Droste-Hülshoff: Am letzten Tage des Jahres – Analyse

Das Jahr geht um…

Text

http://www.gedichtepool.de/autor/autor_d/droste.htm

http://www.g.eversberg.eu/DUpdf/FrauenLyrik.pdf (dort S. 3)

http://users.unimi.it/dililefi/CASTELLARI/Antologie/Antologia%20A&B_2011_12.pdf (dort S. 34 – diese Auswahl zeigt, welchen Stellenwert das Gedicht in der deutschen Literatur hat)

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=57

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von/Gedichte/Geistliches+Jahr+in+Liedern+auf+alle+Sonn-+und+Festtage (der unmittelbare Kontext: Das geistliche Jahr)

Drostes Gedicht „Am letzten Tage des Jahres (Sylvester)“ ist das letzte Gedicht ihres großen Zyklus „Das geistliche Jahr“; durch den klugen Kommentar Winfried Woeslers (Gedichte und Interpretationen, Bd. 4, RUB 7893, S. 147 ff.) bin ich darauf hingewiesen worden, dass man das Gedicht nicht ohne Kenntnis des Zyklus verstehen kann. Zunächst also einige Informationen zu diesem Zyklus:

„1819/20 hatte Annette von Droste-Hülshoff mit der Arbeit an ihrem ‚Geistlichen Jahr’ begonnen. Ursprünglich war das Werk – geistliche Lieder, die sich rund um das Kirchenjahr drehten – als erbauliche Lektüre für die Großmutter Anna Maria von Haxthausen gedacht, die selbst religiöse Gedichte verfasste. Die Autorin bemerkte jedoch bald, dass sich ihre Verse nicht für die fromme Großmutter eigneten, da aus ihnen ein Bekenntnis des Seelenzustandes der Droste, die von Glaubenszweifeln gequält wurde, herauszulesen waren. Sie schenkte den ersten Teil des ‚Geistlichen Jahres’ der Mutter mit einem Brief, in dem sie erklärend auf die Problematik der Gedichte einging. Therese von Droste las das Werk und legte es kommentarlos in einen Schrank. Einige Tage später nahm die dichtende Tochter das ‚Geistliche Jahr’ wieder an sich und betrachtete es fortan wieder als ihr ‚geheimes Eigenthum’.“ (http://www.nach100jahren.de/therese-von-droste/) „Fast zwanzig Jahre später nahm die Autorin die Arbeit auf Drängen ihres literarischen Mentors Christoph Bernhard Schlüter wieder auf. Im Laufe des Jahres 1839 entstanden 46 weitere Texte, deren Abfassung die Droste psychisch und physisch sehr angriff. »Das Hingeben an die rein religiöse Poesie«, schrieb sie, habe »etwas den Körper und alle Nerven zu furchtbar Erschütterndes«. Damals war die 42-Jährige bereits schwer von Krankheit gezeichnet. Sie schrieb einem Freund: »bethen Sie für mich, daß ich nicht gar zu unreif weggenommen werde, – es hat große Gefahr! der heftige Blutandrang nach dem Kopfe nimmt von Jahr zu Jahr mehr Ueberhand, und ich zweifele kaum an einem plötzlichen Ende. – doch darf ich plötzlich nennen was ich Jahre lang voraus sehe? so lassen wir Gottes Gnaden verkommen.« An Schlüter schrieb die Autorin: »Wollte Gott, ich könnte diese Lieder herausgeben, es wäre gewiß das Nützlichste, was ich mein Lebelang leisten kann, … aber es geht nicht.« Sie spielt hier auf familiäre Rücksichten an, die sie zu nehmen hatte. Als eine Art literarischer Testamentsvollstrecker gab Schlüter den Text 1851 aus dem Nachlass der Autorin heraus.“ (http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000081&article_id=00000068&SID=rawyvopflb)

