich auf und will zu Lembke gehen – und er bekreuzigt sich vor der Ikone, was er noch nie getan hat.

Elftes Kapitel: Die Flibústier. Der verhängnisvolle Vormittag

I Etwa 70 Arbeiter ziehen zum Gouverneur, um von ihm Recht gegen den Fabrikbesitzer zu erbitten; sie werden von Polizei eingekreist. – Der Gouverneur leidet an seiner Situation und hatte in der Nacht einen heftigen Streit mit Julia, wobei er u.a. gedroht hat, Pjotr verhaften zu lassen; am nächsten Morgen jagt er per Kutsche sinnlos durch die Welt – da erhält er die Nachricht, in der Stadt seien Unruhen ausgebrochen; Lembke ist hilflos, schreit, hört nicht auf die Arbeit und befiehlt „Auspeitschen!“. In diese Aufregung hinein kommen St und Ich; St verzichtet auf Protest, sie gehen in den Empfangssaal Julias.

II Im Haus sprechen St und Lembke miteinander, Lembke zuerst heftig, dann beinahe hilfesuchend; St bittet um Rückgabe der Bücher.

III Julia kommt mit Gefolge, von Lämschin informiert; man nimmt St mit, belanglose Gespräche mit Kar und Julia; da kommt Nik und erkundigt sich nach St’ Befinden; Julia bittet St um seinen Auftritt auf dem Fest, der will nicht mehr – da kommt Pjotr und stänkert gegen St – da geht Lembke auf St zu, spricht kurz und verlässt den Raum, Julia hinterher, sie kommt zurück – da bitte L Nik laut, sie vor den Briefen Leb’  zu bewahren – da macht Nik seine Verwandtschaft öffentlich und sagt ihr Hilfe zu – Nik geht raus, Aufregung in der Stadt. St bereitet sich auf seinen Vortrag vor.

DRITTER TEIL

Erstes Kapitel: Das Fest. Die Matinee

I Fest findet am nächsten Tag statt – alle erwarten einen Eklat. Aber alle machen mit – ein unheilvoller Geist hat sich ausgebreitet.

II Die literarische Matinee soll 12-16 h dauern; das Essen und Trinken soll entfallen, damit zur Unterstützung der Gouvernanten Geld übrig bleibt; dann soll um 22 h der Ball beginnen – dann soll es auch Tee und Gebäck geben; die Damen brauchen unbedingt zwei Kleider für den Tag, viele werden bettelarm; um 12 h beginnt Musik, fremder Pöbel fragt nach dem Büfett, Lembkes erscheinen, Unruhe; dann erscheint Leb statt Kar, wird entfernt, Lip trägt ein dämliches Gedicht vor – Ich wirft Lip vor, einen Skandal erzeugen zu wollen.

III Kar beginnt mit geschwollener Einleitung zu reden – es folgt ein endloser sinnloser Sermon – es entsteht Unruhe, einer schreit „Unsinn“; Kar fragt das Publikum, darauf kommentieren Hörer das Geschmuse; Kar trägt nur noch den Schluss vor; es gibt Beifall und böse Kommentare sowie einen Lorbeerkranz; dann geht es weiter – eine wunderbare Satire!

IV St tritt auf – er entlarvt das Geheimnis der Flugblätter: Dahinter stecke pure Dummheit; dann stellt er die Schönheit Shakespeares oder Raffaels über die sozialen Fragen und die Wissenschaft – ein Seminarist fragt ihn nach F, den St beim Kartenspiel verloren habe … Unruhe – St geht weg – da erscheint ein dritter Vortragender, ein auswärtiger Professor; er geißelt den Verfall Russlands und löst Begeisterungsstürme aus, er wird weggeschleppt; eine revolutionäre Studentin beginnt zu reden – da geht das Ich weg.

Zweites Kapitel: Das Ende des Festes

I Ich geht zu St, der ihn nicht empfängt – er habe mit allen abgeschlossen. – Auszug aus St’ Brief an Darja. Ich geht zu Julia.

II Julia streitet mit Pjotr, ob die Störungen geplant waren und ob der Ball stattfinden soll; Pjotr wirft ihr vor, sie habe die ganze Bande gewähren lassen, er habe sie gewarnt – glatt gelogen, wie Julia feststellt; Streiterei – Pjotr erzählt nebenher von einer Flucht L’ mit Nik, gerüchteweise; Ich schaltet sich ein und wirft Pjotr vor, das alles eingefädelt zu haben; Ich geht zu St und Darja, kommt nicht an, dann zu Schatoff. Abends geht Ich zum Ball.

III Gegen 23 h kommt Ich dort an – die bessere Gesellschaft fehlt, noch mehr Frauen fehlen, dafür sind viele zweifelhafte Typen da; Lembke steht neben sich, Julia ist bei ihm, der alte General bei ihr; die Literarische Quadrille wird aufgeführt – eher geschmacklos, mit Kritik des Publikums – da wird bemerkt, dass in der Vorstadt Brände gelegt worden sind; alle rennen weg, Julia fällt in Ohnmacht, Lemke fährt delirierend zum Brand; das Fest endet mit Besäufnis der Rüpel.

IV F und drei Arbeiter waren die Brandstifter – Beschreibung des Feuers, Lembke ist hilflos allein, hilft einer Frau und wird von einem Balken getroffen; ein einzelnes Haus hat auch gebrannt – darin waren Leb mit Schwester und Magd ermordet, das Bargeld gestohlen worden; Mieter des Hauses war Nik.

Drittes Kapitel: Ein beendeter Roman

I Zwischen 5-6 h, L und Nik – sie verstehen sich nicht, L weist ihn ab (sie war allein zu ihm gekommen) – Pjotr hatte ihr etwas von seinem Projekt vorgeschwatzt; L hat ihr Leben auf eine einzige Stunde gesetzt; Pjotr kommt hinzu, Nik erklärt sich für das, was dieser berichten wird, verantwortlich.

II Pjotr: Sie sind ermordet worden, aber nicht verbrannt; Pjotr erzählt die Vorgeschichte des Mordes und Brandes, er hatte Leb Geld gegeben, damit der nach Moskau fahren könnte; Nik befürchtet, in die Geschichte hineingezogen zu werden; MD stehe draußen und warte; L kommt hinzu und hört vom Mord; Nik habe nicht gemordet, aber nichts dagegen unternommen; L rennt weg, Pjotr wird auf den nächsten Tag bestellt.

III Pjotr hinter L her, will sie nach Hause bringen; sie will die Toten sehen; sie rennt weg und fällt, MD sieht sie, hebt sie auf; sie vergeht in Schuld vor ihm, sie gehen zu Fuß im Regen zur Brandstätte und treffen auf St – er hat sich aufgemacht wegzugehen; sie lassen St zurück und gehen zur Brandstätte. Man schlägt L dort zusammen.

Viertes Kapitel: Der letzte Beschluss

I Pjotr bei Gaganoff und Julia, macht Julia schlecht; dann mit den Fünf bei Fährich Erkel; die Fünf rebellieren gegen Pjotr, auch wegen Nik und des Mordes; Pjotr geht zum Gegenangriff über, wirft ihnen Eigenmächtigkeit und Brandstiftung vor; er kündigt ihre Verhaftung an, Schatoff sei ein Denunziant -> Plan: Schatoff ermorden, K nach seinem Selbstmord die Schuld übernehmen lassen.

