Clemens Brentano: Am Ufer bin ich gangen – Analyse

Am Ufer bin ich gangen…(http://gedichte.xbib.de/Brentano_gedicht_Am+Ufer+bin+ich+gangen….htm)

Wir haben ein Gedicht Brentanos aus dem Jahr 1835 (https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Brentano/bre_1835.html) vor uns, das einige Rätsel aufgibt: Es spricht als lyrisches Ich eine Frau, die mit sich nicht im reinen ist (Ich irres, wirres Kind, Str. 4; Ich armes Waiselein, Str. 8): Einerseits leidet sie an ihrer Einsamkeit, anderseits verschmäht sie ihren Liebhaber: „Mein ist er, ich nicht sein“ (Str. 7). In ihrer Not wendet sie sich schließlich an den Gekreuzigten; sie hört eine Stimme und bekommt als Rat die Goldene Regel gesagt (Str. 13). Da entschließt sie sich, sich mit einem lieben Wanderer zu verbinden (Str. 15). – Die letzte Strophe steht formal außerhalb dieser Ich-Rede und kann als Dichterwort über sein Gedicht, könnte aber auch als Fazit des lyrischen Ichs gelesen werden.

Die Form der ersten 15 Strophen ist sehr streng und trägt dadurch einiges dazu bei, dem Leser Rätsel aufzugeben: Eine Strophe besteht aus 6 Versen (Ausnahme Str. 14); jeder Vers besteht aus einem dreitaktigen Jambus. Die ersten vier Verse sind im Kreuzreim verbunden, wobei sich weibliche und männliche Kadenzen abwechseln, wodurch nach V. 2 und erst recht nach V. 4 eine Pause entsteht. Die Verse 5 und 6 sind im Paarreim aneinander geknüpft, wobei der sechste Vers immer „So ganz allein, allein, allein“ ist; das ist, gemessen an der Dreizahl der Takte, ein Takt bzw. ein „allein“ zu viel – offenbar war dem Dichter die Dreizahl von „allein“ (als Klage) wichtiger als das Maß des dreitaktigen Verses. – Die Sätze sind kurz, was semantisch einige Unklarheiten bedingt.

Ich gebe einen Überblick über den Aufbau und orientiere mich dabei an den sprachlichen Handlungen des lyrischen Ichs (grammatisch an der Verwendung der Tempora bzw. der Verbformen, der Satzform und der Personalpronomina):

In Str. 1-3 berichtet das Ich von einem Spaziergang am See, bei dem es an seiner Einsamkeit leidet, während sein Liebhaber betrübt zu Hause sitzt; offenbar hat es seiner jedoch kurz gedacht (Str. 2 und 3).

Bereits in Str. 2 ist durch das Perfekt/Präsens signalisiert, dass das Ich beim Spazieren denkt; dieses Denken wird nun in Str. 4-6 intensiv, als eine Jetzt-Situation wahrnehmbar: eine dreifache Absage an den Liebhaber, „Dem ich am Herz geruht“, auch wenn er darüber zugrunde gehen sollte (Str. 6). Der kurze Rückblick in Str. 7, in dem von der diesen belebenden Begegnung mit dem Liebhaber erzählt wird (V. 1-4), begründet die Aussage „Mein ist er“; diese steht in Spannung zur Fortsetzung „ich nicht sein“ – in diesem Vers ist die komplizierte Situation des lyrischen Ichs umschrieben: Es ist einsam, aber von einer unglücklichen, von ihm selber nicht erwiderten Liebe betroffen. Der Schlussvers „So ganz allein…“ bezieht sich meistens auf das Ich, aber auch auf den Liebhaber (Str. 4, 6); einmal ist unklar, worauf er sich bezieht (V. 5) – eigentlich ist er da fehl am Platz.

In seiner Not fragt das Ich: „Wohin, wohin mich wenden?“ (Str. 8) Damit zitiert es, leicht abgewandelt, das Kirchenlied „Wohin soll ich mich wenden, / wenn Gram und Schmerz mich drücket?“ (Trostlied des Johann Philipp Neumann, 1774-1849) Mit dem Zitat ist schon klar, wohin es sich wenden soll: zu Gott, „Zu dir, zu dir, o Vater / komm ich in Freud und Leiden…“ Damit wird die Hinwendung zum Gekreuzigten (Str. 12), die scheinbar (!) auf dem zufälligen Anblick eines Kreuzes beruht, sachlogisch vorbereitet und eingefordert (eine Schwäche des Gedichts).

Verzögert wird diese Hinwendung zum Gekreuzigten durch die Reflexion der eigenen Situation (Str. 8, 9): Das einsame Ich hört sein klagendes Echo, es sieht in der Natur alles paarweise und ist selber so allein.

In der Logik der Frage „Wohin, wohin mich wenden?“ und der Hinwendung zum Gekreuzigten finde ich die Strophen 10 und 11 störend: Sie stellen einen Rückblick aufs eigene Leben dar, aus dem sich ergeben soll, dass die jetzige Einsamkeit unverdient ist; zur Not könnte man sie als kontrastierende Fortführung von Str. 9 lesen, aber erforderlich sind sie nicht. Die ganze Str. 11 verstehe ich ohnehin nicht wirklich: Wieso ist der Trinker gleich schwer berauscht? Wieso ist da ein Zauberbecher? Wieso wird er vertauscht? Und wer ist hier so allein? (Wieder zeigt sich die Schwäche, dass der identische sechste Vers immer wiederholt wird!)

Die Perspektive des lyrischen Ichs wechselt wieder (Str. 12): Es erblickt ein Kreuz und wendet sich mit zwei Bitten an den Gekreuzigten: Blick (als guter Hirt, Joh 10) dein Schäflein = mich an, treib mich (als verlorenes Schaf, Luk 15,1 ff.) wieder ein = zur Herde zurück = rette mich; der sechste Vers ist leicht abgewandelt („Bald“ statt „So“), wobei die Abwandlung keinen rechten Sinn ergibt – im Gegenteil, das Schäflein ist längst allein bzw. in der Gegenwart des Hirten eben nicht mehr allein.

Man muss sich die berichtete Jetzt-Situation vom Anblick des Kreuzes als Fortsetzung des Berichtes (Str. 1-4, V. 1 in Str. 4 und 8) denken; anderseits bleibt die Gesprächssituation mit dem Bericht vom stundenlangen Spaziergang (Str. 1-3) und dem aktuellen Geschehen (ab Str. 4) unklar: 1. Wem soll das Ich dies alles erzählen? 2. Warum bleibt nicht die Tempusform Perfekt/Präteritum erhalten? Man kann natürlich ans aktualisierende historische Präsens denken (ab Str. 4); aber die Sequenz als durchgehende Erzählung überzeugt mich nicht: Sie endet nicht als Erzählung (Str. 16). Der Bericht vom vergangenen Spaziergang steht eher unverbunden vor der Beschreibung gegenwärtigen Erlebens.

Vor dem Kreuz, also wohl vom Kreuz hört das Ich eine mahnende Stimme, wie es im Präsens berichtet (Str. 13), die ihm die Goldene Regel (vgl. Mt 7,12 bzw. Luk 6,31) als Heilmittel empfiehlt und gleich auf seine Einsamkeit anwendet: „Willst du nicht einsam wandern, / So laß nicht einsam stehn.“ Konkret heißt das, das Ich müsste zu dem von ihm (aus unbekannten Gründen) verschmähten Geliebten zurückkehren.

Diesen Schluss zieht das Ich aber nicht, sondern fragt: „Will keiner mir begegnen…?“ (Str. 14) Diese eher unverständliche Frage bereitet die Wahrnehmung vor, dass es einen Schritt hört. Es fragt sich: „Wer ist‘s?“ Und dann fragt es „bist du‘s“ – eine unverständliche Frage, wenn man sie nicht auf das verschmähte Du (Str. 1 ff.) bezieht – wobei das Auftauchen dieses Verschmähten am See natürlich ein kleines Wunder ist, da er doch mit gebrochenem Herzen und mit Schmerzen (Str. 6) zu Hause saß. Nach christlicher Begrüßung stimmt die Ich-Sprecherin dann dem göttlichen Wink zu: „Ach ja, wenn es soll sein…“ – zu ergänzen ist: Dann akzeptiere ich dich als meinen Mann. Ohne diese Ergänzung fehlt die Pointe des Geschehens vor dem Kreuz.

Nach längerem Nachdenken schreibe ich die letzte Strophe als Äußerung dem lyrischen Ich zu: Es hat seinen Gang „In Reue vollendet / Zum Kreuz gewendet“; der Gekreuzigte hat ihm gezeigt, was zu tun ist: sich des verstoßenen Liebhabers zu erbarmen. Str. 16 passt zwar nicht zum sprachlichen Duktus einer Erzählung (ab Str. 1), aber zum erzählten Geschehen von Leiden, Belehrung und Umkehr.

Wie soll man das Gedicht verstehen, wozu hat Brentano ein solches Gedicht von einer verstockten Geliebten, die sich auf des Herrn Jesus Rat dem Verschmähten zuwendet, geschrieben? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht in die Geschichte der Liebeslyrik oder des Dichtens Brentanos einordnen, dazu fehlt mir die Kompetenz. Recht simpel verstehe ich es als eine kompensierende Phantasie des verschmähten Dichters Brentano: „1833 lernte Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen. Wie bei früheren Frauenbekanntschaften wiederholten sich Liebeswerbung und Bekehrungsbemühungen; wie früher entzog sich die Freundin diesen Forderungen, ohne aber von ihnen ganz unbeeindruckt zu bleiben.“ (Wikipedia, Art. „Clemens Brentano“) Ich will mich biografisch nicht auf Frau Linder festlegen – aber dem oftmals zurückgewiesenen Brentano mag es ein Trost gewesen sein, sich vorzustellen, wie eine ihn Zurückweisende selber an ihrer Einsamkeit leidet und dann vom Herrn Jesus mit der Goldenen Regel belehrt wird, solches zu unterzulassen und sich des armen Liebhabers gefälligst zu erbarmen, auf dass sie aus ihrer eigenen Einsamkeit befreit werde. Das klingt zwar simpel, leuchtet mir aber ein.

Ein großes Gedicht ist es nicht, es hakt an einigen Stellen und könnte auch um zwei Strophen (10 und 11) gekürzt werden; aber es ist interessant, sich mit der Auflösung seiner Rätsel zu beschäftigen.

