Georg Trakl: Herbst des Einsamen – Analyse

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle…

Text

http://www.textlog.de/17551.html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1454

http://www.versalia.de/archiv/Trakl/Der_Herbst_des_Einsamen.15.html

http://www.fundus.org/pdf.asp?ID=13207 (mit kurzer Interpretation)

Auch für dieses Gedicht gilt zumindest in Grenzen die erste Überlegung, die ich zu Heyms „Träumerei in Hellblau“ angestellt habe. Die Farbe Blau kommt ebenfalls wieder zur Geltung, wie bei Heym (dort Links zur Farbe Blau!).

Wir haben ein sehr musikalisches Gedicht vor uns, das nicht schwer zu verstehen ist; allerdings irritiert der Schluss (V. 17 f.), in dem „ein knöchern Grauen“ in die abendliche Idylle einbricht. In der ersten Analyse (litde.com) heißt es dazu: „Aber wenn am Ende des Gedichts die Bildlichkeit des Todes sich durchsetzt, so doch nicht im Sinne des Triumphs. Das »knöchern Grauen« hebt die sanfte Gewalt der Liebe nicht auf. Die Vergänglichkeit wird als eine Kehrseite von »Frucht und Fülle« hingenommen.“

Hier geht es um Nuancen – ich lese den Tenor des Gedichtes etwas negativer: Die Todessymbole durchziehen den ganzen Text: dunkel (V. 1), vergilbt (V. 2), dunkle Fragen (V. 6), Kreuz (V. 7), öder Hügel (V. 7) dürres Stroh (V. 12), und dann eben die beiden letzten Verse. Ich würde sagen, dass das knöcherne Grauen am Ende dominiert und die abendliche Idylle aufsaugt. Insofern schließe ich mich der Interpretation von schreiben10.com an.

In der Struktur gleicht das Gedicht einem anderen, „Verfall“ (https://norberto42.wordpress.com/2012/01/30/trakl-verfall-analyse/), vgl. den Text und eine optimistische Deutung in der Gedichte-Werkstatt (s.u., Sonstiges).

Die formalen Besonderheiten sind beim 2. und 3. Link beschrieben:

http://www.litde.com/stationen-der-deutschen-lyrik/feier-spter-schnheit/georg-trakl-iii-der-herbst-des-einsamen-erfllung-und-abschied.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herbst_des_Einsamen

http://www.schreiben10.com/referate/Literatur/26/Georg-Trakl—Der-Herbst-des-Einsamen-reon.php (Stichworte)

http://ethikpost.blogspot.de/2011/10/der-herbst-des-einsamen-georg-trakls.html (ideologische Verdrehung des Gedichts aus „christlichem“ Ungeist).

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/der-herbst-des-einsamen.html = http://www.youtube.com/watch?v=cLgG0j-THJ4 (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=Hzvri5UMhOw (mit Musik, wieder Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=xeLbDh15v5g (gut, Artikulation unsauber)

http://www.youtube.com/watch?v=wtk-RIqB5go (eigenwillige Aufführung)

https://www.youtube.com/watch?v=ZqTEvEGqcEo (schwach, Bilder ohne Bezug zum Text)

http://www.youtube.com/watch?v=kN2B-78t9RY (180 Gedichte Trakls: Binärcode, auf der Geige gespielt – was soll das ausdrücken?)

Herbstgedichte

http://messercharly-solingen.npage.de/herbstgedichte.html

http://gedichte.xbib.de/_Herbst_gedicht.htm

http://www.gedichte.levrai.de/herbstgedichte.htm

Sonstiges

http://gedichte-werkstatt.de/Trakl/Interpretationen.html (Text und kurze Interpretation vieler Gedichte Trakls)

http://www.literaturnische.de/Trakl/texte.htm (alle Texte Trakls)

http://www.gasl.org/refbib/Trakl__Dichtungen.pdf (Dichtungen)

http://www.textlog.de/trakl.html (dito)

http://www.babelmatrix.org/works/de/Trakl,_Georg (dito)

http://saetzeundschaetze.com/2013/09/29/georg-trakl-dichter-der-herbstmelancholie/ (drei Herbstgedichte Trakls)

http://www.georgtrakl.de/index.html (Die Lyrik Trakls anhand exemplarischer Beispiele)

http://home.arcor.de/sonnenblume69/trakl.htm (Natur und Schwermut in den Gedichten Trakls)

https://www.facebook.com/alejandro.graziani.9/posts/361099504022799 (Georg Trakl)

http://deu.1september.ru/article.php?ID=200700511 (Georg Trakl)

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl (dito)

http://altmarius.ning.com/profiles/blogs/georg-trakl (dito)

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40754 (dito)

http://www.zeit.de/1987/06/die-fremde-naehe-des-georg-trakl/seite-1 (Würdigung zum 100. Geburtstag)

http://www.studentshelp.de/p/referate/02/461.htm (Hermetische Lyrik: George – Trakl – Benn)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://germanistik.gradina.net/haupt?p=92 (Hauptthemen der expressionistischen Lyrik)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

Heym: Träumerei in Hellblau – Überlegungen

Alle Landschaften haben…

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1581

http://deutschsprachigedichtung.blogspot.de/2010/01/georg-heym-traumerei-in-hellblau.html

http://www.gedichte-lyrik-poesie.de/Heym_Traeumere_in_Hellblau/index.html

(Vgl. „An Hildegard K.“: Deine Wimpern, die langen…)

Erste Überlegung: Das Gedicht ist 1911 entstanden, hat aber gar nichts „Expressionistisches“ an sich. Wenn man es liest, würde man eher Hugo von Hofmannsthal für den Autor halten, vielleicht auch George… Es hat etwas Erlesenes. Also: „1911 entstanden“ heißt nicht: „Es ist expressionistisch.“ Das macht uns bewusst, dass die sogenannten Epochen der Literatur nur Konstrukte sind, dass 1910-1920 nur einige wenige Leute und auch die nicht auschließlich expressionistisch gedichtet haben, Leute, die von sich und einigen anderen zur Avantgarde gezählt wurden; aber Stefan George zum Beispiel lebte und dichtete 1920 immer noch, bekam 1927 den ersten Goethepreis der Stadt Frankfurt, wurde 1928 als Dichterfürst geehrt… Die Expressionisten bildeten nur ein kleines Segment im großen Kreis der Dichter und Schriftsteller, wenn wir auch heute pauschal von der Epoche des Expressionismus sprechen. – Das Gedicht muss gefühlvoll vorgetragen werden – die beiden im Netz greifbaren Lösungen sind mir zu schnell, nicht „blau“ genug.

Zweite Überlegung: Was hat es mit der Farbe Blau auf sich? Ich spreche nicht von der blauen Stunde oder der blauen Blume, dem romantischen Ursymbol; vielmehr stelle ich fest, dass es ganz viele Gedichte zum Motiv Blau gibt. Ich spreche auch davon, dass „Träumerei in Hellblau“ oft im Netz zitiert, aber nie analysiert wird (na ja, es gehört ja auch nicht zum Abiturthema „Expressionismus“!) – warum ist das so? Ich habe mich darauf beschränkt, die wichtigsten Links zum Thema „Blau in der Lyrik“ zusammenzustellen.

