Enzensberger: M. A. B. / Gedichte

M. A. B. (1814 – 1876)

Ich wünschte nur eines, rief er, das Gefühl der Empörung

das mir heilig ist, bis an mein Ende ganz und voll zu bewahren! –

Marktschreier, Dickkopf, verdammter Kosak! – Das ist die Liebe

zum Phantastischen, ein Hauptfehler meiner Natur. – Mohammed

ohne Koran! – Die Ruhe bringt mich zur Verzweiflung. – Ein Gaukler,

ein Papst, ein Ignoramus! – Sein Herz und sein Kopf sind aus Feuer.

*

Ja, Bakunin, so muß es gewesen sein. Ein ewiges Nomadisieren,

närrisch und selbstvergessen. Unerträglich, unvernünftig, unmöglich

warst du! Meinetwegen, Bakunin, kehr wieder, oder bleib wo du bist.

*

Eine lange Gestalt in blauem Frack auf den Dresdener Barrikaden,

mit einem Gesicht, darin sich die roheste Wuth ausdrückte. Feuer

ans Opernhaus! Und als alles verloren war, verlangte er, in der Hand

die Pistole, von der Provisorischen Revolutions-Regierung,

sie möge sich (und ihn) in die Luft sprengen. (Merkwürdige Kaltblüthigkeit.)

Mit großer Mehrheit lehnten die Herren den Antrag ab.

*

Erinnerst du dich, Bakunin? Immer dasselbe. Natürlich hast du gestört.

Kein Wunder! Und du störst heute noch. Verstehst du? Du störst

ganz einfach. Und darum bitte ich dich, Bakunin: kehr wieder!

*

Verhört, an die Wand geschmiedet in den Olmützer Kasematten,

zum Tod verurteilt, nach Rußland verschleppt, begnadigt zu ewigem Kerker:

ein höchst gefährlicher Mensch! In seine Zelle läßt ihm ein Gönner

einen Flügel von Lichtenthal bringen. Die Zähne fallen ihm aus.

Für seine Oper Prometheus erfindet er eine süße, klagende Melodie,

zu deren Takt er in kindlicher Weise sein Löwenhaupt wiegte.

*

Ach, Bakunin, das sieht dir ähnlich. (Sein Löwenhaupt wiegte:

noch zwanzig Jahre danach, in Locarno.) Und weil es dir ähnlich sieht,

und weil du uns doch nicht helfen kannst, Bakunin, bleib wo du bist.

*

Verbannt nach Sibirien, und den eisblauen Amur entlang geflohen

über das Stille Meer, auf Dampfseglern, Schlitten, Pferden,

Expreßzügen, quer durch das wüste Amerika, sechs Monate lang

ohne Aufenthalt, endlich, in Paddington, kurz vor Neujahr,

aus dem Hansom gestürzt, die Treppe hinauf, in Herzens Arme

warf er sich und rief aus: Wo gibt es hier frische Austern?

*

Weil du, mit einem Wort, unfähig bist, Bakunin, weil du nicht taugst

zum Abziehbild zum Erlöser zum Bürokraten zum Kirchenvater

zum rechten oder zum linken Bullen, Bakunin: kehr wieder, kehr wieder!

*

Zurück im Exil. Nicht nur das Grollen des Aufruhrs, der Lärm der Clubs,

der Tumult auf den Plätzen; auch die Bewegtheit des Vorabends,

auch die Absprachen, Chiffren, Losungen machten ihn glücklich.

Großer Obdachloser, verfolgt von Gerüchten, Legenden, Verleumdungen!

Magnetisches Herz, naiv und verschwenderisch! Er schimpfte und schrie,

ermunterte und entschied, den ganzen Tag und die ganze Nacht.

*

Nicht wahr? Und weil deine Tätigkeit, dein Müßiggang, dein Appetit,

dein ewiges Schwitzen sowenig von menschlichem Ausmaß sind

wie du selber, darum rate ich dir, Bakunin, bleib wo du bist.

*

Sein Biograph, der Allwissende, sagt: Er war impotent. Aber Tatjana,

die kleine verbotene Schwester, Harfe spielend im weißen Herrenhaus,

machte ihn rasend. Zwar seine drei Kinder sind nicht von ihm.

doch Necaev, dem Mythomanen, dem Mörder, dem Jesuiten, Erpresser

und Märtyrer der Revolution, schrieb er: Mein kleiner Tiger, mein Boy,

mein wilder Liebling! (Der Despotismus der Erleuchteten ist der ärgste.)

*

Ach, schweigen wir von der Liebe, Bakunin. Sterben wolltest du nicht.

Du warst kein politökonomischer Todesengel. Du warst verworren

wie wir, und arglos. Kehr wieder, Bakunin! Bakunin, kehr wieder.

*

Endlich die Nacht in Bologna. Es war im August. Er stand am Fenster.

Er lauschte. Nichts regte sich in der Stadt. Die Turmuhren schlugen.

Die Insurrektion war gescheitert. Es wurde hell. In einem Heuwagen

versteckte er sich. Den Bart abrasiert, im Habit eines Pfarrers,

ein Körbchen Eier im Arm, mit grüner Brille, am Stock zum Bahnhof

ist er gehumpelt, um in der Schweiz zu sterben, im Bett.

*

Das ist jetzt schon lange her. Es war damals wohl zu früh, wie immer,

oder zu spät. Nichts hat dich wiederlegt, nichts hat dich bewiesen,

und darum bleib, bleib wo du bist, oder, meinetwegen, kehr wieder.

*

Enorme Fleisch- und Fettmassen, Wassersucht, Blasenleiden.

Polternd lacht er, raucht unablässig, keucht, vom Asthma gehetzt,

verschlüsselte Telegramme liest er und schreibt mit sympathetischer Tinte:

Ausbeuten und Regieren: ein- und dasselbe. Er ist aufgedunsen und zahnlos.

Alles bedeckt sich mit Tabaksasche, Teelöffeln, Zeitungen. Vor dem Haus

tänzeln die Spitzel. Überall Wirrwarr und Schmutz. Die Zeit verrinnt.

Nach Polizei riecht Europa immer noch. Darum, und weil es nie und nirgends,

Bakunin, ein Bakunin-Denkmal gegeben hat, gibt oder geben wird,

Bakunin, bitte ich dich: kehr wieder, kehr wieder, kehr wieder.

(Text nach „Literatur und Studentenbewegung. Eine Zwischenbilanz“, hrsg. von W. Martin, Wiesbaden 1977, S. 112 f. – ein google-Buch; die Sternchen markieren die verschiedenen Strophen – sie gehören nicht zum Text, sondern sind von mir gesetzt, weil wordpress keine Leerzeilen erlaubt.)

Eine größere Sammlung von Enzensbergers Gedichten gibt es hier; www.literaturundkunst.net/hans-magnus-enzensberger-„der-tausendsassa-gedichte-1950-2010/ (vier Gedichte); http://www.liberley.it/e/enzensberger.htm (Stand 2009, viele Links veraltet)

Eine wdr-Sendung 2015 von Manon Jungmann stellte folgende Gedichte zusammen:

Utopia (http://www.zyrano.de/freetext/enzensberger.htm)

Die Macht der Gewohnheit (http://wortgarage.myblog.de/wortgarage/art/8359397/Die-Macht-der-Gewohnheit)

Episode: –

Weiterung (http://www.planetlyrik.de/hans-magnus-enzensberger-beschreibung-eines-dickichts/2011/11/)

Gedankenflucht (http://cms.bistum-trier.de/bistum-trier/Integrale?MODULE=Frontend.Media&ACTION=ViewMediaObject&Media.PK=41316&Media.Object.ObjectType=full – unvollständig?)

An einen Ratsuchenden (http://missmarplespoesiealbum.blog.de/2008/01/22/an_einen_ratsuchenden_hans_magnus_enzens~3614921/)

Die Zerknirschung (http://www.dphv.de/fileadmin/user_upload/wettbewerbe/lyrix/2010/06Jun/lyrix_Unterrichtsmaterialien_Enzensberger_Juni_DPhV.pdf)

Friedensgespräche: –

Unterlassungssünden (http://anschnallenoderloslassen.blogspot.de/2014/04/unterlassungssunden.html)

Der fliegende Robert (http://www.chbeck.de/fachbuch/zusatzinfos/leseprobe_ulrich-greiners-leseverf%C3%BChrer_978-3-406-53644-1.pdf, dort S. 15)

Die Visite (http://www.mblue.de/gedichte/enzensberger_visite.htm)

Eventuell: –

Verlustanzeige (http://classes.colgate.edu/dhoffmann/germ479f98/private/jprellwitz/titanic2.jprellwitz.htm)

Gegebenenfalls: –

Identitätsnachweis: –

Middle Class Blues (http://www.muenstergass.ch/blog/?p=641)

Litanei vom Es (http://www.elmshorn.de/INTERNET/Kultur-Freizeit/Tourismus/Sehenswertes/Ausflugsziele-in-Elmshorn/Litanei-vom-ES)

———- Weitere Gedichte u.a.:

http://deutschsprachigedichtung.blogspot.de/2013/09/hans-magnus-enzensberger.html (Kopfkissengedicht) http://ethikpost.blogspot.de/2012/07/dafur-wie-du-die-knie-biegst-hans.html Kopfkissengedicht