Brentano: Sprich aus der Ferne – Analyse

Sprich aus der Ferne…

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=983

http://www.lyrik-und-lied.de/ll.pl?kat=typ.show.poem.eb&&ds=745&id=811&add=&start=0

http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/ (mit Interpretation)

https://robert-koch-gymnasium.de/_yac_data/2006-02/files/Brentano,_Sprich_aus_Musterloesung.pdf (dito)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Brentano,+Clemens/Roman/Godwi+oder+Das+steinerne+Bild+der+Mutter/Erster+Band/Fortsetzung+des+Tagebuchs (mit Kontext im Roman „Godwi“)

Im Roman „Godwi“ (1801) steht die Passage in einem Tagebuch, in dem Godwi von einer Entfremdung Otilies erzählt, die er durch seine rationalistische Erklärung dessen hervorgerufen hat, was für Otilie „stille Lichter“ sind. Sie geht neben ihm und singt das Lied „Sprich aus der Ferne…“ (dort vier Strophen). „So sang Tilie durch die Büsche, als bete sie. Der ganze Tempel der Nacht feierte über ihr, und ihre Töne, die in die dunkeln Büsche klangen, schienen sie mit goldnen, singenden Blüten zu überziehen. / Ich selbst war wunderbar gerührt und weinte fast, daß ich an der Seite dieses hellen freundlichen Bildes so trüb und verschoben dastehe.“

Alle Versuche, diesem Gedicht ein oder zwei feste Versmaße zuzuordnen, scheitern; es empfiehlt sich, den Link http://www.metricalizer.de/ heranzuziehen, dessen Diktum  lautet: „metrisch ungebunden“. Gleichwohl ist das Gedicht, genauer die vier großen Strophen in einem schwungvollen Rhythmus zu sprechen, wozu viele dreisilbige Takte (Daktylus, besser: Walzer) beitragen. Mit den großen Strophen kontrastieren die Refrains, die alle nur zwei Hebungen aufweisen (bei vier bis fünf Silben, gegen 9-11 Silben der langen Strophenverse, bei drei oder vier Hebungen – da kann man wunderbar streiten). In den Refrains kehrt im Sprechen die Ruhe ein, von der die heimliche Welt aus der Ferne „spricht“.

Das Gedicht beginnt mit einer Bitte bzw. der Anrufung der heimlichen Welt, die dem Ich sehr vertraut sei (V. 3 f.), und endet mit der gleichen Strophe. Wenn die 1. Strophe das Eingangsgebet darstellt, kann die letzte Strophe als Bitte um Fortsetzung der heiligen Kommunikation verstanden werden. Die Atmosphäre des Heiligen wird nicht nur im Kontext des Romans überdeutlich, sondern auch im Gedicht selber deutlich bezeugt: Heiliger Sinn (V. 10), Friede (V. 15), heiliges Grauen (V. 21), Allverbundenheit (V. 29 ff.). Das Gedicht gehört in den Kult der Natur, der literarisch seit dem Sturm und Drang betrieben wurde (u.a. Goethe; Ferdinand in Kabale und Liebe usw).

Der Aufbau der so umschlossenen sieben Strophen ist folgender: In den Wenn-Sätzen werden drei verschiedene Stufen bzw. Phasen der Nacht beschrieben: Die Sterne erscheinen im Dunkel (V. 5 ff.), der Mond geht auf (V. 13 f.), die Mitternacht ist mit ihrer Finsternis da (V. 21 ff.). Diesen (konditional wie auch temporal gemeinten) Wenn-Sätzen entsprechen drei (Dann)Hauptsätze: Dann kommt der heilige Sinn der Sterne (V. 9 ff.), dann kommt der himmlische Frieden (V. 15 f. – hier wird dann noch die Strophe V. 17-20 eingeschoben, wo der Austausch von Himmel und Erde mittels klingender Lieder beschrieben wird, also mittels Gedichten der Art Brentanos: das Zentrum des Gedichts), dann findet ein freundliches Spiel von Dunkel und Licht statt (V. 25 ff.). In der abschließenden siebten Strophe wird die Stunde und das Fest der Erlösung gefeiert, das bereits in den (Dann)Hauptsätzen umschrieben war: Alles ist miteinander verbunden und „ewig im Innern verwandt“ (V. 32).

Ich möchte noch einige schwierige Stellen klären: Die Nacht flicht die Kränze der Funken (die Sterne) um ihre eigene schattige Stirn (V. 7 f. – wie man hier wie Meyer-Sickendiek ans lyrische Ich denken kann, ist mir ein Rätsel). Die Tränen des Mondes lösen verborgenes Weh (V. 14): Das muss das Weh aller sein, sonst käme nicht die Allverbundenheit zustande (V. 29 ff.). Die Mitternacht mit ihrem Dunkel ist der notwendige Gegenpol der Sterne: Ohne das Zusammenspiel von Dunkel und Licht kein freundliches Spiel (V. 25 f.). Den schwierigen Satzbau V. 27 f. möchte ich so auflösen: Die Lichter (Subjekt) funkeln das Ziel (Objekt), sie bilden das Ziel der Sehnsucht. Auf die Sonderstellung der Strophe V. 17-20 hatte ich bereits hingewiesen: Dies ist auch die einzige Stelle, wo in der Stille der Nacht Laute erklingen (Lieder: gesungene Gedichte); denn der heilige Sinn der Sterne kommt tonlos angeweht (V. 9 ff.), ebenso der nächtliche Friede, und auch das Spiel von Dunkel und Licht ist still (V. 25 ff.).

Das Ich spricht in einer gehobenen Tonlage (Sprachebene); es gebraucht Personifikationen (sprechende Welt und Farbe, die Nacht flicht Kränze, Tränen des Mondes usw.), es beschreibt die Welt synästhetisch (freudige Farbe spricht, glänzende Lieder u.a.). Diese sprachliche Seite des Gedichts ist überaus wichtig. Die Alliterationen nenne ich nur (s-, V. 3; f-, V. 6; sch-, V. 8; t-, V. 30), Assonanzen übergehe ich. Ich spreche exemplarisch noch von der Semantik der Reime, die die Allverbundenheit symbolisch repräsentiert: aus der Ferne / zu mir gerne (V. 1/3); heimliche Welt / zu mir gesellt (V. 2/4); Abendrot niedergesunken / Kränze aus Funken (V. 5/7: Folge, Kontrast); keine Farbe spricht  /Kranz aus Licht flicht (V. 6/8, wie V. 5/7); usw.

Wenn man das Gedicht verstanden hat und um es noch besser zu verstehen, sollte man es ganz oft sprechen – im Sprechen den Rhythmus finden und sich dem Spiel der Worte und Bilder hingeben. Danach kann man sagen: Aha, so funktioniert die romantische Mystik der Nacht. „Auch das Motiv der Nacht war in der Romantik beliebt, verkörperte es doch die von den Romantikern propagierte Verschmelzung von Sinneseindrücken besonders gut, siehe z.B. das berühmte Gedicht Mondnacht von Eichendorff oder das Gedicht Ritt im Mondschein von Achim von Arnim, wo sich das Motiv der Nacht außerdem passenderweise mit dem der Liebe verbindet. In diesen Motivkreis gehören auch die Motive der Verbundenheit mit der Natur (allerdings in idealisierter Form), vgl. das Gedicht Nacht und Winter von Adelbert von Chamisso, in dem das Ich seine Stimmungen in der Natur gespiegelt sieht.“ (Wikipedia: Romantik) Brentano geht hier noch einen Schritt weiter als seine genannten Kollegen, denke ich; falls man diesen Schritt nicht nur ästhetisch tut, landet man im Sumpf der Esoteriker.

http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/554/Fruehromantik_STUB.pdf (zum Godwi-Roman)

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=NBgHjbxiFUY (Will Quadflieg)

https://www.youtube.com/watch?v=zgI5f1IjKyM (moderne Version: rap)

https://www.youtube.com/watch?v=yrcRAD5ztP0 (nur Musik)

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz60807.html (Biografie und Werk)

http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Brentano (Biografie)

http://fxneumann.de/thalion/brentano/ (Biografie)

http://www.in-output.de/AKE/akebrentano.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Brentano,+Clemens (Biografie und Werk Brentanos)

http://www.schreiben10.com/referate/Biographien/11/Clemens-Brentano—Leben-und-Werk-reon.php (Biografie und Werk)

http://gutenberg.spiegel.de/autor/75 (Werke Brentanos)

https://www.youtube.com/watch?v=6sTiem_tzJk (Lutz Görner: Brentano)

https://www.youtube.com/watch?v=hpIXaAOzbYI (Görner: Fortsetzung)

https://www.youtube.com/watch?v=hBQhc5tD9Lc (Görner: Schluss)

Broch: Pasenow oder die Romantik – Begriff der Romantik

Der Begriff „Romantik“ wird im Roman von Eduard v. Bertrand eingeführt; dessen Verhältnis zu Joachim von Pasenow muss deshalb zunächst kurz bestimmt werden. – Ich beziehe mich auf die Textausgabe in der Bibliothek Suhrkamp, Bd. 92  (6.-10. Tausend 1969).

Joachim denkt abschätzig über Eduard: dass ihm selber die Zivilkleider nicht so selbstverständlich sitzen wie jenem, dass man diesen vermutlich in den Lokalen der Lebewelt trifft (S. 15 f.). Er stellt sich zwanghaft Eduard vor, „sei es als Liebhaber dieses Mädchens, sei es als dessen Zuhälter“ (S. 16). Er möchte nicht mit seinem Vater „oder gar noch dazu mit Bertrand allein sein“ (S. 17). Er traut ihm zu, in diesem anrüchigen Lokal unter falschem Namen zu verkehren (S. 19), will ihn aber nicht einen Schlingel nennen lassen (S. 20). Eine größere Charakteristik Eduard folgt S. 23 ff. – wieder im Zusammenhang mit der Zivilkleidung, die jener der Uniform vorgezogen hatte – „das Unbegreifliche“, Eduard hatte als Secondeleutnant den Dienst quittiert und war deshalb in Joachims Augen so etwas wie ein Verräter (S. 23 f.).

