E. T. A. Hoffmann: Der goldene Topf – Analysen, Links, Materialien

Der goldene Topf – Zeitstruktur

1. Vig.: ein Donnerstag im Mai (Himmelfahrstag), 15 – ca. 20.30 Uhr

2. Vig.: Donnerstag 21.00 – Freitag Nachmittag

3. Vig.: „heute“ ca. 1-2 Wochen später, ca. 1 Stunde (Erzählung L.‘), mit nachgetragener Vorgeschichte des Freitags der 2. Vig.

4. Vig.: Leseranrede / „einst“ (unbestimmt) Anselmus am Holunderbusch; kurzer Sammelbericht: jeden Abend; wieder einmal: Begegnung mit Lindhorst

5. Vig.: zwei Tage danach, Mittwoch: bei Paulmann

6. Vig.: Zeitsprung zurück: Montag, ca. 11.30-18.05 Uhr

7. Vig.: 23. September: Veronika bei der Alten, ca. 2 Stunden am Abend; am 24. September ist sie zu Hause, krank

8. Vig.: Anselmus bei Lindhorst, danach mit ihm zum Linkeschen Bad

9. Vig.: zwei Tage später: Anselmus nähert sich Veronika an und versagt bei Lindhorst

10. Vig.: Leseranrede / Leiden des Anselmus, Kampf, Rettung des A.

11. Vig: am gleichen Morgen bei Paulmann; am 4. Februar: Werbung und Verlobung Veronikas; Wochen später: Veronika im neuen Haus

12. Vig.: Leseranrede / Nacht der letzten Vigilie (unbestimmt)

mehrere Tage, ca. 22.45-23.30

 

Die Erfahrung der anderen Welt in der 1. Vigilie

  • Anselmus ist deprimiert wegen entgangener Freuden, voller Unmut, einsam am Holunderbuch
  • Er hört ein sonderbares Rieseln und Rascheln (vermutlich personal erzählt, also aus seiner Sicht)
  • Bald war es, als [ob] – irrealer Vergleich im Konjunktiv, dreimal
  • Anselmus dachte… (zweimal, Erklärung der sonderbaren Geräusche)
  • Er sah, wie die Schlange… und erbebte
  • Die blauen Augen blickten ihn mit unaussprechlicher Sehnsucht an – er antwortet darauf mit Seligkeit, Schmerz, Verlangen (= Sehnsucht)
  • Die Naturstimmen nennen als Bedingung dafür, dass man ihre Sprache versteht: wenn ihn die Liebe entzündet (dreimal)
  • Etwas geschieht wie… (zweimal), Anselmus ist voll Sehnsucht und Verlangen
  • Anselmus sah… (grünes Feuer!) – dann ist alles zu Ende,
  • und als er den Holunderbusch umarmt und mit ihm redet (2. Vigilie), wird er mit der Bürgerwelt konfrontiert.

Die andere Welt wird also mit zumeist irrealen Vergleichen eingeführt; Anselmus ist seelisch bereit, sich auf das Fremde einzulassen, das ihm als Blick der Sehnsucht begegnet, worauf er mit seiner Sehnsucht antwortet. Als Bedingung des Verstehens wird genannt, dass man von Liebe entzündet ist.

E. T. A. Hoffmann: Sämtliche Werke

https://archive.org/stream/smtlichewerk1v3hoff#page/n7/mode/2up Bd. 1-3

https://archive.org/stream/smtlichewerke04hoffuoft#page/n3/mode/2up Bd. 4-7

https://archive.org/stream/smtlichewer8v10hoff#page/n3/mode/2up Bd. 8-10

https://archive.org/stream/smtlichewerke11hoffuoft#page/n5/mode/2up Bd. 11-15, mit Bildern vor S. 1, 33, 49, 63, 81, 97, 99, 113 (alles 1900)

Kritische Ausgabe 1910/12:

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh01hoffuoft#page/n7/mode/2up 1908, Bd. 1: Callots Manier = https://archive.org/stream/bub_gb_WPpbAAAAMAAJ#page/n5/mode/2up

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh02hoffuoft#page/n7/mode/2up 1909, Bd. 2: Elixiere

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh03hoffuoft#page/n7/mode/2up 1909, Bd. 3: Nachtstücke

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh04hoffuoft#page/n9/mode/2up 1910, Bd. 4: Theater-Direktor; Klein Zaches

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh06hoffuoft#page/n7/mode/2up 1912, Bd. 6: Die Serapions-Brüder

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh07hoffuoft#page/n7/mode/2up 1914, Bd. 7: Fortsetzung

Fantasiestücke in Callots Manier

https://de.wikisource.org/wiki/Fantasiest%C3%BCcke_in_Callot%E2%80%99s_Manier Text, darin:

https://de.wikisource.org/wiki/Der_goldne_Topf (2. Aufl. 1819)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-goldne-topf-3103/2 Text 1814

https://www.youtube.com/watch?v=Lu2mn1ECXag Hörbuch

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften/Fantasiest%C3%BCcke+in+Callots+Manier (Text)

http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/intermedialitaet/autoren/eta-hoffmann/der-goldne-topf.html

Der goldene Topf

http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/faecher/sprachen/deutsch/SekIIAbi/Abi_2012/Q3_Literatur_Goldene_Topf_Abi2012_11-09-08.pdf Lit-Übersicht

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_goldne_Topf

https://www.inhaltsangabe.de/hoffmann/der-goldne-topf/ (Inhalt)

http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/der-goldne-topf/ (Inhalt)

https://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/hoffmann/eta_topf.htm dito

https://gepoli.wordpress.com/category/literatur/e-t-a-hoffmann/der-goldne-topf/ i.W. Inhalt

http://mythos-magazin.de/methodenforschung/nb_hoffmann.pdf (Magister: der Sandmann – Der goldene Topf)

http://wikifarm.phil-fak.uni-duesseldorf.de/Orte_der_Utopie/index.php/Der_goldene_Topf die utop. Orte

http://www.lernender.ch/files/LAP/Zusammenfassungen/Deutsch/Literatur-E.T.A.%20Hoffmann-Der%20goldne%20Topf-Felician%20Abderhalden-30.04.02.pdf Analytisches

http://www.nthuleen.com/papers/142paper.html Anselmus‘ Charakter

https://www.uni-giessen.de/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/ndlk/publikationen/pubdateien/Der-goldene-Topf Interpret.

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http://home.bn-ulm.de/~ulschrey/literaturunterricht/hoffmann/unt-einh.html U-Einheit

https://www.youtube.com/watch?v=Lu2mn1ECXag Hörbuch (3:24)

= https://www.youtube.com/watch?v=UKpR0ckrPVg

Materialien

https://archive.org/stream/uberdieentwickl00todsgoog#page/n5/mode/2up (H. Todsen: Über die Entwicklung des romantischen Kunstmärchens, 1906)

Schubert: Ansichten von der Nachtseite…, https://archive.org/stream/ansichtenvondern01schu#page/n3/mode/2up 1808 = (Vierte großentheils umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage 1840) https://archive.org/stream/bub_gb_Gc4AAAAAcAAJ#page/n3/mode/2up

Gotthilf Heinrich Schubert: Die Symbolik des Traumes

https://archive.org/stream/diesymbolikdestr00schu#page/n3/mode/2up 2. Aufl. 1821

https://archive.org/stream/bub_gb_NM4AAAAAcAAJ#page/n3/mode/2up 1814

(man findet leicht spätere Auflagen, bis 1862)

Schlegel: Universalpoesie

https://de.wikipedia.org/wiki/Universalpoesie

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/116-athenaeums-fragment

http://www.einladung-zur-literaturwissenschaft.de/index.php?option=com_content&view=article&id=145%3A4-2-3-4-progressive-universalpoesie&catid=39%3Akapitel-4&Itemid=55

http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/587/903.pdf (Analyse)

https://prezi.com/f36wknysv-jv/friedrich-schlegels-theorie-der-universalpoesie/ Übersicht

http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/intermedialitaet/intermedialitaet-romantik.html romant. Bewusstsein

http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt97/9703deua.htm interessant. Zitat

http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlegel,+Friedrich Schlegel: Werke

Atlantis:

http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Romane/Heinrich+von+Ofterdingen/Erster+Theil%3A+Die+Erwartung/Drittes+Kapitel Märchen von Atlantis (Ende des 2.Kapitels: von der Kraft des Dichtens früher)

https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantis

Atlantis heute: http://stargate-wiki.de/wiki/Atlantis

Atlantis

Die Kaufleute erzählen Heinrich eine Geschichte (in Novalis: Heinrich von Ofterdingen, 1802, Erster Teil, Drittes Kapitel):

Ein alter König, dessen Frau verstorben war, lebte glücklich in seinem Reich. Seine ganze Liebe galt seiner einzigen Tochter und der Dichtkunst. Viele Sänger kamen an seinen Hof, deren Lieder die Seele der Prinzessin erfüllten. Streit und Missgunst gab es im Land nicht. Nur eine Sorge hatten seine Bewohner: ob es überhaupt einen Prinzen geben könnte, der der schönen Königstochter würdig wäre. Erst recht war der König selber überzeugt, dass nur ein Mann vornehmster Herkunft als Schwiegersohn in Frage käme.

Nahe der Hauptstadt lebte nun ein alter Mann, der seinen einzigen Sohn in der Wissenschaft von der Natur unterrichtete. Eines Tages kam die Prinzessin auf einem Spaziergang zu ihrem Hof und bat um ein Glas Milch; sowohl das Haus wie die beiden Männer gefilen ihr und sie bat um die Erlaubnis, sie wieder besuchen zu dürfen. Dann ging sie nach Hause, ohne ihre Herkunft verraten zu haben. Sowohl der Jüngling wie das Mädchen waren von der Begegnung zutiefst beeindruckt; die Prinzessin fühlte sich, als sei sie in eine überirdische Welt versetzt worden.

Der junge Mann hatte sich am Abend noch in den Wald begeben, wo er einen roten Stein fand, einen Karfunkel; er erinnerte sich, dass das Mädchen ihn in einer Kette getragen hatte. Er schrieb ein Gedicht auf einen Zettel, in den er den Stein einwickelte, um ihn am anderen Morgen seiner Besitzerin in der Stadt zu bringen. Die Prinzessin, die den Verlust bemerkt hatte, machte sich am nächsten Morgen ebenfalls auf, um ihren Stein zu suchen. Als sie sich trafen, überreichte er ihr den Stein, während sie ihm zum Dank ihre goldene Kette um den Hals hängte. Er war zutiefst betroffen; sie verabschiedeten sich und die Prinzessin versprach, ihn bald wieder zu besuchen, um von seinem Vater in die Kenntnis der Natur eingeweiht zu werden.

Bald kam sie wieder, und ihre Besuche hörten seitdem nicht mehr auf; sie sang auf ihrer Laute, er unterrichtete sie in den Geheimnissen der Natur. Eines Tages, als er sie auf dem Rückweg ein Stück begleitete, wurde ihre Liebe so stark, dass sie sich küssten. Bald kam ein Unwetter auf, vor dem sie sich in eine Höhle retten konnten. Dort kamen sie einander immer näher und vereinigten sich in Liebe. Sie beschlossen, im Haus des Jünglings eine Wohnung für sich einzurichten, und lebten von da an als Mann und Frau.

In der Stadt war der König von Sorge um seine Tochter gequält; er bereute es, alle Bewerber um sie für gering geachtet zu haben. In der Stadt aber hielt sich das Gerücht, die Prinzessin werde wiederkehren. Am Jahrestag ihres Verschwindens, einem heiteren Sommertag, feierte man am Hof wieder; die Dichter trugen ihre Lieder vor, aber der König war von Wehmut erfüllt. Da kam ein Jüngling, der ein wunderbares Lied vortrug. Es handelte vom Ursprung der Welt und aller Lebewesen, von der Sympathie der Natur und der goldenen alten Zeit, von der Erscheinung des Hasses und dem künftigen Triumph der Liebe und der Poesie; alle waren beeindruckt. Dann trug er ein zweites Lied vor, in dem er in Bildern sein eigenes Geschick besang. Währenddessen kam ein alter Mann mit einer verschleierten jungen Frau, die ein kleines Kind trug. Die letzte Strophe lautete so:

Geist des Gesangs, komm du hernieder,

Und steh auch jetzt der Liebe bey;

Bring die verlorne Tochter wieder,

Daß ihr der König Vater sey! –

Daß er mit Freuden sie umschließet,

Und seines Enkels sich erbarmt,

Und wenn das Herz ihm überfließet,

Den Sänger auch als Sohn umarmt.

Dann lüftete er den Schleier der Frau, die Prinzessin fiel ihrem Vater zu Füßen und hielt ihm ihr Kind hin. Der König hob sie und ihren Mann auf und reichte das Kind, das man ihm gab, dem Himmel entgegen, worauf er auch den Alten begrüßte. „Unendliche Freudenthränen flossen. In Gesänge brachen die Dichter aus, und der Abend ward ein heiliger Vorabend dem ganzen Lande, dessen Leben fortan nur Ein schönes Fest war. Kein Mensch weiß, wo das Land hingekommen ist. Nur in Sagen heißt es, daß Atlantis von mächtigen Fluten den Augen entzogen worden sey.“

(http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Romane/Heinrich+von+Ofterdingen/Erster+Theil%3A+Die+Erwartung/Drittes+Kapitel)

Stirb und Werde

Es ist ein ewiges Naturgesetz, das so klar da liegt, daß es sich dem Geist des Menschen zuerst aufdringen müssen, daß die vergängliche Form der Dinge untergeht, wenn ein neues, höheres Streben in ihnen erwacht, und daß nicht die Zeit, nicht die Außenwelt, sondern die Psyche selber ihre Hülle zerstört, wenn die Schwingen eines neuen, freyeren Daseyns sich in ihr entfalten. Ich habe in dem ersten Theil meiner schon angeführten Schrift, da wo ich von einem scheinbaren Streben der Dinge nach ihrer eigenen Vernichtung gehandelt, in vielen Beyspielen gezeigt, daß gerade in der Gluth der seeligsten und am am meisten erstrebten Augenblicke des Daseyns, dieses sich selber auflöset und zerstört. Es welkt die Blume sogleich, wenn der höchste Augenblick des Blühens vorüber ist, und das bunte Insekt sucht in der einen Stunde der Liebe zugleich die seines Todes, und empfängt in dem Tempel der Hochzeit selber sein Grab. Ja es sind bey dem Menschen gerade die seeligsten und geistigsten Augenblicke des Lebens, für dieses selber die zerstörendsten, und wir finden öfters in dem höchsten und heiligsten Streben unsres Wesens, einen seeligen Untergang. Die erhabensten und göttlichsten Blüthen in der Geschichte unsres Geschlechts, sind am schnellsten vergangen, am schnellsten von dem Andrange ihrer Zeit, oder vielmehr von ihrem eignen Streben zerstört worden, obwohl das Werk selber das sie gethan, für alle Zeiten gethan ist. So wird, wenn die Wesen mit allen Kräften gerungen, daß sie den Geist einer höheren Vollendung erreichen möchten, der Genuß selber der Tod, und nur das Streben nach jenem höchsten Moment hat das Leben aufrecht erhalten. Jedoch ist jenes Streben nicht vergeblich gewesen, und eben die Gluth jener zerstörenden Augenblicke, für die bisherige Form des Daseyns zu erhaben, erzeugt den Keim eines neuen höheren Lebens in der Asche des untergegangenen vorherigen, und das Vergängliche wird, (berührt und verzehrt von dem Ewigen) aus diesem von neuem wieder verjüngt.“

D. G. H. Schubert: Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft, Dresden 1808, S. 69 f. (https://archive.org/stream/ansichtenvondern01schu#page/n3/mode/2up)

Poesie – ihr Wesen, ihre Kraft (Romantik)

Heinrich von Ofterdingen ist dabei, ein Dichter zu werden. Im zweiten Kapitel des Romans (1802) wird erzählt, wie die Kaufleute ihn über die Poesie belehren:

Es dünkt uns, ihr habt Anlage zum Dichter. Ihr sprecht so geläufig von den Erscheinungen eures Gemüths, und es fehlt Euch nicht an gewählten Ausdrücken und passenden Vergleichungen. Auch neigt Ihr Euch zum Wunderbaren, als dem Elemente der Dichter.

Ich weiß nicht, sagte Heinrich, wie es kommt. Schon oft habe ich von Dichtern und Sängern sprechen gehört, und habe noch nie einen gesehn. Ja, ich kann mir nicht einmal einen Begriff von ihrer sonderbaren Kunst machen, und doch habe ich eine große Sehnsucht davon zu hören. Es ist mir, als würde ich manches besser verstehen, was jetzt nur dunkle Ahndung in mir ist. Von Gedichten ist oft erzählt worden, aber nie habe ich eins zu sehen bekommen, und mein Lehrer hat nie Gelegenheit gehabt Kenntnisse von dieser Kunst einzuziehn. Alles, was er mir davon gesagt, habe ich nicht deutlich begreifen können. Doch meynte er immer, es sey eine edle Kunst, der ich mich ganz ergeben würde, wenn ich sie einmal kennen lernte. In alten Zeiten sey sie weit gemeiner gewesen, und habe jedermann einige Wissenschaft davon gehabt, jedoch Einer vor dem Andern. Sie sey noch mit andern verlohrengegangenen herrlichen Künsten verschwistert gewesen. Die Sänger hätte göttliche Gunst hoch geehrt, so daß sie begeistert durch unsichtbaren Umgang, himmlische Weisheit auf Erden in lieblichen Tönen verkündigen können.

