Huckleberry Finns Abenteuer – ein Abenteuerroman?

Diesen Aufsatz habe ich in didaktischer Absicht im Herbst 2015 verfasst:

Um dem Missverständnis, „Huckleberry Finns Abenteuer“ sei ein Kinderbuch, vorzubeugen, möchte ich zu Beginn kurz die Perspektive des Ich-Erzählers untersuchen und zeigen, was deren Verwendung leistet.[i] Huckleberry, der Ich-Erzähler, führt sich ausdrücklich als bloß literarische Figur ein: „Ihr wißt noch nichts von mir, wenn ihr nicht ein Buch gelesen habt“, welches allerdings „ein wahres Buch ist, mit ein paar Flunkereien“[ii] – ein Spiel mit der Fiktionalität. Ohne eine theoretische Diskussion anzetteln zu wollen, nenne ich in Anlehnung an Claudio Mende[iii] einige Stichwörter zur ersten Orientierung:

Erzählperspektive

  • Sie resultiert aus dem Standort (Blickwinkel, Blickdistanz, Außen-/Innensicht), von dem aus Handlungen und Geschehen beobachtet werden, und der Haltung (Einstellung) des Erzählers.
  • Die Wahrnehmung der fiktiven Wirklichkeit wird bestimmt vom Blickwinkel (point of view) des Erzählers.
  • Die Haltung des Erzählers kann von Zustimmung, Objektivität, Skepsis bis hin zur Distanziertheit reichen.

Ich-Erzählsituation

  • Anschauung und Blickwinkel nur einer Person (=> Unmittelbarkeit/ Authentizität);
  • Erzähler steht als Figur unter Figuren der Handlung;
  • berichtende Erzählweise;
  • erzählendes Ich in zeitlicher Distanz zu erlebenden Ich;
  • Ich-Erzähler kann zu seinem vergangenen Verhalten Stellung nehmen und es kommentieren.

Wenn man den Bericht des Ich-Erzählers Huckleberry Finn betrachtet, fällt gleich zu Beginn (1. Kapitel) seine Distanz zur bürgerlichen Welt auf:

  • Die Witwe Douglas will ihn „siwilisieren“ (alle Belege aus dem 1. Kapitel), aber ein solches Leben ist für Huck „scheußlich regelmäßig und anständig“. Als er wieder in seine Lumpen und seine Zuckertonne steigt, ist er „frei und zufrieden“.
  • Im Bericht vom geregelten Leben beklagt er, dass er pünktlich zum Abendbrot kommen musste.
  • Er hat kein Verständnis für das Tischgebet: Die Witwe beugt ihren Kopf und hat „n’bißchen über das Essen gebrummelt“.
  • Eintopf, in dem alles verschwimmt, ist ihm lieber als bürgerliches Essen.
  • Er versteht die biblische Unterweisung nicht („Moses und die Bimsen“) und hat kein Interesse an Moses, weil der „schon ’ne beträchtliche Weile tot ist“ und Huck sich für Tote nun mal nicht interessiert.
  • Dass er nicht rauchen darf, kritisiert er einmal im Vergleich zu Moses (Rauchen ist für etwas gut, Moses nicht), dann mit Bezug auf die Witwe (Sie hat vom Rauchen keine Ahnung, schnupft jedoch, „aber das war natürlich richtig, weil sie’s machte“).

Huck lebt ganz in der Gegenwart, frei von Konventionen und Sorgen, ohne Pläne für die Zukunft. In Hucks Sicht – in Darstellung, Wortwahl und Kommentaren – erscheint das bürgerliche Leben verfremdet, es verliert den Status des Selbstverständlichen; das kann auf den bürgerlichen Leser humoristisch wirken (und dann als Kinderbuch verniedlicht werden), kann aber auch zu scharfer Satire werden: z.B. in der Darstellung der Grangerfords im 17. und 18. Kapitel, etwa bei der todessüchtigen Dichtung der Tochter und der sinnlosen Fehde zwischen den „frommen“ Familien.

Welche Abenteuer erlebt nun dieser kleine Außenseiter Huckleberry Finn? Ich untersuche exemplarisch einige Beispiele, wobei der Kampf mit dem Gewissen das größte Abenteuer Hucks ist.

Vorspiel: Gründung einer Räuberbande (Kap. 2)

Bei der Gründung der Räuberbande durch Tom Sawyer gibt es eine Reihe von Schwierigkeiten, welche das erzählte Geschehen ironisch brechen:

* Huck Finn kann mit Mühe Miss Watson als Familienmitglied zum Töten anbieten;

* die Jungen wollen ehrliche Wegelagerer statt einfache Diebe sein und sich nur mit Raub und Totschlag abgeben;

* sie halten am „Auslösen“ von Gefangenen fest, obwohl sie nicht wissen, was das ist – doch der Bezug auf die Bücher muss gewahrt bleiben;

* gegen den Einspruch Ben Rogers’ wird an nächtlichen Wachen festgehalten, „wie’s der Regel entspricht“ (S. 19);

* Tommy Barnes wird mit 5 Cent bestochen, trotz seiner Angst bei der Bande zu bleiben;

* Ben Rogers drängt darauf, sonntags nicht zu rauben und zu morden – „es sonntags zu machen wäre ’ne Sünde“ (S. 19).

Folgerichtig berichtet Huck im nächsten Kapitel: „Ungefähr ’nen Monat lang spielten wir ab und zu Räuber, und dann trat ich aus.“ (S. 22) Wir finden Tom Sawyer als denjenigen vor, der Abenteuerbücher kennt und darauf aus ist, selber solche Abenteuer im Spiel zu erleben; indirekt werden damit die in Kap. 35-40/41 erzählten Ereignisse vorbereitet (der etwas gekünstelte Ausstieg aus der großen Fahrt auf dem Mississippi, dem Handlungsgerüst des Romans).

Die ersten Kapitel des Romans (1-4) kann man als Einleitung betrachten; erst als Hucks Vater auftaucht (letzter Satz im 4. Kapitel), wird es spannend. Toms Abenteuervorstellungen (Kap. 2) unterscheiden sich von den Abenteuern, die Huckleberry Finn tatsächlich erlebt; das soll im Folgenden an drei Beispielen gezeigt werden.