Joachim denkt nun, was Bertrand etwa zur Uniform sagen könnte: dass nach dem Verlust des christlichen Glaubens die irdische Amtstracht an die Stelle der himmlischen gesetzt wurde, „und die Gesellschaft mußte sich in irdische Hierarchien und Uniformen scheiden und diese an der Stelle des Glaubens ins Absolute erheben. Und weil es immer Romantik ist, wenn Irdisches zu Absolutem erhoben wird, so ist die strenge und eigentliche Romantik dieses Zeitalters [d.i. die Zeit um 1888, N.T.] die der Uniform, gleichsam als gäbe es eine überweltliche und überzeitliche Idee der Uniform“. Diese Idee ergreife den Menschen stärker als jede andere Idee, und der Uniformträger sei vom Bewusstsein besessen, „die eigentliche Lebensform seiner Zeit und damit auch die Sicherheit seines eigenen Lebens zu erfüllen“. (S. 21 f.)

Im Gespräch über deutsche Kolonialpolitik sagt Eduard zu Joachim: „Nun ja, was soll dabei heraussehen? Ein bißchen privater Kriegsspaß und Kriegsruhm für die unmittelbar Beteiligten. Natürlich alle Achtung für Dr. Peters, und wäre er früher gekommen, ich hätte wahrhaftig mitgemacht, aber was soll sonst wirklich dabei heraussehen, außer Romantik?“ Denn einen tatsächlichen Zweck verfolgten in den Kolonien nur die Kirchen mit ihrer Mission (S. 32 – zu Dr. Peters s. http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Peters).

In einem anderen Gespräch meint Eduard, Helmuths Duell der „Ehre“ wegen sei wegen der Konvention des Gefühls, der Trägheit des (längst überlebten) Gefühls ausgetragen worden (S. 64); er begründet diese Einschätzung damit, dass „Ehre“ zwar ein lebendiges Gefühl sei, aber „daß überlebte Formen stets voller Trägheit sind und daß viel Müdigkeit dazu gehört, sich einer toten und romantischen Gefühlskonvention hinzugeben“ (S. 65).

Joachim denkt von sich selber, er tue in der Trägheit seiner romantischen Phantasie zu wenig für Ruzena (S. 79). Eduard nennt Ruzena und Joachim Romantiker, weil sie den kleinen Theaterjob Ruzenas für gut befinden, und mit Romantik könne man für niemanden sorgen (S. 97). Eduard denkt auch ironisch über seine eigene Romantik (vor Ruzenas Haus warten, S. 100); in dem dramatischen Gespräch mit Elisabeth erwägt er die unrealistische Möglichkeit, sie könnte mit ihm fortgehen, „vielleicht aus Romantik…“ (S. 174).

„Romantik“ ist also in Eduards Sicht eine Motivation, die auf überholten Wertungen oder Ideen beruht, und damit unrealistisch, wenn auch subjektiv erhebend und oft genug wirkmächtig. Eduard distanziert sich von dem, was er als Romantik abtut; Joachim dagegen, misstrauisch und Eduard in allem unterlegen, lebt aus seinen romantisch-traditionellen Ideen, die ihn an einer vernünftigen Lebensführung hindern und ihn zerstörten, wenn nicht Eduards Umsicht und Elisabeths Geduld und Schicksalsergebenheit dies verhinderten. Den höchsten Ausdruck findet die Romantik in Joachims Verehrung der Uniform, die ihn davor schützt, in der Hochzeitsnacht mit seiner Frau schlafen zu müssen (S. 196 ff.).

Paul Michael Lützeler (Hermann Broch – Ethik und Politik, München 1973, S. 106 ff.) erklärt, wieso auch Eduard von Bertrand ein Romantiker ist. Dieser Materialist und Geschäftemacher, ein typisches Kind des Wilhelminismus, sei „infiziert von verschwommen-romantischen Ideen, die sich bei ihm in Reisewut und Liebessehnsüchte umsetzen“ (S. 108). Gute Laune und geschäftlicher Erfolg stabilisierten sich bei ihm gegenseitig, ohne dass sich daraus ein Lebensziel ergäbe. Er sei zugleich ein Ästhet, der in eingebildeten Absolutheitserfahrungen auf reale Liebe verzichtet. In den beiden großen Liebesgesprächen mit Elisabeth (S. 119 ff. und S. 169 ff. im Roman) bemerke man, wie er hohle Phrasen drischt, auch wenn Elisabeth ihm nicht gewachsen ist und in gewisser Weise ihm verfällt. Zur Erklärung seiner Reisewut berufe er sich auf seinen „Dämon“ (Goethe), was bei ihm nur ein anderes Wort für Lust ist. Die einzige Realität des Lebens sei für ihn das bloße Spiel; er habe oft einen ironischen Zug um den Mund und setze sich mit leichten oder verächtlichen Handbewegungen über Widersprüche hinweg.

Beim ersten Lesen achtet man mehr auf Joachim, da man nur aus seiner Perspektive die Welt sieht, sofern der Erzähler nicht neutral oder selten auktorial spricht. Lützeler behauptet jedoch, v. Bertrand sei nicht bloß Joachims Gegenspieler, sondern „die zentrale Figur im Pasenow“ (S. 107). „Eduards Pathos ist dem Pathos, von dem er sich absetzt, durchaus gleich, und seine Romantik ist die seiner Zeitgenossen, lediglich mit einem anderen Vorzeichen versehen“ (a.a.O., S. 110). Und das Pathos sei schließlich das Kennzeichen des Romantikers, mit dem er seine Wirklichkeit „zum Absoluten emporschrauben“ will.

Vgl. auch diesen Vortrag über den Zerfall der Werte in Die Schlafwandler sowie die Inhaltsangabe https://norberto42.wordpress.com/2013/09/24/broch-pasenow-oder-die-romantik-inhalt/.

Heine: Das Meer erglänzte weit hinaus – Analyse

Das Meer erglänzte weit hinaus…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/BdL/Heimk-14.html

http://de.wikisource.org/wiki/Das_Meer_ergl%C3%A4nzte_weit_hinaus

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=1161

Heine verfasste während seines ersten Cuxhavenaufenthalts im Sommer 1823 oder kurz danach sieben kleine Seestücke, die er später dem Heimkehr-Zyklus als Nr. 7-12 und Nr. 14 einverleibte. An der Nordsee – aber auch nur dort – wird dem Gedicht „Das Meer erglänzte weit hinaus“ die Überschrift „Das Lied ans Meer“ aufgeklebt; in der Vertonung Schuberts heißt es „Am Meer“. Wenn ich den Kommentar Werner Vordtriedes richtig verstehe, gehörte es (anders als Nr. 7, 8, 9, 11, 12 des Zyklus) 1826 noch nicht in „Die Heimkehr“, sondern erst 1827, als dieser Zyklus ins „Buch der Lieder“ aufgenommen wurde.

Ein Bruch geht durch das Gedicht: In den ersten drei Strophen erzählt (Präteritum) ein lyrisches Ich einem weiblichen Du von einer gemeinsam verbrachten romantischen Stunde am Meer. Statt dass dann klar würde, wozu dies dem Du noch einmal erzählt wird, berichtet das Ich von seinem gegenwärtigen Liebesleid-Zustand, wobei es die Frau „das unglückselge Weib“ nennt und von ihr als einer Abwesenden in der 3. Person spricht. Von diesem Befund des Aufbaus muss man ausgehen, wenn man das Gedicht im Ganzen wie in den Einzelheiten verstehen will – ein Blick in die Rezeption, erst recht in die Vertonung Schuberts zeigt, dass das Gedicht dort anscheinend als ungebrochene Einheit romantisch (miss)verstanden wird.

Die ersten drei Strophen scheinen auf den ersten Blick ein typisch romantisches Gedicht zu sein: Abendschein, Zweisamkeit, Tränen… Doch beim zweiten Blick zeigt sich, dass hier eher eine Satire romantischer Dichtung vorliegt. Das zeigt sich erstens an den Stereotypen der Bilder und am Goethe-Zitat („das Wasser schwoll“, V. 5: Der Fischer); das zeigt sich zweitens an der sinnlosen Formel „flog hin und wieder“ (V. 6) und drittens an der sinnlosen Übertreibung „Tränen fortgetrunken“ (V. 12). Auch die Reime sind schematisch-nichtssagend: „weit hinaus / Fischerhaus“ (V. 1/3); „hin und wieder / Tränen nieder“ (V. 6/8), usw.

Erst recht zeigt der Bruch nach der 3. Strophe, dass die romantische Liebe der ersten drei Strophe eine Illusion ist: „Mich hat das unglückselge Weib / Vergiftet mit ihren Tränen.“ (V. 15 f.) Die beiden voraufgehenden Verse scheinen noch zum romantischen Schema endloser Sehnsucht zu gehören; doch der Bruch im Ton hinter V. 14 („unglückselge“, Vergiftet“) ist nicht zu überhören und entlarvt auch die Liebesklage der Verse 13 f. als romantisches Schema.

Die Form des Gedichtes ist „typisch Heine“: Vier Verse pro Strophe, abwechselnd vier und drei Hebungen mit freier Füllung, abwechselnd männliche und weibliche Kadenzen, dazu ein Kreuzreim: insgesamt die Art eines Volksliedes.

Das Gedicht scheint zum Schlussgedicht von „Die Heimkehr“ zu passen, zu Gedicht LXXXVIII (Nr. 88), dessen 2. Strophe dem Zyklus einen bestimmten Zweck zuweist:

„Jene Flammen sind erloschen,
Und mein Herz ist kalt und trübe,
Und dies Büchlein ist die Urne
Mit der Asche meiner Liebe.“

Aber das will mir nicht einleuchten, dass hier bloß ein Rückblick auf vergangene Liebe vorliegt. Mir scheint ein Rückblick aufs romantische Dichten vorzuliegen. In der Vorrede zur 3. Auflage des Buchs der Lieder (1839) steht Heines Gedicht von der Sphinx:

„Entzückende Marter und wonniges Weh!
Der Schmerz wie die Lust unermeßlich!
Derweilen des Mundes Kuß mich beglückt,
Verwunden die Tatzen mich gräßlich.“

Auch das klingt nach Liebesleid, aber es klingt nur danach; die Distanz zum Leiden ist zu groß, als dass es „echt“ sein könnte. Vielleicht war Heine damals auf dem Weg zu sich selbst: blickte auf die Romantik zurück und wusste noch nicht genau, wohin die Reise geht. Oder auch: Er produzierte Lyrik, die gut beim Publikum ankam („Buch der Lieder“), aber er selber war über den Geschmack des Publikums hinaus. Durch die Vertonung Schuberts bleibt das Gedicht zwar bekannt, wird aber auch „romantisch“ missverstanden, bis auf den heutigen Tag (s. Bilder der fotocommunity).

http://www.schandfleck.ch/textkritik/nachmittag_mit_heine.html (Verriss des Zyklus „Die Heimkehr“, inklusive „Das Meer erglänzte weit hinaus…“)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=yN5XVXfxp3w (Schubert „Am Meer“: Johannes Heidenreich)

https://www.facebook.com/video/video.php?v=1403588534899 (Schubert: Werner Güra)

http://www.youtube.com/watch?v=SYvA9ZUaO5A (Schubert: Alexander Kipnis)

http://www.youtube.com/watch?v=HEEVCKe6O8Y (Schubert: Fischer-Dieskau)

http://www.youtube.com/watch?v=yN5XVXfxp3w (Schubert: Johannes Heidenreich)

http://www.youtube.com/watch?v=fd2EWPGx5Pc (Schubert: Eugen Hilti) u.a.

http://www.youtube.com/watch?v=VrOT3dYn2qA (F. Mendelssohn Hendel: ?)