Die Kaufleute sagten darauf: Wir haben uns freylich nie um die Geheimnisse der Dichter bekümmert, wenn wir gleich mit Vergnügen ihrem Gesange zugehört. Es mag wohl wahr seyn, daß eine besondere Gestirnung dazu gehört, wenn ein Dichter zur Welt kommen soll; denn es ist gewiß eine recht wunderbare Sache mit dieser Kunst. Auch sind die andern Künste gar sehr davon unterschieden, und lassen sich weit eher begreifen. Bey den Mahlern und Tonkünstlern kann man leicht einsehn, wie es zugeht, und mit Fleiß und Geduld läßt sich beydes lernen. Die Töne liegen schon in den Saiten, und es gehört nur eine Fertigkeit dazu, diese zu bewegen um jene in einer reitzenden Folge aufzuwecken. Bey den Bildern ist die Natur die herrlichste Lehrmeisterin. Sie erzeugt unzählige schöne und wunderliche Figuren, giebt die Farben, das Licht und den Schatten, und so kann eine geübte Hand, ein richtiges Auge, und die Kenntniß von der Bereitung und Vermischung der Farben, die Natur auf das vollkommenste nachahmen. Wie natürlich ist daher auch die Wirkung dieser Künste, das Wohlgefallen an ihren Werken, zu begreifen. Der Gesang der Nachtigall, das Sausen des Windes, und die herrlichen Lichter, Farben und Gestalten gefallen uns, weil sie unsere Sinne angenehm beschäftigen; und da unsere Sinne dazu von der Natur, die auch jenes hervor bringt, so eingerichtet sind, so muß uns auch die künstliche Nachahmung der Natur gefallen. Die Natur will selbst auch einen Genuß von ihrer großen Künstlichkeit haben, und darum hat sie sich in Menschen verwandelt, wo sie nun selber sich über ihre Herrlichkeit freut, das Angenehme und Liebliche von den Dingen absondert, und es auf solche Art allein hervorbringt, daß sie es auf mannichfaltigere Weise, und zu allen Zeiten und allen Orten haben und genießen kann. Dagegen ist von der Dichtkunst sonst nirgends äußerlich etwas anzutreffen. Auch schafft sie nichts mit Werkzeugen und Händen; das Auge und das Ohr vernehmen nichts davon: denn das bloße Hören der Worte ist nicht die eigentliche Wirkung dieser geheimen Kunst. Es ist alles innerlich, und wie jene Künstler die äußern Sinne mit angenehmen Empfindungen erfüllen, so erfüllt der Dichter das inwendige Heiligthum des Gemüths mit neuen, wunderbaren und gefälligen Gedanken. Er weiß jene geheimen Kräfte in uns nach Belieben zu erregen, und giebt uns durch Worte eine unbekannte herrliche Welt zu vernehmen. Wie aus tiefen Höhlen steigen alte und künftige Zeiten, unzählige Menschen, wunderbare Gegenden, und die seltsamsten Begebenheiten in uns herauf, und entreißen uns der bekannten Gegenwart. Man hört fremde Worte und weiß doch, was sie bedeuten sollen. Eine magische Gewalt üben die Sprüche des Dichters aus; auch die gewöhnlichen Worte kommen in reizenden Klängen vor, und berauschten die festgebannten Zuhörer.

Ihr verwandelt meine Neugierde in heiße Ungeduld, sagte Heinrich. Ich bitte euch, erzählt mir von allen Sängern, die ihr gehört habt. Ich kann nicht genug von diesen besondern Menschen hören. Mir ist auf einmal, als hätte ich irgendwo schon davon in meiner tiefsten Jugend reden hören, doch kann ich mich schlechterdings nichts mehr davon entsinnen. Aber mir ist das, was ihr sagt, so klar, so bekannt, und ihr macht mir ein außerordentliches Vergnügen mit euren schönen Beschreibungen.

Wir erinnern uns selbst gern, fuhren die Kaufleute fort, mancher frohen Stunden, die wir in Welschland, Frankreich und Schwaben in der Gesellschaft von Sängern zugebracht haben, und freuen uns, daß ihr so lebhaften Antheil an unsern Reden nehmet. Wenn man so in Gebirgen reist, spricht es sich mit doppelter Annehmlichkeit, und die Zeit vergeht spielend. Vielleicht ergötzt es euch einige artige Geschichten von Dichtern zu hören, die wir auf unsern Reisen erfuhren. Von den Gesängen selbst, die wir gehört haben, können wir wenig sagen, da die Freude und der Rausch des Augenblicks das Gedächtniß hindert viel zu behalten, und die unaufhörlichen Handelsgeschäfte manches Andenken auch wieder verwischt haben.

In alten Zeiten muß die ganze Natur lebendiger und sinnvoller gewesen seyn, als heut zu Tage. Wirkungen, die jetzt kaum noch die Thiere zu bemerken scheinen, und die Menschen eigentlich allein noch empfinden und genießen, bewegten damals leblose Körper; und so war es möglich, daß kunstreiche Menschen allein Dinge möglich machten und Erscheinungen hervorbrachten, die uns jetzt völlig unglaublich und fabelhaft dünken. So sollen vor uralten Zeiten in den Ländern des jetzigen Griechischen Kaiserthums, wie uns Reisende berichtet, die diese Sagen noch dort unter dem gemeinen Volke angetroffen haben, Dichter gewesen seyn, die durch den seltsamen Klang wunderbarer Werkzeuge das geheime Leben der Wälder, die in den Stämmen verborgenen Geister aufgeweckt, in wüsten, verödeten Gegenden den todten Pflanzensaamen erregt, und blühende Gärten hervorgerufen, grausame Thiere gezähmt und verwilderte Menschen zu Ordnung und Sitte gewöhnt, sanfte Neigungen und Künste des Friedens in ihnen rege gemacht, reißende Flüsse in milde Gewässer verwandelt, und selbst die todtesten Steine in regelmäßige tanzende Bewegungen hingerissen haben. Sie sollen zugleich Wahrsager und Priester, Gesetzgeber und Ärzte gewesen seyn, indem selbst die höhern Wesen durch ihre zauberische Kunst herabgezogen worden sind, und sie in den Geheimnissen der Zukunft unterrichtet, das Ebenmaß und die natürliche Einrichtung aller Dinge, auch die innern Tugenden und Heilkräfte der Zahlen, Gewächse und aller Kreaturen, ihnen offenbart. Seitdem sollen, wie die Sage lautet, erst die mannichfaltigen Töne und die sonderbaren Sympathien und Ordnungen in die Natur gekommen seyn, indem vorher alles wild, unordentlich und feindselig gewesen ist. Seltsam ist nur hiebey, daß zwar diese schönen Spuren, zum Andenken der Gegenwart jener wohlthätigen Menschen, geblieben sind, aber entweder ihre Kunst, oder jene zarte Gefühligkeit der Natur verlohren gegangen ist. In diesen Zeiten hat es sich unter andern einmal zugetragen, daß einer jener sonderbaren Dichter oder mehr Tonkünstler – wiewohl die Musik und Poesie wohl ziemlich eins seyn mögen und vielleicht eben so zusammen gehören, wie Mund und Ohr, da der erste nur ein bewegliches und antwortendes Ohr ist – daß also dieser Tonkünstler übers Meer in ein fremdes Land reisen wollte. Er war reich an schönen Kleinodien und köstlichen Dingen, die ihm aus Dankbarkeit verehrt worden waren. Er fand ein Schiff am Ufer, und die Leute darinn schienen bereitwillig, ihn für den verheißenen Lohn nach der verlangten Gegend zu fahren. Der Glanz und die Zierlichkeit seiner Schätze reizten aber bald ihre Habsucht so sehr, daß sie unter einander verabredeten, sich seiner zu bemächtigen, ihn ins Meer zu werfen, und nachher seine Habe unter einander zu vertheilen. Wie sie also mitten im Meere waren, fielen sie über ihn her, und sagten ihm, daß er sterben müsse, weil sie beschlossen hätten, ihn ins Meer zu werfen. Er bat sie auf die rührendste Weise um sein Leben, bot ihnen seine Schätze zum Lösegeld an, und prophezeyte ihnen großes Unglück, wenn sie ihren Vorsatz ausführen würden. Aber weder das eine, noch das andere konnte sie bewegen: denn sie fürchteten sich, daß er ihre bösliche That einmal verrathen möchte. Da er sie nun einmal so fest entschlossen sah, bat er sie ihm wenigstens zu erlauben, daß er noch vor seinem Ende seinen Schwanengesang spielen dürfe, dann wolle er mit seinem schlichten hölzernen Instrumente, vor ihren Augen freywillig ins Meer springen. Sie wußten recht wohl, daß wenn sie seinen Zaubergesang hörten, ihre Herzen erweicht, und sie von Reue ergriffen werden würden; daher nahmen sie sich vor, ihm zwar diese letzte Bitte zu gewähren, während des Gesanges aber sich die Ohren fest zu verstopfen, daß sie nichts davon vernähmen, und so bey ihrem Vorhaben bleiben könnten. Dies geschah. Der Sänger stimmte einen herrlichen, unendlich rührenden Gesang an. Das ganze Schiff tönte mit, die Wellen klangen, die Sonne und die Gestirne erschienen zugleich am Himmel, und aus den grünen Fluten tauchten tanzende Schaaren von Fischen und Meerungeheuern hervor. Die Schiffer standen feindselig allein mit festverstopften Ohren, und warteten voll Ungeduld auf das Ende des Liedes. Bald war es vorüber. Da sprang der Sänger mit heitrer Stirn in den dunkeln Abgrund hin, sein wunderthätiges Werkzeug im Arm. Er hatte kaum die glänzenden Wogen berührt, so hob sich der breite Rücken eines dankbaren Unthiers unter ihm hervor, und es schwamm schnell mit dem erstaunten Sänger davon. Nach kurzer Zeit hatte es mit ihm die Küste erreicht, nach der er hingewollt hatte, und setzte ihn sanft im Schilfe nieder. Der Dichter sang seinem Retter ein frohes Lied, und ging dankbar von dannen. Nach einiger Zeit ging er einmal am Ufer des Meers allein, und klagte in süßen Tönen über seine verlohrenen Kleinode, die ihm, als Erinnerungen glücklicher Stunden und als Zeichen der Liebe und Dankbarkeit so werth gewesen waren. Indem er so sang, kam plözlich sein alter Freund im Meere fröhlich daher gerauscht, und ließ aus seinem Rachen die geraubten Schätze auf den Sand fallen. Die Schiffer hatten, nach des Sängers Sprunge, sich sogleich in seine Hinterlassenschaft zu theilen angefangen. Bey dieser Theilung war Streit unter ihnen entstanden, und hatte sich in einen mörderischen Kampf geendigt, der den Meisten das Leben gekostet; die wenigen, die übrig geblieben, hatten allein das Schiff nicht regieren können, und es war bald auf den Strand gerathen, wo es scheiterte und unterging. Sie brachten mit genauer Noth das Leben davon, und kamen mit leeren Händen und zerrissenen Kleidern ans Land, und so kehrten durch die Hülfe des dankbaren Meerthiers, das die Schätze im Meere aufsuchte, dieselben in die Hände ihres alten Besitzers zurück.

(http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Romane/Heinrich+von+Ofterdingen/Erster+Theil%3A+Die+Erwartung/Zweytes+Kapitel)

Universalpoesie

[116] Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen, und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren, und die Formen der Kunst mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen, und durch die Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch ist, vom größten wieder mehre Systeme in sich enthaltenden Systeme der Kunst, bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosen Gesang. Sie kann sich so in das Dargestellte verlieren, daß man glauben möchte, poetische Individuen jeder Art zu charakterisieren, sei ihr Eins und Alles; und doch gibt es noch keine Form, die so dazu gemacht wäre, den Geist des Autors vollständig auszudrücken: so daß manche Künstler, die nur auch einen Roman schreiben wollten, von ungefähr sich selbst dargestellt haben. Nur sie kann gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden. Und doch kann auch sie am meisten zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frei von allem realen und idealen Interesse auf den Flügeln der poetischen Reflexion in der Mitte schweben, diese Reflexion immer wieder potenzieren und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln vervielfachen. Sie ist der höchsten und der allseitigsten Bildung fähig; nicht bloß von innen heraus, sondern auch von außen hinein; indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Produkten sein soll, alle Teile ähnlich organisiert, wodurch ihr die Aussicht auf eine grenzenlos wachsende Klassizität eröffnet wird. Die romantische Poesie ist unter den Künsten was der Witz der Philosophie, und die Gesellschaft, Umgang, Freundschaft und Liebe im Leben ist. Andre Dichtarten sind fertig, und können nun vollständig zergliedert werden. Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann. Sie kann durch keine Theorie erschöpft werden, und nur eine divinatorische Kritik dürfte es wagen, ihr Ideal charakterisieren zu wollen. Sie allein ist unendlich, wie sie allein frei ist, und das als ihr erstes Gesetz anerkennt, daß die Willkür des Dichters kein Gesetz über sich leide. Die romantische Dichtart ist die einzige, die mehr als Art, und gleichsam die Dichtkunst selbst ist: denn in einem gewissen Sinn ist oder soll alle Poesie romantisch sein.

Friedrich Schlegel: Fragmente, in: Athenäum I 2 (1798), S. 28-30 (http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlegel,+Friedrich/Fragmentensammlungen/Fragmente)

Dichter

Schlegel: Der Dichter http://www.zeno.org/Literatur/M/Schlegel,+Friedrich/Gedichte/Abendr%C3%B6te/Erster+Teil/Der+Dichter?hl=dichter

Tieck: An einen jüngeren Dichter http://www.zeno.org/Literatur/M/Tieck,+Ludwig/Gedichte/Gedichte/Zweiter+Theil/Bl%C3%A4tter+der+Erinnerung/An+einen+j%C3%BCngeren+Dichter?hl=dichter

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E. T. A. Hoffmann: Das fremde Kind – Strukur, Interpretation

Das fremde Kind“ wird von Lothar erzählt (Zweiter Band „Die Serapionsbrüder“, 1819, Vierter Abschnitt). Struktur des erzählten Geschehens:

Ausgangssituation: Das freundliche Anwesen der Familie von Brakel in Brakelheim, wo diese inmitten der Natur ein einfaches Leben führt.

Störung: Besuch des vornehmen Vetters Cyprianus von Brakel mit seiner Familie

  • Einschränkung der Kinder schon vor dem Besuch
  • Charakterisierung der fremden Kinder
  • Konfrontation der beiden Sorten Kinder (fröhliche Bauernkinder – unbeholfene Kinder voller „Wissenschaften“)

Die neuen Spielsachen (Geschenk der Besucher)

  • machen vorübergehend Freude
  • enttäuschen in ihrer leblosen Mechanik
  • werden im Wald entsorgt

Gegenbewegung, ausgelöst durch das fremde Kind:

  • Die Kinder sind im Wald, aber traurig.
  • Das fremde Kind kommt.
  • Sie spielen in der Natur. – Die Eltern verstehen nichts von dem, was die Kinder ihnen erzählen.
  • Am nächsten Tag geht das fröhliche Spielen im Wald weiter.

Von der Heimat des fremden Kindes“ (der Mythos, vom Kind erzählt)

  • Es wohnt hinter den blauen Bergen.
  • Seine Mutter, eine Königin, führt ein glückliches Leben.
  • Pepasilio, „ein großer Gelehrter“, hat mit seinem schwarzen Saft (= Tinte: Wissenschaft) das Leben dort gestört.
  • Es gelang mit Hilfe von Kindern, sich von Pepasilio = Gnomenkönig Pepser (= eine Fliege) zu befreien.

Fortsetzung der Störung durch den Hofmeister:

  • Der vom Onkel Cyprianus versprochene Hofmeister, Magister Tinte, quält die Kinder sinnlos bei seiner Ankunft.
  • Sie müssen im Zimmer die Wissenschaften lernen.
  • Er liebt den Wald nicht, reißt Maiglöckchen aus und tötet einen Vogel; er verwandelt sich in eine summende, brummende Fliege (wie im Mythos Pepser). – Die Eltern verstehen den Bericht der Kinder nicht.
  • Er agiert im Haus wie eine Fliege und wird vom Vater mit der Fliegenklatsche (wie Pepser im Mythos) vertrieben.
  • Die im Wald entsorgten Spielsachen sind Zöglinge des Magisters Tinte; sie verleiden den Kindern den Wald.

Ausgang des Geschehens:

  • Herr von Brakel wird krank (vermutlich Tintes Werk).
  • Er bekennt sich zum fremden Kind, das er selber früher kannte.
  • Er stirbt.

Die Familie

  • wird durch den Vetter Cyprianus enteignet;
  • das fremde Kind ermahnt die beiden Kinder, Felix und Christlieb, zur Treue und verspricht Hilfe.
  • Die Familie wird trotz ihrer Armut glücklich. (Damit ist wieder der ausgeglichene Anfangszustand erreicht.)

Diese Struktur des Geschehens muss man vor Augen haben, wenn den im Netz mehrfach wiedergegebenen Inhalt des Märchens verstehen will. Interpretation:

Die „Helden“ des Geschehens sind Felix und Christlieb von Brakel. Die heile Welt ist die naturnahe kleine Welt des Thaddäus von Brakel und seiner Familie; die Kinder spielen im Wald und verstehen die Stimmen der Natur. Sie sind die wahren Menschen – eine Anwendung des Schiller‘schen Satzes: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Der Dreiklang des erfüllten Lebens besteht aus den Tönen „Kind sein – spielen – im Wald“; das Kriterium des Gelingens sind Freude, Freiheit und die vielen Stimmen, die man hört.

Die Gegenwelt ist die große Welt des Cyprianus von Brakel; er bringt seinen Kindern die sinn-losen „Wissenschaften“ bei und verschenkt mechanisches Spielzeug. Seine Kinder und die verschenkten Spielsachen (sie bestehen die Waldprobe nicht, verleiden den Kindern den Wald) sind negativ gezeichnet, Cyprianus selber ist ein übler Ausbeuter (s. Ende!). Zur Gegenwelt gehört auch der von ihm entsandte Hofmeister, Magister Tinte, der die Kinder ans Zimmer fesselt; er tritt als Sadist auf und lehrt „die Wissenschaften“, er ist in Wahrheit die summende, brummende Pepser-Fliege. Seine schwarze Kleidung entspricht der Tinte.

