Kästner: Der geregelte Zeitgenosse – Analyse

Hei, wie er die Zukunft auswendig wußte!
Er kannte die Höhe der Summe genau […]“

Das Gedicht ist eine Auftragsarbeit für die Nr. 43 der Zeitschrift „Jugend“ (1930), die dem Thema „Spießer“ gewidmet war. Kästner stellt darin den geregelten Zeitgenossen vor, der den Ablauf seines Lebens total verplant hat. Ein anonymer Sprecher beschreibt diesen Zeitgenossen im Stil einer Typisierungi, wobei er ihn scheinbar zweimal bewundert – aber an beiden Stellen ist nicht klar, ob er personal aus der Sicht des Zeitgenossen spricht oder aus seiner eigenen Perspektive.

Der Sprecher beginnt mit einem begeisterten Ausruf „Hei, wie er die Zukunft auswendig wußte!“ (V. 1) Wenn man die Hei-Begeisterung dem Sprecher zurechnet, dann dient sie, vom Autor aus gesehen, dazu, den Zeitgenossen erst recht ins kritische Licht zu rücken. Das vorgreifende Wissen des Zeitgenossen (Z) – die Zukunft kann man eo ipso nicht kennen, also auch nicht auswendig wissen, auch wenn man Vorsorge für bedrohliche Ereignisse trifft – wird dann am Beispiel der Sterbeversicherung erläutert (V. 2-4); das ist ein gängiges Verfahren der Typisierung, neben verallgemeinernden Beschreibungen, wie sie in der 2. Strophe vorliegen (Aufzählung in V. 6, die mit der Vielzahl alles abdeckt). Der Z wird mit seiner Lebenseinstellung von anderen als fürsorglicher Familienvater anerkannt (V. 5). Das entscheidende Stichwort ist „versicherungsrechtlich geregelt“ (V. 7): Regelung schließt Unvorhergesehenes aus. Daraus ergibt sich das anerkennende (Selbst?)Lob in V. 8: „Er hatte das Schicksal glatt in der Hand.“ Das ist natürlich unmöglich, wie man seit alters weiß – selbst die Götter der Griechen waren dem Schicksal unterworfen, und die Christen beten mit Jesus: „Dein Wille geschehe!“ Es folgt ein weiteres Beispiel dafür, wie der Z sein Leben verplant hat (Gehaltsentwicklung ist vorhersehbar – er kann eigentlich nur Beamter sein). Die Sicherheit seines Wissens wird hypothetisch gegen die Möglichkeit, dass sich die Erdachse verböge, gestellt (V. 9) – ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Erdachse ja nur eine gedachte Linie ist, die sich nicht verbiegen kann. Die beiden unmöglichen Aussagen (Schicksal, Erdachse) stellen das Gedicht in die Nähe einer Satire.

Wenn man die Form des Gedichtes betrachtet, fällt auf, dass der Sprecher den Knittelvers gewählt hat (vier Hebungen mit freier Füllung); die Verse sind teilweise im Kreuzreim, teilweise im umfassenden Reim aneinander gebunden, abwechselnd mit weiblicher und männlicher Kadenz – zusammen ergibt das ein lebhaftes Sprechen, in Distanz zu hoher Lyrik. Die Satzlänge (oft über drei Verse) macht es schwer, in den reimenden Versen auch semantische Bezüge herzustellen. Das geschieht eher in einer Strophe mit kurzen Sätzen, z.B. in V. 13/15 (hohe Mauern – sich bedauern), aber gelegentlich auch in denen mit längeren, z.B. V. 18/20 (was sie besprächen – wie sie sich unterbrächen) oder V. 22/24 (Amerika – immer noch da).

In der 4. Strophe wird sein Leben in einem Bild negativ bewertet, was man dem Sprecher zurechnen muss: Hohe Mauernii umgeben ihn und rücken immer näher – sie beschränken die Sicht und verstellen die freie Bewegung (V. 13 f.). Aus der Sicht anderer ist das richtig, aus der Sicht des Z aber nicht: Die Gewohnheit und die totale Regelung gibt ihm ja gerade den Blick in die Zukunft frei (vgl. 1. und 2. Str.); so verstehe ich nicht, dass er sich zu bedauern beginnt (V. 15 f.) – das passt einfach nicht zur Lebenseinstellung des Z, wie sie bisher beschrieben wurde, und stellt m.E. eine Schwäche des Gedichtes dar: Was der Autor meint, darf er nicht durch seinen Sprecher dem Z unterstellen!

Worin die hohen Mauern bestehen, wird an einem Beispiel erklärt (V. 18-20): Alle Worte und Gespräche sind vorhersehbar, laufen nach einem strengen Schema ab. Die drei Verse werden summarisch eingeleitet: „Da half kein gesteigertes Innenleben.“ (V. 17) Zu ergänzen ist aus dem Kontext: Es half nicht gegen das Leiden an den hohen Mauern. Da aber das täglich gleiche Gespräch gerade die hohen Mauern ausmacht, nicht aber ein „gesteigertes Innenleben“ darstellt, ist V. 17 objektiv ironisch zu lesen – ob der Sprecher es ironisch meint, sei dahingestellt.

Die mit V. 13 einsetzende negative Bewertung des geregelten Lebens wird in der 6. Strophe fortgesetzt: Alle Lebensvollzüge (Aufzählung,V. 21), selbst Lieben und Atmen werden zu einem „Amt“: Ein Amt ist eine offizielle (Dienst)Stellung, die mit bestimmten Pflichten verbunden ist, oder eine Aufgabe, zu der sich jemand bereit gefunden hat: Obliegenheit, Verpflichtung (Duden: Deutsches Universalwörterbuch). Bei der Liebe spricht man öfter von ehelichen Pflichten, aber wenn das Atmen ein „Amt“ wird, ist das Leben deformiert. Im nächsten Vers beklagt sich der Z über den Verlust seines Lebens: „Er war doch mal ein Mensch gewesen!“ (V. 23) In der erweiterten Abhängigkeit von „sich bedauern“ (V. 15), aufgrund des Rufzeichens am Versende (V. 23, vgl. V. 24) und des folgenden Gedankens „Verdammt!“ (V. 24) muss man V. 23 als personal, also aus der Perspektive des Z gesehen denken. Wenn er Mensch gewesen war, dann ist er es jetzt nicht mehr – mit dieser Einschätzung hat der Z recht; denn den Menschen zeichnen Spontaneität und Kreativität aus, aber dem Z sind sie abhanden gekommen, und er war auch noch stolz darauf gewesen (1. – 3. Str.).

Zum Schluss berichtet der Sprecher episodisch von Fluchtgedanken des Z (V. 25 ff.), die aber nicht verwirklicht werden – wobei ihm die Flucht nach Amerika auch gar nichts genützt hätte: „So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,heißt es in Goethes Gedicht „Dämon“ (in: Urworte, orphisch), entfliehen auch nicht durch den Umzug nach Amerika. Die beiden letzten Verse „erklären“, weshalb der Z nicht nach Amerika gegangen ist: aus Rücksicht auf seine Frau. Auch das ist eine schwache „Erklärung“, welche die innere Starrheit des geregelten Lebens nach außen transportiert und bei der Frau ablädt.

Der Typus des geregelten Z ist in diesem Gedichtiii gut getroffen; die Selbstkritik und das Leiden des Z an seinem Leben finde ich nicht glaubwürdig – hier wird die Kritik des Autors auf die schwachen Schultern des Z geladen.

ii Die hohen Mauern erinnern mich an Kurt Martis Geschichte „Neapel sehen“ aus „Dorfgeschichten“ (1960).

iii Das Gedicht erinnert mich an einen wunderbaren Text Erich Pawlus: „So ein dummer Mensch“, in der SZ vom 11. August 1984; da wird das von lieben Gewohnheiten bestimmte Leben in einem flirrenden Spiel verschiedener sich kreuzender Perspektiven (Frau Kriegler, ihr Mann Arnold, die Briefkastentante „Frau Tatjana“) beleuchtet.

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Kästner: Der synthetische Mensch (1931) – Interpretation

Professor Bumke hat neulich Menschen erfunden,

die kosten zwar, laut Katalog, ziemlich viel Geld […]

Im leichten Ton des flotten Erzählens wird ein schweres Problem zur Diskussion gestellt, ohne dass es eigens genannt würde. Welches Problem? Schauen wir in den Text! Der Ich-Erzähler (V. 5) berichtet von einer Begegnung mit Professor Bumke, dem es gelungen ist, Menschen künstlich so herzustellen, dass dass man sich den gewünschten Typ bestellen und liefern lassen kann. Sie kommen „fix und fertig zur Welt“ (V. 4), ihre Herstellung kostet viel Geld (V. 2) und dauert sieben Stunden (V. 3).

Professor Bumke hat dem Sprecher die Vorteile (V. 5) dieses Verfahrens erklärt, und der Sprecher stimmt ihm zweimal zu (V. 8, V. 12); das macht den Großteil des Gedichtes aus (2. – 8. Str.); der Sprecher macht dann einen Einwand (9. Str.), den Bumke jedoch entkräftet, womit er den Sprecher überzeugt (10. Str.) – den Leser aber nicht, und das ist der Sinn dieser Satire.

Die zehn Strophen bestehen aus 12 – 14 Silben, sie sind im Kreuzreim miteinander verbunden; manchmal sind sie in Jamben getaktet, aber nicht immer. Durch die ungleiche Silbenzahl und die Wechsel im Takt wird in einem flotten Tonfall erzählt. Der Sprecher gebraucht kaum Nebensätze, er spricht gehobene Umgangssprache. In der 4. – 8. Strophe steht der Konjunktiv der indirekten Rede, abhängig von „sagte“ (V. 13), in der 9. Strophe abhängig von „Ich sagte“ (V. 33). Nur einmal wird wörtliche Rede des Professors berichtet (V. 36) – diesem Satz kommt dann auch große Bedeutung zu.

Da die Geschichte von einer völlig unmöglichen Begebenheit ausgeht und sie entfaltet: Menschen synthetisch nach Wunsch herzustellen (Überschrift und V. 4, V. 32), ist sie leicht als Satire zu erkennen; so bleibt zu fragen, was darin kritisiert wird. Das findet man schon in der 2. Strophe: Bumke hat die Vorteile seines Verfahrens erklärt, und der Ich -Sprecher stimmt ihm zu: „Die Bumkeschen Menschen sind das, was sie kosten auch wert.“ (V. 8) Hier steckt das Problem: Dass Menschen ein finanzieller Wert zugemessen wird, wie Sklaven auf dem Sklavenmarkt. Damit wird die große Idee der Menschenwürde verneint. Kant hat diese so gegen den „Wert“ abgegrenzt: „Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis, oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes, als Äquivalent, gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.“ (Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785) Das heißt, dass ein Mensch letztlich nicht gegen einen anderen Menschen gleichen Wertes ausgetauscht werden kann – ein Busfahrer oder eine Ärztin können gegen einen Busfahrer oder eine andere Ärztin ausgetauscht werden, aber nicht als Mensch gegen einen anderen Menschen. Genau das aber geschieht mit den Bumkeschen Menschen: Es gibt 219 Sorten von Menschen (V. 30), sie bestehen aus Zubehörteilen (V. 10); misslungene Exemplare kann man zurückgeben (V. 31), die werden dann überarbeitet und durch ein repariertes Exemplar ersetzt (V. 32). Man merkt als heutiger Leser, wie aktuell das Gedicht ist, wenn man an künstliche Befruchtung und Embryonendiagnostik denkt: Da werden Fragen nach der menschlichen Würde berührt, die man nicht leichthin entscheiden kann.

Ein zweiter Aspekt der Kritik betrifft den Wunsch, einen Menschen fix und fertig nach Maß vor sich zu haben, ihm also Kindheit und Jugend (V. 11), eigene Begabung und Krankheit (V. 21 ff.) zu ersparen: Kindheit und Jugend seien bloß Zeitverschwendung, eigene Begabung und Krankheit störten den Elternwunsch. Das formuliert der Sprecher, nachdem er dem Urteil Bumkes zuerst zugestimmt hat (V. 11 f.), als Einwand: dass die synthetischen Menschen konstant seien und sich nicht entwickelten (V. 35). Darauf antwortet der Menschenfabrikant wörtlich: „Das ist ja gerade das Gute!“ (V. 36) Damit verweigert er seinen Produkten die Autonomie und das eigene Schicksal, also das Recht, sich in der Auseinandersetzung mit Welt und Menschen selber zu bestimmen. Auch hier merkt man, dass Kästners Gedicht noch aktuell ist, wie man zum Beispiel am G8-Gymnasium sieht: „Die Abiturienten sollten durch die Schulzeitverkürzung ein Jahr früher ihre Berufsausbildung beginnen und entsprechend früher Steuern und Sozialabgaben zahlen. Die Wirtschaft sollte auf im Durchschnitt ein Jahr jüngere Berufseinsteiger mit Abitur bzw. abgeschlossener Hochschulreife zurückgreifen können.“ (Wikipedia: „Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe“) Dagegen plädiert Kästner – natürlich gegen seinen Ich-Sprecher und Professor Bumke – für das Recht auf Kindheit, Jugend und eigene Entwicklung, für Menschen, die „für die Welt und die Eltern nicht recht zu verwenden“ (V. 22) sind. Wiege und Kindergarten sind eben nicht nur „Umweg“ (V. 19), wie Bumke meint.