Sonstiges

http://www.cuxpedia.de/index.php/Heinrich_Heine (Heine-Cuxhaven)

http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/displayimage.php?album=15&pos=117 (Bildpostkarte)

http://www.classiccat.net/schubert_f/957.text.php (Texte von Schuberts Zyklus „Schwanengesang“, dort Nr. 12)

http://www.gopera.com/lieder/translations/schubert_957.pdf (dito, mit engl. Übersetzung)

http://www.schneewittchen-geschenke.de/index.php?page=305969307&f=1&i=305969307&s=305969307 (zur Rezeption: Das Lied war in Schuberts Vertonung um 1870 bei den Militärkapellen beliebt, wurde schon vorher gern gesungen: http://www.hohesufer.com/public/baltisches_ufer.pdf)

http://www.kuttel.org/meergedichte.html (Gedichte über das Meer und über Travemünde)

http://www.kunst-rs-bayern.de/userfiles/Lernzirkel-Malerei-Romantik-9-1208.pdf (ein Beispiel für Rezeption heute: Schule)

http://www.titanic-magazin.de/archive/heftarchiv00-06/?f=1005%2Fwaechter4&cHash=eb7c90ebaad8a09d2bd112baf45c81b6 (Rezeption heute: Nachruf auf F. K. Waechter: „»Und weil sonst nichts war, machte ich in die Leere und machte das Meer.« Der namenlose Knirps pinkelt, und das Meer erglänzte weit hinaus. Dann furzt er noch den Wind und kackt das Land und schafft sich sein Ebenbild, das ist aber ein Mädchen. Und dann wird gottsallmächtig collagiert und die Welt erschaffen, daß es nur so eine Unart hat…“)

http://www.zeit.de/1975/46/winterreise-in-die-literatur/seite-1 (eine Kritik dessen, was in literarischen Reiseführern steht, auch über Heine)

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/29089229 (Meer-Bilder einer fotocommunity)

Die Heimkehr (Text des Zyklus)

http://www.textlog.de/23125.html

http://www.heinrichheine.net/

http://users.telenet.be/gaston.d.haese/heine_die_heimkehr1.html

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich/Gedichte/Buch+der+Lieder/Die+Heimkehr

Heine: Aus meinen großen Schmerzen – Analyse

Aus meinen großen Schmerzen…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/BdL/Lyr-36.html

http://de.wikisource.org/wiki/Aus_meinen_gro%C3%9Fen_Schmerzen

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich/Gedichte/Buch+der+Lieder/Lyrisches+Intermezzo/36.+%5BAus+meinen+gro%C3%9Fen+Schmerzen%5D

Das Gedicht trägt die Nr. 36 im Lyrischen Intermezzo 1823 und dann wieder im Buch der Lieder 1827. Es ist eines der kleinen Gedichte vom Liebesweh, die im Intermezzo reichlich zu finden sind. Die vier Verse jeder Strophe weisen drei Hebungen mit freien Füllungen auf; sie haben alle weibliche Kadenzen, was das Versende betont und das Sprechen ein wenig verlangsamt. Der umarmende Reim verleiht jeder Strophe eine gewisse Geschlossenheit; jeder Strophe besteht zudem aus einem einzigen großen Satz. Wenn auch jede Strophe aus einem großen Satz besteht, ist der Satzbau im Einzelnen ziemlich einfach und volkstümlich (wie die Gedichtform): Hauptsatz, Hauptsatz, mit „und“ angeschlossener Hauptsatz; Hauptsatz, Hauptsatz, zwei kurze mit „und“ angeschlossene Hauptsätze, Nebensatz.

Ein lyrisches Ich beschreibt (im Präsens) das, was es zu tun pflegt: Lieder machen. Es macht sie „Aus meinen großen Schmerzen“ (V. 1); was für Schmerzen das sind, wird nicht direkt gesagt, doch aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass es Liebesschmerzen sind. Mit dem Kontrast groß/klein spielt es die Bedeutung der Lieder herab. Das Personalpronomen „die“ (V. 2) setzt die Lieder als bestimmte voraus – man ist geneigt, in den kleinen Liedern die Gedichte Heines zu erkennen; doch muss man mit solchen Gleichungen vorsichtig umgehen, wie sich später ergibt. Was es mit den Liedern auf sich hat, wird in der zweiten Hälfte der 1. Strophe gesagt, wobei die Lieder metaphorisch als Vögel gesehen werden (Gefieder, flattern, V. 3 f.) Das Vöglein ist in der literarischen Tradition als Liebesbote bekannt (z. B. Achim von Arnim: „Du singest mir von guter Nacht, / Du mußt mein Liebchen grüßen“; Heine parodiert später „Wenn ich ein Vöglein wär“ in dem Gedicht „Der weiße Elefant“). In der Synästhesie „klingend Gefieder“ (V. 3) werden die Lieder zu Vöglein gemacht, die „nach ihrem Herzen“ flattern können. Wer „sie“ ist, wird wiederum nicht gesagt, ist aber im Kontext der flatternden Liebesvöglein klar: die Geliebte [Heines Gedichte sind aber nicht für Amalie bestimmt gewesen, sondern fürs Publikum]. Es reimen sich traditionell, schon trivial „Herzen – Schmerzen“ (V. 1/4), und auch „Lieder – Gefieder“ (V. 2 f.) passen zueinander, da die Lieder ja flatternde Vöglein sind.

Inklusive der (Liebes)Schmerzen bleibt der Sprecher im Bildbereich traditioneller Liebeslyrik; es scheint, als ob ihm durch seine Lieder eine Annäherung an das Herz der Geliebten gelingen könnte. Doch er wechselt dann in der 2. Strophe zum Bericht (im Präteritum) über den Erfolg der Lieder-Vöglein, genauer: über den Misserfolg. Die Lieder fanden den Weg „zur Trauten“ (V. 5), „Doch kommen sie wieder“ (V. 6); das Präsens „wiederkommen“ markiert die Regelmäßigkeit dieses Geschehens, das bis in die Gegenwart anhält. Und sie „klagen“ (V. 6), was wiederholt (V. 7) und im doppelten Reim (Paar- und Binnenreim) mit „nicht sagen“ verbunden wird. Nur indirekt wird gesagt, was sie nicht sagen wollten: „Was sie im Herzen [der Trauten] schauten“ (V. 8). Das kann nur etwas Schreckliches sein, wenn sie es nicht sagen wollen; etwas, was Liebesvöglein verstört: Ablehnung, Bosheit, Verachtung für den unglücklichen Liebhaber. Der Reim „den Weg zur Trauten / im Herzen schauten“ (V. 5/8) stellt zwei Stationen des Weges der Liebesvöglein dar. – In der 2. Strophe durchbricht der Sprecher die romantische Liebeslyrik, wenn auch bereits im Petrarkismus der Topos von der Herzenshärte der Angebeteten fest ausgebildet war.

Im Kontext von Nr. 36 stehen im Lyrischen Intermezzo weitere Liebesleid-Gedichte; besonders schön ist Nr. 37, wo eine Kritik romantischer Vorstellungen (die beiden ersten Strophen, Satire) mit der Liebesklage verbunden ist:

Nr. 37

Philister in Sonntagsröcklein
Spazieren durch Wald und Flur;
Sie jauchzen, sie hüpfen wie Böcklein,
Begrüßen die schöne Natur.

Betrachten mit blinzelnden Augen,
Wie alles romantisch blüht;
Mit langen Ohren saugen
Sie ein der Spatzen Lied.

Ich aber verhänge die Fenster
Des Zimmers mit schwarzem Tuch;
Es machen mir meine Gespenster
Sogar einen Tagesbesuch.

Die alte Liebe erscheinet,
Sie stieg aus dem Totenreich,
Sie setzt sich zu mir und weinet,
Und macht das Herz mir weich.

Ich halte es deswegen für problematisch, bei der unerreichbaren Geliebten immer an Heines Cousine Amalie zu denken, welche ihn abgewiesen hatte; ein konkreter Liebeskummer kann nicht gut jahrelang be- und verdichtet werden – man muss die Liebesklage als Motiv sehen, mit dem auch das Ende der Romantik verbunden ist. Die Töne der Liebesklage stammen von der Totenglocke der Romantik.

Vortrag

http://vimeo.com/31781777 (Westphal)

http://www.youtube.com/watch?v=Qhn_aIhogYY ?

Liebeslyrik Romantik – Literatur der Romantik

Ich gebe einen Überblick über die Links in konzentrischen Kreisen: Liebeslyrik -> Lyrik -> Literatur -> Epoche. Besonders lehrreiche Darstellungen habe ich fett kursiv gesetzt.

http://wiki.zum.de/Liebeslyrik_der_Romantik (Liebeslyrik der Romantik: Merkmale und Beispiele – sehr knapp)

http://www.rp-karlsruhe.de/servlet/PB/show/1335914/rpk75_de_skriptum_lyrisches_bild.pdf (Liebeslyrik: Romantik und Heine, S. 16-22, im Rahmen der Geschichte der Liebeslyrik, an Beispielen erklärt)

http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/lyrik/liebeslyrik/epochen/ (Liebeslyrik – Romantik im Rahmen der übrigen Epochen)

http://www.tememento.de/kb.php?mode=article&k=42 (Lyrik der Romantik)

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/romantik/ (Lyrik der Romantik, v.a. Eichendorff)

http://de.wikipedia.org/wiki/Romantik (Literatur der Romantik)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/16/thema-literatur-der-romantik-1798-1835/ (dito – knapp, mit vielen Links)

http://www.romantik-referat.de/facetten/hauptmerkmale.html (Literatur der R.)