In der mythischen Parallelwelt stehen auf der einen Seite das fremde Kind und seine Mutter, auf der Gegenseite der große Wissenschaftler Pepasilio = Pepser, der mit seiner Tinte die ganze Natur tötet. In der mythischen Welt wird ein Kampf ausgefochten, der mit Fliegenklatschen gewonnen wird und dem in Brakelheim der Kampf gegen Magister Tinte entspricht. Als Naturkinder verstehen Felix und Christlieb die Botschaft des fremden Kindes. Die Eltern von Brakel verstehen zunächst ihre Kinder nicht; der Vater nähert sich als erster seinen Kindern an und erinnert sich an seine Kindheit, schließlich glaubt auch die Mutter den Kindern ihr „Märchen“.

In der großen Welt mag Minister Cyprianus Erfolg haben, doch wissen Felix und Christlieb (anders als ihre Cousine und ihr Vetter) zu leben (hier: zu spielen) und werden in ihrer Armut glücklich.

Vor diesem Hintergrund, dass „richtige“ Kinder die wahren Menschen sind, gewinnt das kleine Geplänkel über Märchen (Märchen – Kindermärchen – Märchen für große und kleine Kinder – Märchen für Kinder und für die, die es nicht sind) am Schluss der Erzählung seine poetologische Bedeutung.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_fremde_Kind_(E._T._A._Hoffmann) (Inhalt ziemlich knapp)

http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/das-fremde-kind/ (Inhalt, mit kleinen Fehlern)

https://silkehorstkotte.files.wordpress.com/2014/08/das-fremde-kind2-kopie.pdf (Interpretation und Unterrichtsentwurf)

http://mythos-magazin.de/methodenforschung/tg_hoffmann.pdf (Interpretation einer Studentin – lustig, was die Wissenschaft aus dem Märchen macht)

Text:

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften/Die+Serapionsbr%C3%BCder/Zweiter+Band/Vierter+Abschnitt/Das+fremde+Kind

http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-fremde-kind-3092/1

https://www.offenesbuch.com/g26762 (sehr gut lesbar)

https://archive.org/stream/smtlichewerkeh06hoffuoft#page/262/mode/2up (historisch-krit. Ausgabe 1912, Frakturschrift)

http://www.maerchen.org/hoffmann/der-herr-von-brakel.htm

http://njfib.wbl.sk/uvod_do_nemeckej_literatury/das_fremde_kind.doc

E. T. A. Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig (1816) – drei Wirklichkeiten

In diesem Märchen gibt es verschiedene Wirklichkeiten:

1. Die Welt der Familie Stahlbaum (Vater, Mutter, Fritz und Marie, ältere Schwester Luise), wozu auch der Pate Droßelmeier und der Chirurgus Wendelstein gehören; die Kinder besitzen eine Menge Spielsachen und bekommen zu Weihnachten u.a. einen Nussknacker geschenkt.

2. In der Nacht zum 25. Dezember gegen 12 Uhr erlebt Marie, wie die Spielsachen lebendig werden und, vom Nussknacker befehligt, einen Krieg gegen die Mäuse führen. Marie greift zugunsten der Spielsachen ein und wird ohnmächtig.

– Am anderen Tag erwacht sie verletzt im Bett, das normale Leben geht weiter (1. Ebene). Droßelmeier erzählt das Märchen (3. Wirklichkeit) von der harten Nuss:

3. Die Eltern der Prinzessin Pirlipat werden von Mäusen bedroht und bekämpft, Pirlipat wird hässlich. Der Hofuhrmacher Droßelmeier (!) muss zu ihrer Rettung die Nuss Krakatuk und einen jungen Mann besorgen, als den er seinen Neffen nimmt, der die harte Nuss aufbeißt. Dadurch ist die Prinzessin gerettet, der Neffe aber hässlich geworden, worauf die Prinzessin den Nussknacker wegwirft. Er kann gerettet werden, wenn er den Sohn des Mausekönigs besiegt und eine Dame ihn liebt.

– Es geht zurück in die Ebene (1); Marie erkennt in ihrem Nussknacker nun den Neffen Droßelmeiers aus (3). Der Pate ermuntert sie, den Nussknacker zu erlösen (Hinweis auf Ebene 3, Vorgriff auf den Schluss).

– In einem Wechsel von Ebene (1) und (3) opfert Marie nachts ihre Leckereien den Mäusen, die den Nussknacker bedrohen; die Eltern besorgen eine Falle, Marie verschafft dem Nussknacker aus den Spielsachen einen Degen.

In einer Nacht, um 12 Uhr, wechselt Marie erneut in die Ebene (3): Der Nussknacker tötet den Mausekönig und zieht mit Marie in ein Zauberland.

Als sie erwacht, liegt sie im Bett: Die Mohren aus dem Zauberland haben sie nach Hause getragen, sagt der Erzähler in einer Leseranrede.

Sprechen durfte nun Marie nicht mehr von ihrem Abenteuer, aber die Bilder jenes wunderbaren Feenreichs umgaukelten sie in süßwogendem Rauschen und in holden lieblichen Klängen; sie sah alles noch einmal, sowie sie nur ihren Sinn fest darauf richtete, und so kam es, daß sie, statt zu spielen, wie sonst, starr und still, tief in sich gekehrt, dasitzen konnte, weshalb sie von allen eine kleine Träumerin gescholten wurde.“

Die Ebenen vermischen sich nun: Bei der Reparatur einer Uhr stellt der Pate ihr seinen Neffen vor, der Marie heiratet,und Marie soll noch zur Stunde Königin eines Landes sein, in dem man überall funkelnde Weihnachtswälder, durchsichtige Marzipanschlösser, kurz, die allerherrlichsten, wunderbarsten Dinge erblicken kann, wenn man nur darnach Augen hat.
Das war das Märchen vom Nussknacker und Mausekönig.“

[Dieser Schluss fehlt im Text im Projekt Gutenberg – möglicherweise ist er von Hoffmann erst nachgetragen, als er das Märchen in die „Serapionsbrüder“ 1819 aufgenommen hat?] Mit dem Schluss-Satz steigt der Erzähler aus dem Erzählen aus.

Wir haben also die Erzählung einer Familienwelt vor uns, in der um Mitternacht Wunderbares geschieht (Spielsachen werden lebendig und kämpfen mit Mäusen), in der dann ein Märchen erzählt wird (von der Prinzessin, dem Hofuhrmacher Droßelmeier, seinem Neffen und der harten Nuss) – in dem also eine Figur aus der Wirklichkeit, der Erzähler selbst, als Figur auftaucht – in der die kämpfenden Mäuse in zwei Wirklichkeitsebenen auftauchen und in der zuletzt zwei Ebenen miteinander verschmelzen. – Es gibt viele Leseranreden und Kommentare des Erzählers.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nu%C3%9Fknacker_und_Mausek%C3%B6nig

http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/nussknacker-und-mausekoenig/ (Inhalt, anfangs viel zu ausführlich, danach viel zu knapp)

https://www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/nussknacker-und-mausekoenig-von-e-t-a-hoffmann-2 (Schülerinterpretation)

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/unveroeffentlichte-bilder-wenn-der-nussknacker-zum-leben-erwacht-14572323.html (Würdigung zum 200. Jahrestag)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/nussknacker-und-mausekonig-3083/1 (Text, 1816)

http://www.nikolaus-weihnachten.de/weihnachtsmaerchen/der-weihnachtsabend.htm (Text)

https://archive.org/details/nussknacker_mausekoenig_0811_librivox (Hörbuch)

http://www.sais-tempel.de/nussknacker-und-mausek%C3%B6nig/ (von Ulrich Lenz sprachlich modernisierte Fassung)

https://www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/nussknacker-und-mausekoenig-von-e-t-a-hoffmann-2 (Hörspiel)

https://www.youtube.com/watch?v=y25W6Vnk8mI (Zeichentrickfilm, sehr frei nach E. T. A. Hoffmann)

E. T. A. Hoffmann: Klein-Zaches genannt Zinnober (kurz gefasst)

In aller Kürze:

Der „Held“ ist der Student Balthasar aus Hoch-Jakobsheim; er ist ein poetischer Mensch, der Natur intensiv verbunden: »Ich liebe,« fuhr Prosper Alpanus fort, »ich liebe Jünglinge, die so wie du, mein Balthasar, Sehnsucht und Liebe im reinen Herzen tragen, in deren Innerm noch jene herrlichen Akkorde widerhallen, die dem fernen Lande voll göttlicher Wunder angehören, das meine Heimat ist. Die glücklichen, mit dieser inneren Musik begabten Menschen sind die einzigen, die man Dichter nennen kann, wiewohl viele auch so gescholten werden, die den ersten besten Brummbaß zur Hand nehmen, darauf herumstreichen und das verworrene Gerassel der unter ihrer Faust stöhnenden Saiten für herrliche Musik halten, die aus ihrem eignen Innern heraustönt. – Dir ist, ich weiß es, mein geliebter Balthasar, dir ist es zuweilen so, als verstündest du die murmelnden Quellen, die rauschenden Bäume, ja, als spräche das aufflammende Abendrot zu dir mit verständlichen Worten! – Ja, mein Balthasar! – in diesen Momenten verstehst du wirklich die wunderbaren Stimmen der Natur, denn aus deinem eignen Innern erhebt sich der göttliche Ton, den die wundervolle Harmonie des tiefsten Wesens der Natur entzündet.« (7. Kap.)

Sein Gegenspieler ist Klein-Zaches, Sohn armer Leute: „Der Kopf stak dem Dinge tief zwischen den Schultern, die Stelle des Rückens vertrat ein kürbisähnlicher Auswuchs, und gleich unter der Brust hingen die haselgertdünnen Beinchen herab, daß der Junge aussah wie ein gespalteter Rettich. Vom Gesicht konnte ein stumpfes Auge nicht viel entdecken, schärfer hinblickend, wurde man aber wohl die lange spitze Nase, die aus schwarzen struppigen Haaren hervorstarrte, und ein Paar kleine, schwarz funkelnde Äuglein gewahr, die, zumal bei den übrigens ganz alten, eingefurchten Zügen des Gesichts, ein klein Alräunchen kundzutun schienen.“ (1. Kap.)

Dieser Knirps wird vom Stiftsfräulein von Rosenschön (alis Fee Rosabelverde) aus Mitleid mit der Gabe ausgestattet, dass er den Leuten als eine stattliche Person erscheint, der man die Leistungen anderer zurechnet, während seine eigenen Fehlleistungen bei den anderen erkannt werden.

Sie leben in einem Fürstentum, in dem die Aufklärung per Dekret eingeführt wird, was zu einer Ächtung des Wunderbaren und der Poesie führt – anderseits nicht verhindert, dass die Regierung lachhaft ist und die Beförderungen willkürlich erfolgen (Satire!).

Klein-Zaches und Balthasar treffen an der Universität in Kerepes aufeinander, als Studenten des Professors Mosch Terpin bzw. als Konkurrenten um dessen schöne Tochter Candida: „Candida war, jeder mußte das eingestehen, ein bildhübsches Mädchen, mit recht ins Herz hinein strahlenden Augen und etwas aufgeworfenen Rosenlippen. Ob ihre übrigens schönen Haare, die sie in wunderlichen Flechten gar phantastisch aufzunesteln wußte, mehr blond oder mehr braun zu nennen, habe ich vergessen, nur erinnere ich mich sehr gut der seltsamen Eigenschaft, daß sie immer dunkler und dunkler wurden, je länger man sie anschaute. Von schlankem hohen Wuchs, leichter Bewegung, war das Mädchen, zumal in lebenslustiger Umgebung, die Huld, die Anmut selbst, und man übersah es bei so vielem körperlichen Reiz sehr gern, daß Hand und Fuß vielleicht kleiner und zierlicher hätten gebaut sein können. Dabei hatte Candida Goethes »Wilhelm Meister«, Schillers Gedichte und Fouqués »Zauberring« gelesen und beinahe alles, was darin enthalten, wieder vergessen; spielte ganz passabel das Pianoforte, sang sogar zuweilen dazu; tanzte die neuesten Françaisen und Gavotten und schrieb die Waschzettel mit einer feinen leserlichen Hand. Wollte man durchaus an dem lieben Mädchen etwas aussetzen, so war es vielleicht, daß sie etwas zu tief sprach, sich zu fest einschnürte, sich zu lange über einen neuen Hut freute und zuviel Kuchen zum Tee verzehrte.“ (3. Kapitel – es folgt eine Verspottung der falschen romantischen Dichter)

Als Balthasar zu Ehren Candidas sein Gedicht von der Liebe der Nachtigall zur Purpurrose in einer Versammlung vorträgt, wird es als Gedicht Zinnobers (so nennt sich Klein-Zaches jetzt) bewundert, wogegen dessen Miauen Balthasar angekreidet wird. – Auch andere leiden unter der zauberhaften Qualität Zinnobers (etwa der Referendarius Pulcher, der nicht Beamter wird), welcher eine steile Karriere im Staatsdienst macht und die Gunst Candidas sowie ihres Vaters gewinnt. Dessen Naturforschungen werden öfter satirisch verspottet.

Balthasars „aufgeklärter“ Freund Fabian führt ihn beim Arzt Prosper Alanus ein, welcher in Wahrheit ein Zauberer ist; der will Balthasar helfen und entdeckt, dass Zinnober ein gewöhnlicher Mensch ist, hinter dem eine zauberische Macht steht.

In einem Magierkampf besiegt er die Fee, welche einsieht, dass aufgrund seines Horoskops dem Studenten Balthasar die Zukunft gehört; sie gibt es auf, Zinnober weiter zu schützen. Alanus erklärt Balthasar, wie er Zinnober entzaubern kann: ihm drei rote Haare ausreißen und sie sogleich verbrennen. Das führt Balthasar zusammen mit seinen Freunden aus, als Zinnober dabei ist, sich mit Candida zu verloben; sogleich fällt sein Nimbus zusammen und alle erkennen in ihm eine missratene Figur.

Fabian wird vorübergehend dafür bestraft, dass er Prosper Alanus für einen gewöhnlichen Arzt hält, indem seine Rockschöße zu lang und die Ärmel zu Rocks zu kurz werden, was einerseits zu seiner politischen und religiösen Verfolgung führt (Satire!), anderseits seine akademische Karriere behindert, bis Alanus sich erbarmt und ihm einen Frack erster Klasse besorgt.

Prosper Alanus übereignet dem Balthasar sein Landgut: „Ziehst du mit deiner Candida ein in mein Landhaus, so ist das Glück deiner Ehe gesichert. Hinter den schönen Bäumen wächst alles, was das Haus bedarf; außer den herrlichsten Früchten der schönste Kohl und tüchtiges schmackhaftes Gemüse überhaupt, wie man es weit und breit nicht findet. Deine Frau wird immer den ersten Salat, die ersten Spargel haben. Die Küche ist so eingerichtet, daß die Töpfe niemals überlaufen und keine Schüssel verdirbt, solltest du auch einmal eine ganze Stunde über die Essenszeit ausbleiben. Teppiche, Stuhl- und Sofa-Bezüge sind von der Beschaffenheit, daß es bei der größten Ungeschicklichkeit der Dienstboten unmöglich bleibt, einen Fleck hineinzubringen, ebenso zerbricht kein Porzellan, kein Glas, sollte sich auch die Dienerschaft deshalb die größte Mühe geben und es auf den härtesten Boden werfen. Jedesmal endlich, wenn deine Frau waschen läßt, ist auf dem großen Wiesenplan hinter dem Hause das allerschönste heiterste Wetter, sollte es auch rings umher regnen, donnern und blitzen.(7. Kapitel)

Bei einem Aufstand des enttäuschten Volkes stirbt Zinnober, der wieder Klein-Zaches ist, vor Schreck in einem silbernen Pisspott. Er wird begraben, sein Mutter wird von der Fee entschädigt. Balthasar und Candida heiraten mit Zustimmung ihres Vaters: Die Fee „hatte sie selbst gekleidet und mit den schönsten, herrlichsten Rosen geschmückt. Nun weiß man aber wohl, daß der Anzug gut stehen muß, wenn eine Fee dabei Hand anlegt. Außerdem hatte Rosabelverde der holden Braut einen prächtig funkelnden Halsschmuck verehrt, der eine magische Wirkung dahin äußerte, daß sie, hatte sie ihn umgetan, niemals über Kleinigkeiten, über ein schlecht genesteltes Band, über einen mißratenen Haarschmuck, über einen Fleck in der Wäsche oder sonst verdrießlich werden konnte. Diese Eigenschaft, die ihr der Halsschmuck gab, verbreitete eine besondere Anmut und Heiterkeit auf ihrem ganzen Antlitz.“ (10. Kapitel) Alanus fährt fort, Balthasar wird ein Dichter, das junge Brautpaar führt „die glücklichste Ehe in aller Wonne und Herrlichkeit“, wozu der Halsschmuck Candidas seinen Teil beiträgt.

(Eine Reihe von Nebenfiguren und -handlungen sind hier nicht beachtet, siehe)

https://de.wikipedia.org/wiki/Klein_Zaches,_genannt_Zinnober (verschiedene Aspekte)

https://www.inhaltsangabe.de/hoffmann/klein-zaches-genannt-zinnober/ (Inhalt gut, Satire pointiert dargestellt)

http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/klein-zaches-genannt-zinnober/ (Anfang breit ausgewalzt, zum Schluss ging dem Autor die Puste aus)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften/Klein+Zaches (Text)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/klein-zaches-3089/1 (Text)

Romantische Ironie findet man an mindestens drei Stellen:

1. Alanus sagt zu Balthasar, „daß ich nach dem Urteil aller vernünftigen Leute eine Person bin, die nur im Märchen auftreten darf“ (7. Kap.) – siehe dazu unten die Links zur Selbstbezüglichkeit! Als Märchenparodie könnte man die Sache mit den drei roten Haaren ansehen (Märchen: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren).

