Kaléko: Ohne Überschrift … – Analyse

Komm, laß die Tür mich leise nach dir schließen…

Text

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ohne-ueberschrift.html

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/ohne-ueberschrift-1581 (mit Vortrag)

Die Autorin verweigert uns mit der Überschrift einen Hinweis darauf, worum es im Gedicht geht. Gibt es dafür einen Grund?

Es spricht ein lyrisches Ich zu einem Du, das offenbar gerade nach Hause gekommen ist, am Ende eines Arbeitstages (V. 1 f.). Da das angesprochene Du aber nie antwortet, muss man die Äußerung als inneren Monolog des Ichs verstehen – was aber auch nicht immer Sinn ergibt: ‚Komm rein.’ „Wir sind zu zwein. Was kann uns schon geschehn?“ (V. 1-4) Die Frage in V. 4 bezieht sich darauf, dass der Tag schwer war (V. 2) und dass es regnet (V. 3) – aber „Wir sind zu zwein…“ Damit wird eine idyllische Liebessituation beschworen, zumindest Geborgenheit gegenüber dem feindlichen Draußen. Mit der Aufforderung „Laß andre schwärmen…“ wird die Äußerung im Sinn von V. 4 fortgesetzt (V. 5 f.): Licht der Lampe (drinnen) vs. Glanz der Sterne (draußen), das kleine Glück dominiert.

Gesprochen wird die Umgangssprache, wie die Elisionen „laß“ (V. 1) und „geschehn“ (V. 4) bezeugen. Ansonsten fünfhebiger Jambus, Wechsel der Kadenzen mit Kreuzreim, was zu einer Zweiteilung der vier Verse führt; die Reime sind sinnvoll: Tür schließen / draußen Regen fließen; schwerer Tag draußen stehn / Was kann uns (drinnen) schon geschehn?

In V. 7 stellt das Ich unvermittelt (Gedankenstrich, V. 7) eine Grundsatzfrage, als ob es einen alten Streitpunkt zwischen den beiden hervorkramte, ohne dass es dafür einen ersichtlichen Grund gibt: „Glaubst du es endlich…?“ Diese Frage wäre sinnvoll, wenn die beiden eine Situation der Ferne erlebt hätten – wobei „Ferne“ (V. 7) im Sinn der romantischen Ferne als großes fernes, endlich erreichtes Ziel zu verstehen wäre. Dass keine Ferne Versprochenes hält, könnte also der Taugenichts bestätigen, als er wieder aus Rom in die Heimat aufbricht – das arme Du ist mit dieser rechthaberischen Frage hier völlig überfordert.

Es wird ihm auch nicht Gelegenheit gegeben, sich zu dieser Frage zu äußern. Als ob es selbstverständlich recht hätte, setzt das lyrische Ich fort: „Tat dir das weh?“ (V. 9) Das unbestimmte „das“ muss die Einsicht sein, dass keine Ferne Versprochenes hält. „Natürlich tat das weh“, müsste das Du antworten, jede Enttäuschung schmerzt. Doch das Ich fragt sinnend weiter: „Hat uns der Herbst verändert?“ (V. 9) Hiermit wechselt es den metaphorisch bedachten Bereich vom Raum (Nähe/Ferne) zur Jahreszeit (Frühling/Herbst), wobei Herbst für Altern und Vergehen steht; das wird mit dem Bild vom Welken der Träume (V. 10) aufgegriffen, allerdings abgewandelt in die allgemeine Weisheit der Veränderung „mit der Zeit“ (V. 10). Gegen „Träume“ wird die Wirklichkeit gesetzt (V. 11), statt vom Herbst ist nun vom „Schlendern“ durch die Jahre die Rede – das Bild „schlendern“ passt nicht zum Vorgang der Enttäuschung, es setzt größere Leichtigkeit des Gehens voraus. Trotz der drei Fragen hat das Ich keine Antwort abgewartet, sondern im altersweisen Rückblick (V. 7-12) erklärt, wieso unsere Träume mit der Zeit welken. Mit der Ausgangssituation im Jetzt (V. 1-6) hat dieser Rückblick nichts zu tun.

