Storm: Der kleine Häwelmann – Märchen, überarbeitet

Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des Nachts schlief er in einem Rollenbett und auch nachmittags, wenn er müde war; wenn er aber nicht müde war, so musste seine Mutter ihn darin in der Stube umherfahren, und davon konnte er nie genug bekommen.

Nun lag der kleine Häwelmann eines Nachts in seinem Rollenbett und konnte nicht einschlafen; die Mutter aber schlief schon lange neben ihm in ihrem großen Himmelbett. „Mutter“, rief der kleine Häwelmann, „ich will fahren!“ Und die Mutter langte im Schlaf mit dem Arm aus dem Bett und rollte die kleine Bettstelle hin und her, und wenn ihr der Arm müde werden wollte, so rief der kleine Häwelmann: „Mehr, mehr!“, und dann ging das Rollen wieder von vorne an. Endlich aber schlief sie gänzlich ein; und so viel Häwelmann auch schreien mochte, sie hörte es nicht; es war rein vorbei.

Da dauerte es nicht lange, so sah der Mond in die Fensterscheiben, der gute alte Mond, und was er da sah, war so lustig, dass er sich erst mit seinem Pelzärmel über das Gesicht fuhr, um sich die Augen auszuwischen; so etwas hatte der alte Mond all sein Lebtag nicht gesehen. Da lag der kleine Häwelmann mit offenen Augen in seinem Rollenbett und hielt das eine Beinchen wie einen Mastbaum in die Höhe. Sein kleines Hemd hatte er ausgezogen und hängte es wie ein Segel an seiner kleinen Zehe auf; dann nahm er ein Hemdzipfelchen in jede Hand und fing mit beiden Backen an zu blasen. Und allmählich, leise, leise, fing es an zu rollen, über den Fußboden, dann die Wand hinauf, dann kopfüber die Decke entlang und dann die andere Wand wieder hinunter. „Mehr, mehr!“, schrie Häwelmann, als er wieder auf dem Boden war; und dann blies er wieder seine Backen auf, und dann ging es wieder kopfüber und kopfunter. Es war ein großes Glück für den kleinen Häwelmann, dass es gerade Nacht war und die Erde auf dem Kopf stand; sonst hätte er doch gar zu leicht den Hals brechen können.

Als er drei Mal die Reise gemacht hatte, guckte der Mond ihm plötzlich ins Gesicht. „Junge“, sagte er, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.“

„Das kann ich nicht“, sagte der gute Mond; aber er ließ einen langen Strahl durch das Schlüsselloch fallen; und darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Haus hinaus.

Auf der Straße war es ganz still und einsam. Die hohen Häuser standen im hellen Mondschein und glotzten mit ihren schwarzen Fenstern recht dumm in die Stadt hinaus; aber die Menschen waren nirgends zu sehen. Es rasselte recht, als der kleine Häwelmann in seinem Rollenbette über das Straßenpflaster fuhr; und der gute Mond ging immer neben ihm und leuchtete. So fuhren sie die Straßen entlang; aber die Menschen waren nirgends zu sehen. Als sie bei der Kirche vorbei kamen, da krähte auf einmal der große goldene Hahn auf dem Glockenturm. Sie hielten still. „Was machst du da?“, rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Ich krähe zum ersten Mal“, rief der goldene Hahn herunter.

„Wo sind denn die Menschen?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Die schlafen“, rief der goldene Hahn herunter, „wenn ich zum dritten Mal krähe, dann wacht der erste Mensch auf.“

„Das dauert mir zu lange“, sagte Häwelmann, „ich will in den Wald fahren, alle Tiere sollen mich fahren sehen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“ Und damit blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete, und so fuhren sie zum Stadttor hinaus und übers Feld und in den dunkeln Wald hinein. Der gute Mond hatte große Mühe, zwischen den vielen Bäumen durchzukommen; mitunter war er ein ganzes Stück zurück, aber er holte den kleinen Häwelmann doch immer wieder ein.

Im Walde war es still und einsam; die Tiere waren nicht zu sehen, weder die Hirsche noch die Hasen, auch nicht die kleinen Mäuse. So fuhren sie immer weiter, durch Tannen und Buchenwälder, bergauf und bergab. Der gute Mond ging nebenher und leuchtete in alle Büsche; aber die Tiere waren nicht zu sehen, nur eine kleine Katze saß oben in einem Eichbaum und funkelte mit den Augen. Da hielten sie still.

„Das ist der kleine Hinze“, sagte Häwelmann, „ich kenne ihn wohl; er will die Sterne nachmachen.“ Und als sie weiter fuhren, sprang die kleine Katze mit von Baum zu Baum. „Was machst du da?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Ich beleuchte alles!“, rief die kleine Katze herunter.

„Wo sind denn die andren Tiere?“, rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Die schlafen!“, rief die kleine Katze herunter und sprang wieder einen Baum weiter, „horch nur, wie sie schnarchen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“, und dann blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete; und so fuhren sie zum Walde hinaus und dann über die Heide bis ans Ende der Welt, und dann gerade in den Himmel hinein.

Hier war es lustig; alle Sterne waren wach und hatten die Augen auf und funkelten, dass der ganze Himmel blitzte. „Platz da!“, schrie Häwelmann und fuhr in den hellen Haufen hinein, dass die Sterne links und rechts vor Angst vom Himmel fielen.

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr!“, und – hast du nicht gesehen! fuhr er dem alten guten Mond quer über die Nase, dass er ganz dunkelbraun im Gesicht wurde. „Pfui!“, sagte der Mond und nieste drei Mal, „alles mit Maßen!“ Und damit putzte er seine Laterne aus, und alle Sterne machten die Augen zu. Da wurde es im ganzen Himmel auf einmal so dunkel, dass man es ordentlich mit Händen greifen konnte. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“, schrie Häwelmann, aber der Mond war nirgends zu sehen und auch die Sterne nicht; sie waren schon alle zu Bett gegangen. Da fürchtete der kleine Häwelmann sich sehr, weil er so allein im Himmel war. Er nahm seine Hemdzipfelchen in die Hände und blies die Backen auf; aber er wusste weder aus noch ein, er fuhr kreuz und quer, hin und her, und niemand sah ihn fahren, weder die Menschen noch die Tiere noch auch die lieben Sterne. Da guckte endlich unten, ganz unten am Himmelsrande ein rotes rundes Gesicht zu ihm herauf, und der kleine Häwelmann meinte, der Mond sei wieder aufgegangen. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“, rief er, und dann blies er wieder die Backen auf und fuhr quer durch den ganzen Himmel und darauf los. Es war aber die Sonne, die gerade aus dem Meere heraufkam. „Junge“, rief sie und sah ihm mit ihren glühenden Augen ins Gesicht, „was machst du hier in meinem Himmel?“ Und – eins, zwei, drei! nahm sie den kleinen Häwelmann und warf ihn mitten in das große Wasser. Da konnte er schwimmen lernen.

Und dann?

Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können!

 

Von Theodor Storm, nach http://www.kindergarten-homepage.de/lesen/maerchen/der-kleine-haewelmann.html, sprachlich minimal von mir bearbeitet – laut kindergarten-homepage kann man das Märchen Kindern ab 4 Jahren vorlesen. Mit dieser Fassung bin ich jedoch im Kindergarten bei den Vorschulkindern gescheitert, so dass ich eine gekürzte Fassung hergestellt habe:

Der kleine Häwelmann

Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des Nachts schlief er in einem Rollenbett und auch nachmittags, wenn er müde war; wenn er aber nicht müde war, musste seine Mutter ihn darin in der Stube umherfahren, und davon konnte er nie genug bekommen.

Nun lag der kleine Häwelmann eines Nachts in seinem Rollenbett und konnte nicht einschlafen; die Mutter aber schlief schon lange neben ihm in ihrem großen Himmelbett. „Mutter“, rief der kleine Häwelmann, „ich will fahren!“ Und die Mutter langte im Schlaf mit dem Arm aus dem Bett und rollte die kleine Bettstelle hin und her, und wenn ihr der Arm müde werden wollte, so rief der kleine Häwelmann: „Mehr, mehr!“, und dann ging das Rollen wieder von vorne an. Endlich aber schlief sie ein; und so viel Häwelmann auch schrie, sie hörte es nicht.

Es dauerte es nicht lange, so sah der Mond durch die Fensterscheiben, und was er da sah, das hatte der alte Mond sein Lebtag nicht gesehen: Da lag der kleine Häwelmann mit offenen Augen in seinem Rollenbett und hielt das eine Beinchen wie einen Mastbaum in die Höhe. Sein Hemdchen hatte er ausgezogen und hängte es wie ein Segel an seiner kleinen Zehe auf; dann nahm er ein Hemdzipfelchen in jede Hand und fing mit beiden Backen an zu blasen. Und allmählich, ganz langsam fing das Bett an zu rollen, über den Fußboden, dann die Wand hinauf, dann kopfüber die Decke entlang und dann die andere Wand wieder hinunter. „Mehr, mehr!“, schrie Häwelmann, als er wieder auf dem Boden war; dann blies er wieder seine Backen auf, und dann ging es wieder kopfüber und kopfunter.

Als er drei Mal die Reise gemacht hatte, guckte der Mond ihm plötzlich ins Gesicht. „Junge“, sagte er, „hast du noch nicht genug?“ „Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die ganze Stadt fahren.“ „Das kann ich nicht“, sagte der gute Mond; aber er ließ einen Lichtstrahl durch das Schlüsselloch fallen; darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Haus hinaus.

Auf der Straße war es ganz still und einsam. Es rasselte recht, als der kleine Häwelmann in seinem Rollenbett über das Straßenpflaster fuhr; und der gute Mond ging immer neben ihm und leuchtete. Als sie an der Kirche vorbeikamen, da krähte auf einmal der große goldene Hahn auf dem Glockenturm. Sie hielten an. „Was machst du da?“, rief der kleine Häwelmann hinauf. „Ich krähe zum ersten Mal“, rief der goldene Hahn herunter. „Wo sind denn die Menschen?“ rief der kleine Häwelmann hinauf. „Die schlafen“, rief der goldene Hahn herunter, „wenn ich zum dritten Mal krähe, dann wacht der erste Mensch auf.“ „Das dauert mir zu lange“, sagte Häwelmann, „ich will in den Wald fahren, alle Tiere sollen mich fahren sehen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“ „Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“ Und damit blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete, und so fuhren sie zum Stadttor hinaus und übers Feld und in den dunkeln Wald hinein.

Im Walde war es still und einsam; die Tiere waren nicht zu sehen, weder die Hirsche noch die Hasen, auch nicht die kleinen Mäuse. So fuhren sie immer weiter. Der gute Mond ging nebenher und leuchtete in alle Büsche; aber sie sahen keine Tiere, nur eine kleine Katze saß oben in einem Eichbaum und funkelte mit den Augen. Sie hielten an. „Wo sind denn die andren Tiere?“, rief der kleine Häwelmann hinauf. „Die schlafen!“, rief die kleine Katze herunter und sprang wieder einen Baum weiter, „horch nur, wie sie schnarchen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“ „Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“, und dann blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete; und so fuhren sie zum Walde hinaus und dann über die Heide bis ans Ende der Welt, und dann gerade in den Himmel hinein.