Der Ausbruch (Kap. 6, 7)

Nach dem gescheiterten Versuch des Richters, den alten Finn vom Alkohol abzubringen und in die gute Gesellschaft aufzunehmen (Kap. 5), wird Huck von seinem Vater aus der „zivilisierten“ Welt entführt; das wilde Leben des Säufers Finn ist die Gegenwelt, aus der Huck stammt und in die er wieder eintaucht. Als es für ihn dort lebensgefährlich wird, muss er sich retten und aus der Welt des verkommenen Vaters ausbrechen.

  • Huck bekommt bald Prügel und wird eingesperrt;
  • mit einer Säge bereitet er den Ausbruch vor;
  • aufgrund einer Drohung des Vaters schmiedet er einen Fluchtplan;
  • im Delirium tobt der Vater und verfolgt Huck als seinen „Todesengel“ mit einem Messer;
  • am nächsten Morgen fängt Huck ein treibendes Kanu ein und bekommt eine Idee, wie er sich künftig vor Verfolgung schützen kann;
  • als er eingesperrt wird, sägt er das Loch in den Bohlen fertig und ist frei;
  • er packt Vorräte und Geräte ins Kanu;
  • er legt falsche Spuren; dabei gibt es einen (ironischen) Bezug auf Tom Sawyer („Ich wünschte, Tom Sawyer wäre da; ich wußte, der würde sich für so was interessieren und noch ’n paar Feinheiten dazutun…“, S. 46 – Kap. 7)
  • am Abend plant er, zur Jackson-Insel zu fahren;
  • er schläft ein, der Vater kommt zurück (Gefahr!);
  • er fährt ab, kommt auf der Jackson-Insel an und legt sich schlafen.

Ergebnis: In der Welt des heruntergekommenen Säufers drohen dem Sohn reale Gefahren; wie er sich daraus auf die Jackson-Insel rettet, ist das erste große Abenteuer Huckleberry Finns.

Mit der Insel betritt er ein Zwischenreich zwischen der zivilisierten Welt und der Welt des Flusses, wo er den entlaufenen Sklaven Jim trifft; als er von Frau Loftus erfährt, dass einige Männer hinter Jim her sind (Kap. 11), bricht er mit Jim in der Nacht mit einem Floß zur großen Fahrt auf dem Mississippi auf – ein Thema und zugleich das Handlungsgerüst des Romans.

Abenteuer auf dem Wrack (Kap. 12,13)

Huck berichtet, wie sie sich nachts auf ihrem Floß auf dem Mississippi treiben lassen (Kap. 12); während eines Gewitters stoßen sie in der fünften Nacht auf ein Wrack.

  • Mit dem Bezug auf Tom Sawyer rechtfertigt Huck seine Entscheidung, das Wrack zu untersuchen („Glaubst du vielleicht, Tom Sawyer würde so ’ne Gelegenheit vorbeigehen lassen? Pustekuchen! Der nicht. Er würd’s ein Abenteuer nennen…“, S. 86 und noch einmal S. 87).
  • Sie treffen unverhofft auf Gauner (Bill und Jake gegen Jim Turner);
  • Huck hört ein Gespräch zwischen Bill und Jake in unmittelbarer Nähe (Koje);
  • das Floß ist abgetrieben, doch Huck und Jim finden ein Boot;
  • die Gauner setzen sich ins Boot (Gefahr!), aber gehen aufs Wrack zurück;
  • Jim und Huck fahren mit dem Boot ab;
  • Huck schmiedet einen Plan, wie er die Mörder Bill und Jake bestrafen lassen kann;
  • sie finden ihr Floß wieder.

Es folgt ein Nachtrag, wie Huck an Land geht und eine Lügengeschichte erzählt, um die Wrackbesatzung zu retten, was jedoch scheitert – nett ist dabei die satirische Bemerkung über Schufte und Taugenichtse („die Art Leute, für die sich die Witwe und die guten Menschen am meisten interessieren“, S. 95); Huck kehrt zu Jim zurück.

Ergebnis: Das Erlebnis auf dem Wrack ist eines der typischen Abenteuer, die man auf dem Fluss erleben kann; Jims Gefährdung durch die Sklavenjäger (Kap. 16) ist kein typisches Flussabenteuer, bereitet jedoch die erste Auseinandersetzung mit dem „Gewissen“ vor (Kap. 16, vgl. Kap. 31).

Was Huck an Land bei den Grangerfords sowie mit Herzog und König erlebt, fällt eher unter satirische Gesellschaftskritik als unter „Abenteuer“.

Der Kampf mit dem Gewissen[iv] (Kap. 31)

Als Huck mit Jim sich von König und Herzog absetzen will, merkt er, dass Jim fort ist; der „König“ hat ihn verraten (mit Hilfe der Suchmeldung, die zum Schutz Jims gedruckt worden war, Kap. 20) und sich ordentlich besoffen. Huck denkt nach:

  • Er will Jim an Miss Watson verraten, damit dieser wenigstens zu Hause Sklave sein kann;
  • er verwirft diesen Plan, weil er dann als „Niggerhelfer“ gelten könnte;
  • er verallgemeinert seine Bedenken: „So ist das nun – man tut was Niedriges, und dann will man die Folgen nicht tragen.“ (S. 254)
  • Er bekommt Gewissensbisse wegen seines Vorhabens;
  • ihn trifft die Erleuchtung, vom Himmel aus beobachtet und geschlagen zu werden;
  • das Beten klappt nicht, weil er nach eigener Einsicht an seiner „Sünde“ festhält;
  • er schreibt dann den Brief an Miss Watson und hat das Gefühl, rein zu sein;
  • er denkt nach, erinnert sich an Jim und die Fahrt auf dem Fluss, an Jims Menschlichkeit und Herzlichkeit,
  • entscheidet sich deshalb für seinen Freund Jim und damit für die „Hölle“, er zerreißt den Brief;
  • er wählt endgültig das (nach den Normen St. Petersburgs) schlechte Leben und die Befreiung Jims;
  • er schmiedet einen Plan … und scheitert, als er den König trifft.