Das Gedicht ist leicht zu verstehen. Einen Hinweis verdienen

  • die Alliteration „Bärte – Busen“ (V. 9)
  • das Beispiel des Rechtsanwaltssohnes (V. 13-20)
  • die technischen Bezeichnungen (erfunden, V. 1; Herstellung, V. 3; Zubehörteile, V. 10; Verfahren, V. 28; Menschenfabrik, V. 29; Sorten – Retorten, V. 30/32)
  • der Handel mit Menschen (Katalog, V. 2; viel Geld, V. 2; kosten, V. 8; bestellen, V. 14, liefern, frei ab Fabrik, V. 15; liefern, V. 30; Aufträge, V. 31; Fertigartikel,V. 33; bestellen, V. 40)
  • einige besonders schöne Reime (viel Geld – fertig zur Welt, V. 2/4; Sohn, der Rechtsanwalt sei – des Vaters Kanzlei, V. 13/15; Menschenfabrik – nimmt zurück, V. 29/31; 219 Sorten – verschiedene Retorten, V. 30/32; Fertigartikeln – sich niemals entwickeln, V. 33/35)

Zuerst schmunzelt man über Kästners Einfälle in diesem Gedicht, doch bald kommt man ins Nachdenken… Man kann nach der Lektüre auch an „Die Entwicklung der Menschheit“ denken; dort wird der Fortschritt als bloßer Schein entlarvt, hier wird der Fortschritt in seiner unmenschlichen Zielsetzung kritisiert.

 

http://www.textlog.de/33270.html (Kant-Lexikon: Würde)

https://www.deutschelyrik.de/index.php/der-synthetische-mensch.html (Vortrag f. Stavenhagens) = https://www.youtube.com/watch?v=Dsx0HKJGvf0

http://www.deutschkurse.ch/files/Metrik/Metrik-Uebungen/ME_Kaestner_Gedichte.pdf (metrisches Schema, dort S. 10 f.)

Kästner: Sogenannte Klassefrauen – Analyse

Sind sie nicht pfui teuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die „Klassefrauen“ […]

Der erste Vers hat es in sich, „pfui teuflisch anzuschauen“ ist nicht leicht zu entschlüsseln:„Pfui Teufel“ ist eine Äußerung des höchsten Abscheus, die Wendung „pfui teuflisch“, davon abgeleitet, gibt es sonst nicht – was bedeutet sie also hier? Ist sie wirklich Ausdruck des Abscheus oder schwingt ein bisschen Bewunderung mit, da es ja um Klassefrauen geht? Ich denke, aus dem Fortgang des Gedichts, vor allem aus der letzten Strophe ergibt sich, dass hier wirklich reiner Abscheu ausgedrückt wird, da es sich ja nur um sogenannte „Klassefrauen“ (in Anführungszeichen!) handelt.

Ab V. 2 wird in vier Strophen erklärt, was für Frauen die sogenannten Klassefrauen sind. Die erste Bestimmung dieser Frauen liegt darin, dass sie sich die Nägel rot färben, „weil es Mode ist“ (V. 3). Diese Begründung ist entscheidend, nicht das Färben an sich. Dass ein Handeln aus dem Motiv „weil es Mode ist“ Unsinn ist, wird im Folgenden recht witzig demonstriert: Es wird nämlich vorgeführt, was sie alles bedenkenlos täten, wenn es Mode würde („Wenn es Mode wird“, V. 4, wiederholt oder variiert bis V. 21): die Nägel abkauen, sie mit dem Hammer blauhauen (nette Variation zu rot färben), die Brust färben, als Kind sterben (paradox – man kann na nicht nachträglich als Kind sterben!) usw., bis dahin, „das Bein zu heben an Laternen“ (V. 20) wie die Hunde, nur dass sie das als Frauen nicht können… Das Unsinnige ihrer Modeverfallenheit wird besonders deutlich, wenn sie sich daran erfreuen würden, sich die Finger mit dem Hammer blau zu hauen (V. 5 f.), sich also Schmerz zuzufügen, oder wenn sie wie Tiere auf allen Vieren durch die Stadt kriechen würden (V.15 f.); eigentlich zeigen alle Beispiele den Unsinn des Modefimmels auf. Ich zweifle nicht daran, dass der Sprecher heute auch das Tätowieren in seine Liste aufnähme.

Der Rhythmus des Gedichtes ist schwungvoll und lebhaft: Die fünf Verse einer Strophe bestehen aus fünfhebigen Trochäen, die in der Kadenz weiblich – männlich folgendermaßen wechseln: w – m – w – w – m, wobei sich die w- und die m-Verse jeweils reimen (dazu später). Dieses Fünferschema ist aus einem Viererschema mit Kreuzreim entstanden, wobei die Struktur des dritten Verses im vierten wiederholt wird. Dieses Strophenschema ist in der ersten Strophe noch einmal verändert, indem ein Vers vom Typus des ersten Verses vorgeschaltet wird, so dass wir das Schema w – w – m – w – w – m haben, mit entsprechenden Reimen. Die Reime der w-Verse passen im Allgemeinen zueinander, da es sich um die unsinnigen Prozeduren handelt, welchen sich die „Klassefrauen“ unterziehen würden: abkauen, blauhauen, Brust färben, als Kind sterben usw. Bei den m-Reimen muss man im Einzelfall prüfen, ob sie einen semantischen Mehrwert besitzen: in V. 3/6 ist das der Fall (die Freude passt zum Färben), in den weiteren Strophen gilt das mit einer kleinen Einschränkung auch, wenn man sich nicht nur auf das letzte Wort des jeweils zweiten Verses beschränkt, sondern den zugehörigen Satzkern dazu nimmt.

Die 5. Strophe wird nach dreimal „Wenn“ mit „Denn“ eingeleitet; es folgt die Erklärung dafür, dass die sogenannten Klassefrauen immer mit der Mode und nur mit ihr gehen: Sie fliegen auf „den ersten besten Mist / […] wenn sie hören, daß was Mode ist“ (V. 23/26, ein sinnvoller Reim). Der Vergleich „wie mit Engelsflügeln“ untermalt nur das metaphorische Verb „fliegen auf“ so, als ob es wie normales „fliegen“ gebraucht würde, ist also eigentlich nicht passend. Die ins Unsinnige gesteigerten Fälle des Modischen, bei denen die Frauen mitmachten, weisen das ganze Gedicht als Satire aus, genau wie die innere Unmöglichkeit, nachträglich als Kind zu sterben (V. 9) oder als Frau das Bein an Laternen zu heben (V. 20).

In der letzten Strophe äußert der Sprecher seine Wünsche dahin, wie man die sogenannten Klassefrauen wieder loswerden könnte, in Wenn-Sätzen mit Konjunktiv II:

  • Wenn‘s doch Mode würde, zu verblöden! (V. 27)
  • Wenn‘s doch Mode würde diesen Kröten / jede Öffnung einzeln zuzulöten! (V. 29 f.)

Der erste Wunsch brauchte gar nicht geäußert zu werden, weil die „Klassefrauen“ nach Meinung des Sprechers ohnehin verblödet sind; die Mode des Verblödens gäbe ihnen allerdings die Chance, besonders groß herauszukommen – „Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.“ (V. 28) Der zweite Wunsch ist recht sarkastisch ein Todeswunsch, wobei das Zulöten nicht zur Kategorie Lebewesen passt (Merkmal der Satire): „Denn dann wären wir sie endlich los.“ (V. 31)

Der Sprecher unterscheidet sich deutlich von anderen Männern, welche besagte Frauen „Klassefrauen“ nennen, weil sie mit der Mode gehen, um sich von anderen Frauen (Mauerblümchen, Bauerntrampel – oder wie man sie sonst beschimpfen mag) unterscheiden. Seine Kritik ist darin begründet, dass sie auf den ersten besten Mist hereinfallen, ja auf ihn fliegen (V. 23)

Ein Gedicht über Frauenmode, das ist Neue Sachlichkeit!

https://www.youtube.com/watch?v=tJJvXhTiFuQ (Vortrag Hermann Lauses)
https://www.youtube.com/watch?v=QL42QjvE-mc (Vortrag, bebildert)
https://www.youtube.com/watch?v=mHLgIi2YIS0 (Vortrag Dirk Maiwalds, gesungen), sowie weitere Versuche des Vortrags, auf youtube zu finden.

Kästner: Die Zunge der Kultur reicht weit – Analyse

Die Zunge der Kultur reicht weit!

Wohin sie sich erstreckt […]

Die Idee dieses witzigen Gedichtes ist aus einer Redewendung herausgesponnen: „von der Kultur beleckt sein“ bzw. „von Kultur unbeleckt sein“. Schon diese Redewendung ist ein wenig spöttisch distanziert und besagt, dass Leute, ein Ort oder eine Landschaft (keine) Kultur kennen. Diese metaphorische Redewendung wird nun wörtlich genommen – ein in Satiren übliches Verfahren: als ob die Kultur ein Lebewesen mit einer Zunge wäre (V. 10: „Die Zunge raus, Kultur!“), was vom Sprecher ironisch zu einer Kritik der vermeintlichen Unkultur und vom Autor zur Kritik einer vermeintlichen Kultur genutzt wird.

In der 1. Strophe wird das Bild von der Zunge der Kultur gemalt, von der „der Mensch nebst seiner Zeit“ (V. 3) rundum beleckt wird. Das Tempus ist Präsens, d.h. dass wir in dieser Zeit leben, dass die Aussage vom beleckt Sein jetzt gültig ist; in V. 4 wird das Bild durch eine Häufung von Richtungsangaben satirisch gefärbt.

Die Strophenform mit den fünf Versen, die eine limerickartige Variation der Chevy-Chase-Strophe darstellt, finden wir bei Kästner häufig: a – b – a – a – b, Wechsel von vier (a) und drei (b) jambischen Hebungen, alle mit männlicher Kadenz. In den folgenden Strophen wird dieses strenge Schema jedoch abgewandelt, nur die Reimform bleibt erhalten. Die Grundform wie auch ihre Variationen erlauben ein flottes Sprechen; dieses Sprechtempo passt zur (ironischen) Empörung über die von der Kultur Unbeleckten, die in den folgenden zwei Strophen zelebriert wird, während in der vierten Strophe das ebenfalls ironische Loblied unserer Kultur („wir“, V. 16) gesungen wird; erst in der letzten Strophe kommt es angesichts der Auswüchse unserer Kultur dazu, dass sie offen kritisiert wird.

Mit dem ersten Vers der 2. Strophe wird ein christliches Lied (1704 von Johann Metzner gedichtet, vertont 1738 von J. B. König) zitiert:

O dass ich tausend Zungen hätte / und einen tausendfachen Mund,
so stimmt ich damit um die Wette / vom allertiefsten Herzensgrund
ein Loblied nach dem andern an / von dem, was Gott an mir getan.“

Diese tausend Zungen werden hier der Kultur gewünscht (Konjunktiv II), da sie noch so viel zu belecken habe: Neger ohne Uhr, Dörfer ohne Operette, Eskimos ohne Klosette (V. 7-9), wobei der Reim „Operette – Klosette“ besonders witzig (Kontrast!) ist; die übrigen Reime stellen nur eine lautliche Verbindung her. Da die Neger, Dörfer, Eskimos auch ohne die besagten Errungenschaften der Kultur bisher gut gelebt haben, wird schon deutlich, dass die Kritik an ihrem „kulturlosen“ Leben nicht so ernst gemeint sein kann. Das zeigt auch die Zusammenstellung der Kulturgüter Uhr – Operette – Klosette, die nichts miteinander zu tun haben: ein Merkmal der Satire. In die gleiche Richtung weist die folgende an die Kultur (wie eine Person) gerichtete Aufforderung: „Die Zunge [zum Belecken, N.T.] raus, Kultur!“ (V. 10) Für das Wort „Klosette“ (V. 9) hat der Sprecher sich entschuldigt, als ob es in der Kultur unanständig sei, von Klosetten zu sprechen (wie man in der viktorianischen Zeit in feinen Kreisen nicht das Wort „Unterhose“ benutzen durfte!) – diese Verschämtheit zu zeigen ist hier pure Ironie.

Die Aufzählung der kulturlosen Menschen („Noch gibt es…“, V. 11, wie bereits V. 7) wird in der 3. Strophe fortgesetzt: mehr oder weniger unbekleidete Frauen sowie zwei Gruppen, die einer Kommentierung bedürfen. Die Wendung „ohne Kleid und Scham“ (V. 12) ist ein Zeugma: ein Stilfigur, die oft ein wenig komisch wirkt. Dass Männer im Dunkeln geigen (V. 13) hat wieder nichts mit den Frauen und den Schweigern zu tun: Satire, ja die Beobachtung selbst zu nennen ist bereits Unsinn – als ob es nicht egal wäre, wenn Männer (hier als Pendant zu den Frauen, V. 11 f.) im Dunkeln geigen! Die in V. 14 genannten Schweigenden („selbst wenn sie dumm sind“) können vom Sprecher der Unkultur zugerechnet werden, weil Schweigen normalerweise als Zeichen der Klugheit gilt („Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“; „si tacuisses, philosophus mansisses“: wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben; vgl. z.B. auch Jesus Sirach 20,1-8). Alle seine Beobachtungen bewertet der Sprecher abschließend: „Man kann das kaum verstehn…“ (V. 15), wobei die drei Pünktchen seine Sprachlosigkeit bezeugen.

Diesen verschiedenen Gruppen, die „noch nicht“ von der Kultur beleckt sind, stellt der Sprecher in der 4. Strophe unsere Kultur („wir“, V. 16, betont – entspricht dem betonten „Noch“ in V. 7, 11, 13) gegenüber, und zwar in vier Aussagen, die allesamt als Anzeichen von Hochkultur lächerlich sind; denn Kinder kann man auch mit großem Vergnügen natürlich herstellen, Nahrung in Normalform genießen, in Würde altern und Bouillon aus richtigen Eiern statt aus Teer herstellen. Alle vier Aussagen müssen zu Kästners Zeiten als unrealistisch angesehen werden, als unmöglich: wiederum ein Zeichen der Satire. Abschließend werden diese „Errungenschaften“ ironisch als „enorm“ (V. 20) gepriesen. Die gleiche Kulturkritik, die aus diesem total überzogenen Lob der eigenen Kultur spricht, finden wir übrigens auch in Kästners Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“.