II Pjotr ist über Niks Abreise nach Petersburg verärgert und traut Schatoff die Denunziation zu; Lip und Pjotr gehen zu K, Lip hasst Pjotr: er lehnt Pjotrs Proklamation ab und will sich von ihm abwenden, geht dann aber doch mit.

III Bei K – Erinnerung an das Versprechen; Streiterei K – Pjotr; nebenan isst F, Pjotr geht hin – F will verreisen; Pjotr will F noch benutzen und verspricht ihm Geld, F glaubt ihm nicht, verspottet ihn, lobt Nik dagegen – Pjotr ist wütend und will schießen, F schlägt ihn zusammen und geht; Pjotr droht Lip und rennt weg, Lip hinterher; Pjotr erinnert an den nächsten Tag und geht.

IV Lip beschließt, ins Ausland zu fliehen, zögert – und hört am nächsten Tag, dass F erschlagen worden ist; das ist ihm nach Pjotrs Drohung eine Lehre (obwohl der in der Nacht zu Hause war) – er bleibt.

Fünftes Kapitel: Eine Reisende

I Schatoff leidet an den Ereignissen – da taucht in der Nacht seine Frau Marja auf, von der er seit drei Jahren getrennt ist; er freut sich – sie will nicht zu ihm zurück, sondern sucht Arbeit; er besorgt Essen und Trinken; sie schläft ein, da kommt Erkel, bestellt ihn für den nächsten Abend zur Übergabe der Druckmaschine (mit geplanter Ermordung).

II Er lässt seine normale Vorsicht außer Acht, ist nur um Marie besorgt; sie ist krank, will Buchbinderei eröffnen; sie hat Geburtswehen, er holt eine Hebamme,

III und zwar die Wirginskaja; dann verkauft er Lämschin seinen Revolver zurück, um Geld zu bekommen; der feilscht mit ihm.

IV W und Frau sehen Schatoff nun anders – Wirginskaja bereitet das Nötige für die Entbindung vor; Marie schwankt wild in der Stimmung.

V Schatoff holt bei K Sachen – der spricht vom Erleben vollkommener Harmonie und Freude.

VI Gegen Morgen wird ein Sohn geboren; die Hebamme will ihn ins Kinderasyl geben, Schatoff ihn behalten; Marie und er sind selig; sie küsst ihn auf die Stirn, nachdem sie ihn bisher nur angegiftet hatte, will ihn nicht mehr weglassen; der Junge soll Iwan heißen; am Abend holt Erkel Schatoff ab, er will um 21 h zurück sein.

Sechstes Kapitel: Die mühevolle Nacht

I Die fünf treffen sich in der Nähe des Sta’ Gutes; W will den Mord verhindern, da Schatoff als glücklicher Mensch nicht denunzieren werde; mehrere widersprechen dem Vorhaben, aber Pjotr drängt auf den Mord, Schigaljoff geht weg; Schatoff kommt, zeigt die Stelle, wo die Maschine vergraben ist, und wird von Pjotr erschossen; Lämschin bekommt einen Anfall, schreit tierisch; man befestigt Steine an der Leiche und wirft sie in einen Teich; W distanziert sich von der Tat, Pjotr hält eine revolutionäre Rede; Lip fragt Pjotr nach der Anzahl der Fünfergruppen – Pjotr ist überzeugt, dass alle schweigen werden.

II Pjotr packt seine Sachen und fährt zu K. Vorausblick: Pjotr soll verhaftet werden und flieht ins Ausland. – Er isst bei K ein Huhn; K weigert sich, etwas über Schatoff zu schreiben – sie bekommen Streit, Pjotr droht K, der verachtet ihn; K philosophiert: Wenn es Gott nicht gibt, muss ich meinen eigenmächtigen Willen bezeugen – und mich töten (um so selber Gott zu werden); ich bin verpflichtet, autonomen Willen zu bezeugen und so die Menschen von der Angst vor der Freiheit zu befreien; plötzlich will er alles schreiben, was Pjotr verlangt; Pjotr diktiert das Schuldgeständnis (Morde), K unterschreibt und geht in den Nebenraum; Pjotr überlegt, was K wohl denkt, und geht in den Nebenraum nachschauen – K steht da starr und beißt Pjotr in den Finger – Pjotr stürzt davon und hört den Schuss; er geht nachschauen, sieht die Leiche und geht.

III 5.50 h sind Pjotr und Erkel am Bahnhof; Pjotr verspricht, bald wiederzukommen; er trifft einen Verwandten Julias, der auch verreist, und wendet sich dem zu – Erkel ist darüber enttäuscht.

Siebtes Kapitel: Stepán Trofímowitschs letzte Wanderschaft

I Die große Landstraße, das war für St etwas Langes, eine Idee – deshalb geht er zu Fuß, statt mit der Post zu fahren, er hat ja auch kein Ziel; er geht hinter einem Bauernwagen her; für ½ Rubel darf er mitfahren, ins nächste Dorf; dort isst er und trinkt einen Schnaps; er kauft von einer Frau eine Bibel und wird von Anissim angesprochen, einem Diener, der ihn wiedererkennt; er fährt mit der verwitweten Bibelverkäuferin nach Spassoff (von Anissim angeregt).

II Die Witwe, Ssofja, kümmert sich um den leicht erkrankten St; der möchte immer bei ihr bleiben und die Bibel auslegen; er erzählt ihr seine Lebens- und Liebesgeschichte(n), leicht ausgeschmückt; er hält sie für die richtige Frau für sich; in der Nacht bekommt er einen Anfall von Cholerine – sie versorgt ihn; er wird richtig krank, sie muss ihm aus der Bibel vorlesen – stößt auf Akp 3,14-17, was ihn begeistert; sie will bei ihm bleiben, muss auch Luk 8,32-37 vorlesen – St deutet die Stelle: Die bösen Geister sind in die Russen gefahren, die zugrunde gehen werden … St ist sehr krank.

III In einer Kutsche kommt Sta mit Darja, von Anissim informiert; Sta übernimmt das Kommando, schickt Ssofja weg, lässt einen Arzt holen; St bekennt, er habe Sta 20 Jahre geliebt; dann verhört Sta Ssofja; der Arzt hält St’ Zustand für sehr ernst, man holt einen Priester – St empfängt die Sakramente, er ist gläubig geworden; er stirbt am dritten Tag; Sta lässt ihn begraben und nimmt Ssofja mit zu ihrem Gut.