In diese Situation blickt das Ich nun erneut (V. 13 ff.) und beschreibt, was man hört, „wenn wir schweigen“ (V. 13). Dann wendet es sich mit einem (unausgesprochenen!) Wunsch an das Du: nicht herumlaufen, mich allein lassen – Widerspruch zu V. 4!, und einer irrealen Erwartung (Konjunktiv II) an sich selbst: „Wenn sich die Zwei in mir nicht wieder stritten…“ (V. 23). Dabei führt es die aus dem „Faust“ bekannten zwei Seelen in der eigenen Brust (!) als Quell des Unheils ein – gegen alle bisherigen Erwägungen zum Welken der Ideale und aufregenden Hinundhergehen – ja, dann „Würd ich jetzt schweigen und dir nahe sein.“ (V. 24) Hätte das Ich in den langen Jahren ein wenig Umgang mit sich selbst gelernt, dann würde es tatsächlich schweigen. So plappert es nur Versatzstücke vom misslingenden Leben daher, ohne eines von ihnen wirklich zu bedenken.

Das Gedicht endet folgerichtig mit einer Klage: „So geht der Abend wieder mal daneben.“ (V. 25) Ich könnte dem Ich erklären, wieso es selbst daran schuld ist. „Ich bin so müd“, klagt es (V. 27), „Und habe nicht die Ruhe, auszuruhn“ (V. 28). Die wird es nie finden, wenn es nicht endlich zu denken beginnt; in monologisierenden Klagen und Anklagen kommt es sicher nicht zur Ruhe.

Zur Form des Gedichts war bereits oben das Wesentliche gesagt. Das Gedicht ist misslungen; beim ersten Lesen wirken die Versatzstücke aus der Reflexion des traurigen Lebens noch mit ihrem Stimmungsgehalt – beim zweiten Lesen entdeckt man, dass sie nicht miteinander verbunden, sondern nur aneinander geleimt und gereimt sind. Folgerichtig ist das Gedicht „Ohne Überschrift…“; ihm fehlt die innere Einheit. So blöde das klingt: Aus dem Schlager „Ich liebe das Leben“ könnte Mascha Kaléko lernen, wie eine einheitliche (nicht: die richtige) Antwort auf die Frage „Was kann uns schon geschehn?“ aussehen kann – aber dafür ist jetzt wohl zu spät. An den großen Fragen hat sie sich verhoben. Was sie dagegen konnte, war die flotte Großstadtlyrik (Großstadtliebe), Emigrantenklage (Emigrantenmonolog) oder persönliche Lyrik (An meinen Schutzengel) – am sichersten „im Stil von…“ Heine und anderen.

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=GcjA4ZdbvK8 (Fritz Stavenhagen, mit Musik von H. Weidner: Text unvollständig)

Eine Reihe von Gedichten hat Lutz Görner vorgetragen (http://www.rezitator.de/gdt/autor/), rund 80 Beiträge gibt es bei youtube.

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz39587.html (Biografie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mascha_Kal%C3%A9ko (dito)

http://www.berlin-judentum.de/frauen/kaleko-1.htm (über M.K.)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten-1/die-lyrikerin-mascha-kaleko-zur-heimat-erkor-sie-sich-die-liebe-1436028.html (Würdigung)

https://www.youtube.com/watch?v=dWm6E3eKTOM (Biografie, mit Gedichten)

https://www.youtube.com/watch?v=7hR4AHguHVo (dito, Teil 2)

http://www.kaleko.ch/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1 (M.K.-Seite: http://www.maschakaleko.com/, mit 14 Gedichten)

http://www.literaturcafe.de/html/kaleko/index/ophp/ (zehn Gedichte als podcast)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/bescheidene-anfrage-1585 (sieben Gedichte, von M.K gelesen)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/kaleko.html (33 Gedichte)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/228-mascha-kaleko-lyrik-aus-den-30er-jahren-und-spaeter.html (einige Gedichte)

http://www.liberley.it/k/kaleko.htm (dito)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/227-mascha-kaleko-gedichte-aus-dem-exil.html (dito)

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Kaléko: Rezept – Analyse

Jage die Ängste fort…

Text

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/566608/Mascha-Kaleko-Rezept

http://www.deutschelyrik.de/index.php/rezept.html

Mit „Rezept“ hat Mascha Kaléko eine saloppe Überschrift gewählt; es geht ihr um elementare Lebensweisheit, um kluge Lebensführung, wo man mit einem simplen Rezept nicht weiterkommt. Oder legt die Sprecherfigur, die als Ratgeber ein Du, prinzipiell jedes Du anspricht, doch nahe, dass es fürs richtige Leben ein Rezept gebe? Jedenfalls muss, wer so kluge Ratschläge erteilt, sich streng prüfen lassen: ob das alles denn auch Hand und Fuß hat.