Ergebnis: Der Kampf mit den Normen der Südstaaten, in denen man ihn „zivilisiert“ hat, und seinem davon geprägten „Gewissen“ ist das größte Abenteuer – Huck findet zu sich selbst, indem er sich gegen die konventionellen Normen der Sklavenhaltergesellschaft entscheidet. Am Ende von Kap. 33 folgt noch eine Reflexion auf das Gewissen: „Wenn ich ’nen Köter hätte, der nicht mehr Verstand hätte als ’n Gewissen, dann würd ich ihn vergiften.“ (S. 277)

Befreiung Jims

Die Abenteuer, die sich um die Befreiung Jims ranken (Kap. 35 ff.), stellen eher eine Parodie auf die von Tom Sawyer mehr oder weniger verstandene Abenteuerliteratur, speziell die erfolgreichen Romane Walter Scotts, dar – es sind ohne Rücksicht auf andere erfundene Spiele, die zu nichts führen: „Na, das Abenteuer wollt’ ich erleben – und bis zum Hals wär ich im Blut gewatet, um … Heiliger Bimbam – Tante Polly!“ (Kap. 42, S. 343).

Was kann man außerdem im Unterricht behandeln?

Ich nenne nur einige Stichworte:

  • die Charaktere;
  • die satirischen Züge (bürgerliches Leben; Unterhaltungsbedürfnis);
  • Rassismus;
  • Probleme des Übersetzens (ausgewählte Stellen);
  • Vergleich der Verfilmungen mit dem Romantext (ausgewählte Stellen).

Wenn man Hilfen im Internet sucht, ist es sinnvoll, neben dem deutschen Titel auch nach „The Adventures of Huckleberry Finn“ zu suchen.

  • Diesen Aufsatz habe ich zu einem Zeitschriftenartikel verarbeitet: Huckleberry Finns Abenteuer auf dem Weg zu sich selbst, in: Deutschunterricht, 69. Jg., Oktober 5-2016, S. 36 ff.

Zum Schluss, zur Erleichterung Ihrer Arbeit, einige Links:

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (1890: Henny Koch, dt. Übersetzung)

https://www.youtube.com/watch?v=iGIWs3sf7cg (Vorlesung, engl.)

http://www.cliffsnotes.com/literature/a/the-adventures-of-huckleberry-finn/the-adventures-of-huckleberry-finn-at-a-glance (große Analyse)

https://www.sparknotes.com/lit/huckfinn/canalysis.html (dito)

http://www.megaessays.com/essays/Satire.html (die Satire)

https://sites.google.com/site/huckfinnsatiresite/satire-in-huckleberry-finn/analysis (Analyse: Satire)

http://twain.lib.virginia.edu/wilson/slavery/mtslavhp.html (Sklaverei bei Mark Twain)

http://twain.lib.virginia.edu/huckfinn/huchompg.html (Material)

https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/ (Skizzen meines Unterrichts vor vielen Jahren)

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer)

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten – Links)

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung zur kritischen Lektüre, für Studenten)

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler)

Filme:

https://www.youtube.com/watch?v=kB2CAlYEmEA (Spielfilm Teil 13)

https://www.youtube.com/watch?v=bbiHg6pFNRc (Spielfilm Teil 14)

https://www.youtube.com/watch?v=z3J-wXBd1h8 (Spielfilm Teil 15)

https://www.youtube.com/watch?v=92m4Lt0XYuI (Spielfilm Teil 16)

https://www.youtube.com/watch?v=ohu2zZhzfaQ (Spielfilm, Teil 17)

https://www.youtube.com/watch?v=ztP_A9X3F7s (Spielfilm Teil 18)

https://www.youtube.com/watch?v=esm81DkVNdE (Spielfilm Teil 19)

https://www.youtube.com/watch?v=diqbX_xTkiw (Spielfilm Teil 20)

https://www.youtube.com/watch?v=Dw9wOYclp90 (Film 1955, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=SqqwGWYE38c (Teil 4 – Huck Finn, ab ca. 22 min)

https://www.youtube.com/watch?v=3h8x8cV-A08 (Disney: Tom und Huck, ab ca. 32:40 – problematisch, stark verkürzt)

[i] Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/twain-huckleberry-finns-abenteuer-kein-kinderbuch/

[ii] Ausgabe: Diogenes Taschenbuch 21370, 1985, S. 9 – Übersetzung von Lore Krüger

[iii] http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html; vgl.

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechnikjen)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

https://www.uni-due.de/einladung/index.php?option=com_content&view=article&id=548%3A5-gattungen-und-textstrukturen-1-epik&catid=40%3Akapitel-5&Itemid=53 (v.a. 3. Wer erzählt?)

[iv] Rudolf Ginters hat diese Geschichte zu einer theologischen Reflexion der Bedeutung des Gewissens genutzt: Werte und Normen. Einführung in die philosophische und theologische Ethik. Göttingen/Düsseldorf 1982, S. 272 ff.

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Twain: Huckleberry Finns Abenteuer – Links

Bei den Vorarbeiten zu einem Aufsatz über „Huckleberry Finns Abenteuer“ (The Adventures of Huckleberry Finn) habe ich gesammelt, was im Netz derzeit zum Thema zu finden ist. Hier das Ergebnis – möglicherweise eine Hilfe für Leute, die am Thema interessiert sind:

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://genius.com/albums/Mark-twain/Adventures-of-huckleberry-finn (dito)

http://www.online-literature.com/twain/huckleberry_finn/ (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_des_Huckleberry_Finn

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Adventures_of_Huckleberry_Finn

http://www.britannica.com/topic/Huckleberry-Finn-novel-by-Twain

https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Sawyers_und_Huckleberry_Finns_Abenteuer (Film, 1968)