In der letzten Strophe wird zunächst die Aufzählung unserer kulturellen Errungenschaften fortgesetzt (V. 21 f.), wiederum eine unsinnige Form von Kultur: Straßenkehrer brauchen wirklich kein Abitur! Belesen „in Schund und Schmutz“ (V. 22) ist ein witziges Attribut der Straßenkehrer; hier wird die gängige metaphorische Bewertung einer bestimmten Sorte von Unterhaltungsliteratur als Schmutz-und-Schund-Literatur aufgegriffen und ihre Kenntnis für Straßenkehrer, die ja wirklichen Schmutz beseitigen sollen, gefordert – wiederum ein Merkmal satirischen Sprechens (Metaphern wörtlich nehmen, Wortspiel). Der Sprecher kommt angesichts dieser überzogenen Formen von „Kultur“ zu seiner echten Wertung (V. 23 ff.), wobei er das „Lecken“ nebst aus dem „Götz“ bekannten Körperteil ausspart und durch einen Gedankenstrich ersetzt (V. 24). Der letzte Vers spielt wieder mit dem „realistischen“ Bild der Zunge der Kultur, wobei die berühmte metaphorische Götz-Aufforderung wörtlich genommen wird: „Sie ist dazu [zum Lecken, N.T.] imstand und tut‘s.“ (V. 25)

In dieser Strophe passen die Reime „das Abitur / die Kultur“ (V. 21/23) zueinander, wogegen „Sie soll uns nur -!“ (V. 24) als vulgäre Aufforderung sich abhebt. Überhaupt sind eine Reihe von Reimen im ganzen Gedicht mehr oder weniger sinnvoll – aber das ist in einem satirischen Gedicht ohne große Bedeutung. Die Sätze reichen oft über das Versende hinaus, in der Regel aber nur bei Aufzählungen (Ausnahmen V. 2-5; V. 23 f.); es gibt vier Nebensätze. Wegen der Thematik „Kultur“ wird insgesamt eine gehobene Umgangssprache benutzt, während der Sprecher zum Schluss, als er seine wirkliche Einschätzung des kulturellen Fortschritts kundtut, dezent vulgär spricht.

Die Maßstäbe der Kulturkritik werden vom Sprecher nicht genannt: Es genügt, bestimmte Formen von „Kultur“ als überflüssig (2. Str.), sinnlos (3. Str.) oder unnatürlich (4. Str.) darzustellen oder sie witzig zu markieren (V. 21 f.), um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Darin ist ein Aufruf zu einem vernünftigen Leben impliziert: auch in der „Kultur“ Maß zu halten.

http://johannanton.de/poems/kaestner.zunge-der-kultur.html (Vortrag, mäßig)

https://www.youtube.com/watch?v=-cUSp3K2O7M (gesungen von Katrin Rosenzopf)

Kästner: Tretmühle – Analyse

Rumpf vorwärts beugt! Es will dich einer treten!
Und wenn du dich nicht bückst, trifft er den Bauch.
[…]

Die Überschrift „Die Tretmühle“ ist ein Wortspiel: Normalerweise bezeichnet man ein Tret- oder Laufrad so, mittels dessen eine Mühle durch die Körperkraft von Menschen bzw. Tieren angetrieben oder Lasten gehoben werden (https://de.wikipedia.org/wiki/Tretm%C3%BChle). Im übertragenen Sinn spricht man auch vom immer gleichen Alltagstrott als Tretmühle. Hier jedoch wird die Unsitte, Untergebene zu schikanieren und zu treten, als Tretmühle bezeichnet.

Das Kommando „Rumpf vorwärts beugt!“ (V. 1) war eine Anweisung im Turnunterricht der Preußischen Volksschulen bzw. beim Turnen. Damit ist der Sprecher als ein Vorgesetzter (Lehrer oder Übungsleiter) erwiesen, der einem Zögling eine Anweisung gibt. Diese Anweisung braucht beim Turnen nicht begründet zu werden – hier aber wird sie überraschend begründet, und zwar auf zynische Weise hilfsbereit (V. 1 f.), sozusagen zur Vermeidung unnötigen Leidens, wenn man schon getreten wird. Als Begründung dafür genügt offenbar der Wille des Tretenden (V. 1), später kommen weitere Begründungen hinzu (V. 8, V. 13-16).

Angesprochen wird ein unbekannte Person „du“, die offenbar jeden Einzelnen meinen kann. Das ergibt sich aus den beiden folgenden Versen, in denen eine mögliche Gegenfrage („Warum ich?“) von vornherein ausgeschaltet wird: „Du sollst nicht fragen…“ (V. 3 f.), sondern du sollst, könnte man ergänzen gehorchen, „die andern tun es auch“ (V. 4). Die Figuren „Du ↔ die anderen“ (V. 3) und „Du = die anderen“ (V. 4) sind immer wieder gebrauchte Figuren des Argumentierens.

Die Worte des Sprechers sind im fünfhebigen Jambus gesprochen; die Verse sind im Kreuzreim aneinander gebunden, die Reime stellen jedoch keinen semantischen Bezug der Verse her; sie wirken sogar ein wenig gesucht, weil der Tretende den Gebückten ja wohl in den Hintern tritt, aber nicht in „den Bauch“ (V. 2), wenn er sich nicht bückte. Es wechseln weibliche (V. 1, 3) und männliche Kadenzen (V. 2, 4) am Versende; zusammen mit dem Kreuzreim ergibt das den Eindruck, dass jeweils zwei Verse zusammengehören, weil nach der männlichen Kadenz quasi eine kleine Pause eintritt, während die weibliche Kadenz als unvollendeter Takt vorwärts drängt. „Rumpf“ (V. 1) ist außerhalb des Taktes betont, wie es sich für ein Kommando gehört. Das Kommando „Rumpf vorwärts beugt!“ steht im Plural, angesprochen wird danach jedoch ein Einzelner, den man mit dem Hinweis auf „die anderen“ zum konformen Gehorsam (V. 4) bewegen will.

In der zweiten Strophe wird das Kommando zweimal wiederholt, allerdings abgewandelt (V. 5 und V. 7) und dann jeweils neu begründet (V. 5 f., V. 8). Die erste neue Begründung ist objektiv zynisch, weil sie den Getretenen völlig dem Willen des Tretenden unterwirft (V. 6: „Es ist ihm ernst.“). Doch der Tretende handelt nicht aus persönlichem Antrieb, sondern „[e]r wird dafür bezahlt“ (V. 6). Damit wird der Zusammenhang von Treten und getreten Werden in den Rahmen einer Institution gestellt, hinter der „das Vaterland“ steht (V. 8). Das Vaterland steht sowohl hinter der Schule wie hinter der Armee – „das Vaterland“ wartet auf gehorsame Soldaten, die trainiert sind und sich malträtieren lassen, die den Rumpf fleißig gebeugt und sich haben treten lassen.

Hier zeigt sich die Stoßrichtung des Gedichtes: Indem der Sprecher offen zynisch dazu auffordert, sich misshandeln zu lassen, stellt der Dichter den (para)militärischen Drill und das darauf versessene „Vaterland“ an den Pranger. Was das in den 20er Jahren des 20. Jh. heißt, ist zum Schluss zu untersuchen. – Dem Vaterland entspricht die Anrede „Mensch“, die man wörtlich (einen jeden bezeichnend) oder als saloppe Anrede eines Einzelnen verstehen kann. „Tief“ (V. 7) ist wieder gegen den Takt zu betonen; es folgt die Steigerung „Tiefer!“, bis zur unmöglichen Aufforderung, mit der Nase die Knie zu berühren (Übertreibung als Stilmittel der Satire).

Mit der 3. Strophe wechselt der Sprecher seinen Ton, er scheint verständnisvoll dem Zögling Mut zuzusprechen (V. 10: „Es ist nicht deine Schuld.“ und V. 11 f.). Der Verweis auf die anderen, die hier als Vorbilder dienen (V. 11, vgl. V. 4), widerspricht der Aufforderung von V. 3: Dieser Widerspruch (ebenfalls Merkmal der Satire) zeigt hier jedoch, wie willkürlich die Begründungen dafür sind, dass man sich schinden lassen soll. Die Reime sind in dieser Strophe sinnvoll, sie ordnen Phrasen bzw. Sätze sinnvoll einander zu (Bezug auf den Rücken V. 9/11, Ermunterung V. 10/12).

Mit dem unvollständigen Satz „Und muss so sein.“ (V. 13) wird ein nicht vorhandener Vordersatz fortgeführt, sinngemäß etwa: „Es ist gut, sich treten zu lassen.“ Die Forderung, sich treten zu lassen, wird so begründet. Es folgen zwei weitere ähnliche „Begründungen“: Das sei der Sinn der Erde (V. 13), das sei einfach „Gesetz“ (V. 16); hier fehlt jedoch ein Attribut, wo das Gesetz gelten soll – das attributlose „Gesetz“ erweist sich so als leere Phrase, ebenso wie die sinnlose Fortsetzung „Und gilt auch umgekehrt“ (V. 16): Eine wirkliche Umkehrung würde heißen, dass die Treten von den Getretenen getreten werden, wovon jedoch keine Rede sein kann. Dass für die kleinen Leute getreten zu werden der Sinn der Erde sein kann, das gilt in der Perspektive der Herrenmenschen, also des alten Adels, der Großgrundbesitzer und Kapitalisten.

Übrigens steckt in V. 14 f. ein logischer Widerspruch: Die Erfahrung kann nichts über den Zweck einer Handlung lehren, wie hier vom Treten behauptet wird, weil ein Zweck die innere, geistige Setzung des Handelnden ist, also sich der Erfahrung entzieht und nur in einer Interpretation zu fassen ist. Auch diese Unmöglichkeit zeigt, dass Kästner eine Satire verfasst hat. Nur in dieser Strophe wird dreimal ein Satz mit „und“ eingeleitet; sonst sind die Sätze gedanklich oder syntaktisch normal miteinander verbunden. V. 13/15 kann man als sinnvollen Reim betrachten, weil der Inhalt des Sinns (V. 13) in V. 15 ausgesprochen ist.

Der Sprecher setzt nun neu an, er fordert zu beten auf (V. 17) bzw. stellt dies als ein „Gebot“ vor. „Laut- und Leisetreter“ ist ein Wortspiel (Satire!), wo zu dem gängigen Begriff „Leisetreter“ einfach das sinnlose Pendant „Lauttreter“ gebildet wird. Die Zusammenstellung „Laut- und Leise-“ besagt: für alle Treter. Der Inhalt des aufgegebenen Gebetes ist eine Folge von Wortspielen, in denen das Treten gerechtfertigt wird. Der Stiefelknecht ist ein Gerät, mittels dessen man sich von seinen Stiefeln befreien kann (https://de.wikipedia.org/wiki/Stiefelknecht); hier wird das zusammengesetzte Nomen in seine Bestandteile zerlegt, die dann wieder wörtlich genommen werden, wobei „Stiefel“ metonymisch für den Tretenden steht und „Knecht“ für den, der getreten wird. Wenn man dafür beten soll und kann, wird das Treten als Gesetz (vgl. V. 16!) der göttlichen Weltordnung legitimiert. Die Redensart, dass Not beten lehrt, wird hier spielerisch abgewandelt zur Parodie „Not lehrt treten“ (V. 19); daraus wird die sinnlose „Bitte“ herausgesponnen: „Beliefre uns mit Not!“ Der folgende Vers ist ebenfalls eine Parodie, hier die eines Goethegedichts, das in sein Gegenteil verkehrt wird (getreten werden ← sich selbst befehlen):

Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht;
Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht.“ (Goethe: Zahme Xenien)

Der Imperativ „Gib“ ist wieder gegen den Takt zu betonen. Der Reim V. 17/19 kann hier als sinnvoll gelten, weil das ganze Gebet ja die Praxis des Tretens unterstützt und religiös überhöht. Die fünfte Strophe fällt mit ihrem religiösen Aspekt aus dem Zusammenhang heraus; es scheint so, als ob Kästner sie voller Freude über seine witzigen, sarkastischen Wortspiele in den Kontext hineingeschmuggelt hätte.

Mit dem letzten Vers der sechsten Strophe wird der Anfang des Gedichtes wieder aufgenommen. Wenn es möglich ist, wird hier der Sadismus des Sprechers noch einmal gesteigert: „Freu dich an den Farben…“ (V. 21 f.); das Adverb „kunstvoll“ verdient Beachtung, das Schlagen und Treten kann offensichtlich als Kunst zelebriert werden. Der folgende Satz (V. 23) wird nicht mit V. 21 f. verbunden, kann aber als eine Art Begründung dafür gelesen werden, aber auch als allgemeine Sentenz (wie etwa V. 13 oder V. 20). V. 23 wandelt einen ähnlichen Satz aus Reden zum „Heldengedenken“ nach einem Krieg ab, dass es die Besten waren, die gefallen sind; der Zusammenhang mit Vaterland – Militär – Krieg ist offensichtlich. V. 24 a ist gleich V. 1 a, dieses Kommando bildet die Klammer und die Ausführungen des Trainer-Sprechers. V. 24 b ist wieder ein Zitat, diesmal der Anfang des Gedichtes „Fülle“ von C. F.Meyer:„Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!“

Dadurch, dass die Wendung „Genug ist nicht genug!“ aus dem Herbstlob gelöst und in die Verherrlichung des Tretens eingefügt wird, kann der Sprecher noch einmal seinen Sadismus zeigen und den Satz V. 23 „begründen“. Der Imperativ „Geh“ und das Nomen „Rumpf“ sind wieder gegen den Takt betont. V. 22/24 passen auch semantisch zueinander, weil das kunstvolle Schlagen natürlich nicht an ein sachliches Maß gebunden sein kann.