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=5jX3ZUtdDNc (Corinna Kirchhoff, etwas zu schnell)

http://www.sprechbude.de/georg-heym-traeumerei-in-hellblau/ (Christoph Maasch, auch zu schnell)

http://media3.roadkast.com/sprechbude/hellblau.mp3 (Chr. Maasch)

http://www.paul-leonard-schaeffer.de/Resources/Landschaften%20Ansicht.pdf (Vertonung: langsam, dennoch fließend)

Sonstiges

http://gdreizehn.com/2012/05/13/schwimmhaut-wind-ein-halber-park/ (ein Schülergedicht als „Antwort“ heute)

http://www.reclam.de/print/detail/978-3-15-018925-2 (Blaue Gedichte: Titel)

http://www.seilnacht.com/Lexikon/Blau.htm (Gedichte zur Farbe Blau)

http://gedichte.xbib.de/die+farbe+blau_gedichte_recherche.htm (dito)

http://fiedelzwerg.de/bluelyrics.html (dito)

http://revistas.ucm.es/index.php/RFAL/article/download/RFAL0000110217A/33814 (R. G. Renner: Die Farbe Blau in literarischen Texten)

http://www.teuerpreis.ixhost.de/hingabe.htm („Ergriffene Hingabe an die Farbe Blau)

http://www.hans-peter-reuter.de/stuff/pdf/alltext/ti3.pdf (Bedeutung der Farbe Blau)

http://www.deutschlandfunk.de/maerz-2012-blau.1285.de.html?dram:article_id=193127 (Monatsthema bei lyrix)

http://de.wikipedia.org/wiki/Blau (Blau)

http://www.janiesch-farbenplanung.de/farbe-blau.html (Das Wesen der Farbe Blau)

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte Heyms, mit Störungen bei den Links)

http://archive.is/VsgZa (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_73.html (dito)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/heym/ewige_tag/ewige_tag.htm (dito)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte Heyms im Internet)

http://www.veikkos-archiv.com/index.php?title=Georg_Heym_%28Wohnhaus%29 (Biografie)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 100. Geburtstag)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

Georg Heym: Die Irren – Analysen

Der Mond tritt aus der gelben Wolkenwand…

Text

http://gutenberg.spiegel.de/buch/2980/50

http://www.versalia.de/archiv/Heym/Die_Irren.18.html

Andere Gedichte Heyms mit dem Titel „Die Irren“:

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Irren+%28I%29.htm

(http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Heym/hey_umb1.html)

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Irren..htm; es gibt auch eine Erzählung Heyms mit dem Titel „Der Irre“; Ernst Stadler hat das Gedicht „Irrenhaus“ heschrieben, Alfred Lichtenstein „Die Fahrt nach der Irrenanstalt“ (hier Teil I) – vermutlich ist das Thema im Expressionismus noch öfter behandelt worden: Negative Themen als Ausdruck der Ich-Gefährdung: Wahnsinn, Selbstmord, Krankheit, Tod, Verfall, Untergang (vgl. Benn Morgue, Trakl); hässliche und schreckliche Inhaltselemente. Schock und Provokation als Kritik an der zeitgenössischen Kultur, in der die grausame Wirklichkeit verharmlost wird. (lehrer.uni-karlsruhe) Es gibt auch entsprechende Bilder: Bild 1, Bild 2, …?

Als ein Merkmal der romantischen Dichtung nennt Dr. Baptist Deinlein: „Entdeckung des Unbewussten und Irrationalen. Erfahrungen wie Wahnsinn, Krankheit, Schwärmerei, Träume, Abgründe der Seele, Nachtseiten des Lebens, Doppelgängertum, Automaten als Themen der Literatur. Entdeckung des psychischen Innenraums (lange vor S. Freud!).“ Man wird nicht fehlgehen, wenn man im Expressionismus diese romantische Thematik ins Apokalyptische gesteigert wahrnimmt, wie hier verkürzt und etwas hilflos dargestellt wird: „Die neuen Wahrnehmungsweisen der Menschheit sind ein wichtiges Merkmal in der Epoche des Expressionismus. Dabei spielte das Aufgeben der traditionellen Weltbilder eine große Rolle, das moralische Chaos, ausgelöst durch Industrialisierung und Revolution, sowie die Rolle der Umwelt und der Großstadt. Dieses Bild der Großstadt löst in den Menschen ein Gefühl der Unordnung und Chaos aus, welches durch das Merkmal der Katastrophenstimmung noch verstärkt wird. Die gesellschaftlichen Veränderungen und Angstgefühle sind ebenfalls ein Motiv der Epoche des Expressionismus. […] Die Vorliebe für das negative Extrem mit den Themen Tod, Verfall, Zerstörung, Hinrichtung, Untergang und Wahnsinn ist ein weiteres Merkmal der Epoche des Expressionismus.
Der Expressionismus war auch ein Ausdruck des Ich-Zerfalls durch das Leben in den Großstädten und den Verlust des Individuums in der Umwelt.“ Was hier einfach additiv aufgezählt wird, muss man als Einheit begreifen, als einheitliches Lebensgefühl einer Gruppe junger Außenseiter…

Das Thema „Wahnsinn“ gab es schon immer als Wahnsinn einzelner, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wahnsinn (dort 2. und 7., auch 4.), http://www.pflege-forschung.de/downloads/doeblin_reinecke.pdf (dort 2.: einige historische Schlaglichter); neu ist bei Heym bzw. im Expressionismus, dass er quasi zum Merkmal der eigenen Epoche wird.

Es gibt im Netz fünf Interpretationen, die aber allesamt schülerhaft sind. Ich möchte daher kurz etwas zum Aufbau des Gedichts sagen: Der Sprecher ist anonym, er meldet sich auch nicht indirekt, etwa durch Wertungen, zu Wort. In der 1. Str. beschreibt er die normale Situation der eingesperrten Irren, denen die Gitterstäbe wie ein Gartenzaun sind, an dem sie „wie große Spinnen“ (Tiervergleich!) hängen (V. 2 f.). In der 2. Str. wird zunächst die Situationsbeschreibung fortgesetzt (V. 5 f.). Dann wird berichtet, wie plötzlich der Wahnsinn aufschreit (Enjambement, V. 6 f.); dieser Aufschrei gipfelt im grundlosen Mord am Arzt (3. Str.), der eben noch Gesprächspartner war. Der Wahnsinn setzt sich im Vergnügen der Irren fort (V. 12) – mit „Doch“ (V. 12) wird der Bericht vom Umschwung eingeleitet: Mit der Peitsche wird die Herrschaft (!) der normalen Ordnung wieder hergestellt, die Irren sind erneut bloß Tiere, „Den Mäusen gleich“ (V. 14).

Man könnte noch die Semantik der Reime untersuchen: In V. 2/3 liegt sicher eine Entsprechung vor, es handelt sich ja auch um einen einzigen Satz (hängen an den Gitterstäben / Spinnen, die an Mauern kleben); in V. 1/4 ist der Zusammenhang (gestörte Ordnung) nicht so leicht aufzuzeigen. In V. 5/8 liegt ein Kontrast vor, in V. 6/7 eine Entsprechung (Gleichheit). In V. 9/11/14 wird eine Abfolge von Ereignissen erzählt; V. 10/13 könnte man als Ereignis/Folge betrachten, V. 12 fällt als bloße Zeitbestimmung aus dem Rahmen.

Es wäre reizvoll, dieses Gedicht Heyms mit den anderen Gedichten des Autors über „Die Irren“ zu vergleichen. Auch „Das Fieberspital“, ein anderes Gedicht Heyms, ist thematisch mit „Die Irren“ verwandt .

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-irren,textbearbeitung,76.html (Der Autorin sind leider Anführungszeichen nicht bekannt. Die Ausführungen über Hume halte ich für überzogen: Es genügt, das Gespräch über einen Philosophen mit der Ermordung des Gesprächspartners zu kontrastieren – Aristoteles passt halt nicht ins Metrum. Die ganze Interpretation müsste ein bisschen „gedämpft“ werden.)

http://bgfeldkirch.net/faecher/downloads/dateien/D%20Tanja%20Vallaster,%20Gedichtinterpretation%20von%20Georg%20Heyms%20Die%20Irren.doc

http://www.lyrikschadchen.de/html/body_gryphius_1-4.html (Gedichtvergleich mit Gryphius: Menschliche Elende)

http://www.deutschstunde.info/media/2c68c3dff6c3d345ffff8c47ac144221.pdf (S. 18 ff.: Text mit kurzer Interpretation)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (S. 21 f.: kurze Interpretation; was der Autor zum Aufbau schreibt, ist nicht haltbar – ein typischer Fehler von Schülern: Man kennt ein Schema des Sonetts, deshalb findet man es überall, auch wo es nicht vorhanden ist.)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=ic8PPJDjyos (Vortrag schwach, Spiel)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/irre_her.htm (Heyms Erzählung „Der Irre“)

http://www.sonett-archiv.com/gh/Heym/sonette-01.htm (Sonette Georg Heyms)