Hier war es lustig; alle Sterne waren wach und hatten die Augen auf und funkelten, dass der ganze Himmel blitzte. „Platz da!“, schrie Häwelmann und fuhr in den hellen Haufen hinein, dass die Sterne links und rechts vor Angst vom Himmel fielen. Da wurde es im ganzen Himmel auf einmal stockdunkel. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“, schrie Häwelmann, aber der Mond sagte nichts mehr, er war schon zu Bett gegangen. Da guckte endlich unten, ganz unten am Himmelsrande ein rotes Gesicht zu ihm herauf; der kleine Häwelmann meinte, es wäre der Mond. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“, rief er, und dann blies er wieder die Backen auf und fuhr quer durch den ganzen Himmel, auf das Gesicht zu. Es war aber die Sonne, die gerade aus dem Meere heraufkam und aufging. „Junge“, rief sie und sah ihn mit ihren glühenden Augen an, „was machst du hier in meinem Himmel?“ Und – eins, zwei, drei! nahm sie den kleinen Häwelmann und warf ihn mitten in das große Wasser. Und dann?

Ja, und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn du und ich nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot gezogen hätten, so hätte er leicht ertrinken können!

Von Theodor Storm, gekürzt und sprachlich von mir bearbeitet – in der Hoffnung, dass große Kindergartenkinder das Märchen jetzt verstehen (und die Geduld haben, an einem Stück zuzuhören).

Deutsche Märchen

Märchensammler

Johann Karl August Musäus: Volksmährchen der Deutschen, 1782/86

http://www.zeno.org/Literatur/M/Mus%C3%A4us,+Johann+Karl+August/M%C3%A4rchen/Volksm%C3%A4rchen+der+Deutschen

http://de.wikisource.org/wiki/Johann_Karl_August_Mus%C3%A4us (dort verlinkt)

 

Benedikte Naubert: Neue Volksmärchen der Deutschen, 1789

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/Naubert_Neue_Volksmaehrchen_der_Deutschen_1.pdf

 

Ludwig Tieck: Volksmärchen, hrsg. von Peter Lebrecht, 1797

http://books.google.de/books?id=3ss6AAAAcAAJ&redir_esc=y

http://books.google.de/books?id=8ss6AAAAcAAJ&redir_esc=y

Die Märchen aus dem „Phantasus“ (1812/15):

http://www.zeno.org/Literatur/M/Tieck,+Ludwig/Erz%C3%A4hlungen+und+M%C3%A4rchen/Die+M%C3%A4rchen+aus+dem+Phantasus

 

Albert Ludewig Grimm: Kindermährchen (1809)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Albert+Ludewig/M%C3%A4rchen/Kinderm%C3%A4rchen

Lina’s Mährchenbuch (1816) http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Albert+Ludewig/M%C3%A4rchen/Lina%27s+M%C3%A4hrchenbuch

 

Clemens Brentano: Rheinmärchen (ab 1810)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Brentano,+Clemens/M%C3%A4rchen-Sammlung/Rheinm%C3%A4rchen

 

Johann Gustav Büsching: Volks-Sagen, Märchen und Legenden (1812)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden

 

Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen (ab 1812)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen+%281812-15%29 (1. Fassung, 1812/15); vgl. Jacob Grimm, Friedrich Panzer: Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, 1913

http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen_Grimm_%281812%E2%80%931815%29 (1. Fassung)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen (späte Fassung)

http://khm.li/ (in der Ordnung der KHM, per Link aufrufbar)

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/brueder_grimm/maerchen_brueder_grimm.htm

http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/index

http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Kategorie:M%C3%A4rchen_Grimm_%281857%29&pageuntil=Simeliberg+%281857%29#mw-pages (1857)

http://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen (Übersicht_ alle Auflagen) mit http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen

http://www.maerchenlexikon.de/Grimm/konkordanzkhmat.htm (mit Typ)

http://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_Band_3_%281856%29/Anmerkungen (Anmerkungen der Brüder Grimm zu den KHM)

https://archive.org/stream/dieliterarischen00hamauoft#page/n5/mode/2up (Hermann Hamann: Die literarischen Vorlagen der Kinder- und Hausmärchen und ihre Bearbeitung durch die Brüder Grimm, 1906)

Bolte – Polívka: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (3 Bände, 1913 ff. – es gibt neuere Auflagen in 5 Bd.):

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden01grim#page/n5/mode/2up (Nr. 1 – 60)

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden02grim#page/n5/mode/2up (Nr. 61 – 120)

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden03grim#page/n5/mode/2up (Nr. 121 ff.)

 

Ernst Moritz Arndt: Mährchen und Jugenderinnerungen / 1. Teil (1813)

http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4hrchen_und_Jugenderinnerungen/Erster_Theil

http://books.google.de/books?id=_XoHAAAAQAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

2. Teil (1843) http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen_und_Jugenderinnerungen_%28Arndt%29_2

http://books.google.de/books?id=lGg6AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

 

Friedrich Gottschalck: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen (1814)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Gottschalck,+Friedrich/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Die+Sagen+und+Volksm%C3%A4hrchen+der+Deutschen

 

Karoline Stahl: Fabeln, Mährchen und Erzählungen für Kinder (1818)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Stahl,+Karoline/M%C3%A4rchen/Fabeln,+M%C3%A4hrchen+und+Erz%C3%A4hlungen+f%C3%BCr+Kinder

 

Johann Andreas Christian Löhr: Das Buch der Maehrchen für Kindheit und Jugend, nebst etzlichen Schnaken und Schnurren, anmuthig und lehrhaftig [1–]2 (ca. 1819/20)

http://www.zeno.org/Literatur/M/L%C3%B6hr,+Johann+Andreas+Christian/M%C3%A4rchen/Das+Buch+der+M%C3%A4hrchen

 

Johann Heinrich Lehnert: Mährchenkranz für Kinder, der erheiternden Unterhaltung besonders im Familienkreise geweiht (1829)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Lehnert,+Johann+Heinrich/M%C3%A4rchen/M%C3%A4hrchenkranz+f%C3%BCr+Kinder

 

Heinrich Kletke: Almanach deutscher Volksmärchen (1839) – im Internet nicht greifbar

 

Johann Jakob Nathanael Mussäus: Meklenburgische Volksmährchen (1840)

http://mvdok.lbmv.de/mjbrenderer?id=mvdok_document_00000212

 

(Georg Hippolyt) Hermann Harrys: Volkssagen, Märchen und Legenden Niedersachsens (1840, 2 Teile)

https://archive.org/stream/volkssagenmrche00harrgoog#page/n5/mode/2up

http://books.google.de/books?id=0GoAAAAAcAAJ&pg=PP5&lpg=PP5&dq=harrys:+Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden+niedersachsens&source=bl&ots=GFQnQH-23f&sig=047qccRSWg7MpFFgcB8lGsfrTtE&hl=de&sa=X&ei=a1oxVNKoOsuwPLiKgbgI&ved=0CDYQ6AEwBQ#v=onepage&q=harrys%3A%20Sagen%2C%20M%C3%A4rchen%20und%20Legenden%20niedersachsens&f=false

 

Sagen und Märchen aus der Oberlausitz. Nacherzählt von Ernst Willkomm (1843)

http://books.google.de/books?id=kqTYAAAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

 

Adalbert Kuhn: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben (1843)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Märkische+Sagen+und+Märchen = https://archive.org/stream/mrkischesagenun02kuhngoog#page/n6/mode/2up

Norddeutsche Sachen, Märchen und Gebräuche… (1848, mit Wilhelm Schwartz) http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Norddeutsche+Sagen,+Märchen+und+Gebräuche

Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen… (1859) http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/Märchen+und+Sagen/Sagen,+Gebräuche+und+Märchen+aus+Westfalen

 

Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg (1845)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Müllenhoff,+Karl/Märchen+und+Sagen/Sagen,+Märchen+und+Lieder

 

Karl Simrock: Die deutschen Volksbücher (1845)

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_deutschen_Volksb%C3%BCcher (dort verlinkt)

 

Germaniens Völkerstimmen. Sammlung der deutschen Mundarten in Dichtungen, Sagen, Märchen, Volksliedern. Hrsg. von Joh. Matthias Firmenich. 1. Band (1845)

https://archive.org/stream/germaniensvlke01firmuoft#page/n3/mode/2up

2. Band (1846) https://archive.org/stream/germaniensvlke02firmuoft#page/n3/mode/2up

 

Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Märchen und Sagen, 1845:

http://books.google.de/books?id=pSYPAAAAQAAJ&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

https://archive.org/details/deutschemrchenu00wolfgoog ->

https://archive.org/stream/deutschemrchenu00wolfgoog#page/n16/mode/2up

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Flandern/Johann+Wilhelm+Wolf%3A+Deutsche+M%C3%A4rchen+und+Sagen

Deutsche Hausmärchen 1851 (zusammen mit Wilhelm von Ploennies)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Wolf,+Johann+Wilhelm/M%C3%A4rchen/Deutsche+Hausm%C3%A4rchen

http://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Hausm%C3%A4rchen

http://books.google.de/books?id=i2A7AAAAcAAJ&printsec=frontcove

http://literaturnetz.org/3107

 

Ludwig Bechstein: Deutsches Märchenbuch 1845

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Deutsches+M%C3%A4rchenbuch

http://literaturnetz.org/2524 (Märchen)

http://www.maerchen.com/ludwig-bechstein.htm (dito)

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,3,1,2,0-ludwig-bechstein.htm (dito)

Neues deutsches Märchenbuch, 1856

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/M%C3%A4rchen/Neues+deutsches+M%C3%A4rchenbuch

 

Emil Sommer: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachsen und Thüringen 1 (1846)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Sommer,+Emil/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche+aus+Sachsen+und+Th%C3%BCringen

 

Kuhn, Adalbert: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen (1848)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Kuhn,+Adalbert/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Norddeutsche+Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche/B.+M%C3%A4rchen

 

Friedrich Heinrich von der Hagen: Gesammtabenteuer. Hundert altdeutsche Erählungen: Ritter- und Pfaffen-Mären usw., drei Bände, Tübingen 1850,

Band 1: Stadt- und Dorfgeschichten. Schwänke, Wundersagen und Legenden Google, Google, Google;

Band 2: Ritter- und Pfaffen-Mären Google, Google, Google, Google;

Band 3: Ritter- und Pfaffen-Mären Google, Google, Google, Google

 

Ernst Heinrich Meier: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben (1852)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Meier,+Ernst/M%C3%A4rchen/Deutsche+Volksm%C3%A4rchen+aus+Schwaben

 

Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Zingerle (1852)

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044089079958;view=1up;seq=21 bzw.