Achtes Kapitel: Der Schluss

Wirginskaja erfährt von ihrem Mann, was geschehen ist; Marie findet den toten K und rennt mit dem Kind weg; sie erkältet sich und stirbt mit ihrem Kind. Die Polizei deckt einiges auf, glaubt aber K’ Brief; Lämschin verzweifelt, geht zur Polizei und gesteht alles – Pjotr wird entlarvt als treibende Kraft mit dem Ziel der „systematischen Zersetzung der ganzen Gesellschaft“, um schließlich die Macht zu ergreifen; Lämschin entlastet Nik in der Hoffnung auf dessen Protektion; die übrigen Mittäter werden verhaftet. „Jetzt, drei Monate nach jenen Geschehnissen“ (984) ist der Zeitpunkt des Erzählens. – Sta kommt zurück, Darja erhält einen Brief Nik’: Er lädt Darja ein, mit in die Schweiz zu reisen; er analysiert sein Leben als Kraftprobe ohne Ziel; er warnt sie zugleich vor sich; er müsste sich eigentlich umbringen, aber selbst das wäre nicht ehrlich; er ruft Darja als seine „Krankenschwester“. Sie zeigt Sta den Brief, beide wollen losfahren – da ist Nik auf dem Gut angekommen, hören sie. Sie fahren hin und finden ihn erhängt.

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Ich habe die Übersetzung E. K. Rahsins (Piper) gelesen; sie kann sich nicht entscheiden, ob bei Wirginskij Geburtstag (539) oder Namenstag (sonst, z.B. 543) gefeiert wird. Die 68 Anmerkungen der Übersetzerin beziehen sich auf die Zeit- und Literaturgeschichte Russlands.

Zwei Bibelstellen werden zweimal zitiert, Apk 3,14-17 und Luk 8,32-37; das dürfte Indiz für ihre Bedeutung zum Verständnis des Romans sein. Luk 8,32-37 ist bereits das Motto des Erzählers und auch für den Titel des Romans verantwortlich: Die aus dem Besessenen von Gerasa ausgetriebenen Dämonen (Luk 8,26-31), die dann in die Schweineherde fahren, sind ja nach St’ Deutung seit langem in die Russen gefahren.

Was sie dort anrichten, zeigt sich am deutlichsten in dem Scheusal Pjotr, den man anstandshalber ebenfalls hätte sterben lassen sollen, in seinem nihilistischen Zynismus, aber auch in anderen Figuren. Die Reden Pjotrs im achten Kapitel des zweiten Teils sollte man wörtlich zur Kenntnis nehmen. Aber auch Lämschins Äußerung beim Verhör im Schluss-Kapitel ist bereits aufschlussreich: „Auf die Frage, wozu denn so viele Mordtaten, Skandalgeschichten und Schändlichkeiten begangen seien, antwortete er eilig und eifrig: zum Zwecke einer systematischen Erschütterung der Fundamente; zum Zwecke einer systematischen Zersetzung der Gesellschaft und aller Elemente; um alle zu entmutigen und aus allem einen Mischmasch zu machen und, wenn dann die Gesellschaft auf diese Weise ins Wanken gebracht, krank und matt, zynisch und ungläubig geworden sei, sich aber grenzenlos nach einem leitenden Gedanken und nach Selbsterhaltung sehne, sie auf einmal selbst in die Hand zu nehmen, indem man die Fahne der Empörung erhebe und sich auf ein ganzes Netz von Fünferkomitees stütze, die unterdes gewirkt, geworben und praktisch alle Kunstgriffe und alle schwachen Stellen, die man in Angriff nehmen könne, ausprobiert hätten. Er schloß damit, hier in unserer Stadt sei durch Peter Stepanowitsch nur ein erster Versuch der systematischen Herbeiführung einer solchen Unordnung gemacht worden; es sei damit sozusagen ein Programm der weiteren Aktionen, sogar als Muster für alle Fünferkomitees, aufgestellt worden.“

 

http://www.zeno.org/Literatur/M/Dostoevskij,+F%C3%ABdor+Michajlovi%C4%8D/Romane/Die+D%C3%A4monen (Text, nach der Übersetzung von Hermann Röhl)

http://universal_lexikon.deacademic.com/229922/Dostojewskij (F.D.)

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_D%C3%A4monen_%28Dostojewski%29 (Roman)

http://www.deutschlandfunk.de/boese-geister.700.de.html?dram:article_id=80306

http://dostojewskij.virtusens.de/dostojewskij_bibliographie.php?werknr=626

http://www.pnn.de/potsdam-kultur/138633/

http://www.zeit.de/1979/48/die-daemonen

http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2007/05/12/a0014

http://kruemel.iphpbb3.com/forum/10385128nx42658/weltliteratur-klassiker-f1/dostojewski-fjodor-daemonen-t3897.html

http://www.dctp.tv/filme/pissigkeit-unverwechselbar/ (Film)

http://www.dostojewski.eu/02_WERK/18711_Die_Daemonen.htm

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article845457/Wie-Literatur-dazu-beitraegt-die-Gesellschaft-zu-verstehen.html

http://www.iguw.de/uploads/media/dosto3.pdf (Dostojewski und das NT)

http://www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/7147/Totale_ted.pdf (hier S. 12 ff.)

http://www.math.uni-augsburg.de/~eschenbu/Was%20willst%20du%20armer%20Teufel%20geben.pdf (Darstellung und Rolle des personifizierten Bösen in der Literatur nach der Aufklärung, dort 3.1)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/drei-meister-balzac-dickens-dostojewski-6852/4 (Stefan Zweig: Dostojewski)

Dostojewski: Der Idiot – Inhalt

Erster Teil

1) Im Zug nach Petersburg lernen sich Fürst Myschkin (M) und Rogoschin kennen, beide ca. 27 Jahre alt; bei ihnen sitzt Lebedew, ein Beamter, der alle Leute kennt; sie sprechen u.a. über die schöne Nastasja Filippowna (N); Rogoschin lädt M zu sich ein.

2) General Jepantschin (J) wird vorgestellt: klug, reich, erfolgreich; seine Frau ist eine geborene Myschkin, er hat drei schöne Töchter; M spricht im Vorzimmer mit einem Diener (u.a. über die Todesstrafe) und wird dann zum General vorgelassen.

3) Audienz beim General, der zuerst reserviert ist, dann M eine Schreiberstelle (wegen dessen schöner Handschrift) und eine Wohnung in seinem Haus besorgt. Zwischendurch spricht J mit seinem Sekretär Ganja (G), der offensichtlich die schöne N heiraten soll. M sieht ihr Bild, ist verzaubert.

4) Gegen 12.30 begibt sich der General zum „Frühstück“ der Familie. Einschub: Familie J; Tozkij (T) wirbt vorsichtig um die älteste Tochter; Geschichte N.s vom Waisenkind zur Geliebten T.s; der will sie endgültig loswerden und an G verheiraten (mit 75.000); dessen Familie sträubt sich, er selbst ist zwiespältig – an diesem Abend (N.s 25. Geburtstag, der 27.November) will N sich entscheiden; Komplikation: J hat anscheinend ein Verhältnis mit ihr, will ihr Perlen schenken.

5) Man lädt M zum Frühstück ein, der General verschwindet; M gefällt der Mutter, er muss von der Schweiz erzählen, u.a. von der nicht vollzogenen Hinrichtung eines Sträflings und vom Bild (Kopf) eines zum Tod verurteilten (mit der Vorstellung der Hinrichtung); er soll erzählen, wie er verliebt war – war er aber nicht, war so glücklich.

6) Monolog M.s über sein gutes Verhältnis zu den Kindern in der Schweiz als Quelle seines Glücks; über seine Offenheit ihnen gegenüber, seine Zuneigung zur verfemten Marie, den Widerstand der Erwachsenen und die Meinung, dass er selbst ein Kind sei; er beurteilt die Damen nach ihren Gesichtern.

