Stadler: Judenviertel in London – Analyse

Judenviertel in London (1913)

 

Dicht an den Glanz der Plätze fressen sich und wühlen

Die Winkelgassen, wüst in sich verbissen,

Wie Narben klaffend in das nackte Fleisch

der Häuser eingerissen

Und angefüllt mit Kehricht,

den die schmutzigen Gossen überspülen.

 
Die vollgestopften Läden drängen sich ins Freie.

Auf langen Tischen staut sich Plunder wirr zusammen:

Kattun und Kleider,

Fische, Früchte, Fleisch, in ekler Reihe

Verstapelt und bespritzt

mit gelben Naphtaflammen.

 
Gestank von faulem Fleisch und Fischen klebt an Wänden.

Süßlicher Brodem tränkt die Luft, die leise nachtet.

Ein altes Weib

scharrt Abfall ein mit gierigen Händen,

Ein blinder Bettler

plärrt ein Lied, das keiner achtet.

 
Man sitzt vor Türen, drückt sich um die Karren.

Zerlumpte Kinder kreischen über dürftigem Spiele.

Ein Grammophon quäkt auf,

zerbrochne Weiberstimmen knarren,

Und fern erdröhnt die Stadt

im Donner der Automobile.

 

In Stadlers Gedicht wird das Judenviertel in London beschrieben, wie es vor 1914 zu erleben war: das Ghetto. „London“ weist das Gedicht der Großstadtlyrik zu, „Ghetto“ ist das Sujet – wobei wir heute Ghetto anders lesen als vor hundert Jahren, auch wenn in Stadlers Gedicht das Wort explizit nicht vorkommt.

Ghetto: ein besonderes Stadtviertel, das Juden als Lebensraum zugewiesen war; im Dritten Reich war es nicht Lebensraum, sondern Todeszone. Zur Zeit Stadlers war es noch ein wenn auch ärmlicher und erbärmlicher Lebensraum, der von der glänzenden Großstadt London abgegrenzt, also auch damals ausgegrenzt war. Es lag zwar nahe beim „Glanz der Paläste“ (V. 1), aber doch fern dem Leben der pulsierenden Metropole, dem „Donner der Automobile“ (V. 23 f.).

Das Ghetto in London ist so etwas wie ein Tier (V. 1-4): Winkelgassen sind so anders als die großen Plätze (Kontrast, V. 1 f.); sie fressen sich hinein, wühlen, sind in sich verbissen – „wie Narben in das nackte Fleisch der Häuser eingerissen“ (V. 3 f.). Im Lebenskampf gibt es kein Erbarmen, nur der Wille zum Überleben zählt. Statt Glanz (V. 1) also Kehricht (V. 5), jede Menge (angefüllt, V. 5; überspülen, schmutzig, V. 6).

Wenn man die erste Strophe laut gesprochen hat, merkt man den drängenden Rhythmus des Sprechers, der ganz dem hingegeben ist, was er wahrnimmt und kein Wort von sich selbst sagt: Es ist eine Art Jambus mit unterschiedlicher Anzahl der Versfüße (6, 5, 5, 3, 3, 5, der letzte bei „schmutzigen“ gestört), nur in V. 3 eine männliche Kadenz, zwei Enjambements (V 1, 3). Besonders originell ist der Reim, man muss in jeder Strophe zweimal zwei Verse zusammenfassen, um das Reimschema zu entdecken. In der 1. Strophe haben wir einen umfassenden Reim: V. 1 – V. (5 und 6); V. 2 – V. (3 und 4). In allen übrigen Strophen haben wir in der gleichen Zusammenfassung einen Kreuzreim: V. 1 – V. (3 und 4), V. 2 – V. (5 und 6). Die Semantik der Reime ist sinnvoll, trotz der Enjambements: Die Gassen wühlen – den Kehricht überspülen; die Gassen sind verbissen – ins Fleisch der Häuser eingerissen. – Was hier an der 1. Strophe gezeigt wurde, kann jeder für die folgenden Strophen selber durchexerzieren.

In der 2. Strophe wird die Fülle dessen beschrieben, was sich im Ghetto stapelt und nach außen „ins Freie“ (V. 7) drängt, als Plunder wirr gestapelt: Es folgen die Aufzählungen mit K- und F-Alliteration (V. 8 f.), Klamotten und Esswaren, „wirr zusammen“ (V. 8), „in ekler Reihe verstapelt“ (V. 10 f. – Neologismus verstapelt, nicht gestapelt!). Was „mit gelben Naphtaflammen“ bespritzt ist, ist nicht recht klar: ob es sich um den Widerschein realer Flammen eines Erdöls in Öfen handelt oder bloß um Aufdrucke auf den Kleidern? Grammatisch wird man für die erste Möglichkeit plädieren, dass also Fische, Früchte, Fleisch im Schein irgendwelcher Flammen leuchten. Eine Überfülle von Waren und Plunder wird zum Kauf angeboten – von irgendetwas müssen die Juden schließlich leben.

In den beiden letzten Strophen werden Eindrücke von den Leuten im Ghetto dargestellt – zunächst wird jedoch noch (und im Reim mit den Menschen verbunden) beschrieben, wie schlimm der ganze Krimskram des Ghettos riecht (Gestank, süßlicher Brodem, V. 13 f.), wie penetrant dieser Gestank ist (klebt an Wänden, tränkt die Luft, 13 f.). Reime: Gestank an Wänden – ein Weib mit gierigen Händen; Luft, die leise nachtet – Lied, das keiner achtet (3. Strophe). Hier sind die Leute Einzelne, ein altes Weib und ein blinder Bettler: Prototypen des Elends. In der 4. Strophe werden die Menschen in ihrer Fülle wahrgenommen (gehört): „man“ (V. 19), zerlumpte Kinder (V. 20), Weiber (V. 22). Was man hört, ist „kreischen“ und „quäken“ und „knarren“ (negativ, unangenehm); die Menschen werden als verstörte oder zerstörte erwähnt (Vorsilbe „zer-“: zerlumpt, zerbrochen, V. 20 und 22), bereits die Spiele der Kinder sind nur dürftig (V. 20). Diese Welt wird in den Kontrast zur großen Metropole gesetzt: „fern erdröhnt die Stadt / im Donner der Automobile“ (V. 23 f.): Karren vs. Atomobile, Winkelgassen vs. Stadt, kreischen vs. donnern.

Zweimal wird die große Stadt erwähnt (V. 1, V. 23 f. – ein Rahmen), gegen die sich das ärmliche Judenviertel abhebt. – Ein Großstadtgedicht, was nicht von der Befindlichkeit des normalen Städters (Tucholsky, Lichtenstein u.a.), sondern von der Armseligkeit der Juden in ihrem Ghetto handelt. Ich empfehle, es in die Lektüreliste „Großstadtlyrik“ aufzunehmen.

Aus dem gleichen Gedichtband „Der Aufbruch“ (1913) stammt das Gedicht „Form ist Wollust“, in dem Ernst Stadler sein damaliges Programm – paradoxerweise in schöner Form – formuliert hat:

„[…] Form will mich verschnüren und verengen,

Doch ich will mein Sein in alle Weiten drängen –

Form ist klare Härte ohn’ Erbarmen,

Doch mich treibt es zu den Dumpfen, zu den Armen,

Und in grenzenlosem Michverschenken

Will mich Leben mit Erfüllung tränken.“

Das Gedicht „Judenviertel in London“ handelt vom Leben der Dumpfen und Armen in London.

Ernst Stadler, Professor der Literaturwissenschaft, geboren 1883 im Elsass, ist am 30. Oktober 1914 bei Ypern als Soldat gefallen. Mit Betroffenheit gedenken wir eines Dichters, eines Menschen, der genau vor 100 Jahren wie Millionen andere in einem sinnlosen Krieg sein Leben verloren hat.

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stadler,+Ernst/Biographie (E. Stadler)

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Stadler (E. Stadler)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stadler,+Ernst/Gedichte (Stadler: Gedichte)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/ws12/Literatur_und_Erster_Weltkrieg-WS12-Neubauer.pdf, dort ab S. 8: Krieg und Literatur

Ghetto:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto (allgemein)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_(Venedig) (Venedig)

https://de.wikipedia.org/wiki/Slum (Slum)

Aus dem Ghetto. Geschichten von Leopold Kompert, 1850 (2. Aufl.); auch Isaak Babels „Geschichten aus Odessa“ verdienen Beachtung.

Leopold Kompert: Neue Geschichten aus dem Ghetto

http://www.yadvashem.org/yv/de/holocaust/about/03/daily_life.asp (Drittes Reich)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Minsk

https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Ghetto

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/zweiter-weltkrieg/holocaust/warschau/

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/zweiter-weltkrieg/holocaust/lodz/

http://www.ghetto-theresienstadt.info/terezinghetto.htm

Lyrik des Expressionismus – Hilfsmittel zum Verständnis

Expressionismus – hat es „den“ Expressionismus überhaupt gegeben? Ist das nicht ein Konstrukt, eine Epochenbezeichnung, die viele verschiedene und verschiedenartige Künstler zusammenfasst (und so ihnen oft ihr Eigenes abnimmt)? „Die überlieferte Sprache genügt nicht mehr, die preziöse Sprache des Symbolismus wird abgelehnt, die naturalistische Wirklichkeitssprache ist zu platt. So kommt es zum gewaltsamen Versuch, die Sprache vom Pathos des Gefühls zu neuem dichterischem Ausdruck emporzutreiben. So ist der Expressionismus, auf seine Breite hin gesehen, eher ein Problem der Sprache als ein Problem der Ästhetik.“ (Clemens Heselhaus: Deutsche Lyrik der Moderne, 1961, S. 211)

Es ist offensichtlich nicht einfach, die „typischen“ Repräsentanten der expressionistischen Lyrik zu benennen, wie die Differenz der beiden folgenden Reihen zeigt.