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Romantik (dito)

http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/547.pdf (dito – knapp)

http://www.br.de/telekolleg/faecher/deutsch/literatur/04-literatur-nachgefragt-100.html (dito – knapp)

http://www.helles-koepfchen.de/artikel/3117.html (dito – knapp)

http://www.vormbaum.net/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=87&Itemid=8 (dito – knapp)

http://www.bbs1-lueneburg.de/joomla/files/deutsch/deutsch_homepage/romantik_3.pdf (dito)

http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik (dito)

http://www.literaturwelt.com/epochen/romantik.html (dito – ausführlich)

https://www.phf.uni-rostock.de/institut/igerman/forschung/litkritik/litkritik/start.htm?/institut/igerman/forschung/litkritik/litkritik/Epochen/ee.htm (dito – ausführlich)

http://www.homepage.bnv-bamberg.de/gk_deutsch/m-j-wacht/referate/romantik_referat.htm (dito – ausführlich)

http://www.bbs1-lueneburg.de/joomla/files/deutsch/deutsch_homepage/romantik_3.pdf (viele Einzelinterpretationen; Literatur: knapp)

http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/epoche/daiber_urformel.pdf (Romant. Naturforschung und Dichtung – großer Aufsatz)

https://robert-koch-gymnasium.de/index?class=14&id=27 (Epochenvergleich: Literatur Klassik/Romantik – knapp)

http://www.pohlw.de/literatur/epochen/romantik.htm (die Epoche Romantik)

http://www.bbsw-koblenz.de/schulleben/projekte/literaturgeschichte/romantik.ppt (dito – schöne Präsentation)

http://www.dbgessen.eu/media/lehrer/beyer/Literatur/Romantik.pdf (dito – Präsentation)

http://oregonstate.edu/instruct/ger343/romantik.htm (dito)

http://www.sewanee.edu/german/Literatur/romantik.html (dito – nur Stichworte)

http://www.martinum.de/erstehomepage/material/liromant.htm (dito – Stichworte)

http://www.pinselpark.org/geschichte/spezif/literaturg/epochen/1794_romantik.html (dito – sehr knapp)

Eichendorff: Der Abend – Analyse

Schweigt der Menschen laute Lust …

Text

http://www.zeno.org/Literatur/M/Eichendorff,+Joseph+von/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1841)/1.+Wanderlieder/Der+Abend

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=88 (dort nur „Abend“)

http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/350450_0213_Eichendorff_Abend.pdf

Eichendorff: Rosamunde (http://www.lyrik-und-lied.de/ll.pl?kat=typ.show.poem.eb&&ds=266&id=310&add=&start=0 )

Wenn ich versuche, die eigentümliche Wirkung des Gedichts „Der Abend“ (entstanden vielleicht 1817, veröffentlicht im „Taugenichts“ 1826) zu verstehen, berücksichtige ich zuerst die Form, weil diese die Hauptquelle der Eigentümlichkeit ist. An der Form lassen sich mehrere Aspekte unterscheiden, welche insgesamt den eigentümlichen „Klang“ des Gedichts ausmachen:

1. Es ist ein Ein-Satz-Gedicht, ist also bis Vers 5 einschließlich in einem Atemzug zu sprechen; mit „Und“ (V. 6) wird dann ein neuer Hauptsatz eingeleitet, der aber nur durch ein Komma von seinem Vorgänger getrennt ist. Ähnliches ist bei den Gedichten „Glückliche Fahrt“ von Goethe und v.a. „September-Morgen“ von Möricke festzustellen.

2. Die derart hergestellte Einheit wird durch die syntaktische Verbindung der einzelnen Elemente unterstrichen; deren Verbindungen sind nämlich kaum ausformuliert, sodass die einzelnen Phrasen eher assoziativ aufgereiht als syntaktisch klar verknüpft sind. So fehlt die eindeutige Auszeichnung von V. 1 als Konditionalsatz (Doppelpunkt am Ende!); V. 4 ist syntaktisch frei; V. 5 ist vermutlich als Objekt zu „rauscht“ zu lesen; „Wunderbar mit allen Bäumen“ (V. 3) ist vielleicht auf „rauscht“, vielleicht auf „wie in Träumen“ bezogen. Ähnliches finden wir auch bei Gottfried Benn, etwa in seinem Gedicht „Astern“.

3. Der Schweifreim „laute Lust“ (V. 1), „kaum bewußt“ (V. 4) und „durch die Brust“ (V. 7) hält das Gedicht zusammen, indem er nicht nur den Rahmen (V. 1, 7) bildet, sondern auch in der Mitte (V. 4) noch einmal auftaucht. Durch die männliche Kadenz wird im Sprechen ein kleiner Halt eingelegt (während V. 2 f. und V. 5 f. durchgesprochen werden), was den Reim auch als Klammer bewusst macht. In seiner verbindenden Wirkung gerade auf diese 7 Verse gleicht der Schweifreim dem, was sonst Terzinen leisten. Der Trochäus garantiert ein gleichmäßiges Sprechen.

4. Zum Klang finden wir Folgendes (Fachdidaktik Einecke):

a) Vokalklang: Wiederholung von „ei“, „au“, „äu“, „u“; volle, weiche, sich gegenseitig stützende Klänge;

b) Alliteration: viele weiche Klänge w, b, l – im Kontrast zu wenigen sch und t.

Auf der Ebene der Bedeutung (Semantik) finden wir die Entsprechungen Menschen/Erde, laut/leise sowie außen/innen. Dabei finden folgende Übergänge statt: laut -> leise, mit Menschen -> Erde (mit Bäumen) (V. 1-3); außen -> innen (V. 2 f./6 f.); viele Menschen -> der Einzelne (V. 1/7). Die Verben „rauschen“ und „schweifen“ sind dem Leisen und dem Inneren zugeordnet. Dass dies Übergänge in der einen Welt sind, wird durch die Form des Gedichtes sichtbar bzw. hörbar gemacht. „Das ‚Hörbild’ der Naturvorgänge wird im zweiten Hauptsatz gleichsam umgekehrt, indem der Naturvorgang in das Innere des Menschen verlagert wird. Die äußere Örtlichkeit, unbekannt und offen, verbindet sich mit der Innerlichkeit; – in einem nahezu unbewussten Vorgang.“ (unbekannter Autor)

Ein problematisches Wort ist „Wetterleuchtend“ (V. 7). Zum Verb „wetterleuchten“ finden wir in Adelungs Wörterbuch (1811): „verb. impers. im gemeinen Leben, für blitzen. Es wetterleuchtet, hat gewetterleuchtet. Das Wetterleuchten. In engerer Bedeutung ist das Wetterleuchten, ein Blitz ohne Donner; auch wohl der Wiederschein eines entfernten Blitzes, wobey der Donner wegen der großen Entfernung nicht mehr hörbar ist.“ Aufgrund dieser Erklärung haben wir beim Wetterleuchten wohl nur an das Blitzen, das plötzliche Aufscheinen eines Glanzes zu denken – ahnendes Erleben des Göttlichen, des Erhabenen. Auch die „Schauer“ (V. 6) verlangen eine Erklärung. Unter dem dritten Wort „Schauer“ führt Adelung zwei Bedeutungen an: „2) Eine schnell vorüber gehende Erschütterung der Haut, dergleichen man bey einem plötzlichen Anfalle der Kälte, bey einem hohen Grade des Schreckens, des Abscheues, der Angst u. s. f. empfindet. Es läuft mir ein Schauer über die Haut. […] 3) Eine jede schnell vorüber gehende mit einer Art eines Rauschens verbundene Veränderung. Ein Fieberschauer, ein Fieber-Paroxismus.“ Das Wort hat hier die gleiche Bedeutung wie „Schauder“; man erlebt etwas Überwältigendes, wobei das Erschreckende durch das Attribut „leise“ abgemildert wird. – Das göttliche Fascinosum ist eben auch das Tremendum, es zieht den Menschen an und lässt ihn zugleich erschaudern, wie Rudolf Otto beschrieben hat.

Der Sprecher ist nicht greifbar. Er beschreibt wissend im Präsens, was am Abend geschieht bzw. geschehen kann, dass sich nämlich in der Ruhe die Erde mit den Bäumen, also die Schöpfung zu Wort meldet und ein Schimmer des Göttlichen den schaudernden Menschen erfüllt.

In diesen bisher gezeichneten Rahmen kann man all das einordnen, was man in den unten zur Analyse genannten Links (v.a. die beiden ersten!) findet. Dass die Einheit der Welt möglich ist, dass alle Zerrissenheit überwunden werden kann, wenn der einzelne Mensch sich dem Rauschen der Schöpfung öffnet, das ist eine Botschaft der deutschen Romantik. Sie ist schön anzuhören – ob sie freilich wahr ist, ist eine andere Frage.

Zusätzlich möchte ich noch auf das parallele Gedicht Eichendorffs „Mittagsruh“ hinweisen, wo offensichtlich die gleiche Erfahrung mit der Ruhe des Mittags verbunden ist:

Mittagsruh

Über Bergen, Fluß und Talen,

Stiller Lust und tiefen Qualen

Webet heimlich, schillert, Strahlen!

Sinnend ruht des Tags Gewühle

In der dunkelblauen Schwüle,

Und die ewigen Gefühle,

Was dir selber unbewußt,

Treten heimlich, groß und leise

Aus der Wirrung fester Gleise,

Aus der unbewachten Brust,

In die stillen, weiten Kreise.

Ferner möchte ich noch das zu Lebzeiten Eichendorffs nicht veröffentlichte Gedicht „Rosamunde“ nennen (s.o. bei den Links zum Text), das ich in der Freiburger Anthologie gefunden habe, was mir wie eine Vorstufe von „Der Abend“ aussieht (dies deshalb, weil es in der Form nicht so geschliffen ist, was als nachträgliche Änderung überhaupt keinen Sinn ergäbe).