Clemens Heselhaus berücksichtigt in seiner Analyse (in: Die deutsche Lyrik, Bd. II, hrsg. von Benno von Wiese, S. 159 ff.) die Textgeschichte und verschiedene Lesarten – dazu fehlen mir die Hilfsmittel; ich möchte nur die Grundzüge einer Analyse liefern. Es fällt sogleich auf, wie stark das Gedicht von der Todesthematik beherrscht wird. Dafür mag es zwei Gründe geben: a) Zum Rückblick an Silvester gehört für die Droste offenbar der Blick auf die Toten des Jahres und der Gedanke ans eigene Ende, wie das Gedicht „Silvesterabend“ zeigt:

„Am letzten Tage des Jahres
Da dacht‘ ich, wie mancher tot,
Den ich bei seinem Beginne
Noch lustig gesehn und rot;
Wie mancher am Sargesbaume
Gelacht unterm laubigen Zelt,
Und wie vielleicht auch der meine
Zur Stunde schon sei gefällt.“

b) Wichtiger ist die Tatsache, dass „Das geistliche Jahr“ das Kirchenjahr begleitet, aber nicht mit dem letzten Sonntag nach Pfingsten endet, sondern eben mit dem bürgerlichen Jahresende; gleichwohl wirkt sich die eschatologische Thematik des Kirchenjahresendes auch hier aus.

Der zeitliche Rahmen ist die letzte Stunde des Jahres vor Mitternacht (V. 3 – Läuten um Mitternacht, V. 51), die erlebt wird: „Das Jahr geht um“ (V. 1) – „Das Jahr ist um!“ (V. 54); es handelt sich jedoch um ein fiktives Erleben – die Droste war Silvester 1839 krank und hat das Gedicht im Januar 1840 geschrieben. Das Gedicht ist eine gedichtete religiöse Selbstdarstellung“ (Heselhaus); das lyrische Ich übernimmt „die Rolle des religiösen Sprechers“ (Woesler), der vorbildlich am Jahresende dem eigenen möglichen Tod begegnet, sein Gewissen erforscht, zerknirscht ist und Gott um seine Gnade bittet.

Das Ich setzt sich bewusst der letzten Stunde des Jahres aus und wird so gewahr, wie schnell das Jahr vergangen, wie der (Lebens)Faden sausend abgerollt ist (V. 1 f.). Am Bild der Sanduhr, auch „Stundenglas“ genannt, offenbart sich dem Ich die Todesnähe: Das letzte Stündchen des Jahres verweist auf die eigene letzte Stunde (V. 3, vgl. auch V. 11 f.), der Sand rieselt „in sein Grab“ (V. 4), was den Tod der einst lebendigen Zeit (Personifikation) bedeutet. Das Ich spricht die Zeit selber an (V. 10), die Todesnähe macht es schaudern (V. 10).

Vor dem Tod hat der Christenmensch sein Gewissen zu erforschen; die Katholiken waren angehalten „Reue und Leid zu erwecken“ (so z.B. in einer Sage aus Baden). Das Ich erkennt seine schlimmen Verfehlung (Str. 3), der Sturm begleitet die Gewissenserforschung (Str. 4, wird zum Bild seines schlechten Treibens, Str. 5). Der Vorwurf „Du Sündenkind!“ (V. 24) leitet zu einer neuen Selbstanklage über (Str. 5). Zum Verständnis der Trümmerbilder (5. Str.) muss man wissen, „daß die Droste den Zustand der Gott nahen Seele immer wieder im Bild des festen Gebäudes, den der Gott fernen Seele mit Hilfe der Trümmer metaphorisch ausdrückt“ (Woesler – so zum Beispiel hier oder hier).