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/frankfurter-anthologie/gedicht-interpretation-lesung-nuernberg-1935-von-hans-magnus-enzensberger-12559526.html (Nürnberg 1935)

https://mfx.dasburo.com/poe/enz.html Die Scheiße = http://www.scheisse-museum.de/ins-museum/literatur/

http://www.bamberger-onlinezeitung.de/2013/02/08/return-to-sender-gestatten-hans-magnus-enzensberger-homme-de-lettres/ gestatten…

http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/leichteralsluft-r.htm Arme Kassandra

http://www.goethe.de/ins/es/bar/prj/lit/aag/enz/les/deindex.htm Leichter als Luft

http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/gedichte/hme/oberstufe.shtml Ins lesebuch, vgl. http://www.keinverlag.de/texte.php?text=350669

https://deutschunterlagen.files.wordpress.com/2014/12/enzensberger-gedichte.pdf (Die Scheiße; Der Unverwundbare; Zur Frage der Reinkarnation; Haustier; Zur Frage der Bedürfnisse; Der Krieg, wie)

http://www.gesamtschule-wanne-eickel.de/allerlei/gedichte-der-monate-liste/386-gedicht-des-monats-06-2010.html call it love

http://ullakaradeniz.com/hme-ag.html Privilegierte Tatbestände

http://www.mblue.de/gedichte/enzensberger_visite.htm Die Visite vgl. http://www.lyrik-projekt.de/gedichtbeispiele/die_visite.htm

http://www.predigten.de/predigt.php3?predigt=5884 Empfänger unbekannt

http://www.litde.com/gedichte-aus-unserer-zeit-interpretationen/an-alle-fernsprechteilnehmer-hans-magnus-enzensberger.php An alle fernsprechteilnehmer

http://www.mathehotline.de/deutsch4u/hausaufgaben/messages/65/7127.html Konjunktur

http://www.abipur.de/referate/stat/639998635.html Bildzeitung

http://aclassen.faculty.arizona.edu/sites/aclassen.faculty.arizona.edu/files/Enzensberger.Auswahl.pdf (Trigonometrischer Punkt; Windgriff; Schattenreich; Schattenbild; Das Blumenfest; Das leere Haus; Himmelsmaschine; Schwarz-Weiß-Zeichnung; An Niccolo Macchiavelli…; Über die Schwierigkeiten der Umerziehung)

http://cmo.jmf-gym.org/index.php?option=com_content&view=article&id=7&Itemid=148&jsmallfib=1&dir=JSROOT/Gedichte&download_file=JSROOT/Gedichte/Enzensberger%2C+Landessprache.pdf Landessprache

http://oldschool.pableo.de/gedi.htm Über die Schwierigkeiten der Umerziehung

http://www.dphv.de/fileadmin/user_upload/wettbewerbe/lyrix/2010/06Jun/lyrix_Unterrichtsmaterialien_Enzensberger_Juni_DPhV.pdf Die Zerknirschung

http://www.sezession.de/1578/das-maerz-gedicht.html Leuchtfeuer

http://horslesmurs.ning.com/profiles/blogs/1302569:BlogPost:42894 Gedicht für die Gedichte nicht lesen = http://zeittotschlaeger.blogspot.de/2010/12/gedicht-fur-die-gedichte-nicht-lesen.html = http://www.stiftikus.de/pollyrik/HMEgedic.doc (mit kurzer Analyse)

http://www.uni-goettingen.de/de/mythen-brauchtum-und-dichtung/305466.html Aesculus hippocastanum

http://www.poetry.de/showthread.php?t=30918 Autobahndreieck Feucht

http://www.petergoergen.de/app/download/5779386725/enzensberger.rtf (Gnade; Die Visite; Fischmesser und Ideen; Kleine Theodizee; Tiefe Töne in Liepaja)

http://files.schulbuchzentrum-online.de/onlineanhaenge/files/171473_probeseiten.pdf Trennung

http://www.colegioaleman.edu.co/Sprachdiplom/dsd2oral/altesmedium.htm Altes Medium

http://www.impurismus.de/zb-enzensberger.pdf April

http://houseboathouse.blogspot.fr/2014/02/hans-magnus-enzensberger-homage-to.html (Die Verschwundenen; Freizeit; Zungenwerk; Für Karajan und andere; Eine Beobachtung beim Austausch von Funktionseliten; Der Untergang der Titanic – Erster und Zwölfter Gesang)

http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autore/enzens.html

http://jacketmagazine.com/17/enz-robot.html#xlist Einladung zu einem Poesie-Automaten

http://www.deutschboard.de/topic,3318,-gedicht-poetik-vorlesung.html Poetik-Vorlesung

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-32092775.html SPIEGEL-Gespräch 1957

http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000005206/DissKoschnick.pdf (Enzensbergers Literaturbegriff, eine Diss.)

http://www.pausenhof.de/forum/enzensberger/27067 (Links zu HME)

Vgl. auch die Links in den Artikeln

https://norberto42.wordpress.com/2015/07/05/enzensberger-verteidung-der-wolfe-gegen-die-lammer-analyse/ und

https://norberto42.wordpress.com/2015/06/08/enzensberger-der-untergang-der-titanic-text-inhalt-ubersicht/

Enzensberger: Schwacher Trost – Analyse, Aufbau

Der Kampf aller gegen alle soll…

Den Text des Gedichtes (aus „Der Untergang der Titanic“, 1981, zwischen dem 17. und 18. Gesang) gibt es nur auf der Seite www.literaturundkunst.net/hans-magnus-enzensberger-„der-tausendsassa-gedichte-1950-2010/, allerdings ohne Stropheneinteilung (à 6 Verse).

Dieses Gedicht ist um die Bücher „Leviathan“ (1651, von Thomas Hobbes) und „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (1902, von Peter Kropotkin) und um die damit verbundenen Erfahrungen herum gebaut. Zuerst sollen deshalb kurz die beiden Bücher vorgestellt werden:

„Im Naturzustand wird der Mensch als frei von Einschränkungen der historischen Moral, der Tradition, des Staates oder etwa der Kirche vorgestellt. Aus Hobbes’ Menschenbild ergibt sich, dass in einem solchen Naturzustand Gewalt, Anarchie und Gesetzlosigkeit herrschen; die Menschen führen – in Hobbes negativem Weltbild – einen „Krieg aller gegen alle“ (bellum omnium contra omnes), in dem „der Mensch (…) dem Menschen ein Wolf [ist]“. […] Rein vernünftige Gesetze reichen nicht aus, um den Naturzustand zu beenden und den allgemeinen Frieden einzuleiten. Da sie aus Worten bestehen, seien sie nicht genügend furchteinflößend und wirkungsvoll, so Hobbes. Stattdessen erwächst diesem Zustand daher vielmehr die Notwendigkeit einer übergeordneten, allmächtigen Instanz, die die Einhaltung allgemeiner Gesetze gebietet und ihre Verletzung mit Strafen belegt. Indem die Gesetze allgemein gelten, besteht zwischen den Bürgern des Staates kein allgemeiner Anlass zur Furcht mehr – sie können erwarten, dass jeder vor ihnen die Strafen des Leviathans fürchtet. Dadurch bietet dieser Sicherheit und Schutz und ermöglicht eine Verfolgung der eigenen Leidenschaften innerhalb des durch die Gesetze gegebenen Rahmens.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_%28Thomas_Hobbes%29, 13.07.2015)

Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (englischer Originaltitel Mutual Aid: A Factor of Evolution) ist ein 1902 erschienenes Buch von Peter Kropotkin. Die Thesen herkömmlicher sozialdarwinistischer Auffassungen kritisierend, stellt er dem Kampf ums Dasein das Konzept der Gegenseitigen Hilfe gegenüber und sieht beide zusammen als Faktoren der Evolution. (https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe_in_der_Tier-_und_Menschenwelt, 13.07.2015)

Das Gedicht beginnt im Stil einer Nachricht (V. 2 f.) mit einer paradoxen Meldung, dass nämlich der „Kampf aller gegen alle“ demnächst verstaatlicht werde (V. 1-5), mit ausdrücklichem (ironischem) Bezug auf Hobbes (V. 6). Paradox ist diese Meldung deshalb, weil nach Hobbes der Kampf aller gegen alle durch die Institution des Staates und seine Gesetze (s.o.) gerade beendet werden sollte. Es folgt eine Art Kommentar (V. 7-12 bzw. 7-19): Hier wird erklärt, wieso im Staat der Kampf aller gegen alle fortgesetzt wird, „mit ungleichen Waffen“ (V. 7) wie Steuerklärung und Fahrradkette. Dass eine Fahrradkette eine Waffe sein kann, leuchtet ein; aber das dies auch für die Steuererklärung gelten soll, überrascht ein wenig – ein wenig nur, weil es indirekt eine Erklärung Brechts aufgreift: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?“ – Die Dreigroschenoper (Druckfassung 1931), III, 9 (Mac) Mit einer falschen Steuererklärung kann ein Reicher entsprechend Steuern sparen und so den Armen, der darauf angewiesen ist, bekämpfen (V. 8 f.). Dass die Gründung von Gewerkschaften für Verbrecher erwogen wird (V. 10-12), spitzt die Unrechtmäßigkeit des Rechtsstaats paradox zu.

Der Kommentar wird satirisch fortgesetzt (V. 13-18): Dass man Kropotkins Buch im Knast lesen kann, was als „aufgeschlossen bis dort hinaus“ (V. 13) bewertet wird, ist ein Widerspruch in sich: Kropotkin zu lesen hilft einem Häftling nämlich überhaupt nichts (vgl. V. 18 – dieser Vers gibt die Überschrift ab).

