Brecht: Die Seeräuber-Jenny – Analyse

Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen…

Text

http://www.lyrics78.com/KURT-WEILL_B.-BRECHT—DIE-DREIGROSCHENOPER-DIE-SEER%C3%A4UBER-JENNY-LYRICS/98326/

http://www.gedichte.vu/?die_seeraeuber_jenny.html

http://www.joergalbrecht.de/es/deutschedichter.de/werk.asp?ID=881

http://www.premiumwanadoo.com/cbroise/cbroise2/text/20493b3d-995.html

Das Gedicht entstand um 1926, ursprünglich für die „Hauspostille“ konzipiert; das Motiv des von einem Mädchen erwarteten Seeräubers erinnert an Wagners Oper „Der fliegende Holländer“. Brecht entwarf selbst eine Melodie; der heutige Song wurde von Kurt Weill für seine Frau Lotte Lenya komponiert. Die „Dreigroschenoper“ wurde 1928 uraufgeführt; Polly singt das Lied auf ihrer Hochzeit im Pferdestall (I,2). Das Lied ging dann unter dem Titel „Träume eines Küchenmädchens“ als Motto des 10. Kapitels in den „Dreigroschenroman“ (1934) ein. – Zur Entstehungsgeschichte sowie zu Form und Sprache vergleiche man die beiden Würzburger Referate von 2007 (Jonen und Köhrsen, s.u.), zum „Inhalt“ das von Sophie Jonen!

Ich möchte meine Beobachtungen zum Aufbau referieren: Wenn wir die beiden Teile der einzelnen Strophe „Lied“ und „Refrain“ nennen, um sie unterscheiden zu können, sehen wir sowohl bei den vier Liedern wie bei den vier Refrains eine strenge Gleichmäßigkeit im Aufbau:

  • Im Lied wird jeweils in V. 1-4 berichtet, was gerade geschieht: real oder in der Phantasie Jennys (im Futur formuliert, ab Str. 2 zunehmend!). In V. 5 wird das Nichtwissen der „Herren“ bzw. der Bewohner der Stadt deutlich (Str. 1-3), doch in Str. 4 wird Jenny als Gefragte als die heimliche Herrin des ganzen Geschehens offenbar. In V. 6 wird von Geschrei und Getöse in der Stadt berichtet (Str. 1-3), wogegen es in Str. 4 „still“ wird. In V. 7 werden Fragen vorgetragen, wobei in Str. 4 Jenny gefragt wird, „wer wohl sterben muß“. In V. 8 spielt Jenny als „ich“ sich in den Vordergrund, als die heimlich Wissende (Str. 1, 2), als die öffentlich Hervortretende (Str. 3), als die das Köpfen Kommentierende (Str. 4). In V. 9 wird berichtet, was man dazu sagt (Str. 1-3), während in Str. 4 gesagt wird, was Jenny sagt, wenn der Kopf fällt. – Das zeigt eine Dramatisierung zur Strophe 4 hier, wo dann der Höhepunkt von Jennys Rache- und Allmachtsphantasie erreicht ist; vielleicht kann man sagen, dass in Str. 3 das von Jenny phantasierte Geschehen „kippt“.
  • Ähnlich konsequent ist der Aufbau der Refrains: Immer ein Schiff mit acht Segeln, mit 50 Kanonen an Bord (müssen die gleich Phallussymbole sein?), und dann die Steigerung: Das Schiff liegt / beschießt / wird beflaggt / entschwindet mit mir.

In der „Dreigroschenoper“ spielt Polly den Hochzeitsgästen vor, wie sie einmal „in einer dieser kleinen Vier-Penny-Kneipen in Soho“ ein Mädchen gesehen hat, eben Jenny, die diesen Song in der Konfrontation mit ihren Gästen, die sie aufzogen, vorgetragen hat. „Die Seeräuber-Jenny“ ist also ein kleines Spiel innerhalb der Dreigroschenoper und wird als solches von Matthias und Mac kommentiert (vgl. dazu auch Sophie Jonen und Arno Köhrsen).