Darauf wendet das Ich sich wieder seiner Umgebung zu (Lämpchen, 6. Str.), die Öllampe wird ihm zum Symbol des eigenen schwindenden Lebenslichts, mit Ausblick auf das offene Grab. Die hier und in V. 37-39 geäußerte Todeserwartung war in einer ursprünglich zwischen V. 36/37 eingeschobenen Strophe mit dem Hinweis auf eigene Krankheiten begründet worden (C. Heselhaus; vgl. „Am Sonntage nach Weihnachten“). Damit verbindet sich erneut die Selbstanklage (V. 40-42). Wieder wendet sich das Ich von seinem Innern nach außen und sieht einen Stern (V. 45), der ihm als Stern der Liebe (Gottes) Hoffnung und zugleich den Vorwurf der Verzagtheit macht (V. 46 ff.) – das Ich ist zutiefst unsicher, wie es vor dem richtenden Gott bestehen soll. Solche ambivalente Angst ist das Ergebnis eines Glaubens, der massiv mit Höllendrohungen operierte – schon der kleinste Fehler beim Bereuen oder Beichten konnte ewige Verdammnis nach sich ziehen („ekklesiogene Neurose“).

Da hört das Ich die Glocken zur Mitternacht läuten: „Horch, welch Gesumm?“ (V. 49) Statt dass sie ihm wie dem verzweifelten Faust Erlösung verkünden, tönen sie erneut „Sterbemelodie!“ (V. 50) Da rafft das gepeinigte Ich sich zu einem Gebet an Gott im Vertrauen auf dessen Gnade auf: „O Herr! Ich falle auf das Knie: / Sei gnädig meiner letzten Stund!“ (V. 52 f.) Der letzte Vers „Das Jahr ist um!“ nimmt V. 1 auf und rahmt so die ganze Äußerung; im Anschluss an V. 50 ff. und den Hinweis auf die letzte Stunde (V. 53) bedeutet der Vers etwa: Mein Tod ist nah, die letzte Stunde hat geschlagen.

Das Gedicht lebt vom Wechsel der Perspektive: Das Ich blickt nach außen und nach innen, es erlebt und es reflektiert das alles, was ihm dabei an Symbolen des Todes und des Gerichts begegnet. Innen- und Außenwelt greifen ineinander, wie die Personifikationen zeigen (Zeit, 9 f.; Jahr, V. 20-22; der Docht, V. 32 f.; die Glocke, V. 51).

„Das Gedicht ist alternierend gebaut, mit dem ungewöhnlichen Reimschema abcbca; die letzte Zeile bezieht sich – wiederum einen kleinen Kreis bildend [wie der Jahreszyklus, N.T.] – also jeweils auf die erste zurück. Diese durch den Reim gebundenen ersten und letzten Zeilen einer Strophe haben nur vier Silben, alle Verse einen betont männlichen Ausgang.“ (Woesler) Die vielen Enjambements lockern aber diese starre Form auf. Heselhaus hält den Wechsel von Halbversen und vollen Versen für semantisch bedeutsam – gegen solche Einsichten bin ich skeptisch. Ich schaue lieber auf die Semantik der Reime bzw. reimenden Verse: Faden sollt sich ab / Zeit rieselt ins Grab (V. 2/4, Entsprechung); was mir aus dem herzen stieg / halber Sieg (V. 15/17, Vorgang-Ergebnis). Viele Reime kann man jedoch nicht so verstehen, weil am Versende der Satz, also die Sinneinheit weitergeht (V. 9, 10, 11, 16, 19 usw.).

Woesler weist auf die Fragen hin, die sich zum Schluss des Gedichtes häufen (V. 8, 25, 35, 44-49). Sie zeigen seines Erachtens, „welche existenzielle Problematik die Autorin bewegt (…) Hier hält sie bewußt die Schwebe zwischen existenzieller Angst und fiktionaler Wirklichkeit“ (vgl. V. 37-39). Mit solchen Verweisen vom lyrischen Ich auf die Autorin muss man vorsichtig sein; ohne ausdrücklichen Nachweis biografischer Entsprechungen sind solche Verweise fragwürdig, aber der Jahreszyklus scheint doch einiges Persönliche der Droste zu enthalten. („Am Sonntage nach Weihnachten“ spricht die Droste offensichtlich von ihrer eigenen Geschichte als der einer oft Kranken.)