„Jage die Ängste fort / Und die Angst vor den Ängsten.“ (V. 1 f.) Dieser Ratschlag (Imperativ) ist so elementar, dass er zum Schluss wiederholt wird (V. 35 f.) und damit den Rahmen für die übrigen Ratschläge bildet. Dieses elementare Wort klingt klug, ist es aber nicht: „Jage … die Angst vor den Ängsten [fort]“ heißt ja: „Lasse die Ängste zu!“ Das widerspricht aber dem ersten Imperativ „Jage die Ängste fort!“ Zweitens ist dieser erste Rat naiv: Angst kann man nicht fortjagen. Drittens ergibt sich aus der Begründung in V. 3 f., dass etwas anderes gemeint ist: „Sorge dich nicht“! Damit steht das Gedicht in einer langen Tradition der Ratgeber- oder Weisheitsliteratur, deren markantester Vertreter in unserer Kultur Jesus mit den Sprüchen aus der Bergpredigt ist: „Sorget euch nicht um euer Leben…“ (Mt 6,25 ff.). Solche Weisheiten verkaufen sich wie frische Semmeln und werden entsprechend verkündet, trivialisiert und parodiert, zum Beispiel:

* http://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-matthaeus-625-34-4.html (Predigt zu Mt. 6,25 ff.)

* Albrecht Goes: „Nehmen, neben“ http://www.zeit.de/1950/48/geben-nehmen

* http://www.reiki-online.de/Default.aspx?tabid=53 (Reiki Philosophie)

* http://www.youtube.com/watch?v=u7ScXMBQXS0 (Sorge dich nicht, Lied der Wise Guys)

* https://de.wikipedia.org/wiki/Dale_Carnegie (zu Dale Carnegie und seinem Buch „Sorge dich nicht, lebe“), mit tausend Fortsetzungen anstelle von „lebe“: fliege, reise, beame, diene, klebe, liebe, telefoniere, lerne…

* http://www.lyrikwelt.de/gedichte/gernhardtg5.htm (R. Gernhardt: Sorge dich nicht, borge)

* http://pigmalion.blog.de/2013/12/21/sorge-sterbe-anti-ratgeber-17445003/ (Anti-Ratgeber)

Was einen wahren Kern hat: ‚Normalerweise reicht zum Leben das, was du hast, sorge dich also nicht’ – das wird tausendfach variiert, von der Bibel über „Faust“ bis zu Robert Gernhardt.

In der 2. Strophe wird der gleiche Gedanke abgewandelt zur Haltung der Abschiedlichkeit, wie Wilhelm Weischedel sie als die dem Philosophen gemäße Haltung skizziert hat: „Lebe auf Zeit… Und halte den Koffer bereit.“ (V. 9 ff.) Auch das kann man schon in der stoischen Philosophie der Antike lesen (Epiktet: Der Ruf des Steuermanns).

In der 3. Strophe wird Ergebenheit ins Schicksal gepredigt – einerseits große Weisheit, anderseits oberflächliche kölsche Philosophie: „Et kütt, wie et kütt.“ Ohne weitere Erklärungen ist das eine Plattitude, welche Mascha Kaléko selber natürlich nicht befolgt hat: Sie ist emigriert, statt dem Leiden in Deutschland still ins Gesicht zu sehen.

Die 4. und die 5. Strophe gehören zusammen: Erwarte nichts (V. 19), aber lebe freundlich und normal in der Nachbarschaft (V. 25 ff.). Die Fortsetzung „hüte besorgt dein Geheimnis“ (V. 20) passt nicht zu V. 1 und auch nicht zu V. 31 f.; dass der eigene Bruder ein potenzieller Verräter ist, passt eher zu Brechts Gedicht „Verwisch die Spuren“ und dem Gedanken des Untergrundkampfs als zum sorg-losen Leben, nicht aber zum normalen Leben unter Nachbarn (5. Str.). In der 5. Strophe taucht ein neuer Gedanke wie ein Fremdkörper auf: „Die Wunde in dir halte wach / Unter dem Dach im Einstweilen.“ (V. 29 f.) Damit wird dem heimelig-heimatlichen Verständnis der 5. Strophe widersprochen und der Aspekt der Abschiedlichkeit (2. Str.) erneut aufgegriffen: Welche Wunde ist da in dir, von der bisher noch nicht die Rede war? Woher stammt sie? Da jedes Attribut fehlt, bleibt „die Wunde“ unbestimmt – der Spekulation stehen die Türen offen.