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044089079958;view=2up;seq=20

http://books.google.de/books/about/Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen.html?id=SHcAAAAAMAAJ&redir_esc=y

 

Ignaz und Joseph Zingerle: Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland (1854)

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/%C3%96sterreich/Ignaz+und+Joseph+Zingerle%3A+Kinder+und+Hausm%C3%A4rchen+aus+S%C3%BCddeutschland

https://archive.org/stream/kinderundhausmr00zinggoog#page/n8/mode/2up

 

Heinrich Pröhle: Kinder- und Volksmärchen (1853)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Pr%C3%B6hle,+Heinrich/M%C3%A4rchen/Kinder-+und+Volksm%C3%A4rchen

Märchen für die Jugend (1854) http://www.zeno.org/Literatur/M/Pr%C3%B6hle,+Heinrich/M%C3%A4rchen/M%C3%A4rchen+f%C3%BCr+die+Jugend

 

Carl Colshorn, Theodor Colshorn: Märchen und Sagen aus Hannover (1854)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Colshorn,+Carl+und+Theodor/Märchen+und+Sagen/Märchen+und+Sagen+aus+Hannover

 

Karl Seifart: Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Sachsen und Thüringen (1854)

(im Internet nicht greifbar)

Sagen, Märchen, Schwänke und Gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim (1854)

https://archive.org/stream/bub_gb_ATA7AAAAcAAJ#page/n3/mode/2up (enthält nur zwei Märchen)

 

Georg Schambach und Wilhelm Müller: Niedersächsische Sagen und Märchen (1855)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Schambach,+Georg/M%C3%A4rchen+und+Sagen

 

Josef Haltrich: Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen (1856)

http://www.digibib.tu-bs.de/start.php?suffix=jpg&maxpage=176&derivate_id=351

 

Anton Birlinger, M. R. Buck: Sagen, Märchen, Volksberglauben. Volksthümliches aus Schwaben 1 (1861)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Birlinger,+Anton/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen,+Volksaberglauben

 

Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1 (1879)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Bartsch,+Karl/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Sagen,+M%C3%A4rchen+und+Gebr%C3%A4uche+aus+Meklenburg/Erster+Band%3A+Sagen+und+M%C3%A4rchen

 

Alfred Haas: Rügensche Sagen und Märchen (3. Aufl., 1903; 2. Aufl. 1896)

https://archive.org/stream/rgenschesagenu00haas#page/n5/mode/2up

 

Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l (1891)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Jahn,+Ulrich/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volksm%C3%A4rchen+aus+Pommern+und+R%C3%BCgen

 

Kinder- und Hausmärchen, dem Volke treu nacherzählt von Theodor Vernaleken (4. Auflage 1900)

https://archive.org/stream/bub_gb_SHsWAAAAYAAJ#page/n3/mode/2up

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein/Theodor+Vernaleken%3A+Kinder-+und+Hausm%C3%A4rchen+dem+Volke+treu+nacherz%C3%A4hlt (3. Aufl. 1896)

 

Oskar Dähnhardt: Deutsches Märchenbuch, Bd. 1 (1903)

Deutsches Märchenbuch, Bd. 2 (1912) – beide im Internet nicht greifbar

 

Karl Spiegel: Märchen aus Bayern (1914)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Spiegel,+Karl/M%C3%A4rchen/M%C3%A4rchen+aus+Bayern

 

Deutsche Märchen seit Grimm. Hrsg. von Paul Zaunert (1917)

https://archive.org/stream/deutschemrchen00zaun#page/n9/mode/2up (Inhaltsverzeichnis: S. 413 ff.)

 

Deutsche Volksmärchen (es gibt vermutlich noch mehr Sammlungen)

http://www.hexenhort.de/buecher/maerchen/maerchen.htm

http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4rchen_aus_Bayern (Bayern)

http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/niedersachsen/hannover/sagen_hannover.htm (Hannover)

http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=91 (Sachsen)

http://literaturnetz.org/2992 (Märchen und Sagen aus Vorpommern)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden/1.+Schlesische+Sagen+und+M%C3%A4hrchen (Schlesien)

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCsching,+Johann+Gustav/M%C3%A4rchen+und+Sagen/Volkssagen,+M%C3%A4rchen+und+Legenden (verschiedene Gegenden)

http://literaturnetz.org/2525 (Sächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen)

 

Als Märchendichter sind zu nennen:

Wilhelm Hauff: Märchen-Almanache (1825/27)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hauff,+Wilhelm

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,5,1,2,0-Wilhelm-Hauff.htm

 

ETA Hoffmann, ca.1820

http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erz%C3%A4hlungen,+M%C3%A4rchen+und+Schriften

 

Theodor Storm: Märchen und Spukgeschichten (1850/65)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/M%C3%A4rchen+und+Spukgeschichten

 

Richard von Volkmann-Leander (Leander): Träumereien an französischen Kaminen (nach 1870)

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,4,1,2,0-Richard-von-Volkmann-Leander.htm

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/volkmann/maerchen_deutschland_volkmann.htm

http://www.hekaya.de/maerchen/autoren–volkmann_leander.html

https://archive.org/stream/trumereienanfra04volkgoog#page/n9/mode/2up

 

Heinrich Seidel: Dreißig Märchen (1905)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/dreissig-marchen-5946/1

 

Friedrich Panzer, zur Theorie des Märchens (1926): http://www.maerchenlexikon.de/texte/archiv/panzer01.htm

 

Neben den deutschen Sammlern von Märchen sind zu nennen:

Afanasjew (russ.)

Asbjörnsen (norw.)

Caballero (span.)

Croker (ir.)

Grundtvig (dän.)

Ispirescu (rumän.)

Jacobs (div.)

Kretschmer (griech.)

Nemcová (tschech.)

Moe (norweg.)

Puschkin (russ.)

Sutermeister (schweiz.)

——————————————————————————–

Vor den deutschen Märchensammlungen sind bereits anderswo Märchen gesammelt worden. Die bedeutendsten Sammlungen sind:

Straparola (italien.): Die ergötzlichen Nächte (1550/53)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ergotzliche-nachte-3762/1

 

Basile (italien.): Das Pentameron (1634/36 unter einem Pseodonym, heutiger Titel ab 1674)

http://www.maerchenatlas.de/aus-aller-welt/marchensammler/giambattista-basile/das-pentameron/ (Übersicht)

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=uc1.$b291912;view=1up;seq=5 1. Band

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=uc1.$b291913;view=1up;seq=5 2. Band

http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-pentameron-4884/1 (Text)

 

Perrault (franz.): Histoires ou contes du temps passé… (1697)

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Perrault (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/charles-perrault-m-5446/1

urn:nbn:de:bvb:355-ubr07455-2

(Manche dieser Stoffe finden sich auch bei den Brüdern Grimm!)

 

Galland (franz.): Märchen aus 1001 Nacht, ab 1704

http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-erster-band-3445/1

http://www.maerchen.org/tausendundeine-nacht.htm

http://literaturnetz.org/tausendundeinenacht

http://www.kuehnle-online.de/literatur/habicht/1001/index.htm

http://forum.tunesien.org/ubbthreads.php?ubb=showflat&Number=96414 (Liste der Märchen)

 

Theodor Storm: Über die Heide – Analyse

Über die Heide hallet mein Schritt…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/heide.htm

http://www.storm-gesellschaft.de/?seite=72737 (mit franz. und engl. Übersetzung)

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=402

Die Überschrift gibt die Heide als den Ort des Geschehens vor. Was für ein Ort die „die Heide“? Die Heide ist literarisch ein wüster, trostloser Ort:

„Allhier in dieser wüsten Haid

Wohnt keine Seele weit und breit,

Die wilden Thier allein,

Die seh ich selbst Mitleiden tragen…“ (Achim von Arnim: In dieser wüsten Heide)

„Allein zurückgeblieben auf der öden Heide, ließ ich unendlichen Tränen freien Lauf, mein armes Herz von namenloser banger Last erleichternd…“ (Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte)

„Ein Wäldchen rauscht auf weiter grüner Heide;

Hier lebt die Erde still und arm und trübe…“ (Nikolaus Lenau: Ahasver, der ewige Jude)

Weil dies so ist, kann literarisch auch mit dem Gegenbild der Heide als Idylle gespielt werden, etwa von Lenau: Die drei Zigeuner, von Droste-Hülshoff: Das Haus in der Heide, oder von Theodor Storm selbst: Abseits

Wenn man Bilder sucht, findet man zwar Heidebilder bei google-Bilder, aber eher idyllische, wo die Heide im Sonnenschein liegt: Fischbeker HeideNemitzer HeideLüneburger Heide

Bilder vom Nebel muss man gesondert suchen und sich dann die Heide im Nebel vorstellen: Nebel 1, Nebel 2, Nebel 3. Da man im Nebel nichts sieht, verstärkt sein Auftreten das Empfinden der Verlassenheit in der Heide.

Das Gedicht ist 1875 entstanden und auch veröffentlicht worden. Ein lyrisches Ich geht „über die Heide“ und beschreibt, wie es diesen Gang erlebt:

„Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.“ (V. 1 f.)

In der 1. Strophe wird die Situation beschrieben, in der sich das Ich befindet. Es ist allein in der Heide, daher kann sein Schritt „hallen“ (Alliteration zu „Heide“). Der 2. Vers lässt den Leser aufhorchen: Da ist ein unheimlicher unterirdischer Ton, der mitwandert – etwas, was wir so nicht kennen. Der Ton klingt wie „die Stimmen, die über der Tiefe sind“ (Storm: Meeresstrand). Da ist etwas zu hören, was nicht sichtbar ist, was sich dem Zugriff des Geistes entzieht; „dumpf“ ist es, es mag so gut „aus der Erde“ wie aus dem eigenen Herzen kommen. Es begleitet einen, es wandert mit; es ist der dunkle Hintergrund, der gefährliche Grund, vor dem die hellen Szenen spielen.

Die Form der beiden Verse ist einfach: Paarreim, vier Hebungen mit einer oder zwei unbetonten Silben, die letzte Silbe ist betont (männliche Kadenz): Das ergibt einen unregelmäßigen festen Rhythmus; jeder Vers ist ein Satz für sich, nach jedem Vers gibt es eine Pause. Der Reim ist semantisch sinnvoll: mein Schritt/wandert mit (V. 1 f.), das Ich gehört mit dem dumpfen Ton zusammen.

Unvermittelt werden in der 2. Strophe Gedanken oder Eindrücke des lyrischen Ichs vorgetragen:

„Herbst ist gekommen, Frühling ist weit –
Gab es denn einmal selige Zeit?“ (V. 3 f.)

Zunächst wird „Herbst“ absolut eingeführt: Herbst ist mehr als Jahreszeit, Herbst ist Lebenszeit, die zu Ende geht, die schon den nahen Tod spüren lässt; das Perfekt umschreibt den vollendeten Zustand, weshalb der Frühling eo ipso „weit“ zurück liegt. Die Frage in Vers 4 gehört zum Herbst; sie zeigt, dass der Herbst für das Ich eine unselige Zeit ist – erfahrene Gegenwart, die zur Frage berechtigt, ob es „denn einmal“ anders war (V. 4). Solche Gedanken passen in die Nebel-Heide, im Herbst. Der Rhythmus ist in der 2. Strophe so wie in der ersten; auch der Reim ist wieder sinnvoll, weil man nach der seligen Zeit fragen muss oder kann, wenn der Frühling weit ist.

In der 3. Strophe beschreibt das Ich die trostlose Heidelandschaft:

„Brauende Nebel geisten umher;
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.“ (V. 5 f.)

„Brauen“ bedeutet ursprünglich „kochen“; wenn sich dicker Nebel nahe der Erdoberfläche erhebt, also wie siedendes Wasser aufsteigt, dann braut er: unheimlich, gefährlich. „geisten“ (V. 5) ist ein Neologismus, zumindest ein sehr seltenes Wort, etwa im Sinn von „als Geist umgehen“. Die Nebel vollenden das, was bisher nur Herbst hieß. Sie bekommen zwei Assistenten dazu, das Kraut und den Himmel; das Kraut ist nämlich schwarz, dem Tod schon verfallen, und „der Himmel so leer“ – der Himmel als Firmament, der Himmel als Ort der Hoffnung: beide leer. Der Reim schließt wieder Gleiches zusammen: Nebel geisten umher/der Himmel ist leer (V. 5 f.).

In der letzten Strophe werden die Gedanken des Ichs (2. Strophe) fortgesetzt:

„Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe – wie flog es vorbei!“ (V. 7 f.)