Im „Taugenichts“ wird das Lied „Der Abend“ von Herrn Guido, der in Wahrheit Fräulein Flora ist, gesungen; zuerst singt Guido das Lied in einer warmen Sommernacht, worauf der Taugenichts gleich einschläft (4. Kapitel), dann im heimatlichen Schlosspark, wo es zur Identifizierung der Sängerin als „Herr Guido“ dient (10. Kapitel). Diese Zusammenhänge brauchen wir aber nicht zu beachten, wenn wir das dort überschriftlose Lied als Gedicht „Der Abend“ lesen.

http://mpg-trier.de/d7/read/eichendorff_derabend.pdf (mit Text)

http://www.uni-regensburg.de/sprache-literatur-kultur/germanistik-ndl-1/medien/pdf/band44.pdf (dort S. 6 ff.)

http://books.google.de/books?id=K0XG4gR5oOsC&pg=PA194&lpg=PA194&dq=%22schweigt+der+menschen+laute+lust%22&source=bl&ots=HYfJAOcLM0&sig=HduyG0A66Y6554tYPKqkD2ytHiI&hl=de&sa=X&ei=6a8cUZKvMsWH4gT_nICgDQ&ved=0CFsQ6AEwCA#v=onepage&q=%22schweigt%20der%20menschen%20laute%20lust%22&f=false (Stephan Jaeger, dort S. 194 ff.)

http://lyrik.antikoerperchen.de/joseph-von-eichendorff-der-abend,textbearbeitung,199.html (schülerhaft-unbeholfen)

http://odl.vwv.at/deutsch/odlres/res4/Literaturgeschichte/Eichdorff-Abnd.html (sachlich problematisch)

http://www.gymnasium-borghorst.de/projekte/unterrichtsprojekte/deutsch/1999/taugenichts/Interpr2.htm (einige Beobachtungen)

http://fachdidaktik-einecke.de/9b_Meth_Umgang_mit_Texten/textanalyse_optisch_lyrik.htm (einige Beobachtungen)

http://www.hblw10.at/pdfs/brp_mat1.pdf (einige Beobachtungen)

Vortrag

http://gedichte.xbib.de/mp3-audio_Eichendorff_Der+Abend.htm (Christoph Niland)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/der-abend.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=QX9yrv-2b4Q (O. I. Wieröd)

http://www.classicalarchives.com/work/607056.html

[Das Gedicht wird gern zum Gedichtvergleich genutzt, z.B. mit „Blauer Abend in Berlin“ (Oskar Loerke), „Abend“ von Gryphius oder Trakl: Verfall.]

Epochenumbruch um 1800, Übersicht – Epochen der deutschen Literatur (Links)

A) In allgemeiner Betrachtung kann man sagen, dass der Epochenumbruch um 1800 der Übergang von der Aufklärung zur Romantik war. Matuschek unterscheidet im Art. „Romantik“ in Metzler Lexikon Literatur (2007) auf europäischer Ebene für das 18./19. Jahrhundert drei Großepochen: Aufklärung / Romantik / Realismus.

Innerhalb der Aufklärung findet man auch die Strömungen des Pietismus und der Empfindsamkeit (etwa seit 1700) sowie in Deutschland den „Sturm und Drang“ (ca. 1770 – 1785). [Man könnte den „Sturm und Drang“ aber auch (mit Korff) als Beginn der „Goethezeit“ und damit als Beginn der Romantik sehen – in der Romantik werden viele Elemente des „Sturm und Drang“ aufgegriffen oder fortgeführt.]

Eine ältere Einteilung sieht die Strömungen (Epochen) Aufklärung / Sturm und Drang / Klassik / Romantik in Deutschland einander folgen. Die Weimarer Klassik umfasste nur wenige Autoren und dauerte von 1786 (Goethes Italienreise) bis 1805 (Schillers Tod) – es gibt auch andere Datierungen. Mme. de Stael (De l’ Allemagne, 1813) zählte übrigens Goethe und Schiller zur deutschen Romantik; darin stimmen ihr heute die meisten Forscher zu.

Fazit: Die Einteilung in Epochen ist umstritten, die Abgrenzung der Epochen ist unscharf; man muss sehen, dass sich verschiedene Strömungen überlagern und dass nicht die eine endet, wenn anderswo und bei anderen Leuten eine (relativ) neue Strömung beginnt. Epochen-Strömungen machen sich auch an Menschen fest. Oft fangen die Jungen etwas Neues an, während die Alten am Bekannten festhalten. Es kann aber auch geschehen, dass einzelne Personen (z.B. Goethe und Schiller nach 1785) ihre literarische Produktion verändern, was wir dann „sich entwickeln“ nennen.

 

B) Eine differenzierte Darstellung in kleinen Einheiten bietet der dtv-Atlas „deutsche Literatur“ (ich besitze die 8. Auflage, 1999). Die schnelle Information findet man im Schülerduden Literatur. Für Lehrer unbedingt lesenswert ist H. A. Korffs vierbändiges ideengeschichtliches Werk „Geist der Goethezeit“, was es antiquarisch noch bei ebay und bei booklooker.de (dort meistens teurer) gibt; vgl. dazu auch diesen Artikel! In der Einleitung skizziert Korff: Geist der Goethezeit (Bd. 1, S. 29 ff. – 2. Kapitel) die „Entwicklung der Goethezeit“ (also den gesamten „Epochenumbruch“) so:

1. Die humanistische Generation

Neu war im „Sturm und Drang“ die optimistische Idee einer natürlichen Humanität, dass der Mensch von sich aus das Menschliche verwirklichen könne: ein Ausweg aus der Krise der auf Arbeitsteilung beruhenden bürgerlichen Kultur. Es geht um die Freiheit zur Selbstentfaltung des Subjekts, woran der dramatische Held jedoch scheitert.

„Sturm und Drang“ ist ein Jugendzustand – die „Klassik“ ist die Zeit des Reifens; dabei wandelt sich die Humanität zu einer sittlichen.  Die Vernunft tritt wieder in ihr Recht, aber sie ist auf ideelle Selbsterhaltung bedacht (und nicht nur an praktischen Ergebnissen orientiert wie in der Aufklärung). Der Subjektivismus ist geläutert, er strebt nicht mehr in die Weite und Fülle des Lebens (Sturm und Drang), sondern in die Höhe (Iphigenie auf Tauris). Unter dem Einfluss Kants zeigt sich bei Schiller ein neuer Dualismus: Vorrang der Pflicht vor der Lust. Der scheiternde Held (Max Piccolomini) repräsentiert die Erhabenheit des Menschlichen.

Die Synthese der natürlichen und der sittlichen Humanität macht dann das eigentlich Klassische aus: die Idee der Schönheit (Schiller: „Das Glück“; Goethe: Hermann und Dorothea). Im Ideal der schönen Humanität stimmen Pflicht und Neigung überein. Das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft ist nicht gestört, das Ideal ist eine überbürgerliche Gesellschaft. Dies ist die deutsche Antwort auf die Französische Revolution. Nicht Revolution tut not, sondern ästhetische Erziehung.

2. Die romantische Generation

sind die um 1770 Geborenen. Sie wiederholen die Sturm-und-Drang-Problematik und erleben zugleich die Problematik des klassischen Lebensentwurfs. In der Romanen der Romantik ringt der Held um seine seelische Gesundung.

Der Romantiker ist der Typus des Entwurzelten (dem entspricht die Ironie als dominierende Haltung). Er sucht, in etwas Objektivem wieder Wurzeln zu schlagen. Dafür stehen ihm eine romantische Weltanschauung (Transzendentalphilosophie oder Religion) oder das Nationalgefühl zur Verfügung.

Unter dem Einfluss von Kants Erkenntnistheorie kann die Welt als subjektiv und wunderbar erlebt werden. Kants Philosophie verbindet sich mit dem vorhandenen Pantheismus zu dem neuen Gott: Fichtes ICH, das sich im dialektischen Weltprozess entfaltet. Psychologisch wirkt sich solche Philosophie als Allmachtsgefühl aus (Schlegel, Novalis), das notwendig zu einem Zusammenbruch der Menschen und der literarischen Figuren (und damit des Subjektivismus) führt.

Darauf kann man mit einer Rückkehr zur „Religion“ antworten, die in verschiedenen Formen erfolgt; es ist die Wendung zu der durch Religion gebildeten Gemeinschaft, dem geordneten (christlichen) Leben und dem Traum von der guten alten Zeit. Als Alternative kann man sich der nationalen Romantik ergeben: Besinnung auf die deutsche Vergangenheit – einmal als Literaturprogramm (Abwendung von französischen Dramen, Hinwendung zum germanischen Shakespeare), einmal als Neuverwurzelung in deutscher Art und Kunst (Modernisierung alter Literatur, Sammlung alter Volkslieder und –dichtungen) – und später in Wagners Musikdramen.

Ein weiteres Ergebnis dieser Rückwendung zu Mittelalter und früher Neuzeit ist die Entstehung des geschichtlichen Bewusstseins. Den historischen Roman können aber nicht „Heinrich von Ofterdingen“ oder „Franz Sternbalds Wanderungen“ begründen, dafür muss Walter Scott auftreten.

Zur Romantik gehört Napoleon und damit auch die Romantik der Befreiungskriege, aus der ein politisches (statt wie bisher kulturelles) Nationalgefühl erwächst.

Die Romantiker und ihre literarischen Figuren sind für uns Phantasiegestalten geworden. [Das möchte ich bezweifeln – Romantik lebt z.B. in der Esoterik oder in der NPD fort, wenn auch in entstellter und historisch überholter Gestalt. Das Faszinierende an Korffs Buch ist die Stringenz, mit der er die Einheit der Zeit darstellt: die Romantik als die Erfüllung des „Sturm und Drang“. N.T.]