Insgesamt kann man die sadistische Verherrlichung des Tretens und Unterjochens, gebunden an die Perspektive eines Sprechers der Herrenklasse, nur als Entlarvung und Anklage gegen eben diesen Ungeist des Militarismus und der Ausbeutung verstehen, der auch nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland noch lebendig war und in dem sich die alte Elite Preußen-Deutschlands (Militär, ostelbische Junker, Industrielle) mit den neuen Schlägern der NSDAP verbünden konnten. Durch die Form der Satire kann der Autor Kästner seinen Sprecher genau das überspitzt vertreten lassen, was er selber als Deutschlands Unheil erkennt. Für einen Schläger kennt der Sprecher ungewöhnlich viel Literatur, spricht er auch eine etwas zu stark gehobene Umgangssprache; aber das ist dem satirischen Ton verdankt.

https://www.deutschelyrik.de/index.php/die-tretmuehle.html (gesprochen von Fritz Stavenhagen) = https://www.youtube.com/watch?v=cx2Pg-8__30

https://www.youtube.com/watch?v=nncgL2CWvww (Ernst Busch singt)

http://www.deutschkurse.ch/files/Metrik/Metrik-Uebungen/ME_Kaestner_Gedichte.pdf (Betonungsschema – bitte kritisch prüfen)

E. T. A. Hoffmann: Klein-Zaches genannt Zinnober (kurz gefasst)

In aller Kürze:

Der „Held“ ist der Student Balthasar aus Hoch-Jakobsheim; er ist ein poetischer Mensch, der Natur intensiv verbunden: »Ich liebe,« fuhr Prosper Alpanus fort, »ich liebe Jünglinge, die so wie du, mein Balthasar, Sehnsucht und Liebe im reinen Herzen tragen, in deren Innerm noch jene herrlichen Akkorde widerhallen, die dem fernen Lande voll göttlicher Wunder angehören, das meine Heimat ist. Die glücklichen, mit dieser inneren Musik begabten Menschen sind die einzigen, die man Dichter nennen kann, wiewohl viele auch so gescholten werden, die den ersten besten Brummbaß zur Hand nehmen, darauf herumstreichen und das verworrene Gerassel der unter ihrer Faust stöhnenden Saiten für herrliche Musik halten, die aus ihrem eignen Innern heraustönt. – Dir ist, ich weiß es, mein geliebter Balthasar, dir ist es zuweilen so, als verstündest du die murmelnden Quellen, die rauschenden Bäume, ja, als spräche das aufflammende Abendrot zu dir mit verständlichen Worten! – Ja, mein Balthasar! – in diesen Momenten verstehst du wirklich die wunderbaren Stimmen der Natur, denn aus deinem eignen Innern erhebt sich der göttliche Ton, den die wundervolle Harmonie des tiefsten Wesens der Natur entzündet.« (7. Kap.)

Sein Gegenspieler ist Klein-Zaches, Sohn armer Leute: „Der Kopf stak dem Dinge tief zwischen den Schultern, die Stelle des Rückens vertrat ein kürbisähnlicher Auswuchs, und gleich unter der Brust hingen die haselgertdünnen Beinchen herab, daß der Junge aussah wie ein gespalteter Rettich. Vom Gesicht konnte ein stumpfes Auge nicht viel entdecken, schärfer hinblickend, wurde man aber wohl die lange spitze Nase, die aus schwarzen struppigen Haaren hervorstarrte, und ein Paar kleine, schwarz funkelnde Äuglein gewahr, die, zumal bei den übrigens ganz alten, eingefurchten Zügen des Gesichts, ein klein Alräunchen kundzutun schienen.“ (1. Kap.)

Dieser Knirps wird vom Stiftsfräulein von Rosenschön (alis Fee Rosabelverde) aus Mitleid mit der Gabe ausgestattet, dass er den Leuten als eine stattliche Person erscheint, der man die Leistungen anderer zurechnet, während seine eigenen Fehlleistungen bei den anderen erkannt werden.

Sie leben in einem Fürstentum, in dem die Aufklärung per Dekret eingeführt wird, was zu einer Ächtung des Wunderbaren und der Poesie führt – anderseits nicht verhindert, dass die Regierung lachhaft ist und die Beförderungen willkürlich erfolgen (Satire!).

Klein-Zaches und Balthasar treffen an der Universität in Kerepes aufeinander, als Studenten des Professors Mosch Terpin bzw. als Konkurrenten um dessen schöne Tochter Candida: „Candida war, jeder mußte das eingestehen, ein bildhübsches Mädchen, mit recht ins Herz hinein strahlenden Augen und etwas aufgeworfenen Rosenlippen. Ob ihre übrigens schönen Haare, die sie in wunderlichen Flechten gar phantastisch aufzunesteln wußte, mehr blond oder mehr braun zu nennen, habe ich vergessen, nur erinnere ich mich sehr gut der seltsamen Eigenschaft, daß sie immer dunkler und dunkler wurden, je länger man sie anschaute. Von schlankem hohen Wuchs, leichter Bewegung, war das Mädchen, zumal in lebenslustiger Umgebung, die Huld, die Anmut selbst, und man übersah es bei so vielem körperlichen Reiz sehr gern, daß Hand und Fuß vielleicht kleiner und zierlicher hätten gebaut sein können. Dabei hatte Candida Goethes »Wilhelm Meister«, Schillers Gedichte und Fouqués »Zauberring« gelesen und beinahe alles, was darin enthalten, wieder vergessen; spielte ganz passabel das Pianoforte, sang sogar zuweilen dazu; tanzte die neuesten Françaisen und Gavotten und schrieb die Waschzettel mit einer feinen leserlichen Hand. Wollte man durchaus an dem lieben Mädchen etwas aussetzen, so war es vielleicht, daß sie etwas zu tief sprach, sich zu fest einschnürte, sich zu lange über einen neuen Hut freute und zuviel Kuchen zum Tee verzehrte.“ (3. Kapitel – es folgt eine Verspottung der falschen romantischen Dichter)

Als Balthasar zu Ehren Candidas sein Gedicht von der Liebe der Nachtigall zur Purpurrose in einer Versammlung vorträgt, wird es als Gedicht Zinnobers (so nennt sich Klein-Zaches jetzt) bewundert, wogegen dessen Miauen Balthasar angekreidet wird. – Auch andere leiden unter der zauberhaften Qualität Zinnobers (etwa der Referendarius Pulcher, der nicht Beamter wird), welcher eine steile Karriere im Staatsdienst macht und die Gunst Candidas sowie ihres Vaters gewinnt. Dessen Naturforschungen werden öfter satirisch verspottet.

Balthasars „aufgeklärter“ Freund Fabian führt ihn beim Arzt Prosper Alanus ein, welcher in Wahrheit ein Zauberer ist; der will Balthasar helfen und entdeckt, dass Zinnober ein gewöhnlicher Mensch ist, hinter dem eine zauberische Macht steht.

In einem Magierkampf besiegt er die Fee, welche einsieht, dass aufgrund seines Horoskops dem Studenten Balthasar die Zukunft gehört; sie gibt es auf, Zinnober weiter zu schützen. Alanus erklärt Balthasar, wie er Zinnober entzaubern kann: ihm drei rote Haare ausreißen und sie sogleich verbrennen. Das führt Balthasar zusammen mit seinen Freunden aus, als Zinnober dabei ist, sich mit Candida zu verloben; sogleich fällt sein Nimbus zusammen und alle erkennen in ihm eine missratene Figur.

Fabian wird vorübergehend dafür bestraft, dass er Prosper Alanus für einen gewöhnlichen Arzt hält, indem seine Rockschöße zu lang und die Ärmel zu Rocks zu kurz werden, was einerseits zu seiner politischen und religiösen Verfolgung führt (Satire!), anderseits seine akademische Karriere behindert, bis Alanus sich erbarmt und ihm einen Frack erster Klasse besorgt.

Prosper Alanus übereignet dem Balthasar sein Landgut: „Ziehst du mit deiner Candida ein in mein Landhaus, so ist das Glück deiner Ehe gesichert. Hinter den schönen Bäumen wächst alles, was das Haus bedarf; außer den herrlichsten Früchten der schönste Kohl und tüchtiges schmackhaftes Gemüse überhaupt, wie man es weit und breit nicht findet. Deine Frau wird immer den ersten Salat, die ersten Spargel haben. Die Küche ist so eingerichtet, daß die Töpfe niemals überlaufen und keine Schüssel verdirbt, solltest du auch einmal eine ganze Stunde über die Essenszeit ausbleiben. Teppiche, Stuhl- und Sofa-Bezüge sind von der Beschaffenheit, daß es bei der größten Ungeschicklichkeit der Dienstboten unmöglich bleibt, einen Fleck hineinzubringen, ebenso zerbricht kein Porzellan, kein Glas, sollte sich auch die Dienerschaft deshalb die größte Mühe geben und es auf den härtesten Boden werfen. Jedesmal endlich, wenn deine Frau waschen läßt, ist auf dem großen Wiesenplan hinter dem Hause das allerschönste heiterste Wetter, sollte es auch rings umher regnen, donnern und blitzen.(7. Kapitel)

Bei einem Aufstand des enttäuschten Volkes stirbt Zinnober, der wieder Klein-Zaches ist, vor Schreck in einem silbernen Pisspott. Er wird begraben, sein Mutter wird von der Fee entschädigt. Balthasar und Candida heiraten mit Zustimmung ihres Vaters: Die Fee „hatte sie selbst gekleidet und mit den schönsten, herrlichsten Rosen geschmückt. Nun weiß man aber wohl, daß der Anzug gut stehen muß, wenn eine Fee dabei Hand anlegt. Außerdem hatte Rosabelverde der holden Braut einen prächtig funkelnden Halsschmuck verehrt, der eine magische Wirkung dahin äußerte, daß sie, hatte sie ihn umgetan, niemals über Kleinigkeiten, über ein schlecht genesteltes Band, über einen mißratenen Haarschmuck, über einen Fleck in der Wäsche oder sonst verdrießlich werden konnte. Diese Eigenschaft, die ihr der Halsschmuck gab, verbreitete eine besondere Anmut und Heiterkeit auf ihrem ganzen Antlitz.“ (10. Kapitel) Alanus fährt fort, Balthasar wird ein Dichter, das junge Brautpaar führt „die glücklichste Ehe in aller Wonne und Herrlichkeit“, wozu der Halsschmuck Candidas seinen Teil beiträgt.

(Eine Reihe von Nebenfiguren und -handlungen sind hier nicht beachtet, siehe)

https://de.wikipedia.org/wiki/Klein_Zaches,_genannt_Zinnober (verschiedene Aspekte)

https://www.inhaltsangabe.de/hoffmann/klein-zaches-genannt-zinnober/ (Inhalt gut, Satire pointiert dargestellt)

http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/klein-zaches-genannt-zinnober/ (Anfang breit ausgewalzt, zum Schluss ging dem Autor die Puste aus)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften/Klein+Zaches (Text)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/klein-zaches-3089/1 (Text)

Romantische Ironie findet man an mindestens drei Stellen:

1. Alanus sagt zu Balthasar, „daß ich nach dem Urteil aller vernünftigen Leute eine Person bin, die nur im Märchen auftreten darf“ (7. Kap.) – siehe dazu unten die Links zur Selbstbezüglichkeit! Als Märchenparodie könnte man die Sache mit den drei roten Haaren ansehen (Märchen: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren).

2. Hierzu zählt auch der Seitenhieb auf die falschen romantischen Dichter:Überschwenglichen Dichtern war freilich noch vieles andere an der hübschen Candida nicht recht, aber was verlangen die auch alles. Fürs erste wollen sie, daß das Fräulein über alles, was sie von sich verlauten lassen, in ein somnambüles Entzücken gerate, tief seufze, die Augen verdrehe, gelegentlich auch wohl was weniges ohnmächtle oder gar zurzeit erblinde als höchste Stufe der weiblichsten Weiblichkeit. Dann muß besagtes Fräulein des Dichters Lieder singen nach der Melodie, die ihm (dem Fräulein) selbst aus dem Herzen geströmt, augenblicklich aber davon krank werden und selbst auch wohl Verse machen, sich aber sehr schämen, wenn es herauskommt, ungeachtet die Dame dem Dichter ihre Verse, auf sehr feinem wohlriechenden Papier mit zarten Buchstaben geschrieben, selbst in die Hände spielte, der dann auch seinerseits vor Entzücken darüber erkrankt, welches ihm gar nicht zu verdenken ist. Es gibt poetische Aszetiker, die noch weiter gehen und es aller weiblichen Zartheit entgegen finden, daß ein Mädchen lachen, essen und trinken und sich zierlich nach der Mode kleiden sollte. Sie gleichen beinahe dem heiligen Hieronymus, der den Jungfrauen verbietet Ohrgehänge zu tragen und Fische zu essen. Sie sollen, so gebietet der Heilige, nur etwas zubereitetes Gras genießen, beständig hungrig sein, ohne es zu fühlen, sich in grobe, schlecht genähte Kleider hüllen, die ihren Wuchs verbergen, vorzüglich aber eine Person zur Gefährtin wählen, die ernsthaft, bleich, traurig und etwas schmutzig ist!“ (3. Kap.)

3. Auch in der Leseranrede im letzten Kapitel findet sich die romantische Ironie im Selbstbezug des Erzählers, der den „Herausgeber“ E. T. A. Hoffmann verkörpert – Hoffmann ist laut Titel angeblich nur der Herausgeber des Märchens: „Es ist nun an dem, daß der, der für dich, geliebter Leser, diese Blätter aufschreibt, von dir scheiden will, und dabei überfällt ihn Wehmut und Bangen. – Noch vieles, vieles wüßte er von den merkwürdigen Taten des kleinen Zinnober, und er hätte, wie er denn nun überhaupt zu der Geschichte aus dem Innern heraus unwiderstehlich angeregt wurde, wahre Lust daran gehabt, dir, o mein Leser, noch das alles zu erzählen. Doch! – rückblickend auf alle Ereignisse, wie sie in den neun Kapiteln vorgekommen, fühlt er wohl, daß darin schon so viel Wunderliches, Tolles, der nüchternen Vernunft Widerstrebendes enthalten, daß er, noch mehr dergleichen anhäufend, Gefahr laufen müßte, es mit dir, geliebter Leser, deine Nachsicht mißbrauchend, ganz und gar zu verderben. Er bittet dich in jener Wehmut, in jenem Bangen, das plötzlich seine Brust beengte, als er die Worte: »Letztes Kapitel« schrieb, du mögest mit recht heitrem, unbefangenem Gemüt es dir gefallen lassen, die seltsamen Gestaltungen zu betrachten, ja dich mit ihnen zu befreunden, die der Dichter der Eingebung des spukhaften Geistes, Phantasus geheißen, verdankt, und dessen bizarrem, launischem Wesen er sich vielleicht zu sehr überließ. – Schmolle deshalb nicht mit beiden, mit dem Dichter und mit dem launischen Geiste! – Hast du, geliebter Leser, hin und wieder über manches recht im Innern gelächelt, so warst du in der Stimmung, wie sie der Schreiber dieser Blätter wünschte, und dann, so glaubt er, wirst du ihm wohl vieles zugute halten! –

Eigentlich hätte die Geschichte mit dem tragischen Tode des kleinen Zinnober schließen können. Doch ist es nicht anmutiger, wenn statt eines traurigen Leichenbegängnisses eine fröhliche Hochzeit am Ende steht?