2. Hierzu zählt auch der Seitenhieb auf die falschen romantischen Dichter:Überschwenglichen Dichtern war freilich noch vieles andere an der hübschen Candida nicht recht, aber was verlangen die auch alles. Fürs erste wollen sie, daß das Fräulein über alles, was sie von sich verlauten lassen, in ein somnambüles Entzücken gerate, tief seufze, die Augen verdrehe, gelegentlich auch wohl was weniges ohnmächtle oder gar zurzeit erblinde als höchste Stufe der weiblichsten Weiblichkeit. Dann muß besagtes Fräulein des Dichters Lieder singen nach der Melodie, die ihm (dem Fräulein) selbst aus dem Herzen geströmt, augenblicklich aber davon krank werden und selbst auch wohl Verse machen, sich aber sehr schämen, wenn es herauskommt, ungeachtet die Dame dem Dichter ihre Verse, auf sehr feinem wohlriechenden Papier mit zarten Buchstaben geschrieben, selbst in die Hände spielte, der dann auch seinerseits vor Entzücken darüber erkrankt, welches ihm gar nicht zu verdenken ist. Es gibt poetische Aszetiker, die noch weiter gehen und es aller weiblichen Zartheit entgegen finden, daß ein Mädchen lachen, essen und trinken und sich zierlich nach der Mode kleiden sollte. Sie gleichen beinahe dem heiligen Hieronymus, der den Jungfrauen verbietet Ohrgehänge zu tragen und Fische zu essen. Sie sollen, so gebietet der Heilige, nur etwas zubereitetes Gras genießen, beständig hungrig sein, ohne es zu fühlen, sich in grobe, schlecht genähte Kleider hüllen, die ihren Wuchs verbergen, vorzüglich aber eine Person zur Gefährtin wählen, die ernsthaft, bleich, traurig und etwas schmutzig ist!“ (3. Kap.)

3. Auch in der Leseranrede im letzten Kapitel findet sich die romantische Ironie im Selbstbezug des Erzählers, der den „Herausgeber“ E. T. A. Hoffmann verkörpert – Hoffmann ist laut Titel angeblich nur der Herausgeber des Märchens: „Es ist nun an dem, daß der, der für dich, geliebter Leser, diese Blätter aufschreibt, von dir scheiden will, und dabei überfällt ihn Wehmut und Bangen. – Noch vieles, vieles wüßte er von den merkwürdigen Taten des kleinen Zinnober, und er hätte, wie er denn nun überhaupt zu der Geschichte aus dem Innern heraus unwiderstehlich angeregt wurde, wahre Lust daran gehabt, dir, o mein Leser, noch das alles zu erzählen. Doch! – rückblickend auf alle Ereignisse, wie sie in den neun Kapiteln vorgekommen, fühlt er wohl, daß darin schon so viel Wunderliches, Tolles, der nüchternen Vernunft Widerstrebendes enthalten, daß er, noch mehr dergleichen anhäufend, Gefahr laufen müßte, es mit dir, geliebter Leser, deine Nachsicht mißbrauchend, ganz und gar zu verderben. Er bittet dich in jener Wehmut, in jenem Bangen, das plötzlich seine Brust beengte, als er die Worte: »Letztes Kapitel« schrieb, du mögest mit recht heitrem, unbefangenem Gemüt es dir gefallen lassen, die seltsamen Gestaltungen zu betrachten, ja dich mit ihnen zu befreunden, die der Dichter der Eingebung des spukhaften Geistes, Phantasus geheißen, verdankt, und dessen bizarrem, launischem Wesen er sich vielleicht zu sehr überließ. – Schmolle deshalb nicht mit beiden, mit dem Dichter und mit dem launischen Geiste! – Hast du, geliebter Leser, hin und wieder über manches recht im Innern gelächelt, so warst du in der Stimmung, wie sie der Schreiber dieser Blätter wünschte, und dann, so glaubt er, wirst du ihm wohl vieles zugute halten! –

Eigentlich hätte die Geschichte mit dem tragischen Tode des kleinen Zinnober schließen können. Doch ist es nicht anmutiger, wenn statt eines traurigen Leichenbegängnisses eine fröhliche Hochzeit am Ende steht?

So werde denn noch kürzlich der holden Candida und des glücklichen Balthasars gedacht.“ (10. Kap)

Zum Begriff der Selbstbezüglichkeit vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mise_en_abyme

http://de.wikipedia.org/wiki/Metafiktion

http://www.schmidt.uni-halle.de/konzepte/texte/noeth1.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Autoreflexivit%C3%A4t

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2009/4742/pdf/DissDaunerPublish.pdf (Dissertation von Dorea Dauner: Literarische Selbstreflexivität, 2009)

http://www.zeit.de/1992/34/hauptsache-selbstreflexiv (kritisch zur Methode, 1992)

Vgl. auch https://norberto42.wordpress.com/2010/03/04/kehlmann-die-vermessung-der-welt-selbstbezuglichkeit-des-romans/ und

https://norberto42.wordpress.com/2015/01/31/orhan-pamuk-das-museum-der-unschuld-besprechung/

Atlantis – das Märchen in „Heinrich von Ofterdingen“

Atlantis

Die Kaufleute erzählen Heinrich eine Geschichte (in Novalis: Heinrich von Ofterdingen, 1802, Erster Teil, Drittes Kapitel):

Ein alter König, dessen Frau verstorben war, lebte glücklich in seinem Reich. Seine ganze Liebe galt seiner einzigen Tochter und der Dichtkunst. Viele Sänger kamen an seinen Hof, deren Lieder die Seele der Prinzessin erfüllten. Streit und Missgunst gab es im Land nicht. Nur eine Sorge hatten seine Bewohner: ob es überhaupt einen Prinzen geben könnte, der der schönen Königstochter würdig wäre. Erst recht war der König selber überzeugt, dass nur ein Mann vornehmster Herkunft als Schwiegersohn in Frage käme.

Nahe der Hauptstadt lebte nun ein alter Mann, der seinen einzigen Sohn in der Wissenschaft von der Natur unterrichtete. Eines Tages kam die Prinzessin auf einem Spaziergang zu ihrem Hof und bat um ein Glas Milch; sowohl das Haus wie die beiden Männer gefilen ihr und sie bat um die Erlaubnis, sie wieder besuchen zu dürfen. Dann ging sie nach Hause, ohne ihre Herkunft verraten zu haben. Sowohl der Jüngling wie das Mädchen waren von der Begegnung zutiefst beeindruckt; die Prinzessin fühlte sich, als sei sie in eine überirdische Welt versetzt worden.

Der junge Mann hatte sich am Abend noch in den Wald begeben, wo er einen roten Stein fand, einen Karfunkel; er erinnerte sich, dass das Mädchen ihn in einer Kette getragen hatte. Er schrieb ein Gedicht auf einen Zettel, in den er den Stein einwickelte, um ihn am anderen Morgen seiner Besitzerin in der Stadt zu bringen. Die Prinzessin, die den Verlust bemerkt hatte, machte sich am nächsten Morgen ebenfalls auf, um ihren Stein zu suchen. Als sie sich trafen, überreichte er ihr den Stein, während sie ihm zum Dank ihre goldene Kette um den Hals hängte. Er war zutiefst betroffen; sie verabschiedeten sich und die Prinzessin versprach, ihn bald wieder zu besuchen, um von seinem Vater in die Kenntnis der Natur eingeweiht zu werden.

Bald kam sie wieder, und ihre Besuche hörten seitdem nicht mehr auf; sie sang auf ihrer Laute, er unterrichtete sie in den Geheimnissen der Natur. Eines Tages, als er sie auf dem Rückweg ein Stück begleitete, wurde ihre Liebe so stark, dass sie sich küssten. Bald kam ein Unwetter auf, vor dem sie sich in eine Höhle retten konnten. Dort kamen sie einander immer näher und vereinigten sich in Liebe. Sie beschlossen, im Haus des Jünglings eine Wohnung für sich einzurichten, und lebten von da an als Mann und Frau.

In der Stadt war der König von Sorge um seine Tochter gequält; er bereute es, alle Bewerber um sie für gering geachtet zu haben. In der Stadt aber hielt sich das Gerücht, die Prinzessin werde wiederkehren. Am Jahrestag ihres Verschwindens, einem heiteren Sommertag, feierte man am Hof wieder; die Dichter trugen ihre Lieder vor, aber der König war von Wehmut erfüllt. Da kam ein Jüngling, der ein wunderbares Lied vortrug. Es handelte vom Ursprung der Welt und aller Lebewesen, von der Sympathie der Natur und der goldenen alten Zeit, von der Erscheinung des Hasses und dem künftigen Triumph der Liebe und der Poesie; alle waren beeindruckt. Dann trug er ein zweites Lied vor, in dem er in Bildern sein eigenes Geschick besang. Währenddessen kam ein alter Mann mit einer verschleierten jungen Frau, die ein kleines Kind trug. Die beiden letzten Strophen lauteten so:

Der Liebe weicht und dem Gesange

Auch auf dem Thron ein Vaterherz,

Und wandelt bald in süßem Drange

Zu ewger Lust den tiefen Schmerz.

Die Liebe giebt, was sie entrissen,

Mit reichem Wucher bald zurück,

Und unter den Versöhnungsküssen

Entfaltet sich ein himmlisch Glück.

*

Geist des Gesangs, komm du hernieder,

Und steh auch jetzt der Liebe bey;

Bring die verlorne Tochter wieder,

Daß ihr der König Vater sey! –

Daß er mit Freuden sie umschließet,

Und seines Enkels sich erbarmt,

Und wenn das Herz ihm überfließet,

Den Sänger auch als Sohn umarmt.

Dann lüftete er den Schleier der Frau, die Prinzessin fiel ihrem Vater zu Füßen und hielt ihm ihr Kind hin. Der König hob sie und ihren Mann auf und reichte das Kind, das man ihm gab, dem Himmel entgegen, worauf er auch den Alten begrüßte. „Unendliche Freudenthränen flossen. In Gesänge brachen die Dichter aus, und der Abend ward ein heiliger Vorabend dem ganzen Lande, dessen Leben fortan nur Ein schönes Fest war. Kein Mensch weiß, wo das Land hingekommen ist. Nur in Sagen heißt es, daß Atlantis von mächtigen Fluten den Augen entzogen worden sey.“

(http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Romane/Heinrich+von+Ofterdingen/Erster+Theil%3A+Die+Erwartung/Drittes+Kapitel)

Märchensammlungen

Neben den deutschen Märchensammlern (https://norberto42.wordpress.com/2014/09/28/deutsche-marchen/) gab es auch in anderen Ländern Sammler:

Afanasjew (russ.)

Asbjörnsen (norw.)

Caballero (span.)

Croker (ir.)

Grundtvig (dän.)

Ispirescu (rumän.)

Jacobs (div.)

Kretschmer (griech.)

Nemcová (tschech.)

Moe (norweg.)

Puschkin (russ.)

Sutermeister (schweiz.)

——————————————————————————–

Vor den deutschen Märchensammlungen sind bereits anderswo Märchen gesammelt worden. Die bedeutendsten Sammlungen sind:

Straparola (italien.): Die ergötzlichen Nächte (1550/53)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ergotzliche-nachte-3762/1

Basile (italien.): Das Pentameron

http://www.maerchenatlas.de/aus-aller-welt/marchensammler/giambattista-basile/das-pentameron/ (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-pentameron-4884/1 (Text)

Perrault (franz.): Histoires ou contes du temps passé…

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Perrault (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/charles-perrault-m-5446/1

urn:nbn:de:bvb:355-ubr07455-2

(Manche dieser Stoffe finden sich auch bei den Brüdern Grimm!)

Galland franz.): Märchen aus 1001 Nacht, um 1700

http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-erster-band-3445/1

http://www.maerchen.org/tausendundeine-nacht.htm

http://literaturnetz.org/tausendundeinenacht

http://www.kuehnle-online.de/literatur/habicht/1001/index.htm

http://forum.tunesien.org/ubbthreads.php?ubb=showflat&Number=96414 (Liste der Märchen)

Hier sollen nun Seiten genannt werden, die querbeet Märchen gesammelt haben:

http://de.wikisource.org/wiki/Die_M%C3%A4rchen_der_Weltliteratur (nur Links: Die Märchen der Weltliteratur, hrsg. von Friedrich von der Leyen bzw. Hans-Jörg Uther; dazu http://www.ruhr-uni-bochum.de/oaw/slc/Wilhelm_Volksmaerchen.pdf Chinesische Volksmärchen)

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein (Märchen aus aller Welt, überaus große Sammlung – weiterklicken!)

http://gutenberg.spiegel.de/genre/m-fairy (dito – weniger übersichtlich)

http://www.maerchen.name/Startseite/maerchen/maerchen_a/index.html (alphabetisches Verzeichnis vieler Märchen)

http://www.hekaya.de/maerchen/titel.html (dito)

http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen (dito, mit Märchen-Sammlungen; übergeordnet: http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4rchen)

http://www.internet-maerchen.de/maerchen/ (Märchen aus aller Welt, alphabetisch geordnet, umfangreich)

http://maerchenblog.de/startseite/home…./ (Märchen zum Anhören: podcasts)

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen.htm (Märchen weltweit, v.a. Deutschland und Österreich)

http://literaturnetz.org/maerchen (Literaturnetz: Märchen und Sagen)

http://www.maerchenlexikon.de/inhalt.htm (Auswahl)

http://lanzerat.de/maerchenlexikon/titelregister.htm (Märchenlexikon: Titelregister; sehr umfangreich, einige kann man aufrufen)

http://www.maerchenatlas.de/category/register/ (Auswahl)

http://www.maerchenstern.de/maerchen/index.php (Auswahl)

http://www.die-geobine.de/marchen.htm (einzelne Märchen aus aller Welt)

http://maerchen-welt.eu/deutsche_maerchen.htm (deutsche und M. aus aller Welt, in Auswahl)

http://www.maerchen-sammlung.de/Russische-Maerchen_16/ (Russische M., Grimm, Andersen, deutsche M. – unübersichtlich)

http://www.maerchen.com/ (Grimm, Andersen, Bechstein, J.W. Wolf)

http://www.maerchen.org/ (Grimm, Bechstein, Wolf, Andersen, Hauff, ETA Hoffmann, 1001 Nacht u.a. – nur in Auswahl)

http://www.maerchen.net/ (Klassische Märchen – nur in Auswahl)

http://www.dw.de/themen/m%C3%A4rchen-aus-aller-welt/s-13423 (M. aus aller Welt, vorgelesen – unübersichtlich)

Die Suche bei http://archive.org/search.php?query=Märchen zeigt 588 Funde an.

https://norberto42.wordpress.com/2010/11/12/die-schonsten-marchen-andersens-ubersicht-und-kriterien/ (alles von H.C. Andersen)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/m-5905/1 Oscar Wilde: Märchen (1922)

http://maerchenfibel.com/maerchensammlungen/oscar-wilde (dito)

http://www.maerchen.ru/ (Volksmärchen aus Russland)

http://www.russouvenir.de/KUNST/maerchen/maerchen.html (russ. M.)

http://www.finn-land.net/finnland-m/maerchen/ (finnische M und Sagen)

http://www.maerchen.name/Startseite/maerchen/ (verschiedene, alphabetisch sortiert)

http://www.wdr5.de/sendungen/alsdaswuenschen/alsdaswuenschen_index100.html (M. in wdr5)

Für Kinder:

http://www.kindergarten-homepage.de/lesen/maerchen.html Texte: Märchen

http://www.familie.de/kind/maerchen-geschichten-576161.html Texte: Märchen

http://www.goethe.de/lrn/pro/maerchen/unterrichtsmaterial/Goethe_Maerchen_Didaktisches_Material.pdf (didakt. Material)

Sonstiges:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_M%C3%A4rchen (Liste von Märchen)

http://www.maerchenhelden.de/liste.php (Märchenhelden und Fabelwesen)

http://www.maerchendichter.de/kalender.php (Märchendichter und -sammler)

http://educationscouts.twoday.net/stories/2092153/ (Märchen: Begriff, Geschichte; Anwendung in der Grundschule)

Deutsche Märchen

Märchensammler

Johann Karl August Musäus: Volksmährchen der Deutschen, 1782/86

http://www.zeno.org/Literatur/M/Mus%C3%A4us,+Johann+Karl+August/M%C3%A4rchen/Volksm%C3%A4rchen+der+Deutschen

http://de.wikisource.org/wiki/Johann_Karl_August_Mus%C3%A4us (dort verlinkt)

 

Benedikte Naubert: Neue Volksmärchen der Deutschen, 1789

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/Naubert_Neue_Volksmaehrchen_der_Deutschen_1.pdf

 

Ludwig Tieck: Volksmärchen, hrsg. von Peter Lebrecht, 1797

http://books.google.de/books?id=3ss6AAAAcAAJ&redir_esc=y

http://books.google.de/books?id=8ss6AAAAcAAJ&redir_esc=y

Die Märchen aus dem „Phantasus“ (1812/15):

http://www.zeno.org/Literatur/M/Tieck,+Ludwig/Erz%C3%A4hlungen+und+M%C3%A4rchen/Die+M%C3%A4rchen+aus+dem+Phantasus

 

Albert Ludewig Grimm: Kindermährchen (1809)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Albert+Ludewig/M%C3%A4rchen/Kinderm%C3%A4rchen

Lina’s Mährchenbuch (1816) http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Albert+Ludewig/M%C3%A4rchen/Lina%27s+M%C3%A4hrchenbuch

 

Clemens Brentano: Rheinmärchen (ab 1810)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Brentano,+Clemens/M%C3%A4rchen-Sammlung/Rheinm%C3%A4rchen

 

Johann Gustav Büsching: Volks-Sagen, Märchen und Legenden (1812)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden

 

Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen (ab 1812)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen+%281812-15%29 (1. Fassung, 1812/15); vgl. Jacob Grimm, Friedrich Panzer: Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, 1913

http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen_Grimm_%281812%E2%80%931815%29 (1. Fassung)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen (späte Fassung)

http://khm.li/ (in der Ordnung der KHM, per Link aufrufbar)

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/brueder_grimm/maerchen_brueder_grimm.htm

http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/index

http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Kategorie:M%C3%A4rchen_Grimm_%281857%29&pageuntil=Simeliberg+%281857%29#mw-pages (1857)

http://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen (Übersicht_ alle Auflagen) mit http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen

http://www.maerchenlexikon.de/Grimm/konkordanzkhmat.htm (mit Typ)

http://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_Band_3_%281856%29/Anmerkungen (Anmerkungen der Brüder Grimm zu den KHM)

https://archive.org/stream/dieliterarischen00hamauoft#page/n5/mode/2up (Hermann Hamann: Die literarischen Vorlagen der Kinder- und Hausmärchen und ihre Bearbeitung durch die Brüder Grimm, 1906)

Bolte – Polívka: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (3 Bände, 1913 ff. – es gibt neuere Auflagen in 5 Bd.):

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden01grim#page/n5/mode/2up (Nr. 1 – 60)

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden02grim#page/n5/mode/2up (Nr. 61 – 120)

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden03grim#page/n5/mode/2up (Nr. 121 ff.)