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_des_Huck_Finn (Film, 2012)

http://twain.lib.virginia.edu/huckfinn/huchompg.html (Material) x , von http://twain.lib.virginia.edu/index2.html)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (dt. Übersetzung Henny Koch, 1885, Goldmann 1962) = https://damnick.de/media/huckleberry-finn/Twain-Huckleberry_Finns_Abenteuer_und_Fahrten-Damnick_Verlag.pdf

http://www.zeno.org/Literatur/M/Twain,+Mark/Roman/Abenteuer+und+Fahrten+des+Huckleberry+Finn (deutsch, Stuttgart 1892)

deutsche Ausgaben: dtv 2006, 416 Seiten, ü. von Lore Krüger 10,00 (dazu: Aufbau Tb, übersetzt von Lore Krüger 9,99 – 60er Jahre, sehr gut)

Tom Sawyer & Huckleberry Finn. Neu übersetzt und hrsg. von Andreas Nohl dtv 14166 (2012), 14,90 – mit Anhang

Reclam: übersetzt von Ekkehard Schöller, 8,90

Insel Tb 3528, 2009, neu ü. von Friedhelm Rathjen (1997, mit Anm., sehr gut) 11,90

Übers. von Wolf Harranth, sehr gut (Cecilie Dressler Verlag)

http://www.dieterwunderlich.de/Mark_Twain_Huckleberry_Finn.htm (Inhalt)

http://mcgoodwin.net/pages/otherbooks/mt_huckfinn.html (Inhalt, kurz)

http://etc.usf.edu/lit2go/21/the-adventures-of-huckleberry-finn/ (Inhalt, kürzest)

 

https://www.youtube.com/watch?v=1BHy4KDQQpM (Hörspiel für Kinder)

https://www.youtube.com/watch?v=XPkmCFvTtXk (2.)

https://www.youtube.com/watch?v=7ztFw1NKwsg (3.)

https://www.youtube.com/watch?v=gqUsOFeW62w (4.)

https://www.youtube.com/watch?v=664MVoL8xjE (5.)

https://www.youtube.com/watch?v=R_ZxKoCWTHk (6.)

https://www.youtube.com/watch?v=kB2CAlYEmEA (Spielfilm Teil 13)

https://www.youtube.com/watch?v=bbiHg6pFNRc (Spielfilm Teil 14)

https://www.youtube.com/watch?v=z3J-wXBd1h8 (Spielfilm Teil 15)

https://www.youtube.com/watch?v=92m4Lt0XYuI (Spielfilm Teil 16)

https://www.youtube.com/watch?v=ohu2zZhzfaQ (Spielfilm, Teil 17)

https://www.youtube.com/watch?v=ztP_A9X3F7s (Spielfilm Teil 18)

https://www.youtube.com/watch?v=esm81DkVNdE (Spielfilm Teil 19)

https://www.youtube.com/watch?v=diqbX_xTkiw (Spielfilm Teil 20)

https://www.youtube.com/watch?v=Dw9wOYclp90 (Film 1955, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=8sBQg4fZ-ho (Film, 9:13)

https://www.youtube.com/watch?v=pXB4uzhEmNw (Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer, Teil 1)

https://www.youtube.com/watch?v=8RAn7yAJ0Vw (Teil 2)

https://www.youtube.com/watch?v=8QcElED1ro4 (Teil 3)

https://www.youtube.com/watch?v=SqqwGWYE38c (Teil 4 – Huck Finn, ab ca. 22 min)

https://www.youtube.com/watch?v=VLW-0h4ESCo (Zeichentrick, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=3h8x8cV-A08 (Disney: Tom und Huck, ab ca. 32:40 – problematisch, stark verkürzt)

https://www.youtube.com/watch?v=qaVEVnCcMng (Tom Sawyer und Huck Finn – Hörbuch komplett)

http://www.majestic.de/presse/huckfinn/huck_finn_presseheft_2012-11-30.pdf (Presseheft Film 2012)

https://www.perlentaucher.de/buch/mark-twain/huckleberry-finns-abenteuer.html Verriss eines Hörbuchs

https://www.youtube.com/watch?v=iGIWs3sf7cg (Vorlesung, engl.) x

https://www.youtube.com/watch?v=iknyDWSg-HI (Twain: biograf. Dokumentation) -> unter dem Titel noch einmal systematisch suchen

http://www.cliffsnotes.com/literature/a/the-adventures-of-huckleberry-finn/the-adventures-of-huckleberry-finn-at-a-glance (große Analyse) x

https://www.sparknotes.com/lit/huckfinn/canalysis.html (dito) x

http://www.gradesaver.com/the-adventures-of-huckleberry-finn/ (Anal.)

http://shs-english.wikispaces.com/file/view/The_Adventures_of_Huckleberry_Finn_eNotes-1.pdf (Summaries and Analysis)

http://www.megaessays.com/viewpaper/19018.html (Analysen), darunter:

http://www.megaessays.com/essays/Satire.html (die Satire) x

http://twain.lib.virginia.edu/wilson/slavery/mtslavhp.html (Sklaverei bei Mark Twain) x

http://www.exampleessays.com/papers/Huckleberry_Finn/The_Adventures_Of_Tom_Sawyer.html (Analysen)

http://www.directessays.com/essays/Adventures_Of_Huckleberry_Finn.html (Analysen)

http://novelinks.org/uploads/Novels/TheAdventuresOfHuckleberryFinn/Concept%20Analysis.pdf (Analyse)

https://www.academia.edu/7423186/Analysis-The_Adventures_of_Huckleberry_Finn (Analyse)

http://www.litcharts.com/lit/the-adventures-of-huckleberry-finn/themes (Analyse)

http://www.globethesis.com/?t=2195360302977227 (Zusammenfassung großer Anal.)

http://www.novelguide.com/the-adventures-of-huckleberry-finn/theme-analysis (Inhalt, kurze Anal.)