Die erste Reihe:

Das expressionistische Jahrzehnt 

Stefan George
Alles habend alles wissend seufzen sie

August Stramm
Untreu
Patrouille

Rainer Maria Rilke
Wendung
Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein

Konrad Weiss
Judas

Wilhelm Klemm
Schlacht an der Marne

René Schickele
Abschwur

Ernst Stadler
Vorfrühling
Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht

Oskar Loerke
Pansmusik

Paul Boldt
Junge Pferde

Hugo Ball
Intermezzo

Gottfried Benn
Nachtcafé
Gesänge
Untergrundbahn

Hans Arp
Opus Null

Albert Ehrenstein
Erde

Kurt Schwitters
An Anna Blume

Georg Trakl
In ein altes Stammbuch
Menschheit
In den Nachmittag geflüstert
De profundis
Abendland
Klage
Grodek

Jakob van Hoddis
Weltende
Kinematograph

Georg Heym
Die Ruhigen
Die Irren
Der Krieg
Träumerei in Hellblau
Letzte Wache
Mit den fahrenden Schiffen

Alfred Lichtenstein
Die Dämmerung
Prophezeiung
Abschied

Ernst Blass
Süddeutsche Nacht

Franz Werfel
Als mich dein Wandeln an den Tod verzückte
Der dicke Mann im Spiegel
Trinklied

Johannes R. Becher
Der Dichter meidet strahlende Akkorde

Bertolt Brecht
Vom Schwimmen in Seen und Flüssen

 

Und hier die zweite Reihe:

Lyrik

Theodor Däubler
Purpurschwere, wundervolle Abendruhe
Die Erde treibt im Norden

Else Lasker-Schüler
Weltflucht
Mein Volk
Ein alter Tibetteppich
Jakob
Mein blaues Klavier

Georg Heym
Wolken (Letzte Fassung)
Die Gefangenen I
Der Gott der Stadt
Die Hölle I

Georg Trakl
Verfall
Menschheit
Der Herbst des Einsamen
Klage
Grodek (2. Fassung)

Ernst Stadler
Der Spruch
Form ist Wollust
Irrenhaus
Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht

Johannes R. Becher
Der Dichter meidet strahlende Akkorde
Der Mensch steht auf!

Franz Werfel
An den Leser
Vater und Sohn
Der gute Mensch

Gottfried Benn
Kleine Aster
Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke
Untergrundbahn
Ein Trupp hergelaufener Söhne schrie

Jakob van Hoddis
Weltende
Der Visionarr
Nachtgesang

Alfred Lichtenstein
Die Dämmerung
Das Konzert
Die Fahrt nach der Irrenanstalt II

August Stramm
Untreu
Trieb
Patrouille
Wache

(Gut, die zweite Reihe stammt aus „Expressionismus und Dadaismus“, Reclam 1974/2000, die erste Reihe aus „Jahrhundertgedächtnis. Deutsche Lyrik im 20. Jahrhundert, Reclam 1998/99 – sie nennt auch nur „das expressionistische Jahrzehnt“ als Thema, nicht „expressionistische Lyrik“; aber die Differenzen der Namen und Titel sind doch beachtlich, wenn auch Jakob van Hoddis’ „Weltende“ und Trakls „Grodek“ neben Stamms „Patrouille“, Benns „Untergrundbahn“, Heyms „Der Krieg“ und Stadlers „Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht“ offenbar zum Kanon gehören.)

Im Lauf der Analyse expressionistischer Gedichte bin ich auf eine Reihe von Hilfsmitteln gestoßen, die ich hier zusammenstelle:

Texte

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

http://d-nb.info/575379588/04 (Inhaltsverzeichnis „Menschheitsdämmerung“)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://michaelansel.userweb.mwn.de/dateien/liebesgedichteexpressionismus.pdf (Expressionismus: Liebesgedichte)

http://jhelbach.de/Lit/Expressionismus.pdf (Kleine Textsammlung: Expressionismus)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kondor (Anthologie „Der Kondor“, 1912 – Übersicht)

https://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1912_hiller.html („Der Kondor“, Vorwort)

http://d-nb.info/956759254/04 (Lyrik des Expressionismus, hrsg. von Silvio Vietta, 1998, 4. verbesserte Aufl. 1999: Inhaltsverzeichnis)

http://www.dandelon.com/servlet/download/attachments/dandelon/ids/AT001C2E5251121E98B63C12572AC00483681.pdf (Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts. Von den Wegbereitern bis zum Dada. Eingeleitet von Gottfried Benn, 1955: Inhaltsverzeichnis)

Texte und Bilder

https://robert-koch-gymnasium.de/index?class=14&id=883 (Gedichte und Bilder zu: Expressionismus)

http://homepage.univie.ac.at/konstanze.fliedl/VO_Literaturgeschichte_I_WS_2013/Expressionismus.ppt (ähnlich)

Umberto Boccioni: Der Lärm der Straße dringt ins Haus (La strada entra nella casa); das Bild wird dem Futurismus zugerechnet, kann aber auch den Expressionismus illustrieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/La_strada_entra_nella_casa

http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/NL_KUNST_0313_Kreativ_S1_151113.pdf

http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/sound-des-jahrhunderts/209610/sound-der-moderne-im-futurismus

http://www.kunst-rs-bayern.de/userfiles/Unterrichtsbeispiele/Klasse_10/ah10_kubismus_ISB.pdf (Arbeitsheft Kubismus)

http://www.lindenhahn.de/referate/express/vortrag2.htm (Lindenhahn zu: Expressionismus)

Expressionismus: Lyrik und allgemein

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://delabar.net/storage/702471eaVorlesung_Lyrik_04_Dadaismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Dadaismus)

http://germanistik.gradina.net/haupt?p=92 (Hauptthemen der expressionistischen Lyrik)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://de.wikipedia.org/wiki/Expressionismus_%28Literatur%29 (Expr. in der Literatur: Wikipedia)

http://de.wikipedia.org/wiki/Expressionismus (Expressionismus: Wikipedia)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/22/thema-literatur-des-expressionismus-1910-1925/ (Literatur des Expressionismus)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur20/zusammenfassungmorgue.pdf (Zum Expressionismus)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://www.lindenhahn.de/referate/express/vortrag2.htm (Lindenhahn: Expressionismus)

http://www.grossstadt-blog.com/2011/10/stilmittel-des-expressionismus.html (Stilmittel des Expressionismus)

http://www.pangloss.de/cms/uploads/Dokumente/Germanistik/Allgemeines/Prosa_Expressionismus.pdf (Literatur)

Anleitung zum expressionistischen Schreiben

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/15/expressionistisches-schreiben-benn-heym-trakl-teil-i/ (Expressionistisches Schreiben: Anleitung)

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/25/expressionistisches-schreiben-ii/ (dito: II)

Essays, Spezialthemen

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/o_mod/futur00.htm (Expressionismus: Malerei)

http://ids-pub.bsz-bw.de/files/804/Henne_Sprachliche_Erkundung_der_Moderne_1996_1.pdf(Helmut Henne: Sprachliche Erkundung der Moderne, 1996)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14761 (Thomas Anz: Zur literarischen Moderne im „expressionistischen Jahrzehnt“)

http://www.literaturkritik.de/public/inhalt.php?ausgabe=201009#14761 (Essays zu: 100 Jahre Expressionismus)

http://www.journals.istanbul.edu.tr/tr/index.php/almandili/article/viewFile/13512/12731 (Manfred Durzak: Das Landschaftsgedicht des Expressionismus)

http://www.kas.de/db_files/dokumente/7_dokument_dok_pdf_4018_1.pdf (Sandra Kluwe: Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://www.stavroskaragkounis.gr/pdf/PTYHIAKI_MAGISTERARBEIT.pdf („Großstadt“ im Expressionismus)

http://is.muni.cz/th/183873/pedf_b/derneuemensch.doc (Miroslav Janík: Der neue Mensch in der Expressionistischen Literatur, Bachelorarbeit 2009)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“ Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ll_lyrik.pdf (Apokalyptische Motive in expressionistischer und hebräischer Lyrik des 20. Jahrhunderts)

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7652/pdf/Kim_Diss_Gesamt_15_07_2010.pdf (J.S. Kim: Dichtergedichte als Gründungsdokumente der expressionistischen Avantgarde, Diss. 2007)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (Rick Duijf: Das Sonett in der expressionistischen Lyrik, Bachelor-Arbeit 2011)

Der Expressinismus wurde durch die neue Sachlichkeit abgelöst. Ein Besuch in der Kunsthalle Mannheim hat mir eine Reihe mir bis dato unbekannter Maler gezeigt, die der neuen Sachlichkeit verpflichtet waren:

http://www.karlsruhe.de/b1/kultur/kunst_ausstellungen/museen/staedtische_galerie/ausstellungen/hubbuch/HF_sections/content/ZZkVz8guwcu1vm/ZZkWSt77y8P5v0/Abb_7,%20Mit%20F%C3%B6n%20und%20Fahrrad.jpg (Karl Hubbuch, 1928/29)

http://www.tendreams.org/schnarrenberger.htm (Wilhelm Schnarrenbeger)

http://images.arcadja.com/babij_ivan-homme_%C3%A0_la_cravate_1937~OM111300~10111_20061115_9799_64.jpg (Iwan Babij)

http://www.blindbild.com/wp-content/uploads/2014/11/hlmd-lenk.jpg (Franz Lenk)

http://www.lenbachhaus.de/uploads/tx_januscarousel/G_15550__SchadCh_940.jpg (Georg Schrimpf)

https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schrimpf (Georg Schrimpf – Georg Schrimpf ist als Suchwort sehr ergiebig)

http://www.lenbachhaus.de/sammlung/neue-sachlichkeit/ (ganzer Artikel)