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte Heyms)

http://archive.is/VsgZa (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_73.html (dito)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/heym/ewige_tag/ewige_tag.htm (dito)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte Heyms im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 100. Geburtstag)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16282 (Georg Heyms Gewalt- und Vernichtungsphantasien)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ll_lyrik.pdf (Apokalyptische Motive in expressionistischer und hebräischer Lyrik des 20. Jahrhunderts)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“ Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14761&ausgabe=201009 (Thomas Anz: Zur literarischen Moderne im „expressionistischen Jahrzehnt“)

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/15/expressionistisches-schreiben-benn-heym-trakl-teil-i/ (Expressionistisches Schreiben: Anleitung)

http://schreiberleben.wordpress.com/2012/10/25/expressionistisches-schreiben-ii/ (dito: II)

Heym: Die Dämonen der Städte – Analyse

Sie wandern durch die Nacht der Städte hin…

Text

http://nddg.de/gedicht/2395-Die+D%C3%A4monen+der+St%C3%A4dte-Heym.html

http://gutenberg.spiegel.de/buch/2980/70

http://vormbaum.net/index.php?option=com_docman&task=doc_details&gid=702&Itemid=73

http://www.babilonhu.net/works/de/Heym,_Georg-1887/Die_D%C3%A4monen_der_St%C3%A4dte/hu/10075-A_v%C3%A1rosok_d%C3%A9monai?tr_id=1187 (mit ungar. Übersetzung)

Es gibt bei antikoerperchen (s.u.) die Analyse einer Schülerin, die insgesamt nicht schlecht ist. Ich möchte einige Einzelheiten hinzufügen:

In Heyms Gedicht werden die modernen Städte mit mythischen Wesen in Verbindung gebracht, welche die Menschen und ihre Wohnungen bedrohen und zerstören. Diese Wesen werden Dämonen und Teufel genannt und einmal mit Faunen verglichen. Durch den Rückgriff auf die mythischen Wesen erhält die Bedrohung etwas Unheimliches, rational nicht zu Klärendes – auch etwas Apokalyptisches: Das Ende der Welt steht bevor. Ich gebe zunächst einige Erklärungen zu diesen Wesen wieder:

„Heute wird mit ‚Dämon’ entgegen dem neutralen bis eher positiven Sinn des Ursprungswortes für die gemeinten Geisteserscheinungen oder Geisteswesen ausschließlich ein solches ‚Wesen’ bezeichnet, das nach allgemeiner Vorstellung Menschen erschreckt, bedroht oder ihnen Schaden zufügt, also in jeder Hinsicht als böser Geist erscheint.“ (Wikipedia, vgl. diesen Artikel)

Der Teufel ist der Inbegriff des Bösen; hier werden die Teufel als große Menge vorgestellt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Teufel und http://www.kathpedia.com/index.php?title=Teufel sowie http://de.wikibooks.org/wiki/Religionskritik:_Teufel).

„Wie sein griechisches Pendant, der Gott Pan, sorgt Faunus für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier, erschreckt die Menschen in Haus und Wald, auch durch böse Träume (Incubus), und erscheint oftmals nicht als ein einzelnes Wesen, sondern als große Zahl von Faunen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Faunus)

Die Zuordnung von Stadt und Dämonen „gibt Anlass zu der Vermutung, dass diese Mächte nur in der Stadt – und zwar nur in der Großstadt – und durch die (Groß)Stadt existieren können. Aber wir dürfen nicht unberücksichtigt lassen, dass Heym die Stadt auch als Opfer begreift.“ (Birgit zur Nieden: Mythoshaltige Lyrik des Expressionismus, in: Mythos No. 1. Mythen in der Kunst, S. 265 ff.)

Das Gedicht ist folgendermaßen aufgebaut: 1. Zunächst wird beschrieben, wie die Dämonen in die Städte einfallen (1. – 5. Str.). Die Folge ist, dass die Laternen gelöscht werden und alles schwarz wird (V. 4, 6, 11, 17, 20); die Stadt singt dazu ihr „großes Sterbelied“ (V. 15). 2. Es wird der Zugriff der Dämonen auf die Stadt beschrieben (6. – 8. Str., die Menschen sind wie Insekten und Schlamm, V. 22 ff.); nun wird auch der Mond verfinstert (V. 25 f.), die Stadt wird angezündet: Schwarz wechselt zu Rot (V. 26 / V. 30, 39, 46). Die Stadt wird personifiziert (V. 29). 3. Die Teufel assistieren in einer Stube bei einer Geburt, das Kind hat keinen Kopf (9. – 11. Str.), ist also ein Monster. 4. „Doch die Dämonen wachsen riesengroß“ (V. 45) und überwältigen Erde und Himmel. – Der Sprecher tritt nicht in Erscheinung, er zeigt weder Mitleid noch gibt er eine Erklärung für den Ansturm der Dämonen; er beschreibt nur, was er sieht und hört.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass der Titel oft falsch als „Die Dämonen der Stadt“ zitiert wird; richtig ist „Die Dämonen der Städte“ – es gibt allerdings das Gedicht „Der Gott der Stadt“.

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-daemonen-der-stadt,textbearbeitung,125.html

http://data7.blog.de/media/800/6050800_180f2921d6_d.pdf (zur Metaphorik des Gedichts)

Vortrag

http://media3.roadkast.com/sprechbude/daemonen_der_staedte_heym_maasch_adugna.mp3 (Christoph Maasch)

http://www.youtube.com/watch?v=C5zKf2XRG9k (Band: Schwarzbrenner)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte Heyms)

http://archive.is/VsgZa (dito)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_73.html (dito)

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/heym/ewige_tag/ewige_tag.htm (dito)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 100. Geburtstag)

http://limotee.blogspot.de/2012/08/die-stadt.html (Das Motiv der Stadt in Literatur und Film)

http://www.g-s-zentrum.de/files/georg_simmel-die_grosstaedte_und_das_geistesleben.pdf (G. Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, 1903)

http://www.stavroskaragkounis.gr/pdf/PTYHIAKI_MAGISTERARBEIT.pdf (Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Die Stadt und der Krieg in der Lyrik der frühen Moderne)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16282 (Georg Heyms Gewalt- und Vernichtungsphantasien)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ll_lyrik.pdf (Apokalyptische Motive in expressionistischer und hebräischer Lyrik des 20. Jahrhunderts)

http://kups.ub.uni-koeln.de/619/1/11w1021.pdf (Angelika Zawodny: „[…] erbau ich täglich euch den allerjüngsten Tag.“Spuren der Apokalypse in expressionistischer Lyrik, Diss. 1999)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14761&ausgabe=201009 (Thomas Anz: Zur literarischen Moderne im „expressionistischen Jahrzehnt“)

Heym: Die Gefangenen I – Analyse

Sie trampeln um den Hof im engen Kreis…

Text

http://gedichte.xbib.de/Heym_gedicht_Die+Gefangenen+I.htm

http://www.versalia.de/archiv/Heym/Die_Gefangenen_I.906.html

http://www.klassik-park.de/html/georg_heym1.html

Das Gedicht stammt aus der Sammlung „Ignis“ (1911). Ein unbekannter Sprecher berichtet, wie es den Gefangenen ergeht; in seiner Wortwahl und seinen Vergleichen bewertet er auch, was er sieht.

Von den Gefangenen werden zwei Handlungsweisen beschrieben: wie sie gehen, wie sie schauen. In beiden zeigt sich das Beengte, das Gedrückte ihrer Existenz. Das berichtete Geschehen ist ein Hofgang und die anschließende Rückführung der Gefangenen in ihre Zellen.

Am besten betrachtet man systematisch die beiden Handlungsweisen. Wie gehen sie? „Sie trampeln“ bloß (V. 1), gehen also nicht, weil sie nur „im engen Kreis“ gehen müssen; dieses Im-Kreis-Gehen ist so etwas wie der Rädergang in Mühlen (V. 5), also mechanisch-gesetzlich geregelt; demgemäß hinterlassen ihre Schritte eine „schwarze Spur“ (V. 6), eine traurige Spur. Wenn die Zeit abgelaufen ist, „treibt“ man sie ein wie Schafe zur Schur (V. 13); dieser Vergleich wird dann metaphorisch umgesetzt: „Die grauen Rücken [der Schafe] drängen in den Stall.“ (V. 14) Die Rücken sind grau wie auch die Wand des Gefängnisses (V. 10): Der ganze Raum ihres Lebens ist grau-schwarz-kahl (V. 2, 6, 10, 14; Weiß V. 4). So können ihre Holzschuhe auch nur klappern (V. 15 f.), was zum Rädergang der Mühle passt (V. 5).