V. 19-30 hat den Charakter eines Statements oder einer Verlautbarung („Wir haben mit Bedauern vernommen…“): dass es Gerechtigkeit weder gibt noch je geben wird, wo doch Gerechtigkeit herzustellen eine Haupträson des Staates ist. Die Spekulation über die möglichen Ursachen dieses Defizits (V.25 ff.) ist massiv satirisch: Hier werden Dinge zusammengestellt, die nichts miteinander zu tun haben. Der satirische Ton beherrscht auch die Fortsetzung im Stil eines Kommentars (V. 31-36 – hier bezeichnet das Pronomen „wir“ alle Menschen), einmal einer makabren Zuspitzung (V. 33 f.), sodann in der Bewertung, dass eine Erklärung unserer Wildheit zu finden (statt sie abzustellen, also die Verhältnisse zu ändern!) schön wäre, „Balsam für die Vernunft“ (V. 36) – nein, Balsam und Zeichen von Vernunft wäre es, die scheußlichen Unmenschlichkeiten zu verhindern.

Es folgt ein großes Finale voller Zynismus, darin dem letzten Kommentar (V. 31 ff.) verwandt: dass die tägliche Scheußlichkeit uns wenig (w-Alliteration) wundert (wenn auch ein bisschen stört), dass aber alle Akte von gegenseitiger Hilfe (s. Kropotkin!) „rätselhaft“ anmuten (V. 39 bzw. 39-42). Es folgen einige Beispiele, die als lobenswert bezeichnet werden (V. 43 ff.) – und dann ein harter Schnitt: „und wir legen die Zeitung weg“ (V. 55). Dass wir solche Taten der Zeitung entnehmen, zeigt, dass sie uns bloß zur Unterhaltung dienen, aber nicht als Vorbilder; dass sie nicht unserer realen Erfahrung entstammen wie „die tägliche Scheußlichkeit“ (V. 37). Wir „freuen uns, achselzuckend“ (V. 56), darüber, sie gehen uns nichts an. Das wird durch den abschließenden Vergleich vollends deutlich: Solche Nachrichten konsumieren wir wie einen Schmachtfetzen im Kino (V. 57 ff.), danach gehen wir zurück in die reale Welt, können endlich eine Zigarette rauchen – und uns wieder dem Kampf gegen alle anderen widmen.

Enzensberger: Der Ablaß – zum Verständnis

Ihr wißt nicht, wovon ich rede. Klar…

Text: http://walterswunderbarewelt.com/2010/07/12/ablass/ (Schriftbild: „Ablass“ in Zeile 15 gehört noch in V. 14!)

„Ihr wißt nicht, wovon ich rede. Klar.“ (V. 1) Deshalb beginne ich mit der Klärung des Begriffs: „Ablass (lat. indulgentia) ist der Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet. (CIC can. 992)“ (Kathpedia) Hier wird also bei Sünden zwischen Schuld und Strafe unterschieden, bei den Strafen zwischen zeitlichen und ewigen (= Hölle). Die Vorstellung von zeitlichen Sündenstrafen geht auf die öffentliche Kirchenbuße im Mittelalter zurück (https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenbu%C3%9Fe; http://universal_lexikon.deacademic.com/340031/Kirchenbu%C3%9Fe; http://www.kathweb.de/front_content.php?client=5&lang=6&idcat=2065&idart=11441). Volkstümlich – wie auch immer entstanden – war die Auffassung, man könne sich von seinen Sünden ohne wirkliche Bekehrung quasi loskaufen; theologisch richtig ist die Auffassung, dass es einen Erlass (= Ablass) zeitlicher Sündenstrafen geben könne.

Enzensbergers Gedicht aus dem Band „Die Furie des Verschwindens“ (1980) ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Ihr [Modernen] wisst nicht, wovon ich rede. (V. 1-5)
  • Er ist auch nur ein schäbiger Trick, eine veraltete Redensart. (V. 6-12)
  • Dennoch möchte ich euch die Idee überliefern (abwertend als „Zauberformel“ bezeichnet, inhaltlich – vermutlich bewusst – falsch dargestellt: Erlass aller zeitlichen und ewigen Strafen, V. 14 f.).
  • Wenn ich könnte, würde ich euch solchen Ablass gewähren.

Enzensberger kramt hier eine alte katholische Vorstellung heraus, die den geschlagenen Menschen ein wenig Hoffnung gab: Erlass der Strafen, Amnestie, Begnadigung. Der Ich-Sprecher spricht hier eine Gruppe „Ihr“ an, die er „ihr armen Schweine“ (V. 17) nennt: Wieso sie arme Schweine sind, wird nicht erklärt; greift man auf andere Gedichte Enzensbergers zurück, könnte man vermuten, dass sie arme Schweine sind, weil sie „Angestellte“ sind, weil sie nur von der Bewusstseinsindustrie und der „Bildzeitung“ noch einen Funken falscher Hoffnung bekommen. Diesen armen Schweinen, die genug gestraft sind, erließe er gern ihre Strafe – wenn er könnte, sagt er; er kann es aber nicht, er kann sie höchstens vor den Kopf stoßen, auf dass sie aus der Lethargie erwachen.

Enzensberger: Der Angestellte – analytische Bemerkungen

Nie hat er jemanden umgebracht. Nein…

Text:

Der Angestellte

Nie hat er jemanden umgebracht. Nein,
er wirft aus Versehen Flaschen um.
Er möchte gern, schwitzt, verliert
seinen liebsten Schlüssel. Immerzu
erkältet er sich. Er weiß, dass er muß.     5
Er mutet sich Mut zu, er gähnt,
er tupft seinen Gram auf den Putz.
Er denkt, lieber nicht. Eingezwängt
……in zwei Schuhe, beteuert er bleich
das Gegenteil. Ja, er meldet sich an     10
und ab. Das Gegenteil sagt er von dem,
was er sagen wollte. Eigentlich, sagt er,
eigentlich nicht. Der Anzug ist ihm zu eng,
zu weit. Seine Stelle schmerzt. Nein,
seine eigene Handschrift kann er schon längst     15
nicht mehr lesen. Er hat sich scheiden lassen,
vergebens. Kein Mensch ruft ihm an. Überall
juckt es ihn. Sein Kugelschreiber läuft aus,
beim besten Willen. Er ist öfters vorhanden,
in jedem Zimmer einmal, immer allein.     20
Er schneidet sich beim Rasieren. Ja,
er passt nämlich immer auf, sonst
kann er nicht schlafen. Er schläft.
Alles meckert, alles was recht ist,
alles lacht über ihn. Er merkt nicht,     25
was los ist. Das merkt er. Sein Kopfweh
ist unpolitisch. Er stellt sich an,
er stottert schon wieder, verschluckt sich.
Was er vorhin hat sagen wollen, das hat er
vorhin vergessen. Er hat vergessen,     30
sich umzubringen. Beim besten Willen.
Heimlich lebt er. Nein, er darf nicht,
aber er müsste. Er hat keinen Krebs,
aber das weiß er nicht. Sein Hut schwitzt.
Es ist ihm noch nie so gut gegangen     35
wie jetzt. Eigentlich möchte er nicht,
aber er muß. Er weint beim Friseur. Ja,
er ist anstellig, er entschuldigt sich.
Ja, er schreibt, ja, er kratzt sich,
ja, er müsste, aber er darf nicht,     40
nein, seinen Jammer hat niemand bemerkt.
Das Gedicht stand im Band Die Furie des Verschwindens (1980), in dem es eine Reihe deprimierender Gedichte gibt; dieses ist eines davon. Es hat einen Vorgänger u.a. in Tucholskys Gedicht „Angestellte“ (1926) und in Kracauers Studie „Die Angestellten“ (1930), bei Enzensberger eine Parallele im Gedicht „Middle Class Blues“, vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Angestellter.

Charakteristisch für dieses Gedicht sind die Sätze mit den Modalverben, in denen der zugehörige Infinitiv fehlt: „Er möchte gern, schwitzt…“ (V. 3) Was er gern möchte, wird nicht (im Infinitiv) gesagt – dadurch bekommt man den Eindruck dass er alles, was er gern tun möchte, nicht tun kann. Ähnlich ist es in V. 5 („daß er muß“). Explizit wird das in den beiden Gegensätzen „er darf nicht, aber er müßte“ (V. 32 f.; vgl. V. 8) und „Eigentlich möchte er nicht, aber er muß.“ (V. 36 f.) Hier wird deutlich, wie es den Angestellten zerreißt – wer oder was zerreißt ihn? Die Spannung zwischen den beruflichen Zwängen und den Wünschen als Mensch!

Diese Spannung auch sonst noch öfter spürbar: in seinem Denken (V. 8); im Eingezwängtsein (V. 9 f.; V. 13); im Lügen (V. 11 f., vgl. V. 9 f. und V. 12 f.); in weiteren Widersprüchen (V. 10 f.; 13 f.; 22 f.; 36 f., V. 35 f. / V. 41; ja / nein, V. 39-41). Sie zeigt sich ebenso in körperlichen Beschwerden (V. 3-5, 14, 21, 26 f., 29 f., 37, 39).

Als Mensch ist er völlig erledigt: „Er hat sich scheiden lassen, vergebens.“ (V. 16 f.) „Er ist öfters vorhanden…“ (V. 19) Er hat vergessen, sich umzubringen.“ (V. 30 f.) Er ist nicht mehr Mensch, sondern bloß „anstellig“ (V. 38, ein Wortspiel) und entschuldigt sich für nichts und wieder nichts (V. 38) – er hat sich völlig aufgegeben.