Der erste Gedanke ist schwer verständlich. Der Mai gehört zum Frühling, der so weit ist (V. 3). Der Wunsch, hier nicht im Mai gegangen zu sein, kann nur besagen: Dann würde ich jetzt diesen Ort nicht als so leer empfinden; aus dem Kontrast zum Mai gewinnt der Herbst seine Trostlosigkeit, gewinnt das Ich seine Einsicht, die es im letzten Vers resigniert ausspricht: „wie flog es [alles, Leben und Liebe: Alliteration] vorbei!“ (V. 8) Es ist schnell vergangen; und vor allem, es ist endgültig vergangen. Der Takt ist zum reinen Daktylos geworden; der Reim schließt die beiden Aussagen des Negativen zusammen: nicht im Mai/alles vorbei (V. 7 f.).

Im Gedicht „Meeresstrand“ hat das lyrische Ich sich in der Weite des Strandes den Stimmen über der Tiefe gestellt; in „Über die Heide“ spricht es aus, wie es ihm in diesem Rumoren ergeht, wie es sich seiner Einsamkeit und der Todesnähe bewusst wird, wie es diese beklagt. Wie man dieses Gedicht in der Grundschule behandeln kann, bleibt mir schleierhaft.

http://www.janreichow.de/wordpress/?p=11363

Vortrag

http://wernerseuken.podspot.de/post/theodor-storm-uber-die-heide/ (Werner Seuken)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/ueber-die-heide.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=OWqRbVDyj6I (gesungen)

http://www.youtube.com/watch?v=hbYpYTeIMe0 (nach Storm: gesungen)

Sonstiges

http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=18086 (Bastelanleitung für ein Leporello)

http://www.grundschulmaterial.de/medien/HuS/Klasse%203/Jahreszeiten/Herbst/Gedichte%20mit%20Schmuckrahmen/id/50595/ (Gedichte mit Schmuckrahmen – genau das richtige Thema für Klasse 3!)

Theodor Storm: Die Nachtigall – Analyse

Das macht, es hat die Nachtigall…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/nachtig.htm

http://www.textlog.de/gedichte-nachtigall.html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=427

Die Nachtigall hat in der Liebesdichtung einen festen Platz: Ich nenne nur vier Beispiele aus der deutschen Literatur und zitiere die erste Strophe eines Gedichtes von Heine:

Anna Louisa Karsch (1722-1791): Klagen einer Braut an ihre Nachtigall

Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776): Die Nachtigall

Johann Martin Miller (1750-1814): An die Nachtigall

Heinrich Heine (1797-1856): Die Linde blühte, die Nachtigall sang…

„Die Linde blühte, die Nachtigall sang,

Die Sonne lachte mit freundlicher Lust;

Da küßtest du mich, und dein Arm mich umschlang,

Da preßtest du mich an die schwellende Brust.“ (Buch der Lieder: Lyrisches Intermezzo, erstmals 1823)

Theodor Storms Gedicht, 1856, entstanden, wurde 1864 veröffentlicht. Es behandelt die Veränderung im Leben eines jungen Mädchens, das auf dem Weg vom Kind zur Frau ist – ein Lebensalter, von dem Theodor Storm besonders angezogen war. Der Sprecher betrachtet das Mädchen als Außenstehender, er kommt nicht als Figur im Gedicht vor. Er trägt eine poetische Erklärung der von ihm beschriebenen Veränderungen vor – das ist das Gedicht.

Von der Logik des Sprechens her beginnt man am besten mit der 2. Strophe. Da wird „Sie“ (V. 6) eingeführt, ein namenloses Mädchen, das für alle Mädchen seines Alters steht: „Sie war doch sonst ein wildes Blut“ (V. 6), aber jetzt ist sie eben anders; wie sie jetzt auftritt, wird in den folgenden Versen im Präsens beschrieben (V. 7-10). Sie geht „tief in Sinnen“ (V. 7) und „weiß nicht, was [sie] beginnen [soll]“ (V. 10). Die ganze Unsicherheit der Pubertierenden  kommt in diesem Reim zum Ausdruck.

Die fünf Verse jeder Strophe sind so wie im Gedicht „In Bulemanns Haus“ organisiert, nur dass hier wirklich der Jambus durchgehalten ist: abwechselnd vier und drei Hebungen mit zugehöriger männlicher/weiblicher Kadenz und Reim, also folgendermaßen:

4 Hebungen – männlich – a

3 Hebungen – weiblich – b

4 Hebungen – männlich – a

4 Hebungen – männlich – a

3 Hebungen – weiblich – b

Das ist ein „unechter“ Kreuzreim, die „eingeschobene“ 4. Zeile gibt der Strophe einen beschwingteren Charakter, wiederholt oder vertieft auch inhaltlich den 3. Vers, welcher wegen der männlichen Kadenz im Takt direkt in den 4. übergeht, wogegen nach dem 2. Vers eine Pause gemacht wird. Die reimenden Verse schließen sinnvoll aneinander an: Sommerhut/der Sonne Glut (V. 8 f.) mit „wildes Blut“ (V. 6); diese Serie steht im Kontrast zu „tief in Sinnen/weiß nicht, was beginnen“ (V. 7/10), welche ihrerseits wiederum zueinander passen.

Das Mädchen weiß also mit sich nichts anzufangen; aber der Sprecher weiß die Erklärung dafür: „Das macht, es hat die Nachtigall / Die ganze Nacht gesungen“ (V. 11 f.), und deshalb sind „die Rosen aufgesprungen“. Die Nachtigall ist schon der Vogel, der traditionell mit der Liebe verbunden ist (s.o.); wenn nun vom Gesang der Nachtigall die Rosen berührt sind, ist damit das zweite deutliche Liebessymbol ins Geschehen integriert. So wie die Rosen durch das Lied der Nachtigall „aufgesprungen“ sind, so ist plötzlich das Gleiche in dem bisher wilden Mädchen geschehen, durch den Hall des Rufs der Nachtigall und den Widerhall des Rufs in ihr: Wenn man die Beschreibung in der 2. Strophe wörtlich nimmt, entfaltet die Rose ihre ersten Blätter – in Blüte steht sie noch nicht. Die Satzbildung in V. 11 ist sehr eigenwillig: „Das macht -“, und jetzt müsste das Subjekt folgen: Wer macht das? Der Satz bricht jedoch ab, sodass wir uns am besten hinter dem unvollständigen Satz einen Doppelpunkt denken; denn es folgt die Erklärung in einem nicht weiter angeschlossenen Hauptsatz („es hat die Nachtigall / Die ganze Nacht gesungen“). Diese umgangssprachliche Konstruktion begleitet den erklärenden Hauptsatz mit einem Augenzwinkern: Ja, ja, so ist es im Leben.

Das rhythmische Schema gleicht dem der 2. Strophe; hier besteht zwischen den Reimen jedoch kein Kontrast, sondern eine Entsprechung: Nachtigall – Schall – Widerhall – gesungen – aufgesprungen (Folge von „gesungen“); hinter dem 2. Vers der Strophe wird eine größere Pause gemacht (etwas stärker als in der 2. Strophe), wodurch der Übergang von Vers 3 nach Vers 4 noch beschwingter wird, wie es sich für den Gesang der Nachtigall gehört.

Diese 3. Strophe wird nun auch bereits als 1. Strophe verwendet, wo sie kleines grammatisches Problem erzeugt: „Das macht“ schließt an nichts an, es gibt zu Beginn noch nichts zu erklären. Poetisch wird so jedoch mit den beiden Symbolträgern Nachtigall und Rose dezent das Thema „Liebe“ intoniert. Bereits die Überschrift „Die Nachtigall“ hatte ein entsprechendes Signal gesendet.

Das Gedicht gehört zu den am häufigsten vertonten Gedichten Theodor Storms, wie ja auch die Liebesgedichte Heines häufig vertont sind und als Lieder ein eigenständiges Leben gewonnen haben.

http://www.litde.com/analysen-zur-fiktion-in-der-literatur/ (W. Hincks Kommentar in „Stationen der deutschen Lyrik“ kann man auf dieser Seite finden.)

Vortrag

http://www.deutschelyrik.de/index.php/die-nachtigall.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=bto4cOhQhkY (schwer verständlich)

http://www.youtube.com/watch?v=NzTjslafNSA (Claire DiVizio: Alban Berg)

http://www.youtube.com/watch?v=izfgm1MDdb0 (Heather Harper: dito)

http://www.youtube.com/watch?v=goQUhOtjgBE (Sofia Fomina: dito)

http://www.youtube.com/watch?v=n25fiiziMdg (Aris Christofellis: dito)

http://www.youtube.com/watch?v=43ui0d6mZEk (dito: Chor)

http://www.youtube.com/watch?v=NInT6RC8MVc (Régine Crespin: vier Lieder Bergs)

Sonstiges

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=38696 (Liste der Vertonungen)

Silhouette Konewkas für das Gedicht

http://de.wikipedia.org/wiki/Nachtigall (Nachtigall)

http://www.youtube.com/watch?v=IXC79XHT8Yo (Evelyn Künneke: Sing, Nachtigall, sing)

Eva Poluda über den Beginn der weiblichen Adoleszenz

Theodor Storm: Meeresstrand – Analysen

Ans Haff nun fliegt die Möwe…

Text

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=395

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Meeresstrand?hl=ans+haff+nun+fliegt+die+mowe

http://www.storm-gesellschaft.de/?seite=32183 (mit franz. und Engl. Übersetzung)

Das Gedicht ist vermutlich 1853 entstanden. „In Storms Gedichten, die in den Exiljahren in Potsdam entstanden sind und in die zweite, vermehrte Auflage der „Gedichte“ aufgenommen wurden (Berlin: Schindler 1856), findet man zahlreiche autobiographische Spuren. Die Texte lassen sich einerseits als Ausdruck der Sehnsucht nach seiner Heimat Husum lesen (z.B. das Gedicht „Am Deich“/„Am Strande“, das später unter dem Titel „Meeresstrand“ bekannt wurde), andererseits zeigen sie Storms kritische Auseinandersetzung mit Preußen und dessen alltägliche Erscheinungen, etwa die Bedeutung von Rängen und Titeln, über die er sich auch im Briefwechsel mit Fontane wiederholt geäußert hat (z.B. „Für meine Söhne“).“ (Gabriele Radecke) – Als Gegengedicht ist „Über die Heide“ anzusehen.

Es gibt bereits einige Analysen, so dass es nicht nötig ist, eine weitere zu schreiben:

http://www.lyrikmond.de/interpretationen.php (solide knappe Analyse, gestützt auf die folgende:)

http://home.arcor.de/anima.mundi/Storm_Analyse.htm (große Analyse und Interpretation, mit Hinweisen für den Unterricht und Tafelbild am Schluss, das für das Verständnis hilfreich ist – vielleicht bei der sprachlogischen Analyse etwas „zu schlau“)

http://www.lerntippsammlung.de/Interpretation-von-Theodor-Storms–g-Meeresstrand-g-.html (für eine Schülerinterpretation nicht schlecht – bei deutlicher sprachlicher Hilflosigkeit)

http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/927206_0002_4.pdf (Arbeitsblatt Klett, mäßig)

Vortrag

http://www.lutzgoerner.de/gdt/314/ (Lutz Görner)

Sonstiges

http://www.literaturport.de/index.php?id=125 (Storm in Potsdam, 1853-1856)

Theodor Storm: Für meine Söhne – Analyse

Hehle nimmer mit der Wahrheit!…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/soehne.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=420

Das Gedicht wurde 1854 veröffentlicht, ist wohl auch 1854 entstanden; da waren Hans, Ernst und Karl, die drei Söhne Storms, sechs, zwei und ein Jahr alt. Storm selbst erlebte eine schwere Zeit, weil er wegen seiner streng nationalen deutschen Gesinnung durch den dänischen Schleswigminister Tillisch seine Advokatur verloren und 1853 im Kreisgericht Potsdam eine unbezahlte Anstellung angenommen hatte. Wie schlecht es Storm in Potsdam erging, kann man detailliert in der Darstellung Gabriele Radeckes nachlesen (s.u.); erst nach einem Jahr erhielt er eine vorübergehende Grundsicherung, war aber noch auf die Unterstützung durch Eltern und Schwiegereltern angewiesen. So kommt dem Gedicht „Für meine Söhne“ große Bedeutung zu: Storm selbst stand für das ein, was er seinen Söhne als Maximen der Lebensführung mit auf den Weg gibt. Hier darf also ausnahmsweise der Ich-Sprecher tatsächlich mit dem Autor gleichgesetzt werden.