7) Die Mutter ist begeistert, die Mädchen halten sich zurück; er muss von G N.s Bild holen, die er so schön findet; G gibt ihm geheimen Brief für Aglaja mit, die ihn ohne Antwort an G zurückgeben lässt; M geht mit G zur Wohnung, der ist wütend; M verbittet sich, Idiot genannt zu werden.

8) G zeigt ihm Haus und Zimmer, M lernt dessen Schwester Warwara und Bruder Kolja kennen; Ptizyn ist Warwaras Verlobter, Ferdystschenko stellt sich vor, danach General Iwolgin, der sich als Bekannter von M.s Vater ausgibt; Frau Nina bittet M zu sich, der General kommt hinterher und redet von M.s totem Vater; Nina fragt M nach seinem Verhältnis zu G – der kommt mit Ptizyn, Streit G.s mit Schwester Warja; M geht und öffnet N die Haustür, die ihn gleich als Idioten beschimpft.

9) Gequälter Empfang N.s, G ist gegen M zornig, der wird als Fürst vorgestellt; M sagt, woher er N kennt; der General kommt hinzu und erzählt eine Geschichte (Hund zum Fenster rausgeworfen), warum er mit J zerstritten sei; N kennt die Geschichte aus der Zeitung – G führt den Vater hinaus.

10) Rogoschin kommt mit einem Haufen angetrunkener Leute, beschimpft G und fragt N nach der Heirat; G soll für 3.000 zurücktreten, N 18.000 bekommen oder 40.000; Streit zwischen G und Warja, M hält einen Schlag G.s auf und bekommt eine Ohrfeige; er beschämt alle, N geht, ebenso Rogoschin und Begleiter.

11) M spricht mit Kolha, Warja und G, der sich bei M entschuldigt; längeres Gespräch der beiden, u.a. über N, das Heiraten und G, den M für einen normalen Menschen hält, was diesem zu wenig ist; Kolja bringt eine Einladung des Vaters.

12) Kolja und M gehen zum General ins Kaffeehaus; M gibt ihm sein Geld (wartet vergeblich auf die Rückzahlung von 15 Rubel), der General betrinkt sich, redet viel dummes Zeug, gibt das Geld einer Witwe, der er mehr schuldet; M möchte von ihm bei N eingeführt werden, Kolja bringt ihn hin; die beiden gefallen einander; Kolja urteilt über seine Familie.

13) M geht in die Wohnung, etwas unschlüssig; N begrüßt ihn freudig und weist Ferdystschenko gleich in seine Schranken; der Fürst muntert die Gesellschaft auf, dazu gibt es Sekt; Ferdystschenko schlägt vor, reihum solle jeder seine böseste Tat erzählen; N, die Fieber hat, unterstützt den Vorschlag; Ferd. soll anfangen.

14) Ferd erzählt vom Diebstahl von 3 Rubel, worauf ein Dienstmädchen entlassen wurde; der General erzählt, wie er wütend von einer alten Frau eine Suppenterrine zurückverlangte, die gerade im Sterben lag; T erzählt, wie er aus einer Laune einem anderen rote Kamelien vor der Nase wegschnappte, worauf dieser Mann zusammenbrach und später als Soldat fiel; als N erzählen soll, fragt sie M, ob sie G heiraten soll – M sagt nein – damit ist die Frage entschieden; sie vertraut M – sie gibt G die 75.000, dem General J die Perlen zurück, will am nächsten Tag ihre Wohnung aufgeben, ein neues Leben beginnen – es klingelt.

15) Rogoschin kommt mit seiner angetrunkenen Truppe; er legt 100.000 verpackt auf den Tisch; N verhöhnt die Männer, die meinten, sie mit Geld kaufen zu können, sagt sich von ihnen los (hat einen Schwips) – M nähme sie „als ehrbares Weib“ zur Frau; M liebt N und hat eine große Erbschaft in Aussicht (Brief dazu).

16) Ptizyn bestätigt, dass die Erbschaft juristisch einwandfrei ist; N stimmt dem Antrag zu – alle sind erstaunt; dann rückt sie davon ab – sie will keinen „Säugling“ zugrunde richten; sie hält M für einen Schwärmer, auch wenn sie von so einem Mann geträumt habe; sie wirft das Paket mit den 100.000 ins Feuer – allein G darf es herausholen (Test); der weigert sich und bricht zusammen; sie holt mit der Zange das Paket heraus und gibt es G; sie fährt mit Rogoschin ab, M in einer Droschke hinterher; Schlussbemerkungen des Generals und T.s.

Zweiter Teil

1) M reist zwei Tage später nach Moskau (Erbschaft) – G hat M das Geld gegeben, sich mit ihm angefreundet, N ist ebenfalls dort, aber Rogoschin durchgebrannt trotz Eheversprechen – M ihr hinterher? M ist bei Fürstin Belonkonskaja gut angeschrieben; Warja hat Ptizyn geheiratet und sich mit den Töchtern J angefreundet; T hat sich eine Französin zugelegt, Fürst Sch. will Adelaida J heiraten, ein Leutnant bewirbt sich um Aglaja J, General Iwolgin sitzt im Schuldgefängnis; Kolja freundet sich mit den Töchtern J an, gibt Aglaja einen Brief M.s (er brauche sie, wünsche sie glücklich).

2) J ziehen im Juni ins Landhaus, zwei Tage später kommt M aus Moskau an; er fährt zu Lebedew; der hat Streit mit seinem Neffen, M solle entscheiden; beide giften sich an – M sucht Kolja; M spricht mit Lebedew über N und deren Flucht vor Rogoschin; man plant, dem Fürsten einen Teil des Lebedew-Hauses in Pawlowsk zu vermieten und gemeinsam hinzuziehen – viele Andeutungen.

3) M geht zu Rogoschin (R), R ist verlegen; sie sprechen auch über N – M.s Liebe zu ihr sei Mitleid – sie solle ins Ausland gehen und sich erholen, die Hochzeit mit R werde böse enden; R und M verstehen sich jetzt gut, R berichtet über das absurde Verhältnis zu N – er hatte sie in Moskau verprügelt und dann um Verzeihung gebeten, dann hat sie den Hochzeitstermin gemacht, dann ist sie wieder geflohen; sie hat ihn in seinem Haus besucht und voll Achtung von ihm gesprochen; R sagt, dass sie in Wahrheit M liebe, aber fürchte, ihn zugrunde zu richten; M geht verworren.

4) Sie betrachten im Gehen Bilder an den Wänden; R fragt, ob M an Gott glaubt – der erzählt daraufhin vier Episoden und als Konsequenz daraus, dass das Wesen des religiösen Empfindens von keinem Verbrechen berührt und vom Atheismus nicht erfasst wird; auf R.s Vorschlag tauschen sie ihre Kreuze; R führt ihn zu seiner Mutter, die M segnet; mit sich ringend tritt er N an M ab, sie umarmen sich.