Die beschreibenden Aussagen sind weithin zusammenhanglos aufgereiht: Von allen Seiten prasselt „es“, greift „es“ nach seinem Leben. „Er mutet sich Mut zu“ (Wortspiel, V. 6), doch ist er „immer allein“ (V. 20), „seinen Jammer hat niemand bemerkt“ (V. 41).

Das Gedicht ist eine deprimierende Situationsbeschreibung des Menschen, der in seiner Existenz von anderen abhängig und auf bloße wirtschaftliche Nützlichkeit als einzige Rechtfertigung seines Lebens reduziert ist. Die Melodie dieses Lebens ist der Middle Class Blues.

Wie es den leitenden Angestellten ergeht, wird in „Die kurze Geschichte der Bourgeoisie“ erzählt; dort ist der Aspekt jedoch der, dass diese ganze Herrlichkeit nur „fünf Minuten lang“ dauert – gemessen am Alter der Menschheit, am Alter der Erde. Sie sind nur „Wolken, die Ich sagten“, fünf Minuten lang.

Enzensberger: Rondeau – Analyse

Reden ist leicht…

Text: http://flugkapitaene.de/lyrik-d-f.htm (dort das 6. Gedicht)

http://www.babelmatrix.org/works/de/Enzensberger,_Hans_Magnus-1929/Rondeau (die beiden letzten Verse sind eine neue Strophe)

http://dimieter.blogspot.de/2012/05/rondo-hans-magnus-enzensberger.html (unter dem spanischen Text des Gedichts – neue Strophen fangen mit „aber“ an; dazu sind die beiden letzten Verse die 6. Strophe, vgl. die Textgestalt des span. Textes!)

„Ein Rondeau (französisch rond „rund“) ist ein Rundgesang im Spätmittelalter und in der Renaissance.“ (Wikipedia, 10.07.21015) „Das Rondo (seltener frz. Rondeau) ist eine seit dem 17. Jahrhundert bekannte musikalische Form, bei der sich ein wiederkehrender Formteil (genannt Ritornell, Kehrreim oder Refrain) mit anderen Teilen (meistens Couplet genannt) abwechselt.“ (Wikipedia, 10.07.2015) Das Gedicht steht in „Gedichte 1955-1970“ (1971), es ist eine Art Rondo, in dem es um das Reden geht: Es beginnt mit dem Satz „Reden ist leicht.“ (V. 1) und führt dann über eine Reihe von Abwandlungen zum Satz „Reden ist schwer.“

Die Abwandlungen folgen diesem Schema: Aussage / Einwand (Aber …) / Aufforderung (als Konsequenz des Gedankengangs): „Also werde …“. Die Abwandlungen bilden vier Stufen: Also werde Bäcker. (V. 5) – Also werde Maurer. (V. 9) – Also werde Prophet. (V. 13) – Also werde was du bist.

In dieser Reihe fällt „Prophet“ aus der Abfolge der praktischen Berufe von Bäcker und Maurer heraus; die Überleitung erfolgt über das Sprichwort „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg gehen.“ (Belege) Der Ausreißer hat den Zweck, zum Gegen-Satz vom schweren Reden zu führen. Von den beiden Gegensätzen (V. 1 / 16) und den zugehörigen Auffoderungen muss man ausgehen, um das Gedicht zu verstehen.

Der erste (Gegen)Satz könnte die These eines A sein, dem ein B den Rest antwortet; er könnte auch ein Vorwurf des B an A sein, welcher bloß daherredet und von B belehrt wird. Ein dritte Möglichkeit ergibt sich während der zweiten oder dritten Lektüre des Gedichts: Die vier Aber-Sätze sind Einwände eines A, dem B als Aufforderung den ersten Satz gesagt hat: „Reden ist leicht.“ (V. 1); dann sollte man auch den jeweils dritten Vers einer Strophe als Einwand des A verstehen – es tun sich also von der Gesprächssituation her zunächst also verschiedene Möglichkeiten auf, das Gedicht zu verstehen; zum Schluss werde ich meine Lesart skizzieren.

Dem bloßen Reden werden zunächst zwei Möglichkeiten (jeweils in Form einer Aufforderung) entgegengestellt, etwas Sinnvolles zu tun, wovon man leben (vgl. essen, V. 2; wohnen, V. 6) kann: Brot backen, Häuser bauen; aber solche Dinge sind schwer (V. 4, 8). Darauf folgt als dritte die paradoxe Aufforderung „Also versetze den Berg.“ (V. 11, nach dem gesuchten Einwand V. 10 – beides dient dazu, über die Gedanken, V. 14, wieder zum Reden zurückzuführen.)

Die Pointe des Rundgangs, des Rondos sind zweifellos die letzten drei Verse, die auf die Einsicht „Reden ist schwer.“ (V. 16) folgen: „Also werde was du bist“ (V. 17) – das kann analog zu V. 5, 9, 13 nur heißen: „(Lerne das Schwere,) Werde ein Redner!“ V. 17 ist eine Variation des alten rätselhaften Zitats Pindars: „Lerne zu werden, der du bist, und sei danach.“ Pindar weist die Menschen auf sich selbst statt auf irgendwelche Luftschlösser zurück; sie sollen ihre wahren Möglichkeiten erkennen und ergreifen, das ist der Sinn seines Satzes. So ähnlich klingt er auch in der Abwandlung des Sprechers (V. 17) – aber er wird fortgesetzt und damit im Sinn umgedreht: „und murmle weiter vor dich hin, / unnützes Geschöpf.“ (V. 18 f.) Dass der Redner ein unnützes Geschöpf ist, hat sich im Rondeau ergeben: Wörter kann man nicht essen, man kann nicht darin wohnen, man kann nicht darauf bauen (V. 2, 5, 9); wenn der Redende also vollends bloß zum Redner wird, tut er nichts Nützliches – er murmelt bloß vor sich hin, er ist ein unnützes Geschöpf.

Dieses Gedicht stellt das bloße Reden als unnützes Schwätzen bloß, indem das Reden dem nützlichen Tun gegenübergestellt wird: In den späten 60er Jahren waren die „revolutionären“ Schwadroneure zahlreich wie der Sand am Meer – auf sie und alle Maulhelden (auch die religiösen, manche Berufspolitiker, heute die ganzen Esoteriker und Berater und Sterndeuter…), die nichts Nützliches tun, bezieht sich dieses Gedicht kritisch – das klingt bei HME erstaunlich, aber ich kann es nicht ändern.

Wenden wir uns noch einmal der Gesprächssituation zu, so scheint es mir am sinnvollsten zu sein, einen Dialog zwischen dem „Redner“ B und seinem Widerpart A anzunehmen. In der Reihenfolge A / B liefe das Gespräch so ab:

1 – 3 / 4

5 / 6

7 / 8

9 / 10

11 / 12

13 / 14

15 / 16

17 – 19. Diese Lösung ergibt sich erst, wenn man den Gedankengang des Gedichtes als Dialog verstanden hat: Die Konstruktion der Gesprächssituation ist die Bedingung dafür, den Sinn zu erfassen.

Zum Zitat Pindars:

http://www.aphorismen.de/zitat/25630; https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Phrasen/Gamma (dort das 7. Zitat); http://www.rhm.uni-koeln.de/115/Thummer.pdf (zur philologischen Problematik des Zitats); http://www.jungeforschung.de/moderne/Mailhammer.pdf; https://de.wikipedia.org/wiki/Ecce_homo_%28Nietzsche%29

Enzensberger: Lied von den Leuten auf die alles zutrifft und die alles schon wissen – Analyse

Daß etwas getan werden muß und zwar sofort…

Text: http://mcn.privat.t-online.de/enz_und.htm (ohne Stropheneinteilung)

http://www.babilonhu.net/works/de/Enzensberger,_Hans_Magnus-1929/Lied_von_denen,_auf_die_alles_zutrifft_und_die_alles_schon_wissen

Das Gedicht stammt aus dem Jahr 1967, es stand zuerst in „Gedichte 1955-1970“ (Rezension der FAZ hier). Es stellt eine Sammlung von Redensarten dar, die nur in bestimmten Situationen sinnvoll sind (z.B. „Es muss etwas getan werden, und zwar sofort!“); Enzensberger resp. der Sprecher des Gedichts hat diese Redenarten jedoch ohne jeden Situationsbezug miteinander kombiniert – wodurch sie eo ipso sinnlos sind – und ans Strophenende dann stereotyp die Formel „das wissen wir schon“ gesetzt (in der Regel einmal, einmal zwei- und einmal dreimal). Das ergibt dann ein „Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen“. Streng genommen trifft „alles“ nicht auf Leute, sondern auf Situationen zu; aber diese Feinheit können wir übergehen.

Das Gedicht hat satirische Züge, wie sich aus der Verbindung der Redewendungen ergibt: Da sind einmal Wendungen kombiniert, die einander direkt widersprechen (dass es zu früh und gleichzeitig zu spät ist, etwas zu tun, V. 3 f., wo doch sofort etwas getan werden muss, V. 1; oder die 9. / 10. Str.); zweitens sind Wendungen miteinander kombiniert, die von der Kategorie her nicht zueinander passen (dieses Problem gründlich analysieren müssen / zwei Stück Zucker in den Tee tun, 6. Str.; auch die 7. Str.); drittens ergeben sich aus der zufälligen Kombination der Floskeln gelegentlich scheinbar sinnvolle Abfolgen, ebenfalls in der 6. Strophe: „und daß wir die Wahl haben zwischen nichts und wieder nichts / und daß wir dieses Problem gründlich analysieren müssen“. Oder auch sehr schön: „und daß wir jedesmal recht behalten werden / und daß daraus nichts folgt“ (8. Str.). Einmal gibt es eine Abfolge zweier Sätze über drei Strophen (11. – 13. Str.), die in Kombination und Negation die spielerische Art dieses „Dichtens“ offenbart.