 

C) Die erste Epoche großer deutscher Literatur, welche von einigen Literaturdidaktikern „Epochenumbruch um 1800“ genannt wird – eine kurze Übersicht

  • Eine (große) deutsche Literatur beginnt erst Mitte des 18. Jahrhunderts. Die deutschen Dichter von 1730 bis 1800 waren Söhne evangelischer Pfarrer, stammten zumindest aus einem evangelischen Elternhaus. Dort wurde die Bibel gelesen; aber ernsthaft war zunächst nur die Sphäre der Religion.
  • Die deutsche Literatur konnte erst im 18. Jahrhundert bedeutsam werden: Einmal hatte der protestantische Pietismus alle weltlichen Bereiche mit einer religiösen Haltung und Interpretation zu durchdringen versucht; zum anderen kritisierte die Aufklärung den christlichen Wahrheitsanspruch. Daraus resultierte der Enthusiasmus, eine aufgeklärte Welt mit aller religiösen Energie, aber ohne religiöse Pflichten zu begreifen.
  • Paradigmen: Goethes Gedicht „Um Mitternacht“, Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“. Der „Werther“ ist quasi die moderne „Imitatio Christi“. Die Leser des „Werther“ waren wie pietistisch Erweckte. Werther zeigt das Prinzip eines künstlerischen Lebenswandels: frei von gesellschaftlichen Bindungen, vom Genius getrieben, für die anderen unbegreiflich; er entscheidet autonom über sein Leben und Sterben.
  • Die Aufklärung hatte auch die Bibel erfasst, sie wurde als geschichtliches Dokument gelesen, kritisiert und geschätzt. Der Abfall vom Christentum durch das genaue Studium seines Grundtextes führte die Abtrünnigen in den Bereich der Literatur, zu deren Kanon sie dann auch die Bibel als poetisches Buch zählten.
  • Die evangelischen Pfarrer waren arm und mussten ihr Leben auf dem Unterschied zwischen dem unwesentlichen Schein der Dinge und dem wahren Sein des Geistes begründen; diese Haltung übernahmen die Schriftsteller, was ihre Unabhängigkeit vom Publikumserfolg begründete. In der einsamen Lektüre konnte man sich mit gleichgesinnten Lesern zu einer Gemeinde zusammenschließen.
  • Der einzige Ort realer Geselligkeit der Geistigen war die Universität. So wurden universitäre Formen und Themen Formen und Themen der Literatur („Faust“!), Professor Gottsched der (akzeptierte oder verschmähte) Mentor der deutschen Schriftsteller. Alle Neuerungen der Literatur gingen von studentischen Freundschaftsgruppen aus (Halle, Göttingen, Straßburg, Jena, Heidelberg, Berlin, Tübingen). Jünglinghafter Zug der deutschen Schriftsteller und ihrer Helden ist ein Resultat dieses Ursprungs.
  • Um 1770 wurde das Wandern als ästhetisches Vergnügen entdeckt: Die Eliten ahmen die früheren Handwerker nach. Das Volk wird als Quelle poetischer Werke (Volkslieder!), bis hin zu Märchen und Kalendergeschichten, geschätzt.
  • Die seit 1960 pointiert propagierte „Aufklärung“ als Epoche hat partiell eher im Inneren der Menschen stattgefunden; Brief, Tagebuch, Abhandlung wurden nun literarische Formen. Aufklärung hatte in Deutschland weithin die Form der Empfindsamkeit: Mündigkeit des Einzelnen, der unbeeindruckt von Autoritäten sich des eigenen Verstandes bedient und des eigenen Gefühls versichert.
  • Es entwickelte sich ein affektives Verhältnis zur Sprache. Als Leitbilder fungierten Homer und Shakespeare. Die neue eigene Sprache wurde die der pietistischen Frömmigkeit. So begegnet in der deutschen Lyrik des 18. und 19. Jh. Immer wieder das Gebet; es besteht so die Möglichkeit lyrischer Kommunikation mit nichtmenschlichen Mächten. Die verbreitete Metapher „Wasser“ stellt das Eindringen Gottes in die Seele dar.
  • Am Anfang einer deutschen Dichtung großen Stils stehen Klopstocks Oden; Klopstock spricht wie ein Prophet im Ton der Ergriffenheit von Dingen, für die eigentlich der Pfarrer zuständig war: Gott, Seele, Erlösung, Unsterblichkeit. Aus der Religion übernimmt die erdichtete Lyrik den Anspruch der „Wahrheit“, des eigenen Erlebens. Die Kommunikation von Texten muss so vor sich gehen, als sei nie an „Wirkung“ gedacht worden. Die Unvollkommenheit des Ausgedrückten beweist gerade seine innere Wahrheit. So verzichteten die Deutschen auf die ars rhetorica, was ihnen leicht fiel, da sie kein Parlament hatten und Gott alle Täuschungen eo ipso durchschaute.
  • Gerade auch in der Liebeslyrik überspielte die imaginierte Intimität alle Rhetorik. Dichtung erschließt einen „Weltinnenraum“ (Rilke). „Innen“ ist der Ort des Gemüts, der Seele; dem entspricht die „Tiefe“ als Sphäre des Verborgenen. Das Bergwerk: Bild der Seele (Ziolkowski). Geologie, Archäologie und Psychoanalyse sind Beispiele einer angewandten Hermeneutik; die Befreiung von Regeln des Schaffens setzt das Verstehen in sein Recht. Das bringt einen Stil des Unvollständigen mit sich: Undeutlichkeit, die auf vorsprachliche Seelenlagen verweist. – Als Theorie der Sprachskepsis und Sprachkrise begegnet die Entdeckung des unvollständigen Ausdrucks wieder am Anfang der Moderne.
  • Mit der Ersetzung der Religion durch die Kunst ist der Aufstieg der deutschen Literatur vollendet. Zunehmend verstecken die Schriftsteller ihre Vorstellungen hinter den Bildern des griechischen Mythos und befreien sie so von der verpflichtenden (christlichen) Religion: Unsterblichkeit war leicht für jeden zu haben. Die Figuren entschweben gern in eine höhere Welt. Gott wird durch „Natur“ ersetzt. Durch religiöse Ideen genährt, wird Kunst die neue Religion, welche auch noch von der Erinnerung an die alte lebte. Der rauschhafte Zustand der Erhebung setzte eine große Produktivität frei – solche Übertreibung kann nur kurze Zeit dauern.
  • Die griechische Kunst schien solche überzeitlichen Werte verwirklicht zu haben; Winckelmann wurde ihr Prophet. Goethe erlebte auf seiner Italienischen Reise seine Wiedergeburt. Die Romantiker wollten zum Christentum zurückfliehen; zu diesem Zweck mussten sie es ästhetisieren, am besten als katholische Mythologie.
  • Der Kunsttheoretiker tritt bei so erhabenen Werken neben den Künstler; analog kann der philosophierende Dichter kunsttheoretische Überlegungen in sein Werk einbauen. Die Verehrer der Kunst vereinen sich zu einer unsichtbaren Kirche, die ihre Feste in Museen, Theatern und Konzertsälen feiert.
  • Der Bildungsroman erfüllt die Forderung pädagogischen Zwecks und künstlerischer Form vollkommen; deutsche Romane berichten jedoch wenig von der Umwelt, mehr vom Inneren ihrer Figuren, von Ideen und Lehrern, weniger von Liebe und Arbeit, dafür mehr von Einsamkeit und Einweihung in neue Lebensstufen. Bildungsroman, Gedankenlyrik und Ideendrama stehen unter der Herrschaft der Philosophie.
  • Was so geschichtlich bedingt entstanden war, wurde zur Eigenart deutscher Literatur erklärt und als deutsche „Klassik“ gefeiert. International zählt diese Epoche aber zur Romantik – eine Klassik wie in anderen Ländern hat es in Deutschland nie gegeben. Auch das Konzept einer Nationalliteratur hat kein Fundament in der Sache. Ohne das beneidete Vorbild anderer Länder (Frankreich, England) wäre der sprachliche Ausdruck deutscher Intelligenz nicht Literatur geworden, sondern auf Recht, Wissenschaft und Religion beschränkt geblieben. Christliche Religiosität, bürgerliche Intimisierung, philosophische Aufklärung und der Vorrang der Literatur vor anderen Künsten verbanden sich zu dem, was eine erste große Blüte deutscher Literatur geworden ist.

(Wiedergabe, zum Teil mit wörtlichen Anlehnungen, von Heinz Schlaffer: Die kurze Geschichte der deutschen Literatur, München 2002, als dtv-Taschenbuch 2003, S. 54-112; zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass Schlaffer kein Lehrbuch, sondern einen Essay geschrieben hat, weswegen der Gedankengang nicht immer streng zu erfassen ist, ich ins Beinahezitat geflüchtet bin und den Wechsel zwischen erklärendem Präsens und berichtendem Präteritum beibehalte. – Interessant ist auch, wie sich das Dichter-Bild um 1800 geändert hat: https://norberto42.wordpress.com/2013/04/29/dichter-bilder/)

 

D) Erklärung des Umbruchs aus systemtheoretischer Sicht:

„Wie hat sich Literatur im Verlauf der Gesellschaftsevolution von der stratifikatorisch differenzierten Gesellschaft zur funktional differenzierten Gesellschaft als autonomes Funktionssystem ausdifferenziert?

Diese Veränderung der Gesellschaftsdifferenzierung bezeichnet die radikalen Umbrüche in Philosophie, Literatur, Politik, Technik, Recht um 1800. Die Systemtheoretiker gehen davon aus, daß – grob gesagt – die Gesellschaft vor 1800 stratifikatorisch strukturiert war. Was heißt das? Das heißt zum einen, daß die Gesellschaft nach Ständen gegliedert war, zum zweiten, daß der Stand, in den man hinein geboren wurde, darüber entschied, inwiefern man an der Gesellschaft teilnehmen konnte. Ob man Recht bekam oder nicht, ob man ein politisches Mitbestimmungsrecht hatte oder nicht, ob man heiraten oder lieben durfte, wen oder wann man will oder nicht, usw. usw. usw….. Diese verschiedenen Bereiche des Rechts, der Politik, der Religion, der Liebe verändern um 1800 ihre Logiken. Sie sind nicht mehr länger an die Hierarchie der Stände gebunden, sondern werden zu autonomen Funktionssystemen, an denen der Einzelne partizipieren kann. Das Rechtssystem entscheidet über Recht und Unrecht, ohne Ansicht der Person (“Justitia ist blind”) und ohne direkte Eingriffe von außen, z. B. durch den Fürsten oder andere politische Vertreter.

Jedes System hat eine spezifische Funktion, für die es exklusiv zuständig ist. Das Rechtssystem formuliert Rechtsnormen und sichert sie, das Wirtschaftssystem verteilt knappe Güter, und das Literatursystem hat die Funktion Weltkontingenz zu erzeugen, also der Wirklichkeit eine zweite Wirklichkeit gegenüberzustellen, die schöner, fortschrittlicher, besser, oder einfach nur anders ist als die eigentliche Wirklichkeit. Literatur führt uns also stets eine Alternative vor Augen. Das können, eher auf den Einzelnen gemünzt, alternative Handlungen z.B. in Bezug auf das Ende einer Liebesbeziehung, oder – globaler gesehen – auch vollständig alternative Gesellschaftsmodelle sein.“

——————————————– Ende dieser Erklärung————————————————–

Ich habe nachgeschaut, was man (31.01.11) im Netz findet. An der Spitze steht unten das thematische Stichwort; es folgen Darstellung mehrerer (oder aller) Epochen der deutschen Literaturgeschichte. Darauf folgen Darstellungen einzelner Epochen im Zusammenhang mit dem sogenannten Epochenumbruch um 1800. Zum Schluss weise ich auf Bilder als Zugang zum Verständnis (Ansicht und Einblick) einer Epoche hin.