Das Verb „hehlen“ war bereits um 1800 völlig veraltet und durch „verhehlen“ ersetzt worden; seine Bedeutung war „verschweigen, verborgen halten, nicht bekannt werden lassen“ (Adelung): „verhehlen“ ist ursprünglich „verschweigen“, um 1800 normalerweise nur noch „auf eine pflichtwidrige Art verbergen, verbergen, was man nicht verbergen sollte, so wohl eigentlich von Sachen. Gestohlne Sachen verhehlen. Als auch, und zwar am häufigsten, auf solche Art verschweigen“ (Adelung). Das erste Gebot Storms für seine Söhne ist, die Wahrheit nicht zu verhehlen; die Begründung dafür folgt in V. 2. In V. 3 f. schränkt er das Gebot jedoch ein: Man soll die Wahrheit nicht „vor die Säue“ werfen. „Perlen vor die Säue werfen“ geht auf die Bergpredigt Jesu zurück; es bedeutet heute: „Etwas Wertvolles verschenken, was der Beschenkte nicht zu würdigen weiß.“ Den Deppen braucht man nicht die Wahrheit zu sagen, sagt Storm damit. Er differenziert also sein erstes Gebot: Es gilt – aber nicht in jedem Fall; das Kriterium ist dabei jedoch nicht der eigene Vorteil, sondern die Kapazität des Zuhörers.

Die vier Verse bestehen aus vierhebigen Trochäen; am stärksten betont sind die Wörter „nimmer, Leid/Reue, Perle, Säue“. Es reimen sich V. 2/4 als Paarreim; das passt deshalb, weil jeweils ein Doppelvers einen Gedanken enthält. Semantisch sind zwei wesentliche Aspekte des Gebotes, die Wahrheit zu sagen, im Reim aneinander gebunden (entweder nur die Verse 2/4 oder die Verse 1 f./3 f.). Der Trochäus passt zu einem entschlossenen, kraftvollen Sprechen: zu dem Gebot des Vaters an seine Söhne.

In der gleichen Art sind auch die Strophen 2, 3 und 5 aufgebaut: Die drei Gebote lauten, dass man Rücksicht üben soll, aber auf einen groben Klotz einen groben Keil setzen und intensive Arbeit nicht scheuen soll; alle drei werden wieder eingeschränkt in dem Sinn, dass man auch das Richtige nicht übertreiben darf. Die Einschränkung setzt immer mit V. 3 einer Strophe ein; nur in der 2. Strophe beginnt sie schon in V. 2, wodurch ein eigenwilliger Rhythmus entsteht, weil alle Verse ohne Pause in den nächsten übergehen, während die Pause mitten in V. 2 gemacht wird. Das Schema von Takt und Reim bleibt gleich.

Vielleicht sollte man noch das „Karrieremachen“ (V. 20) erläutern: Es geht m.E. nicht darum, dass man nicht Karriere machen darf; vielmehr warnt Storm seine Söhne davor, ihre Seele um der Karriere willen zu verkaufen und „das Karrieremachen“ zum obersten Lebensziel zu machen. Das geht auch aus der 6. Strophe hervor, wo Storm den Tanz um das Goldene Kalb ablehnt. Diese Redewendung geht auf eine nicht verstandene Episode aus der Bibel (Ex 32,1 ff.) zurück; das Goldene Kalb wurde später als Symbol von Macht und Reichtum angesehen, über die ursprüngliche Bedeutung kann man sich in den angegebenen Links informieren.

Zwei Gebote werden ohne Einschränkung, also als unbedingt gültig vorgetragen; sie stehen in den Strophen 4 und 6. In der Strophe 4 geht es darum, dass man sich nicht zum Clown machen soll, wo man nicht als Mensch geschätzt wird (so geschätzt wird, dass man um die Tochter des Hauses als Frau werben könnte): also bitte nicht als gern gesehener Gast auftreten, wo man nicht wirklich für voll genommen wird! Das letzte Gebot ist eine Umschreibung der Redensart, dass sich keiner etwas (ins Grab) mitnimmt: „du hast [nämlich] vom Leben / Doch am Ende nur dich selber.“ (V. 23 f.) In dem Sinn ist es falsch, um das Goldene Kalb zu tanzen; das tut nur „der Pöbel aller Sorte“ – und wenn Adelige und Reiche darunter sind, so sind sie eben auch nur Pöbel, Pöbel von der feinen Sorte, aber nicht klug, weil sie nicht wissen was einem am Ende bleibt. Die beiden unbedingt geltenden Maximen werden mit dem Imperativ „Halte“ (V. 15, 23) eingeleitet: Halte an dir selber, an deinem eigenen Wert und deiner Würde fest!

Das Gedicht ist auf seine Art lehrhaft, eine Sammlung bedenkenswerter Maximen eher als ein Ausbund von Poesie. Ich habe es an anderer Stelle zur Auslegung der Verse „Der eine fragt“ herangezogen; ich schätze die Maximen Theodor Storms, sie sind es wert, gelegentlich bedacht zu werden. Und es schadet auch nichts, wenn man die beiden Gedichte auswendig kennt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Kalb

Sonstiges

http://www.literaturport.de/index.php?id=125 (Gabriele Radecke: Storm in Potsdam, 1853-1856)

http://www.redensarten.net/Perlen.html (Perlen vor die Säue werfen)

http://de.wiktionary.org/wiki/Perlen_vor_die_S%C3%A4ue_werfen (dito)

Theodor Storm: Trost – Analyse

So komme, was da kommen mag!…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/trost.htm

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Trost

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=401

In William Shakespeares Tragödie Macbeth prophezeien die drei Hexen, dass Macbeth König werde. Macbeth stellt sich dieser Voraussage mit den Worten:

„Come what come may
time and the hour runs through the roughest day.”

„Komme, was kommen mag;
Die Stund und Zeit durchläuft den rausten Tag.“

Diese Worte greift Theodor Storm in seinem Kurzgedicht „Trost“ auf, das 1854 veröffentlicht wurde. Storm hat dieses Gedicht an oder für seine Frau geschrieben, „als wir in die Fremde zogen“ (Storm im Brief an seinen Schwiegervater Esmarch, 18. Juni 1865). Wahrscheinlich steht das Gedicht also in dem biografischen Zusammenhang der Storms, dass sie nach dem Sieg Dänemarks im Schleswig-Holsteinischen Krieg wegen der nationalen Gesinnung Theodors in finanzielle Schwierigkeiten gerieten: „Ganz und gar kein Politiker, war er ein fester deutscher Patriot und haßte die Fremdherrschaft wie einst die Ditmarschen die ‚Deusen’. Nicht in Reden, Artikeln, Flugschriften, sondern in ungeahnt starken lyrischen Tönen machte er seit 1850 seiner Empörung Luft, die ganze Existenz einsetzend für die Deutschheit der Herzogthümer. Man cassirte gewaltthätig seine Bestallung. Den von der Heimath Losgerissenen nahm Preußen auf. Im November 1853 trat St. als Assessor in Potsdam ein, schlug aber keine Wurzeln. Trotz manchen Freundschaften und Anregungen fühlte er sich fremd, wollte von den Wäldern und Havelseen nichts wissen und träumte verlangend von fernem Meeresrauschen.“ (Deutsche Biographie)

Das Gedicht ist dein Gedicht der Zuversicht und dabei ein Liebesgedicht; das lyrische Ich wendet sich unmittelbar an ein Du. In vierhebigen Jamben drückt der Ich-Sprecher (männlich zu denken wegen V. 3-6, was wegen der Rollenverteilung zu begründen wäre) seine Zuversicht aus, alle kommenden Schwierigkeiten zu meistern, „Solang du lebest“ (V. 2). Die beiden Verse jeder Strophe weisen einen Paarreim auf, worin jeweils Gegensätze aneinander gebunden sind: Was Schlimmes kommen mag / mit dir ist es Tag (V. 1f.); in die Welt hinaus / bei dir zu Haus (V. 3 f.); ich seh’ dein Angesicht / die Schatten nicht (V. 5 f.).

Die beiden Bilder, dass es Tag ist (V. 2) und dass das Ich bei der Geliebten „zu Haus“ ist (V. 4), bezeichnen das Gute, das mit der Gegenwart der Geliebten auch in schwerer Zeit verbunden ist. In den Bereich von Tag/Licht gehören dann auch „die Schatten der Zukunft“ (V. 6). Im letzten Vers ist der Takt gestört, es bleibt aber bei vier Hebungen.

Heute ist das Gedicht aus seinem zeitgeschichtlichen und biografischen Zusammenhang gelöst und wird als Ausdruck der Zuversicht beliebig zitiert, wozu der Text ja auch allen Anlass gibt: „So komme, was das kommen mag!“

Sonstiges

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=15414 (Liste der Vertonungen)

http://filmkunstkinos.de/filmtext.php?movie=theo11f (Film über Storm)

Theodor Storm: In Bulemanns Haus – Analyse

Es klippt auf den Gassen im Mondenschein…

Text

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/In+Bulemanns+Haus?hl=in+bulemanns+haus

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/bulehaus.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=392

http://www.textlog.de/gedichte-in-haus.html

Das 1852 entstandene und veröffentlichte Gedicht sowie das 1864 entstandene Märchen „Bulemanns Haus“ sind durch einen Kinderreim angeregt worden: „In Bulemanns Haus / In Bulemanns Haus / Da schauen die Mäuse / Zum Fenster hinaus…“

Das reizende Gedicht besteht aus 12 Strophen zu fünf Versen; deshalb soll hier nur die Vorarbeit für eine Analyse geleistet werden. Ein auktorialer Erzähler berichtet im Präsens vom nächtlichen Ausflug eines kleinen Mädchens: Dieses geht im Mondschein in ein altes Haus und speist mit den Mäusen zur Nacht. Dann beginnt sie nach dem Vorbild der Mäuse zu tanzen, wobei ihr Spiegelbild die Partnerin ist. Als sie müde wird, verlässt sie das Haus und legt sich im Garten zum Schlafen nieder; dort bleibt sie liegen, auch als es Tag geworden ist. Der zeitliche Rahmen ist also die Nacht mit dem Mondschein (V. 1 und 5; V. 31, bis V. 48), die Morgendämmerung (V. 52), Sonnenaufgang (V. 55), Sonnenlicht (V. 59). In der letzten Strophe wird der gegenwärtige Zustand des schlafenden Kindes im Garten beschrieben.