Die letzte Strophe bringt eine Überraschung mit sich: „Zerreiß dein Pläne.“ (V. 31) das passt zum Leben ohne Sorge um morgen und zur Haltung der Abschiedlichkeit. „Sei klug / Und halte dich an Wunder.“ (V. 31 f.) Das ist allerdings nicht nur überraschend, sondern auch in sich widersprüchlich: Mit Wundern zu rechnen ist nicht klug. Auch die Begründung des Sprechers hilft da nicht weiter: „Sie sind schon lang verzeichnet / Im grossen Plan.“ (V. 33 f.) Der große Plan, den kennen nur Eingeweihte, Spinner und Gläubige; bisher haben sich die großen Pläne regelmäßig als falsch erwiesen ist. Und außerdem – wenn man sich ans Wunder hält, wozu soll man dann sein Geheimnis besorgt hüten? Ich kann mir nicht helfen – Mascha Kaléko hat sich mit diesem Gedicht intellektuell übernommen, wenn man auch in der warmen Soße des großen Vertrauens sich wohlfühlen kann. Da liest man besser hier oder hier Epiktet: Handbüchlein der Moral; das ist wenigstens durchdacht, wenn vielleicht auch nicht das einzig „Wahre“.

Die Sprache des Gedichts ist einfach, gehobene Umgangssprache; die sechs Strophen weisen weder Metrum noch Reim auf, sie leben vom Zeilenschnitt – kleine semantische Einheiten oder Sätze machen einen Vers aus. Jeder Vers weist zwei oder drei Hebungen auf; der Stil erinnert an Brecht (Gedanken über die Dauer des Exils; Aus einem Lesebuch für Städtebewohner; u.ä.).

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=EzP_Z4pNJFk (Sprecherin)

Eine Reihe von Gedichten hat Lutz Görner vorgetragen (http://www.rezitator.de/gdt/autor/), rund 80 Beiträge gibt es bei youtube.

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz39587.html (Biografie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mascha_Kal%C3%A9ko (dito)

http://www.berlin-judentum.de/frauen/kaleko-1.htm (über M.K.)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten-1/die-lyrikerin-mascha-kaleko-zur-heimat-erkor-sie-sich-die-liebe-1436028.html (Würdigung)

https://www.youtube.com/watch?v=dWm6E3eKTOM (Biografie, mit Gedichten)

https://www.youtube.com/watch?v=7hR4AHguHVo (dito, Teil 2)

http://www.kaleko.ch/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1 (M.K.-Seite: http://www.maschakaleko.com/, mit 14 Gedichten)

http://www.literaturcafe.de/html/kaleko/index/ophp/ (zehn Gedichte als podcast)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/bescheidene-anfrage-1585 (sieben Gedichte, von M.K gelesen)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/kaleko.html (33 Gedichte)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/228-mascha-kaleko-lyrik-aus-den-30er-jahren-und-spaeter.html (einige Gedichte)

http://www.liberley.it/k/kaleko.htm (dito)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/227-mascha-kaleko-gedichte-aus-dem-exil.html (dito)

Kaléko: Bescheidene Anfrage – Analyse

Steht mein Bild wohl noch auf deinem Tisch?…

Text

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/bescheidene-anfrage-1585 (mit Vortrag)

http://gedankenreisen.blog.de/2005/10/10/bescheidene_anfrage~227033/

Literarisch ist das Gedicht nicht bedeutsam, aber menschlich: Die „Bescheidene Anfrage“ bezeugt unsere Ambivalenzen in Sachen Liebe und Liebesende.

Die „Bescheidene Anfrage“ lautet: „Steht mein Bild wohl noch auf deinem Tisch?“ (V. 1/20) Diese Frage zielt darauf, ob es nach dem Ende der Beziehung noch etwas gibt, was so wie früher ist… Und die zitierte Frage leitet 16 ähnliche Fragen ein und wird als 17. wiederholt, rundet so die ersten 5 Strophen ab: Wie ist es noch bei dir und mit dir?