Ich verweise (im Anschluss an Woesler) auf einige wenige Gedichte der Droste, die unser Gedicht erhellen können: „Neujahrsnacht“, enthält christliche Reflexionen zum Jahreswechsel; „Am Pfingstmontage“, voll Spannung zwischen Zweifel und Glaubenwollen. Für das selbstquälerische Sündenbewusstsein, das in unserem Gedicht als literarische Fiktion präsentiert wird, verweise ich auf die Links zur ekklesiogenen Neurose – auch wenn manche heute meinen, solche Neurosen leugnen zu dürfen, hat es sie gegeben (und gibt es sie wohl auch heute noch).

Vortrag

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000081&article_id=00000068&media_id=00000204#Audio

Das geistliche Jahr

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Werk/Lyrik/GeistlicheGedichte

http://www.nach100jahren.de/tag/geistliches-jahr/

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Droste-HuelshoffAnnetteVon 

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz45558.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.der-schwache-glaube.de/?p=952 (dito)

http://www.nach100jahren.de/ueber-annette-von-droste/ (über die Droste)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/index.htm (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

ekklesiogene Neurose

http://de.wikipedia.org/wiki/Ekklesiogene_Neurose

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173662.html

http://religionskritik4.blogspot.de/2016/11/pathogene-religiositat.html

http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=483

http://www.stadtgottes.de/stago/ausgaben/2012/09/themen/Zwangsneurosen.php

http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/seelischestoerungen/index.html

https://portal.hogrefe.com/dorsch/ekklesiogene-neurose/

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=1643622&k_produkt=1840090

Georg Heym: Die Stadt; Der Gott der Stadt – zur Analyse

Die Stadtgedichte Georg Heyms versteht man besser, wenn man Ludwig Meidners Bild „Apokalyptische Stadt“ von 1913 (oder: Burning City; Apocalyptic Landscape) kennt. Vgl. dazu die Ausführungen von Ernst Gerhard Güsehttp://www.gymoedeme.de/anhaenge/2910/Meidner%20Apokalyptische%20Stadt,%201913,%20Münster.pdf. Vgl. auch meine Ausführungen zum Epochenumbruch um 1900!

Text des Gedichtes „Die Stadt“: http://de.wikisource.org/wiki/Die_Stadt_(Heym)http://wiki.zum.de/Großstadtlyrik_des_Expressionismus; letzter Vers anders: http://www.dr-peter-wieners.de/autoren/54032497590dbcd03/54032497590e5930f/5403249baf0797601.html; http://www.vus-ck.hr/licus/01/LiCuS_Vol.01_No.01_Moebius_Labyrinth.pdf (dort S. 82 – auch der 1. Vers anders!) – die Textgestalt ist offenbar nicht völlig gesichert. Analysen:

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-stadt,textbearbeitung,12.html (schülerhaft, schönes Bild von Meidner dabei);

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-stadt,textbearbeitung,25.html (schülerhaft-hilflos);

http://www.dr-peter-wieners.de/autoren/54032497590dbcd03/54032497590e5930f/5403249baf0797601.html;

http://www.vus-ck.hr/licus/01/LiCuS_Vol.01_No.01_Moebius_Labyrinth.pdf (im Kontext des Symbols „Labyrinth“ gesehen – problematisch, finde ich);

Grundzüge der Analyse: Die Stadt ist (personifiziert) ein dumpf lebendes Wesen; der Sprecher ist unbeteiligt, er beschreibt dieses dumpfe Leben und seine Bedrohung durch Dunkelheit und Feuer. In den beiden Quartetten des Sonetts wird die Stadt inmitten der dunklen Nacht beschrieben; in den beiden Terzetten wird zunächst das dumpfe Einerlei (vgl.V. 7 f.) als Geschehen zwischen Gebären und Sterben entfaltet (V. 9-11) – sozusagen als die innere Bedrohung des Stadtlebens, während in der letzten Strophe die äußere Bedrohung in den traditionellen Bildern beschrieben wird. Die Form des Sonetts ist also gegenüber der Blick- oder Gedankenführung eher äußerlich, eine Spannung oder ein Verhältnis zwischen Quartetten und Terzetten ist nicht erkennbar. Es gibt wenige Analysen des Gedichts, bekannter ist das andere Gedicht Heyms.