Den Höhepunkt der Erzählung bildet der Bericht vom Tanz mit dem anderen Mädchen, dem Spiegelbild (5. – 8. Str.). Die ersten vier Strophen dienen zur Vorbereitung dieser Situation: Ort, Zeit, Figuren des nächtlichen Spiels werden eingeführt. In den letzten vier Strophen klingt das Geschehen aus, das Mädchen kommt zur Ruhe, die Nacht ist vorbei.

Das Gedicht lebt von einem quirligen Rhythmus, dem idyllischen Geschehen (mit süßen Tieren), der Naivität des Kindes, vielen Diminutiven und einem ganz einfachen reihenden Erzählen. Beginnen wir mit dem Rhythmus, exemplarisch an der 1. Strophe untersucht:

x X x x X x x X x X

x X x X x x X x

x X x X x x X x X

x X x X x X x x X

x x X x x X x X x

Wir haben also einen Auftakt (nur in V. 5 zwei Auftakte), in den Versen 1, 3, 4 vier Hebungen (bei gleichem Reim) mit Endbetonung (männliche Kadenz), in den Versen 2 und 5 drei Hebungen mit weiblicher Kadenz, ebenfalls im Reim verbunden. Das Reimschema ist das des Kreuzreims, wobei aber der 3. Vers „verdoppelt“ ist, was den Ton beschwingter macht. Als regulären Takt hört man den Daktylus (Walzertakt), wobei gelegentliche Abweichungen (eine statt zwei unbetonte Silben) das flotte Tempo dämpfen. Dieses rhythmische Schema wird durchgehalten.

Hauptperson ist „die zierliche Kleine“ (V. 2), die ein süßes Gesicht hat (V. 58); vieles, was von ihr gesagt wird, wird in diminutiven Formen gesagt. Das beginnt mit „klippt“ (V. 1) statt „klappert“; das setzt sich fort mit „Pantöffelein“ (V. 3, und dem passenden Reim „-allein“, V. 4), mit den kleinen Mäusen (2. Str.) und den „Mäuslein“ (V. 11), dem „Mägdlein“ (V. 13) und ihrem „Kleidchen“ (V. 14) usw., bis zu den „kleinen neugierigen Hasen“ im letzten Vers. Diminutive plus kleine Tiere ergeben bei dem gefahrlosen Geschehen im Mondschein eine Idylle; wesentlich ist dabei auch die Naivität, mit der das kleine Mädchen sein Spiegelbild als Spielkameradin behandelt und schließlich küsst (4. – 8. Str.).

Der dritte wichtige Faktor, der den Gesamteindruck bewirkt, ist das einfache reihende Erzählen; häufig werden die Sätze mit „Da“ (V. 8, 9, 17, 22, 23, 24, 25) bzw. „Dann“ (V. 15), „Bald“ (34, 35) oder „Nun“ (V. 20, 36, 51, 56), ebenso mit „Und“ (V. 11, 26, 37, 38, 39) eingeleitet bzw. fortgeführt. Die beiden Wendungen des Geschehens zum Schluss werden mit „Doch“ (V. 41, 51) eingeleitet. Gelegentlich werden andere Wörter wiederholt, was zu diesem einfachen Erzählen gut passt (Mondenschein, V. 1, 5; Maus, V. 7 und 8; tanzen, V. 29, 30); die Reime verstärken den Wiederholungseindruck, z. B. Haus – Maus – Schmaus (V. 6, 8, 9).

Die 1. Strophe wird vom Laut ei beherrscht, die 2. von au und hellem e, in der 4. herrschen e und a vor; das alles muss man mit dem Rhythmus und dem Agieren des reizenden Mädchens zusammen wahrnehmen.

Ich könnte mir vorstellen, dass man das erzählte Geschehen schön spielen kann, vielleicht von Orff-Instrumenten begleitet. In der Schule wird dieses Gedicht anscheinend nicht gelesen; das ist schade, finde ich – bis Kl. 6 kann man das Gedicht mit Gewinn einsetzen, wenn man sich zutraut, es angemessen vorzutragen. Das Gleiche gilt auch für das Gedicht „Sturmnacht“; aber ich will zugeben, dass ich beide Gedichte bis vor ein paar Tagen auch nicht kannte.

Es gibt ein Klavierstück „In Bulemanns Haus“ in 6 Sätzen von Dorrit Maria Hanke (http://www.youtube.com/watch?v=SbHxEGPDYVA usw.), was aber mit dem Gedicht keinen für mich erkennbaren Zusammenhang aufweist.

Sonstiges

http://www.dorritmariahanke.com/seite61.html (Vertonung)

http://www.literaturport.de/index.php?id=50&textid=-1227884305&cHash=7d8d1b45aba9c61461d4da2b3112c2b8 (Fontane über Storm)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/M%C3%A4rchen+und+Spukgeschichten/Bulemanns+Haus (Text des Märchens)

http://www.xn--beim-mrchenonkel-0nb.de/theodor-storm/bulemanns-haus/ (dito)

Theodor Storm: Die Stadt – Analyse

Am grauen Strand, am grauen Meer…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/stadt.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=387

http://www.lyrik-und-lied.de/ll.pl?kat=typ.show.poem&ds=1346&id=1348 (Text aller Ausgaben)

Ich möchte als älterer Herr etwas zum Zauber der Jugend (V. 13), der über der Stadt liegt, sagen. Ich erinnere mich an den Garten und die Obstwiese hinter unserem Haus in Ratheim, Wallstr. 18: ein großes weites Reich in meiner Kindheit! Als ich Jahrzehnte später diese Wiese und die Gärten vom Gelände der ehemaligen Firma Kleinen (Vennstraße) aus sah, bekam ich einen Schreck: Da war alles klein, eng und knüsselig.

Es gibt mehrere Analysen resp. Interpretationen im Netz, sodass ich keine neue zu schreiben brauche. Die erste stellt farblich markiert die formalen Aspekte dar; sie zeigt, dass man diskutieren könnte, ob ein Trochäus mit Auftakt oder tatsächlich der Jambus der beherrschende Takt ist – sicher ist das nicht. Ich selber halte die Lösung „Trochäus mit Auftakt“ für angemessen, da der Jambus fließender und weicher ist, als hier zu sprechen ist. Dreimal wird gegen den Takt die erste Silbe (und damit das Wort bzw. der Gedanke!) betont: „Ein-„ (V. 5), „Kein“ (V. 7), „Doch“ (V. 11).

Die vier darauf folgenden Interpretationen wird man mit Gewinn lesen, wenn man sich an die Bilder der Kieler Einführungsvorlesung erinnert.

Das Gedicht wird im Netz oft und verschiedenartig vorgetragen, sodass man im Hören erproben kann, welcher Vortrag dem Text angemessen ist; es gibt auch Schülermaterialien aus Lesebüchern: Wir haben das vermutlich am meisten rezipierte Gedicht Theodor Storms (1851 entstanden, 1852 veröffentlicht) vor uns.

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/einfuehrungsvorlesungen/2005/Einf%C3%BChrung07.pdf (formale Aspekte der Lyrik-Analyse; die Auswertung erfolgt in den folgenden Interpretationen:)

http://www.3b-infotainment.de/unterricht/analyse2.htm (bitte zu „Die Stadt“ scrollen!)

http://www.liveinternet.ru/users/peraspera/post36627493/ (hier v.a. die zweite Interpretation!)

http://www.fundus.org/pdf.asp?ID=8275 (Gedichtvergleich mit Hölderlin: Ringsum ruhet die Stadt)

http://www.zum.de/Faecher/Materialien/dittrich/Literatur/Gedichtint.htm (bitte bis V scrollen: Anregungen für einen Interpretationsaufsatz)

http://www.sagv.org.za/eDUSA/eDUSA_3-08-1/Jaumann_3-08_1.pdf (Gedichtvergleich mit Loerke: Blauer Abend in Berlin)

http://privat.oliverkuna.de/deutsch.php?doc=22 (bitte zwischen lyrischem Ich und dem Dichter Storm unterscheiden!)

http://lyrik.antikoerperchen.de/theodor-storm-die-stadt,textbearbeitung,213.html (schülerhaft)

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=K2cAzxECkNc (Hans Zischler)

http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=IxQYGc6FNys (Doris Wolters)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/die-stadt.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.rezitator.de/gdt/255/ (Lutz Görner)

http://www.rezitator.de/gdt/282/ (Lutz Görner)

http://www.rezitator.de/gdt/661/ (Lutz Görner)

http://www.youtube.com/watch?v=0QQIzC8RAD8 (?)

http://www.youtube.com/watch?v=DDyVAud4Z7A (Schüler-Projekt)

http://www.youtube.com/watch?v=UGGf_l5XCEw (gesungen)

http://www.youtube.com/watch?v=m3IkufXdytU (Text, mit Musik unterlegt)

http://www.youtube.com/watch?v=hWBF_Jr16TU (dito)

http://www.classic-rocks.de/deutsche-lyrik-volkslieder/die-stadt-theodor-storm.html (Rock: Adam Lovac)

http://www.prmrs.de/prmr/schule/pdf/Pr%E4sentation-Stadt.ppt (Text, mit Bildern unterlegt, die aber z.T. problematisch sind)

Sonstiges

http://www.auer-verlag.de/fileadmin/downloadfrei/06468_Download.pdf (Unterrichtsskizze, mit Verlaufsplanung)

http://www.krapp-gutknecht.de/media/files_public/kyvhcjmtqrs/Lyrikerfassen_Lyrik_Mindmap.pdf (Mindmap)

http://www.g.eversberg.eu/StormHusum.htm (Storm in Husum)

Theodor Storm: Hyazinthen – Analyse

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht…

Text

http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/Storm/hyaz.htm

http://www.storm-gesellschaft.de/?seite=52651 (mit franz. und engl. Übersetzung)

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=391

Vermutlich liegt in diesem Gedicht eine Reminiszenz an das Lied der Rosetta aus Georg Büchners Leonce und Lena vor, welches Storm geschätzt hat. Es ist aber wesentlich durch das Motiv der nächtlich duftenden Blumen erweitert, das wir auch aus den Gedichten „Mondlicht“ und vor allem „Abends“ kennen: „Warum duften die Levkojen so viel schöner bei der Nacht…“ Entstanden 1851, wurde das Gedicht 1852 veröffentlicht. Die in der Überschrift genannten „Hyazinthen“ werden im Gedicht nicht mehr mit Namen genannt, sondern sind nur noch mit ihrem starken Duft präsent. „Die Hyazinthe ist oft besungen worden, bereits Novalis verwendete ihren Namen für eine seiner Hauptfiguren in seinem berühmten Kunstmärchen von Hyazinth und Rosenblütchen. So gelten Hyazinthen auch heute noch als Blumen der Romantik, unter Liebenden werden gerne weiße oder rote Hyazinthen verschenkt.“ (Blumenparadies 24) Die Hyazinthen bereiten also von sich aus auf das Thema „Liebe“ vor.