Carl Pietzcker (siehe Datei!) stellt das Lied in die Tradition des von Dienstmädchen gesungenen Küchenliedes (S. 224 f.); es sei eine Phantasie von Wut, Triumph und Rache. – Das Verhältnis zwischen der Situation Jennys und ihrer Phantasie bestimme den Aufbau des Songs (S. 229); die Bedeutung des Schiffs zeige sich allmählich (S. 229). Jennys reale Situation trete von Strophe zu Strophe zurück (Anzahl der Verse von 4 -> 0). Im Vers „Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!“ würden Phantasie und Wirklichkeit dann eins (S. 230). „Hoppla“ sei Höhepunkt der Wunschphantasie, die dann im 4. Refrain ausläuft, sich in Nichts auflöst: kein neues Leben für Jenny, nur ein Entschwinden (S. 230).

Jenny sei eine vereinzelte, ohnmächtige Unterdrückte; die Leute, mit denen sie zu tun hat, haben für sie keinen Namen, sind „man“, aber auch der Retter hat keinen Namen (S. 230 f.). Sie genieße sich selbet beim Morden (Str. 4, V. 9), narzisstisch. Sie sei die eine, die Gute (??), die anderen seien die Bösen (??, S. 232). Pietzcker stellt dann auch noch eine Spaltung des Mutterbildes fest, die es Brecht erlaubt habe, seinen Hass auf seine Mutter verschoben zuzulassen (S. 232 f. – reichlich viel Phantasie in der Interpretation, finde ich, von gut/böse steht da auch nichts!).

Jennys Sprache sei archaisierend-biblisch (S. 233), der Pirat ein ersehnter Erlöser (S. 234); „Hoppla“ sei demgegenüber ein Stilbruch, der letzte Refrain werde zur Schnulze (S. 234 f.). Neben der Bibel seien im Song Küchenlied und Märchen als Unterschichtliteratur greifbar oder spürbar (S. 235).

Jennys Song in der „Dreigroschenoper“: mehrfach verfremdet (S. 236): Pollys Spiel innerhalb der Oper.

Interessant ist, was Pietzcker zum Vortrag des Songs durch Sängerinnen in ihrem Programm sagt: Sie könnten sich mit Jenny als Frau identifizieren, zeigten sich jedoch nur als Exekutorinnen eines Stücks Literatur (und somit distanziert gegenüber der Aggressivität des Songs), das sie nicht selber verantworten müssten (S. 237) – in der Tat gibt die außerordentliche Anzahl der im Netz greifbaren Vorträge (es gibt noch mehr!) zu denken.

Fritz Hennenberg:  „Roter Terror“ im Chansonton, in: Interpretationen. Gedichte von Bertolt Brecht. Hrsg. von Jan Knopf, 1995, S. 54 ff., interpretiert den Song wesentlich aus seiner Stellung in der „Dreigroschenoper“ (Parodie einer Hochzeitsfeier, wobei Mackie der revolutionäre Inhalt des Textes gar nicht gefalle) und als Musikstück: „Brecht wünschte sich seine Gedichte gesungen. Nur so konnten sie de von ihm angestrebten ‚Gebrauchswert’ bestätigen und populär werden; eingeschlossen in Bücher, drohte ihnen das Abseits als feinsinnige Literatur…“ (S. 60)

http://www.phil1.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010200/user_upload/Mitarbeiter/Will/ss_2007_ps_02_seeraeuberjenny.pdf (Sophie Jonen – aus Gründen des Datenschutzes inzwischen gelöscht)

http://www.phil1.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010200/user_upload/Mitarbeiter/Will/ss_2007_ps_01_seeraeuberjenny.pdf (Arno Köhrsen – aus Gründen des Datenschutzes inzwischen gelöscht)

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3474/pdf/Pietzcker_Wut_hinter_Gittern.pdf (Carl Pietzcker)

http://www.lyc-luynes.ac-aix-marseille.fr/spip/IMG/pdf/seerauber_jenny.pdf (Text mit Mini-Analyse)

http://www.staff.uni-oldenburg.de/ritzel/Material/KeillSingen.htm (Über das Singen von Weill-Songs)

http://www.nthuleen.com/papers/711brecht.html (Musik in frühen Opern Brechts)

http://home.eduhi.at/teacher/j.lischka/dreigroschenoper.htm (über die Dreigroschenoper)

http://www.theaterdo.de/uploads/events/downloads/Begleitmaterial_Dreigroschenoper.pdf (dito – Material für Lehrer)

http://www.berliner-lindenblatt.de/content/view/377/445/ (der Song in der Oper – Geschichte)

http://hegewald.wordpress.com/tag/brecht/ (Lotte Lenya und der Song)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=vXPPjbSLcJg (Frauke Bröcker)

http://www.youtube.com/watch?v=ur1FUA26ooQ (Hildegard Knef)