Einen besonderen Hinweis verdient die sachlich sinnlose Umformung der Redensart „Wir haben jedesmal recht behalten“ ins Futur: „und daß wir jedesmal recht behalten werden“ (8. Str.): Erst nachträglich kann man sagen, dass man recht behalten hat; wenn man das schon vorab „weiß“, wird die Sinnlosigkeit der Floskel offenbar. Vielleicht ist das überhaupt der Sinn dieses Gedichts: Floskeln des täglichen Lebens zu entlarven – obwohl sie ja nicht sinnlos sein müssen, wenn sie in bestimmten Situationen gebraucht werden; vielleicht wird hier aber auch einfach nur mit der Sprache gespielt, und Spielen soll Spaß machen, aber nicht unbedingt einen (anderen) Sinn haben. Dafür spricht auch die letzte Strophe, wo sich in einer Art Selbstbezug das Spiel überschlägt: „und daß wir das schon wissen / das wissen wir schon“.

Das Gedicht ist in mehrere Sprachen übersetzt, wie man leicht herausbekommt, wenn man die Überschrift in die Suchmaske eingibt. – Wenn man die Technik der Kombination der Redewendungen versteht, kann man leicht ähnliche Texte fabrizieren; leider werden sie kaum gedruckt, wenn man nicht Enzensberger heißt.

Enzensberger: Über die Schwierigkeiten der Umerziehung – Analyse

Einfach vortrefflich…

Text: http://cmo.jmf-gym.org/index.php?option=com_content&view=article&id=7&Itemid=148&jsmallfib=1&dir=JSROOT/Gedichte&download_file=JSROOT/Gedichte/Enzensberger%2C+Umerziehung.pdf

http://www.zeit.de/1982/22/verteidugung-der-normalitaet/seite-4 (dort S. 4 ff.)

http://www.redemptoristen.com/index.php?id=180&programm=173

Vorab sind einige Dinge zu klären, damit man dieses Gedicht aus dem Band „Gedichte 1955-1970“ (1971) richtig versteht. Zuerst muss die Bedeutung des Wortes „Umerziehung“ untersucht werden: Dahinter steht die Vorstellung, dass jemand falsch erzogen worden ist und jetzt von jemandem, der es besser weiß, richtig oder gut erzogen werden soll (und dahinter steht die „progressive“ Vorstellung von der grundsätzlichen Erziehbarkeit des Menschen, auch des Erwachsenen – gegenüber einer Anschauung, die eher an „Charakter“ oder „Natur“ denkt). In der politischen Wirklichkeit gab es (und gibt es heute noch) in kommunistischen Staaten Umerziehungslager, in denen „Asoziale“ oder Dissidenten durch Arbeit, „Schulung“ (Indoktrination) und Terror auf Linie gebracht werden sollen; wie weit es solche Lager (statt bloßer Vernichtungslager) im Dritten Reich gab, braucht hier nicht diskutiert zu werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Umerziehung

http://de.wikimannia.org/Umerziehung

http://universal_lexikon.deacademic.com/23905/Umerziehung

http://www.mydict.com/Wort/Umerziehungslager/ („Umerziehungslager“)

https://de.wikipedia.org/wiki/Umerziehungslager_Kae%E2%80%99ch%C5%8Fn (Nordkorea heute)

http://www.pi-news.net/2011/04/umerziehungslager-fur-homosexuelle-in-malaysia/ (Malaysia)

http://www.taz.de/!5051897/ (China)

http://www.igfm.de/news-presse/aktuelle-meldungen/detailansicht/?tx_ttnews[tt_news]=2456&cHash=e5c5db43f4bff8832418afe7890e65b3 (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendwerkhof (DDR)

http://www.zdf.de/zdfinfo/trauma-umerziehung-heimkinder-in-der-ddr-35164344.html (DDR)

http://unterlinken.de/tag/kommunismus/

http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/nazi-lager-in-kastl-das-schicksal-der-gestohlenen-kinder-1.3887036?rssPage=TmV1bWFya3Q= (Nazis)

http://www.zdruzenje-zrtev.si/slike/ausstellungs_panos/pano_13.pdf (dito)

http://antifaworms.blogsport.de/nazis-hier/kz-osthofen/ (dito: Beschönigung)

Danach ist der Begriff der Perspektive zu klären. Im Gedicht „Über die Schwierigkeiten der Umerziehung“ denken oder sprechen u.a. revolutionäre linke (kommunistische) Kader, welche sich über die mangelnde Begeisterung der normalen Leute aufregen (V. 23-25) – ein „Defizit“, dem man als ordentlicher Revolutionär mittels Umerziehung abhelfen möchte: Man kämpft ja vermeintlich für die gerechte Sache und für die Befreiung der Unterdrückten, da muss man den allzu Langsamen auf die Sprünge helfen.

Drittens ist schließlich die Position eines Autors von der Perspektive und Position seiner Figuren zu unterscheiden, was vielen Leuten schwerfällt, wenn in einem Text eine Ich-Perspektive angeboten wird – da meinen sie gleich die Stimme des Autors zu hören. Ich möchte das am Beispiel von „Huckleberry Finns Abenteuer“ verdeutlichen: Dort spricht der sympathische Außenseiter Huck als „ich“ – aber niemand wird annehmen dürfen, er vertrete die Auffassungen Mark Twains; im Gegenteil, die Differenz zwischen den beiden Perspektiven oder zwischen der Perspektive Huckleberrys und der der Leser macht den Reiz des Buches aus. Was man an diesem Beispiel versteht, muss man konsequent auch auf Gedichte und andere fiktionale Texte anwenden (und grundsätzlich sogar auf Sachtexte – für die Reden von Politikern versteht sich das von selbst; aber das soll hier nicht diskutiert werden).

Damit kommen wir zum Gedicht „Über die Schwierigkeiten der Umerziehung“ (1969, so die ZEIT). Hier spricht oder denkt zunächst jemand, der die revolutionären Ideale, „all diese großen Pläne“ (V 2), kennt und sie „vortrefflich“ und sogar „einleuchtend“ findet (V. 1, 6 – „ich“, wie sich aus V. 34 ergibt). Am besten nimmt man in der 2. Strophe einen anderen Sprecher an: einen der Kämpfer für „das Goldene Zeitalter“ (V. 3), der angesichts des Lobes (1. Str.) seinem Ärger darüber Luft macht, dass es mit der Verwirklichung der „großen Pläne“ (V. 2) nicht klappt: Die Leute sind daran schuld, sagt er vorwurfsvoll (2. Str.). – Das ist aus höherer (Leser- und Autor)Perspektive ein Witz, weil die Revolution ja angeblich zugunsten der Leute gemacht werden soll.

In den beiden folgenden Strophen werden die vorwurfsvollen Klagen der revolutionär Begeisterten konkretisiert: Dabei ergibt sich eine merkwürdige Verschiebung zwischen den erhabenen Idealen (Befreiung, gerechte Sache) und den konkreten Interessen der Leute (zum Friseur gehen, ein Bier trinken usw.) – das ist ein untrügliches Zeichen für eine Satire: Der Autor macht sich über diese Klagen zusammen mit seinen vernünftigen Lesern lustig. Das zeigt sich auch in V. 12, wo den Leuten die Aufgabe zugewiesen wird, „begeistert hinter der Vorhut herzutrippeln“, also weiterhin unmündig sich lenken und „führen“ zu lassen (statt die Sache selber in die Hand zu nehmen) – das Problem einer jeden Befreiung der Unterdrückten durch eine revolutionäre Elite. In der 4. Strophe wird das Fazit gezogen, wobei V. 21 doppeldeutig ist, also wörtlich und metaphorisch zu lesen ist – eine alltägliche banale Redewendung, welche die hohen Theorien der Revolutionäre ad absurdum führt, ebenso wie V. 22. Der Unmut der so enttäuschten Revolutionäre macht sich danach (in der 5. Str.) Luft: Hier werden „revolutionäre“ Tiraden losgelassen, hier werden die Menschen beschimpft – umerziehen müsste man sie alle, wenn es mit der Revolution noch etwas geben soll!

Dagegen wendet sich der Ich-Sprecher: „Man kann sie doch nicht alle umbringen! Man kann doch nicht den ganzen Tag auf sie einreden!“ (V. 26 f.) Er lehnt die Umerziehung ab. In der letzten Strophe antwortet die andere Seite darauf und zieht ihren ideologischen Gewinn aus dem Einwand: Wir haben natürlich recht, aber die Leute mit ihren kleinlichen Alltagsproblemen hindern uns daran, unsere richtigen Pläne zu verwirklichen: „Ja, wenn die Leute nicht wären / dann sähe die Sache schon anders aus.“ (V. 28 f.) Aus höherer Perspektive (Leser, Autor) offenbart sich hier die bornierte Rechthaberei der Revolutionäre, die Haltlosigkeit ihres politischen Geschwätzes. Das wird auch im letzten Satz deutlich, wo erstmals der eine Sprecher als „ich“ auftritt: Er gehört zu den Leuten mit ihren Alltagssorgen, er möchte deshalb „hier nicht weiter stören“ (V. 34), er lässt die Revolutionäre weiter schwadronieren.