Entsprechend eingeengt ist ihr Blickfeld: Der Blick schweift hin und her (V. 5), prallt zurück von der Mauer (V. 4), geht betrübt die graue Wand empor (V. 10); sie suchen vergeblich Feld und Baum zu sehen (V. 3), sehen nur die Gitter ihrer Zellen (V. 11 f.), „Wie schwarze Waben…“ (V. 12) – auch in diesem Vergleich wird das Tierhafte ihrer Existenz deutlich, während der Schädelvergleich (V. 9) primär die Kahlheit des Raumes zeigt, sekundär schon auf Tod und Totenschädel verweist.

Die Verse weisen einen fünfhebigen Jambus auf, immer regelmäßig mit männlicher Kadenz, was den Vers potenziell für ein Weitersprechen öffnet. Das wird vom Satzbau her in V. 5, 7, 11 und 15 genutzt; die anderen Sätze enden mit dem Versende. Die Strophen werden durch einen umfassenden Reim zusammengehalten. Die Reime sind teilweise semantisch sinnvoll: im engen Kreis / prallt zurück von der Mauern Weiß (V. 1/4); graue Wand empor / Kasten vor (V. 10 f.), zum Beispiel. Ohne semantischen Bezug sind dagegen  etwa V. 9/13 oder V. 6 f.

Das Gedicht soll durch ein Bild van Goghs motiviert sein, der wiederum ein Bild Gustav Dorés aufgenommen hat; ich kenne das Original nicht, finde im Netz nur verschieden getönte Reproduktionen, von denen ich zwei zur Auswahl präsentiere:

1) http://neuwied-rein.de/JVA_KO/Pix/Zuchthaus_Newgate_van_Gogh_902x6221.JPG

2) http://paintings4u.ch/images/product_images/original_images/vincent_van_gogh_die_runde_der_gefangenen_1.jpg

Bedeutend ist das Gedicht nicht durch seine Form – die ist ganz der Tradition verhaftet; neu ist das Gedicht durch sein Thema: das elende Leben der Gefangenen. Das ist ein Ton, der sich dann auch in „Der Gott der Stadt“, „Der Hunger“, „Die Dämonen der Stadt“ und „Die Vorstadt“ bemerkbar macht – allesamt Gedicht aus dem Band „Ignis“ (= „Feuer“, 1911). Im Feuer steht eine Welt, die alte Welt verbrennt – was bleibt von ihr erhalten? Was wird in den Ruinen neu gebaut werden?

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=rRC8GA19Skg (Verfilmung, Text gedruckt)

Sonstiges

http://www.w3l.net/w3lnet2/Material/heym.html (Gedichte)

http://archive.is/VsgZa (Gedichte)

http://www.cluberzengel.de/download/ebooks/pdf/Heym,%20Georg%20-%20Ausgewaehlte%20Gedichte.pdf (Gedichte)

http://www.liberley.it/h/heym_g.htm (Texte im Internet)

http://www.schwarzbrenner.de/wp-content/uploads/Media/GeorgHeymGoetzEisenberg.pdf (Würdigung Heyms, zum 10.. Geburtstag)

https://tidsskrift.dk/index.php/Orbis_Litterarum/article/view/50534/93572 (W. Kohlschmidt: Der deutsche Frühexpressionismus im Werke Georg Heyms und Georg Trakls)

https://archive.org/stream/menschheitsdmm00pintuoft#page/n5/mode/2up (Anthologie „Menschheitsdämmerung“, 1920)

https://archive.org/stream/verkndigungant00kays#page/n5/mode/2up (Verkündigung. Anthologie junger Lyrik, hrsg. von Rudolf Kayser, München 1921)

http://dspace.library.uu.nl/bitstream/handle/1874/209057/Abschlussarbeit_nieuwe_versie%5B1%5D.pdf?sequence=1 (Rick Duijf: Das Sonett in der expressionistischen Lyrik, Bachelor-Arbeit 2011)

http://delabar.net/storage/216c27f9Vorlesung_02_Expressionismus.PDF (Delabar, Lyrik des 20. Jh.: Expressionismus)

http://m.schuelerlexikon.de/mobile_deutsch/Expressionismus.htm („Expressionismus“ im Schülerlexikon)

http://universal_lexikon.deacademic.com/236275/Expressionismus_in_der_Literatur%3A_Aufschrei_und_Zeitdiagnose (Expressionismus)

http://www.literatur-hausarbeiten.com/lektuere/expressionismus/index.php (zu: Expressionismus)

http://home.arcor.de/dsmirr/texte24/Schule/Expressionismus.doc (Expressionistische Lyrik als Paradigma der Moderne)

Heym: Der Krieg – Analyse

Unsere Arbeit an diesem Gedicht steht in folgenden Zusammenhängen:
1. Lyrik des Expressionismus kennen lernen (als Beispiel dafür, wie sich in der Literatur die Krise der bürgerlichen Welt um 1900 zeigt);
2. die Methode der Gedichtanalyse reflektieren und einüben;
3. sich wissenschaftlich mit einem Problem („Wie ist Heyms Gedicht zu verstehen?“) befassen: seine Aussagen belegen, sich mit der Fach-iteratur auseinander setzen.
Ich biete euch zwei Möglichkeiten an: Entweder schreibt ihr in Kenntnis der vorliegenden Literatur eine neue Analyse, oder ihr setzt euch mit der Interpretation Antonia Schmitts auseinander.
Für den zweiten Fall ergibt sich als erster Teil der Aufgabe, die Interpretation Antonia Schmitts kurz vorzustellen (in ihren methodischen Annahmen und/oder in inhaltlichen „Thesen“, evtl. in einer Miniskizze ihres Gedankengangs – nicht in einer „Nacherzählung“!).
Man kann einmal die innere Logik vom Schmitts Interpretation prüfen (ob z.B. eine „Warnung“ vor dem Krieg mit dem Verständnis des Krieges als mythische Größe oder gar als Strafgericht sich verträgt), danach auch in der Auseinandersetzung mit ihr die entscheidenden methodischen Fragen erörtern und am Beispiel beantworten:
* Ist der Autor und seine Intention, der Sprecher und sein sprachliches Handeln oder „der Krieg“ (als inhaltlich dominierende Größe) der letzte Bezugspunkt meines Verstehens?
* Sind die Äußerungen des Sprechers vorgreifend vom Ersten Weltkrieg her oder allgemein von Kriegs- und Unglücksmetaphern und -erfahrungen her zu verstehen?
Liegen also in den „Bildern“ und ihren Farben „bloße“ Bilder oder Bilder eines konkreten Geschehens vor? Das bedeutet für die letzte Strophe: Ist die Anspielung auf Gomorrah religiös gemeint?
* Wie passen die Bilder zusammen?
* Was bedeutet es, dass „der Krieg“ wie eine Person (und als was für eine) auftritt?
* Was tragen Satzbau, Rhythmus, Reime zum Verständnis bei?
* Was tragen rhetorische Mittel (wie Wiederholung usw.) zum Verständnis bei?
* Wie ist das Gedicht aufgebaut, und was trägt die Kenntnis des Aufbaus zum Verständnis bei?
* Wie unterscheidet sich das Verständnis von 1912 möglicherweise von dem von 1920 oder 1947 oder 2003? Hat ein Verständnis Vorrang? Und ergibt sich aus dieser Frage eine Antwort auf die erste methodische Frage? [Wie hängen diese Fragen alle überhaupt zusammen?]
* Bei sorgfältiger Lektüre merkt man, dass es zwei Versionen des Textes gibt: Haben wir die Möglichkeit, den „richtigen“ Text zu bestimmen?
Mein Tipp: „Habt Freude an der Arbeit!“