Text des Gedichtes „Der Gott der Stadt“: http://wiki.zum.de/Großstadtlyrik_des_Expressionismus#Georg_Heym_-_Der_Gott_der_Stadthttp://www.zeno.org/Literatur/M/Heym,+Georg/Gedichte/Ausgewählte+Gedichte/Der+Gott+der+Stadt u.ö. Analysen des Gedichts:

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-der-gott-der-stadt,textbearbeitung,60.html (das hinzugefügte Bild ist verfehlt!);

http://www.aknw.de/gebaute-geschichte/pdf/zusatzmaterial/1_4_Heym.pdf (im Kontext des Expressionismus);

http://herrlarbig.de/2009/02/17/georg-heym-der-gott-der-stadt/ (ähnlich);

http://www.kas.de/db_files/dokumente/7_dokument_dok_pdf_4018_1.pdf (Großstadt in der Literatur);

http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Vorlesung Prof. Hillmann)

Grundzüge der Analyse: Die Stadt mitsamt ihrer Umgebung wird im Bild des großen Gottes Baal gesehen – Baal war der Gegengott zum Gott JAHWE der Juden, also aus jüdischer Sicht ein „Götze“; das zeigt sich darin, dass auch die Kirchenglocken bei seiner Verehrung mitmachen. Er ist ein Gott des Zorns, nicht der Liebe; er ist ein vernichtender, nicht ein rettender Gott. Die Attribute der Gefahr sind die im Expressionismus üblichen: das Dunkel, das Feuer. Der Sprecher ist von diesem Geschehen beeindruckt, ohne doch persönlich irgendwie hervorzutreten (wie beim vorigen Gedicht).

Clemens Heselhaus (Deutsche Lyrik der Moderne, 1961, S. 184 f.) meint, es handele sich beim Baal nicht um eine mythische Figur, sondern um eine „poetische“ Darstellung der atmosphärischen Erscheinungen über der Stadt. „Die Mythisierung, die manche annehmen, ist nichts anderes als eine hyperbolische Metapher, erfunden, um das Verhängnis, das über modernen Städten schwebt, in einer Illustration sichtbar zu machen.“ Das zeige auch die Umdeutung der Großtstadtphänomene ins Kultische, „die ja gar nicht zum Baalsbilde stimmen will (die Kirchenglocken, der Korybanten-Tanz, der Duft von Weihrauch). Das sind rhetorische Steigerungen, unbekümmert um die religionsgeschichtliche oder zeitgeschichtliche Stimmigkeit.“ Trotzdem sei das Ganze ein Bild von halluzinatorischer Eindringlichkeit.

Sonstiges

http://www.sebastian-fischer.ch/pdf/Georg_Heym_Der_Gott_der_Stadt.pdf (zu „Der Gott der Stadt“)

http://limotee.blogspot.de/2012/08/die-stadt.html (Das Motiv der Stadt in Literatur und Film)

http://www.stavroskaragkounis.gr/pdf/PTYHIAKI_MAGISTERARBEIT.pdf (Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Die Stadt und der Krieg in der Lyrik der frühen Moderne)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

http://www.g-s-zentrum.de/files/georg_simmel-die_grosstaedte_und_das_geistesleben.pdf (G. Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, 1903)

http://ffw.denkraeume-ev.de/1-08/klassiker-wonke-stehle-1-08.pdf (Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, Zusammenfassung und Kommentar)