http://www.youtube.com/watch?v=Ec0clERjQ5A&gl=DE&hl=de (Lotte Lenya)

http://www.youtube.com/watch?v=1614mfbjrIo (1930)

http://www.youtube.com/watch?v=WdvjqL6uD8o (Armanda Palmer)

http://www.youtube.com/watch?v=wVwF4PeJ2ik (dito)

http://www.youtube.com/watch?v=Na1LiqafPj4

http://www.juzp.net/9qD-0Df2zYiiO

http://www.juzp.net/4MJfNPCaF40M- (gut)

http://www.youtube.com/watch?v=XnezJ_d4n9E (Eva Meier)

http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=texPM67ue40 (SLUT)

http://www.youtube.com/watch?v=uVAf2ixp9y4 (Fynn Rain)

http://www.youtube.com/watch?v=aXiJlvwIZ7M (Marlene D.)

http://www.youtube.com/watch?v=UCew6IiDmuI (Muziekcoach)

http://www.youtube.com/watch?v=20pS9SkMRJY (Marla Weedermann)

http://www.youtube.com/watch?v=LDrvaCbTIN8 (Sandra Uittenboogaart)

http://www.youtube.com/watch?v=caIh22l9Li0 (Marya Mysteria?)

http://www.youtube.com/watch?v=r5HOGrodG3Q (Amateuse)

http://www.youtube.com/watch?v=h_kUZ0J6ksg (dito: nicht schlecht!)

http://www.youtube.com/watch?v=nv-08WJTveE (Navina Heyne)

http://www.songgruppe.arbeiterlieder.de/lieder/daten/jenny.mp3

http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoafJIP7.html (Klara Csordas)

http://www.youtube.com/watch?v=Bfoku231LTg (Irena – mäßig)

http://www.youtube.com/watch?v=nXDHWFNKwI4 (Lena Schlott)

http://www.youtube.com/watch?v=F7PMHP5Cn0Q (Tatjana Aton)

http://www.youtube.com/watch?v=_5cHEtVB6Ik (Viola Kobakowski)

http://www.youtube.com/watch?v=7cm52MjqC20 (Doris Lamprecht)

http://www.youtube.com/watch?v=n9BNMbGfBZU (Ute Lemper: englisch)

http://www.youtube.com/watch?v=ZrkEhMy8G3o (im Kontext der Oper)

Rezeption

http://www.dekanat-hof.de/download/steffkirchentag05.pdf

http://www.magyarulbabelben.net/works/de/Brecht,_Bertolt/Die_Seer%C3%A4uber-Jenny/hu/17338-Kal%C3%B3z_Jenny (Übersetzung ins Ungarische)

http://www.kirchturmblick.de/ktb3610.html

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Brecht: Die Moritat von Mackie Messer – Analyse

Und der Haifisch, der hat Zähne…

Text und Textgeschichte:

http://www.arbeiterlieder.de/messer.htm (Fassung 1928: Die Dreigroschenoper)

http://multishow.globo.com/musica/hildegard-knef/dreigroschen-finale-iii/ (die drei Schluss-Strophen des Films, 1930: „Und so kommt zum guten Ende / Alles unter einen Hut…“)

http://www.deu.anarchopedia.org/Bertolt_Brecht/Lieder/Die_Moritat_von_Mackie_Messer (Fassung 1948, in: Hundert Gedichte, 1951)

Struktur:

In den beiden ersten Strophen wird die Eigenart Mackies in Konfrontation mit dem Haifisch beschrieben:

Haifisch       hat Zähne             die sieht man

* Mackie      hat ein Messer     das sieht man nicht

Haifisch       hat Flossen rot     wenn er Blut vergießt

* Mackie      hat Handschuh   (man sieht nichts)

Mackie ist also noch gefährlicher als der Hai, dessen Gefährlichkeit ihm ins Gesicht geschrieben ist. (Hier fällt einem direkt die Keunergeschichte ein: Wenn die Haifische Menschen wären, http://antispe.de/txt/brechthaifische.html)

Für das Wirken des derart charakterisierten Mackie Messer werden Beispiele in Str. 3-8 berichtet. In der neunten Strophe wird eine weitere Untat berichtet, doch der Moritatenerzähler wendet sich (rhetorisch) direkt an Mackie und fragt ihn: Welches war dein Preis? Dabei bleibt allerdings offen, wofür Mackie gezahlt hat (oder wofür er bezahlt worden ist?).