http://study.com/academy/lesson/the-adventures-of-huckleberry-finn-themes-and-analysis.html (kurze Analyse)

https://philipzamora.files.wordpress.com/2013/01/1231791-slavery-huckleberry-finn-ma.pdf (dito)

http://www.pbs.org/wgbh/cultureshock/teachers/huck/essay.html (dito)

http://www.123helpme.com/escape-from-civilization-an-analysis-of-mark-twains-the-adventures-of-huckleberry-finn-view.asp?id=168602 (dito)

http://classiclit.about.com/od/adventuresofhuckleberry/a/huckfinn_writer.htm (kurze Analysen)

http://www.studymode.com/essays/The-Adventures-Of-Huckleberry-Finn-585079.html (rhetorische Analyse)

http://wn.com/huckleberry_finn_|_context_analysis_|_60second_recap%C2%AE (Hörbuch, engl., mit Kontextanalyse)

http://www.studymode.com/essays/Huckleberry-Finn-Lit-Analysis-68500225.html (lit. Analyse), siehe:

http://www.studymode.com/subjects/huckleberry-finn-rhetorical-analysis-page1.html

http://www.articlemyriad.com/character-analysis-jim-huckleberry-finn-mark-twain-antislavery-message/ (die Charaktere)

https://sites.google.com/site/huckfinnsatiresite/satire-in-huckleberry-finn/analysis (Analyse: Satire)

http://itech.fgcu.edu/&/issues/vol1/issue1/huckfinn.htm (Analyse: Jim)

http://nelsonhuck29.wikispaces.com/Superstitions+in+Huckleberry+Finn (superstitions=Aberglaube im Roman)

http://3tags.org/article/the-adventures-of-huckleberry-finn-analysing-its-racial-context-and-reception (Analyse rassist. Kontext)

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer) x

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten – Links) x

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung krit. Lektüre, für Studenten) x

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler) x

 

https://librivox.org/die-abenteuer-tom-sawyers-by-mark-twain/ (Tom Sawyer als Hörbuch)

https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/

https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/huckleberry-finns-abenteuer-uebersetzt-von-wolf-harranth/

Huckleberry Finns Abenteuer – übersetzt von Wolf Harranth

Mark Twain stellt dem Roman „Huckleberry Finns Abenteuer“ eine Erklärung voran: „Im vorliegenden Buch werden eine Anzahl von Dialekten benutzt…“ Das stellt Übersetzer natürlich vor eine große Schwierigkeit: Wie kann man amerikanische Dialekte des 19. Jahrhunderts ins Deutsche des 20. Oder 21. Jahrhunderts übersetzen? Es gibt eine neue Übersetzung von „Huckleberry Finns Abenteuer“ durch Wolf Harranth, welche sehr gelobt wird (siehe http://www.deutschlandfunk.de/huckleberry-finn.700.de.html?dram:article_id=81383 ). Harranth konjugiert zum Beispiel für die Sprache Hucks kein einziges Verb stark, sondern alle schwach („hat er übertreibt“); das ist sicher eine Möglichkeit, den restringierten Code des Außenseiters Huckleberry zu verdeutschen. Dazu passt jedoch nicht, dass ein solcher Knabe die Wörter ramponiert, sentimentalisch, diskutieren (einmal verkürzt zu skutiert), kapriziert, schlankes Bürschchen, verzagt kennt. Ein sorgfältiges Lektorat hätte diese Patzer ausmerzen sollen – Harranth gibt aber zu bedenken, dass Mark Twain in drei Phasen an dem Roman gearbeitet und die Sprache Hucks selber nicht konsequent durchgehalten hat; man müsste also in jedem Einzelfall prüfen, was tatsächlich im Original steht und wie sich das im Vergleich zu anderen Stellen übersetzen lässt. Aber so genau will ich nun auch nicht wissen.

Vgl. auch http://www.mazakarini.com/app/download/5241126064/Wolf+Harranth+2.pdf?t=1315858838 (Interview mit Wolf Harranth, u.a. zu „Huckleberry Finns Abenteuer“)

https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/twain-huckleberry-finns-abenteuer-kein-kinderbuch/

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://genius.com/albums/Mark-twain/Adventures-of-huckleberry-finn (dito)

Hier zwei alte deutsche Übersetzungen:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (Übersetzung Henny Koch, 1885) = https://damnick.de/media/huckleberry-finn/Twain-Huckleberry_Finns_Abenteuer_und_Fahrten-Damnick_Verlag.pdf

http://www.zeno.org/Literatur/M/Twain,+Mark/Roman/Abenteuer+und+Fahrten+des+Huckleberry+Finn (Stuttgart 1892 – der Übersetzer ist im Netz partout nicht zu ermitteln, nur die Gesamtheit der Übersetzer von Mark Twains ausgewählte Humoristische Schriften. [Deutsch von Udo Brachvogel, Frank Siller, Margarete Jacobi, G. Kuhr u. a.] Verlag von Robert Lutz, Stuttgart)

Twain: Huckleberry Finns Abenteuer – kein Kinderbuch

Ich beginne mit einer These: „Huckleberry Finns Abenteuer“ ist kein Kinderbuch. Dieser These steht entgegen, dass es in Deutschland in zahlreichen Ausgaben als Kinderbuch behandelt wird – was aber heißt: gekürzt und verfälscht wird. Ich möchte das an zwei Beispielen zeigen:

  1. Mark Twain: Huckleberry Finns Abenteuer. Neu erzählt von Maria Seidemann. Mit farbigen Bildern von Markus Zöller. Arena Verlag GmbH: Würzburg 2011 (Reihe: Kinderbuchklassiker zum Vorlesen)

In 12 Kapiteln wird das ganze Geschehen gerafft und geglättet, teilweise verfälscht. So soll Huck am Ende von Tante Polly aufgenommen werden; dann brauche er das von ihm geerbte Haus der Witwe nicht – mit dem Geld dafür könne man Jims Familie freikaufen. „Ein bisschen graulte mir davor, ein ordentlicher Junge zu werden. Aber zusammen mit meinem Freund Tom Sawyer würde ich das schon durchhalten!“ (S. 74)

  1. Mark Twain: Huckleberry Finns Abenteuer. Aus dem Amerikanischen [übersetzt und bearbeitet] von Sybil Gräfin Schönfeldt. Mit Illustrationen von Hans G. Schellenberger. Arena Verlag GmbH: Würzburg 2010 (copyright 1995 bzw. 1978) – in der Bibliothek: für ca. 12jährige.