Als die gleiche Frage dann erneut gestellt wird (V. 21), bricht das lyrische Ich mitten im Fragen ab, widerlegt sozusagen seine Frage: „Ich hab’ es selbst zerrissen!“ (V. 21) Das heißt, dass die ganzen Fragen sachlich unbegründet waren, weil das Ich ja weiß, dass das Bild nicht mehr auf dem Tisch steht; das heißt aber zweitens, dass sie menschlich nicht unbegründet sind: dass auch nach der Trennung noch etwas die beiden verbindet. Was das ist, wird in den nächsten drei Versen angedeutet.

Das Ich hat bisher so gesprochen, als wende es sich mit seinen Fragen an das alt-vertraute Du, es könnte jedoch genauso gut monologisch gesprochen haben, wie man eben manchmal laut mit sich spricht. Unvermittelt wendet es sich an das vormals geliebte Du: „Glaub nur nicht, ich hätte deins [dein Bild] vermißt.“ Damit will es eine mögliche Intention seiner Fragen widerlegen: Das Du könnte meinen, das Ich vermisse das Du (und dessen Bild auf dem eigenen Schreibtisch); das klingt nach dem Ton von Kindern: „Bilde dir bloß nicht ein….“ Aber hier wird explizit geleugnet, was implizit längst bekannt worden ist: Interesse. Dieses Interesse wird in den beiden letzten Versen versuchsweise expliziert: dass man manchmal manches wissen möchte (zwei Einschränkungen, zwei Bekenntnisse), „Wenn man so mit sich alleine ist…“ (V. 24). Die Droste hatte im Gedicht „Im Grase“ Ähnliches angedeutet: „Wenn im Busen die Todten dann / Jede Leiche sich streckt und regt…“ (V. 9 f.) Die „toten“ Geliebten sind eben nicht ganz tot; manches kann uns an sie binden, auch wenn es „aus“ ist.

Das alles passt natürlich nicht in der Bild der enthusiastischen Liebe, das seit der Mitte des 18. Jahrhunderts propagiert wird und die Herzen erfreut und betäubt. Und man leugnet das wohl auch gern, um die gegenwärtige Liebe nicht zu gefährden. Aber es ist so, wie es ist: Dass Erinnerung an Vergangenes Defizite des Gegenwärtigen aufdeckt, dass diese Defizite die Sehnsucht nach Vergangenem wachrufen. Dass man mit der „Repetition des Gefühls“ vorsichtig sein muss, hat allerdings Kästner bereits deutlich gemacht; Liz Taylor hat das freilich nicht verstanden, sie hat zwei- oder dreimal Richard Burton geheiratet. Aber vielleicht war auch dies komplizierter, als es von außen betrachtet aussieht…

Also: Fünfhebiger Trochäus usw., alles geschenkt – mich interessiert die Wahrheit in der Widersprüchen des Ichs, die Ambivalenz in der Liebe und im Liebesaus. Da haben wir noch viel zu lernen bzw. zu akzeptieren.

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=cM1ei8ew3DE (Elke Heidenreich)

Eine Reihe von Gedichten hat Lutz Görner vorgetragen (http://www.rezitator.de/gdt/autor/), rund 80 Beiträge gibt es bei youtube.

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz39587.html (Biografie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mascha_Kal%C3%A9ko (dito)

http://www.berlin-judentum.de/frauen/kaleko-1.htm (über M.K.)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten-1/die-lyrikerin-mascha-kaleko-zur-heimat-erkor-sie-sich-die-liebe-1436028.html (Würdigung)

http://www.kaleko.ch/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1 (M.K.-Seite: http://www.maschakaleko.com/, mit 14 Gedichten)

http://www.literaturcafe.de/html/kaleko/index/ophp/ (zehn Gedichte als podcast)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/bescheidene-anfrage-1585 (sieben Gedichte, von M.K gelesen)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/kaleko.html (33 Gedichte)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/228-mascha-kaleko-lyrik-aus-den-30er-jahren-und-spaeter.html (einige Gedichte)

http://www.liberley.it/k/kaleko.htm (dito)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/227-mascha-kaleko-gedichte-aus-dem-exil.html (dito)

Kaléko: Interview mit mir selbst – Analyse

Ich bin vor nicht zu langer Zeit geboren…

Text

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/interview-mit-mir-selbst-1586 (mit Vortrag)

http://www.salbader.de/heft/nummer19/016.html (mit Bildern)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/227-mascha-kaleko-gedichte-aus-dem-exil.html (dort als Nr. 4 die überarbeitete Fassung und als Nr. 5 das „Post Scriptum“: Anno Fünfundvierzig)

Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe – wenn man solche schwerblütigen Gedichte noch im Ohr hat, weiß man sich des leichten Tons der Kaléko recht zu freuen. Unter dem Titel „Interview mit mir selbst“ (eine paradoxe Konstruktion: Sie kennt doch bereits die Antworten auf ihre eigenen Fragen!) kommentiert sie einige Stationen ihres bisherigen Lebenslaufs in der Ich-Form – sie „antwortet“ ja im Interview. Geburt und Heimatort (Str. 1), Kindheit (Str. 2), Schulzeit (Str. 3-5), Beruf (Str. 6), Freizeit (Str. 7), das sind die Punkte, zu denen sie sich distanziert äußert; zur Frage nach dem Geburtsdatum sagt sie eigentlich nichts, diese Frage (und damit das „Interview“) wird mit einer nichts sagenden Floskel abgetan.

Es ist die Distanz der erwachsenen Frau zu dem, was an Vorgaben auf sie zugekommen ist: Das Städtchen war „klatschbeflissen“ (V. 2; Neologismus, negativ – aber normal für Dörfer und Städtchen), hatte ein große Irrenanstalt (V. 4; negativ – weil es sonst kaum etwas hatte); in der 2. Str. meine ich in der ironischen Formulierung „kein einwandfreies Mutterglück“ (V. 6) eine Distanz zur Distanz zu spüren: Wer will schon einwandfreies Mutterglück gewesen sein und nie das wichtige „Nein!“ gesagt haben? V. 8 ist wieder paradox. Die Distanz zu dem, was sie in der Schule gelernt hat, zeigt sich in der korrigierten falschen Auffassung von Krieg und Frieden (V. 11 f.); auch in der Oberschule hat sie nicht gelernt, wie es in Wirklichkeit zugeht: „Abbau“ meinte Abbau der Arbeitnehmerrechte, Abbau der Sozialausgaben, Abbau der Steuerermäßigungen für Tabak und Zigaretten… (Suchwort „Abbau 1920“) – von der realen Verschlechterung der Lage der Menschen hat sie in der Oberschule nichts gehört (V. 16). Stattdessen wurden zur Schulentlassung die üblichen erbaulichen Reden geschwungen (5. Str.); mit dem Zeugma „ins Leben treten / ins Büro treten“ (. 19 f.) wird das Pathos der Abschlussrede entlarvt.

In den beiden letzten Strophen geht es um das gegenwärtige Leben des Ichs: Da wird die schlechte Bezahlung kritisiert (offen, V. 21 f.); dass die Entlohnung zu gering ist, wird indirekt auch durch einen raffinierten Zeilenschnitt (Enjambement) in V. 25 f. deutlich gemacht: reisen / (aber nur) per Bleistift auf der Landkarte. Der nächste Zeilenschnitt V. 27 f. trennt das Warten vom sogenannten Glück – das ist Persiflage „normaler“ Erwartungen, eine so reflektierte Autorin wartet sicher als Person nicht auf „das sogenannte Glück“; schon im Attribut „sogenannt“ hat sie sich von dieser Erwartung distanziert. Bereits in V. 17 f. haben wir einen ähnlichen Zeilenschnitt: Hinter den Nöten müsste der Mangel an Lebensmitteln und Berufsarbeit genannt werden; aber in der Schule werden nur die alten „Nöte der Jugend“ (Unreife, vermutlich sexuelle Probleme…) genannt. Auch die Parenthese V. 24 ist wohl nicht wörtlich zunehmen, sondern als Reaktion eines „normalen“ Vaters auf die literarische Produktion seiner Tochter zu nehmen; die Parenthese erinnert mich stilistisch an Kästner.

Die Beschreibung des Lebenslaufs wird von Kaléko zur Kritik an solchen Interviews, zur Kritik am normalen Schulbetrieb und vor allem der Sozialpolitik der 20er Jahre genutzt. Die Sprache ist einfach, gehoben nur in Zitaten (V. 18 f.). Es gelingt der Kaléko mühelos, den fünfhebigen Jambus durchzuhalten; die Reimform wechselt zwischen Kreuz- und umfassendem Reim, was ohne tiefere Bedeutung ist. Die auffallenden Enjambements sind bereits genannt; hinzu kommt noch das in V. 3 f. (Kritik am Niveau des Städtchens). Die Form des Gedichts ist gefällig, der Ton locker und kritisch – damit könnte man im Kabarett auftreten. Auch die Reime sind ohne tiefere Bedeutung, so passen sie recht zum Gedicht der Mascha Kaléko.