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/kunst-und-kultur.html (ganzer Artikel)

https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schrimpf (ganzer Artikel)

http://images.arcadja.com/knaus_eugen-am_bahndamm~OM42a300~10415_20081206_932_205.jpg (Eugen Knaus)

http://www.rhein-zeitung.de/cms_media/module_img/2808/1404208_1_popup_image_51f395afe84ccdcb.jpg (Rudolf Schlichter)

Das Neue der neuen Sachlichkeit erkennt man im Vergleich mit dem Expressionismus:

http://kunsthalle-emden.de/kunsthalle-emden/wp-content/uploads/Emil-Nolde-Palmen-am-Meer-1914-c-Nolde-Stiftung-Seebuell.jpg (Emil Nolde)

http://www.kunstausstellungen.de/data/img/d654f5e81d1c9c3e8731a92eb355f109_55e03f1e0f0b9.jpg (Ernst Ludwig Kirchner)

http://www.bruecke-museum.de/schmidtrottluffausstellung/nachmittagssonne63.jpg (Schmitt-Rottluff)

http://www.philipphauer.de/galerie/franz-marc/werke-gr/tiger.jpg (Franz Marc)

Ernst Blass: An Gladys – zur Erinnerung an den Dichter

So seltsam bin ich, der die Nacht durchgeht…

Text

http://www.deutsche-liebeslyrik.de/blass_ernst.htm#g1 (als erstes der Liebesgedichte des Ernst Blass)

http://www.literatisch.de/ernst-blass-die-strasse-komme-ich-entlang-geweht.html (dort der ganze Band „Die Straßen komme ich entlang geweht“)

http://www.lyrikschadchen.de/html/blass.html (dito)

http://www.lyrikschadchen.de/Sonett_Typen_Beispiele.pdf (dort als Beispiel für den Sonett-Typ I 2)

Ernst Blass ist heute beinahe vergessen – um dem entgegenzuwirken, sei hier seiner gedacht: 1890 geboren, gehörte er zu den Mitbegründern des „Neuen Clubs“, des ersten expressionistischen Dichterbundes, veröffentlichte Gedichte in fast allen avantgardistischen Zeitschriften („Der Sturm“, „Die Aktion“, „Pan“, „Die Fackel“…), arbeitete als Redakteur der Zeitschrift „Die Argonauten“, promovierte 1915 als Jurist, arbeitete als Archivar der Dresdner Bank, wurde Kritiker beim „Berliner Börsen-Curier“, Lektor im Verlag Paul Cassirer… Als Jude bei den Nazis unerwünscht, starb er am 23. Januar 1939 in Berlin.

1912 veröffentlichte er eine Gedichtsammlung mit dem Titel „Die Straßen komme ich entlang geweht“; das bemerkenswerte Eingangsgedicht trägt den Titel „An Gladys“ – es ist ein Sonett: „Der Flaneur wird als Künstler ausgewiesen, das Verhältnis von flanierendem Ich und Masse steht zur Debatte, der Flaneur ist zugleich als Erotiker unterwegs und ein neuer Ton hält einen Einzug in die Großstadtdichtung, ein ironischer, gar selbstironischer. (..) Augenzwinkernd lässt Blass dann ‚Dichterhaupt’ auf ‚ganz belaubt’ reimen, um damit den alten Modus der Dichterkrönung mit Lorbeeren zu evozieren und den schwarzen Hut als Kennzeichen dieses modernen Dichters zu kennzeichnen.“ (Harald Neumeyer: Der Flaneur: Konzeptionen der Moderne, S. 189)

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Blass (Biografie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Argonauten_%28Zeitschrift%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kondor

http://www.zeit.de/1956/32/ernst-blass (Würdigung)

http://www.eckhard-ullrich.de/jahrestage/1180-anklopfen-bei-ernst-blass (Würdigung)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/author/blass.htm (Gedichte)

http://www.literatisch.de/ernst-blass-verstreute-gedichte.html (verstreute Gedichte)

http://gutenberg.spiegel.de/autor/1516 (Gedichte)

http://www.deutsche-liebeslyrik.de/blass_ernst.htm (Liebesgedichte)

http://www.berneburg.de/berlinlyrik/content/2-gedichte/G-indernacht.htm (einige Gedichte)

http://www.lexikus.de/bibliothek/Juden-in-der-deutschen-Literatur/Alfred-Doeblin-von-Ernst-Blass (Alfred Döblin)

http://edition-memoria.de/programm/blass-ernst/ (Werkausgabe)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14749 (dito)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (Rick Duijf: Das Sonett in der expressionistischen Lyrik, Bachelor-Arbeit 2011)

http://www.kas.de/db_files/dokumente/7_dokument_dok_pdf_4018_1.pdf (Sandra Kluwe: Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://wikis.zum.de/zum/Gro%C3%9Fstadtlyrik_des_Expressionismus (Großstadtlyrik des Expressionismus)

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_lyr/lyr_gat/grossstadtlyrik/grossstadtlyrik_0.htm (Großstadtlyrik)

http://www.zeit.de/2000/04/Grossstadtlyrik (Großstadtlyrik)

http://www.berneburg.de/berlinlyrik/ (Berlin in der Lyrik des Expressionismus)

http://germanistik.gradina.net/haupt?p=92 (Hauptthemen der expressionistischen Lyrik)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=TiczPeAASaY (In einer fremden Stadt)

Georg Trakl: Herbst des Einsamen – Analyse

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle…

Text

http://www.textlog.de/17551.html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1454

http://www.versalia.de/archiv/Trakl/Der_Herbst_des_Einsamen.15.html

http://www.fundus.org/pdf.asp?ID=13207 (mit kurzer Interpretation)

Auch für dieses Gedicht gilt zumindest in Grenzen die erste Überlegung, die ich zu Heyms „Träumerei in Hellblau“ angestellt habe. Die Farbe Blau kommt ebenfalls wieder zur Geltung, wie bei Heym (dort Links zur Farbe Blau!).

Wir haben ein sehr musikalisches Gedicht vor uns, das nicht schwer zu verstehen ist; allerdings irritiert der Schluss (V. 17 f.), in dem „ein knöchern Grauen“ in die abendliche Idylle einbricht. In der ersten Analyse (litde.com) heißt es dazu: „Aber wenn am Ende des Gedichts die Bildlichkeit des Todes sich durchsetzt, so doch nicht im Sinne des Triumphs. Das »knöchern Grauen« hebt die sanfte Gewalt der Liebe nicht auf. Die Vergänglichkeit wird als eine Kehrseite von »Frucht und Fülle« hingenommen.“

Hier geht es um Nuancen – ich lese den Tenor des Gedichtes etwas negativer: Die Todessymbole durchziehen den ganzen Text: dunkel (V. 1), vergilbt (V. 2), dunkle Fragen (V. 6), Kreuz (V. 7), öder Hügel (V. 7) dürres Stroh (V. 12), und dann eben die beiden letzten Verse. Ich würde sagen, dass das knöcherne Grauen am Ende dominiert und die abendliche Idylle aufsaugt. Insofern schließe ich mich der Interpretation von schreiben10.com an.

In der Struktur gleicht das Gedicht einem anderen, „Verfall“ (https://norberto42.wordpress.com/2012/01/30/trakl-verfall-analyse/), vgl. den Text und eine optimistische Deutung in der Gedichte-Werkstatt (s.u., Sonstiges).

Die formalen Besonderheiten sind beim 2. und 3. Link beschrieben:

http://www.litde.com/stationen-der-deutschen-lyrik/feier-spter-schnheit/georg-trakl-iii-der-herbst-des-einsamen-erfllung-und-abschied.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herbst_des_Einsamen

http://www.schreiben10.com/referate/Literatur/26/Georg-Trakl—Der-Herbst-des-Einsamen-reon.php (Stichworte)

http://ethikpost.blogspot.de/2011/10/der-herbst-des-einsamen-georg-trakls.html (ideologische Verdrehung des Gedichts aus „christlichem“ Ungeist).

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/der-herbst-des-einsamen.html = http://www.youtube.com/watch?v=cLgG0j-THJ4 (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=Hzvri5UMhOw (mit Musik, wieder Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=xeLbDh15v5g (gut, Artikulation unsauber)

http://www.youtube.com/watch?v=wtk-RIqB5go (eigenwillige Aufführung)

https://www.youtube.com/watch?v=ZqTEvEGqcEo (schwach, Bilder ohne Bezug zum Text)

http://www.youtube.com/watch?v=kN2B-78t9RY (180 Gedichte Trakls: Binärcode, auf der Geige gespielt – was soll das ausdrücken?)