Das Gedicht ist untypisch für Enzensberger, der selber oft genug über die dem Konsum verfallenen Kleinbürger herzieht („Middle Class Blues“ u.a.); es ist ein sympathisches Gedicht, das sich 1969 kritisch auf die revolutionäre Begeisterung der Studenten bezieht und das auch die spätere Brutalität der RAF und die heutige des IS als verbohrte Rechthaberei entlarvt.

http://www.sezession.de/2423/ueber-die-schwierigkeiten-der-umerziehung-normalismus-1.html (Bemerkungen zum Gedicht)

https://60erprojekt.wordpress.com/2015/01/29/h-m-enzensberger-uber-die-schwierigkeiten-der-umerziehung-1960/ (grandioses Missverständnis des Gedichts)

http://friedrich-schorlemmer.de/docs/WWW.Wittenberg.Wolfenb%C3%BCttel.Weimar.pdf (von Schorlemmer im Rahmen eines Vortrags zitiert)

Enzensberger: Middle Class Blues – Analyse

Wir können nicht klagen…

Text: http://www.hulda-pankok-gesamtschule.de/uploads/media/B_03_middle_class_blues.pdf

http://drum.lib.umd.edu/bitstream/1903/10823/1/Hildebrandt_umd_0117N_11472.pdf (dort S. 107)

http://jhelbach.de/Lit/August10/Texte.pdf (dort das 2. Gedicht; Strophe 2 ist nicht abgesetzt)

Das Gedicht ist an vielen Stellen zitiert (teilweise falsch) und abgedruckt, es hat seinen Marktwert als repräsentatives Poem der sechziger Jahre Deutschlands bzw. der BRD: Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Erschienen ist es 1964 im Band „Blindenschrift“.

Es spricht eine Wir-Gruppe, die Mittelschicht laut Überschrift. „Unter der Sammelbezeichnung Mittelschicht, auch Mittelstand, werden diejenigen Bevölkerungsgruppen verstanden, die innerhalb eines soziale Schichtungs-Modells in der Sozialstruktur zwischen einer Oberschicht und einer Unterschicht angesiedelt sind. Es gibt vielfältige Konzepte der Schichtungen und keine abschließende Definition der Schicht im soziologischen Sinne an sich, daher gibt es auch zahlreiche Vorstellungen von Mittelschicht. Im angloamerikanischen Sprachraum wird sie als middle class bezeichnet.“ (wikipedia, 8.7.2015) Zur Mittelschicht zu gehören war der Traum vieler kleiner Leute in den sechziger Jahren: Wohlstand, Sicherheit, Ansehen gab es dort, nach der Not des Krieges und der Nachkriegszeit.

In der 1. Strophe beginnen sie mit der selbstzufriedenen Aussage „Wir können nicht klagen“, womit dezent umschrieben ist: „Es geht uns gut.“ Nicht arbeitslos sein wie viele nach 1945, nicht wie die armen Schlucker Hunger haben, das sind dabei die Kriterien. V. 4 steht in einer Spannung zu V. 3: Sie essen, obwohl sie satt sind, weiter – einfach weil sie es sich leisten können; von der damaligen Fresswelle spricht man heute: Kompensation des Elends der Nachkriegszeit. – Alle Verse beginnen mit dem Pronomen „Wir“; die Mittelschicht stellt sich vor.

In der 2. Strophe wird in einer sinnlosen Zusammenstellung benannt, was alles „wächst“ in dieser glorreichen Zeit des Wirtschaftswunders: das Gras, das Sozialprodukt usw. Damit wird die volkswirtschaftliche Zielvorstellung (der Mittelschicht) „Wachstum“ als absurd kritisiert [was jemand, der zur Mittelschicht gehört, leicht sagen kann: Enzensberger hatte 1963 den Georg-Büchner-Preis erhalten und war bei Suhrkamp etabliert; ich kenne viele, die nicht etabliert waren].

In der 3. Strophe wird der Zustand des Landes beschrieben: Worauf die leeren Straßen verweisen, ist offen – vielleicht heißt dies, dass niemand demonstriert oder protestiert („Ruhe und Ordnung“ als Wertvorstellung); dazu passen die perfekten Geschäftsabschlüsse – aber nicht mehr das Schweigen der Sirenen. Hierbei denke ich im Vorgriff auf V. 15 an Sirenen, die vor einem feindlichen Angriff warnen: Die Kriegsgefahr war im Kalten Krieg, gerade in den 60er Jahren nach Mauerbau (1961) und Kubakrise (1962) immer gegenwärtig. Den Schluss bildet ein banaler Satz: „Das geht vorüber.“ (V. 12) Diese Redensart, parallel V. 16, strahlt hier eine Drohung aus: dass die Sirenen nicht immer schweigen werden.

Explizit wird das in V. 15 gesagt: Wenn der Krieg noch nicht erklärt ist, kann er bald erklärt werden – der Zusatz V. 16 ist von zynischer Gelassenheit, wenn man ihn wörtlich liest. Die beiden Verse 13 f. sind im Perfekt abgefasst und beschreiben so einen erreichten Zustand, wieder in einer sinnlosen (also satirischen) Kombination zweier Sachverhalte – aus denen sich nur ergibt, dass etwas keine Eile hat, weil ja „alles“ geregelt ist.

In der 5. Strophe liegt eine Montage vor: Die Aussage „Wir essen“ (V. 4) bekommt als Objekte die in der 2. Strophe genannten Subjekte des Wachtstums: eine satirische Kritik der steten Steigerung des Konsums um seiner selbst willen – man bedenke, dass „wir“ bereits satt sind (V. 3) und dass manches nicht zum Verzehr geeignet ist. Die Vergangenheit essen (V. 20) ist vielleicht eine Metapher für die Verdrängung oder das Vergessen der unrühmlichen Untaten des Dritten Reiches, bei denen so viele mitgemacht hatten; nach 1945 wollte niemand dabeigewesen sein, die Verbrechen wurden nur zögerlich juristisch aufgearbeitet (vgl. auch http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/geschichte-und-erinnerung/39814/geschichte-der-erinnerungskultur oder http://www.geschichte-lernen.net/aera-adenauer-umgang-ns-vergangenheit/).

In der 6. Strophe wird umschrieben, wiederum in Redewendungen, wer wir sind: unbescholtene Bürger (V. 21), die „es geschafft“ haben (V. 22, vgl. V. 16) – und dann die offene Kritik: „Wir haben nichts zu sagen.“ Dieser Satz ist doppeldeutig und in beiden Fällen verräterisch: a) Wir fressen bloß, aber sind als sprechende Subjekte leer. b) Laut GG geht alle Macht vom Volk aus (von den Bürgern, vgl. V. 1-21), aber wir sind keine mündigen Bürger, wir lassen uns von wem auch immer (dem Idol des Konsums, den alten Herrschaftseliten) bevormunden, knechten. Der letzte Satz sagt es offen: „Wir haben.“ Hier fehlt ein Objekt – wir haben bloß etwas oder alles, aber wir sind eben nicht Subjekte, freie Bürger (V. 22). Dass in der 5. und 6. Strophe alle Sätze mit „Wir“ beginnen, ist bloß ein grammatisches, aber kein politisches Phänomen.

In der 7. Strophe werden die ordentlichen Verhältnisse, in denen „wir“ leben, umschrieben: Die Uhr ist aufgezogen, obwohl es keine Eile hat; die Verhältnisse passen semantisch nicht zu den Tellern – Satire, Kritik. Dass der letzte Autobus vorbeifährt (V. 28), steht in keinem Sinnzusammenhang zu V. 25-27; vielleicht sollte man den Satz als Indiz dafür lesen, dass auch im Straßenverkehr alles in Ordnung ist; wenn man V. 28 auf V. 27 bezieht, besagt er, dass am Abend rechtzeitig gespült ist – aber das alles ist unbestimmt, erst der Leser stellt solche Verbindungen zwischen den isolierten Sätzen her.

Die letzten drei Strophen bestehen jeweils aus einem Satz: „Er ist leer.“ (V. 29) Das bezieht sich auf den Bus, aber was besagt das? Vielleicht, dass die Leute alle „brav“ zu Hause sitzen? Dass sie sich in ihrem Eigenheim einigeln? Dass sie anderen nichts zu sagen haben?

„Wir können nicht klagen.“ (V. 30) Damit wird V. 1 wiederholt; in Verbindung mit der unterschwelligen Kritik (des Autors!) in den Äußerungen der Leute wäre das eine Selbstentlarvung: „Wir“ merken nicht, was uns fehlt. Wir sagen das, was man in der Umgangssprache (das ganze Gedicht!) so zu sagen pflegt, aber wir haben nichts zu sagen.

„Worauf warten wir noch?“ (V. 31) Diese offene Frage der Wir-Leute aus der Middle Class ist bezeichnend: Sie warten auf nichts mehr; sie haben keine Ziele, keine Utopien (wie HME, wie bald drauf die 68er). Und so ist diese Selbstdarstellung der Middle Class eben ein Blues (Überschrift): „Das Wort Blues leitet sich von der bildhaften englischen Beschreibung I’ve got the blues bzw. I feel blue („ich bin traurig“) ab.“ (Wikipedia, 8.7.2015) Ihre Lage ist bestens, „wir können nicht klagen“ – es ist zum Heulen.

https://www.uni-due.de/literaturwissenschaft-aktiv/nullpunkt/inhalt.htm#Wiederaufbau%20und%20Wirtschaftswunder (das Gedicht im Kontext anderer Texte zum Thema „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“)

Enzensberger: Das Ende der Eulen – Analyse

Ich spreche von euerm nicht…

http://www.veritas.at/sbo/ebook/px/20604/files/assets/basic-html/page233.html (Text, Verszählung, drei Strophen)

http://www.veritas.at/sbo/ebook/px/30386/files/assets/basic-html/page143.html (Text, Verszählung, vier Strophen)

Die Textgestalt schwankt: Abgesehen von der Großschreibung haben spätere Drucke auch vier Strophen (die nach V. 12, 22, 30 und 34 enden); ich stelle das nur fest, ohne es zu bewerten. Das Gedicht steht im Band „Landessprache“ (1960), kann sich also nicht konkret auf die Kubakrise des Jahres 1962 beziehen, wie von manchen Schülern behauptet wird [auch wenn man dann wieder etwas mehr zu schreiben hätte].