Es fehlen die Kap. 17, 18, 21, 22, 23; Kap. 24 ist am Anfang gekürzt; Kap. 28 ist massiv gekürzt und zu Kap. 27 geschlagen, dito Kap. 31 zu Kap. 30; Kap. 34-39 sind zu einem Großkapitel zusammengefasst worden.

Zwei Gründe kann ich dafür nennen, dass „Huckleberry Finns Abenteuer“ kein Kinderbuch ist. 1. Von den großen Themen des Buchs passen nur wenige in ein Kinderbuch, weshalb der Text ja auch entsprechend verkürzt wird. Als die großen Themen sehe ich folgende:

  • Die große Reise auf dem Mississippi (ab Kap. 7)

Dieses Thema bildet das Handlungsgerüst der Erzählung; es eignet sich auch für ein Kinderbuch.

  • Abenteuer auf dem Fluss

Ich denke hier etwa daran, wie Jim und Huck nachts auf ein Wrack treffen, dabei ihr Floß verlieren und den Gangstern dort ausgeliefert wären, wenn sie nicht im letzten Augenblick sich im Boot hätten retten können. Solche Abenteuer verstehen auch Kinder.

  • Parodie der Abenteuerliteratur

In Kap. 2 und 3 sowie in Kap. 35 ff. stellt der Roman eine Parodie der Abenteuerliteratur dar; das kann Kindern höchstens verkürzt als lustige Sammlung von Abenteuern verkauft werden, siehe die entsprechende Kürzung in der Ausgabe der Gräfin Schönfeldt!

  • Satirische Kritik der Gesellschaft des Südens

Dieser thematische Faden durchzieht das ganze Buch, angefangen von der religiösen Erziehung durch Miss Watson über die Begegnung mit den Grangerfords (fehlt bei Gräfin Schönfeldt!) bis zum das Auftreten von „König“ und „Graf“ (zeigt Naivität und Rohheit der Südstaatler); die Kritik an der Sklaverei gehört nicht nur, aber vor allem zu diesem Thema. Mit seinen Lügengeschichten zeigt Huckleberry, wie man sich in dieser Gesellschaft bewegen kann. – Das ist nichts für Kinder.

  • Selbstfindung Hucks in der Freundschaft mit dem Sklaven Jim

Hierhin gehört der Bruch mit der „zivilisierten“ Welt St. Petersburgs und ihrer Normen (Kap. 31!), aber auch mit seinem Vater (Kap. 6). Solche Radikalität wird Kindern nicht zugemutet, siehe die beiden oben genannten Ausgaben!

2. In den letzten Jahren gibt es eine Reihe neuer Übersetzungen, welche die ältere Standardübersetzung Lore Krügers (dtv Nr. 2015, Diogenes 21370) abzulösen sich anschicken. Zuerst sei der Übersetzerin und Widerstandskämpferin Lore Krüger (1914-2009) ein Denkmal gesetzt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Lore_Kr%C3%BCger

http://wiki.drafd.org/index.php?title=Lore_Kr%C3%BCger

http://www.exilarchiv.de/DE/index.php?option=com_content&view=article&id=4837%3Akrueger-lore-ottilie&Itemid=100189&lang=de (mit Links)

http://www.mdr.de/kultur/lore-krueger126_zc-15948bad_zs-86171fdd.html

http://www.drafd.de/?DrafdInfo200908_Broadway

http://www.aviva-berlin.de/aviva/Druck.php?id=14191252

http://www.dkp-online.de/frauentag/uz/36101303.htm (Würdigung zum 90.)

http://www.co-berlin.org/lore-krueger-ein-koffer-voller-bilder (Ausstellung 2014/15)

http://antifa.vvn-bda.de/2015/03/01/was-bleibt-2/ (zur Ausstellung)

http://www.volksstimme.de/kultur/kultur_regional/1419961_Ein-Koffer-voller-Bilder.html (dito)

Eine andere ältere Übersetzung fertigte Barbara Cramer-Nauhaus (Dieterisch’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1956, und dann im Insel Taschenbuch 837) an; diese Übersetzung habe ich im Unterricht benutzt, weil sie mir besser als die Lore Krügers gefiel. Die neuen Übersetzungen stammen von Andreas Nohl (dtv 14166, 2012), Ekkehard Schöller (Reclam 2007), Friedhelm Rathjen (1997; jetzt Insel Tb 3528, 2009) und Wolf Harranth (Cecilie Dressler Verlag, 2012). Die Vielzahl neuerer Übersetzungen zeigt an, dass der Roman in seiner sprachlichen Eigenart in den letzten Jahren ernstgenommen wird. Damit besteht die Chance, dass der Roman in Deutschland die Beachtung findet, die ihm gebührt und die er in der englischsprachigen Welt besitzt, vgl.

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer)

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten)

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung zur krit. Lektüre, für Studenten)

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler)

Ich habe den Roman wiederholt in der Sekundarstufe II des Gymnasiums behandelt; wenn auch die Fachkollegen Deutsch mich ein wenig belächelten, hatten meine Schüler es doch nicht leicht, die satirische Darstellung etwa der Grangerfords zu verstehen. Ein kurzes Ergebnis meiner Bemühungen um „Huckleberry Finns Abenteuer“ steht seit Jahren im Netz: https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/ und vorher http://logos.kulando.de/post/2007/09/27/m_twain_huckleberry_finns_abenteuer.

