Mabanckou: Die Lichter von Pointe-Noire (2017) – vorgestellt

Alain Mabanckou: Die Lichter von Pointe-Noire (deutsch 2017)

Pointe-Noire ist eine Hafenstadt von 750.000 Einwohnern im Kongo; wenn Mabanckou, der 2012 nach 23 Jahren für 12 Tage dahin zurückgekehrt ist, von seinen Begegnungen mit Menschen und Orten erzählt, hat man den Eindruck, Pointe-Noire sei ein Städtchen von höchstens 20.000 Einwohnern. Überall begegnet er den Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend: bei den Verwandten, bei seinem ehemaligen Philosophielehrer, bei den Prostituierten, im Kino, am Strand, im Gymnasium Lycée Victor Augagneur. Und in den Erinnerungen tauchen die Mythen auf, mit denen die Menschen dort in den 70er Jahren noch lebten… Nur ein Aufschneider in einem Restaurant, der ihn als Autor erkennt und ihn „einlädt“, um sich dann von ihm freihalten zu lassen, erzählt von den politischen Kämpfen um das Öl und die Präsidentschaft; aber bei ihm weiß man nicht, wie viel davon gelogen ist. Es ist ein heiteres Buch, das man mit Freude liest, auch wenn der Abschied von den Verwandten und dem Land der Kindheit immer wieder die Erzählung ein bisschen melancholisch tönt. Die schlichte Realität ist aber auch: Fast alle Verwandten schnorren und wollen vom erfolgreichen Auswanderer Bargeld geschenkt bekommen.

Ich habe im Kopf nachgerechnet: Siebzehn Jahre nach dem Tod meiner Mutter, sieben Jahre nach dem Tod meines Vaters und dreiundzwanzig Jahre nach meiner Abreise nach Frankreich bin ich in diese Stadt zurückgekehrt. Trotzdem habe ich nicht bemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Ich bin nur ein schwarzer Storch, der inzwischen länger unterwegs ist, als es seiner Lebenserwartung entspricht. Schwebenden Schrittes habe ich am Bach der Ursprünge innegehalten in der Hoffnung, eine Existenz zum Stehen zu bringen, geschüttelt von den Myriaden von Blättern, die der genealogische Baum abgeworfen hat.

Sie mag zugrunde gerichtet und von ihrer anarchischen Ausdehnung zerfressen sein, ich suche trotzdem nach Gründen, diese Stadt zu lieben.“ So hat Mabanckou schon während seines Besuches dort mit den Aufzeichnungen begonnen – er hat dabei bewusst „Afrika-Literatur“ produziert; die Lebensgefährtin, die mit ihm dort war, wird nur an wenigen Stellen kurz erwähnt. Das moderne Pointe-Noire kommt in seinem Buch praktisch nicht vor.

Rezensionen:

http://www.zeit.de/2017/41/die-lichter-von-pointe-noire-alain-mabanckou

http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/literatur-trends/alain-mabanckou-der-roman-als-kollektives-werk-a-1367234

https://www.nzz.ch/feuilleton/so-fremd-kann-nur-die-heimat-sein-ld.1325329 (sehr gute Besprechung)

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-die-lichter-von-pointe-noire-von-alain-mabanckou-100.html

Sonstiges:

https://de.wikipedia.org/wiki/Pointe-Noire (Pointe-Noire)

https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_Mabanckou (der Autor)

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