Herbstgedichte

http://messercharly-solingen.npage.de/herbstgedichte.html

http://gedichte.xbib.de/_Herbst_gedicht.htm

http://www.gedichte.levrai.de/herbstgedichte.htm

Sonstiges

http://gedichte-werkstatt.de/Trakl/Interpretationen.html (Text und kurze Interpretation vieler Gedichte Trakls)

http://www.literaturnische.de/Trakl/texte.htm (alle Texte Trakls)

http://www.gasl.org/refbib/Trakl__Dichtungen.pdf (Dichtungen)

http://www.textlog.de/trakl.html (dito)

http://www.babelmatrix.org/works/de/Trakl,_Georg (dito)

http://saetzeundschaetze.com/2013/09/29/georg-trakl-dichter-der-herbstmelancholie/ (drei Herbstgedichte Trakls)

http://www.georgtrakl.de/index.html (Die Lyrik Trakls anhand exemplarischer Beispiele)

http://home.arcor.de/sonnenblume69/trakl.htm (Natur und Schwermut in den Gedichten Trakls)

https://www.facebook.com/alejandro.graziani.9/posts/361099504022799 (Georg Trakl)

http://deu.1september.ru/article.php?ID=200700511 (Georg Trakl)

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl (dito)

http://altmarius.ning.com/profiles/blogs/georg-trakl (dito)

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40754 (dito)

http://www.zeit.de/1987/06/die-fremde-naehe-des-georg-trakl/seite-1 (Würdigung zum 100. Geburtstag)

http://www.studentshelp.de/p/referate/02/461.htm (Hermetische Lyrik: George – Trakl – Benn)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://germanistik.gradina.net/haupt?p=92 (Hauptthemen der expressionistischen Lyrik)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

Georg Trakl: Klage – Analyse

Schlaf und Tod, die düstern Adler…

Text

http://literatur-community.de/forum/gedichte/1997-georg-trakl-s-klage-lyrikrunde/ (mit Interpretationen von Laien)

http://www.versalia.de/archiv/Trakl/Klage.83.html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1458

http://www.literaturwelt.com/werke/trakl/klage1.html

http://www.hs-augsburg.de/~%20harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Trakl/tra_bre1.html (dort als „Klage II“)

(Es gibt auch das Gedicht „Nächtliche Klage“: http://www.textlog.de/19434.html, und ein weiteres Gedicht „Klage“: http://www.zeno.org/Literatur/M/Trakl,+Georg/Gedichte/Ver%C3%B6ffentlichungen+im+%C2%BBBrenner%C2%AB+1914-15/Klage)

Das Gedicht „Klage“, eines der letzten Trakls, wird öfter als Beleg für die Erfahrung von Depression oder Schwermut zitiert; es ist also wohl nicht nur das Kriegserleben Trakls, was sich hier ausdrückt. Es ist die Klage eines Menschen, der mit Nietzsche dem Nihilismus standhalten musste.

Schlaf und Tod (thanatos und hypnos) gehören bereits nach Hesiod zusammen, sie sind Kinder der Nacht (nyx); nach Homer haben sie sogar als Zwillinge zu gelten (Ilias, 16. Gesang, Zeile 671 ff.). Sie „umrauschen nachtlang dieses Haupt“ (V. 2), bedrohen es also; als Adler (Metapher) sind sie Raubvögel, stark und zupackend – ihr Flügelschlag ist ein Rauschen, ihr Aussehen ist düster-bedrohlich. Mit dieser ersten Klage über die erfahrene Bewusstlosigkeit beginnt der Sprecher, der sich hinter dem Demonstrativum „dieses“ verbirgt, seinen Klagegesang. Die von den Adlern ausgehende Drohung wird in den nächsten Versen benannt, im Konjunktiv II formuliert: dass des Menschen goldenes Bildnis verschlungen würde (V. 3-5). Dieses Bildnis ist nicht nur das eigene Bild, sondern das Bild des Menschen an sich, das in einer geist-losen Ewigkeit entschwinden wird, untergegangen wie im Meer. Ob das Attribut „eisig“ eine Anspielung auf den Kältetod ist, der nach dem Gesetz der Entropie alle Differenzen einebnen wird, wie Karl Eibl vermutet? Die eisige Woge ist jedenfalls übermächtig, tödlich: Ewigkeit als Ende der Zeit, als Ende des Zeitwesens Mensch, der hinweggefegt wird; Ewigkeit als Meereswoge (Metapher).

Das Bild der Meerwoge, des Sturzbrechers Ewigkeit wird im Folgenden ausgemalt: Der Leib zerschellt an Riffen; dass er purpurn ist (V. 6), ist ein letztes Zeichen seiner ehemaligen Würde: „Im alten Rom war Purpur den Togen und einige Zeit sogar nur den Schärpen der Senatoren vorbehalten. Es war der Farbstoff der Toga von Triumphatoren und des Kaisers.“ (Wikipedia) Mit der Konjunktion „Und“ (V. 7) eingeleitet, wird die gleichzeitige Klage des Untergehenden berichtet – oder ist die dunkle Stimme die eines anderen? Ist der Klageruf vielleicht bereits dieses Gedicht „Klage“?

Nun wird vom Sprecher die Schwester angesprochen, sie ist die „Schwester [in] stürmischer Schwermut“; die Schwester ist die letzte Instanz, an die der Sprecher sich in seiner Hilflosigkeit wenden kann; es hört ihn kein GOTT und kein Kaiser – und wenn die Schwermut „stürmisch“ ist, so ist sie vielleicht die große Woge, die alles hinwegfegt. Die Schwester wird auf den Untergang des Kahns hingewiesen (V. 10 f.), der metonymisch „ängstlich“ genannt wird; die Schwester ist hier ein Urbild letzter Verbundenheit, Symbolisierung der Schwester Trakls, zu der dieser ein [zu] inniges Verhältnis hatte.

Zum Schluss wird die Kulisse des Untergangs beschrieben: „Unter Sternen…“ (V. 11 f.); wenn sie das Antlitz der Nacht sind, so ist „Nacht“ ihr Wesen, alles Lebenslicht ist erloschen. Wenn das Antlitz „schweigend“ genannt wird, ist es dem Klageruf des Untergehenden entgegengesetzt; war die Stimme dunkel (V. 7), so hat sie derart bereits die Nacht und ihr Schweigen vorweggenommen.

Die Sprache des Gedichts ist gehoben, ohne Reim und Metrum; nur der Zeilenschnitt gliedert die vier Sätze. Abgetrennt werden so Subjekt, Objekt, Attribut, Adverbial – das Sprechen wird gebremst, wird zur Meditation.

Vier Bilder beherrschen das Gedicht: die düstern Adler, das goldene Bildnis des Menschen [sonst dem Kaiser oder der Göttin vorbehalten], der Untergang unter der großen Woge, das Antlitz der Nacht; von diesen Bildern gehören drei als Bedrohungsszenario zusammen, während das goldene Bildnis bedroht wird – und nicht nur bedroht wird, sondern untergeht.

Um Karl Eibls Aufsatz über den Expressionismus (mit kurzer Analyse von „Klage“ zu lesen, kann man hier klicken, aber auch „Karl Eibl: Expressionismus“ eingeben; dann sind andere Seiten im google-book weggelassen.

Vortrag

http://www.dctp.tv/ („Grodek“ und „Klage“)

http://www.youtube.com/watch?v=mTK8dzxrUrU (gesungen von „Leichenwetter“)

http://www.youtube.com/watch?v=4ZWRM0s_BAg&list=PLkA4yucCP-Ky6uDR1879Cqz0NPHgYDDVF (eine Reihe von Trakl-Gedichten)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/trakl.html (von F. Stavenhagen gesprochene Gedichte – „Klage“ ist nicht dabei)

Schwermut: Gedichte

http://gedichte.xbib.de/_Schwermut_gedicht.htm

http://gedichte.xbib.de/_Melancholie_gedicht.htm

http://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/melancholische_gedichte.php

http://www.was-ist-depression.net/2012/06/depression-gedichte-depressionen.html

http://borderline-syndrom.beepworld.de/gedichte.htm

http://lyric4life.npage.de/gedichte/depressive-gedichte.html

http://www.textlog.de/17588.html (Trakl: Die Schwermut)

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=359 (Platen)

http://www.gedichte.eu/71/george/der-teppich-des-lebens/juli-schwermut.php (George)

http://www.gedichte.eu/71/morgenstern/melancholie.php (Morgenstern)

http://de.wikipedia.org/wiki/Melancholie_%28Gottfried_Keller%29 (Keller)

Sonstiges

http://gedichte-werkstatt.de/Trakl/Interpretationen.html (Text und kurze Interpretation vieler Gedichte Trakls, darunter auch „Klage“ – das Bild von der Seefahrt = Leben halte ich für falsch)

http://www.literaturnische.de/Trakl/texte.htm (alle Texte Trakls)

http://www.gasl.org/refbib/Trakl__Dichtungen.pdf (Dichtungen)

http://www.textlog.de/trakl.html (dito)

http://www.babelmatrix.org/works/de/Trakl,_Georg (dito)

http://www.textkritik.de/trakl/trakl.htm (Reproduktionen aller Texte im „Brenner“)

http://www.georgtrakl.de/index.html (Die Lyrik Trakls anhand exemplarischer Beispiele)

http://home.arcor.de/sonnenblume69/trakl.htm (Natur und Schwermut in den Gedichten Trakls)

http://www.reiprich.com/peregrina/Nacht_in_Dichtung.pdf (Die Nacht in der Dichtung)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

https://www.facebook.com/alejandro.graziani.9/posts/361099504022799 (Georg Trakl)

http://deu.1september.ru/article.php?ID=200700511 (Georg Trakl)

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl (dito)

http://altmarius.ning.com/profiles/blogs/georg-trakl (dito)