Diese Moritat ist das Vorspiel der Dreigroschenoper: Mackie wird zusammen mit den übrigen Hauptakteuren eingeführt – nicht ohne Ironie: Die Bettler betteln und so weiter, ein Moritatensänger singt eine Moritat, alles geht seinen Gang. Mackie geht rasch über den ganzen Platz weg…

[In der Endfassung von 1948 entfallen die 3. und die 7. Strophe; dafür kommen als 8. und 9. neu hinzu:

Und die Fische, sie verschwinden
Doch zum Kummer des Gerichts:
Man zitiert am End den Haifisch
Doch der Haifisch weiß von nichts.

Und er kann sich nicht erinnern
Und man kann nicht an ihn ran:
Denn ein Haifisch ist kein Haifisch
Wenn man’s nicht beweisen kann.

Damit wird das Gedicht formal abgerundet: Das Haifischthema des Anfangs wird wieder aufgegriffen, Mackie wird mit dem Haifisch (indirekt) identifiziert; auch das Nichtwissen der Strophen 3 ff. wird aufgenommen. Am Ende steht jetzt die scheinbar paradoxe Formel, dass ein Haifisch kein Haifisch ist, falls… – damit wird die Praxis einer korrupten Justiz angeklagt, wie es auch schon im Stück geschehen ist (dass die Richter nämlich nicht dazu bestochen werden können, gerecht zu urteilen, 3. Akt).]

Form:

Umgangssprache, vier Verse pro Strophe, Trochäus mit vier Hebungen pro Vers; ein Satz geht über zwei Verse, nur der jeweils zweite und vierte Vers reimen sich; die Reimwörter sind alle endbetont (männliche Kadenz), oft einsilbige Wörter, sodass dem Trochäus eine Silbe fehlt, was eine kleine Pause im Sprechen bewirkt. Ach, es wird ja gesungen – ja, da ist nach jeweils zwei Takten des Trochäus eine kleine Pause.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=kY-yMPd4LYc

http://www.youtube.com/watch?v=NLHkVDUV2dE

http://www.youtube.com/watch?v=7YwQmrqoJPg

http://www.youtube.com/watch?v=hd-_-Avzvok

http://www.youtube.com/watch?v=O-dQvWhZxNE&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=hRyDB4RWJdw&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=SHFXEPYU0FQ&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=hLIrS5dtTZI&feature=related usw.

http://www.gedichte.vu/?mackie_messer.html (Text und Vortrag)

Analyse

http://www.phil1.uni-wuerzburg.de/fileadmin/05010200/user_upload/Mitarbeiter/Will/ss_2007_ps_02_moritat.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Moritat_von_Mackie_Messer

http://www.manuel-landers.de/LAdata/lyrik/MackieMesser.pdf

Bänkelsang/Moritat

http://www.wortmagier.de/img/werk/1/1180477451.pdf

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/moritat-baenkelsang-100.html

http://universal_lexikon.deacademic.com/64913/B%C3%A4nkelsang

http://de.wikipedia.org/wiki/Moritat

Zur „Dreigroschenoper“

siehe https://norberto42.wordpress.com/2012/11/06/brecht-lied-von-der-unzulanglichkeit-menschlichen-strebens-zur-analyse/

Brecht: Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens – zur Analyse

Der Mensch lebt durch den Kopf …

Die Ballade gibt es unter zwei Namen: „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“ und „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“. Das Lied wird im III. Akt der Dreigroschenoper vorgetragen.

Kontext:

Der Bettlerkönig Peachum, der seine Tochter an den Straßenräuber Mackie Messer verloren hat, will diesen unschädlich machen (lassen). Polizeipräsident Brown ist allerdings ein alter Freund Mackies, deshalb will er Peachum mitsamt seinen Bettlern einsperren. Als er bei Peachum erscheint, droht dieser damit, die Krönungszeremonie durch den Aufmarsch der hässlichsten Bettler zu stören: Browns Vorhaben misslingt. Da singt Peachum zur „Belehrung“ Browns das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens. [Siehe auch unten: Zur „Dreigroschenoper“!]

Text:

http://blocati.de/2006/11/09/ballade-von-der-unzulaenglichkeit-des-menschlichen-planens/ oder

http://sequenz1.wordpress.com/2006/01/16/ballade-von-der-unzulanglichkeit-des-menschlichen-planens/ oder

http://lyrikline.org/index.php?id=162&L=0&author=bb01&show=Poems&poemId=770&cHash=2c29c4496f (mit Vortrag des Liedes!)