5) M sucht (15 h) Kolja vergeblich; M geht unruhig umher – wie vor einem Anfall; der kennt einen Moment höchster Harmonie und dann den Absturz; gegen 19 h geht er los, Gewitterluft; er denkt wirr, über Mord und R; er kommt zu N.s Haus, sie ist nach Pawlowsk gefahren; M sieht wieder „diese Augen“ (R.s), die ihn mehrfach beobachtet haben; R verfolgt ihn weiter – er stellt ihn auf einer Treppe, R zückt ein Messer: ein epileptischer Anfall, R rennt weg, ohne zuzustechen. Kolja bringt M zu Lebedew, der ihn nach Pawlowsk.

6) Kolja umsorgt M, Lebedew hält Iwolgin möglichst fern; Frau J und die Töchter kommen; Gespräche der Gäste; Anspielung auf den „armen Ritter“ reiner Liebe, den Aglaja malen wollte, im Zusammenhang mit G oder M – sie will die Ballade vortragen.

7) Aglaja blickt bei ihrem Vortrag M an, trägt intensiv vor; J kommt mit Radomskij; Lebedew verkauft der interessierten Frau J seinen Puschkin, von dem das Gedicht stammt; es kommen vier junge Gäste mit Iwolgin, aufrührerische Leute, für die G zuständig war.

8) Sie treten frech auf; Kolja liest einen Zeitungsartikel vor, in dem ein angeblich illegitimer Sohn die Erbansprüche M.s moralisch bestreitet und ihn verunglimpft; Burdowskij hat den Artikel gebilligt (verfasst hat ihn Keller), nennt sich „Sohn Pawlistschews“; Lebedews Neffe trägt „Forderung“, nicht Bitte um Geld vor – Appell an M.s Anstand; M klärt die Vorgeschichte, hinter der Anwalt Tschebarow steht; M will Geld geben, aber beklagt die Verleumdungen des Artikels – Burdowskij ist nicht Pawlistschews Sohn! Die Aktion ist reine Erpressung.

9) G hat die wahre Vorgeschichte Burdowskijs erforscht; der war irrtümlich der Meinung …. ist kein Gauner, auch der Anwalt in diesem Fall nicht – Burdowskij gibt M Geld zurück, M entschuldigt sich wegen seines voreiligen Verdachts; Frau J trumpft gegen die vier jungen Leute auf und gegen die Naivität M.s; der todkranke Ippolit, der sich ebenfalls aufgespielt hatte, appelliert an Frau J.s Mitgefühl; Entspannung, es gibt Tee, 23 h.

10 ) Es kommt heraus, dass Lebedew den verleumderischen Aufsatz teilweise korrigiert hat; er hat auch „Tatsachen“ dazu geliefert; Gespräche – Ippolit lädt J zu seinem Begräbnis ein; er philosophiert angesichts des Todes; man sorgt sich um ihn und M; eine Droschke holt die vier jungen Männer an; Fam. J reist teils zornig ab; es kommt eine Kutsche, aus der eine Frau Radomskij wegen dessen Wechsel anspricht.

11) Verstimmung mit J; Adelaida und Fürst Sch. kommen zu Besuch, man spricht über die Dame in der Kutsche = N; G kommt, ebenso Warja; M überlegt kurz, sich völlig zurückzuziehen – Keller besucht ihn, beichtet seine Übeltaten und pumpt ihn an (25 Rubel); Lebedew soll M über den Vorfall mit der Kutsche aufklären, kann aber nicht ausreden; Kolja informiert M über Streit bei J: Warja hat totales Hausverbot, Aglaja hat Streit – M ist anscheinend auf G (wegen Aglaja) eifersüchtig. Am nächsten Tag trifft M in der Bahn J, am dritten Tag findet die Versöhnung mit Fam. J statt.

12) Frau J kommt und fragt nach dem alten Brief M.s an Aglaja: ob M in Aglaja verliebt sei (nein) und ob er N heiraten werde (nein); was er von dem Vorgfall mit der Kutsche wisse (nichts) – Aglaja werde nicht verheiratet; G habe ein Verhältnis mit ihr; M erzürnt sie, sie will mit M brechen – als sie hört, Aglaja habe sich den Besuch M.s verbeten, schleppt sie ihn sofort ab; sie versteht Aglajas Verbot als Einladung an M, der das bloß nicht verstanden habe.

Dritter Teil

1) Fam. J ist nicht so tranig wie die meisten Russen – ironische Reflexionen des Erzählers; die Sorgen der Frau J (völlig überzogen) – M wird in eine Diskussion hineingeschleppt, über das Russische und die Sozialisten; Radomskij führt das große Wort gegen die Liberalen; verworrene Diskussion um M.s Einschätzungen und das Verhältnis zu Ippolit.

2) M wendet sich an Rodomskij; dann stellt er sich vor der Versammlung als Sonderling dar – Aglaja ereifert sich für ihn gegen die anderen, M distanziert sich von Heiratsplänen bezüglich Aglaja, er führt mit Aglaja den Spaziergang an; sie zeigt ihm eine Bank, wo sie früh um 7 allein sitzt; Konzert in der Vauxhall, M fühlt sich fehl am Platz; N taucht mit einem Schwarm auf, sehr auffällig – M ist beeindruckt; sie spricht Radomskij direkt an, sein Onkel habe sich erschossen und Schulden hinterlassen. J gehen, ein Offizier stürzt sich auf N, sie schlägt ihn, M hält seinen Arm zurück, der Boxer mischt sich ein, R holt N ab – Aglaja hat die Szene beobachtet; Polizei kommt.

3) Aufregung im Haus J; Aglaja beauftragt M, sich eine Pistole und Pulver zu besorgen; J spricht mit M über den Selbstmord usw. – Radomskij habe sich vor einem Monat eine förmliche Absage von Aglaja geholt; sie habe gesagt, man wolle sie mit M verheiraten … Abschied, tröstliche Worte. M liest einen Zettel Aglajas, mit dem sie ihn nächsten Tag um 7 h zur grünen Bank bestellt; Keller (Boxer) hat ihn abgepasst – er bietet sich als Sekundant für das drohende Duell an; M allein im Park, rechnet nicht mit der Möglichkeit, dass Aglaja ihn liebt – R kommt gegen 23.30: N bestelle ihn direkt zu sich; sie sprechen über ihr Verhältnis und über N – die korrespondiere mit Aglaja und wolle ihn mit dieser verheiraten, damit M glücklich werde; M lädt R ein, gleich beginne sein Geburtstag und ein neues Leben.

4) In der Wohnung M.s erwarten ihn fröhliche Gäste und gratulieren; Radomskij sucht seine Freundschaft; Diskussion über alles mögliche Moderne und Bedrohliche, über Kannibalismus im Mittelalter u.a.

5) Der schlafende Ippolit erwacht und will etwas vorlesen; man lost – er soll vorlesen: „Meine notwendige Erklärung. Après moi le déluge!“ (Gedanken, Träume; Erfahrungen in der Situation vor dem nahen Tod)

6) (u.a. eine Begegnung mit dem Bild der Kreuzabnahme bei R und mit R selbst – es geht u.a. darum, wie er zu seiner endgültigen Entscheidung gekommen ist)

7) (Er will sich erschießen und erkennt keinen Richter über sich an. Er sei in der schönen Welt überflüssig.) teilweise ablehnende Reaktionen; Ippolit erschießt sich, aber ohne Zündhütchen versagt die Pistole; Gelächter, die Gäste gehen; M spricht noch mit Radomskij über Ippolit und geht dann in den Park, gegen 3.30, er ist unruhig; er schläft ein – bis vor ihm Aglaja steht und lacht.