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40754 (dito)

http://www.zeit.de/1987/06/die-fremde-naehe-des-georg-trakl/seite-1 (Würdigung zum 100. Geburtstag)

http://www.studentshelp.de/p/referate/02/461.htm (Hermetische Lyrik: George – Trakl – Benn)

http://www1.ids-mannheim.de/fileadmin/lexik/lehre/engelberg/Webseite_Lyrik_Linguistik/Sauermann-Referat-Dietz-Schmidt.pdf (Valenzverstöße in den Gedichten Georg Trakls)

http://www.inst.at/trans/6Nr/cellbrot.htm (Zu Trakl und Nietzsche)

http://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/bibliothek/pdf/ficker_2_gesamt.pdf (L. von Ficker: Briefwechsel 1914-1925, darin 1914: Briefwechsel mit Trakl)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

Georg Trakl: Grodek – Analysen

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder…

Text

http://www.textlog.de/17596.html

http://gutenberg.spiegel.de/buch/5445/82

http://www.literaturnische.de/Trakl/sonst.htm#grodek

http://xoomer.virgilio.it/micheleruele/CD_202.pdf (Text mit italien. Übersetzung)

„Grodek“ ist das letzte Gedicht Trakls, das er kurz vor seinem Tod im Garnisonshospital Krakau geschrieben hat; mit dem Titel nimmt es die Schlacht von Grodek auf, nach der Trakl 90 Schwerverwundete zu betreuen hatte. Es gibt mehrere Interpretationen im Netz; die intensivste steht in einer Magisterarbeit von „Sonnenblume“ aus dem Jahr 2001, dort unter 2.3: http://home.arcor.de/sonnenblume69/trakl.htm (Natur und Schwermut in den Kriegsgedichten Georg Trakls). Ob man wirklich von einem fortlaufenden Wechsel des Metrums oder von freien Rhythmen sprechen soll, lasse ich offen – ich plädiere für die freien Rhythmen.

Erläuterungen zur Entstehung des Gedichts findet man hier: http://www.gbv.de/dms/faz-rez/780506_FAZ_0108_BuZ4_0002.pdf

Eine intensive Meditation über das Gedicht und ein Bild dazu hat Thomas Schreijäck veröffentlicht: http://www.spacetime-publishing.de/essays/schreijaeck-grodek.htm (dazu ein Bild F. D. Bunsens und Deutungsversuch).

Ein Germanist macht Anmerkungen zu einigen Gedichten, die er nicht interpretieren will – dazu seien sie zu groß. Zu diesen Gedichten gehört auch „Grodek“: http://www.zuefle.ch/pdf/texte/literatur/Zwischen_Versen_das_Gedicht.pdf (dort S. 4 ff.)

Eine mehr oder weniger hilflose und uninformierte Deutung hat ein Schüler geliefert: http://www.rhetoriksturm.de/grodek-trakl.php; von Trakls Schwester hat er offenbar keine Ahnung.

Nachträglich habe ich vier weitere Interpretationen gefunden:

http://www.georgtrakl.de/4-phase.html (Interpretation „Grodek“)

http://umija.org/roxanne:studium:old01

http://www.antikoerperchen.de/material/18/gedichtinterpretation-georg-trakl-grodek-expressionismus.html

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-trakl-grodek,textbearbeitung,71.html

Vgl. auch Walter Höllerers Interpretation, in: Die deutsche Lyrik, hrsg. von Benno von Wiese, Bd. II, S. 419 ff.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=V7Ph7kQlW0M

http://www.youtube.com/watch?v=TZ3bx9gU2nI (deutlich schwächer, mit Bildern)

http://www.rezitator.de/gdt/732/ (Lutz Görner, gut)

http://www.youtube.com/watch?v=k2YSz6Amq7c = http://www.deutschelyrik.de/index.php/grodek.html (Fritz Stavenhagen, gut)

http://www.youtube.com/watch?v=rIJgloydqRM (Ulrich Matthes)

http://www.dctp.tv/ („Grodek“ und „Klage“)

http://www.youtube.com/watch?v=h7Tv7rcKLEI (Fritz Stavenhagen, mit Musik und Bild)

http://www.youtube.com/watch?v=BksoCGuaBHM (in Musik und Bilder umgesetzt: D. H. Johnson, Nr. 3)

http://www.youtube.com/watch?v=9N_ktX_l628 (D. H. Johnson, Nr. 4)

http://www.youtube.com/watch?v=z1E-CiFglwM (Musik: ExZess, Text kann ich nicht verstehen)

http://www.youtube.com/watch?v=4ZWRM0s_BAg&list=PLkA4yucCP-Ky6uDR1879Cqz0NPHgYDDVF (eine Reihe von Trakl-Gedichten)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/trakl.html (von F. Stavenhagen gesprochene Gedichte)

Sonstiges

http://gedichte-werkstatt.de/Trakl/Interpretationen.html (Text und kurze Interpretation vieler Gedichte Trakls, auch von „Grodek“)

http://www.literaturnische.de/Trakl/texte.htm (alle Texte Trakls)

http://www.gasl.org/refbib/Trakl__Dichtungen.pdf (Dichtungen)

http://www.textkritik.de/trakl/trakl.htm (Reproduktionen aller Texte im „Brenner“)

http://www.georgtrakl.de/index.html (Die Lyrik Trakls anhand exemplarischer Beispiele)

https://www.facebook.com/alejandro.graziani.9/posts/361099504022799 (Georg Trakl)

http://deu.1september.ru/article.php?ID=200700511 (Georg Trakl)

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl (dito)

http://altmarius.ning.com/profiles/blogs/georg-trakl (dito)

http://www.studentshelp.de/p/referate/02/461.htm (Hermetische Lyril: George – Trakl – Benn)

Georg Heym: Die Irren – Analysen

Der Mond tritt aus der gelben Wolkenwand…

Text

http://gutenberg.spiegel.de/buch/2980/50

http://www.versalia.de/archiv/Heym/Die_Irren.18.html

Andere Gedichte Heyms mit dem Titel „Die Irren“:

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Irren+%28I%29.htm

(http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Heym/hey_umb1.html)

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Irren..htm; es gibt auch eine Erzählung Heyms mit dem Titel „Der Irre“; Ernst Stadler hat das Gedicht „Irrenhaus“ heschrieben, Alfred Lichtenstein „Die Fahrt nach der Irrenanstalt“ (hier Teil I) – vermutlich ist das Thema im Expressionismus noch öfter behandelt worden: Negative Themen als Ausdruck der Ich-Gefährdung: Wahnsinn, Selbstmord, Krankheit, Tod, Verfall, Untergang (vgl. Benn Morgue, Trakl); hässliche und schreckliche Inhaltselemente. Schock und Provokation als Kritik an der zeitgenössischen Kultur, in der die grausame Wirklichkeit verharmlost wird. (lehrer.uni-karlsruhe) Es gibt auch entsprechende Bilder: Bild 1, Bild 2, …?

Als ein Merkmal der romantischen Dichtung nennt Dr. Baptist Deinlein: „Entdeckung des Unbewussten und Irrationalen. Erfahrungen wie Wahnsinn, Krankheit, Schwärmerei, Träume, Abgründe der Seele, Nachtseiten des Lebens, Doppelgängertum, Automaten als Themen der Literatur. Entdeckung des psychischen Innenraums (lange vor S. Freud!).“ Man wird nicht fehlgehen, wenn man im Expressionismus diese romantische Thematik ins Apokalyptische gesteigert wahrnimmt, wie hier verkürzt und etwas hilflos dargestellt wird: „Die neuen Wahrnehmungsweisen der Menschheit sind ein wichtiges Merkmal in der Epoche des Expressionismus. Dabei spielte das Aufgeben der traditionellen Weltbilder eine große Rolle, das moralische Chaos, ausgelöst durch Industrialisierung und Revolution, sowie die Rolle der Umwelt und der Großstadt. Dieses Bild der Großstadt löst in den Menschen ein Gefühl der Unordnung und Chaos aus, welches durch das Merkmal der Katastrophenstimmung noch verstärkt wird. Die gesellschaftlichen Veränderungen und Angstgefühle sind ebenfalls ein Motiv der Epoche des Expressionismus. […] Die Vorliebe für das negative Extrem mit den Themen Tod, Verfall, Zerstörung, Hinrichtung, Untergang und Wahnsinn ist ein weiteres Merkmal der Epoche des Expressionismus.
Der Expressionismus war auch ein Ausdruck des Ich-Zerfalls durch das Leben in den Großstädten und den Verlust des Individuums in der Umwelt.“ Was hier einfach additiv aufgezählt wird, muss man als Einheit begreifen, als einheitliches Lebensgefühl einer Gruppe junger Außenseiter…

Das Thema „Wahnsinn“ gab es schon immer als Wahnsinn einzelner, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wahnsinn (dort 2. und 7., auch 4.), http://www.pflege-forschung.de/downloads/doeblin_reinecke.pdf (dort 2.: einige historische Schlaglichter); neu ist bei Heym bzw. im Expressionismus, dass er quasi zum Merkmal der eigenen Epoche wird.