Es gibt eine überarbeitete Fassung des Gedichts mit dem Untertitel „Anno Zwounddreißig“ und vier Textänderungen (V. 1: „als Emigrantenkind“ – damit bereitet sie das „Post Scriptum“ und die Bezeichnung ihres Sohnes als Emigrantenkind vor). In V. 9 wird jetzt der erste Weltkrieg genannt – man müsste also einen zweiten kennen; die Veränderung in V. 11 (zwölf -> sechs) qualifiziert diesen Glauben vielleicht als Kinderglauben, als naiv. In V. 16 wird der Anfang antinazistisch verändert: „Ein Volk ‚Die Arier’ ham wir nicht gehabt.“ Damit trägt sie den Veränderung der Zeit Rechnung, die Nachkriegsnot scheint vergessen zu sein, bedrohlich ist jetzt (wann genau?) der Arier-Mythos. In der letzten Strophe scheinen einige Zeichen verändert worden zu sein. Über das genaue Datum der ersten Fassung und der Überarbeitung weiß ich leider nichts. Das „Post Scriptum“ mit dem Untertitel „Anno Fünfundvierzig“ gehört als „Fortsetzung“ ebenfalls zur Überarbeitung; die Pointe finde ich in V. 14: „Wenn ich mir das Dacapo so betrachte…“, was dann in V. 15 f. parallel V. 11 f. der ersten Fassung durchgespielt wird; vielleicht erklärt sich daraus auch die Veränderung in V. 13 (zwölf –> sechs, s.o.).

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=U2GQkiDX7_k (schülerhaft)

https://www.youtube.com/watch?v=BuegS2sRn9M (Der Film trägt nichts zum Verständnis des Gedichts bei: der gängige „produktive“ Quatsch!)

Eine Reihe von Gedichten hat Lutz Görner vorgetragen (http://www.rezitator.de/gdt/autor/), rund 80 Beiträge gibt es bei youtube.

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz39587.html (Biografie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mascha_Kal%C3%A9ko (dito)

http://www.berlin-judentum.de/frauen/kaleko-1.htm (über M.K.)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten-1/die-lyrikerin-mascha-kaleko-zur-heimat-erkor-sie-sich-die-liebe-1436028.html (Würdigung)

http://www.kaleko.ch/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1 (M.K.-Seite: http://www.maschakaleko.com/, mit 14 Gedichten)

http://www.literaturcafe.de/html/kaleko/index/ophp/ (zehn Gedichte als podcast)

http://www.lyrikline.org/de/gedichte/bescheidene-anfrage-1585 (sieben Gedichte, von M.K gelesen)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/kaleko.html (33 Gedichte)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/228-mascha-kaleko-lyrik-aus-den-30er-jahren-und-spaeter.html (einige Gedichte)

http://www.literaturforum.de/forum/lieblingsverse-gedichte/227-mascha-kaleko-gedichte-aus-dem-exil.html (dito)

Heine: Ich hatte einst ein schönes Vaterland – Analyse

Ich hatte einst ein schönes Vaterland… (In der Fremde)

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1240

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/NeueGedichte/fremde3.htm

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich/Gedichte/Neue+Gedichte/Verschiedene/In+der+Fremde/3.+%5BIch+hatte+einst+ein+sch%C3%B6nes+Vaterland%5D

„Während eines Erholungsaufenthalts auf Helgoland im Sommer 1830 erfuhr Heinrich Heine vom Beginn der Julirevolution, die er in seinen Briefen aus Helgoland – erst 1840 als zweites Buch seiner Börne-Denkschrift veröffentlicht – bejubelte. […] Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet – vor allem in Preußen – und der Zensur in Deutschland überdrüssig, siedelte er 1831 nach Paris über. Hier begann seine zweite Lebens- und Schaffensphase. […] Seine erste Arbeit aus Paris war sein Bericht über die Gemäldeausstellung im Pariser Salon von 1831 für die deutsche Zeitschrift Morgenblatt für gebildete Stände, in dem er u. a. das von Eugène Delacroix ausgestellte Gemälde Die Freiheit führt das Volk von 1830 ausführlich besprach.