8) M erzählt von Ippolit, Aglaja will dessen Abhandlung sehen; sie streiten ein bisschen – da bittet Aglaja ihn, ihr Freund zu werden; Verlegenheit – sie will aus dem Elternhaus fliehen, er soll ihr helfen; sie will nicht länger bevormundet werden, will mit ihm Erzieherin werden – andernfalls heirate sie G; M rät ihr energisch von der Flucht ab; sie sei nicht in M verliebt, sondern liebe G; der habe aus Liebe zu ihr seine Hand ins Feuer gehalten – was gelogen ist, wie M weiß; sie wirft ihm seine Liebe zu N vor – er erklärt ihr seine Sorge um N und dass diese wisse, dass M nur noch Mitleid für sie habe; Aglaja sagt, N liebe nur M, der solle sich opfern und N heiraten; Verwirrung in den Beziehungen – Aglaja will N durch M deren Briefe zurückgeben und notfalls ihren Vater einschalten – da kommt Frau J und nimmt M mit ins Haus, um alles von ihm zu erfragen.

9) Sie fragt M nach dem Treffen mit Aglaja, der antwortet diskret und kurz; Aglaja taucht auf, M verabschiedet sich, ist gegen 9 h zu Hause. Kolja kommt und spricht über Ippolit; dann Lebedew, dem 400 Rubel abhanden gekommen sind – man einigt sich auf Ferd als potenziellen Dieb (der von Iwolgin systematisch schlecht gemacht worden ist).

10) Ein Traum M.s – Kommentar über Träume; die Briefe N.s zu lesen wirkt wie ein Traum; Zitate aus den Briefen, in denen N. v.a. Aglaja verehrt und mit M verbinden will; M geht bei J vorbei, trifft 0.30 nur Alexandra, die ihn heimschickt; er hat eine Vision, dann kommt N wirklich und fragt, ob M glücklich ist – verabschiedet sich; R kommt allein zurück und verabschiedet sich ebenfalls.

Vierter Teil

1) Erzählerkommentar zu literarischen Figuren als Typen / Alltagsmenschen (ebenfalls „Typen“); Warja, Ptizyn und G als Durchschnittsmenschen; die beschränkten Alltagsmenschen seien die glücklicheren, z.B. Gogols „Pirogow“; die klügeren Alltagsmenschen jagen der verpassten Leistung hinterher; G gehört zur zweiten Sorte – er hat seine Stelle aufgegeben und lebt bei und von Ptizyn; über Warjas beharrliches Wirken – eine Woche nach M.s Geburtstag berichtet sie von der bevorstehenden Verlobung M.s mit Aglaja; Iwolgin scheint als Dieb identifiziert zu sein; Ippolit wohnt bei Ptizyn und kompliziert das Geflecht der Beziehungen.

2) Iwolgin wettert gegen Ippolit, der die Existenz einer Fantasiegestalt bezweifelt; G gegen beide; Ippolyt rechnet ab: Er hasst G als Repräsentanten der widerwärtigen Mittelmäßigkeit; Aglaja hat G zu einem Gespräch um 7 h auf die grüne Bank eingeladen; Warja freut sich – Ippolit zieht aus.

3) Vorgeschichte des gegenwärtigen Zustands Iwolgins: innige Saufkumpanei mit Lebedew, Gespräch mit M ohne Inhalt mit Verabredung eines weiteren Gesprächs; M spricht mit Lebedew, der ihm sagt, dass Iwolgin offensichtlich die Brieftasche mit den 400 zurückgelegt hat – er habe dazu noch nichts gesagt; M rät zu stillem Vorgehen.

4) M trifft Iwolgin am nächsten Tag um 12 h; Iwolgin hat sich mit Lebedew überworfen, weil der seine Lügengeschichten (Iwolgin als Page Napoleons) mit einer eigenen Lüge beantwortet habe; Iwolgin erzählt die Napoleon-Geschichte, M schaltet sich gelegentlich ein, bis ca. 14 h; am Abend trennt Iwolgin sich auch von M; Kolja findet ihn am nächsten Morgen, er hatte einen Schlaganfall.

5) Bei J hat sich der Eindruck ergeben, für Aglaja stehe eine große Entscheidung an – man ist ratlos; Frau J fragt die Belokonskaja um Rat; Aglaja hat mit M Schach und Karten gespielt, ihn beschimpft und ihm dann einen Igel geschenkt; am Abend geht M zu J, Aglaja fragt ihn, ob er um ihre Hand anhalte – nach Zögern: ja; sie fragt ihn nach Vermögen und Karriereplänen – rennt lachend weg, ist danach aufgeräumt; in den nächsten Tagen geht das Hin und Her weiter; Gespräch M.s mit Ippolit, sehr verworren – der beklagt sich über G; M sagt zu ihm: „gehen Sie an uns vorüber und verzeihen Sie uns unser Glück!“

6) M soll bei J in die große Gesellschaft eingeführt werden – man fürchtet, er könnte sich blamieren; Aglaja hält ihm eine vorwurfsvolle Predigt; am nächsten Morgen trifft M Lebedew, der einen Brief Aglajas an G bei J abgeben wollte, rausgeflogen ist und ihn M gibt, der ihn weiterleitet; am Abend ist M in der Gesellschaft bei J; kritischer Erzählerkommentar zu den Manieren der großen Welt; es sind Vertreter verschieden hoher Kreise anwesend; M ahnt nicht, wie die wahren Verhältnisse sind und wie viel bloß glänzende Oberfläche ist; Aglaja ist unzufrieden, M froh.

7) Im Gespräch stellt sich heraus, dass einer der vornehmen Gäste, Iwan Petrowitsch, mit M.s Ziehvater Pawlistschew bekannt war, M als Kind getroffen hat, worauf M in Begeisterung gerät; Pawlistschew sei katholisch geworden – M reagiert darauf heftig, die anderen versuchen ihn zu dämpfen; in seiner Rage schmeißt er die chinesische Vase um [wovor Aglaja gewarnt hatte] – man lacht; M ereifert sich erneut über die Güte und Qualität der Anwesenden, steht hysterisch begeistert auf und bekommt einen Anfall; die Gäste verschwinden, M ist als Bräutigam erledigt; Aglaja distanziert sich am nächsten Tag von ihm – Frau J widerspricht ihr.

8) Am nächsten Tag besuchen ihn viele kurz, auch die J; sie versichern ihn ihrer dauernden Verbundenheit; Aglaja lässt ihm auftragen, das Haus bis zum Abend nicht zu verlassen; Ippolyt kommt vor seinem Tod noch einmal, berichtet M vom morgendlichen Treffen Aglajas mit G plus Warja, die eine Abfuhr bekommen haben, und von einem Treffen Aglajas mit N am gleichen Abend; Ippolit geht, gegen 19.15 holt Aglaja M ab; sie treffen R und N; Aglaja und N hassen sich, Aglaja will auf N.s Briefe antworten: warum sie M verlassen hat und sich nun in sein Verhältnis zu Aglaja einmischt (und nicht einfach R heiratet); die Frauen giften sich an: N droht, M werde sich für sie entscheiden, wenn sie wolle; M hat Mitleid mit N – das ist zu viel, Aglaja rennt weg, N fällt in Ohnmacht; sie erwacht, schickt R weg, M tröstet sie.