Es gibt im Netz fünf Interpretationen, die aber allesamt schülerhaft sind. Ich möchte daher kurz etwas zum Aufbau des Gedichts sagen: Der Sprecher ist anonym, er meldet sich auch nicht indirekt, etwa durch Wertungen, zu Wort. In der 1. Str. beschreibt er die normale Situation der eingesperrten Irren, denen die Gitterstäbe wie ein Gartenzaun sind, an dem sie „wie große Spinnen“ (Tiervergleich!) hängen (V. 2 f.). In der 2. Str. wird zunächst die Situationsbeschreibung fortgesetzt (V. 5 f.). Dann wird berichtet, wie plötzlich der Wahnsinn aufschreit (Enjambement, V. 6 f.); dieser Aufschrei gipfelt im grundlosen Mord am Arzt (3. Str.), der eben noch Gesprächspartner war. Der Wahnsinn setzt sich im Vergnügen der Irren fort (V. 12) – mit „Doch“ (V. 12) wird der Bericht vom Umschwung eingeleitet: Mit der Peitsche wird die Herrschaft (!) der normalen Ordnung wieder hergestellt, die Irren sind erneut bloß Tiere, „Den Mäusen gleich“ (V. 14).

Man könnte noch die Semantik der Reime untersuchen: In V. 2/3 liegt sicher eine Entsprechung vor, es handelt sich ja auch um einen einzigen Satz (hängen an den Gitterstäben / Spinnen, die an Mauern kleben); in V. 1/4 ist der Zusammenhang (gestörte Ordnung) nicht so leicht aufzuzeigen. In V. 5/8 liegt ein Kontrast vor, in V. 6/7 eine Entsprechung (Gleichheit). In V. 9/11/14 wird eine Abfolge von Ereignissen erzählt; V. 10/13 könnte man als Ereignis/Folge betrachten, V. 12 fällt als bloße Zeitbestimmung aus dem Rahmen.

Es wäre reizvoll, dieses Gedicht Heyms mit den anderen Gedichten des Autors über „Die Irren“ zu vergleichen. Auch „Das Fieberspital“, ein anderes Gedicht Heyms, ist thematisch mit „Die Irren“ verwandt .

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-irren,textbearbeitung,76.html (Der Autorin sind leider Anführungszeichen nicht bekannt. Die Ausführungen über Hume halte ich für überzogen: Es genügt, das Gespräch über einen Philosophen mit der Ermordung des Gesprächspartners zu kontrastieren – Aristoteles passt halt nicht ins Metrum. Die ganze Interpretation müsste ein bisschen „gedämpft“ werden.)

http://bgfeldkirch.net/faecher/downloads/dateien/D%20Tanja%20Vallaster,%20Gedichtinterpretation%20von%20Georg%20Heyms%20Die%20Irren.doc

http://www.lyrikschadchen.de/html/body_gryphius_1-4.html (Gedichtvergleich mit Gryphius: Menschliche Elende)

http://www.deutschstunde.info/media/2c68c3dff6c3d345ffff8c47ac144221.pdf (S. 18 ff.: Text mit kurzer Interpretation)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (S. 21 f.: kurze Interpretation; was der Autor zum Aufbau schreibt, ist nicht haltbar – ein typischer Fehler von Schülern: Man kennt ein Schema des Sonetts, deshalb findet man es überall, auch wo es nicht vorhanden ist.)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=ic8PPJDjyos (Vortrag schwach, Spiel)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/irre_her.htm (Heyms Erzählung „Der Irre“)

http://www.sonett-archiv.com/gh/Heym/sonette-01.htm (Sonette Georg Heyms)

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte Heyms)

http://archive.is/VsgZa (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_73.html (dito)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/heym/ewige_tag/ewige_tag.htm (dito)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte Heyms im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 100. Geburtstag)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16282 (Georg Heyms Gewalt- und Vernichtungsphantasien)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ll_lyrik.pdf (Apokalyptische Motive in expressionistischer und hebräischer Lyrik des 20. Jahrhunderts)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“ Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14761&ausgabe=201009 (Thomas Anz: Zur literarischen Moderne im „expressionistischen Jahrzehnt“)

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/15/expressionistisches-schreiben-benn-heym-trakl-teil-i/ (Expressionistisches Schreiben: Anleitung)

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/25/expressionistisches-schreiben-ii/ (dito: II)

Heym: Die Dämonen der Städte – Analyse

Sie wandern durch die Nacht der Städte hin…

Text

http://nddg.de/gedicht/2395-Die+D%C3%A4monen+der+St%C3%A4dte-Heym.html

http://gutenberg.spiegel.de/buch/2980/70

http://vormbaum.net/index.php?option=com_docman&task=doc_details&gid=702&Itemid=73

http://www.babilonhu.net/works/de/Heym,_Georg-1887/Die_D%C3%A4monen_der_St%C3%A4dte/hu/10075-A_v%C3%A1rosok_d%C3%A9monai?tr_id=1187 (mit ungar. Übersetzung)

Es gibt bei antikoerperchen (s.u.) die Analyse einer Schülerin, die insgesamt nicht schlecht ist. Ich möchte einige Einzelheiten hinzufügen:

In Heyms Gedicht werden die modernen Städte mit mythischen Wesen in Verbindung gebracht, welche die Menschen und ihre Wohnungen bedrohen und zerstören. Diese Wesen werden Dämonen und Teufel genannt und einmal mit Faunen verglichen. Durch den Rückgriff auf die mythischen Wesen erhält die Bedrohung etwas Unheimliches, rational nicht zu Klärendes – auch etwas Apokalyptisches: Das Ende der Welt steht bevor. Ich gebe zunächst einige Erklärungen zu diesen Wesen wieder:

„Heute wird mit ‚Dämon’ entgegen dem neutralen bis eher positiven Sinn des Ursprungswortes für die gemeinten Geisteserscheinungen oder Geisteswesen ausschließlich ein solches ‚Wesen’ bezeichnet, das nach allgemeiner Vorstellung Menschen erschreckt, bedroht oder ihnen Schaden zufügt, also in jeder Hinsicht als böser Geist erscheint.“ (Wikipedia, vgl. diesen Artikel)

Der Teufel ist der Inbegriff des Bösen; hier werden die Teufel als große Menge vorgestellt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Teufel und http://www.kathpedia.com/index.php?title=Teufel sowie http://de.wikibooks.org/wiki/Religionskritik:_Teufel).

„Wie sein griechisches Pendant, der Gott Pan, sorgt Faunus für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier, erschreckt die Menschen in Haus und Wald, auch durch böse Träume (Incubus), und erscheint oftmals nicht als ein einzelnes Wesen, sondern als große Zahl von Faunen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Faunus)

Die Zuordnung von Stadt und Dämonen „gibt Anlass zu der Vermutung, dass diese Mächte nur in der Stadt – und zwar nur in der Großstadt – und durch die (Groß)Stadt existieren können. Aber wir dürfen nicht unberücksichtigt lassen, dass Heym die Stadt auch als Opfer begreift.“ (Birgit zur Nieden: Mythoshaltige Lyrik des Expressionismus, in: Mythos No. 1. Mythen in der Kunst, S. 265 ff.)

Das Gedicht ist folgendermaßen aufgebaut: 1. Zunächst wird beschrieben, wie die Dämonen in die Städte einfallen (1. – 5. Str.). Die Folge ist, dass die Laternen gelöscht werden und alles schwarz wird (V. 4, 6, 11, 17, 20); die Stadt singt dazu ihr „großes Sterbelied“ (V. 15). 2. Es wird der Zugriff der Dämonen auf die Stadt beschrieben (6. – 8. Str., die Menschen sind wie Insekten und Schlamm, V. 22 ff.); nun wird auch der Mond verfinstert (V. 25 f.), die Stadt wird angezündet: Schwarz wechselt zu Rot (V. 26 / V. 30, 39, 46). Die Stadt wird personifiziert (V. 29). 3. Die Teufel assistieren in einer Stube bei einer Geburt, das Kind hat keinen Kopf (9. – 11. Str.), ist also ein Monster. 4. „Doch die Dämonen wachsen riesengroß“ (V. 45) und überwältigen Erde und Himmel. – Der Sprecher tritt nicht in Erscheinung, er zeigt weder Mitleid noch gibt er eine Erklärung für den Ansturm der Dämonen; er beschreibt nur, was er sieht und hört.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass der Titel oft falsch als „Die Dämonen der Stadt“ zitiert wird; richtig ist „Die Dämonen der Städte“ – es gibt allerdings das Gedicht „Der Gott der Stadt“.

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-daemonen-der-stadt,textbearbeitung,125.html

http://data7.blog.de/media/800/6050800_180f2921d6_d.pdf (zur Metaphorik des Gedichts)

Vortrag

http://media3.roadkast.com/sprechbude/daemonen_der_staedte_heym_maasch_adugna.mp3 (Christoph Maasch)

http://www.youtube.com/watch?v=C5zKf2XRG9k (Band: Schwarzbrenner)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte Heyms)

http://archive.is/VsgZa (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_73.html (dito)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/heym/ewige_tag/ewige_tag.htm (dito)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 100. Geburtstag)

http://limotee.blogspot.de/2012/08/die-stadt.html (Das Motiv der Stadt in Literatur und Film)

http://www.g-s-zentrum.de/files/georg_simmel-die_grosstaedte_und_das_geistesleben.pdf (G. Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, 1903)

http://www.stavroskaragkounis.gr/pdf/PTYHIAKI_MAGISTERARBEIT.pdf (Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Die Stadt und der Krieg in der Lyrik der frühen Moderne)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16282 (Georg Heyms Gewalt- und Vernichtungsphantasien)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ll_lyrik.pdf (Apokalyptische Motive in expressionistischer und hebräischer Lyrik des 20. Jahrhunderts)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14761&ausgabe=201009 (Thomas Anz: Zur literarischen Moderne im „expressionistischen Jahrzehnt“)

Heym: Die Gefangenen I – Analyse

Sie trampeln um den Hof im engen Kreis…

Text

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Gefangenen+I.htm

http://www.versalia.de/archiv/Heym/Die_Gefangenen_I.906.html

http://www.klassik-park.de/html/georg_heym1.html

Das Gedicht stammt aus der Sammlung „Ignis“ (1911). Ein unbekannter Sprecher berichtet, wie es den Gefangenen ergeht; in seiner Wortwahl und seinen Vergleichen bewertet er auch, was er sieht.