Es spricht ein Ich zu einer Gruppe „ihr“, von diesen als den „Planern der spurlosen Tat“ (V. 29) – was das heißt, wird sich zeigen; das Ich ist jedenfalls nicht identifiziert. Außerdem werden „Wir“ genannt (V. 23), was man vermutlich als „wir Menschen“ zu lesen hat, wie sich aus V. 30 ergibt (Indefinitpronomen „keinem“, alle Menschen umfassend).

Das Ich spricht von einem allumfassenden Ende (Str. 1); wodurch dieses Ende eintreten kann, wird in der 2. Strophe deutlich: Radarschirme, Meldetische, Antennen, Manöver weisen eine militärische Aktion als Ursache des All-Endes aus; aus den „schwebenden Feuerglocken“, die man als Atompilze identifizieren muss, ergibt sich ein Atomkrieg zwischen den USA und der UdSSR (V. 16 Floridas Sümpfe, V. 17 das sibirische Eis) als die konkrete tödliche Aktion. Man muss nur an die Konzeption des Zweitschlags und des Overkills aus dem Kalten Krieg denken, um die vom Sprecher bedachte Situation zu verstehen.

Von dem dadurch möglichen „Ende“ soll also gesprochen werden; das geschieht in einer durch Wortwahl und Satzbau gehobenen Sprache (zumindest in der 1. Str.): Umstellung der Negation „nicht“ (V. 1), Ellipse des Nomens „Ende“ in V. 1; „dunkles Haus“ für das Meer (V. 4), „siebenfältig“ (V. 5) usw. Ansonsten wird die 1. Strophe von Wiederholungen („ich spreche“, V. 1-3) und Aufzählungen (Eulen, Butt, Wal bis zum Moor „und den leeren Gebirgen“, V. 2-12) bestimmt. Es geht um das Ende von allem, um das Weltende; zwei Alliterationen (E in V. 2; L in V. 9) stellen den Zusammenhang von allem Untergehenden dar. Mit einem Doppelpunkt endet die 1. Strophe; dadurch wird zu einer Erklärung in der 2. Strophe übergeleitet.

In den Partizipien der 2. Strophe, in der jedes finite Verb fehlt, wird der Zustand der Welt beschrieben, wobei Floridas Sümpfe und das sibirische Eis für die Territorien der USA und der UdSSR stehen. Sie werden als Objekte militärischer Beobachtung dargestellt: „auf Radarschirmen leuchtend“ und von Antennen befingert (V. 13-16). Dem Wort „befingert“ haftet der Ruch des Schmuddeligen, Ungehörigen an. Die Tödlichkeit der Gefahr kommt in den Adverbialen „zum letzten Mal“ (V. 14) und „tödlich“ (V. 16) zu Bewusstsein. In den Partizipien II (befingert, erwürgt, umzingelt), auch wenn sie nur metaphorisch gebraucht werden, scheint die Todesnähe in die Gegenwart der Natur herein. Es fallen wieder Alliteration auf (L, V. 13 f.; Sch, V. 18; ähnlich F, V. 16, und W, V. 18 f.). Am Ende der Strophe wird – ohne Bezug auf eine Verbform – der Anschein erweckt, der Ernstfall sei bereits eingetreten (unter…, im… V. 21 f.), wobei das kontrastierende „arglos“ den Schrecken des Endes hervorhebt.

In den beiden letzten Strophen werden die ersten Verse des Gedichts paraphrasiert: Wovon der Sprecher spricht und nicht spricht – und wovon er damit entgegen seiner Ankündigung doch spricht: von den Menschen; er begründet sein „Nicht-sprechen“: „Wir sind schon vergessen.“ (V. 23) Das ist ein performativer Widerspruch: Indem er das sagt, ruft er die Erinnerung, das Wissen bei den Angesprochenen gerade hervor. Und wenn alle Menschen ausgetilgt sind, gibt es auch kein Subjekt mehr, das sie vergessen könnte – vom Weltende kann man nicht logisch konsistent sprechen. Neben den benannten Menschen (die Waisen, die Planer, ich und alle) werden als Thema des Nicht-Sprechens ironisch „die mündelsichern Gefühle, der Ruhm, die rostfreien Psalmen“ genannt; dabei passen die beiden Attribute, welche jeweils Formen von Bestand und Sicherheit (irrtümlich!) versprechen, nicht zu den Nomina. Wie bisher kennzeichnen eine Alliteration (R, V. 27) und Aufzählungen die Sprechweise des Ichs.

In der 4. Strophe, die manchmal mit der 3. zusammen als eine einzige gezählt wird, werden die Wesen benannt, von denen gedenkend gesprochen werden soll: diejenigen, welche selber nicht sprechen (V. 31 – der Stamm „sprech-“ in den drei Formen „sprech-, sprich-, sprach-“), die nur sprachlose Zeugen des Untergang sind (V. 32) und für welche der Sprecher stellvertretend einsteht: Ottern und Robben und Eulen (pars pro toto); mit einer großen Alliteration der Vokale A-Eu-E endet das Gedicht; dabei rundet sich mit dem Bezug auf die bereits zu Beginn genannten Eulen (V. 2 und Überschrift) das Thema ab.

http://www.simforum.de/showthread.php?t=110165 (Text, (falsche?) Stropheneinteilung mit Schüleranalyse)

http://www.studienseminar-koblenz.de/medien/wahlmodule_unterlagen/2004/201/1%20Textanalyse%20%28PPT%29.pdf (dort S. 14 ff.: Vorarbeiten zur Analyse)

http://www.stiftikus.de/pollyrik/HMEeule.doc (mit stichwortartiger Analyse)

http://www.schulzeux.de/deutsch/das-ende-der-eulen-gedichtinterpretation-h.-m.-enzensberger.html (schülerhaft)

Enzensberger: Verteidung der Wölfe gegen die Lämmer – Analyse

soll der geier vergißmeinnicht fressen?…

http://www.hubertus-wilczek.de/index.php?id=63 (Text, Kleinschreibung)

http://schneegarten.blog.de/tags/verteidigung-der-wolfe/fullposts/ (Text, Großschreibung – später; vgl. http://www.beck-shop.de/fachbuch/leseprobe/9783518465547_Excerpt_001.pdf, S. 10 f.)

HME über sein Gedicht:

„[…] Frühe 50er-Jahre wahrscheinlich. Na ja gut, das handelt von einem Thema, das nicht verschwindet. Es handelt von den Guten und den Bösen und hier werden sozusagen die Bösen gegen die Guten verteidigt, denn ohne die Mitwirkung der Guten könnten die Bösen ja gar nicht so böse sein und könnten gar nicht so viel anrichten. Der Kontext ist natürlich politisch und nicht nur moralisch und es geht da um die Politruks, um die Geier, um die Generäle […] La Boétie hat im 17. Jahrhundert ein Traktat geschrieben über „Die freiwillige Knechtschaft“. Damit hat es etwas zu tun. Das war natürlich sehr auffällig nicht nur während der Herrschaft der Nationalsozialisten, also das so genannte Mitläufertum, sondern auch die rapide Umwendung, also dieses Heliotrop, wie Pflanzen sich zum Licht wenden, wo die alle plötzlich Demokraten waren. […] und eine Konsequenz aus dieser Lage für jemand, der schreibt, war dann vielleicht auch, was mir heute an solchen Texten auffällt: ein gewisses Pathos, eine bestimmte Rhetorik, die manchmal sogar schrille Töne annimmt. Das hat einfach mit dem Erregungszustand zu tun, mit dieser Wut, die man damals hatte. Wenn Sie 1950 oder ’53 zum Arzt gegangen sind, dann musste Sie sich ja überlegen… die haben ja alle ihre Karrieren fortgesetzt, diese Leute, das kann ein KZ-Arzt gewesen sein. Oder wenn Sie das Pech hatten, vor Gericht zu kommen, dann war mit 80%iger Wahrscheinlichkeit hatten Sie es mit einem alten Nazi-Richter zu tun. Also daher diese irgendwie auch ohnmächtige Erregung und Wut, also man konnte das einfach nicht ertragen. So war subjektiv meine Situation damals in diesen Zeiten. Es hatte vielleicht auch etwas Neurotisches. Um meine deutsche Neurose loszuwerden, bin ich dann eben auch mal acht oder neun Jahre ins Ausland gegangen.“ (Enzensberger im Gespräch mit Alexander Kluge)

Der Dichter spielt mit dem seit der Fabel Äsops geläufigen Gegensatz von Lamm und Wolf (http://gutenberg.spiegel.de/buch/aesop-fabeln-1928/40), in welcher der Wolf als Räuber, der um keine beschönigende Ausrede seines Mordens verlegen ist, entlarvt wird. In Enzensbergers Gedicht, das seiner ersten Gedichtsammlung 1957 den Titel gab und dort im dritten Teil unter den „Böse[n] Gedichte[n]“ steht, wird der Spieß umgedreht: Jetzt werden die Lämmer als Deppen entlarvt.