Ab 1832 war Heine als Pariser Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung tätig, die von Johann Friedrich Cotta, dem bedeutendsten Verleger der Weimarer Klassik, gegründet worden war und zu dieser Zeit die meistgelesene deutschsprachige Tageszeitung war. Für sie verfasste er eine Artikelserie, die noch im gleichen Jahr unter dem Titel Französische Zustände in Buchform erscheinen sollte. Die Artikel wurden als politische Sensation empfunden. […] Der österreichische Staatskanzler Metternich ließ bei Cotta intervenieren, sodass die Allgemeine Zeitung die Artikelserie einstellte und das von Heine gelieferte Kapitel IX nicht mehr veröffentlichte. […]

In der Folge wurden Heines Werke – auch alle zukünftigen – zunächst 1833 in Preußen und 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine, 26.06.2013)

Das Gedicht „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“ stammt aus der frühen Zeit Heines in Paris (1832). Es steht in „Neue Gedichte“ (1844), darin unter „Verschiedene“ in der Abteilung „In der Fremde“, als Nr. III. Es ist die reflektierende Erinnerung eines Mannes im Exil.

Das lyrische Ich klagt wehmütig: „Ich hatte einst ein schönes Vaterland.“ (V. 1) Dieses Land ist Deutschland, und so taucht als erstes deutsches Attribut die Eiche in der Erinnerung auf (V. 2): „In der Romantik wurde die Eiche Symbol der Treue, Standhaftigkeit, Beständigkeit und verbunden mit der Entwicklung des ersten deutschen Nationalstaates auch deutsches Symbol.“ (http://www.symbolonline.de/index.php?title=Eiche, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Eichenlaub) Der hohen Eiche (V. 2 f.) korrespondieren die kleinen sanften Veilchen (V. 3); das Veilchen war seit der Zeit der Empfindsamkeit die Blume der zarten Liebe, vgl. L. C. H. Hölty: An ein Veilchen (18. Jh.); Elise Sommer: An ein Veilchen (1813) sowie „Veilchen“ bei zeno.org! Dieses in der Erinnerung besessene Vaterland hat das Ich verloren: „Es war ein Traum.“ (V. 4) Mit dem Präteritum verbunden besagt „Traum“: Es war so schön wie ein Traum; zugleich klingt an, dass es nicht mehr wirklich ist.

Das verlorene Vaterland wird personifiziert, es „küßte mich auf deutsch“ (V. 5). Mit dieser eigenwilligen Wendung, die man als Parallele zu „sprach auf deutsch“ (V. 5) lesen muss, wird die unnachahmliche Verbindung des lyrischen Ichs, hinter dem man hier Heine erkennt, zum verlorenen Vaterland ausgedrückt. Damit kommt das Vaterland in die Position einer Geliebten, was auch das folgende Liebesbekenntnis (V. 7) bezeugt. Es folgt als letzter Vers der letzte Vers der 1. Strophe: „Es war ein Traum.“

Die Form des Gedichtes ist eigenwillig: Die Verse bestehen aus Jamben, und zwar 5 / 2 / 5 /2 pro Strophe; es reimen sich die beiden kurzen Verse, alle auf dem gleichen Laut, passend zu zweimaligen „Traum“: „Eichenbaum / glaubt es kaum“ (V. 2, 6).

Wiewohl nüchtern, ist das Gedicht doch von Wehmut bestimmt. Wenn Mascha Kaléko es aufgenommen hat („Im Exil“: http://www.bildungsserver-mv.de/download/abitur/abi-05-dt-gk.pdf, dort S. 10), zeigt das ihre Verbundenheit mit Heine in der gleichen Erfahrung der Fremde.

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ich-hatte-einst-ein-schoenes-vaterland.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=Pkc56z0z4qw (Jorge Luis Borges)

http://www.sprechbude.de/ich-hatte-einst-ein-schoenes-vaterland-heinrich-heine/ (Peter Kempkes)

Sonstiges

http://gabrieleweis.de/2-bldungsbits/literaturgeschichtsbits/thema-heimatverlust-exil/heine.htm (Heine in Frankreich)

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=7748 (Vertonungen)

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/exil/kaleko/heimat.html (Lyrische Heine-Reminiszenzen bei Mascha Kaléko)

Exilliteratur

http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/literaturge/exilliteratur.htm

http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/758.pdf

http://www.nilsole.net/referate/exilliteratur-deutscher-autorinnen-und-autoren-1933-bis-1945/

http://universal_lexikon.deacademic.com/77590/Exilliteratur

http://bildungsserver.hamburg.de/exilliteratur/

http://de.wikipedia.org/wiki/Exilliteratur