Zum Schluss möchte in einer exemplarischen Kurzanalyse zeigen, wieso die mit Tom Sawyer erlebten Abenteuergeschichten eine Parodie sind (Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe Diogenes 21370, Übersetzung von Lore Krüger):

Gründung einer Räuberbande (Kap. 2)

Die ersten Kapitel des Romans (1-4), das Leben in St. Petersburg, kann man als Einleitung betrachten; erst als Huckleberrys Vater auftaucht, wird es spannend. So hat auch die Gründung der Räuberbande, von der Huck erzählt, den Charakter eines parodistischen Vorspiels zu den folgenden Abenteuern:

  • Huck und Tom treffen die anderen Jungen
  • und gehen nach einem Schweigeeid in eine Höhle;
  • sie gründen eine Räuberbande und bekräftigen ihn durch einen furchtbaren Eid mit zahlreichen Morddrohungen;
  • sie folgen dabei weithin den Vorlagen „aus Piratenbüchern und Räuberromanen“ (S. 17);
  • es gibt eine Reihe von Schwierigkeiten, welche das erzählte Geschehen ironisch brechen:
  • Huck Finn kann mit Mühe Miss Watson als Familienmitglied zum Töten anbieten;
  • die Jungen wollen ehrliche Wegelagerer statt einfache Diebe sein und sich nur mit Raub und Totschlag abgeben;
  • sie halten am „Auslösen“ von Gefangenen fest, obwohl sie nicht wissen, was das ist – doch der Bezug auf die Bücher muss gewahrt bleiben;
  • gegen den Einspruch Ben Rogers’ wird an nächtlichen Wachen festgehalten, „wie’s der Regel entspricht“ (S. 19);
  • Tommy Barnes wird mit 5 Cent bestochen, trotz seiner Angst bei der Bande zu bleiben;
  • Ben Rogers drängt darauf, sonntags nicht zu rauben und zu morden – „es sonntags zu machen wäre ’ne Sünde“ (S. 19).

Folgerichtig berichtet Huck im nächsten Kapitel: „Ungefähr ’nen Monat lang spielten wir ab und zu Räuber, und dann trat ich aus.“ (S. 22) Er hat sich auf seine Augen statt auf die Bücher verlassen, und weil auch das Experiment des Lampenreibens (Kap. 3) scheitert, denkt er über die Abenteuer der Räuberbande anders als Tom Sawyer.

Ergebnis: Wir finden Tom Sawyer als denjenigen vor, der Abenteuerbücher kennt und darauf aus ist, selber solche Abenteuer im Spiel zu erleben; indirekt werden damit die in Kap. 35-40/41 erzählten Ereignisse vorbereitet (der etwas gekünstelte Ausstieg aus der großen Fahrt auf dem Mississippi, dem Handlungsgerüst des Romans). Geheimnisvolle Abenteuer sind genau das, „wofür er eine Schwäche hatte“ (S. 269, Anfang Kap. 33). Toms Abenteuervorstellungen unterscheiden sich von den Abenteuern, die Huckleberry Finn tatsächlich erlebt, s.o.

Mark Twain: Huckleberry Finns Abenteuer (Aufbau, Perspektive, Schluss)

Literatur:
Jefferson, Douglas W.: Mark Twain . Adventures of Huckleberry Finn. In: Der amerikanische Roman. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Lang, Hans-Joachim (Hrsg.). Bagel: Düsseldorf 1972, S. 142 ff.
Jens, Tilman: Mark Twain. Heimkehr zum Mississippi. Piper: München 1985.
Schubert, Karl: Mark Twain: ‚Adventures of Huckleberry Finn‘. In: Der amerikanische Roman im 19. und 20. Jahrhundert. Erich Schmidt: Berlin 1974, S. 70 ff.
Lebenslauf:
1835  Samuel Langhorne Clemens in Florida/Missouri geboren
1839  Umzug der Familie nach Hannibal/Missouri; die Familie verarmt, der Vater stirbt 1847.
1850  Druckerlehre bei der Zeitung, danach umhergetrieben
1857 – 1860 Lotse auf dem Mississippi, „Leben auf dem Mississippi“ (1883)
1861  in den Westen: Silbergräber, Reporter, „Durch dick und dünn“ (1872)
1864  Journalist in San Francisco, „Mark Twain“ (Lotsenkommando)
1867  Europareise, „Die Arglosen im Ausland“ (1869)
1870  heiratet er Olivia Langdon, mit der er dann mehrere Kinder hat.
1876  „Tom Sawyers Abenteuer“
1879 / 80 Europareise, „Bummel durch Europa“ (1880)
1882  große enttäuschende Reise auf dem Mississippi
1884  „Huckleberry Finns Abenteuer“; 1885  wendet er sich dem Erfinden zu.
1894  Bankrott mit dem Zeilensetzautomaten
1895  weltweite Vortragstourneen (zum Schuldenbegleichen), ab 1906 Arbeit an der Autobiographie
1910  gestorben in Redding/Connecticut.

T. Jens sieht das Leben Toms und Huckleberrys aus „Tom Sawyers Abenteuer“ (woran er 1870-76 geschrieben hat) als Gegenwelt zur biederen bürgerlichen Ehe Mark Twains; „St. Petersburg“ sei das Dorf Hannibal aus seiner Kindheit, zu den Figuren gebe es Vorbilder im Dorf. In „Bummel durch Europa“ (1880) sei die Reise auf dem Neckar ein Vorbild für die Darstellung der Reise von Jim und Huck auf dem Mississippi (Jens, S. 65 – chronologisch problematisch! N.T.). Die enttäuschenden Erfahrungen seiner Mississippireise von 1882 hätten den Traum seiner Kindheit zerstört, das spiegele sich in der Abwendung Jims und Hucks von der ‚Siwilisation‘ des Dorfes wieder (S. 68 ff. – wieder chronologisch problematisch!).
Die ersten 16 Kapitel des Romans sind 1876 geschrieben, Kap. 17 f. in 1879-1880, Kap. 19-21 vor Juni 1883, Kap. 22 nach dem 15. Juni 1883, der Rest auf einmal im Sommer 1883.

Ich habe den Roman öfter in der Sekundarstufe II des Gymansiums mit den Schülern gelesen – die Kollegen haben das zwar belächelt, aber den Roman als Satire zu verstehen fiel selbst diesen Schülern nicht leicht.