„Epochenumbruch um 1800“

http://www.lindenhahn.de/referate/epochen/epoch1.htm (Theorie und Texte)

http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/romantik/herrenmode.htm (Projekt: Mode der Romantik)

http://www.gesamtschule-solingen.de/pdfs/4_2_Leistungskurs%20Deutsch%20Abitur%202011.pdf (Beispiel einer Kursplanung)

http://www.fachdidaktik-einecke.de/9e_Lehrwerke/lehrwerk_epochenumbrueche.htm (zur Theorie des Epochenumbruchs)

http://www.fachdidaktik-einecke.de/2_Lernen_in_Deutsch/vernetzen_DE_01_2008_einecke.pdf (Theorie und Beispiele dazu: „vernetzen“)

Das Stichwort ist nicht ergiebig – ein Beleg dafür, dass es sich beim Epochenumbruch um 1800 um eine Erfindung der NRW-Didaktiker handelt; man kann eine Reihe Bücher zum prüfungsrelevanten Thema kaufen. Das Zitat aus Schlaffers Literaturgeschichte zeigt, dass der entscheidende Bruch im 18. Jahrhundert erfolgte, etwa um 1750, nicht um 1800; Klopstocks Gedichte und Goethes „Werther“ gehören sicher der neuen Epoche nach dem „Umbruch“ an.

Übersichten: Epochen der deutschen Literatur (einschließlich ‚Aufklärung‘ usw.)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Literaturgeschichte_II.2-Neubauer-SS11.pdf (Literaturgeschichte bis zum Realismus, kompetent!)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Literaturgeschichte_I-2009S-Neubauer.pdf (Literaturgeschichte ab Realismus, kompetent)

http://xlibris.de/Epochen (gute Darstellung, kann Verständnis vermitteln)

http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/epochen.htm (kurz und gut)

http://deutschsprachige-literatur.blogspot.com/p/epochen-der-deutschen.html (knapp)

http://www.pohlw.de/literatur/epochen/index.htm (Behandlung der Literatur zu knapp)

http://www.8ung.at/livingbox/literaturepochen.html (gute Gesamtdarstellung, aber zu wenig Autoren)

http://www.schuelerlexikon.de/SID/12de18d2df4fe37e57f67d9bea904103/index.php?id=21#, dort „Lexikon“ öffnen, dann unter „3 Literaturgeschichte“ die Punkte 3.7 (Lit. des 18. Jh.) und 3.8 (Lit. des 19. Jh.) suchen – sehr differenziert, die beste Gesamtdarstellung

http://www.literaturwelt.com/epochen.html (ziemlich einfach, nicht fehlerfrei)

http://www.faecher.lernnetz.de/faecherportal/index.php?DownloadID=2330 (Arbeiten zum Zentralabitur Deutsch in Schleswig-Holstein 2008-2010, dort S. 253 ff.)

http://wiki.zum.de/Epochen_der_deutschen_Literatur (unterschiedlich, je nach Epoche)

http://www.pinselpark.org/geschichte/spezif/literaturg/index.html (etwas besser als „literaturwelt.com“)

http://www.literaturknoten.de/geschichte/spezif/literaturg/index.html (gleich „pinselpark.org“, also überflüssig)

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschsprachige_Literatur (sehr knapp)

http://www.netschool.de/deu/litg/klett_1.htm und http://www.netschool.de/deu/litg/klett_2.htm (knappe Übersicht)

http://gabrieleweis.de/2-bldungsbits/literaturgeschichtsbits/lg-index2.htm (knapp, einige schräge Stellen)

http://www.netschool.de/deu/litg/litg_gnd.htm (mehr als knapp)

http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/autoren/ (nur Links, eher für Lehrer)

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Literatur-Epochen (da muss man sich anmelden; noch unvollständig – einzelne Artikel unten)

Und noch zwei Übersichten eigener Art:

http://www.gymnasedechamblandes.ch/static/sharedFiles/liges.pdf (Einführung in die Literaturgeschichte)

http://www.rezitator.de/3sat/archiv/ (Eine kleine gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik, von Lutz Görner)

Barock (gehört nur am Rand noch zum Epochenumbruch um 1800, ist aber schulrelevant)

http://de.wikipedia.org/wiki/Barock_(Literatur)

http://www.hellfirez.de/web/referate/inhalte/Barockei.htm (knapp)

http://blog.zeit.de/schueler/category/literatur/barock/ (mit Links)

http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/barock.htm (knapp, Links)

http://www.wissen.de/lexikon/barock (mit Links)

http://webs.schule.at/website/Literatur/literatur_barock.htm (ausführlich)

http://www.bhak-bludenz.ac.at/literatur/barock/default.asp (mit Beispielen und Bildern)

http://encyclopedie-de.snyke.com/articles/barockliteratur.html (zur Problematik des Begriffs „Barockliteratur“)

Aufklärung

http://www.judentum-projekt.de/lessingweb/Aufklaerung.htm (umfassend)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung (umfassend)

http://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung_(Literatur)

http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/aufklaerung.htm

http://blog.zeit.de/schueler/2010/07/28/thema-literatur-des-sturm-und-drang-1767-1790/

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_litgesch/aufkl/litge_auf0.htm (begrenzt gut)

http://www.abipur.de/hausaufgaben/neu/detail/stat/157969243.html

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/sturmwerke/

Empfindsamkeit

http://de.wikipedia.org/wiki/Empfindsamkeit

http://blog.zeit.de/schueler/2010/07/27/thema-literatur-der-empfindsamkeit-1740-1790/

http://www.udo-leuschner.de/sehn-sucht/sehn-sucht/s11empfindsamkeit.htm (Beispiel: Garten)

Pietismus

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Pietismus.html

http://www.philos-website.de/index_b.htm?autoren/pietismus_b.htm~main2

http://www.enzyklo.de/Begriff/Pietismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Pietismus (allgemein)

http://www.philos-website.de/index_b.htm?autoren/pietismus_b.htm~main2 (allgemein)

Sturm und Drang

http://www6.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/722.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Sturm_und_Drang

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Sturm_und_Drang

http://blog.zeit.de/schueler/2010/07/28/thema-literatur-des-sturm-und-drang-1767-1790/#more-430

http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/literaturge/sturmdrang.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Sturm_und_Drang_(Literatur)

Weimarer Klassik

http://herrlarbig.de/de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/

http://www.dinkela.de/zineedit/data/romklassik/Klassik.doc (Weimarer Klassik)

http://www.krref.krefeld.schulen.net/referate/deutsch/r0362t00.htm (kurz)

http://www.till-dembeck.de/folders/dembeck/Dembeck__VL_Klassik_2.pdf (Ringvorlesung „Klassik“)

http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/epoche/lauer_klassik.pdf (Lauer: Klassik als Epoche)

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_litgesch/klas/litge_klass_0.htm

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Klassik

http://blog.zeit.de/schueler/2010/08/02/thema-literatur-der-klassik-1786-1832/

http://geschichte-wissen.de/neuzeit/49-franzoesische-revolution-napoleon/110-die-weimarer-klassik.html (Schülerarbeit)

http://www.weimar-tourist.de/weimarer-klassik.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik

http://www.gym-raubling.de/inhalte/faecher/deutsch/Klassik.doc

*** Neben der Weimarer Klassik wird seit kurzem auch die Berliner Klassik genannt:

http://www.berliner-klassik.de/ (das Projekt)

http://berlinerklassik.bbaw.de/BK (Datenbanken)

Romantik

http://www.lehrer-online.de/romantik.php

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Romantik

http://de.wikipedia.org/wiki/Romantik

http://blog.zeit.de/schueler/category/literatur/romantik/

http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/romantik/literatur.htm

http://www.wcurrlin.de/kulturepochen/kultur_romantik.htm

http://www.referate10.com/referate/Epochen/2/Romantik—Literatur-der-Romantik–Philosophischer-Hintergrund-der-Romantik-reon.php (Schülerreferat)

https://norberto42.wordpress.com/2013/04/15/liebeslyrik-romantik-literatur-der-romantik/ (Liebeslyrik)

Realismus (bürgerlicher bzw. poetischer)

http://www.xlibris.de/Epochen/Realismus

http://webs.schule.at/website/Literatur/literatur_realismus_poetisch.htm

http://webs.schule.at/website/Literatur/literatur_realismus_poetisch_de.htm (Autoren!)

http://www.wissen.de/thema/der-realismus-rueckzug-aufs-buergerliche

https://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_(Literatur)

http://www2.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/726.pdf

http://www.pinselpark.de/geschichte/spezif/literaturg/epochen/1850_realismus.html (schwach)

http://www.literaturwelt.com/epochen/real.html (schwach)

http://bildungsserver.hamburg.de/realismus/ (Links)

Ich finde es auch hilfreich, Bilder einer Epoche zu betrachten. Dazu habe ich gefunden:

Aufklärung und Absolutismus:

http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/baden/ka/absol/index.htm (Übersicht, Start der Austellung: Baden 1689 – 1789, im Badischen Landesmuseum Karlsruhe, sehr umfangreich und anschaulich)

http://www.picsearch.de/imageDetail.cgi?id=tf1n8LrL458SPiXtg23_XUefo3MhON8tTdHOBqMHW7s&width=1748&start=127&q=Aufklärung (das 18. Jh.)

Empfindsamkeit:

http://www.picsearch.de/imageDetail.cgi?id=Ip4OaJyQY9L61FN8nIaNp2RXdEOjnUC5zWRlsmPW-Mo&width=1748&start=1&q=Empfindsamkeit

Unter google Bilder: Die Suchwörter „Weimarer Klassik“ bieten viele Bilder, daneben gibt es mit Bildern den „Schnellkurs Goethe“ unter http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=804 (das ganze Goethezeitportal ist lesenswert!).

Sodann sind bei google „Romantik Kunst“ und „Romantik Epoche (Malerei)“ ergiebig; „Pietismus Epoche“: wenig, „Sturm und Drang Epoche“: wenig, während es zur „Empfindsamkeit Epoche“ einige Bilder gibt.

Vgl. auch meine Darstellung „Epochenumbruch um 1900“, zu dem eigentlich der oben genannte bürgerliche Realismus bereits als Hintergrund gehört: https://norberto42.wordpress.com/2010/10/03/epochenumbruch-um-1900-2/ und die Linksammlung zu Neue Sachlichkeit!