Von den Gefangenen werden zwei Handlungsweisen beschrieben: wie sie gehen, wie sie schauen. In beiden zeigt sich das Beengte, das Gedrückte ihrer Existenz. Das berichtete Geschehen ist ein Hofgang und die anschließende Rückführung der Gefangenen in ihre Zellen.

Am besten betrachtet man systematisch die beiden Handlungsweisen. Wie gehen sie? „Sie trampeln“ bloß (V. 1), gehen also nicht, weil sie nur „im engen Kreis“ gehen müssen; dieses Im-Kreis-Gehen ist so etwas wie der Rädergang in Mühlen (V. 5), also mechanisch-gesetzlich geregelt; demgemäß hinterlassen ihre Schritte eine „schwarze Spur“ (V. 6), eine traurige Spur. Wenn die Zeit abgelaufen ist, „treibt“ man sie ein wie Schafe zur Schur (V. 13); dieser Vergleich wird dann metaphorisch umgesetzt: „Die grauen Rücken [der Schafe] drängen in den Stall.“ (V. 14) Die Rücken sind grau wie auch die Wand des Gefängnisses (V. 10): Der ganze Raum ihres Lebens ist grau-schwarz-kahl (V. 2, 6, 10, 14; Weiß V. 4). So können ihre Holzschuhe auch nur klappern (V. 15 f.), was zum Rädergang der Mühle passt (V. 5).

Entsprechend eingeengt ist ihr Blickfeld: Der Blick schweift hin und her (V. 5), prallt zurück von der Mauer (V. 4), geht betrübt die graue Wand empor (V. 10); sie suchen vergeblich Feld und Baum zu sehen (V. 3), sehen nur die Gitter ihrer Zellen (V. 11 f.), „Wie schwarze Waben…“ (V. 12) – auch in diesem Vergleich wird das Tierhafte ihrer Existenz deutlich, während der Schädelvergleich (V. 9) primär die Kahlheit des Raumes zeigt, sekundär schon auf Tod und Totenschädel verweist.

Die Verse weisen einen fünfhebigen Jambus auf, immer regelmäßig mit männlicher Kadenz, was den Vers potenziell für ein Weitersprechen öffnet. Das wird vom Satzbau her in V. 5, 7, 11 und 15 genutzt; die anderen Sätze enden mit dem Versende. Die Strophen werden durch einen umfassenden Reim zusammengehalten. Die Reime sind teilweise semantisch sinnvoll: im engen Kreis / prallt zurück von der Mauern Weiß (V. 1/4); graue Wand empor / Kasten vor (V. 10 f.), zum Beispiel. Ohne semantischen Bezug sind dagegen  etwa V. 9/13 oder V. 6 f.

Das Gedicht soll durch ein Bild van Goghs motiviert sein, der wiederum ein Bild Gustav Dorés aufgenommen hat; ich kenne das Original nicht, finde im Netz nur verschieden getönte Reproduktionen, von denen ich zwei zur Auswahl präsentiere:

1) http://neuwied-rein.de/JVA_KO/Pix/Zuchthaus_Newgate_van_Gogh_902x6221.JPG

2) http://paintings4u.ch/images/product_images/original_images/vincent_van_gogh_die_runde_der_gefangenen_1.jpg

Bedeutend ist das Gedicht nicht durch seine Form – die ist ganz der Tradition verhaftet; neu ist das Gedicht durch sein Thema: das elende Leben der Gefangenen. Das ist ein Ton, der sich dann auch in „Der Gott der Stadt“, „Der Hunger“, „Die Dämonen der Stadt“ und „Die Vorstadt“ bemerkbar macht – allesamt Gedicht aus dem Band „Ignis“ (= „Feuer“, 1911). Im Feuer steht eine Welt, die alte Welt verbrennt – was bleibt von ihr erhalten? Was wird in den Ruinen neu gebaut werden?

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=rRC8GA19Skg (Verfilmung, Text gedruckt)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte)

http://archive.is/VsgZa (Gedichte)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (Gedichte)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 10.. Geburtstag)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (Rick Duijf: Das Sonett in der expressionistischen Lyrik, Bachelor-Arbeit 2011)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

Wilhelm Klemm: Meine Zeit – Analyse

Gesang und Riesenstädte, Traumlawinen…

Text

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/4/mode/2up

http://enhypnion.blogspot.de/2011/08/wilhelm-klemm-meine-zeit.html 

In der Anthologie „Menschheitsdämmerung“ (1920) war Wilhelm Klemm mit vielen Gedichten vertreten; in der „Verkündigung“ (1921) fehlt sein Name. Heute ist er fast vergessen; „Meine Zeit“ und „Schlacht an der Marne“ sind die beiden noch am ehesten bekannten Gedichten von ihm.

„Meine Zeit“ ist ein Sonett, eine Form, die sonst bei Klemm nicht vorkommt; es stammt aus dem Band „Ergriffenheit“, 1919. In den beiden Quartetten werden einzelne Splitter dessen, was des Sprechers Zeit ausmacht, zusammengestellt: Einmal ist es Riesiges (V. 4), einmal ist es Winziges (V. 2, V. 7). Das Bewusstsein zieht das Fazit: „Die Seele schrumpft zu winzigen Komplexen. Tot ist die Kunst.“ (V. 7 f.) Durch sein Sonett widerlegt Klemm die letzte Aussage indirekt. „Die Stunden kreisen schneller.“ (V. 8) Das ist sicher eine Erfahrung der Moderne, welche im Futurismus als „die Schönheit der Geschwindigkeit“ (1909) gepriesen wurde.

In den Terzetten folgt die klagende Stellungnahme des Sprechers, der sich hier als lyrisches Ich präsentiert. Er ruft diese Zeit, seinen Zeitraum selbst an: „O meine Zeit!“ (V. 9) Drei Attribute bescheinigt er ihr: namenlos zerrissen, ohne Stern, daseinsarm im Wissen – so etwas gab es noch nie (V. 9-11). Der Stern, die Sterne: das, was Orientierung gibt und in der Nacht den Weg weist. Wenn man bedenkt, dass dieses Gedicht vermutlich 1919 entstanden ist, unmittelbar nach den Schlächtereien des Weltkriegs, versteht man die beiden ersten Attribute; „daseinsarm im Wissen“ ist schwieriger zu verstehen: Man weiß nicht mehr, was ein gutes Leben, ein menschliches Dasein ist, würde ich die knappe Formel entfalten; das ist das Gleiche wie die Attribute „zerrissen“ oder „ohne Stern“.

Die Sphinx galt den Griechen als Dämon der Zerstörung und des Unheils; wenn sie heute ihr Haupt so hoch wie noch nie erhebt (V. 12, vgl. V. 11), geht von ihr die größte Gefahr aus. Angesichts dieser Gefahr ist keine Rettung in Sicht: „Du“ (V. 13), hier im Sinn von „ich“ und „jeder“, siehst nur „des Wahnsinns Abgrund“ weinen (V. 14) – hier wird das Gespensterbrauen (V. 4) aufgegriffen. Wo Gefahr ins Endlose wächst, ist keine Rettung mehr. In des Wahnsinns Abgrund hat 1910 schon Georg Heym mit seinem Gedicht „Die Irren“ geblickt (vgl. auch dieses Gedicht). Wenn du „Furchtlos vor Qual“ (V. 14) da hineinblickst, zeigt dieses Paradox, wie entsetzlich die Lage, deine Lage, die Lage in deiner Zeit ist. Anderseits zeigt die Berufung auf die Sphinx, dass die heutigen Abgründe denen der Antike zumindest vergleichbar sind, auch wenn man heute „noch niemals“ sagt – da ist Georg Heyms Gestaltung des Irren-Motivs konsequenter, moderner: Das macht den Unterschied zwischen einem guten und einem großen Gedicht aus.

Die Verse sind in fünfhebigen Jamben abgefasst, auch wenn öfter die erste Silbe gegen den Takt betont und so herausgehoben ist (V. 6, 8, 9, 12, 13, 14).  Die ersten acht Verse bestehen durchweg aus kleinsten Sätzen oder bloß aufgezählten Nominalgruppen: Häufung der Eindrücke. In den Terzetten gibt es zwei große Sätze der Klage und je zwei einleitende kurze Klagen (mit Rufzeichen). In den Quartetten schließen umfassende Reime die Einzelheiten zusammen; semantisch sind die Beziehung oft sinnvoll (Traumlawinen / Eisenschienen; ohne Ruhm / Heldentum; Propeller / schneller). Das Gleiche gilt auch für die Terzette, wo zweimal Paarreime (V. 9 f.; 12 f.) und ein umgreifender Paarreim (V. 11/14) zu finden sind. Nur das Verspaar „Sphinx / recht und links“ (V. 12 f.) ist ohne semantische Bedeutung.