9) Zwei Wochen später – Gerüchte; die Hochzeit M – N ist festgesetzt; der Erzähler bekundet mehrfach, er verstehe nicht alles; M wurde bei J nicht mehr empfangen; M spricht mit Radomskij über Aglaja und den Bruch mit ihr; Radomskij analysiert M (s.u.!) – M gesteht, dass er Aglaja liebt, aber das Gesicht N.s nicht ertragen konnte, und dass N verrückt ist; er will mit Aglaja sprechen oder ihr schreiben – es geht nicht mehr, die eine Sekunde Zögern war zu viel.

10) Iwolgin stirbt; die Hochzeit M.s wird vorbereitet; allerlei Gespräche; N wird immer bedrückter; für die Hochzeit beruft der Erzähler sich auf glaubwürdige Zeugen: Als N zur Kirche fahren will, sieht sie R, stürzt auf ihn zu und ruft „Rette mich!“. Sie fahren los und weg; die Hochzeitsgäste trinken dann Tee mit M … Am nächsten Morgen fährt M nach Petersburg.

11) Dort versucht M vergeblich, R oder N zu treffen; dann passt R ihn ab, sie gehen zu R.s Haus, ohne dass jemand das bemerken kann; N liegt hinter einem Vorhang, tot, R hat sie ermordet; R dreht durch.

12) R hat Gehirnhautentzündung und wird dann zu 15 Jahren Sibierien verurteilt; M kommt wieder zu Dr. Schneider in die Schweiz, sein Zustand verschlechtert sich; Radomskij besucht ihn gelegentlich und knüpft Beziehung zu Lebedews Tochter Wera an, die M gemocht hat; Aglaja hat einen vermeintlichen polnischen Grafen geheiratet und ist katholisch geworden, sie hat sich von der Familie abgewandt.

Wie Radomskij Myschkin analysiert:

»Die Beziehungen zwischen Ihnen beiden [Myschkin – Nastasja, N.T.]«, begann er, »hatten gleich von Anfang an etwas Unwahrhaftes; und was mit Unwahrhaftigkeit anfängt, das muß auch mit Unwahrhaftigkeit enden; das ist ein Naturgesetz. Ich erkläre mich nicht einverstanden, wenn manche (na, dieser und jener tut es) Sie einen Idioten nennen; ich bin sogar empört darüber; Sie sind zu verständig für eine solche Benennung; aber Sie haben doch soviel Seltsames, daß Sie nicht so sind wie alle Menschen; das müssen Sie selbst zugeben. Ich bin zu der Ansicht gelangt, daß die Grundlage alles Geschehenen sich aus folgenden Momenten zusammensetzt: erstens aus Ihrer sozusagen angeborenen Unerfahrenheit (beachten Sie wohl diesen Ausdruck, Fürst: ›angeborenen‹!); dann aus Ihrer ungewöhnlichen Gutmütigkeit; ferner aus Ihrem phänomenalen Mangel an Gefühl für das rechte Maß (was Sie schon mehrmals selbst zugegeben haben), und endlich aus einer gewaltigen Masse von Resultaten des Denkens, die Sie bei Ihrer außerordentlichen Ehrlichkeit noch bis jetzt für echte, natürliche, unmittelbare Überzeugungen halten! Sie müssen selbst zugeben, Fürst, daß in Ihren Beziehungen zu Nastasja Filippowna gleich von Anfang an etwas relativ Demokratisches (ich bediene mich der Kürze wegen dieses Ausdrucks), sozusagen der zauberhafte Reiz der Frauenfrage (um es noch kürzer auszudrücken) lag. Ich kenne ja genau jene ganze Skandalszene, die sich bei Nastasja Filippowna abspielte, als Rogoschin ihr sein Geld brachte. Wenn Sie wollen, werde ich Sie vor Ihren eigenen Augen sezieren, ich werde Sie Ihnen wie in einem Spiegel zeigen, so genau weiß ich, wie die Sache zusammenhing, und warum sie diese Wendung genommen hat! Sie, ein Jüngling, dürsteten in der Schweiz nach der Heimat; Sie strebten nach Rußland wie nach einem unbekannten verheißenen Land; Sie lasen viele Bücher über Rußland, Bücher, die vielleicht an sich vortrefflich, aber für Sie schädlich waren; Sie kamen mit dem ersten heißen Durst nach Tätigkeit her und stürzten sich sozusagen auf die Tätigkeit! Und siehe da, gleich an demselben Tag teilt man Ihnen die traurige, herzergreifende Geschichte einer entehrten Frau mit, Ihnen, einem ritterlich denkenden, keuschen Menschen diese Geschichte einer Frau! An demselben Tag sehen Sie diese Frau; Sie sind bezaubert von ihrer Schönheit, einer phantastischen, dämonischen Schönheit (ich gebe ja zu, daß sie schön ist). Nehmen Sie Ihre Nervosität hinzu, Ihre Epilepsie, unser Petersburger die Nerven schwächendes Tauwetter; nehmen Sie hinzu, daß Sie diesen ganzen Tag in einer Ihnen bisher unbekannten, für Sie beinah märchenhaften Stadt zubrachten, mit allerlei Menschen zusammenkamen, allerlei Szenen erlebten, unerwartete Bekanntschaften machten, einer ganz unerwarteten Wirklichkeit gegenübertraten, die drei schönen Fräulein Jepantschin und darunter Aglaja kennenlernten; nehmen Sie Ihre Ermüdung und Ihr Schwindelgefühl hinzu; nehmen Sie Nastasja Filippownas Salon und den dort herrschenden Ton hinzu, und … was meinen Sie: was konnten Sie von sich selbst in einem solchen Augenblick erwarten?«

»Ja, ja; ja, ja«, sagte der Fürst, nickte wieder mit dem Kopf und begann zu erröten; »ja, so ist das ungefähr gewesen; und wissen Sie, ich hatte wirklich die ganze vorhergehende Nacht im Waggon nicht geschlafen, und ebenso die zweitletzte nicht, und war sehr zerstreut …«

»Nun ja, gewiß; das ist es ja eben, worauf ich ziele«, fuhr Jewgeni Pawlowitsch eifrig fort. »Es ist klar, daß Sie sozusagen in einem Wonnerausch sich auf die Möglichkeit stürzten, öffentlich eine hochherzige Anschauung zu äußern, nämlich die, daß Sie, ein geborener Fürst und ein reiner Mensch, eine nicht durch eigene Schuld, sondern durch die Schuld eines abscheulichen, vornehmen Wüstlings entehrte Frau nicht für ehrlos halten. O Gott, das ist ja so begreiflich! Aber darum handelt es sich nicht, lieber Fürst, sondern darum, ob dieses Ihr Gefühl wahr und echt und natürlich oder nur ein auf einem Denkprozeß beruhendes Entzücken war. Was meinen Sie: im Tempel ist einst einer Frau verziehen worden, einer ebensolchen Frau; aber es wurde ihr nicht gesagt, daß sie recht handle und aller Ehren und aller Achtung wert sei. Hat Ihnen selbst denn nicht nach drei Monaten Ihr gesunder Verstand zugeflüstert, wie die Sache zusammenhing? Mag sie auch jetzt schuldlos sein (behaupten werde ich das nicht; denn soweit will ich nicht gehen), aber kann denn alles, was ihr widerfahren ist, ihren unerträglichen, dämonischen Stolz und ihren frechen, gierigen Egoismus rechtfertigen? Verzeihen Sie, Fürst, ich lasse mich hinreißen; aber …«