Ein lyrisches Ich, ein Mann, spricht abwechselnd in seinem Monolog von den Orten „hier“ und „Fern“ (V. 1), von Ich und Du; er ist hier, aber „fern“ ist die Geliebte, die er in seinen Gedanken anspricht – sein Monolog ist das Gedicht. Hier ist „stille Nacht“, er sitzt oder liegt neben stark duftenden Pflanzen, „Schlummerduft“ senden sie aus (V. 3); aber fern „hallt Musik“ (V. 1) und hindert den Ich-Sprecher am Einschlafen. Und dann kommt die entscheidende Klage, die uns Aufschluss über die Situation gibt: „Ich habe immer, immer dein gedacht; / Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.“ (V. 3 f.) Er ist also von ihr getrennt, er ist allein, in seiner Sehnsucht einsam – und sie ist auf einem Fest. Wann „immer, immer“ ist, bleibt unbestimmt; das kann während des Festes sein, aber auch schon länger davor: Dann wäre die Zeitangabe das Datum seiner verschmähten Liebe. Warum sie tanzen „muss“, wird nicht gesagt; es könnte sogar sein, dass sie tanzen will und er ihr das vorwirft; es könnte aber auch sein, dass sie als Verlobte oder Frau eines anderen Mannes sich auf dem Fest vergnügt und er das als ihr „Müssen“ interpretiert oder dass sie als Tochter ihren Vater auf ein Fest begleiten muss – wir haben nur seine Sicht der Situation und damit keine Möglichkeit, uns ein „objektives“ Bild des Geschehens zu machen. Wir wissen, dass er sie liebt und vermisst; was sie denkt und empfindet, wissen wir nicht.

Wir haben einen fünfhebigen Jambus vor, bei dem in V. 2 und 4 eine Silbe nachklappt (weibliche Kadenz). Im Kreuzreim sind die Verse, die jeweils eine semantisch geschlossene Einheit bilden, sinnvoll aneinander gebunden: stille Nacht / dein gedacht (V. 1/3), das ist seine Situation; anhauchen mich die Pflanzen / du musst tanzen (V. 2/4), das ist der Kontrast (Widerspruch) zwischen seinem Wunsch und ihrer „Pflicht“. Der Rhythmus weicht jedoch vom Takt ab: „Fern“ (V. 1) ist gegen den Takt stark betont, dazu im Kontrast dann „hier“; das wiederholte Adverbial „immer“ (V. 3) wird stark betont, in V. 4 dann die konträren Verben „schlafen / tanzen“, vielleicht auch das Pronomen „Ich“ leicht. Das alles muss man sprechen und hören, Gerd Wameling und Fritz Stavenhagen tragen es vor (s. die Links). Die erste Strophe wird ruhig gesprochen, nach jedem Vers (Hauptsatz) tritt eine kleine Pause ein, die weibliche Kadenz verstärkt die Pause taktmäßig noch ein wenig.

In der zweiten Strophe liegt ein umarmender Reim vor, wobei die Reime mit weiblicher Kadenz in der Mitte stehen; das Sprechen wird aufgeregter, wenn auch nach jedem Vers wieder eine Pause einzuhalten ist. Es ist das imaginierte Geschehen in der Ferne, welches das lyrische Ich aufwühlt: „Es“ (V. 5, zweimal). Mit den betonten Verben „brennen, schreien“ (V. 6) wird die Situation bedrohlich, obwohl das Brennen der Kerzen ja etwas Normales ist; das Verb „rast“ (V. 5) hat diese Bedrohlichkeit eingeleitet, die ei-Laute (V. 6, 7) untermalen diesen Charakter. „glühen“ (V. 8) greift das Verb „brennen“ (V. 6) auf, sie glühen vor Tanzwut und vielleicht Begierde – gegen „alle“ steht dann das Du: „blaß“ (V. 8). Diese Blässe erregt Besorgnis, ist ein Zeichen von Schwäche; da möchte man helfen, da müsste sie erlöst werden und Ruhe bekommen, am besten „hier“… Die beiden Konjunktionen „Und“ am Versanfang (V. 8, 9) bezeugen, dass es ohne Unterlass (V. 5) weitergeht. Es gibt für das arme, blasse Du keine Ruhe. Die Reime V. 5/8 zeigen, dass das Du aus seiner Umgebung heraussticht; die Reime V. 6/7 gelten dem Festgeschehen.

In der 3. Strophe blickt der Sprecher nur auf das Du in seiner Umgebung. Er sieht es von den Armen fremder Tänzer bedroht, wobei „fremd“ zunächst heißt, dass es nicht seine eigenen Arme sind, die er gern um die schöne Tänzerin schlingen würde. Sie schmiegen sich in seiner Vorstellung „an dein Herz“, nicht nur an ihren Körper (V. 10); er sieht also die erotische Werbung, die im Tanzen zelebriert wird. Dabei hofft er offenbar, dass sie sich für ihn aufbewahrt, sodass diese Werbung etwas Gewaltsames hätte: „o leide nicht Gewalt!“ (V. 10), gib nicht nach, hofft und fleht er. In den beiden folgenden Versen widmet er sich dem Gesamtanblick des Geschehens und wird dadurch etwas ruhiger: „Ich seh dein weißes Kleid vorüberfliegen…“. Dass ihre Gestalt „zärtlich“ ist, kann er nur im Hinblick auf sich selber sehen – sonst wäre sie ihm schon verloren. Das Enjambement am Ende von V. 9 beschleunigt nach dem Semikolon das Sprechen. Der Reim, wieder Kreuzreim, verbindet in V. 10/12 die Gewalt mit ihrer zärtlichen Gestalt im Kontrast, während der Reim V. 9/11 wegen des Enjambements nichts Passendes hervorbringt. „Herz“ und „Gewalt“ sind in V. 10 stark betont; in V. 9 wird der ganze Satz „du mußt tanzen“ aus V. 4 wiederholt, wobei sowohl „Und“ wie „mußt tanzen“ besonders betont sein können.

Es folgen zwei Gedankenstriche — es tritt eine Pause ein; das Ich wendet seine Gedanken vom Fest ab, es ist aus seiner Raserei wieder zu sich gekommen und spricht von dem, was es gerade erlebt: wie der verführerische Duft der Hyazinthen stärker wird (zwei Komparative). Die beiden „Und“ (V. 13 f.) schließen an die 1. Strophe an; diese bildet mit der 4. Strophe die Ich-Klammer, welche das Festgeschehen umrahmt. Mit dem Adjektiv „träumerischer“ (V. 14), das analog zu „Mit Schlummerduft“ (V. 2) steht, und dem Subjekt „Duft der Nacht“ (V. 13) wird das baldige Einschlafen des Sprechers angedeutet (vgl. die Interpretation in der NZZ, die Parallele zu Goethes Gedicht „Nachtgesang“!). Die beiden letzten Verse (V. 15 f.) sind eine exakte Wiederholung von V. 3 f.; hier bekommt das Perfekt „ich habe … dein gedacht“ (V. 15) Bedeutung; das Gedenken ist damit abgeschlossen, es bleibt im Rückblick jetzt die wehmütige Klage darüber. Zweimal steht „Ich“ am Versanfang, das Ich ist mit seinen Gedanken wieder ganz bei sich und seinem beklagenswerten Zustand: „Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.“ (V. 16)

Betont sind in dieser Strophe vor allem „süßer“ und „träumerischer“ (V. 13 f.), dann wieder „immer“ (V. 15); im letzten Vers kann man sowohl „ich/du“ als auch „schlafen/tanzen“ verstärkt betonen, das müsste man im Sprechen ausprobieren. Die Reime sind wieder die gleichen wie in der 1. Strophe: ein kunstvoll gebautes Gedicht.

Für das Verständnis scheint mir Storms Blumenliebe wichtiger als der griechische Hyakinthos-Mythos zu sein; ob man biografisch auf Storms Verhältnis zu Dorothea Jensen oder zu seiner Frau rekurrieren will, ist sachlich belanglos. Jedenfalls kann man festhalten, dass beim Verständnis die wilden, fantastischen Ausflüge ins Ungefähre übertrieben werden – siehe die folgenden drei Links. Ich habe das Gedicht öfter in Kl. 10 im Gymnasium besprochen (resp. im FMG als Text in der Klassenarbeit vorgelegt, am ländlich geprägten Stadtrand von Mönchengladbach), aber die Schüler hatten mit ihren 16 Jahren offenbar wenig Ahnung von Sehnsucht und Eifersucht und konnten meine Liebe zum Gedicht nicht teilen. Vielleicht hätte ich es mir für die Oberstufe aufbewahren sollen?

http://kritik-und-kunst.blog.de/2008/04/18/storm-theodor-hyazinthen-keine-interpret-4063963/ (mit viel Phantasie interpretiert)

http://www.gottfried-august-buerger-molmerswende.de/eversberg_trunkene_liebesphantasie_2007.pdf (dort S. 53 ff.)

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/article7UTQG-1.512694

http://archiv.tylers-kneipe.de/velvet-underground-99669/gedicht-thread-34291400.html

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=5GiCYK-jQfs (Gerd Wameling)

http://www.deutschelyrik.de/index.php/hyazinthen.html (Fritz Stavenhagen)

http://www.youtube.com/watch?v=L18xZxnl6iY (Arne Elsholtz)

http://vimeo.com/1024359 (Schüler)

Sonstiges

http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Leonce+und+Lena/1.+Akt/3.+Szene (Büchner: Leonce und Lena, I,3, mit dem Lied der Rosetta)

http://www.bouillon-veyhl.de/Dokumente/StormsBlumen.pdf (Storm und die Blumen)

http://www.peter-hug.ch/lexikon/hyakinthos (Hyakinthos)

http://en.wikipedia.org/wiki/Hyacinth_(mythology) (Hyakinthos)

http://de.wikipedia.org/wiki/Hyakinthos (Hyakinthos)

http://www.zeno.org/Hederich-1770/A/Hyacinthvs (Hyazinth)

http://archiv.tylers-kneipe.de/velvet-underground-99669/gedicht-thread-34291400.html (Beispiel: Rezeption)

http://gartenblick.blogspot.de/2011/02/hyazinthen-von-theodor-storm.html (Fotos)

http://blumenparadies24.de/hyazinthen/ (über Hyazinthen)

Theodor Storm: Lied des Harfenmädchens – Analyse

Heute, nur heute…

Text

http://www.textlog.de/lied-gedichte.html

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Lied+des+Harfenm%C3%A4dchens

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=394

Über Harfenmädchen

Zunächst möchte ich klären, was es mit den Harfenmädchen auf sich hat; denn die gibt es heute unter diesem Namen nicht mehr. Harfenmädchen, also professionelle Harfenspielerinnen, die mit anderen Musikanten umherzogen und die Leute bei Festen unterhielten, hatten einen schlechten Ruf. Ich nenne dafür zwei Beispiele. Das erste stammt aus den Canterbury-Erzählungen aus dem 14. Jahrhundert. Darin erzählt der Ablasskrämer:

„Dann kamen hübsche, schlanke Tänzerinnen

Und junge Obst- und Waffelhändlerinnen,

Und Huren, Harfenmädchen und was mehr

Als Officier dient in des Teufels Heer,

Die fleischlichen Begierden zu entflammen.

Denn Völlerei und Kitzel wohnt beisammen.“

(Canterbury-Erzählungen, Zweiter Teil)

Das zweite Beispiel stammt aus Karl May: Das Buch der Liebe, 1876: „In Breslau existiren eben 1000 der Polizei bekannte öffentliche Dirnen. Zahlreiche Hôtels garni, Schänkwirthschaften mit Chambres separées, sowie prostituirte Kellnerinnen, Harfenmädchen, Couplet- Sängerinnen u.s.w. leisten auch hier der Prostitution einen bedeutenden Vorschub und fördern die allgemeine Unsittlichkeit in bedauernswerther Weise.“ (3. Abteilung, Kapitel: In Schmutz und Staub, S. 401)

Harfenmädchen hatten also über die Jahrhunderte einen schlechten Ruf. Böhmische Harfenmädchen werden im Damen Conversations Lexikon, Bd. 5, 1835, erwähnt. In Heines „Wintermärchen“ (1844) wird in Caput I vom Lied des Harfenmädchens berichtet, gegen welches Heine sein neues Lied setzen will:

„Ein kleines Harfenmädchen sang.