 

Ernst Moritz Arndt: Mährchen und Jugenderinnerungen / 1. Teil (1813)

http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4hrchen_und_Jugenderinnerungen/Erster_Theil

http://books.google.de/books?id=_XoHAAAAQAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

2. Teil (1843) http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen_und_Jugenderinnerungen_%28Arndt%29_2

http://books.google.de/books?id=lGg6AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

 

Friedrich Gottschalck: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen (1814)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Gottschalck,+Friedrich/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Die+Sagen+und+Volksm%C3%A4hrchen+der+Deutschen

 

Karoline Stahl: Fabeln, Mährchen und Erzählungen für Kinder (1818)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stahl,+Karoline/M%C3%A4rchen/Fabeln,+M%C3%A4hrchen+und+Erz%C3%A4hlungen+f%C3%BCr+Kinder

 

Johann Andreas Christian Löhr: Das Buch der Maehrchen für Kindheit und Jugend, nebst etzlichen Schnaken und Schnurren, anmuthig und lehrhaftig [1–]2 (ca. 1819/20)

http://www.zeno.org/Literatur/M/L%C3%B6hr,+Johann+Andreas+Christian/M%C3%A4rchen/Das+Buch+der+M%C3%A4hrchen

 

Johann Heinrich Lehnert: Mährchenkranz für Kinder, der erheiternden Unterhaltung besonders im Familienkreise geweiht (1829)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Lehnert,+Johann+Heinrich/M%C3%A4rchen/M%C3%A4hrchenkranz+f%C3%BCr+Kinder

 

Heinrich Kletke: Almanach deutscher Volksmärchen (1839) – im Internet nicht greifbar

 

Johann Jakob Nathanael Mussäus: Meklenburgische Volksmährchen (1840)

http://mvdok.lbmv.de/mjbrenderer?id=mvdok_document_00000212

 

(Georg Hippolyt) Hermann Harrys: Volkssagen, Märchen und Legenden Niedersachsens (1840, 2 Teile)

https://archive.org/stream/volkssagenmrche00harrgoog#page/n5/mode/2up

http://books.google.de/books?id=0GoAAAAAcAAJ&pg=PP5&lpg=PP5&dq=harrys:+Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden+niedersachsens&source=bl&ots=GFQnQH-23f&sig=047qccRSWg7MpFFgcB8lGsfrTtE&hl=de&sa=X&ei=a1oxVNKoOsuwPLiKgbgI&ved=0CDYQ6AEwBQ#v=onepage&q=harrys%3A%20Sagen%2C%20M%C3%A4rchen%20und%20Legenden%20niedersachsens&f=false

 

Sagen und Märchen aus der Oberlausitz. Nacherzählt von Ernst Willkomm (1843)

http://books.google.de/books?id=kqTYAAAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

 

Adalbert Kuhn: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben (1843)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Märkische+Sagen+und+Märchen = https://archive.org/stream/mrkischesagenun02kuhngoog#page/n6/mode/2up

Norddeutsche Sachen, Märchen und Gebräuche… (1848, mit Wilhelm Schwartz) http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Norddeutsche+Sagen,+Märchen+und+Gebräuche

Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen… (1859) http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Sagen,+Gebräuche+und+Märchen+aus+Westfalen

 

Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg (1845)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Müllenhoff,+Karl/Märchen+und+Sagen/Sagen,+Märchen+und+Lieder

 

Karl Simrock: Die deutschen Volksbücher (1845)

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_deutschen_Volksb%C3%BCcher (dort verlinkt)

 

Germaniens Völkerstimmen. Sammlung der deutschen Mundarten in Dichtungen, Sagen, Märchen, Volksliedern. Hrsg. von Joh. Matthias Firmenich. 1. Band (1845)

https://archive.org/stream/germaniensvlke01firmuoft#page/n3/mode/2up

2. Band (1846) https://archive.org/stream/germaniensvlke02firmuoft#page/n3/mode/2up

 

Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Märchen und Sagen, 1845:

http://books.google.de/books?id=pSYPAAAAQAAJ&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

https://archive.org/details/deutschemrchenu00wolfgoog ->

https://archive.org/stream/deutschemrchenu00wolfgoog#page/n16/mode/2up

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Flandern/Johann+Wilhelm+Wolf%3A+Deutsche+M%C3%A4rchen+und+Sagen

Deutsche Hausmärchen 1851 (zusammen mit Wilhelm von Ploennies)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Wolf,+Johann+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Deutsche+Hausm%C3%A4rchen

http://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Hausm%C3%A4rchen

http://books.google.de/books?id=i2A7AAAAcAAJ&printsec=frontcove

http://literaturnetz.org/3107

 

Ludwig Bechstein: Deutsches Märchenbuch 1845

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Deutsches+M%C3%A4rchenbuch

http://literaturnetz.org/2524 (Märchen)

http://www.maerchen.com/ludwig-bechstein.htm (dito)

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,3,1,2,0-ludwig-bechstein.htm (dito)

Neues deutsches Märchenbuch, 1856

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Neues+deutsches+M%C3%A4rchenbuch

 

Emil Sommer: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachsen und Thüringen 1 (1846)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Sommer,+Emil/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche+aus+Sachsen+und+Th%C3%BCringen

 

Kuhn, Adalbert: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen (1848)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Norddeutsche+Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche/B.+M%C3%A4rchen

 

Friedrich Heinrich von der Hagen: Gesammtabenteuer. Hundert altdeutsche Erählungen: Ritter- und Pfaffen-Mären usw., drei Bände, Tübingen 1850,

Band 1: Stadt- und Dorfgeschichten. Schwänke, Wundersagen und Legenden Google, Google, Google;

Band 2: Ritter- und Pfaffen-Mären Google, Google, Google, Google;

Band 3: Ritter- und Pfaffen-Mären Google, Google, Google, Google

 

Ernst Heinrich Meier: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben (1852)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Meier,+Ernst/M%C3%A4rchen/Deutsche+Volksm%C3%A4rchen+aus+Schwaben

 

Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Zingerle (1852)

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044089079958;view=1up;seq=21 bzw.

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044089079958;view=2up;seq=20

http://books.google.de/books/about/Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen.html?id=SHcAAAAAMAAJ&redir_esc=y

 

Ignaz und Joseph Zingerle: Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland (1854)

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/%C3%96sterreich/Ignaz+und+Joseph+Zingerle%3A+Kinder+und+Hausm%C3%A4rchen+aus+S%C3%BCddeutschland

https://archive.org/stream/kinderundhausmr00zinggoog#page/n8/mode/2up

 

Heinrich Pröhle: Kinder- und Volksmärchen (1853)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Pr%C3%B6hle,+Heinrich/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Volksm%C3%A4rchen

Märchen für die Jugend (1854) http://www.zeno.org/Literatur/M/Pr%C3%B6hle,+Heinrich/M%C3%A4rchen/M%C3%A4rchen+f%C3%BCr+die+Jugend

 

Carl Colshorn, Theodor Colshorn: Märchen und Sagen aus Hannover (1854)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Colshorn,+Carl+und+Theodor/Märchen+und+Sagen/Märchen+und+Sagen+aus+Hannover

 

Karl Seifart: Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Sachsen und Thüringen (1854)

(im Internet nicht greifbar)

Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim (1854)

https://archive.org/stream/bub_gb_ATA7AAAAcAAJ#page/n3/mode/2up (enthält nur zwei Märchen)

 

Georg Schambach und Wilhelm Müller: Niedersächsische Sagen und Märchen (1855)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Schambach,+Georg/M%C3%A4rchen+und+Sagen

 

Josef Haltrich: Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen (1856)

http://www.digibib.tu-bs.de/start.php?suffix=jpg&maxpage=176&derivate_id=351

 

Anton Birlinger, M. R. Buck: Sagen, Märchen, Volksberglauben. Volksthümliches aus Schwaben 1 (1861)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Birlinger,+Anton/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen,+Volksaberglauben

 

Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1 (1879)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bartsch,+Karl/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche+aus+Meklenburg/Erster+Band%3A+Sagen+und+M%C3%A4rchen

 

Alfred Haas: Rügensche Sagen und Märchen (3. Aufl., 1903; 2. Aufl. 1896)

https://archive.org/stream/rgenschesagenu00haas#page/n5/mode/2up

 

Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l (1891)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Jahn,+Ulrich/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volksm%C3%A4rchen+aus+Pommern+und+R%C3%BCgen

 

Kinder- und Hausmärchen, dem Volke treu nacherzählt von Theodor Vernaleken (4. Auflage 1900)

https://archive.org/stream/bub_gb_SHsWAAAAYAAJ#page/n3/mode/2up

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein/Theodor+Vernaleken%3A+Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen+dem+Volke+treu+nacherz%C3%A4hlt (3. Aufl. 1896)

 

Oskar Dähnhardt: Deutsches Märchenbuch, Bd. 1 (1903)

Deutsches Märchenbuch, Bd. 2 (1912) – beide im Internet nicht greifbar

 

Karl Spiegel: Märchen aus Bayern (1914)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Spiegel,+Karl/M%C3%A4rchen/M%C3%A4rchen+aus+Bayern

 

Deutsche Märchen seit Grimm. Hrsg. von Paul Zaunert (1917)

https://archive.org/stream/deutschemrchen00zaun#page/n9/mode/2up (Inhaltsverzeichnis: S. 413 ff.)

 

Deutsche Volksmärchen (es gibt vermutlich noch mehr Sammlungen)

http://www.hexenhort.de/buecher/maerchen/maerchen.htm

http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4rchen_aus_Bayern (Bayern)

http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/hannover/sagen_hannover.htm (Hannover)

http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=91 (Sachsen)

http://literaturnetz.org/2992 (Märchen und Sagen aus Vorpommern)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden/1.+Schlesische+Sagen+und+M%C3%A4hrchen (Schlesien)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden (verschiedene Gegenden)

http://literaturnetz.org/2525 (Sächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen)

 

Als Märchendichter sind zu nennen:

Wilhelm Hauff: Märchen-Almanache (1825/27)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hauff,+Wilhelm

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,5,1,2,0-Wilhelm-Hauff.htm

 

ETA Hoffmann, ca.1820

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften

 

Theodor Storm: Märchen und Spukgeschichten (1850/65)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/M%C3%A4rchen+und+Spukgeschichten

 

Richard von Volkmann-Leander (Leander): Träumereien an französischen Kaminen (nach 1870)

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,4,1,2,0-Richard-von-Volkmann-Leander.htm

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/volkmann/maerchen_deutschland_volkmann.htm

http://www.hekaya.de/maerchen/autoren–volkmann_leander.html

https://archive.org/stream/trumereienanfra04volkgoog#page/n9/mode/2up

 

Heinrich Seidel: Dreißig Märchen (1905)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/dreissig-marchen-5946/1

 

Friedrich Panzer, zur Theorie des Märchens (1926): http://www.maerchenlexikon.de/texte/archiv/panzer01.htm

 

Neben den deutschen Sammlern von Märchen sind zu nennen:

Afanasjew (russ.)

Asbjörnsen (norw.)

Caballero (span.)

Croker (ir.)

Grundtvig (dän.)

Ispirescu (rumän.)

Jacobs (div.)

Kretschmer (griech.)

Nemcová (tschech.)

Moe (norweg.)

Puschkin (russ.)

Sutermeister (schweiz.)

——————————————————————————–

Vor den deutschen Märchensammlungen sind bereits anderswo Märchen gesammelt worden. Die bedeutendsten Sammlungen sind:

Straparola (italien.): Die ergötzlichen Nächte (1550/53)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ergotzliche-nachte-3762/1

 

Basile (italien.): Das Pentameron (1634/36 unter einem Pseodonym, heutiger Titel ab 1674)

http://www.maerchenatlas.de/aus-aller-welt/marchensammler/giambattista-basile/das-pentameron/ (Übersicht)

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=uc1.$b291912;view=1up;seq=5 1. Band

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=uc1.$b291913;view=1up;seq=5 2. Band

http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-pentameron-4884/1 (Text)

 

Perrault (franz.): Histoires ou contes du temps passé… (1697)

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Perrault (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/charles-perrault-m-5446/1

urn:nbn:de:bvb:355-ubr07455-2

(Manche dieser Stoffe finden sich auch bei den Brüdern Grimm!)

 

Galland (franz.): Märchen aus 1001 Nacht, ab 1704

http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-erster-band-3445/1

http://www.maerchen.org/tausendundeine-nacht.htm

http://literaturnetz.org/tausendundeinenacht

http://www.kuehnle-online.de/literatur/habicht/1001/index.htm

http://forum.tunesien.org/ubbthreads.php?ubb=showflat&Number=96414 (Liste der Märchen)

 

Ätiologische Märchen

Zweifellos gibt es ätiologische Märchen; das ist mir vor ein paar Tagen aufgefallen, als ich „3-Minuten-Märchen aus aller Welt“ von Marlis Arnold, Könemann 2001, las. Das wird teilweise schon im Titel deutlich: „Warum das Schneeglöckchen nicht erfriert“, „Wie die Geige auf die Welt kam“, aber auch „Die Sonne, der Mond und der Hahn“. Zwei dieser drei Märchen habe ich auch im Internet gefunden:

  1. Wie die Geige auf die Welt kam (http://issuu.com/ashbonn/docs/forum_2013_albert-schweitzer-haus/8), in Verse gefasst http://www.poetry.de/showthread.php?t=25888 =  „Wie die Musik in der Welt kam“ (Zigeunermärchen, nacherzählt von Maximilian Steiner: http://members.a1.net/a-kultur/maerchen/geige.htm, mit dem Schluss: „So ist die Musik also in die Welt gekommen.“)
  2. Die Sonne, der Mond und der Hahn (http://maerchenkiste.com/m%C3%A4rchentexte/die-sonne-der-hahn-und-der-mond/; http://www.maerchenfraukoeln.de/seiten/buecher/leseprobe-3-m-m.html; http://www.maerchen-muenster.de/main31.html, dort unter Juli 2011, mit dem Schluss: „Seitdem weckt der kleine Hahn mit seinem hellen Kikeriki die große Sonne auf, und sie verbringen den Tag miteinander. Die Sonne hoch am Himmel und der Hahn unten auf der Erde. Und erst am Abend, wenn die Sonne in den Himmel zurückkehrt und der Hahn in seinen Stall, dann steigt der Mond am Horizont auf und beginnt seine einsame Herrschaft über das Reich der Nacht und der Sterne.“)
  3. Eine Sammlung ätiologischer Märchen findet man unter https://maerchensammler.wordpress.com/category/marchentypen/atiologisches-marchen/; und warum die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen, wird in vielen Märchen erklärt (http://mutaborverlag.ch/bilder/baummaerchenbuch_auszug.pdf).

Im Lexikon wird erklärt: „ätiologische Sagen, ätiologische MärchenBezeichnung für Sagen und Märchen, in denen der beobachtende Mensch bei ungewöhnlichen Naturgebilden, Bauwerken, Namen, Bräuchen u. a. die Frage nach ihrem Wesen und ihrer Herkunft mit den Mitteln des mythisch-magischen Weltbildes und des assoziativen Denkens und Fantasierens beantwortet: So werden z. B. sonderbare Felsbildungen als versteinerte Riesen gedeutet, Orts- und Flurnamen mit sagenhaften Begebenheiten in Verbindung gebracht.“ (http://universal_lexikon.deacademic.com/63324/%C3%A4tiologisch, vgl. auch die Überlegungen in http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein/Oskar+D%C3%A4hnhardt%3A+Natursagen/4.+Band.+Tiersagen%3A+Zweiter+Teil/7.+Kapitel%3A+Die+Fuchsm%C3%A4rchen/1.+Der+Fischfang; dort wird allerdings auch mit der Möglichkeit gerechnet, dass ein ätiologischer Schluss nachträglich angehängt werden kann, weil er so schön passt.) –  Zum Begriff der Ätiologie: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/aetiologie-3/ch/83c4da5ccda4e4b1ad21053ca61af159/

Nun gibt es ein Indianermärchen, das von K. Recheis/F. Hofbauer unter dem Titel „Bruder der Tiere“ nacherzählt worden ist (99 Minutenmärchen, Kerle, 16. Aufl. 1995, S. 79-81: Ein kleiner Indianer verläuft sich im Wald, ernährt sich von Wurzeln und Beeren und wird im Winter von den Tieren behütet und durchgefüttert. Im Frühling bringen die Tiere ihn in die Menschenwelt zurück; sie schärfen ihm vorher ein: „Im Winter, als du allein warst, haben wir dir Essen und Wärme gegeben. Nun sind wir deine Brüder. Vergiß das nicht!“ Der Junge geht zu seiner Familie, und der letzte Satz lautet so: „Solange er lebte, vergaß er nicht, daß die Tiere seine Brüder waren.“

Dieser Schluss befriedigt nicht; aus dem Wissen des einen Jungen folgt nämlich nichts, dieses Wissen bewährt sich nicht. Folgerichtig müsste der Schluss darauf hinauslaufen, dass der Junge auch den anderen Indianern erzählt, was er erlebt hat, und dass seitdem die Indianer wissen, dass die Tiere unsere (oder: ihre?) Brüder sind. Dann hätten wir ein ätiologisches Märchen, in dem erzählt wird, wie dieses Wissen von der Verbundenheit der Kreaturen in die Welt gekommen ist.