Wenn man versucht, die eigene Zeit heute – knapp 100 Jahre später – in diesem Gedicht zu erblicken, müsste man einige Aussagen noch einmal steigern: Sündige Weiber und Heldentum gibt es nicht mehr; Völker zerfließen und plustern sich doch im grassierenden Nationalismus auf; die Seele ist den Neurologen und Hirnforschern abhanden gekommen, wabert und quillt anderseits auf und treibt bei den Esoterikern seltsame Blüten… Die Kunst ist tot, beinahe jedenfalls; dafür schwappt die Unterhaltung über alle Kanäle und Medien in unser westliches Leben, das nach wie vor „daseinsarm im Wissen“ ist.

http://www.doktus.de/dok/33909/gedichtinterpretation-meine-zeit-von-wilhelm-klemm.html

Sonstiges

http://de.wikipedia.org/wiki/Futurismus (Futurismus)

http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/o_mod/futur00.htm (dito)

http://www.kunst-zeiten.de/Futurismus-Zeitgeschehen (dito)

http://de.wikipedia.org/wiki/Sphinx_(griechisch) (Sphinx)

http://www.symbolonline.de/index.php?title=Sphinx (dito)

http://www.silyrik.de/cgi/si_getauthor.pl?author=Klemm,+Wilhelm (Gedichte Klemms im „Simplicissimus“)

http://faustkultur.de/1366-0-Gesammelte-Verse-von-Wilhelm-Klemm.html (Ausgabe der Gedichte 2012)

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Klemm_(Lyriker) (Biografie)

http://archive.is/r6feA (Biografie, Geburtsjahr 1801 falsch, richtig 1881)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

Walter Hasenclever: Christus

Walter Hasenclever (1890-1940) war als Dichter des Expressionismus zu seiner Zeit erfolgreich, später auch als Dramatiker; 1933 wurde er ausgebürgert, seine Bücher wurden verbrannt. Nur mit Mühe findet man heute noch ein paar Gedichte von ihm. Damit er nicht ganz vergessen werde, schreibe ich aus „Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts“ das Gedicht „Christus“ (1913) ab:

Zu viele Christen sind gestorben,

Kein Christus stieg von des Kreuzes Not,

ging durch die Felder, von Pestluft verdorben,

lebte und siegte über den Tod.

Sie starben im Dunkel, das sie geboren

Aus dem verhaßten Schoße der Lust:

Entfesselte Brut der bewußtlosen Toren,

rückwärts gebohrt in die eigene Brust.

Der rächende Engel von Sodoms Stätte

Zuckte auf ihrem Sündenfall

Dumpfes Geschütz in der Bürger Bette.

Se fuhren nieder zur Hölle alle.

Zweitausend Jahre nach seinem Namen:

Die Gemeinschaft der Heiligen ist verdammt.

Giftige Frucht aus der Feindschaft Samen

Hat die Mäuler der Irren entflammt.

In Mord und Hunger, Gewalt und Lüge,

bekränzt mit dem Glorienschein des Rechts:

Kein Heiland, der die Augen aufschlüge,

Sohn Gottes, Erlöser des falschen Geschlechts.

Kein Heiland, der in der Schlacht als Seher,

wo dreier Jahre Sonne noch scheint,

ein Korn des Guten der Menschheit näher,

eine Träne Schmerz und Hoffnung geweint.

Christus am Kreuz ist mit ihnen gefallen.

Sein Reich ist verloren. Sein Name entweiht.

Propheten Zions! Trompeten erschallen.

Sei, Mensch, zur Hilfe der Menschen bereit!
Hier spricht ein Mensch mit einer großen Emotion, aus einer tiefen Enttäuschung: Mit der Erlösung war es nichts. So bleibt als Schlusswort nur der Appell: „Sei, Mensch, zur Hilfe der Menschen bereit!“ Hasenclever hat diese Hilfe selber letztlich nicht erfahren: 1940 nahm er sich das Leben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Hasenclever (Biografie)

http://www.deutsche-biographie.de/sfz70021.html (dito)

http://www.deutsche-liebeslyrik.de/hasenclever_walter.htm (Gedichte)

https://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1914_hasenclever.html (W. H.: Der Bankier und der Dichter)

http://www.walter-hasenclever-gesellschaft.de/ (W.-H.-Gesellschaft)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

Albert Ehrenstein: Leid – Analyse

Wie bin ich vorgespannt…

Text

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/28/mode/2up

http://people.zeelandnet.nl/henklensen/ehrenstein2.htm

http://psychospaltung.twoday.net/stories/3392442/

http://bene-a-rebours.blogspot.com/2013/07/albertehrensteinleid.html 

Albert Ehrenstein (1886-1950) war seinerzeit ein bekannter Autor des Expressionismus; in der Anthologie „Menschheitsdämmerung“ finden sich fast 20 Gedichte von ihm, heute ist er beinahe vergessen. Dazu mag beigetragen haben, dass er 1932 Deutschland verließ und zu den verfemten Autoren gehörte, deren Bücher 1933 verbrannt wurden.

Wenn ich die Angaben in „Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts“ richtig lese, stammt das Gedicht „Leid“ aus dem Band „Die rote Zeit“ (1917). Es ist ein Klagelied. Was beklagt das lyrische Ich? In den beiden ersten Versen beklagt es, wie es an seiner Trauer leidet, ohne dass der Grund der Trauer benannt würde. Im Bild sieht es sich wie eine Art Grubenpferd, welches die „Kohlenwagen meiner Trauer“ ziehen muss (V. 2). Dass es diesen Wagen „vorgespannt“ ist (Zustandspassiv), besagt, dass es diese Last nicht freiwillig zieht; dass es Kohlenwagen sind, heißt, dass sie eine schwarze Last tragen: schwarz wie Trauer. Die einleitende Partikel „Wie“ bedeutet: „‘wie auch (immer)‘; oft steigernd, etwa im sinne vonwie sehr (auch immer)’“ (Deutsches Wörterbuch: WIE II. 2) a)). Durch den Zeilenschnitt ist das Dativobjekt von „vorgespannt“ getrennt, der neue Vers gibt ihm ein eigenes Gewicht. Die beiden Verse sind jambisch, wobei das einleitende „Wie“ gegen das Metrum einen starken Akzent trägt.

In den folgenden Versen wird in poetisch gehobener Sprache der Grund der Trauer ausgesprochen: die Tatsache, dass die Zeit das lyrische Ich „bekriecht“ (V. 4), also es langsam in Besitz nimmt; die (personifizierte) handelnde Zeit kriecht „Widrig wie eine Spinne“ (V. 3); die i-Laute der beiden Verse unterstreichen das Spinnenhafte des Kriechens. Diesmal ist das Adverb vom Hauptsatz durch Zeilenschnitt getrennt und so hervorgehoben. In den drei folgenden Sätzen wird beispielhaft beschrieben, wie die Zeit vorankriecht: langsam, doch unerbittlich. 1) Mein Haar ergraut (V. 6), 2) Schlaf umdunkelt mein Gebein (V. 9), 3) im Traum schon starb ich (V. 10).

Das Ergrauen der Haare ist erst im Ansatz gegeben, wie der Konditionalsatz ausdrückt („Fällt mein Haar“, V. 5, etwa im Sinn von: fällt es nach vorn); das Bild vom abgeernteten Feld spielt mit der alten Metapher vom Tod als Schnitter (Volkslied und Emblem; „Sensenmann“ http://de.wikipedia.org/wiki/Sensenmann). Schlaf und Tod (thanatos und hypnos) gehören bereits nach Hesiod zusammen, sie sind Kinder der Nacht (nyx); nach Homer haben sie sogar als Zwillinge zu gelten (Ilias, 16. Gesang, Zeile 671 ff.). Im Gedicht wird der Schlaf wieder personifiziert, er „umdunkelt mein Gebein“ (V. 9). „Gebein“ bezeichnet die Knochen des lebenden Leibes, aber auch das Totengebein, dichterisch auch den Leichnam (Deutsches Wörterbuch). Folgerichtig hat das Ich im Traum bereits den Tod vorweggenommen (V. 10 ff.); dabei war das aus dem Schädel sprießende Gras eine Form niederen Lebens, in das sich der Tote zurückverwandelt hat. Dass die Erde „schwarz“ (V. 12) war, verbindet das Ende mit den Kohlenwagen des Anfangs. Die letzten vier Verse sind allesamt ganze Sätze; in V. 7 f. erscheint mir der Zeilenschnitt als gekünstelt.

Wenn man die Schrecken des 1. Weltkriegs bedenkt, ist das zeitgleiche Gedicht „Leid“ die recht harmlose Klage eines Menschen, der sich angesichts des ersten Graus im Haar seiner Vergänglichkeit bewusst wird.

Das Gedicht „Verzweiflung“ steht in der „Menschheitsdämmerung“ unmittelbar vor „Leid“. Dieses beginnt so:

„Wochen, Wochen sprach ich kein Wort;

Ich lebe einsam, verdorrt.

Am Himmel zwitschert kein Stern.

Ich stürbe so gern.“

Solche wohlfeile Verzweiflung hat nicht das Format der großen expressionistischen Bilder Heyms; vielleicht ist Ehrenstein nicht ganz zu Unrecht in den Hintergrund unseres literaturgeschichtlichen Bewusstseins getreten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Ehrenstein (A. Ehrenstein)

http://www.lexikus.de/bibliothek/Juden-in-der-deutschen-Literatur/Albert-Ehrenstein-von-Ernst-Weiss (dito)

http://nddg.de/dichter/1618-Albert+Ehrenstein.html (einige Gedichte)

http://othes.univie.ac.at/5716/1/2009-06-18_0202560.pdf (Ehrensteins frühe Lyrik, Mag.-Arbeit 2009)