Heym: „Der Krieg“ – Aufbau
Das Gedicht ist nicht in 11 Strophen aufgebaut – das ist seine Form.
Beim Aufbau muss man andere Aspekte beachten; in diesem Gedicht sind es verschiedene Aspekte, die herangezogen werden können:
1. die Tageszeit, in der das berichtete Geschehen sich abspielt:
Dämmerung (Str. 1) – Abend (Str. 2-4) – Nacht (ab Str. 5);
2. die Aktivitäten des Krieges, von denen berichtet wird:
Er ist aufgestanden (Str. 1) – Das (oder das Zerdrücken des Mondes?) hat Folgen, die unter das Subjekt „es“ gefasst werden (Str. 2 f.) –
Der Krieg beginnt zu handeln: zu tanzen (Str. 4), auszutreten (Str. 5), über der Mauer stehen (Str. 6), das Feuer jagen (Str. 7) usw.
3. die Farben und ihre Dominanz, nach der Schilderung des Sprechers: Schwarz mit Dämmerung, Dunkel, Nacht (Str. 1-7); Rot für das Feuer (Str. 7 ff.); Blau (Str. 6 – das ist aber gegenüber der Fassung in 10 Strophen keine Verbesserung, finde ich); Gelb (Str. 9 f.); Str. 11: Dunkel / Brand / Pech / Feuer, also Rot / Schwarz;
4. nach der Hitze des Geschehens: Frost und Eis /(Str. 2 f.); Feuer und Hitze (ab Str. 6); Kälte und Hitze zusammen (Str. 11);
5. nach dem Grad des Wissens der Menschen (bis Str. 3 – ab Str. 4);
6. nach dem Grad der Mächtigkeit des Krieges (so Saskia), die berichtet wird: Str. 1-3; Str. 4-9; Str. 10 f.).
Es kommt darauf an, Aspekte des Sprechens oder des berichteten Geschehens zu finden, bei denen man eine Veränderung feststellen kann.
Hinweise auf die Selbstzerstörung des Menschen, die seit dem 19. Jh. bekannt ist:
1. Prüfe, inwiefern „die Romantik“ mit ihren utopischen Gegenentwürfen auf der Einsicht beruht, dass etwas kaputt gegangen ist.
2. Bei Martini (Die deutsche Lyrik, II, S. 425 ff.) gibt es eine Reihe von Hinweisen, welche ein Verständnis des Gedichts in einem größeren Kontext vorschlagen:
a) im Rahmen des von Nietzsche erkannten Nihilismus, den man aus der Parabel vom tollen Menschen („Gott ist tot.“) kennen sollte; zum tieferen Verständnis sollte man den Anfang von „Der Wille zur Macht“ kennen. Dass auch heute krampfhaft neue „Werte“ gesucht werden, obwohl man eigentlich weiß, dass sie nicht existieren, zeigen die Container in Köln, das verlogene und gedopte Heldentum der Tour, die Versuche des Star-search usw.
b) der Versuch, diese Leere und das Sein zum Tod (Heidegger) durch eigene Entschiedenheit zu überwinden: der italienische Futurismus; M. Heidegger in den 20-er Jahren; Carl Schmitt: Freund und Feind als die politischen Grundkategorien; der Nationalsozialismus (wie der italienische Faschismus) als Idee eines entschiedenen Lebens und Gehorchens: dem Führer folgen, sein Leben verschwenden…
In diesen Kontexten kann „der Krieg“ als mythische Größe gelten, die mit allem „Vordergründigen“ aufräumt. Mythisch ist diese Größe, wenn der Krieg zwar von Menschen gemacht wird, aber dem Willen und Eingreifen des Einzelnen entzogen ist und eine Eigendynamik entfaltet, wie wir sie aus der Geschichte (Globalisierung) oder aus den Institutionen kennen, die ja – von Menschen gemacht – ein Eigenleben führen.

Heyms Gedicht „Der Krieg“ existiert in mindestens zwei Versionen; neben der „normalen“ (elf Strophen) gibt es ein Fassung in zehn Strophen, etwa in van Rinsum: Interpretationen. Lyrik, 1986, S. 240 f.
Dieser Text weicht auch sonst gelegentlich von der anderen Fassung ab. Frage: Woher kommt der zehnstrophige Text? van Rinsum geben keine Quelle an, nennen nur den Nachlassband „Umbra vitae“, 1912.

Vielleicht ist es hilfreich, parallel zum Gedicht Bilder Ludwig Weidners anszuschauen.

Heym: Ophelia – Analyse

In Shakespeares Stück „Hamlet“ beschreibt Hamlets Mutter, wie Ophelia, die Braut Hamlets, in einem Fluss treibt, ehe sie ertrinkt (IV 7):

„Es neigt ein Weidenbaum sich übern Bach

Und zeigt im klaren Strom sein graues Laub,

Mit welchem sie phantastisch Kränze wand

Von Hahnfuß, Nesseln, Maßlieb, Kuckucksblumen.