Humor und Heiterkeit im Märchen

 

Willi Fehse hat 1968 im Boje-Verlag „Heitere Märchen aus aller Welt“ herausgegeben; er habe sie so ausgewählt, „daß sich möglichst viele Spielarten des Humors darin zeigen“ (S. 7). Er habe unbekanntes Erzählgut bevorzugt „und so darzubieten versucht, daß es nie den Märchenton verleugnet und doch die Jugend in der Sprache unserer Zeit anspricht“ (S. 8). – Welcher Humor zeigt sich in den Märchen? Und inwiefern sind sie heiter – oder soll der Leser nach der Lektüre heiter sein? Ich untersuche die ersten zehn Beispiele.
1. Widewau (aus Deutschland)
Ein bösartiger Müller wird bestraft, der gutherzige Müllerbursche belohnt, indem er die Tipps einer alten Frau beherzigt und ihren Zauberstein nutzt. – Humor kann ich hier nicht finden.
2. Das widerspenstige Weib (aus Dänemark)
Ein Bauer hat ein ausgesprochen widerspenstiges Weib geheiratet; er legt sie rein, indem er diese Widerspenstigkeit ausnutzt und immer das Gegenteil dessen vorschlägt oder anordnet, was er selber erreichen will, wodurch er sowohl zu einem schönen Fest kommt wie auch die böse Frau loswird, indem er sie über eine morsche Brücke schickt, vor deren Betreten er ausdrücklich gewarnt hat. Er steigert seine Strategie ins Absurde, indem er seine Frau nicht rettet, sondern stromaufwärts rennt und um Hilfe ruft: „Sie ist in ihrem Leben so widerspenstig gewesen, daß sie im Tode auch noch gegen den Strom schwimmen wird.“
Der Humor besteht darin, dass der zu Unrecht leidende Bauer sich geschickt oder gewitzt von seiner bösen Frau befreit und dass sein Witz sich bis ins Absurde steigert (mit dem schönen Kontrast-Parallelismus am Ende); dass die Frau als Leiche endet, spielt keine Rolle.
3. Prinzessin Langnas (aus Deutschland)
Ein Soldat wird wegen seiner Gutherzigkeit dadurch belohnt, dass er drei Wünsche frei hat, dass er sich drei Glücksmittel wünscht (Geld, Soldaten, Unsichtbarkeit), dass er diese durch Unvorsichtigkeit (und Bosheit der schönen Prinzessin) verliert, dass er zufällig ein neues Zaubermittel findet (Feigen, deren Genuss lange Nasen hervorruft, und Zauberwasser, das diese Nasen wieder reduziert).
Dieses normale Schema von gut/böse, Leichtfertigkeit und neuem Versuch, Lohn und Strafe wird dadurch witzig, dass der Einsatz des Zaubermittels zur Nasenvergrößerung einen Anlass gibt, deutsche Sprichwörter anzuführen (und deren Metaphorik ins Wörtliche zurückzunehmen): man hätte der Prinzessin auf der Nase herumtanzen können; sie musste mit langer Nase abziehen; sie hat ihre Nase nie mehr in fremder Leute Sachen gesteckt (hier ist die Wendung vom „Nase-in-anderer-Leute-Sachen-Stecken“ wieder metaphorisch gebraucht). Der Humor steckt in den Wortspielen, wenn man die Bestrafung der Bösen nicht schon als Humor begreifen will.
4. Kännchen voll (aus Deutschland)
Eine Witwe wird durch einen Zaubertopf, der durchs Land zieht und sich bei den Vermögenden füllen lässt, vor dem Verhungern gerettet; als die gierig wird und ihn ohne Not losschickt, kommt er voll Kuhscheiße zurück, in die die Witwe blind hineingreift. – Das ist ein eher „populärer“ Humor.
5. Schopadorium (aus Frankreich)
Ein gewitzter Verwalter rettet sich vor durch seine Schlagfertigkeit vor den Nachstellungen seines Herrn; zum Schluss spielt er vor Gericht den Verrückten, wobei er das neue Wort „Schopadorium“ einführt. – Klassisches Schema: Geistige Überlegenheit des sozial Unterlegenen; Sieg der Gwitztheit, Freude des Lesers an den Einfällen des Helden.
6. Das Beutelchen mit den zwei Dreiern (aus Rumänien)
Letztlich geht es um den Streit zwischen Mann und hartherziger Frau, deren böser Rat (den Hahn des Mannes zu schlagen, damit er Eier lege) sich auf wunderbare Weise ins Gegenteil auswirkt: Der Hahn schleppt mittels wunderbarer Fähigkeiten Reichtümer heran. Nun kommt der zweite Witz: Der entsprechende Rat des Mannes, die Frau solle ihr Eier legendes Huhn schlagen, führt zum Tod des Huhns und zur Verarmung der Frau, die fortan als Hühnermagd arbeiten muss – und das alles nur, weil sie ihm zu Beginn keines von den Eiern ihres Huhnes abgeben wollte. – Der Humor steckt darin, dass ein böser Rat sich als guter erweist, und in der Umkehrung des gleichen Rates, wodurch die böse Frau und Ratgeberin bestraft wird.
7. Vom Mädchen, das ein Zicklein war (aus Griechenland)
Da fehlt nun der Humor vollends – denn wenn man weiß, dass ein Zicklein in Wirklichkeit eine wunderschöne Prinzessin ist, kann man leicht auf die Idee kommen, sie zu heiraten. – Pädagogisch etwas dick aufgetragen ist die Einsicht des Prinzen: „Auf Erden kann sich hinter jeder Gestalt die Schönheit verbergen. Man muß sie nur sehen!“
8. Die königliche Belohnung (aus Polen)
Dem alten Mann wird die ihm zustehende Belohnung des Königs durch Vermittler, die ihm den Weg zum König freimachen sollen, Zug um Zug abgeschwatzt oder abgenommen. Der Witz besteht darin, dass er diese Bösewichter so straft, dass er sich als Belohnung Prügel wünscht – eine überraschende Wendung des Geschehens durch einen witzigen Einfall: der Humor, der zur Bestrafung der Bösen und zur anschließenden Belohnung des alten Mannes durch den König (Beutel mit Geld) führt.
9. Wer schenkt, muss auch teilen können (aus Russland)
Ein Bauer schenkt seinem Hutsherrn eine Gans, weil ihm selber die Zutaten fürs Essen fehlen. Da er sie nun aufteilen soll (siehe Titel), teilt er sie mit passenden Begründungen (der Kopf für den Gutsherrn als „Haupt“ der Familie usw.) so auf, dass ihm selbst der Körper der Gans bleibt; für seinen Witz wird er vom Gutsherrn belohnt.
Die zweite Runde des Geschehens wird dadurch eingeläutet, dass ein reicher Nachbar in seiner dummen Gier dem Gutsherrn fünf Gänse schenkt und vor der Aufgabe, sie auf die sechs Familienmitglieder aufzuteilen, versagt; besagter Bauer findet auch diesmal mit seiner Methode eine Lösung, bei der er selber zwei Gänse bekommt. Der Gutsherr erfreut sich am Witz seines Bauern: „Das nenne ich klug geteilt, und das Beste ist, daß du nach russischer Art dich selber dabei nicht vergessen hast.“ Der Bauer wird erneut belohnt, der gierige Reiche bestraft – der Humor der Erzählung (kann eine Erzählung Humor haben?) besteht darin, dass der unterlegene arme Bauer mit Witz sowohl das Problem löst wie auch eigenen Vorteil erzielt, und das gleich zweimal.
10. Weißbart, der Schusterkönig (aus Persien)
Hier wirken sowohl die Spannung zwischen Brüdern, wunderbare Mächte, geschichtliche Legitimität, Treue der Liebenden und wechselseitige Hilfe (vs. Verachtung der Armen und Hässlichen) in einem großen Märchen zusammen, bei dem auch mehrere Erzählfäden verfolgt werden. Am Ende verzichtet der zum Chan aufgestiegene Schuster zugunsten seines Freundes, des legitimen Erben, auf den Thron. „So spricht aus seiner Geschichte die Heiterkeit des Philosophen, der lächelnd einen Thron gegen einen Schusterschemel vertauschen kann und sein Glück im Glück der anderen findet.“ – Ob man hier von Humor sprechen kann?

Humor zeigt sich darin, dass der sozial Unterlegene durch seine Gewitztheit in einer Situation der Bewährung überlegen wird; Humor zeigt sich darin, dass der zu Unrecht Geschädigte einen Weg findet, den Gegner mit dessen Waffen zu schlagen; Humor zeigt sich im spielerisch-souveränen Umgang mit der Sprache: mit Wörtern und mit Argumenten.

Eine Prüfung der restlichen Märchen ergibt Folgendes:
11. Billige Pantoffeln (aus Arabien)
Ein Schulmeister schwatzt einem frommen Schuster dadurch, dass er den jeweiligen Zahlen eine heilige Bedeutung zuschreibt, den Preis für ein Paar Pantoffeln von 12 auf 0 Piaster herunter.
Der Humor besteht einmal darin, dass man mit frommen Sprüchen einen Frommen betrügt, zum andern in der Zahlenspielerei. Ähnliche Spielereien kenne ich aus einem Lied, das ich oft mit meinen Kindern gesungen habe: „1 ist 1 und war schon 1 und wird es immer bleiben…
2 für den Tag und die Nacht…
3 für alle guten Dinge..
4 für die Jahreszeiten…“, und so geht es weiter, wie bei den Begründungen, noch ein Glas zu trinken:
„Einmal ist keinmal.
Auf einem Bein kann man nicht stehen.
Aller guten Dinge sind drei.“ Wie es dann weiter geht, weiß ich nicht – aber es geht weiter!
Ich habe noch ein schönes Beispiel in Kleists „Der zerbrochene Krug“ (10. Auftritt) gefunden, wo der Dorfrichter Adam „nach der Pythagoräer-Regel“ die Gläser zählt:
„Eins ist der Herr; Zwei ist das finstre Chaos;
Drei ist die Welt. Drei Gläser lob ich mir.
Im dritten trinkt man mit den Trophen Sonnen,
Und Firmamente mit den übrigen.“
12. Der überlistete Sankchini (aus Indien)
Ein böser Geist wird nach der Methode Salomons überlistet; er entlarvt sich selbst.
13. Die beiden Traumdeuter (aus der Türkei)
Der eine sagt dem Sultan zur Deutung eines Traums von ausgefallenen Zähnen: Deine Verwandten werden sterben; er wird bestraft.
Der zweite sagt: Du wirst deine Verwandten überleben; er wird belohnt.
Humor: Es kommt darauf an, wie man etwas sagt.
Das erinnert an den Witz vom Franziskaner und Jesuiten: Der erste darf beim Beten nicht rauchen, der zweite darf aber beim Rauchen beten.
14. Der entlarvte Derwisch (aus der Türkei)
Der betrügerische Derwisch wird durch den Appell an seine Gier entlarvt, indem man ihm noch größere Betrugsmöglichkeiten vorgaukelt.
15. Die Rechenkunst des Löwen (aus Zentralafrika)
Eine echte Löwenfabel, aus der man lernt, dass man sich nicht mit dem Löwen auf ein gemeinsames Unternehmen einlassen und noch weniger bei ihm als König das Recht einfordern kann.
Der Humor steckt einmal in der Rechenkunst des jungen Löwen: ein Rind für sieben Hyänen, sieben Rinder für einen Löwen, ergibt jeweils acht, ist also gerecht. Die zweite Prise Humor steckt darin, wie der vorgeblich kluge und mutige Hyänenvater vor dem Löwen den Schwanz einzieht und das letzte Rind „freiwillig“ abgibt.
16. Mütterchen Gally Mander (aus Nordamerika)
Ein Märchen nach dem Strickmuster von Frau Holle, nur dass hier das Mütterchen G. M. geizig ist beim dritten Versuch selber bestraft wird, während diesmal das hilfsbereite Mädchen sich retten kann.
Humor ist nicht zu entdecken, es sei denn, man freute sich, dass die geizige Alte bestraft wird. Der Kontrast in der Hilfsbereitschaft der Mädchen ist nicht das einzige Motiv; daher gibt es drei statt zwei Versuche.
17. Mein furchtbar starker Großvater (aus Ungarn)
ist eine lustige Lügengeschichte, kein Märchen.
18. Die Schafherde (aus England)
ist eine mäßig lustige Schildbürgergeschichte, wo zwei sich über eine nicht existente Schafherde streiten und der dritte sie belehrt, indem er einen Sack Mehl ins Wasser kippt.
19. Ein Tölpel von Mann (aus Portugal)
ist ein Schwank nach dem Muster von „Frieder und Catherlieschen“ (findet man unter http://www.maerchenkristall.com/Grimm/Frieder.htm); ist entsprechend lustig, weil der tölpelhafte Mann alle Tipps an der falschen Stelle anwendet, also falsch verallgemeinert. Die Geschichte endet aber gut: Die Frau behält ihren Mann; „denn sie waren ja verheiratet“.
20. Der geprellte Tod (aus Ungarn)
Ein Märchen zu dem gängigen Motiv – der Tod verrät unklugerweise, nach welcher Regel er die Menschen holt, sodass der clevere Schäfer klar seine Chancen berechnet und dem Tod ein ihm in Todesangst überlassenes Schaf wieder abnimmt.
21. Der Schwanz (aus Schottland)
Einem Schaf wird der Schwanz ausgerissen – mäßig lustig, finde ich.
22. Der Goldklumpen (aus Russland)
Ein Bauer gewinnt eine Wette, indem er dem geizigen Gutsherrn durch vermeintliche Aussicht auf einen Goldklumpen die Einladung zu einem wunderbaren Essen und Trinken entlockt. Das gleiche Strickmuster wie in Nr. 14, nur dass der kecke Bauer selber mit seiner Wette die Aktion in Gang setzt.

Fazit:
1. Die Abgrenzung der kleinen Formen ist unscharf (Witz, Fabel, Märchen, Lügengeschichte, Schwank).
2. In anderen Ländern wird über die gleichen Dinge wie in Deutschland gelacht.
3. Humor zeigt sich darin,
– wie Betrüger, Dummköpfe, Geizkragen oder Großsprecher entlarvt werden,
– wie man etwas geistreich oder spielerisch sagt und begründet,
– wie sich Dummheit unverstellt äußert,
– wie Gewitztheit sich durchsetzt.

Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Analysen und InterpretationSeiten/Zeilenzählung nach der neuen Ausgabe bei Reclam, 2003, vermutlich gleich der von 1993.

1. Analysen

Zeitstruktur in Kap. I – IV

Unter diesem Begriff wird erfasst, welche Bedeutung der Erzähler welchem Ereignis schenkt, indem er relativ knapp oder breit von ihm berichtet. Im Erzählerbericht kann man episodisches (szenisches) und summarisches Erzählen unterscheiden.

In Kap. I werden episodisch erzählt

– Einkehr im Wirtshaus (9/8 ff.),

– Empfang im Haus des Herrn John, Gespräch mit diesem (9/28 ff.),

– verschiedene Leistungen des grauen Mannes (10/29 ff.),

– Begegnung Peters mit dem Grauen, Schattenverkauf (13/29 ff.)

Die Ereignisse dieses ersten Tages enden damit, dass Peter (in Kap. II) im Gold wühlt und darüber einschläft (17/34).

Die meiste Zeit nimmt der Erzähler sich, wenn er Gespräche wörtlich (zeitgleich) berichtet: das Gespräch mit Herrn John (10/3-16) und vor allem das Gespräch Peters mit dem Grauen (14/6 – 15/31). Relativ viel Zeit nimmt der Erzähler sich für den Bericht von den wunderbaren Taten des Grauen und vom Eindruck, den dieser auf Peter macht (10/35 – 13/17).

In Kap. I werden summarisch erzählt

– die Landung (9/5 ff.),

– der Gang zum Haus des Herrn John (9/20 ff.),

– der Gang zum Rosenhügel (10/20 ff. – relativ breit),

– Peters Flucht vom Rosenhügel (13/25-27).

Am nächsten Tag (18/7 ff.) richtet Peter sich ein und lernt Bendel kennen; am übernächsten Tag (19/34 ff.) schickt er Bendel auf die Suche nach dem Grauen und erfährt, dass dieser sich „über Jahr und Tag“ (21/12) wieder melden wird; dies tut der auch am Tag vor der geplanten Hochzeit (39/32). Für die Ereignisse des ersten Tages braucht der Erzähler also etwa ‚11 Seiten‘ unserer RUB-Ausgabe (er braucht natürlich Zeit – wir rechnen der Einfachheit halber in Seiten!), für den zweiten Tag knapp 2 Seiten, für den Rest des Jahres 20 Seiten (davon 10 für die Mina-Geschichte).

Weitere Episoden werden eingeleitet mit „einst“ (22/22), „an einem schönen Abend“ (25/22); die erste Begegnung mit Mina wird relativ zur Vorgeschichte datiert (27/14-22), die zweite Begegnung erfolgt am nächsten Abend (29/31 ff.); es folgt eine kleine Episode („einst“ 31/23 ff.) und ein halbes Bekenntnis gegenüber Mina („einst“ 34/21 ff.), wonach Peter dem Vater seinen Heiratsantrag ankündigt. „Am nächsten Abend“ (35/31 ff.) begegnet er Mina kurz. Die Zeit bis zum Vorabend des entscheidenden Tages (36/9) wird durch einen kurzen Sammelbericht („öfters“ 36/5) überbrückt.

Unbestimmt wird Zeit durch verschiedene Wendungen überbrückt: „die Tag‘ und Nächte“ (22/12); „seitdem“ (24/16); „eine Zeit lang“ (24/37); „seither“ (25/11); „ununterbrochen“ (26/15); an die Vorgeschichte anknüpfend „sobald“ (27/20); „oft“ (32/26); „öfters“ (36/5). Die Formel „über Jahr und Tag“ wird wiederholt (21/12; 24/28; 33/3 -> 39/33).