Im Gedicht werden von einem anonymen Sprecher Leute angesprochen, die er als „Lämmer“ (V. 28) direkt anspricht; er setzt sich mit ihren Erwartungen auseinander und beschimpft sie als verlogen und dumm.

Die beiden ersten Strophen leben von einer Spannung zwischen dem, was diese Leute erwarten (1. Str.), und dem, was sie tun (2. Str.) und womit sie ihre Erwartungen Lügen strafen. Was die Leute erwarten, wird in den Tiervergleichen angedeutet (V. 1-4) und parallel dazu zu den Machthabern gefragt (V. 5-6): Die Leute erwarten etwas „Unnatürliches“, Widersinniges: dass die Raubtiere keine Raubtiere seien, dass die Machthaber keine Macht ausüben. Das alles wird in rhetorischen Fragen zuerst bildhaft, dann allgemein vorgetragen. In den beiden letzten Versen der 1. Strophe wird in einer vorwurfsvollen Frage die Quelle der falschen Erwartungen entlarvt: der verlogene Bildschirm, der Repräsentant der Bewusstseinsindustrie, wie HME sonst gelegentlich sagt. Wenn man darauf bloß blöd guckt (verbunden mit der Wendung „blöd aus der Wäsche gucken“), darf man sich nicht wundern, dass man Blödsinn erwartet.

Diese Erwartungen der Leute vertragen sich nicht mit dem, was sie selber tun: beim Spiel der Machthaber (General und Wucherer als Repräsentanten) mitmachen, ihnen Beifall klatschen, sich von ihnen bestechen lassen (2. Str.). Das alles wird in rhetorischen Wer-Fragen vorgetragen, auf welche die Antwort „ihr selber!“ lauten muss. In der letzten Frage „wer lechzt nach der Lüge?“ wird die Verbindung zur 1. Strophe hergestellt: lechzen = gierig nach etwas verlangen: nach der Lüge, welche das Treiben der Machthaber beschönigt und damit das eigene Tun rechtfertigt. In dem Kontrast „viel Bestohlene – wenig Diebe“ (V. 16) wird die Möglichkeit angedeutet, dass man die Verhältnisse ändern könnte, wenn man (= viele) es nur wirklich wollte.

Neben den Konkreta in der 2. Strophe (Blutstreif, Kapaun, Blechkreuz [militär. Orden], Trinkgeld, Schweigepfennig, Silberling: der biblische Judaslohn, vgl. Mt 26,15) fallen in beiden Strophen die Häufungen der Fragen auf. Gelegentlich spricht der Sprecher in Alliterationen (z, V. 4; P, V. 6, l, V. 19). Den Zeilenschnitt müsste man gesondert untersuchen; dass das Fragewort „Wer“ nicht in der Zeile der Frage steht (Enjambement), beschleunigt das Sprechen und zeigt die Wut des Sprechers an: Wütend schleudert er seine Vorwürfe den Leuten an den Kopf.

Mit der Aufforderung „Seht in den Spiegel“ (V. 20) setzt er erneut an: Er charakterisiert die Leute, indem er beschreibt, was sie im Spiegel von sich selbst sehen könnten; sie scheuen die Mühen der Aufklärung, lassen sich gern belügen. Der Nasenring ist das Instrument, an dem man den gezähmten Stier, den dressierten Bären herumführt und den Leute sogar als „Schmuck“ tragen (V. 24 – damals dachte noch keiner ans modische Piercen). So werden die Leute beschimpft und verspottet: „jede Erpressung / ist für euch noch zu milde“ (V. 26 f.), sie haben es nicht besser verdient.

Indem der Sprecher die Wölfe (V. 23) statt der tatsächlichen Machthaber als diejenigen benennt, die das Denken und Regieren übernehmen, also in der Bildebene bleibt, bereitet er die Anrede „Ihr Lämmer“ (V. 28) in der 4. Strophe vor. Lämmer, das sind einmal die Opfer aus der Fabel Äsops, das sind aber auch die Kinder von Schafen und damit selber „Schafe“ (Schimpfwort!). Ihnen werden die Krähen und die Wölfe gegenübergestellt. Für die Krähe muss man nicht auf eine symbolische Bedeutung schielen (http://www.symbolonline.de/index.php?title=Rabe), sondern an das Sprichwort denken, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt – ihr dagegen blendet euch gegenseitig, sagt der Sprecher (V. 30); und die Wölfe jagen solidarisch in Rudeln (V. 31-33), während bei euch – so ist sinngemäß zu ergänzen – jeder nur seinen eigenen Vorteil im Auge hat. Die Tiere also sind wie Schwestern und Brüder zueinander, die Menschen aber wie Tiere: homo homini lupus.

In der letzten Strophe wird diese vorwurfsvolle Beschimpfung abgeschlossen, wiederum im Kontrast zwischen den Räubern und den Leuten: Jene werden gepriesen, diese werden entlarvt: Gehorsam der Unmündigkeit, Lügen statt Aufklärung, das zeigt: „Zerrissen / wollt ihr werden.“ (V. 38 f.) Damit ist klar, dass die Erwartungen der Leute (1. Str.) widersinnig, dass ihre Vorwürfe gegen Wölfe und Machthaber nicht begründet sind: begründet in einem Tun, im Kampf um Freiheit.

Im letzten Satz wird das endgültige Urteil über die „Lämmer“ gesprochen, die zweimal durch das Pronomen „ihr“ am Versende pointiert gegen die gepriesenen Räuber abgesetzt werden. „Ihr / ändert die Welt nicht.“ (V. 39 f., vgl. V. 34 f.) Hier wird die Erwartung des Sprechers implizit vorgetragen, dass es nämlich – wie Marx in der 11. These über Feuerbach gesagt hat – darauf ankommt, die Welt zu verändern; diese Behauptung macht der Sprecher sich zu eigen. Zugleich schließt er sie mit seiner Beobachtung kurz, dass die Lämmer-Leute bloß irgendwelche „schönen“ Erwartungen an die Welt herantragen, dass diese besser werde, frei von Ausbeutung und Räuberei: Indem sie solches bloß wünschen und heimlich oder offen bei den Räubern mitmachen, ist ihre Hoffnung als illusorisch demaskiert. „Zerrissen / wollt ihr werden.“ (V. 38 f.); denn ihr tut nichts gegen das von euch Beklagte, nichts für das von euch Erhoffte.

http://www.laurentianum.de/lref1100.htm (Text mit Interpretation eines Schülers, Lk 13 – einige Fehler im/am Text)

http://www.stiftikus.de/texte/woelfe3.doc (Auszüge? aus Interpretationen)

http://www.studentshelp.de/p/referate/02/3528.htm (schwache Interpretation)

http://mariella-deutscharbeiten.blogspot.de/2009/03/verteidigung-der-wolfe-gegen-die-lammer.html (dito)

http://oe1.orf.at/artikel/260548 (kurze Interpret.)

http://www.deutschlandfunk.de/die-dichter-des-zorns.1184.de.html?dram:article_id=228706 (das Gedicht im Kontext zorniger Gedichte)

http://www.deutschlandradiokultur.de/manuskript-kleinburgerdammerung.media.f974f09b4d9d7cedd61a9805aa7b31c0.pdf (über deutschsprachige Literatur 1957 – Rückschau 2007)

http://drum.lib.umd.edu/bitstream/1903/10823/1/Hildebrandt_umd_0117N_11472.pdf (Masterarbeit über HME als romantischen Marxisten, 2010)

http://issuu.com/z.uvanovic/docs/mihaela_spajic_h_m_enzensbergers_lyrisches_schaffe (M. Spajic: Enzensbergers lyrisches Schaffen)

http://www.deutscheakademie.de/de/auszeichnungen/georg-buechner-preis/hans-magnus-enzensberger/laudatio (Laudatio H. W. Eppelsheimers zur Verleihung des Büchnerpreises 1963 an HME)

http://www.gbv.de/dms/faz-rez/571228_FAZ_0039_BuZ5_0001.pdf (Rezension des Gedichtbandes durch J. Kaiser in der FAZ, 1957)

Wolf als Symbol:

http://www.symbolonline.de/index.php?title=Wolf

http://www.symbole-wiki.de/index.php/Wolf

http://uhanek.twoday.net/stories/6177162/

Andere „böse Gedichte“ im Netz:

Geburtsanzeige http://www.redemptoristen.com/index.php?id=180&programm=108, dort das 4. Gedicht

Anweisung an Sisyphos http://www.psychohelp.at/2003/03/08/von-h-m-enzensberger.html

La forza del destino – (fehlt im Netz)

Ratschlag auf höchster Ebene http://de.etc.schreiben.lyrik.narkive.com/3BbNb6zh/enzensberger-watt-will-der-autor-uns-sagen

Security risk –

Lehrgedicht über den Mord https://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idThread=219685&idForum=1&lang=de&lp=ende (nur die 1. Str.)

Auf der Flucht erschossen –

An einen Mann in der Trambahn http://www.ipq.kit.edu/downloads/lyrtexte.pdf, dort S. 70

Bildzeitung http://jhelbach.de/Lit/August10/Texte.pdf

Goldener Schnittmusterbogen zur poetischen Wiederaufrüstung –

Sozialpartner in der Rüstungsindustrie –

Ins Lesebuch für die Oberstufe http://www.stiftikus.de/material/lesebuch.doc

Konjunktur –

Aussicht auf Amortisation –