Dort, als sie aufklomm, um ihr Laubgewinde

An den gesenkten Ästen aufzuhängen,

Zerbrach ein falscher Zweig, und nieder fielen

Die rankenden Trophäen und sie selbst

Ins weinende Gewässer. Ihre Kleider

Verbreiteten sich weit und trugen sie

Sirenen gleich ein Weilchen noch empor,

Indes sie Stellen alter Weisen sang,

Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,

Wie ein Geschöpf, geboren und begabt

Für dieses Element. Doch lange währt’ es nicht,

Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,

Das arme Kind von ihren Melodien

Hinunterzogen in den schlamm’gen Tod.“

Millais hat Ophelia als Wasserleiche gemalt (1851/52), Rimbaud hat 1870 ein Ophelia-Gedicht geschrieben, welches 1907 von Karl Klammer ins Deutsche übersetzt wurde; so haben sie die deutsche Wasserleichen-Lyrik des Expressionismus ins Leben gerufen. Georg Heyms „Ophelia“ (1911) ist eine dieser Wasserleichen; sie ist ein Wasserwesen, eine Tiergefährtin geworden – die Menschen wissen von ihr und ihrem Tod nichts mehr zu sagen.
Zunächst wird Ophelia als Wasserwesen beschrieben, und zwar dreifach: Ihr Haar dient Ratten als Nest, ihre Hände treiben auf der Flut (wie Flossen“ (V. 3); sie treibt „durch den Schatten des großen Urwalds, der im Wasser ruht“ (V. 3 f.). Bei diesem Satz ist unklar, ob der Relativsatz („der…“) sich auf Schatten oder Urwald bezieht; im ersten Fall wäre der „Urwald“ eine Bezeichnung für den Wald am Flussrand, im zweiten Fall eine Metapher für Wasserpflanzen. Es fällt auf, dass „sie“ im Gegensatz zum ruhenden Wald resp. Schatten (und auch im Gegensatz zu den auf ihr ruhenden Ratten, V. 1: Nest) „treibt“, also im Wasser keine Heimat hat.
Auch die Sonne am Abend (letzte Sonne, V. 5) „irrt“ etwas verloren im Dunkel (V. 5) – die Zeit des Lichtes ist vorbei; Schatten und Dunkelheit beherrschen die Szene, es gibt keinen Hoffnungsschimmer. Diese Sonne scheint, „versenkt sich“ (V. 6) und verliert sich „in ihres Hirnes Schrein“; der Kopf der Toten ist also vom Wasser oder von den Ratten bereits so beschädigt, dass er offensteht wie eine aufgeklappte Truhe („Schrein“). Nun stellt der Sprecher zwei Fragen und meldet sich damit zum ersten und letzten Mal quasi selber zu Wort; ansonsten beschreibt er gefühllos das, was man wahrnehmen kann, wenn auch in den Vergleichen und Metaphern eine letzte menschliche Sicht des Geschehens erhalten bleibt.
Die Fragen (V. 7 f.) sind indirekte Fragesätze, also so geformt, als ob davor ein (nicht genannter) Hauptsatz stände [etwa: „Ich frage mich…“ oder „Keiner weiß…“]; zu fragen ist eine menschliche Fähigkeit – im Fall der Wasserleiche gibt es aber keine Antwort auf die Fragen. Das heißt wohl, dass niemand die Frau kennt oder sich für ihr Schicksal interessiert. Die Fragen, kaum dass sie gestellt sind, sind schon nicht mehr der Rede wert.
Der Sprecher hält sich an Takt und Reimform; er spricht im fünffüßigen Jambus, teils im Kreuzreim (1. und 3. Strophe), teils im umarmenden Reim (2. und 4. Str.), also in einer festen lyrischen Form; jedoch ist die Entsprechung von Vers und Satz oft gestört (V. 3 setzt im Vers der Hauptsatz an, V. 4 im Vers ein Relativsatz; ähnlich V. 7, 8, 9, 13, 14, 15). Damit wird die harmonische Form beinahe in eine prosaische Beschreibung aufgelöst, was durch viele Enjambements gefördert wird (V. 2, 3, 7 usw.); das Sprechen wird ruhiger, Pausen entstehen im Vers; dem entsprechen die beiden weiblichen Kadenzen in V. 1 und 3.
Da die Fragen nicht beantwortet werden (können), wendet der Sprecher seinen Blick auf die Umgebung: Röhricht, Wind, Fledermäuse. Zweimal nennt er etwas „dunkel“, die Flügel der Fledermäuse und den Wasserlauf (V. 11, 12). Diese Dunkelheit ist da, weil die Sonne nichts ausrichten kann und nur hilflos umherirrte (V. 5). In einem Vergleich („wie Rauch“) greift er die Dunkelheit der Tiere auf; diese sind den Menschen unheimlich: „Als unheimliches Nachttier wurde die Fledermaus zur Teufels- und Hexenerscheinung.“ (Wörterbuch der deutschen Volkskunde, 1974, s.v.) Mit dem Enjambement „wie Nachtgewölk“ schließt der Sprecher die Beschreibung des Dunkelheit des Geschehens ab (V. 13).
Zum Schluss erwähnt er noch drei „Gefährten“ der Wasserleiche, welche als einzige etwas „Licht“ in die Dunkelheit bringen: Der Aal, der ganz un-menschlich über die Brust der Toten schlüpft (glitschig gleitet: unangenehm, wenn sie noch empfände), ist weiß (V. 13 f.); als Kleinstform des Lichtes scheint der Glühwurm auf der Stirn, hinter der sich die Sonne verloren hat (V. 14 f., vgl. V. 5 f.); das einzige Lebewesen, welches um die Tote trauert, ist eine Weide, welche ihr Laub wie Tränen weint (V. 15 f.). Die empfindungslose Pflanze empfindet als einziges Wesen Mitleid mit der Toten und ihrer „stumme[n] Qual“ (V. 16).
Das letzte Attribut der Leiche, die stumme Qual, irritiert mich; denn die Leiche kann keine Qual empfinden. „Stumm“ können also die Menschen sein, die nichts über sie zu sagen wissen (V. 7 f.); „stumme Qual“ könnte auch der Zustand der Frau kurz vor ihrem Tod gewesen sein, könnte aber auch von ihrer jetzigen Situation gesagt sein: Im Ganzen des Lebendigen steht oder vielmehr treibt sie abseits, im Zustand einer stummen Qual – vielleicht ein paradoxer Ausruck eines letzten Mitgefühls des Sprechers, der weiß, dass dieser dahintreibende Körper einmal ein Mensch, eine schöne Frau mit Ringen an den Händen (vgl. V. 2) war.
Die Naturwesen leben, wie die Metaphern sagen (ruht, V. 4; irrt, V. 5; scheucht, V. 9; weint, V. 15), aber die Frau ist ein sich auflösender Kadaver. Die Vergleiche (V. 3, V. 10, V. 13) verwischen die Grenzen zwischen den Wesen, zwischen Mensch und Fisch, zwischen Wind und Mensch, zwischen Tier und Wolke: Einheit eines dunklen Geschehens zwischen Leben und Tod. Sowohl in der Thematik (Wasserleiche) wie auch im Sprechen (die lyrische Form löst sich ins Prosaische auf) ist Heyms „Ophelia“ ein expressionistisches Gedicht.
Bedeutsame Reimpaare: Nest von jungen Wasserratten / sie treibt durch den Schatten; Sonne irrt / Farn und Kraut sind verwirrt; langer weißer Aal / ihre stumme Qual; Glühwurm scheint / Weide weint – man muss also Aussagen semantisch verbinden, nicht nur Reimwörter aufzählen, um den Sinn der Reime zu erschließen.

Heym: Die Tote im Wasser – Analyse

DIE TOTE IM WASSER

Die Masten ragen an dem grauen Wall
Wie ein verbrannter Wald ins frühe Rot,
So schwarz wie Schlacke. Wo das Wasser tot
Zu Speichern stiert, die morsch und im Verfall.

Dumpf tönt der Schall, da wiederkehrt die Flut,        5
Den Kai entlang. Der Stadtnacht Spülicht treibt
Wie eine weiße Haut im Strom und reibt
Sich an dem Dampfer, der im Docke ruht.

Staub, Obst, Papier, in einer dicken Schicht,
So treibt der Kot aus seinen Röhren ganz.             10
Ein weißes Tanzkleid kommt, in fettem Glanz
Ein nackter Hals und bleiweiß ein Gesicht.

Die Leiche wälzt sich ganz heraus. Es bläht
Das Kleid sich wie ein weißes Schiff im Wind.
Die toten Augen starren groß und blind                15
Zum Himmel, der voll rosa Wolken steht.

Das lila Wasser bebt von kleiner Welle.
– Der Wasserratten Fährte, die bemannen
Das weiße Schiff. Nun treibt es stolz von dannen,
Voll grauer Köpfe und voll schwarzer Felle.           20

Die Tote segelt froh hinaus, gerissen
Von Wind und Flut. Ihr dicker Bauch entragt
Dem Wasser groß, zerhöhlt und fast zernagt.
Wie eine Grotte dröhnt er von den Bissen.

Sie treibt ins Meer. Ihr salutiert Neptun                25
Von einem Wrack, da sie das Meer verschlingt,
Darinnen sie zur grünen Tiefe sinkt,
Im Arm der feisten Kraken auszuruhn.
(August 1910)

Zum Verständnis des Gedichts
Hinweise zum Verständnis des Gedichtes findet man unter folgenden Adressen:
http://www.erlangerliste.de/express/expres3.html
virtuelleschuledeutsch.at/literatur3/ ex_verfall_vtfg.htm
www.schinka.de/d11-heym-u-ophelia.php3
Zu solchen Adressen kommt man über google usw. unter „Georg Heym: Die Tote im Wasser.“ Mit den Adressen findet man also Material, aber noch nicht den Weg zum Verständnis des Gedichtes.
Einen für normale Leser komplizierten Weg bekommt man beim ausgezeichneten link der uni-erlangen gebahnt, den Weg über die Geschichte des Wasserleichen-Motivs; das ist ein Weg für fortgeschrittene Leser. Welchen Weg kann der einfache Leser einschlagen, der wenig von Heym kennt und noch weniger von der Geschichte des genannten Motivs?
Spontan lässt man sich wohl von dem leiten, was man beim Lesen eines Gedichtes empfindet, was einem dazu einfällt. Damit man bei diesem Versuch nicht ins Spinnen verfällt – aber warum darf man nicht spinnen? -, sollte man das eigene Verständnis „am Text“ überprüfen. Wie aber macht man das?
Mein Vorschlag beruht auf der Einsicht, dass Gedichte zu den fiktionalen Texten gehören; das heißt, der Autor legt sie einem gedachten Sprecher in den Mund, der nicht mit ihm selber identisch ist. Für Heyms Gedicht heißt das: Der Autor kann das Gedicht über mehrere Tage an seinem Schreibtisch geschrieben haben; aber der fiktive Sprecher steht im Hafen und nimmt in der Morgenfrühe einen Vorgang wahr, der vielleicht dreißig Minuten dauert. Mein Vorschlag lautet: Wir sollten uns zunächst an diesen Sprecher halten und zu verstehen suchen, was er wahrnimmt und wie er spricht: wie er also das sagt, was er wahrnimmt. Erst später, wenn man diesem Sprecher zugehört hat, seine Äußerung auch laut nachzuvollziehen versucht hat, kann man sich auch mit der Arbeit des Dichters und der Geschichte des Motivs befassen.