So werde denn noch kürzlich der holden Candida und des glücklichen Balthasars gedacht.“ (10. Kap)

Zum Begriff der Selbstbezüglichkeit vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mise_en_abyme

http://de.wikipedia.org/wiki/Metafiktion

http://www.schmidt.uni-halle.de/konzepte/texte/noeth1.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Autoreflexivit%C3%A4t

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2009/4742/pdf/DissDaunerPublish.pdf (Dissertation von Dorea Dauner: Literarische Selbstreflexivität, 2009)

http://www.zeit.de/1992/34/hauptsache-selbstreflexiv (kritisch zur Methode, 1992)

Vgl. auch https://norberto42.wordpress.com/2010/03/04/kehlmann-die-vermessung-der-welt-selbstbezuglichkeit-des-romans/ und

https://norberto42.wordpress.com/2015/01/31/orhan-pamuk-das-museum-der-unschuld-besprechung/

Huckleberry Finns Abenteuer – ein Abenteuerroman?

Diesen Aufsatz habe ich in didaktischer Absicht im Herbst 2015 verfasst:

Um dem Missverständnis, „Huckleberry Finns Abenteuer“ sei ein Kinderbuch, vorzubeugen, möchte ich zu Beginn kurz die Perspektive des Ich-Erzählers untersuchen und zeigen, was deren Verwendung leistet.[i] Huckleberry, der Ich-Erzähler, führt sich ausdrücklich als bloß literarische Figur ein: „Ihr wißt noch nichts von mir, wenn ihr nicht ein Buch gelesen habt“, welches allerdings „ein wahres Buch ist, mit ein paar Flunkereien“[ii] – ein Spiel mit der Fiktionalität. Ohne eine theoretische Diskussion anzetteln zu wollen, nenne ich in Anlehnung an Claudio Mende[iii] einige Stichwörter zur ersten Orientierung:

Erzählperspektive

  • Sie resultiert aus dem Standort (Blickwinkel, Blickdistanz, Außen-/Innensicht), von dem aus Handlungen und Geschehen beobachtet werden, und der Haltung (Einstellung) des Erzählers.
  • Die Wahrnehmung der fiktiven Wirklichkeit wird bestimmt vom Blickwinkel (point of view) des Erzählers.
  • Die Haltung des Erzählers kann von Zustimmung, Objektivität, Skepsis bis hin zur Distanziertheit reichen.

Ich-Erzählsituation

  • Anschauung und Blickwinkel nur einer Person (=> Unmittelbarkeit/ Authentizität);
  • Erzähler steht als Figur unter Figuren der Handlung;
  • berichtende Erzählweise;
  • erzählendes Ich in zeitlicher Distanz zu erlebenden Ich;
  • Ich-Erzähler kann zu seinem vergangenen Verhalten Stellung nehmen und es kommentieren.

Wenn man den Bericht des Ich-Erzählers Huckleberry Finn betrachtet, fällt gleich zu Beginn (1. Kapitel) seine Distanz zur bürgerlichen Welt auf:

  • Die Witwe Douglas will ihn „siwilisieren“ (alle Belege aus dem 1. Kapitel), aber ein solches Leben ist für Huck „scheußlich regelmäßig und anständig“. Als er wieder in seine Lumpen und seine Zuckertonne steigt, ist er „frei und zufrieden“.
  • Im Bericht vom geregelten Leben beklagt er, dass er pünktlich zum Abendbrot kommen musste.
  • Er hat kein Verständnis für das Tischgebet: Die Witwe beugt ihren Kopf und hat „n’bißchen über das Essen gebrummelt“.
  • Eintopf, in dem alles verschwimmt, ist ihm lieber als bürgerliches Essen.
  • Er versteht die biblische Unterweisung nicht („Moses und die Bimsen“) und hat kein Interesse an Moses, weil der „schon ’ne beträchtliche Weile tot ist“ und Huck sich für Tote nun mal nicht interessiert.
  • Dass er nicht rauchen darf, kritisiert er einmal im Vergleich zu Moses (Rauchen ist für etwas gut, Moses nicht), dann mit Bezug auf die Witwe (Sie hat vom Rauchen keine Ahnung, schnupft jedoch, „aber das war natürlich richtig, weil sie’s machte“).

Huck lebt ganz in der Gegenwart, frei von Konventionen und Sorgen, ohne Pläne für die Zukunft. In Hucks Sicht – in Darstellung, Wortwahl und Kommentaren – erscheint das bürgerliche Leben verfremdet, es verliert den Status des Selbstverständlichen; das kann auf den bürgerlichen Leser humoristisch wirken (und dann als Kinderbuch verniedlicht werden), kann aber auch zu scharfer Satire werden: z.B. in der Darstellung der Grangerfords im 17. und 18. Kapitel, etwa bei der todessüchtigen Dichtung der Tochter und der sinnlosen Fehde zwischen den „frommen“ Familien.

Welche Abenteuer erlebt nun dieser kleine Außenseiter Huckleberry Finn? Ich untersuche exemplarisch einige Beispiele, wobei der Kampf mit dem Gewissen das größte Abenteuer Hucks ist.

Vorspiel: Gründung einer Räuberbande (Kap. 2)

Bei der Gründung der Räuberbande durch Tom Sawyer gibt es eine Reihe von Schwierigkeiten, welche das erzählte Geschehen ironisch brechen:

* Huck Finn kann mit Mühe Miss Watson als Familienmitglied zum Töten anbieten;

* die Jungen wollen ehrliche Wegelagerer statt einfache Diebe sein und sich nur mit Raub und Totschlag abgeben;

* sie halten am „Auslösen“ von Gefangenen fest, obwohl sie nicht wissen, was das ist – doch der Bezug auf die Bücher muss gewahrt bleiben;

* gegen den Einspruch Ben Rogers’ wird an nächtlichen Wachen festgehalten, „wie’s der Regel entspricht“ (S. 19);

* Tommy Barnes wird mit 5 Cent bestochen, trotz seiner Angst bei der Bande zu bleiben;

* Ben Rogers drängt darauf, sonntags nicht zu rauben und zu morden – „es sonntags zu machen wäre ’ne Sünde“ (S. 19).

Folgerichtig berichtet Huck im nächsten Kapitel: „Ungefähr ’nen Monat lang spielten wir ab und zu Räuber, und dann trat ich aus.“ (S. 22) Wir finden Tom Sawyer als denjenigen vor, der Abenteuerbücher kennt und darauf aus ist, selber solche Abenteuer im Spiel zu erleben; indirekt werden damit die in Kap. 35-40/41 erzählten Ereignisse vorbereitet (der etwas gekünstelte Ausstieg aus der großen Fahrt auf dem Mississippi, dem Handlungsgerüst des Romans).

Die ersten Kapitel des Romans (1-4) kann man als Einleitung betrachten; erst als Hucks Vater auftaucht (letzter Satz im 4. Kapitel), wird es spannend. Toms Abenteuervorstellungen (Kap. 2) unterscheiden sich von den Abenteuern, die Huckleberry Finn tatsächlich erlebt; das soll im Folgenden an drei Beispielen gezeigt werden.

Der Ausbruch (Kap. 6, 7)

Nach dem gescheiterten Versuch des Richters, den alten Finn vom Alkohol abzubringen und in die gute Gesellschaft aufzunehmen (Kap. 5), wird Huck von seinem Vater aus der „zivilisierten“ Welt entführt; das wilde Leben des Säufers Finn ist die Gegenwelt, aus der Huck stammt und in die er wieder eintaucht. Als es für ihn dort lebensgefährlich wird, muss er sich retten und aus der Welt des verkommenen Vaters ausbrechen.

  • Huck bekommt bald Prügel und wird eingesperrt;
  • mit einer Säge bereitet er den Ausbruch vor;
  • aufgrund einer Drohung des Vaters schmiedet er einen Fluchtplan;
  • im Delirium tobt der Vater und verfolgt Huck als seinen „Todesengel“ mit einem Messer;
  • am nächsten Morgen fängt Huck ein treibendes Kanu ein und bekommt eine Idee, wie er sich künftig vor Verfolgung schützen kann;
  • als er eingesperrt wird, sägt er das Loch in den Bohlen fertig und ist frei;
  • er packt Vorräte und Geräte ins Kanu;
  • er legt falsche Spuren; dabei gibt es einen (ironischen) Bezug auf Tom Sawyer („Ich wünschte, Tom Sawyer wäre da; ich wußte, der würde sich für so was interessieren und noch ’n paar Feinheiten dazutun…“, S. 46 – Kap. 7)
  • am Abend plant er, zur Jackson-Insel zu fahren;
  • er schläft ein, der Vater kommt zurück (Gefahr!);
  • er fährt ab, kommt auf der Jackson-Insel an und legt sich schlafen.

Ergebnis: In der Welt des heruntergekommenen Säufers drohen dem Sohn reale Gefahren; wie er sich daraus auf die Jackson-Insel rettet, ist das erste große Abenteuer Huckleberry Finns.

Mit der Insel betritt er ein Zwischenreich zwischen der zivilisierten Welt und der Welt des Flusses, wo er den entlaufenen Sklaven Jim trifft; als er von Frau Loftus erfährt, dass einige Männer hinter Jim her sind (Kap. 11), bricht er mit Jim in der Nacht mit einem Floß zur großen Fahrt auf dem Mississippi auf – ein Thema und zugleich das Handlungsgerüst des Romans.

Abenteuer auf dem Wrack (Kap. 12,13)

Huck berichtet, wie sie sich nachts auf ihrem Floß auf dem Mississippi treiben lassen (Kap. 12); während eines Gewitters stoßen sie in der fünften Nacht auf ein Wrack.

  • Mit dem Bezug auf Tom Sawyer rechtfertigt Huck seine Entscheidung, das Wrack zu untersuchen („Glaubst du vielleicht, Tom Sawyer würde so ’ne Gelegenheit vorbeigehen lassen? Pustekuchen! Der nicht. Er würd’s ein Abenteuer nennen…“, S. 86 und noch einmal S. 87).
  • Sie treffen unverhofft auf Gauner (Bill und Jake gegen Jim Turner);
  • Huck hört ein Gespräch zwischen Bill und Jake in unmittelbarer Nähe (Koje);
  • das Floß ist abgetrieben, doch Huck und Jim finden ein Boot;
  • die Gauner setzen sich ins Boot (Gefahr!), aber gehen aufs Wrack zurück;
  • Jim und Huck fahren mit dem Boot ab;
  • Huck schmiedet einen Plan, wie er die Mörder Bill und Jake bestrafen lassen kann;
  • sie finden ihr Floß wieder.

Es folgt ein Nachtrag, wie Huck an Land geht und eine Lügengeschichte erzählt, um die Wrackbesatzung zu retten, was jedoch scheitert – nett ist dabei die satirische Bemerkung über Schufte und Taugenichtse („die Art Leute, für die sich die Witwe und die guten Menschen am meisten interessieren“, S. 95); Huck kehrt zu Jim zurück.

Ergebnis: Das Erlebnis auf dem Wrack ist eines der typischen Abenteuer, die man auf dem Fluss erleben kann; Jims Gefährdung durch die Sklavenjäger (Kap. 16) ist kein typisches Flussabenteuer, bereitet jedoch die erste Auseinandersetzung mit dem „Gewissen“ vor (Kap. 16, vgl. Kap. 31).

Was Huck an Land bei den Grangerfords sowie mit Herzog und König erlebt, fällt eher unter satirische Gesellschaftskritik als unter „Abenteuer“.

Der Kampf mit dem Gewissen[iv] (Kap. 31)

Als Huck mit Jim sich von König und Herzog absetzen will, merkt er, dass Jim fort ist; der „König“ hat ihn verraten (mit Hilfe der Suchmeldung, die zum Schutz Jims gedruckt worden war, Kap. 20) und sich ordentlich besoffen. Huck denkt nach:

  • Er will Jim an Miss Watson verraten, damit dieser wenigstens zu Hause Sklave sein kann;
  • er verwirft diesen Plan, weil er dann als „Niggerhelfer“ gelten könnte;
  • er verallgemeinert seine Bedenken: „So ist das nun – man tut was Niedriges, und dann will man die Folgen nicht tragen.“ (S. 254)
  • Er bekommt Gewissensbisse wegen seines Vorhabens;
  • ihn trifft die Erleuchtung, vom Himmel aus beobachtet und geschlagen zu werden;
  • das Beten klappt nicht, weil er nach eigener Einsicht an seiner „Sünde“ festhält;
  • er schreibt dann den Brief an Miss Watson und hat das Gefühl, rein zu sein;
  • er denkt nach, erinnert sich an Jim und die Fahrt auf dem Fluss, an Jims Menschlichkeit und Herzlichkeit,
  • entscheidet sich deshalb für seinen Freund Jim und damit für die „Hölle“, er zerreißt den Brief;
  • er wählt endgültig das (nach den Normen St. Petersburgs) schlechte Leben und die Befreiung Jims;
  • er schmiedet einen Plan … und scheitert, als er den König trifft.