Das ganze Kap. IV ist dem Thema gewidmet, wie er sich in dem Badeort jenseits des Gebirges (26/16 ff.) einrichtet und in die, wie schon sogleich gesagt wird (27/4 ff.), schließlich gescheiterte Liebe zu Mina verfällt (26/34 ff.)

Die Orte des Geschehens scheinen (in I – IV) in Hamburg zunächst konkret und lokalisierbar zu sein (Norderstraße 9/23; Breitestraße 16/25), doch sind sie bald ganz allgemein: Hotel (17/16), (in der Welt 24/23,) in einem Garten (25/28), Badeort (26/19), mein Haus (28/29 f.), unter den Bäumen vor meinem Haus (29/20), im Förstergarten (32/34).

Peter Schlemihl als Mensch (I und Anfang Kap. II)

Peter Schlemihl ist ein armer Schlucker: Er bringt von der Fahrt nur eine kleine Habseligkeit mit, die er auch noch selbst trägt, statt einen Diener zu engagieren (9/6 f.); von einem Wohn- oder Heimatort spricht er nicht. Er geht in das billigste Hotel am Platz (9(8 f.), wird selbst dort noch skeptisch gemustert (9/10 f.) und bekommt auchnur ein billiges Zimmer unterm Dach. Er weiß jedoch, was sich gehört, wenn man einen Besuch macht, und kleidet sich reinlich (9/17 ff.).

In der Welt der Reichen ist er ein Fremder: Er muss im Haus John „ein Verhör“ bestehen, ehe er eingelassen wird (9/29 f.); nicht ohne subtile Ironie erzählt er, wie er von herrn John herablassend behandelt wird. Der empfängt ihn nämlich „sehr gut wie ein Reicher einen armen Teufel“ (9/34; ähnlich bereits 9/30: hatte die Ehre…) und spricht nur ganz nebenbei mit Peter (9/34 – 10/2); dass Peter dem Diktum von der Selbstverständlichkeit, reich zu sein, beipflichtet („mit vollem überströmenden Gefühl“, 10/11 f.), ist objektiv ironisch. Seine Fremdheit in dieser Umgebung drückt er noch einmal ironisch aus, dass er hinterherschleicht, „ohne jemandem beschwerlich zu fallen“ (10/20 f.): Er gehört schlicht nicht zu den Schönen und Reichen.

In der Begegnung mit dem grauen Mann wächst bei dessen Kunststücken von Mal zu Mal seine Betroffenheit: Auf das Pflasterbesorgen reagiert Peter noch nicht (10/37 ff.); dass der Graue das Fernrohr hervorholt, verwundert Peter (11/21-23); den Teppichzauber sieht er betroffen (12/5 ff.), während die Gesellschaft überhaupt nicht darauf reagiert – wie auch beim Zeltzauber, wo Peter „unheimlich, ja graulich zu Mute“ ist (13/1), erst recht beim Pferdezauber (13/2 ff.). Der Schauder, der ihn ergriffen hat, hat sich ins Unerträgliche gesteigert (13/16 f.); er beschließt wegzugehen. [Mit dem sorgsam zum Schauder gesteigerten Grauen entstehen der abgrundtiefe Hass (50/13) und das letzte Entsetzen Peters (59/24), in dem er endgültig dem grauen Mann abschwört.]

Als dann der Graue sich ihm nähert, erschrickt er und hat Angst (13/29; 13/37 f.; 14/10), ohne sich ihm jedoch entziehen zu können: Nach dem Angebot des Schattenverkaufs ist er verwirrt (14/24 f.); der Hinweis auf die Tasche mit den unmöglichsten Inhalten erzeugt wieder einen kalten Schauder (14/36). Als ihm dann „Fortunati Glückssäckel“ angeboten wird, nimmt der Graue seinen „ganzen Sinn gefangen“ (15/19 f.): „Ich bekam einen Schwindel…“ In diesem Schwindel schließt er das Geschäft ab, und auch danach ist in ihm „noch keine Besinnung“ (16/4).

Danach macht er verwirrende Erfahrungen: Ohne Schatten ist er auch unter den normalen Menschen ein Fremder, was ihn zur verzweifelten Frage führt: „was konnte, was sollte auf Erden aus mir werden!“ (17/10 f.). Nachdem er ausgiebig geweint hat (17/4), wechselt er in ein nach Norden gelegenes Hotel, wo er vom Sonnenlicht verschont ist (17/16 ff.), und wühlt dort rauschhaft in seinem Gold (17/20 ff.). Nach seinem Traum vom forschenden Chamisso, der tot ist, was durch das Stehenbleiben der Uhr unterstrichen wird (17/33 ff.), erfasst ihn jedoch ein Überdruss am Gold (18/11 ff.) und er bezeichnet das Tauschgeschäft nur noch als törichten Handel (20/1, vgl. 18/12: törichtes Herz). Ein neuer Test, wie er als Schattenloser auf andere wirkt (19/6 ff.), lässt ihn den Plan fassen, den törichten Handel rückgängig zu machen (20/1 ff.), und setzt damit das weitere Handeln Peters (II – IV) wie das weitere Geschehen (Versuche des Grauen, ihn zum Teufelspakt zu bewegen, Kap. V – VIII) in Bewegung: als Versuche, mit der Schattenlosigkeit so oder so fertig zu werden.

Du-Anreden an Chamisso

Eine der Eigentümlichkeiten der Novelle besteht darin, dass der Ich-Erzähler Peter sich häufig an seinen Freund Chamisso als den Leser (oder Zuhörer – das wird in den beiden Briefen an Julius Eduard Hitzig klar: 4/28 ff.) seiner Geschichte wendet. Das sind einmal Stellen, an denen das Erzählen durch solche Hörer-Anreden lebendiger wird (13/4 f. und 13/10-12; 17/35 ff.); auch erklärt Peter manchmal, warum er sich im Erzählen an diesen Stellen kurz fassen möchte, weil Chamisso solches ohnehin kennt (19/16 f.; 25/16-18); gelegentlich kommentiert Peter aus „heutiger“ Sicht damit vergangenes Geschehen, dass er sich etwa schämt, so etwas seinem Freund zu beichten (17/21-23; 29/17-19). An den zuletzt genannten Stellen nähert sich die Du-Anrede-Passage dem Kommentar an.

Erzählerkommentare in I – IV

Es ist nicht immer klar zu entscheiden, ob ein echter Kommentar aus heutiger Sicht oder eine erzählte Einschätzung aus vergangener Zeit vorliegt (z. B. 17/4-10).

Oft sind die Kommentare ganz harmlos (13/23 f.; 31/32 f.; 33/16-18), auch zum Zeitgeschehen (31/18-20). Bedeutsam ist der Kommentar, mit dem die Mina-Erzählung eingeleitet wird (26/22 ff. und 27/4 ff.). Da bekennt Peter einmal, die Liebe vorbei ist und auch im Erzählen nicht mehr lebendig wird (26/22 ff.); der Begriff „Wahn“ (26/29 und 27/11) deutet vielleicht darauf hin, dass er nach heutiger Einschätzung Mina nicht wirklich geliebt hat, im Gegensatz zur früheren Beurteilung des Verhältnisses (32/ 11 ff.; vgl. auch 27/4 ff.). Das hängt offensichtlich mit seinem Alter (und der Herrschaft der Vernunft heute, 27/9) zusammen, könnte also auch einfach auf das „normale“ Vergehen jeglicher Liebe anspielen (27/8 ff.). – Insgesamt sagen die beiden Kommentare, dass nun nicht eine Liebesgeschichte erzählt wird, sondern eine bedeutsame Episode aus Peters Lebensgeschichte, die zur Entscheidung in der Frage des Teufelsbundes drängt.

Auch Minas Brief verdient Beachtung – sie hat in Peter den Adeligen gesehen, den sie liebt und auf den sie schweren Herzens verzichten will (33/19 ff).

Zeitstruktur in Kap. V – VIII

Am Morgen des Tages, wo Peter den Heiratsantrag machen will,

kündigt Rascal den Dienst wegen Peters Schattenlosigkeit auf (36/25ff.),

stellt der Förster ihm ein Ultimatum (3 Tage), mit Schatten zu erscheinen (37/27 ff.),

entflieht Peter (39/24-27). -> (unbestimmte Zeitlücke)

Am gleichen Tag (so wegen 44/14 f.)

begegnet Peter in der Heide dem Grauen (39/29 ff.);

er erhält dessen 1. Angebot: Tausch des Schatten gegen die Seele (40/10 ff.);

– Disput über den Wert der Seele (40/35 ff.);

dessen 2. Angebot, durch die Tarnkappe geschützt Mina von Rascal bedroht zu sehen 
(41/10 ff.), lehnt Peter ab;

der Graue zeigt Peter dessen Schatten als den Schatten des Grauen (42/9 ff.);

Bendel trifft ein, verprügelt und verfolgt den Grauen (42/34 ff.).

– Peter ist einsam (43/17 f.); // Ende Kap. V

er steht im Konflikt, ob er Minas wegen auf die Seele verzichten soll (43/21 ff.).

—————

Neuer Tag beginnt (44/9), es vergehen zwei Tage.

—————

Am vierten Tag (so 44/14 f., vgl. das Ultimatum des Försters!)

kommt ein Schatten allein daher (44/21 ff.),

erkämpft Peter sich das unsichtbarmachende Vogelnest (45/18 ff.)

und geht zum Forsthaus (46/7 ff.), von einem Unsichtbaren begleitet;

er erkennt den Grauen (47/1, mit Tarnkappe), der ihm das Vogelnest abnimmt (47);

er erhält dessen 3. Angebot: Schatten plus Mina (inklusive Bestrafung Rascals) plus Kappe gegen die Seele tauschen (47/27 ff.);

Peter sieht Rascal als Bräutigam und die verzweifelte Mina (48 f.) und ist deswegen drauf und dran, den Teufelspakt zu unterschreiben (49/17 ff.; 50/35 f.).

[Großer Kommentar, mit Anrede Chamissos 49/25 ff.] (wirkt wie Zeitdehnung!)

Peter fällt in Ohnmacht, statt zu unterschreiben (50/29-37). // Ende Kap. VI

—————

Am nächsten Tag, als er zu sich kommt, ist Mina verheiratet (51/1 ff.) [oder geschah das am gleichen Morgen?];

vom Grauen beschimpft, geht Peter nach Hause (bis 52/11);

Peter trifft Bendel, der ihm die Ereignisse „zu Hause“ erzählt (52/22 ff.),

er trennt sich von Bendel (53/17 ff.).

Es ist Nacht (53/34), er reitet los, er ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen (53/36 f.). // Ende Kap. VII

Ein Spaziergänger begleitet ihn.
[Kommentar 54/17-25, über die Bedeutung der inneren Stimme]

—————

Am anderen Morgen (55/2) erkennt er den Grauen als seinen Begleiter;
der leiht ihm seinen Schatten (55/20 ff.);

Peter will diesen entführen, was aber scheitert (bis 56/23);

er setzt die Reise mit Schatten und dem Grauen fort;

Peter berichtet, dass er damals erkannt hat, in welchen Konflikt er durch die Abhängigkeit vom verhassten Schattenverleiher gekommen ist (57/2-15).

—————

[unbestimmte Dauer] ->

„Einst“ führt(e) der Graue wieder verführerische Reden (57/16 ff.);

Peter erklärt in der Rückschau, dass so der entscheidende Kampf begann (57/31):

In einem Streitgespräch eröffnet der Graue ihm die Möglichkeit, ihn jederzeit mittels des Geldsäckels zu rufen;

als der Graue ihm auf Peters Frage Thomas John als arme Seele zeigt, ist Peter entsetzt, beschwört den Bösen und wirft den Geldsäckel fort (59/15 ff.). // Ende Kap. VIII

Auswertung: Es wird ein Geschehen erzählt, das sich über sechs Tage und einen weiteren („einst“) erstreckt, von denen aber zwei nur gestreift werden; insgesamt geht es darum, ob Peter den Teufelspakt abschließt, um seinen Schatten wieder zu bekommen, sei es um Minas oder seiner neuen Stellung in der Welt willen. Beim ersten Mal rettet ihn die Ohnmacht, beim zweiten Mal der Anblick des in die Hölle gefahrenen Thomas John. Beide Male findet er so die „richtige“ Lösung in seinem Konflikt.

[Erzähltechnisch sollte man die Steigerung in den Versuchen des Grauen, Peter zu verführen, würdigen; der zweite Konflikt ist notwendig, weil der erste ja nicht von Peter entschieden, sondern er durch ein gütiges Schicksal vor einer falschen Entscheidung bewahrt wurde.]

Zeitstruktur in Kap. IX – XI

– Fortsetzung: Ruhe und Heiterkeit nach der Beschwörung des Grauen (59/32 – 60/9);

– Peter träumt von schattenlosen Menschen (60/10-24)

————— (neuer Tag)

– Peter überlegt, was er tun soll, und geht los (60/25 ff.);

– Begegnung mit einem Bauern, der sich von ihm abwendet (61/8 ff.);

– Peter setzt die Wanderung zum Gebirge fort, über Stunden (61/35 ff.).

—————

ein paar Regentage (62/11-15)

—————

– Peter kauft auf einer Kirmes Stiefel und geht los (62/15 ff.),

– bemerkt, dass er nicht normal vorankommt (62/32),

– geht weiter durch viele Landschaften

– und erkennt, dass er Siebenmeilenstiefel besitzt (63/36 f.). // Kapitel IX zu Ende

– Er beginnt dankbar zu weinen und erkennt seine Lebensaufgabe (64/1 ff.).

[Kommentar 64/10-14]

– Er geht weiter und siedelt sich in der Thebais an (64/15 ff.), geht weiter…

– und versucht mehrfach vergeblich, nach Australien zu kommen (65/13 ff.).

[Kommentar 65/26-29]

–> Vorgriff: Oft hat er später diesen Versuch vergeblich wiederholt (65/30 – 66/6)

– kommt in der Nacht in die Thebais zurück, hat die Morgendämmerung überholt!

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– Peter schafft an, was er als Forscher alles braucht, und beginnt seine neue Lebensweise (66/13-36).

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Sammelbericht vom Forscherleben: unbestimmte Dauer (66/37 – 67/14); Ankündigung eines letzten Abenteuers (67/14 f.) // Kap. X zu Ende

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– Peter begegnet dem Eisbären, Unfall, Erkrankung; er fällt (67/17 – 68/10)

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– [unbestimmte Zeit später] Peter erwacht im Schlemihlium (68/11 ff.), hört einiges;

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– Sammelbericht („einige Zeit“): Genesung; er erfährt auch die Vorgeschichte des Schlemihliums und den Stand Bendels und Minas (68/32 – 69/21);

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– Peter hört die Unterhaltung seiner Freunde, schreibt zum Abschied einen Brief und bricht auf nach Hause (69/21 – 70/32).

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– Er setzt seine Arbeit fort (Sammelbericht: länger als ein Jahr, 70/32-36)

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Peter kommt im Heute des Erzählens an (71/1 ff.),

– blickt auf seine Arbeit als Forscher zurück und kurz voraus (71/7-27)

– und wendet sich mit den Schlussworten an Chamisso als den Bewahrer seiner Geschichte (71/28-35).

Auswertung: Die Geschichte mit dem Grauen ist glücklich überstanden, aber es gibt für Peter noch keine Perspektive (2 Tage) – er will sich mit der Schattenlosigkeit arrangieren. Der entscheidende Tag ist der des Stiefelkaufs; Peter erhält die Möglichkeit und das Verständnis einer neuen Lebensaufgabe und findet in der Wüste der Einsiedler sein Zuhause (S. 62/15 ff.). Vom nächsten Tag, an dem er die Vorbereitungen fürs Forscherleben trifft, geht es zum Sammelbericht von diesem Leben (66/13 – 67/14).

Das Bärenabenteuer mit anschließender Erkrankung bereitet auf wundersame Weise die Rückkehr ins Schlemihlium vor (67/17 – 68/10); die Art und Weise, wie Peter dorthin kommt, bleibt offen. Verschiedene Episoden (68/11-31; 69/21 – 70/5, mit eingeschobenem Sammelbericht) lassen ihn die alten Freunde unerkannt wieder erleben und die gute Wendung ihres Lebens begreifen; der Bericht von der Heimkehr leitet zur unbestimmten Fortsetzung seines Forscherlebens über.

Im Heute gibt Peter seine Einschätzung der eigenen systematisch betriebenen Arbeit preis und auch seinen Auftrag und Rat an Chamisso als den Leser seines Berichts (und damit indirekt an die Leser der Novelle, die ja „später“ von Fouqué herausgegeben wird, der das Stichwort „bewahren“ aufgreift, vgl. 71/29 f. mit S. 4 f. und 6/2 ff.).

2. Interpretation

Die Interpretation dieser Erzählung muss beim Schlusskapitel ansetzen. Der Erzähler sagt seinem Freund Chamisso (vgl. 13/9 ff.; 17/21 ff. usw.), er solle seine wundersame Geschichte aufbewahren, damit sie noch manchen Menschen „zur nützlichen Lehre gereichen könne“ (71/28 ff.). Seinen Freund (Chamisso) stellt er dann vor eine Wahl: Willst du „unter den Menschen leben“ oder willst du „nur Dir und Deinem besseren Selbst leben“ (71/32 ff.)? Für beide Fälle hat er etwas zu sagen: 
Im Fall a) lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld! Diese Lehre ergibt sich aus dem, was er in Kap. I – VIII erzählt hat; denn ohne „Schatten“ nützt das schönste Geld nichts – Gangster wie Rascal schnappen einem selbst eine liebende Frau vor der Nase weg.n
Für den Fall b) gilt: Du brauchst keinen Rat. Diesen Weg hat Schlemihl selber beschritten (Kap. IX ff.).

Das bessere Selbst ist jenes Urbild des eigenen Lebens (64/10), was bei Platon „die Idee“ heißt und das einem erscheinen kann, wenn man wie Peter bereit ist, es  aufzunehmen; es ist das eigene Selbst, zu dem man aus seinem „Schlafen“ erwachen kann oder erweckt werden muss, wie später Mina und Bendel bekennen (69/25 ff. – siehe unten!). Die Heiterkeit der Seele bezeugt, dass man sein besseres Selbst gefunden hat.