In einer Kurzfassung kann man festhalten, dass der Sprecher einen Hafen in der Dunkelheit als einen Ort des Verfalls, des Todes wahrnimmt, wohin der Abfall einer Stadt durch die Kanalisation geleitet wird; nur die wiederkehrende Flut belebt ein wenig das Wasser. In diesen Schmutz hinein wird eine Frauenleiche geschwemmt, als Teil des Abfalls der Stadt, mit fett glänzendem Hals, bleiweißem Gesicht, in einem Tanzkleid. Im Wind erscheint dieses „wie ein weißes Schiff“; vergeblich starrt sie zum Himmel und den gerade rosa leuchtenden Wolken – Himmel und Licht erreichen sie nicht.
Bewegung kommt in das Geschehen durch eine Schar Ratten, welche das genannte Schiff bemannen – ein zweideutiger Vorgang, das das „Schiff“ eine Frauenleiche ist. Sie verdecken das Weiß des Kleides und machen die Leiche damit zu einem auch farblich angepassten Teil des Hafens; der Wind zerrt an der Leiche, die Ratten fressen sich voll; ihr Nagen scheint der Sprecher als ein Dröhnen zu hören – zum Rattenschiff und -fraß ist die Frau geworden. Als sie ins Meer treibt, salutiert Neptun; er begrüßt einen neuen Untertan seines Wrack-Reiches, in das die Leichenreste sinken. Letzte „Ruhe“ finden sie im Arm feister Kraken; man könnte sich andere Ruheplätze für junge Frauen denken.
Sprachliche Feinheiten habe ich hier nicht berücksichtigt, etwa die sinntragenden Reime V. 9/12: Abfall in dicker Schicht / weiß das Leichengesicht; oder V. 10/11: Kot aus den Röhren ganz / Hals in fettem Glanz. Nicht berücksichtigt habe ich die Einführung der Metapher „Schiff“ über den Vergleich in V. 13 f., nicht berücktigt die Synkopen „dumpf“ (V. 5) und „Staub“ (V. 9). Die Fokussierung des Blicks vom Hafen auf das erscheinende Stück Weiß, Alliterationen und Enjambements, all das kann man der Wahrnehmung zuordnen, wie eine Leiche als Teil des Abfalls zum bloßen Objekt von Wind und Ratten wird, wie sie aus der Menschenwelt heraus in eine Tiergemeinschaft gestoßen wird, zuletzt ein Nichts in der tiefen See, dem der Himmel verschlossen bleibt und keine ewige Ruhe im religiösen Sinn geschenkt wird.
Wenn es richtig ist, vom (fiktiven) Sprecher und seinem sprachlichen Handeln auszugehen, ergibt sich, dass bestimmte Verfahren deplatziert sind:
1. Verfehlt ist, von der Verwendung einzelner Worte auszugehen, ob man sie nun Signalwörter nennt oder nicht. So ist es unsinnig, in der Farbe Rosa einen „Kontrast“ zum Dunkel des Anfangs zu sehen und deshalb zu meinen, mit der Leiche tauche eine „positive“ Größe auf; hier muss man die ganze Äußerung beachten: Die Leiche starrt vergeblich „zum Himmel, der voll rosa Wolken steht“ (V. 16). Dieser rosa Himmel (was immer er sein mag) bleibt der Leiche gerade verschlossen!
Das gilt ebenso für die Wendung „im Arm… auszuruhn“ (V. 28), wobei manche an den Arm einer Mutter denken; im Text steht, die junge Frau ruhe im Arm der feisten Kraken aus – das ist sicher nicht der ideale Ruheplatz für junge Frauen.
2. Verfehlt ist die Annahme, der Sprecher verwende Farben und wolle dadurch Stimmungen erzeugen. Richtig ist, dass der Sprecher etwas sieht und hört; der Hafen  liegt also in einer Atmosphäre des Verfalls und des Todes – der Sprecher nimmt  nur eine Situation wahr; er empfindet selbst die Stimmung dieser Situation, will aber nicht beim Hörer (ebenso eine fiktionale Größe!) und erst recht nicht beim Leser eine Stimmung erzeugen – der Leser steht dem Autor gegenüber, nur der wählt vielleicht bestimmte Wörter aus; aber der Autor ist nicht der Sprecher!
3. Sinnlos ist es, mit dem Sprecher über das zu streiten, was er wahrnimmt, also ob das Wasser tot sein kann oder nicht oder ob tote Augen starren können (V. 15 f.); wenn der Sprecher das sagt, können wir allenfalls zu verstehen suchen, was er damit meint. Dabei muss man genau lesen: Das Wasser stiert tot zu den Speichern (V. 3 f.); hier könnte das Wasser „tot“ sein (was hieße das?) oder das Stieren (was hieße das?). Was heißt: Blinde große Augen starren zu einem Himmel voll rosa Wolken?
Genau lesen muss man: Nicht das Tanzkleid ist „in fettem Glanz“, sondern der Hals; „weiß“ ist nicht dasselbe wie „bleiweiß“ – bleiweiß erinnert an das Blei als Gift ; das weißt du nicht? Ja, dann schau im Lexikon nach. Nicht die Leiche wird mit einem Schiff verglichen, auch nicht das Kleid, sondern  der Vorgang, wie das Kleid sich im Wind aufbläht (V. 13 f.). Erst recht wird hier nicht die Leiche zum Schiff!
4. Wir dürfen nicht Opfer unserer eigenen Verstehenstechniken werden: Wenn  w i r  etwa V. 1-10 als „ersten Teil“ abtrennen, dürfen wir nicht vergessen, dass das Gedicht eine Einheit ist. Sicher beschreibt der Sprecher zuerst die Umgebung als einen Platz des Todes und des Kotes – aber an diesen Platz wird die Leiche geschwemmt; damit zählt sie genauso zum Abfall der Stadt wie Obst und Papier. Der Sprecher schaut also auf den Hafen, da fällt sein Blick auf etwas Weißes, das dahinein gespült wird. Dieser Vorgang bekommt eine Bedeutung, weil er auf die Wahrnehmung des Hafens folgt!
Wenn man das Gedicht vom Sprecher aus verstanden hat, also gewissermaßen textimmanent: vom Sprechen des textimmanenten Sprechers aus, kann man sich der Frage zuwenden, wie Georg Heym Gedichte und auch dieses bestimmte gemacht hat: wie er Farben verwendet, Kontraste einsetzt, das Thema „Stadt“ behandelt usw.

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Simone Kindler, Ophelia – Der Wandel vom Frauenbild und Bildmotiv, Berlin: Reimer Verlag, 2004, ISBN 3-496-01316-8, 255 Seiten, 49 Euro