Struktur:

Das Lied besteht aus vier Strophen à vier Zeilen, denen vier Refrains à vier Zeilen antworten. Strophe und Refrain bilden eine Einheit: In der Strophe wird einem allgemeinen „Du“ (dem Menschen) ein Rat gegeben; zugleich wird erklärt, wieso der nicht zum Ziel führt [außer in der 4. Strophe, aber da wird ja auch dazu geraten, dem Menschen auf den Hut zu hauen]. Im Refrain folgt dann die Begründung, wieso der Rat fehlschlagen muss:

1. Versuche nur, von deinem Kopf zu leben; das scheitert;

  • denn der Mensch ist für dieses Leben nicht schlau genug.

2. Mach nur einen Plan; der scheitert;

  • denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht genug.

3. Renn nur nach dem Glück; das scheitert;

  • denn für dieses Leben ist der Mensch nicht anspruchslos genug.

4. Hau ihn (den Menschen) auf den Hut; vielleicht wird er dann gut;

  • denn für dieses Leben ist der Mensch nicht gut genug.

Im Stück sind die 3. und die 4. Strophe durch einen Dialog Peachums mit Brown getrennt; Peachum bringt Brown dazu, Mackie verhaften zu lassen, damit er gehängt wird.

Es gibt einen Gedichtvergleich (mit Heine: Auf den Flügeln des Gesanges) im Internet.

Form:

Die Strophen sind im Jambus gesprochen, Umgangssprache, jeweils drei Takte, nur der dritte Vers besteht aus vier Takten. Der Refrain wird im Trochäus gesprochen, jeweils drei Takte, nur der zweite Vers besteht aus vier Takten. Da angesprochene „Du“ (V. 3 usw.) ist „der Mensch“ (V. 1 usw.).

Funktion und Inhalt der Songs in der „Dreigroschenoper“

* Die Gesangsweise ist vorwiegend Sprechgesang, melodiös sind allenfalls die Refrains.

* Die Instrumentierung ist eher grell, schrill,(Bläser, Schlagzeug), der Charakter der Musik zwischen jazzig-aggressiv und sanft-schmalzig. Insgesamt kann die Musik bizarr genannt werden

* Die Songs und Balladen sind dramaturgisch aus der Handlung herausgehoben (Licht, Tafel…).

* Sie stehen in einem inhaltlich gebrochenen Verhältnis zur Handlung (Einschübe und Zwischenspiel).

* Das Ich der Songs ist selten identisch mit der Figur des Singenden, z.B. Seeräuber-Jenny, Kanonensong, …

* Die Songs variieren allesamt ein Thema: Was oder wie ist der Mensch?

– Der Mensch ist unmoralisch.

– Er ist materialistisch und abhängig von seinen sexuellen Trieben.

– Er ist ohne Ideale bzw. immer bereit, diese zu verraten

– Er ist unverbesserlich schlecht.

– Fazit: Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier ohne Moral und Ideal! (Klaus Dautel, http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Brecht/dgo_songs.htm)

Vortrag:

http://www.youtube.com/watch?v=Oe1SxQ75NUc (als Lied)

http://www.youtube.com/watch?v=FSk3TG5czcg (dito, von Brecht)

= http://www.youtube.com/watch?v=WENkquBHchM

http://www.deutschelyrik.de/index.php/das-lied-von-der-unzulaenglichkeit-922.html (Fritz Stavenhagen, mit Text)

= http://www.deutschelyrik.de/index.php/das-lied-von-der-unzulaenglichkeit.html

Zur „Dreigroschenoper“:

http://www.dieterwunderlich.de/Brecht_dreigroschenoper.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Dreigroschenoper

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Brecht/dgo_inhalt.htm

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/20JhdtLiteratur/V.%20Brecht%20-%20Die%20Dreigroschenoper.pdf

Materialien:

http://www.muenchner-volkstheater.de/Presse/Schulmaterial/Schulmaterial_Dreigroschenoper.pdf

http://195.145.96.95/Unter-projekte/Unterrichtsprojekte/Deutschprojekte/brecht/drama/3groschn.htm

http://www.theaterdo.de/uploads/events/downloads/Begleitmaterial_Dreigroschenoper.pdf

www.aaroneckstaedt.de/LeSaatsarbeit.pdf