Sie sang mit wahrem Gefühle

Und falscher Stimme, doch ward ich sehr

Gerühret von ihrem Spiele.

 

Sie sang von Liebe und Liebesgram,

Aufopfrung und Wiederfinden

Dort oben, in jener besseren Welt,

Wo alle Leiden schwinden.

 

Sie sang vom irdischen Jammertal,

Von Freuden, die bald zerronnen,

Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt

Verklärt in ew’gen Wonnen.“

Theodor Storm hat 1843 selber ein Gedicht über „Das Harfenmädchen“ veröffentlicht, welches das lyrische Ich geliebt hat, als es noch jung und unverdorben war, ehe es von der Mutter zum Harfenspielen gezwungen wurde. Das Ich trifft das Mädchen sieben Jahre später wieder:

„Wie greifst du so keck in die Saiten

Und schaust und äugelst umher!

Das sind die kindlich scheuen,

Die leuchtenden Augen nicht mehr.

 

Doch kann ich den Blick nicht wenden,

Du einst so reizende Maid;

Mir ist, als schaut ich hinüber

Tief, tief in vergangene Zeit.“

„Lied des Harfenmädchens“

Das Lied des Harfenmädchens steht in der Novelle „Immensee“ (1849 verfasst, 1850 veröffentlicht, 1851 in einer zweiten Fassung in der Sammlung „Sommergeschichten und Lieder“). In dieser Neufassung 1851 steht das Lied im Kapitel „Da stand das Kind am Wege“ (Ausgabe zeno.org S. 501 f.): Elisabeth war nach langen Jahren der Trennung bei einer Waldpartie für Reinhard „der Ausdruck für alles Liebliche und Wunderbare seines aufgehenden Lebens“ (S. 500) geworden. Im folgenden Kapitel begegnet Reinhard dann am Weihnachtsabend nachmittags im Ratskeller mit anderen Studenten der Harfenspielerin; sie wird für ihn zu einer Versuchung, vor der er durch einen Freund bewahrt wird, der ihn nach Hause schickt, wo ein Weihnachtspaket von seiner Mutter und Elisabeth auf ihn wartet, wodurch die Liebe zu Elisabeth in ihm erneuert wird.

Das Harfenmädchen, „mein böhmisch Liebchen!“, wie einer der Studenten ruft, weist die billige Anmache einiger Studenten selbstbewusst zurück; auch Reinhard beleidigt sie, indem er ihre schönen Augen „falsch“ nennt. „»Auf deine schönen, sündhaften Augen!« sagte er und trank.“ Sie trinkt dann mit ihm und schaut ihm in die Augen. „Dann griff sie einen Dreiklang und sang mit tiefer, leidenschaftlicher Stimme:

Heute, nur heute

Bin ich so schön…,

eben das Lied des Harfenmädchens. Das Lied stellt in der Novelle also eine Liebeserklärung an Reinhard dar. Wie Reinhard reagiert, wird nicht mehr berichtet – unvermittelt taucht der Freund auf, der ihn wegen des Weihnachtspakets nach Hause schickt.

Das Gedicht lebt vom Gegensatz zwischen dem Heute und dem Morgen (V. 1-4), der mit dem Kontrast ‚ich bin schön / alles vergeht’ gleichgesetzt wird. In den nächsten vier Versen wird dieser Gegensatz erneut aufgegriffen: ‚diese Stunde / [später] sterben’ und ‚du bist mein / ich sterbe allein’. Das lyrische Ich, hinter dem sehr deutlich das Harfenmädchen selbst steht, bietet an und bittet also um die Liebe im Augenblick, im Heute. Was danach kommt, sei ohnehin Untergang und damit nicht mehr wichtig.

Das Gedicht hat seine besondere künstlerische Gestalt „aufgrund von syntaktischen Parallelismen, wie sie in der Lyrik aller Völker vorkommen“ (Norbert Mecklenburg). Die Kontraste sind auch im Satzbau streng parallel ausgeführt: Doppelte Zeitangabe (V. 1, 3), ganz einfacher Hauptsatz mit den Pronomina „ich / alles“ (V. 2, 4) bzw. „du / ich“ (V. 6, 8) als Subjekt. In der zweiten Hälfte sind die Zeitangaben nicht mehr so klar: „diese Stunde“ (V. 5) entspricht dem „Heute“ (V. 1), woraus sich für V. 7 das nicht ausgesprochene „Später“ als Pendant zu „Morgen“ (V. 3) ergibt. Die beiden Extreme Liebe und Tod bilden also den Rahmen, in dem das lyrische Ich sich bewegt, indem es auf Heute und Morgen blickt.

Die Form des Gedichtes ist nicht leicht zu bestimmen. Ich erkenne zwei Hebungen pro Vers, zwischen denen zwei weitere Silben stehen; die sich reimenden Verse 2/4 und 6/8 enden mit einer betonten Silbe, in den anderen Versen klappt eine Silbe nach (weibliche Kadenz). Die Verse haben keinen Auftakt, bis auf V. 4 („Muß“ schwach betont, es folgt das stark betonte „alles“). Die Reime formulieren die genannten Kontraste aus: ich bin schön / alles vergehn; du bist mein / ich sterbe allein. Mit diesen klaren Kontrasten und dem einfachen Satzbau (V. 5 ff. ähnlich V. 1 ff., mit der Abweichung in V. 7, wo die explizite Zeitangabe fehlt) ist das Gedicht ausgesprochen volkstümlich, wie es sich für das Lied eines Harfenmädchens im Ratskeller gehört.

Vertont wurde das Gedicht u.a. von Edeltraut Eckert und Max Reger, Josef Schelb, Karl Kaufhold, Felicitas Kukuck, Hans Martin.

Möglicherweise hat ein Lied des alten Harfenspielers in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ („Wer sich der Einsamkeit ergibt“) Theodor Storm zu seinem Lied des Harfenmädchens inspiriert.

Ein Beispiel dafür, wie das Gedicht aus seinem Kontext in der Novelle herausgelöst wird, wenn es rezipiert wird, bietet ein Interview der SZ mit Wolf Wondratschek:

Wieso waren nur die Anfängerjahre schöne Jahre für die Liebe? Sagten Sie eben. 
Tja, wir waren schön und jung und brauchten wenig Schlaf und konnten die Nächte durchmachen, nicht? Wir waren leicht und unzerstörbar. Das Leben war das Risiko, es aufs Spiel zu setzen. „Morgen, ach morgen muss alles vergehn“, wie es im Lied des Harfenmädchens von Theodor Storm heißt…. Leider ist heute bereits übermorgen.

Vortrag

http://vimeo.com/54661860 (gesungen von Sebastian Pilgrim)

Sonstiges

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=15401 (Vertonungen des Gedichts)

http://irrungen.blogspot.de/2011/10/das-lied-des-harfenmadchens.html (Variation: Das Lied des Harfenmädchens)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Erz%C3%A4hlungen/Immensee (Text: Immensee), dort http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Erz%C3%A4hlungen/Immensee/Da+stand+das+Kind+am+Wege (S. 501 f.)

http://de.wikipedia.org/wiki/Immensee_(Storm) (Die Novelle „Immensee“, vgl. auch die Angaben zum Gedicht „Elisabeth“! )

Beispiel für Rezeption: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht/215541/ (Sendung im Deutschlandfunk über Treue)

Theodor Storm: Ein grünes Blatt – Analyse

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen…

Text

http://www.textlog.de/gedichte-blatt.html

http://www.zeno.org/Literatur/M/Storm,+Theodor/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1885)/Erstes+Buch/Ein+gr%C3%BCnes+Blatt

Das Gedicht, 1850 entstanden, wurde 1852 veröffentlicht (nach zeno.org); die gleichnamige Novelle, in die das Gedicht dann eingebaut ist, erschien Ende 1853. Daher erscheint es legitim, das Gedicht nur für sich zu lesen; ein andere Frage wäre dann, welche Stellung es in der Novelle einnimmt.

Ein lyrisches Ich spricht zu jemandem – mit sich selbst kann es so kaum sprechen, da es ja bereits weiß, was es sagt; es könnte höchstens, wenn es zufällig wieder auf das Blatt stößt, so im Sinn von „Ach, das ist ja das Blatt aus sommerlichen Tagen…“ denken oder sprechen. Der Adressat Du wird aber nicht erwähnt, auch fehlt eine Angabe zur Situation, in der das Ich spricht, sodass die Äußerung uns unvermittelt erreicht.

Das Ich erinnert sich (im Herbst? im Winter?) daran, wie es im Sommer ein Blatt abgepflückt hat, und zwar zu einem bestimmten Zweck („auf daß…“, V. 3 ff.). Das Blatt dient der Erinnerung („einst …. sagen“, V. 3). Wie kann das Blatt sagen, wie laut die Nachtigall geschlagen hat? Das kann es nur über die Assoziation Blatt-Nachtigall: Da ist ein winzig kleines Teilchen von dem Wald, „den ich durchschritt“ (V. 5); dieses Teilchen steht symbolisch für den ganzen Wald, mit allen Bäumen und Tieren. Von sich kann das Blatt nach ein paar Monaten nämlich gar nichts mehr sagen, da es welk geworden ist; als Reliquie des Waldes kann es diesen aber repräsentieren, so wie kleine Dinge die Menschen repräsentieren, welche uns die Dinge geschenkt haben.

Der Ich-Sprecher benutzt den Jambus, vierhebig; in den Versen 1, 3, 4 klappt eine Silbe nach (weibliche Kadenz), sodass eine kleine Pause entsteht; mit V. 2 ist der Hauptsatz zu Ende, was ebenfalls auf eine kleine Pause hinausläuft. Das Gedicht wird also ruhig gesprochen, was der Erinnerungsfunktion des Blattes entspricht. Wir haben einen Kreuzreim vor uns, bei dem V. 3 (vom Reim her gesehen) gedoppelt ist – das bindet die beiden Verse stärker aneinander und gibt dem Gedicht eine größere Fülle; der Reim am Ende von V. 4 bildet einen ersten Abschluss der Äußerung. In den Nebensätzen V. 4 und 5 fehlen die Personalformen des Prädikats, was zusammen mit Takt und Reim ein kunstvolles Sprechen bezeugt. Besonders betont werden „einst“, „laut“ und „grün“, also die Wörter, welche die Funktion des Blattes am ehesten bezeichnen.

Ein kleines, besinnliches Dinggedicht, es zieht den Leser in die private Sphäre des lyrischen Ichs und seines Waldspaziergangs hinein. Es ist eine späte Erinnerung an einen sommerlichen Spaziergang.

http://www.zeit-und-wahrheit.de/ein-gruenes-blatt-von-theodor-storm-4680/ (die Novelle „Ein grünes Blatt“ als Kontext)

Sonstiges

http://literaturlexikon.uni-saarland.de/?id=3433 (Figuren der Novelle)

http://www.gedichte-kurzgeschichten.de/Ein-gruenes-Blatt.html (Text der Novelle)

http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=36786 (Vertonungen des Gedichts)

http://www.literaturport.de/index.php?id=125 (Theodor Storm in Potsdam, 1853-1856, also zur Zeit, als die Novelle erschien)

http://www.storm-gesellschaft.de/?seite=15715 (Text mit engl. und franz. Übersetzung)

http://www.elke-rehder.de/Druckgrafik_Kunst/Michael-Zander.htm (Holzschnitt zum Gedicht)