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Ein weißes Schiff – ein Motiv (zu Heym: Die Tote im Wasser)
Ein weißes Schiff fährt aufs offene Meer hinaus – was verbinden wir mit diesem Bild? Wenn man google, die ersten 20 Nennungen zu „weißes Schiff“ untersucht, dominiert Freddy Quinns alter Schlager das Bild vom weißen Schiff mit dem Refrain: „Fährt ein weißes Schiff nach Honkong, hab‘ ich Sehnsucht nach der Ferne…“ Ähnlich wirbt die Insel Usedom um einen Besuch: Man kann im Sand Platz nehmen, „um für eine kleine Ewigkeit aufs Meer zu schauen und zu sehen, wie der Horizont ein weißes Schiff verschluckt. Ist es nicht schön?“
Ein anderer Aspekt, der Abschied, zeigt sich in einem Lied von Nena:
„Da war ein Schiff, ein weißes Schiff
Das fuhr hinaus zum Horizont
Nur dieses Schiff war da (…)
Ich weiß nur daß
Darauf die warn
Die noch immer von mir gehn…“
Als letzten Beleg für das abfahrende weiße Schiff habe ich eine Stelle aus Tolkien: Der Herr der Ringe, gefunden: „Wer wird ein weißes Schiff sehen, wie es den letzten Strand verläßt; mit weißen Gestalten in seinem kalten Leib, die klagen wie die Möwen?“ Das ist „die letzte Arche“, die in den Untergang fährt.
Einmal gibt es das ankommende Schiff. In Alexander Grins Buch „Purpursegel“ (1923) verkündet ein Märchenerzähler dem Mädchen Assol: »Ein weißes Schiff unter riesigen, leuchtenden Purpursegeln wird die Wellen durchschneiden und geradewegs auf dich zukommen.« An Bord sei ein Prinz, der sie durch seine große Liebe aus ihrem bescheidenen Leben erlöse.
Das sind Belege aus dem Jahr 2007; sie zeigen, was „wir“ mit dem Bild vom weißen Schiff verbinden: dominierend die glückliche Ausfahrt, aber einmal auch die Ausfahrt des Totenschiffs. Das muss man bedenken, wenn man in Heyms Gedicht das Bild vom weißen Schiff findet: Das Kleid (mit der Leiche darin) wird „wie ein weißes Schiff“ (V. 14) bemannt (V. 19 f.), seine Segel blähen sich im Wind (V. 13 f.); es treibt stolz davon (V. 19): „Die Tote segelt froh hinaus…“ (V. 21), jedoch zerfressen von den Ratten, in die Tiefe sinkend, um dort wie ein Braut „im Arm der feisten Kraken auszuruhn“ (V. 28). Das alles wird von der Leiche gesagt, die im Müll und Kot der Stadtnacht herangeschwemmt wird, als der neue Morgen kommt. Die Leiche im Müll als weißes Schiff, ausgespuckt von der Stadtnacht, das ist die große Hoffnung: Nahrung der Ratten, Braut der feisten Kraken.
Das Bild vom weißen Schiff und die Bemerkung, es treibe stolz von dannen (V. 19) bzw. die Tote segele froh hinaus (V. 21), stehen im Widerspruch zu dem traurigen Ende einer jungen Frau, die zum Tanz gegangen war. Man kann diese Spannung als eine objektive Ironie verstehen: dass der Sprecher das also einfach so wahrnimmt; man könnte auch einen Zynismus oder eine subjektive Ironie des Sprechers erkennen wollen. Dieser zynische Stil (zynische Betrachtung der Welt) ist typisch für expressionistische Gedichte.

Georg Heym: Die Stadt; Der Gott der Stadt – zur Analyse

Die Stadtgedichte Georg Heyms versteht man besser, wenn man Ludwig Meidners Bild „Apokalyptische Stadt“ von 1913 (oder: Burning City; Apocalyptic Landscape) kennt. Vgl. dazu die Ausführungen von Ernst Gerhard Güsehttp://www.gymoedeme.de/anhaenge/2910/Meidner%20Apokalyptische%20Stadt,%201913,%20Münster.pdf. Vgl. auch meine Ausführungen zum Epochenumbruch um 1900!

Text des Gedichtes „Die Stadt“: http://de.wikisource.org/wiki/Die_Stadt_(Heym)http://wiki.zum.de/Großstadtlyrik_des_Expressionismus; letzter Vers anders: http://www.dr-peter-wieners.de/autoren/54032497590dbcd03/54032497590e5930f/5403249baf0797601.html; http://www.vus-ck.hr/licus/01/LiCuS_Vol.01_No.01_Moebius_Labyrinth.pdf (dort S. 82 – auch der 1. Vers anders!) – die Textgestalt ist offenbar nicht völlig gesichert. Analysen:

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-stadt,textbearbeitung,12.html (schülerhaft, schönes Bild von Meidner dabei);

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-die-stadt,textbearbeitung,25.html (schülerhaft-hilflos);

http://www.dr-peter-wieners.de/autoren/54032497590dbcd03/54032497590e5930f/5403249baf0797601.html;

http://www.vus-ck.hr/licus/01/LiCuS_Vol.01_No.01_Moebius_Labyrinth.pdf (im Kontext des Symbols „Labyrinth“ gesehen – problematisch, finde ich);

Grundzüge der Analyse: Die Stadt ist (personifiziert) ein dumpf lebendes Wesen; der Sprecher ist unbeteiligt, er beschreibt dieses dumpfe Leben und seine Bedrohung durch Dunkelheit und Feuer. In den beiden Quartetten des Sonetts wird die Stadt inmitten der dunklen Nacht beschrieben; in den beiden Terzetten wird zunächst das dumpfe Einerlei (vgl.V. 7 f.) als Geschehen zwischen Gebären und Sterben entfaltet (V. 9-11) – sozusagen als die innere Bedrohung des Stadtlebens, während in der letzten Strophe die äußere Bedrohung in den traditionellen Bildern beschrieben wird. Die Form des Sonetts ist also gegenüber der Blick- oder Gedankenführung eher äußerlich, eine Spannung oder ein Verhältnis zwischen Quartetten und Terzetten ist nicht erkennbar. Es gibt wenige Analysen des Gedichts, bekannter ist das andere Gedicht Heyms.

Text des Gedichtes „Der Gott der Stadt“: http://wiki.zum.de/Großstadtlyrik_des_Expressionismus#Georg_Heym_-_Der_Gott_der_Stadthttp://www.zeno.org/Literatur/M/Heym,+Georg/Gedichte/Ausgewählte+Gedichte/Der+Gott+der+Stadt u.ö. Analysen des Gedichts:

http://lyrik.antikoerperchen.de/georg-heym-der-gott-der-stadt,textbearbeitung,60.html (das hinzugefügte Bild ist verfehlt!);

http://www.aknw.de/gebaute-geschichte/pdf/zusatzmaterial/1_4_Heym.pdf (im Kontext des Expressionismus);

http://herrlarbig.de/2009/02/17/georg-heym-der-gott-der-stadt/ (ähnlich);

http://www.kas.de/db_files/dokumente/7_dokument_dok_pdf_4018_1.pdf (Großstadt in der Literatur);

http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Vorlesung Prof. Hillmann)

Grundzüge der Analyse: Die Stadt mitsamt ihrer Umgebung wird im Bild des großen Gottes Baal gesehen – Baal war der Gegengott zum Gott JAHWE der Juden, also aus jüdischer Sicht ein „Götze“; das zeigt sich darin, dass auch die Kirchenglocken bei seiner Verehrung mitmachen. Er ist ein Gott des Zorns, nicht der Liebe; er ist ein vernichtender, nicht ein rettender Gott. Die Attribute der Gefahr sind die im Expressionismus üblichen: das Dunkel, das Feuer. Der Sprecher ist von diesem Geschehen beeindruckt, ohne doch persönlich irgendwie hervorzutreten (wie beim vorigen Gedicht).

Clemens Heselhaus (Deutsche Lyrik der Moderne, 1961, S. 184 f.) meint, es handele sich beim Baal nicht um eine mythische Figur, sondern um eine „poetische“ Darstellung der atmosphärischen Erscheinungen über der Stadt. „Die Mythisierung, die manche annehmen, ist nichts anderes als eine hyperbolische Metapher, erfunden, um das Verhängnis, das über modernen Städten schwebt, in einer Illustration sichtbar zu machen.“ Das zeige auch die Umdeutung der Großtstadtphänomene ins Kultische, „die ja gar nicht zum Baalsbilde stimmen will (die Kirchenglocken, der Korybanten-Tanz, der Duft von Weihrauch). Das sind rhetorische Steigerungen, unbekümmert um die religionsgeschichtliche oder zeitgeschichtliche Stimmigkeit.“ Trotzdem sei das Ganze ein Bild von halluzinatorischer Eindringlichkeit.

Sonstiges

http://www.sebastian-fischer.ch/pdf/Georg_Heym_Der_Gott_der_Stadt.pdf (zu „Der Gott der Stadt“)

http://limotee.blogspot.de/2012/08/die-stadt.html (Das Motiv der Stadt in Literatur und Film)

http://www.stavroskaragkounis.gr/pdf/PTYHIAKI_MAGISTERARBEIT.pdf (Großstadtlyrik im Expressionismus)

http://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_04.pdf (Die Stadt und der Krieg in der Lyrik der frühen Moderne)

https://ir.kochi-u.ac.jp/dspace/bitstream/10126/1480/1/H030-08.pdf (Tomio Itoh: Über die Endzeitgedichte von Georg Heym)

http://www.g-s-zentrum.de/files/georg_simmel-die_grosstaedte_und_das_geistesleben.pdf (G. Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, 1903)

http://ffw.denkraeume-ev.de/1-08/klassiker-wonke-stehle-1-08.pdf (Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, Zusammenfassung und Kommentar)