Ergebnis: Der Kampf mit den Normen der Südstaaten, in denen man ihn „zivilisiert“ hat, und seinem davon geprägten „Gewissen“ ist das größte Abenteuer – Huck findet zu sich selbst, indem er sich gegen die konventionellen Normen der Sklavenhaltergesellschaft entscheidet. Am Ende von Kap. 33 folgt noch eine Reflexion auf das Gewissen: „Wenn ich ’nen Köter hätte, der nicht mehr Verstand hätte als ’n Gewissen, dann würd ich ihn vergiften.“ (S. 277)

Befreiung Jims

Die Abenteuer, die sich um die Befreiung Jims ranken (Kap. 35 ff.), stellen eher eine Parodie auf die von Tom Sawyer mehr oder weniger verstandene Abenteuerliteratur, speziell die erfolgreichen Romane Walter Scotts, dar – es sind ohne Rücksicht auf andere erfundene Spiele, die zu nichts führen: „Na, das Abenteuer wollt’ ich erleben – und bis zum Hals wär ich im Blut gewatet, um … Heiliger Bimbam – Tante Polly!“ (Kap. 42, S. 343).

Was kann man außerdem im Unterricht behandeln?

Ich nenne nur einige Stichworte:

  • die Charaktere;
  • die satirischen Züge (bürgerliches Leben; Unterhaltungsbedürfnis);
  • Rassismus;
  • Probleme des Übersetzens (ausgewählte Stellen);
  • Vergleich der Verfilmungen mit dem Romantext (ausgewählte Stellen).

Wenn man Hilfen im Internet sucht, ist es sinnvoll, neben dem deutschen Titel auch nach „The Adventures of Huckleberry Finn“ zu suchen.

  • Diesen Aufsatz habe ich zu einem Zeitschriftenartikel verarbeitet: Huckleberry Finns Abenteuer auf dem Weg zu sich selbst, in: Deutschunterricht, 69. Jg., Oktober 5-2016, S. 36 ff.

Zum Schluss, zur Erleichterung Ihrer Arbeit, einige Links:

http://contentserver.adobe.com/store/books/HuckFinn.pdf (engl. Text)

http://americanliterature.com/author/mark-twain/book/the-adventures-of-huckleberry-finn/chapter-1 (dito)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/huckleberry-finns-abenteuer-und-fahrten-1670/1 (1890: Henny Koch, dt. Übersetzung)

https://www.youtube.com/watch?v=iGIWs3sf7cg (Vorlesung, engl.)

http://www.cliffsnotes.com/literature/a/the-adventures-of-huckleberry-finn/the-adventures-of-huckleberry-finn-at-a-glance (große Analyse)

https://www.sparknotes.com/lit/huckfinn/canalysis.html (dito)

http://www.megaessays.com/essays/Satire.html (die Satire)

https://sites.google.com/site/huckfinnsatiresite/satire-in-huckleberry-finn/analysis (Analyse: Satire)

http://twain.lib.virginia.edu/wilson/slavery/mtslavhp.html (Sklaverei bei Mark Twain)

http://twain.lib.virginia.edu/huckfinn/huchompg.html (Material)

https://norberto42.wordpress.com/2010/04/21/mark-twain-huckleberry-finns-abenteuer-aufbau-schluss/ (Skizzen meines Unterrichts vor vielen Jahren)

http://sobratoenglish11.wikispaces.com/file/view/HF_Materials.pdf (Material für Lehrer)

http://www.bydewey.com/huck.html (research guide für Studenten – Links)

http://edsitement.neh.gov/lesson-plan/critical-ways-seeing-adventures-huckleberry-finn-context#sect-introduction (Anleitung zur kritischen Lektüre, für Studenten)

http://literatureguides.weebly.com/huckleberry-finn-study-guide.html (study guide für Schüler)

Filme:

https://www.youtube.com/watch?v=kB2CAlYEmEA (Spielfilm Teil 13)

https://www.youtube.com/watch?v=bbiHg6pFNRc (Spielfilm Teil 14)

https://www.youtube.com/watch?v=z3J-wXBd1h8 (Spielfilm Teil 15)

https://www.youtube.com/watch?v=92m4Lt0XYuI (Spielfilm Teil 16)

https://www.youtube.com/watch?v=ohu2zZhzfaQ (Spielfilm, Teil 17)

https://www.youtube.com/watch?v=ztP_A9X3F7s (Spielfilm Teil 18)

https://www.youtube.com/watch?v=esm81DkVNdE (Spielfilm Teil 19)

https://www.youtube.com/watch?v=diqbX_xTkiw (Spielfilm Teil 20)

https://www.youtube.com/watch?v=Dw9wOYclp90 (Film 1955, engl.)

https://www.youtube.com/watch?v=SqqwGWYE38c (Teil 4 – Huck Finn, ab ca. 22 min)

https://www.youtube.com/watch?v=3h8x8cV-A08 (Disney: Tom und Huck, ab ca. 32:40 – problematisch, stark verkürzt)

[i] Vgl. https://norberto42.wordpress.com/2015/10/18/twain-huckleberry-finns-abenteuer-kein-kinderbuch/

[ii] Ausgabe: Diogenes Taschenbuch 21370, 1985, S. 9 – Übersetzung von Lore Krüger

[iii] http://digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/790.html; vgl.

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers0.htm

http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html (hier: Discours/Erzeugungstechnikjen)

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html (dort unter 9.2 Erzähltextanalyse)

https://www.uni-due.de/einladung/index.php?option=com_content&view=article&id=548%3A5-gattungen-und-textstrukturen-1-epik&catid=40%3Akapitel-5&Itemid=53 (v.a. 3. Wer erzählt?)

[iv] Rudolf Ginters hat diese Geschichte zu einer theologischen Reflexion der Bedeutung des Gewissens genutzt: Werte und Normen. Einführung in die philosophische und theologische Ethik. Göttingen/Düsseldorf 1982, S. 272 ff.

Enzensberger: Schwacher Trost – Analyse, Aufbau

Der Kampf aller gegen alle soll…

Den Text des Gedichtes (aus „Der Untergang der Titanic“, 1981, zwischen dem 17. und 18. Gesang) gibt es nur auf der Seite www.literaturundkunst.net/hans-magnus-enzensberger-„der-tausendsassa-gedichte-1950-2010/, allerdings ohne Stropheneinteilung (à 6 Verse).

Dieses Gedicht ist um die Bücher „Leviathan“ (1651, von Thomas Hobbes) und „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (1902, von Peter Kropotkin) und um die damit verbundenen Erfahrungen herum gebaut. Zuerst sollen deshalb kurz die beiden Bücher vorgestellt werden:

„Im Naturzustand wird der Mensch als frei von Einschränkungen der historischen Moral, der Tradition, des Staates oder etwa der Kirche vorgestellt. Aus Hobbes’ Menschenbild ergibt sich, dass in einem solchen Naturzustand Gewalt, Anarchie und Gesetzlosigkeit herrschen; die Menschen führen – in Hobbes negativem Weltbild – einen „Krieg aller gegen alle“ (bellum omnium contra omnes), in dem „der Mensch (…) dem Menschen ein Wolf [ist]“. […] Rein vernünftige Gesetze reichen nicht aus, um den Naturzustand zu beenden und den allgemeinen Frieden einzuleiten. Da sie aus Worten bestehen, seien sie nicht genügend furchteinflößend und wirkungsvoll, so Hobbes. Stattdessen erwächst diesem Zustand daher vielmehr die Notwendigkeit einer übergeordneten, allmächtigen Instanz, die die Einhaltung allgemeiner Gesetze gebietet und ihre Verletzung mit Strafen belegt. Indem die Gesetze allgemein gelten, besteht zwischen den Bürgern des Staates kein allgemeiner Anlass zur Furcht mehr – sie können erwarten, dass jeder vor ihnen die Strafen des Leviathans fürchtet. Dadurch bietet dieser Sicherheit und Schutz und ermöglicht eine Verfolgung der eigenen Leidenschaften innerhalb des durch die Gesetze gegebenen Rahmens.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_%28Thomas_Hobbes%29, 13.07.2015)

Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (englischer Originaltitel Mutual Aid: A Factor of Evolution) ist ein 1902 erschienenes Buch von Peter Kropotkin. Die Thesen herkömmlicher sozialdarwinistischer Auffassungen kritisierend, stellt er dem Kampf ums Dasein das Konzept der Gegenseitigen Hilfe gegenüber und sieht beide zusammen als Faktoren der Evolution. (https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe_in_der_Tier-_und_Menschenwelt, 13.07.2015)

Das Gedicht beginnt im Stil einer Nachricht (V. 2 f.) mit einer paradoxen Meldung, dass nämlich der „Kampf aller gegen alle“ demnächst verstaatlicht werde (V. 1-5), mit ausdrücklichem (ironischem) Bezug auf Hobbes (V. 6). Paradox ist diese Meldung deshalb, weil nach Hobbes der Kampf aller gegen alle durch die Institution des Staates und seine Gesetze (s.o.) gerade beendet werden sollte. Es folgt eine Art Kommentar (V. 7-12 bzw. 7-19): Hier wird erklärt, wieso im Staat der Kampf aller gegen alle fortgesetzt wird, „mit ungleichen Waffen“ (V. 7) wie Steuerklärung und Fahrradkette. Dass eine Fahrradkette eine Waffe sein kann, leuchtet ein; aber das dies auch für die Steuererklärung gelten soll, überrascht ein wenig – ein wenig nur, weil es indirekt eine Erklärung Brechts aufgreift: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?“ – Die Dreigroschenoper (Druckfassung 1931), III, 9 (Mac) Mit einer falschen Steuererklärung kann ein Reicher entsprechend Steuern sparen und so den Armen, der darauf angewiesen ist, bekämpfen (V. 8 f.). Dass die Gründung von Gewerkschaften für Verbrecher erwogen wird (V. 10-12), spitzt die Unrechtmäßigkeit des Rechtsstaats paradox zu.

Der Kommentar wird satirisch fortgesetzt (V. 13-18): Dass man Kropotkins Buch im Knast lesen kann, was als „aufgeschlossen bis dort hinaus“ (V. 13) bewertet wird, ist ein Widerspruch in sich: Kropotkin zu lesen hilft einem Häftling nämlich überhaupt nichts (vgl. V. 18 – dieser Vers gibt die Überschrift ab).

V. 19-30 hat den Charakter eines Statements oder einer Verlautbarung („Wir haben mit Bedauern vernommen…“): dass es Gerechtigkeit weder gibt noch je geben wird, wo doch Gerechtigkeit herzustellen eine Haupträson des Staates ist. Die Spekulation über die möglichen Ursachen dieses Defizits (V.25 ff.) ist massiv satirisch: Hier werden Dinge zusammengestellt, die nichts miteinander zu tun haben. Der satirische Ton beherrscht auch die Fortsetzung im Stil eines Kommentars (V. 31-36 – hier bezeichnet das Pronomen „wir“ alle Menschen), einmal einer makabren Zuspitzung (V. 33 f.), sodann in der Bewertung, dass eine Erklärung unserer Wildheit zu finden (statt sie abzustellen, also die Verhältnisse zu ändern!) schön wäre, „Balsam für die Vernunft“ (V. 36) – nein, Balsam und Zeichen von Vernunft wäre es, die scheußlichen Unmenschlichkeiten zu verhindern.

Es folgt ein großes Finale voller Zynismus, darin dem letzten Kommentar (V. 31 ff.) verwandt: dass die tägliche Scheußlichkeit uns wenig (w-Alliteration) wundert (wenn auch ein bisschen stört), dass aber alle Akte von gegenseitiger Hilfe (s. Kropotkin!) „rätselhaft“ anmuten (V. 39 bzw. 39-42). Es folgen einige Beispiele, die als lobenswert bezeichnet werden (V. 43 ff.) – und dann ein harter Schnitt: „und wir legen die Zeitung weg“ (V. 55). Dass wir solche Taten der Zeitung entnehmen, zeigt, dass sie uns bloß zur Unterhaltung dienen, aber nicht als Vorbilder; dass sie nicht unserer realen Erfahrung entstammen wie „die tägliche Scheußlichkeit“ (V. 37). Wir „freuen uns, achselzuckend“ (V. 56), darüber, sie gehen uns nichts an. Das wird durch den abschließenden Vergleich vollends deutlich: Solche Nachrichten konsumieren wir wie einen Schmachtfetzen im Kino (V. 57 ff.), danach gehen wir zurück in die reale Welt, können endlich eine Zigarette rauchen – und uns wieder dem Kampf gegen alle anderen widmen.

Enzensberger: Lied von den Leuten auf die alles zutrifft und die alles schon wissen – Analyse

Daß etwas getan werden muß und zwar sofort…

Text: http://mcn.privat.t-online.de/enz_und.htm (ohne Stropheneinteilung)

http://www.babilonhu.net/works/de/Enzensberger,_Hans_Magnus-1929/Lied_von_denen,_auf_die_alles_zutrifft_und_die_alles_schon_wissen

Das Gedicht stammt aus dem Jahr 1967, es stand zuerst in „Gedichte 1955-1970“ (Rezension der FAZ hier). Es stellt eine Sammlung von Redensarten dar, die nur in bestimmten Situationen sinnvoll sind (z.B. „Es muss etwas getan werden, und zwar sofort!“); Enzensberger resp. der Sprecher des Gedichts hat diese Redenarten jedoch ohne jeden Situationsbezug miteinander kombiniert – wodurch sie eo ipso sinnlos sind – und ans Strophenende dann stereotyp die Formel „das wissen wir schon“ gesetzt (in der Regel einmal, einmal zwei- und einmal dreimal). Das ergibt dann ein „Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen“. Streng genommen trifft „alles“ nicht auf Leute, sondern auf Situationen zu; aber diese Feinheit können wir übergehen.