Woher weiß man aber, was zu tun ist, wenn man meinem besseren Selbst leben will? Das weiß einmal der Erzähler selber, das sagen dann auch Mina und Bendel im Schlemihlium in einem Gespräch, dem der Erzähler wunderbarerweise unerkannt zuhören darf. Der Erzähler erklärt selber, wie er dem teuflischen Angebot widerstehen konnte, seine Seele für den Schatten herzugeben, was ihm der graue Mann intellektuell brillant nahelegte (54/12 ff.: „das Wort aufzufinden, das aller Rätsel Lösung sei“). Der Erzähler vertraute gegen die intellektuellen Spiele seinem geraden Sinn und folgt wie auch sonst „der Stimme in mir, so viel es in meiner Macht gewesen, auf dem eigenen Wege“, womit er auch einen Rat Chamissos befolgte (54/22 ff.). Das führt dazu, dass er schließlich ohne Geld und Schatten dasitzt, aber heiter ist (59/31 ff.).

Ferner sagt er selber es in einem großen Kommentar, in dem er die Bedeutung seiner Ohnmacht reflektiert (49/25 ff., der Anfang von Kap. VII); in dieser Ohnmacht trat „ein Ereignis an die Stelle einer Tat“ (54/18). Das erklärt er später so: „Es war nicht ein Entschluss, den ich fasste.“ (64/9) Vielmehr „stand plötzlich meine Zukunft vor meiner Seele. Durch frühe Schuld von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen, ward ich zum Ersatz an die Natur, die ich stets geliebt, gewiesen, die Erde mir zu einem reichen Garten gegeben, das Studium zur Richtung und Kraft meines Lebens, zu ihrem Ziel die Wissenschaft.“ Er hat das Urbild seines wahren Lebens gesehen (64/3 ff.). Diese Einsicht ist ihm aus dem zufälligen Kauf der Siebenmeilenstiefel aufgegangen.

Die passivische Wendung („ward [bzw. wurde] gewiesen“) weist auf die frühere Äußerung Schlemihls im Kommentar zurück: Ein Ereignis bringt es mit sich, dass man sich ihm beugen muss („Notwendigkeit“); wenn man diese Notwendigkeit „als eine weise Fügung“ verehren lernt, dann kann man sich mit sich selber versöhnen (50/18 ff.). Dadurch erreicht man jene Heiterkeit, die Schlemihl findet (59/33), wie Mina sie längst gefunden hat (69/28).

Damit kommen wir zur zweiten Stimme, welche dem Freund sagt, was zu tun ist: Durch eine erneute Ohnmacht (!) ist Schlemihl ins Schlemihlium gekommen und darf das Gespräch seiner Lebensgefährten Mina und Bendel anhören. Mina legt dar, dass sie einen Traum (was der Inhalt des Traums war, bleibt ungesagt – Goldbesitz? vielleicht auch die Traumexistenz der noch nicht Erwachten?) „ausgeträumt“ hat „und in mir selber erwacht bin“ (69/26). Sie bescheinigt Bendel die gleiche Heiterkeit, die daraus fließt, „dass Sie jetzt auf so gottselige Weise Ihrem Herrn und Freunde dienen“, nämlich durch seine Arbeit als Anstaltsleiter und Pfleger im Schlemihlium (69/29 ff.). Beide leben sie jetzt ihrem besseren Selbst; sie haben, wie Bendel sagt, „das erste Gaukelspiel“ ihres Lebens abgeschlossen – eine Analogie zur von Mina genannten Traumexistenz (69/31 ff.). Indem er darlegt, dass sie nun „den wirklichen Anfang erwarten“ (69/36), begibt Bendel sich auf die Bahn des christlichen Glaubens.

Es ist richtig, mit der Literaturgeschichte von Wolfgang Beutin u. a. (Metzler, 3. Aufl. 1989) in der Schlemihl-Erzählung die Entfremdungsproblematik zu sehen (S. 195). Durch das Fehlen des Schattens ist man nur den anderen fremd; die wahre Selbstfindung (oder Selbstverwirklichung) müssen jedoch auch jene leisten, welche sowohl Geld wie Schatten haben – bzw. auch im Besitz des Schattens kann man selbst-entfremdet leben, wie Rascal zeigt und wie Mina und Bendel bezeugen.

Damit habe ich die großen Linien einer Interpretation gezeichnet. Man versteht also die Erzählung Chamissos (noch) nicht, wenn man literarturgeschichtlich die Zeugnisse von Doppelgängern und Schattenexistenzen erforscht, das Motiv des Teufelspaktes (den Schlemihl ja gerade nicht schließt!) identifiziert oder die Geldgier als anfänglich treibendes Motiv Peter Schlemihls im historischen Kontext des frühen Kapitalismus untersucht. Ein methodischer Fehler wäre es, wenn man „das bessere Selbst“ oder „das höhere Selbst“ (Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches I 629) nur aus seinem eigenen Verständnis oder gar aus dem heutigen Sprachgebrauch aberwitziger Esoteriker oder Reiki-Anhänger erklärte, die auf einem ganz anderen Weg als Peter Schlemihl und Mina zu ihrem höheren Selbst finden.

Für die Metaphorik von „schlafen/erwachen“ verweise ich auf meinen Aufsatz unter http://norberto42-2.blog.de/2005/07/ bzw. http://also.kulando.de/post/2007/01/05/schlafen_-_erwachen_-_aufstehen_ein_metaphernfeld; dass man zuletzt auf sich selbst verwiesen bleibt (oder sein sollte), sagt Theodor Storm im Gedicht „Für meine Söhne“ (http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/soehne.htm) in der letzten Strophe:

„Wenn der Pöbel aller Sorte

Tanzet um die goldnen Kälber,

Halte fest: du hast vom Leben

Doch am Ende nur dich selber.“

Zum ursprünglich religiösen Motiv „seine Seele verkaufen“ (vgl. Mt 6,19 ff.) siehe http://www.amertin.de/aufsatz/2002/simpsons.htm; Goethes „Zauberlehrling“ erhält vom holden Knaben eine ganz andere Lehre als Chamisso von Schlemihl (man könnte diese aber durchaus zur Deutung des Schattens heranziehen!). Eine moderne Anwendung (Auslegung) des Bildes vom grauen Mann findet sich in dem Aufsatz http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2002/0831/magazin/0001/index.html. Eine eher nette Glosse steht in der FAZ.

Schlemihls Bekenntnise

Chamissos Novelle wird durchweg in die beiden formalen Kategorien „Märchen“ und „Novelle“ oder eine Kombination beider eingeordnet. Mit dem Stichwort „Bekenntnisse“ möchte ich auf einen Aspekt des Inhalts hinweisen, den ich bisher nicht in der Literatur gefunden habe: dass Chamissos Novelle zu den Büchern gehört, in denen jemand eine Lebensbeichte ablegt. Der Bischof Augustinus hat um 400 als erster „Confessiones“ abgelegt, also in einem Gespräch mit Gott sein Leben erzählt und Gott für die Erlösung vom Irrweg gedankt; 1782 hat Rousseau seine „Bekenntnisse“ herausgegeben. Am 26. September 1813 hat Schlemihl sein Beichte bei Chamisso abgegeben – das ist natürlich Fiktion, wie ja der ganze Brief Chamissos an Hitzig die fiktive Freundschaft mit Peter Schlemihl darstellt.

Chamisso selber charakterisiert die bei ihm abgegebenen „Blätter“ (5/19) als „Beichte, die ein ehrlicher Mann im Vertrauen auf meine Freundschaft und Redlichkeit an meiner Brust ablegt“ (5/6 f.). Schlemihl betont diesen Zug des Beichtens, als er seine Erzählung vom seinem Goldrausch unterbricht (17/21) und bekennt, diesen Goldrausch vor Chamisso „zu gestehen“ mache ihn beim Erzählen noch erröten (17/21 ff.). Den zweiten, noch bedeutenderen Hinweis auf den Aspekt des Beichtens gibt Schlemihl in seinem wichtigsten Kommentar (49/25 ff.), den er so beginnt: „Ich werde mich Deinem Urteil bloß stellen, lieber Chamisso, und es nicht zu bestechen suchen.“ Mit diesem Kommentar begleitet Schlemihl die Erzählung davon, wie er drauf und dran war, den Teufelspakt zu unterzeichnen (49/22 f. und 50/39 f.), und wie ihn eine Ohnmacht davor bewahrte. Davor hat er seinen Konflikt (vgl. auch 44/4 f.!) erklärt: Aus Liebe hat er Mina an sich gebunden und müsste sie nun vor ihrem Verderben (Heirat mit Rascal) retten – anderseits hat er gegen den Grauen und eine Gemeinschaft mit ihm einen unüberwindlichen Hass (50/3 ff.). Die Ohnmacht erspart ihm die Entscheidung in diesem Konflikt (50/16 ff.) – die eigene Entscheidung holt er später im Entsetzen über die Höllenfahrt Thomas Johns nach (59/24 ff.).

In den Zusammenhang der Beichte passt auch die Redeweise vom geraden Weg (49/32 f.; vgl. 50/14) und vom eigenen Weg (54/25), den Schlemihl mit geradem Sinn (54/23) wählt, während er „diesen rätselhaften Schleicher auf krummen Wegen“ (50/13 f.) hasst.

Erst recht passt das Bekenntnis, das er zur Erläuterung seiner Erleuchtung und der neuen Lebenssicht ablegt (64/2 f.) zur Beichte: „Durch frühe Schuld von der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen, ward ich zum Ersatz … an die Natur gewiesen“ (64/4 ff.). Wenn man die „Schuld“ Chamissos untersucht, relativiert sie sich dahin, dass er angesichts der Möglichkeit, Fortunati Glückssäckel zu bekommen, von Sinnen war und von einem „Schwindel“ befallen wurde (15/17 ff., 16/4-6), nur dass er dort (anders als beim Anblick der Seele Thomas Johns, 59/24) dem gespürten Entsetzen nicht nachgab; ähnlich erging es ihm im oben genannten Konflikt (44/4 f.), doch enthebt ihn die Ohnmacht in diesem Konflikt einer Entscheidung. Dass er in einem Konflikt gestanden hat, wird beim zweiten Mal deutlich gesagt (57/28 und 57/30).

Auch in seinem Brief an die alten Freunde bekennt Schlemihl, dass er seine Behinderungen als „Buße der Versöhnung“ (70/12) versteht. Er hat sich selbst gerichtet (49/26 f.) und hat sich später mit seinem Schicksal versöhnt, als er die schicksalhaften Notwendigkeiten der Schattenlosigkeit als weise Fügung zu verstehen gelernt hat (50/18 ff.). So wird auch klar, wieso sein Bekenntnis anderen Menschen zu Belehrung gereichen könnte und wieso Chamisso keinen Rat braucht (71/28 ff.)

(Alle Sperrungen in den Zitaten stammen von mir.)

Eine Bemerkung von Lars aufgreifend möchte ich anmerken, dass auch mir eine gewisse Nähe der Erzählung zu „Faust I“ aufgefallen ist; das ist nicht nur durch die zeitliche Nähe (1806 – 1813), sondern auch durch das Motiv des Teufelspaktes bedingt. Dieser wird im „Faust“ schon nur als „Wette“ abgeschlossen, im „Schlemihl“ kommt sogar nur die Pakt-Vorform des Schattenverkaufs zum Tragen.

Auch spricht der Graue wie Mephisto manchmal Wahrheiten aus, die vom jeweiligen Partner nicht ganz verstanden werden, z.B. dass Peter seinen Schatten „von sich“ wirft (14/19 – statt nur: einen Schatten werfen) oder dass dies ein unschätzbarer Schatten ist (14/33 f.), was Peter erst später zu ahnen beginnt (17/4 ff.).

Faust unterscheidet sich aber wahrlich nicht nur in Liebesangelegenheiten von Peter; das Grauen Gretchens vor dem Teufel (V. 3471 ff.) hat nun Peter selber, da er wie Gretchen, aber anders als Faust letztlich eine reine Seele hat. Die Worte des Herrn im „Prolog im Himmel“ können deshalb sinngemäß in der Reflexion Peters auftauchen (Kommentar S. 49 f.). – Benno von Wiese betont, dass Peter dem Alltäglichen nahtrauere, vielleicht etwas zu stark;  aber vom Geniekult des 18. Jahrhunderts ist wahrlich nicht viel zu spüren – Peter ungewöhnliche Leistungsfähigkeit kommt nicht aus ihm selbst, sondern aus einem Zufallsfund!

Als reizvoll empfinde ich auch einen Vergleich mit Goethes Gedicht „Der Zauberlehrling“ (1798); da sucht der Erzähler einen Teufelspakt abzuschließen, aber er wird von einer Lichtgestalt belehrt. Zu prüfen wäre, was der „Mut des reinen Lebens“ ist – der Erzähler wird jedenfalls in die Normalität des harten Arbeitens und des seltenen, aber regelmäßigen Feierns gewiesen: Seine falsche Weltsicht wird korrigiert, das ist alles.

3. Aufbau

In Kap. I wird die Ausgangssituation des späteren Geschehens erzählt:
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Peter fragt sich deshalb: „was konnte, was sollte auf Erden aus mir werden?“ (17/10)
Der erste Teil des Geschehens besteht daraus, dass Peter bzw. der graue Mann versuchen, den Verlust des Schattens rückgängig zu machen: Peter versucht, ________________________________________________________________________________
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Als Peter seinem Diener Bendel bekennt, dass er keinen Schatten hat (23/34), tritt eine erste Besserung seines Zustandes ein.
Der graue Mann unternimmt drei Versuche, Peter den Schatten wieder zu verkaufen:
1. _____________________________________________________________________________
2. _____________________________________________________________________________
3. _____________________________________________________________________________
Einmal rettet eine Ohnmacht Peter vor der Versuchung, auf das Angebot des grauen Mannes einzugehen (50/35 f.). – Diese Ohnmacht wird erzählerisch von einem großen Kommentar begleitet (49/25 ff.). Wie lautet der Kernsatz des Kommentars? ________________________________________________________________________________
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Am Ende des ersten Teils ist Peter verzweifelt; „denn ich hatte weiter auf Erden kein Ziel, keinen Wunsch, keine Hoffnung“ (53/36 f.); der erste Teil endet mit Kap. VIII.
Mit Kap. IX erlebt und setzt der Erzähler einen Neuanfang (2. Teil) seines Lebens:
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Dieser zweite Teil ist dadurch bestimmt, dass dem Erzähler seine Zukunft klar „vor meiner Seele“ (64/3 f.) steht:

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Siehst du, wie sich hier der Kernsatz des Kommentars (S. 49 f.) bewahrheitet?
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Kap. XI bildet den versöhnlichen Abschluss des Geschehens, der wiederum durch eine Ohnmacht eingeleitet wird (68/10):

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Der letzte Absatz gibt einige Aufschlüsse über den Erzähler und seine Erzählung (71/28 ff.). Wir müssen jetzt noch klären, was mit „Schatten“ gemeint ist!

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/chamisso.htm (Inhalt, Literatur)
http://www2.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/17/102.html (Komm. Weiß, Kap. 1-8)
http://www.lesekost.de/Klassik/HHLKL6.htm (Bemerkungen Huber)
http://www.re.shuttle.de/re/mcg/deutsch/schlemih.htm (naiver Kommentar)
http://clan.ch/wyss/chamisso.htm (beinahe völlig gleich!)
http://www.ph-heidelberg.de/wp/rank/fantastik/THEORIEN/patzelt/pat_04.htm (Phantastik in der Literatur)

Nachtrag (10/2010):

http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/unterrichtseinheiten/texte/schlehmil.pdf (Bedeutung des Schattens)

http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelgänger (Lit. Motiv: Doppelgänger)

http://limotee.ch/teufelsbundner/ (Lit. Motiv: Teufelspakt, Teufelsbündner)

http://www.e-teaching-austria.at/02_cont/03content/03_deutsch/laptop7a/referat/schlemihl.ppt (11 Folien)

http://www.co-lab.ch/fab/downloads/vortrag_manfred2.pdf (Interpretation im Rahmen einer Zeittheorie: Antike / Moderne / Postmoderne)

http://www.dokumente-online.com/thomas-manns-essay-chamisso-seminararbeit-deutsch-heinrich-heine-universitaet-duesseldorf-2009.html (zu Thomas Manns Essay „Chamisso“)

http://www.pitt.edu/~dash/schlemihl.html (Text) und noch einige Schülerarbeiten (i.W. Nacherzählungen)

Inzwischen gibt es eine neue Ausgabe in der Suhrkamp BasisBibliothek.

Entdeckung 2010: In Andersens Märchen „Der Schatten“ wird die Geschichte umgedichtet (mit Anspielung auf Chamissos Erzählung) und weitergesponnen: Ein Gelehrter verliert seinen Schatten, der sich dann selbständig macht und zu einem Menschen wird; der, selber schattenlos, will seinen Herrn als Schatten gewinnen. Er überredet ihn zu einer Reise und macht sich dessen Gelehrsamkeit zunutze; als er Gelegenheit hat, eine Königstochter zu heiraten, weigert sich der Herr, der bereits „Sie“ zum Schatten sagen muss, den Betrug mitzumachen. Der Schatten lässt ihn verhaften und umbringen, heiratet selber jedoch die Königstochter. – Diese Erzählung ist anfangs mit dem Motiv verbunden, dass der Gelehrte von der Poesie verzaubert wird, die doch niemand zu Gesicht bekommt und in deren Räume er seinen Schatten schickt; der Schatten seinerseits ist so stark geworden, weil er sich in der Nähe der Poesie selbst begriffen hat und so Mensch geworden ist, der dann sieht, was niemand sehen soll: „Übles bei den Nachbarn“; mit dieser Kenntnis hat er die anderen unter Druck gesetzt, ihn reich zu machen. Dieses Poesie-Motiv verschwindet später völlig hinter der Schattengeschichte, ein Schwäche dieser Erzählung.