Die Perspektive des Erzählers

Perspektive: Ohne eine theoretische Diskussion anzetteln zu wollen, nenne ich in Anlehnung an Claudio Mende[1] folgende Stichwörter zur Orientierung:

Erzählperspektive

  • Sie resultiert aus dem Standort (Blickwinkel, Blickdistanz, Außen-/Innensicht), von dem aus Handlungen und Geschehen beobachtet werden, und der Haltung (Einstellung) des Erzählers.
  • Die Wahrnehmung der fiktiven Wirklichkeit wird bestimmt vom Blickwinkel (point of view) des Erzählers.
  • Die Haltung des Erzählers kann von Zustimmung, Objektivität, Skepsis bis hin zur Distanziertheit reichen.

Ich-Erzählsituation

  • Anschauung und Blickwinkel nur einer Person (=> Unmittelbarkeit/ Authentizität);
  • Erzähler steht als Figur unter Figuren der Handlung;
  • berichtende Erzählweise;
  • erzählendes Ich in zeitlicher Distanz zu erlebenden Ich;
  • Ich-Erzähler kann zu seinem vergangenen Verhalten Stellung nehmen und es kommentieren.

Wenn man die Perspektive des Ich-Erzählers Huckleberry Finn betrachtet, fällt gleich zu Beginn des Romans seine Distanz zur bürgerlichen Welt auf:

  • Die Witwe Douglas will ihn „siwilisieren“ (alle Belege aus dem 1. Kapitel), aber ein solches Leben ist für Huck „scheußlich regelmäßig und anständig“. Als er wieder in seine Lumpen und seine Zuckertonne steigt, ist er „frei und zufrieden“.
  • Im Bericht vom geregelten Leben beklagt er, dass er pünktlich zum Abendbrot kommen musste.
  • Er hat kein Verständnis für das Tischgebet: Die Witwe beugt ihren Kopf und hat „n’bißchen über das Essen gebrummelt“.
  • Eintopf, in dem alles verschwimmt, ist ihm lieber als bürgerliches Essen.
  • Er versteht die biblische Unterweisung nicht („Moses und die Bimsen“) und hat kein Interesse an Moses, weil der „schon ’ne beträchtliche Weil tot ist“ und Huck sich für Tote nun mal nicht interessiert.
  • Dass er nicht rauchen darf, kritisiert er einmal mit Bezug auf Moses (Rauchen ist für etwas gut, Moses nicht), dann mit Bezug auf die Witwe (Sie schnupft, „aber das war natürlich richtig, weil sie’s machte“).

Huck lebt in der Gegenwart, frei von Konventionen und Sorgen. In Hucks Sicht – in Darstellung, Wortwahl und Kommentaren – erscheint das bürgerliche Leben verfremdet, es verliert den Status des Selbstverständlichen; das kann den Wert des Humors für den bürgerlichen Leser besitzen (und dann als Kinderbuch verniedlicht werden), kann aber auch zu scharfer Satire werden: etwa in der Darstellung der Grangerfords im 17. und 18. Kapitel, bei der todessüchtigen Dichtung der Tochter und der sinnlosen Fehde zwischen den „frommen“ Familien.

[1] http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html; vgl.

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechniken)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

Zum Abschluss von M. Twain: Huckleberry Finns Abenteuer (it 837)

Der erste Teil des Buches behandelt die Flucht Jims (S. 69) und Hucks (S. 45; 53) in die Freiheit; dabei bezieht sich dieser  abenteuerliche Teil bereits (halb-)ironisch auf Toms Abenteuerspiele (2. und 3. Kap.; vgl. auch S. 55; 68; 102 f.; 115). Der zweite Teil (ab Kap. 17) ist insgesamt als Gesellschaftssatire auf das Leben im Süden (dagegen wieder S. 322 f.!) zu sehen. Der Schluss des Buches ist „komisch“: Huck will nach innerem „Kampf“ (31. Kap.) Jim befreien und erfährt unerwartet Toms Hilfe (S. 321) – in Wirklichkeit ist Jim aber bereits frei (S. 408). Der Schlussteil scheint mir i.W. als Ironisierung des Abenteuerromans verständlich (S. 319; 408; insgesamt 330 ff.), als ironischer Ausstieg des Autors aus der Erzählung der misslungenen abenteuerlichen Flucht, Freiheitssuche und Flussfahrt.
Toms Bild ist nicht ohne Distanz gezeichnet (u.a. S. 346 ff.; 366; 368!; Jims Stellungnahme S. 373 nach der auf S. 352). Erst recht ist eine Distanzierung von Toms Einstellung zur abenteuerlichen Niggerbefreiung zu erkennen: Er möchte daraus als Held hervorgehen und eine Lebensaufgabe daraus machen (S. 352 f.); er bezahlt Jim für die dabei erlittenen Leiden (S. 412; vgl. Jims Äußerung S. 376). Hucks Einschätzung von Toms Haltung ist bezeichnend (S. 409; 331). In Tom wird auch der weiße Typus karikiert, der gern die Oberaufsicht führt (S. 368) und dabei haarspalterisch Moral und Grundsätze befolgt (S. 342 ff.; 350; 379).
In der Behandlung der Neger bleiben gesellschaftskritische Akzente spürbar (Kap. 31; S. 314; 321; 389!; 401 ff.). In der Aufklärung der Befreiungsprobleme als Irrtum und Spiel (S. 408 f.) verbinden sich die gesellschaftskritischen Aspekte mit komödienhaften Elementen der Verwechslung von Tom und Huck (S. 313 ff.) sowie der unverhofften „Rettung“ Jims. Diese komische Lösung der Sach- und Erzählproblematik ist in einer Zeit möglich, in der die Sklavenfrage rechtlich entschieden ist, also nach dem Bürgerkrieg von 1861/65. Als unpolitische Lösung bleibt sie irgendwie unbefriedigend, in einer vor 1865 im Süden spielenden Erzählung jedoch notwendig; vielleicht spricht daraus auch die Resignation Mark Twains, der auf der Suche nach Freiheit und Weite immer wieder an Grenzen gestoßen ist.

Vgl. meinen Aufsatz Huckleberry Finns Abenteuer auf dem Weg zu sich selbst, in: Deutschunterricht, 69. Jg., Oktober 5-2016, S. 36 ff.