Das Gedicht hat satirische Züge, wie sich aus der Verbindung der Redewendungen ergibt: Da sind einmal Wendungen kombiniert, die einander direkt widersprechen (dass es zu früh und gleichzeitig zu spät ist, etwas zu tun, V. 3 f., wo doch sofort etwas getan werden muss, V. 1; oder die 9. / 10. Str.); zweitens sind Wendungen miteinander kombiniert, die von der Kategorie her nicht zueinander passen (dieses Problem gründlich analysieren müssen / zwei Stück Zucker in den Tee tun, 6. Str.; auch die 7. Str.); drittens ergeben sich aus der zufälligen Kombination der Floskeln gelegentlich scheinbar sinnvolle Abfolgen, ebenfalls in der 6. Strophe: „und daß wir die Wahl haben zwischen nichts und wieder nichts / und daß wir dieses Problem gründlich analysieren müssen“. Oder auch sehr schön: „und daß wir jedesmal recht behalten werden / und daß daraus nichts folgt“ (8. Str.). Einmal gibt es eine Abfolge zweier Sätze über drei Strophen (11. – 13. Str.), die in Kombination und Negation die spielerische Art dieses „Dichtens“ offenbart.

Einen besonderen Hinweis verdient die sachlich sinnlose Umformung der Redensart „Wir haben jedesmal recht behalten“ ins Futur: „und daß wir jedesmal recht behalten werden“ (8. Str.): Erst nachträglich kann man sagen, dass man recht behalten hat; wenn man das schon vorab „weiß“, wird die Sinnlosigkeit der Floskel offenbar. Vielleicht ist das überhaupt der Sinn dieses Gedichts: Floskeln des täglichen Lebens zu entlarven – obwohl sie ja nicht sinnlos sein müssen, wenn sie in bestimmten Situationen gebraucht werden; vielleicht wird hier aber auch einfach nur mit der Sprache gespielt, und Spielen soll Spaß machen, aber nicht unbedingt einen (anderen) Sinn haben. Dafür spricht auch die letzte Strophe, wo sich in einer Art Selbstbezug das Spiel überschlägt: „und daß wir das schon wissen / das wissen wir schon“.

Das Gedicht ist in mehrere Sprachen übersetzt, wie man leicht herausbekommt, wenn man die Überschrift in die Suchmaske eingibt. – Wenn man die Technik der Kombination der Redewendungen versteht, kann man leicht ähnliche Texte fabrizieren; leider werden sie kaum gedruckt, wenn man nicht Enzensberger heißt.

Enzensberger: Über die Schwierigkeiten der Umerziehung – Analyse

Einfach vortrefflich…

Text: http://cmo.jmf-gym.org/index.php?option=com_content&view=article&id=7&Itemid=148&jsmallfib=1&dir=JSROOT/Gedichte&download_file=JSROOT/Gedichte/Enzensberger%2C+Umerziehung.pdf

http://www.zeit.de/1982/22/verteidugung-der-normalitaet/seite-4 (dort S. 4 ff.)

http://www.redemptoristen.com/index.php?id=180&programm=173

Vorab sind einige Dinge zu klären, damit man dieses Gedicht aus dem Band „Gedichte 1955-1970“ (1971) richtig versteht. Zuerst muss die Bedeutung des Wortes „Umerziehung“ untersucht werden: Dahinter steht die Vorstellung, dass jemand falsch erzogen worden ist und jetzt von jemandem, der es besser weiß, richtig oder gut erzogen werden soll (und dahinter steht die „progressive“ Vorstellung von der grundsätzlichen Erziehbarkeit des Menschen, auch des Erwachsenen – gegenüber einer Anschauung, die eher an „Charakter“ oder „Natur“ denkt). In der politischen Wirklichkeit gab es (und gibt es heute noch) in kommunistischen Staaten Umerziehungslager, in denen „Asoziale“ oder Dissidenten durch Arbeit, „Schulung“ (Indoktrination) und Terror auf Linie gebracht werden sollen; wie weit es solche Lager (statt bloßer Vernichtungslager) im Dritten Reich gab, braucht hier nicht diskutiert zu werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Umerziehung

http://de.wikimannia.org/Umerziehung

http://universal_lexikon.deacademic.com/23905/Umerziehung

http://www.mydict.com/Wort/Umerziehungslager/ („Umerziehungslager“)

https://de.wikipedia.org/wiki/Umerziehungslager_Kae%E2%80%99ch%C5%8Fn (Nordkorea heute)

http://www.pi-news.net/2011/04/umerziehungslager-fur-homosexuelle-in-malaysia/ (Malaysia)

http://www.taz.de/!5051897/ (China)

http://www.igfm.de/news-presse/aktuelle-meldungen/detailansicht/?tx_ttnews[tt_news]=2456&cHash=e5c5db43f4bff8832418afe7890e65b3 (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendwerkhof (DDR)

http://www.zdf.de/zdfinfo/trauma-umerziehung-heimkinder-in-der-ddr-35164344.html (DDR)

http://unterlinken.de/tag/kommunismus/

http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/nazi-lager-in-kastl-das-schicksal-der-gestohlenen-kinder-1.3887036?rssPage=TmV1bWFya3Q= (Nazis)

http://www.zdruzenje-zrtev.si/slike/ausstellungs_panos/pano_13.pdf (dito)

http://antifaworms.blogsport.de/nazis-hier/kz-osthofen/ (dito: Beschönigung)

Danach ist der Begriff der Perspektive zu klären. Im Gedicht „Über die Schwierigkeiten der Umerziehung“ denken oder sprechen u.a. revolutionäre linke (kommunistische) Kader, welche sich über die mangelnde Begeisterung der normalen Leute aufregen (V. 23-25) – ein „Defizit“, dem man als ordentlicher Revolutionär mittels Umerziehung abhelfen möchte: Man kämpft ja vermeintlich für die gerechte Sache und für die Befreiung der Unterdrückten, da muss man den allzu Langsamen auf die Sprünge helfen.

Drittens ist schließlich die Position eines Autors von der Perspektive und Position seiner Figuren zu unterscheiden, was vielen Leuten schwerfällt, wenn in einem Text eine Ich-Perspektive angeboten wird – da meinen sie gleich die Stimme des Autors zu hören. Ich möchte das am Beispiel von „Huckleberry Finns Abenteuer“ verdeutlichen: Dort spricht der sympathische Außenseiter Huck als „ich“ – aber niemand wird annehmen dürfen, er vertrete die Auffassungen Mark Twains; im Gegenteil, die Differenz zwischen den beiden Perspektiven oder zwischen der Perspektive Huckleberrys und der der Leser macht den Reiz des Buches aus. Was man an diesem Beispiel versteht, muss man konsequent auch auf Gedichte und andere fiktionale Texte anwenden (und grundsätzlich sogar auf Sachtexte – für die Reden von Politikern versteht sich das von selbst; aber das soll hier nicht diskutiert werden).

Damit kommen wir zum Gedicht „Über die Schwierigkeiten der Umerziehung“ (1969, so die ZEIT). Hier spricht oder denkt zunächst jemand, der die revolutionären Ideale, „all diese großen Pläne“ (V 2), kennt und sie „vortrefflich“ und sogar „einleuchtend“ findet (V. 1, 6 – „ich“, wie sich aus V. 34 ergibt). Am besten nimmt man in der 2. Strophe einen anderen Sprecher an: einen der Kämpfer für „das Goldene Zeitalter“ (V. 3), der angesichts des Lobes (1. Str.) seinem Ärger darüber Luft macht, dass es mit der Verwirklichung der „großen Pläne“ (V. 2) nicht klappt: Die Leute sind daran schuld, sagt er vorwurfsvoll (2. Str.). – Das ist aus höherer (Leser- und Autor)Perspektive ein Witz, weil die Revolution ja angeblich zugunsten der Leute gemacht werden soll.

In den beiden folgenden Strophen werden die vorwurfsvollen Klagen der revolutionär Begeisterten konkretisiert: Dabei ergibt sich eine merkwürdige Verschiebung zwischen den erhabenen Idealen (Befreiung, gerechte Sache) und den konkreten Interessen der Leute (zum Friseur gehen, ein Bier trinken usw.) – das ist ein untrügliches Zeichen für eine Satire: Der Autor macht sich über diese Klagen zusammen mit seinen vernünftigen Lesern lustig. Das zeigt sich auch in V. 12, wo den Leuten die Aufgabe zugewiesen wird, „begeistert hinter der Vorhut herzutrippeln“, also weiterhin unmündig sich lenken und „führen“ zu lassen (statt die Sache selber in die Hand zu nehmen) – das Problem einer jeden Befreiung der Unterdrückten durch eine revolutionäre Elite. In der 4. Strophe wird das Fazit gezogen, wobei V. 21 doppeldeutig ist, also wörtlich und metaphorisch zu lesen ist – eine alltägliche banale Redewendung, welche die hohen Theorien der Revolutionäre ad absurdum führt, ebenso wie V. 22. Der Unmut der so enttäuschten Revolutionäre macht sich danach (in der 5. Str.) Luft: Hier werden „revolutionäre“ Tiraden losgelassen, hier werden die Menschen beschimpft – umerziehen müsste man sie alle, wenn es mit der Revolution noch etwas geben soll!

Dagegen wendet sich der Ich-Sprecher: „Man kann sie doch nicht alle umbringen! Man kann doch nicht den ganzen Tag auf sie einreden!“ (V. 26 f.) Er lehnt die Umerziehung ab. In der letzten Strophe antwortet die andere Seite darauf und zieht ihren ideologischen Gewinn aus dem Einwand: Wir haben natürlich recht, aber die Leute mit ihren kleinlichen Alltagsproblemen hindern uns daran, unsere richtigen Pläne zu verwirklichen: „Ja, wenn die Leute nicht wären / dann sähe die Sache schon anders aus.“ (V. 28 f.) Aus höherer Perspektive (Leser, Autor) offenbart sich hier die bornierte Rechthaberei der Revolutionäre, die Haltlosigkeit ihres politischen Geschwätzes. Das wird auch im letzten Satz deutlich, wo erstmals der eine Sprecher als „ich“ auftritt: Er gehört zu den Leuten mit ihren Alltagssorgen, er möchte deshalb „hier nicht weiter stören“ (V. 34), er lässt die Revolutionäre weiter schwadronieren.

Das Gedicht ist untypisch für Enzensberger, der selber oft genug über die dem Konsum verfallenen Kleinbürger herzieht („Middle Class Blues“ u.a.); es ist ein sympathisches Gedicht, das sich 1969 kritisch auf die revolutionäre Begeisterung der Studenten bezieht und das auch die spätere Brutalität der RAF und die heutige des IS als verbohrte Rechthaberei entlarvt.

http://www.sezession.de/2423/ueber-die-schwierigkeiten-der-umerziehung-normalismus-1.html (Bemerkungen zum Gedicht)

https://60erprojekt.wordpress.com/2015/01/29/h-m-enzensberger-uber-die-schwierigkeiten-der-umerziehung-1960/ (grandioses Missverständnis des Gedichts)

http://friedrich-schorlemmer.de/docs/WWW.Wittenberg.Wolfenb%C3%BCttel.Weimar.pdf (von Schorlemmer im Rahmen eines Vortrags zitiert)

Enzensberger: Middle Class Blues – Analyse

Wir können nicht klagen…

Text: http://www.hulda-pankok-gesamtschule.de/uploads/media/B_03_middle_class_blues.pdf

http://drum.lib.umd.edu/bitstream/1903/10823/1/Hildebrandt_umd_0117N_11472.pdf (dort S. 107)

http://jhelbach.de/Lit/August10/Texte.pdf (dort das 2. Gedicht; Strophe 2 ist nicht abgesetzt)

Das Gedicht ist an vielen Stellen zitiert (teilweise falsch) und abgedruckt, es hat seinen Marktwert als repräsentatives Poem der sechziger Jahre Deutschlands bzw. der BRD: Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Erschienen ist es 1964 im Band „Blindenschrift“.

Es spricht eine Wir-Gruppe, die Mittelschicht laut Überschrift. „Unter der Sammelbezeichnung Mittelschicht, auch Mittelstand, werden diejenigen Bevölkerungsgruppen verstanden, die innerhalb eines soziale Schichtungs-Modells in der Sozialstruktur zwischen einer Oberschicht und einer Unterschicht angesiedelt sind. Es gibt vielfältige Konzepte der Schichtungen und keine abschließende Definition der Schicht im soziologischen Sinne an sich, daher gibt es auch zahlreiche Vorstellungen von Mittelschicht. Im angloamerikanischen Sprachraum wird sie als middle class bezeichnet.“ (wikipedia, 8.7.2015) Zur Mittelschicht zu gehören war der Traum vieler kleiner Leute in den sechziger Jahren: Wohlstand, Sicherheit, Ansehen gab es dort, nach der Not des Krieges und der Nachkriegszeit.

In der 1. Strophe beginnen sie mit der selbstzufriedenen Aussage „Wir können nicht klagen“, womit dezent umschrieben ist: „Es geht uns gut.“ Nicht arbeitslos sein wie viele nach 1945, nicht wie die armen Schlucker Hunger haben, das sind dabei die Kriterien. V. 4 steht in einer Spannung zu V. 3: Sie essen, obwohl sie satt sind, weiter – einfach weil sie es sich leisten können; von der damaligen Fresswelle spricht man heute: Kompensation des Elends der Nachkriegszeit. – Alle Verse beginnen mit dem Pronomen „Wir“; die Mittelschicht stellt sich vor.

In der 2. Strophe wird in einer sinnlosen Zusammenstellung benannt, was alles „wächst“ in dieser glorreichen Zeit des Wirtschaftswunders: das Gras, das Sozialprodukt usw. Damit wird die volkswirtschaftliche Zielvorstellung (der Mittelschicht) „Wachstum“ als absurd kritisiert [was jemand, der zur Mittelschicht gehört, leicht sagen kann: Enzensberger hatte 1963 den Georg-Büchner-Preis erhalten und war bei Suhrkamp etabliert; ich kenne viele, die nicht etabliert waren].