»Ja, alles das ist vielleicht richtig; vielleicht haben Sie recht …«, murmelte der Fürst wieder. »Sie ist wirklich sehr reizbar, und Sie haben recht, gewiß; aber …«

»Sie verdient Mitleid? Das wollten Sie sagen, lieber Fürst? Aber durften Sie denn aus Mitleid mit ihr und zu ihrem Vergnügen ein anderes, hochgesinntes, reines Mädchen schmählich kränken und vor den Augen jener hochmütigen, haßerfüllten Nebenbuhlerin erniedrigen? Da geht denn doch das Mitleid zu weit! Das ist denn doch eine arge Überspannung! Durften Sie denn ein Mädchen, das Sie liebten, so vor seiner eigenen Rivalin demütigen und sich um der andern willen und vor den Augen eben dieser andern von ihm abwenden, nachdem Sie ihm schon selbst einen ehrlichen Antrag gemacht hatten … und das hatten Sie doch getan, und zwar in Gegenwart der Eltern und Schwestern! Gestatten Sie die Frage, Fürst: sind Sie bei einer solchen Handlungsweise noch ein ehrenhafter Mensch? Und haben Sie nicht das herrliche Mädchen betrogen, als Sie ihr versicherten, daß Sie sie liebten?«

»Ja, ja, Sie haben recht; ich fühle, daß ich eine Schuld auf mich geladen habe!« sagte der Fürst in unbeschreiblichem Gram.

»Aber genügt denn das?« rief Jewgeni Pawlowitsch ganz entrüstet. »Genügt denn das, einfach auszurufen: ›Ach, ich habe eine Schuld auf mich geladen‹? Sie sind schuldig und bleiben dabei doch hartnäckig! Und wo hatten Sie denn damals Ihr Herz, Ihr christliches Herz? Sie haben ja ihr Gesicht in jenem Augenblick gesehen: was meinen Sie, hat sie etwa weniger gelitten als jene andere, um derentwillen Sie sich von ihr trennten? Wie konnten Sie nur das alles mitansehen und zugeben? Wie war es nur möglich?«

»Aber … ich habe es ja gar nicht zugegeben …«, murmelte der unglückliche Fürst.

»Wie meinen Sie das?«

»Ich habe bei Gott nichts zugegeben. Ich weiß bis auf den heutigen Tag noch nicht, wie das alles so gekommen ist … ich … ich lief damals Aglaja Iwanowna nach, und Nastasja Filippowna fiel in Ohnmacht; und nachher hat man mir bis jetzt den Zutritt zu Aglaja Iwanowna verwehrt.«

»Ganz gleich; Sie hätten hinter Aglaja herlaufen sollen, wenn auch die andere in Ohnmacht lag!«

(http://www.zeno.org/Literatur/M/Dostoevskij,+F%C3%ABdor+Michajlovi%C4%8D/Romane/Der+Idiot/Vierter+Teil/9., S. 309 ff.)

Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass der Roman sich in der Mitte deutlich in die Länge zieht, während es am Schluss rasant zugeht: Myschkin ist krank, hat ein gutes Herz und ist naiv – dadurch hat er Chancen bei schönen Frauen, dadurch kann er diesen Frauen aber auch nicht gerecht werden, genau wie sie ihm nicht gerecht werden: Geschichte eines notwendigen Scheiterns aller Liebesversuche. Was darüber hinaus alles zum Wesen Russlands und von der Verderbnis der Sozialisten, Nihilisten und Liberalen gesagt wird, ist nicht mehr relevant; nur die „Frauenfrage“ schwirrt auch heute noch durch die Luft …

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Fjodor_Michailowitsch_Dostojewski (F.D.)

http://universal_lexikon.deacademic.com/229922/Dostojewskij (F.D.)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Idiot („Der Idiot“)

http://deutsch-daten.de/der_idiot (dito, kurz)

http://www.artikel33.com/deutsch/1/der-idiot.php (dito)

http://www.theaterhaus-jena.de/blog/dostojewski-fur-eilige-der-idiot-in-sieben-punkten-zusammgefasst/ (Inhalt – ganz kurz)

https://buchweltennotizen.wordpress.com/2012/10/09/der-idiot/ (Leseerfahrungen)

http://litteratur.ch/index.php?topic=16.0 (Leseerfahrungen)

http://www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/Idiot-mit-Dostobild.pdf (Hesse zu: Der Idiot)

http://xmartin.lima-city.de/DateienBlogKK/20131014_Dostojewskij/Dostojewskij.pdf (zu „Der Idiot“ und „Schuld und Sühne“ – schöne Einführung!)

http://www.blauenarzisse.de/index.php/rezension/item/2234-schmerz-kunst-politik-ueber-dostojewskis-idioten-und-tolstojs-kreutzersonate

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/6938/1/LuegengeneralIwolgin.pdf (Der Lügengeneral Iwolgin in „Der Idiot“)

http://www.walter-altvater.de/wordpress/wp-content/Myschkin_f0.4.pdf (Wir Myschkins. Anmerkungen zu Dostojewskis ‚Idiot’ aus der Sicht eines Idioten)

http://lesekreis.org/2007/12/10/der-schoenste-erste-satz-von-fjodor-michailowitsch-dostojewski/ (der 1. Satz – verschiedene Übersetzungen)

http://www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/7147/Totale_ted.pdf (dort S. 5 ff.)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-idiot-2098/1 (Übersetzung des Romans von Hermann Röhl)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Dostoevskij,+F%C3%ABdor+Michajlovi%C4%8D/Romane/Der+Idiot (nach der Übersetzung von Hermann Röhl – nicht besser als diese, aber mit Anmerkungen versehen)

Daneben gibt es noch die Übersetzungen von E.K. Rahsin (= Elisabeth Kaerrick), Klara Brauner, Reinhold von Walter, Rose Herzog, Arthur Luther (habe ich gelesen), R. Candreia, Hartmut Herboth und Swetlana Geier (mindestens – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und die richtige chronologische Reihenfolge!)

http://agonfilosofia.es/index.php?option=com_content&view=article&id=80:mordost&catid=8 („Der Idiot“ bei Nietzsche und Dostojewski)

http://www.imgwf.uni-luebeck.de/_data/Epilepsie_zwischen_Ph_nomen_und_Symbol_im_Werk_Dostojewskijs.pdf (Epilepsie zwischen Phänomen und Symbol im Werk Dostojewskijs)

https://archive.org/stream/Dostojewski-SkizzeZuSeinerPsychoanalyse/4_Neufeld_1923_Dostojewski#page/n5/mode/2up (Jolan Neufeld: Dostojewski. Skizze zu seiner Psychoanalyse, 1923)