In der 3. Strophe wird der Zustand des Landes beschrieben: Worauf die leeren Straßen verweisen, ist offen – vielleicht heißt dies, dass niemand demonstriert oder protestiert („Ruhe und Ordnung“ als Wertvorstellung); dazu passen die perfekten Geschäftsabschlüsse – aber nicht mehr das Schweigen der Sirenen. Hierbei denke ich im Vorgriff auf V. 15 an Sirenen, die vor einem feindlichen Angriff warnen: Die Kriegsgefahr war im Kalten Krieg, gerade in den 60er Jahren nach Mauerbau (1961) und Kubakrise (1962) immer gegenwärtig. Den Schluss bildet ein banaler Satz: „Das geht vorüber.“ (V. 12) Diese Redensart, parallel V. 16, strahlt hier eine Drohung aus: dass die Sirenen nicht immer schweigen werden.

Explizit wird das in V. 15 gesagt: Wenn der Krieg noch nicht erklärt ist, kann er bald erklärt werden – der Zusatz V. 16 ist von zynischer Gelassenheit, wenn man ihn wörtlich liest. Die beiden Verse 13 f. sind im Perfekt abgefasst und beschreiben so einen erreichten Zustand, wieder in einer sinnlosen (also satirischen) Kombination zweier Sachverhalte – aus denen sich nur ergibt, dass etwas keine Eile hat, weil ja „alles“ geregelt ist.

In der 5. Strophe liegt eine Montage vor: Die Aussage „Wir essen“ (V. 4) bekommt als Objekte die in der 2. Strophe genannten Subjekte des Wachtstums: eine satirische Kritik der steten Steigerung des Konsums um seiner selbst willen – man bedenke, dass „wir“ bereits satt sind (V. 3) und dass manches nicht zum Verzehr geeignet ist. Die Vergangenheit essen (V. 20) ist vielleicht eine Metapher für die Verdrängung oder das Vergessen der unrühmlichen Untaten des Dritten Reiches, bei denen so viele mitgemacht hatten; nach 1945 wollte niemand dabeigewesen sein, die Verbrechen wurden nur zögerlich juristisch aufgearbeitet (vgl. auch http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/geschichte-und-erinnerung/39814/geschichte-der-erinnerungskultur oder http://www.geschichte-lernen.net/aera-adenauer-umgang-ns-vergangenheit/).

In der 6. Strophe wird umschrieben, wiederum in Redewendungen, wer wir sind: unbescholtene Bürger (V. 21), die „es geschafft“ haben (V. 22, vgl. V. 16) – und dann die offene Kritik: „Wir haben nichts zu sagen.“ Dieser Satz ist doppeldeutig und in beiden Fällen verräterisch: a) Wir fressen bloß, aber sind als sprechende Subjekte leer. b) Laut GG geht alle Macht vom Volk aus (von den Bürgern, vgl. V. 1-21), aber wir sind keine mündigen Bürger, wir lassen uns von wem auch immer (dem Idol des Konsums, den alten Herrschaftseliten) bevormunden, knechten. Der letzte Satz sagt es offen: „Wir haben.“ Hier fehlt ein Objekt – wir haben bloß etwas oder alles, aber wir sind eben nicht Subjekte, freie Bürger (V. 22). Dass in der 5. und 6. Strophe alle Sätze mit „Wir“ beginnen, ist bloß ein grammatisches, aber kein politisches Phänomen.

In der 7. Strophe werden die ordentlichen Verhältnisse, in denen „wir“ leben, umschrieben: Die Uhr ist aufgezogen, obwohl es keine Eile hat; die Verhältnisse passen semantisch nicht zu den Tellern – Satire, Kritik. Dass der letzte Autobus vorbeifährt (V. 28), steht in keinem Sinnzusammenhang zu V. 25-27; vielleicht sollte man den Satz als Indiz dafür lesen, dass auch im Straßenverkehr alles in Ordnung ist; wenn man V. 28 auf V. 27 bezieht, besagt er, dass am Abend rechtzeitig gespült ist – aber das alles ist unbestimmt, erst der Leser stellt solche Verbindungen zwischen den isolierten Sätzen her.

Die letzten drei Strophen bestehen jeweils aus einem Satz: „Er ist leer.“ (V. 29) Das bezieht sich auf den Bus, aber was besagt das? Vielleicht, dass die Leute alle „brav“ zu Hause sitzen? Dass sie sich in ihrem Eigenheim einigeln? Dass sie anderen nichts zu sagen haben?

„Wir können nicht klagen.“ (V. 30) Damit wird V. 1 wiederholt; in Verbindung mit der unterschwelligen Kritik (des Autors!) in den Äußerungen der Leute wäre das eine Selbstentlarvung: „Wir“ merken nicht, was uns fehlt. Wir sagen das, was man in der Umgangssprache (das ganze Gedicht!) so zu sagen pflegt, aber wir haben nichts zu sagen.

„Worauf warten wir noch?“ (V. 31) Diese offene Frage der Wir-Leute aus der Middle Class ist bezeichnend: Sie warten auf nichts mehr; sie haben keine Ziele, keine Utopien (wie HME, wie bald drauf die 68er). Und so ist diese Selbstdarstellung der Middle Class eben ein Blues (Überschrift): „Das Wort Blues leitet sich von der bildhaften englischen Beschreibung I’ve got the blues bzw. I feel blue („ich bin traurig“) ab.“ (Wikipedia, 8.7.2015) Ihre Lage ist bestens, „wir können nicht klagen“ – es ist zum Heulen.

https://www.uni-due.de/literaturwissenschaft-aktiv/nullpunkt/inhalt.htm#Wiederaufbau%20und%20Wirtschaftswunder (das Gedicht im Kontext anderer Texte zum Thema „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“)

Kästner: Die Entwicklung der Menschheit – Analyse

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt…

Text

http://talfeldverlag.homepage.t-online.de/satire2.html

http://www.kultur-netz.de/literat/lyrik/kaestner/entwickl.htm (mit Vertonung)

http://users.skynet.be/lit/kaestner.htm (mit verlinkter Vertonung)

Kästner beschreibt in dem 1932 veröffentlichten Gedicht auf bissige Art die Entwicklung des Menschen vom Hausen im Urwald zum Leben in der Großstadt. Trotz Technik und wissenschaftlichem Fortschritt seien die Menschen eigentlich das geblieben, was sie schon immer waren: Affen. Kästner kritisiert also nicht den Fortschritt, sondern stellt die Einbildung auf den vielgepriesenen vermeintlichen Fortschritt als Irrtum bloß. Den Rhythmus des Gedichts habe ich bereits anderswo beschrieben, sodass wir uns jetzt dem Aufbau und dem Charakter der Satire zuwenden können. Die fünf Verse pro Strophe (durch Verdoppelung des dritten nach Metrum und Reimwort) sind eine Eigenheit Kästners.

Im Gedicht wird ironisch die „Entwicklung“ der Menschheit beschrieben, die nur vordergründig stattgefunden habe: Die Menschen waren Affen (1. Str.) und sind „im Grund / noch immer die alten Affen“ (V. 35 f.). Also kann die Entwicklung nur scheinbar oder oberflächlich stattgefunden haben – das ist die Botschaft des Gedichts, weswegen die Entwicklung in satirischer Form beschrieben wird.

Ein außenstehender neutraler Erzähler, der die Menschen abwertend „die Kerls“ nennt (V. 1) und von ihnen in der 3. Person spricht („sie“, V. 3 ff. – von Lutz Görner in seinem Vortrag verändert zu „wir“), stellt die Entwicklung der Menschheit in der Beschreibung zweier gegensätzlicher Zustände dar, des Ausgangs- („Einst“, V. 1 f.) und des Endzustands (V. 4-25), wobei in einem Vers der Übergang hergestellt wird: „Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt“ (V. 3). Hier sieht man schon, dass im Gedicht nicht ernsthaft eine geschichtliche Entwicklung beschrieben wird: Wer sollte (Menschen)Tiere aus dem Urwald locken, wenn nicht der Mensch? Den Schluss bildet ein Fazit, das der Sprecher in der 6. Strophe zieht: Zwar gibt es den „Fortschritt“, aber in Wahrheit („bei Licht betrachtet“, V. 29) „sind sie im Grund / noch immer die alten Affen“ (V. 29 f.). Dieses Fazit wird in V. 9 f. vorbereitet, wo schon die Gleichheit des Umgangstons in beiden Stadien der Entwicklung herausgestellt wird. Im Fazit steht entsprechend, dass der Fortschritt „mit dem Kopf und dem Mund“ geschaffen worden ist (V. 26 f.); die Erklärung „mit dem Mund“ verweist einmal auf das Sprechen als die entscheidende menschliche Fähigkeit, macht aber auch klar, dass vieles (alles?) am Lob des Fortschritts nur leeres Gerede ist.

Woran erkennt man, dass die Entwicklung satirisch beschrieben wird? Einmal gibt es das Stilmittel, dass Phänomene zusammengestellt werden, die der Kategorie nach nicht zusammenpassen: „Sie atmen modern.“ (V. 13) Das ist zudem eine unsinnige Aussage; die Menschen atmen im Prinzip immer gleich. Ferner passt Inzest und „heilen“ nicht zusammen (V. 23, Inzest ist keine Krankheit), ebenso nicht Mikroben mit „jagen und züchten“ (V. 17, Tiere werden gejagt und gezüchtet; ebenso V. 18 Natur / Komfort). Das Gleiche gilt von der Zusammenstellung von Bildung / Wasserspülung (V. 14 f.), wo durch „Wasserspülung“ zudem etwas Niederes mit Höherem (Bildung) verbunden wird, was das Höhere herabzieht. Diese Technik ist auch in V. 24 f. verwendet worden: Höchst gelehrte Stiluntersuchungen lateinischer Prosa führen zum Ergebnis, „daß Cäsar Plattfüße hatte“; das ist etwas derart Banales wie auch Unsinniges als Ergebnis, dass damit der große wissenschaftliche Aufwand lächerlich gemacht wird. Dass aus Scheiße Watte gemacht wird (V. 21 f.), wird man ebenfalls der Technik „Niederes / Höheres verbinden“ zuordnen können; Watte und damit die moderne Hygiene wird abgewertet. [Auch in der älteren Untersuchung des Rhythmus, s.o., ist bereits der satirische Charakter des Gedichts erklärt worden.]

Das Gedicht ist sehr verbreitet; in der Schule wird es auf vielfache Weise rezipiert, heute offenbar vor allem durch Rappen und Filmen. Man muss bei solchen Versuchen jedoch darauf achten, dass das Gedicht als Satire erhalten bleibt – andernfalls hätte man es verfälscht und nicht erfasst. Und vermutlich muss man das Satirische auch zuvor verbal erfassen („mit dem Mund“); denn im szenischen Spiel oder im Standbild kann man kaum darstellen, dass man durch Stiluntersuchungen zum Ergebnis kommt, Cäsar habe Plattfüße gehabt – mein Bedenken angesichts der Schwemme „produktiver“ Verarbeitung von Texten, die sich primär im Hören und Lesen erschließen (sofern sie gut vorgetragen werden, sofern man lesen kann – beides kann man lernen).

Ich habe das Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ gelegentlich im Unterricht verwendet (Kl. 9/10 am Gymnasium); aus diesem Grund seien auch noch die Gedichte Kästners genannt, die in meinem Unterricht vorkamen, hier aber nicht analysiert werden: oft „Herr im Herbst“ (Kl. 9/10), regelmäßig „Im Auto über Land“ (Kl. 6), selten „Vorstadtstraßen“ (Kl. 9/10). Kästners Trostlied im Konjunktiv habe ich in Kl. 7 immer für die Sprachreflexion (Konjunktiv II) und als Anleitung zum produktiven Phantasieren genutzt.

http://www.helpster.de/kaestner-die-entwicklung-der-menschheit_201431 (schwach)

Vortrag

http://www.rezitator.de/gdt/390/ (Lutz Görner, Text verändert)

http://www.youtube.com/watch?v=lB9mB9qzYvE (Fritz Stavenhagen)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/die-entwicklung-der-menschheit.html (Stavenhagen, mit Text)

http://www.youtube.com/watch?v=XjvnlSX7nLM (Hedi Detel, gut)

http://www.youtube.com/watch?v=XX1Ukt0P340 (Silvio Rauch)

http://www.youtube.com/watch?v=ARWXs_ib98w (Rap?)

http://www.youtube.com/watch?v=rGq2JpZ01Zk (Rap?)

http://www.youtube.com/watch?v=F-hBhC1csng (Rap, verfilmt)

http://www.youtube.com/watch?v=4CgSPtpCv8o (eigenwillig, mit Musik)

http://www.youtube.com/watch?v=HQS4YN_dIX8 (Schüler, schwach)

http://www.youtube.com/watch?v=FDuy7_WIPbg (darstellendes Spiel, Text umgestellt)

http://www.youtube.com/watch?v=xi35wtBucgU (Katrin Rosenzopf spielt Klavier und singt)

Sonstiges

https://www.bifie.at/system/files/dl/bist_d_sek1_entwicklung_der_menschheit_2011-07-06.pdf (mehr oder weniger sinnvolle Aufgaben zum Gedicht)

http://www.mittelschulvorbereitung.ch/content_new/GD/GT62kEntwMenschheit.pdf (mit einer m.o.w. sinnvollen Aufgabe)

http://www.babilonhu.net/works/de/K%C3%A4stner,_Erich-1899/Die_Entwicklung_der_Menschheit (Text mit ungar. Übersetzung)

http://www.antiwarsongs.org/canzone.php?lang=en&id=43493 (Text mit franz. Übersetzung) 

http://igitur-archive.library.uu.nl/student-theses/2011-0216-200419/Masterscriptie%20Roos%20Verhamme%20-%20PDF%20zonder%20data.pdf (zu Kästners Lyrik 1928-1932)

http://www.subin.de/kaestner.pdf (zu Kästners Lyrik insgesamt)