Sabine Czerny – Berichterstattung

Januar 4, 2009 by norberto42

Unter http://norberto42-3.blog.de/?s=Sabine+Czerny&sentence=AND&submit=Suche habe ich einen Artikel über die tendenziöse Berichterstattung Christian Blehers im Fall Czerny geschrieben. Ich denke, es genügt, hier einen Link auf den Artikel zu setzen.

Die Frage ist allerdings, welcher Teufel die reale Frau Czerny geritten hat, sich in Blehers Artikel als Super-Sabine darstellen zu lassen, wie also das Zusammenspiel Czerny-Bleher zustande gekommen und abgelaufen ist. Aber das sagt einem keiner.

Mann: Buddenbrooks – Inhalt: Übersicht

Dezember 23, 2008 by norberto42

Ich gebe hier eher eine Übersicht über den Inhalt, damit man weiß, wo man was nachlesen kann, als dass ich im strengen Sinn eine Inhaltsangabe machte.
(Seitenangaben beziehen sich auf die gebundene Sonderausgabe bei Fischer, 10. Aufl. 2008; eine chronologische Kurzfassung der Familiengeschichte findet man unter http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/mann_th/bud/mann_th_bud_2_1.htm. Beachtung verdient http://de.wikipedia.org/wiki/Buddenbrooks.)

I 1 (Erster Teil, erstes Kapitel)
Im Landschaftszimmer des neuen Hauses in der Mengstraße trifft sich Oktober 1835 der Kern der Familie: Johann Buddenbrook und Frau Antoinette, geb. Duchamps; deren Sohn, Konsul Jean Buddenbrook, und Frau Elisabeth (Bethsy), geb. Kröger; ihre Tochter Tony (Antonie), 8 Jahre alt. Ida Jungmann ist das Hausmädchen, Klothilde eine entfernte arme Verwandte, die Söhne Christian (7 J.) und Tom kommen aus der Schule. Tony wird geprüft, ob sie den Katechismus hersagen kann.
I 2
Gegen 16.00 Uhr kommen die Gäste Hoffstede, Dr. Grabow, Pastor Wunderlich, Makler Grätjens, Eheleute Langhals, Eheleute Köppen (Weinhändler), Schwager Kröger mit Frau und Söhnen, seine Eltern und die Eheleute Oeverdieck (Eltern der Frau Kröger). Thomas wird als ernster Junge, Christian als ein kleiner Luftikus charakterisiert.
I 3
Gespräch Jeans mit seiner Mutter wegen des dritten Briefs, in dem sein Stiefbruder Gotthold wohl Forderungen erheben wird. Es geht um die Entschädigung der Geschwister wegen des für das neue Haus entrichteten Kaufpreises, der aus der Erbmasse genommen worden ist.
I 4
Es gibt Fisch zu essen. Gespräch über das neue 1682 erbaute Haus und den Niedergang der Familie Ratenkamp (vormalige Besitzer), den Jean trotz der Machenschaften Geelmaacks für zwangsläufig hält. – Pastor Wunderlich erzählt die Geschichte vom halben Diebstahl des Silbergeschirrs durch Franzosen 1806.
I 5
Schinken und der russische Topf (Gemüse). Gespräche der Männer über Napoleon und die Julirevolution in Frankreich, weitere Gespräche.
I 6
Es gibt Plumpudding und Dessertwein, es werden Toasts auf das Wohlergehen der Familie und des Geschäftes ausgesprochen. Hofstedde trägt ein Gedicht zur Einweihungsfeier des Hauses vor.
I 7
Christian ist es übel, Dr. Grabow untersucht ihn.
I 8
Aufbruch ins Landschaftszimmer (zum Musizieren) bzw. zum Billard. Die Männer diskutieren über Hamburgs Beitritt zum Zollverein; Hofstedde trägt anzügliche Verse vor.
I 9
Die Gäste verabschieden sich, der Segensspruch über dem Haus („Dominus providebit“) wird zum zweiten Mal genannt.
I 10
Vater und Sohn sprechen über das Wetter und darüber, ob etwas „mit Gottes Hilfe“ zum Guten gewendet wird. Jean übergibt den Brief Gottholds, welcher sehr „christlich“ seinen Anteil fordert: ein Drittel des Kaufpreises. Der Alte erklärt, wie er Gotthold (knapp) zu entschädigen gedenkt. Jean rechnet, was eine gleichberechtigte Entschädigung kostete, und stimmt dann trotz vorheriger Gewissensbisse dem Vater zu, da er Teilhaber des Geschäftes ist.

II 1
14. April 1838, etwa 9 bis 10 Uhr: Konsul Jean trägt die Geburt seiner Tochter Clara (6 Uhr an diesem Tag) in die Chronik ein, sehr fromm…
Er liest rückblickend auf „Gottes Hilfe“ Episoden seine Lebensgeschichte und der Geschichte der Familie [Spannung zwischen dem frommen Reden und der kalten Kalkulation in I 10!].
Großeltern, Vater und Geschwister am Bett der Mutter und der Wiege Claras.
II 2
(ohne Datierung, allgemein) Tony, in Sommer bei den Großeltern lebend: verwöhnt, feudal, kess, hübsch. – Einführung der Familie Hagenström: Julchen, Vater, Brüder: die Gegner der Buddenbrooks. Tonys Flegeleien werden vom Erzähler kritisch berichtet.
II 3
(ohne Datierung) Thomas und Christian charakterisiert: begabt beide, Thomas auf der Realschule, ernsthaft; der kesse Christian auf dem Gymnasium; Lehrer Stengel, Pastor Hirte, Betrugsversuch (mit Schneider Stuht); Christians Faxen (Pfirsich).
II 4
Januar 1842: Antoinette erkrankt, 14/15 Tage lang, Verwandte kommen, sie stirbt. Johann sen. welkt dahin und stirbt auch (im März).
Gotthold kommt, versöhnt sich nach dem Begräbnis mit seinem Bruder Jean.
Die Datierung des Todes Johanns ist nur eine relative und wohl 1842 anzusetzen; aber bei der Erkrankung seiner Frau blickt er auf den Tod der ersten Frau vor 46 Jahren zurück (S. 69 f.), beim Begräbnis ist Gotthold 46 Jahre, der aber ein Jahr nach Eheschließung geboren wurde [-> unklar].
II 5
Ostern 1842 (1843?) wird Thomas im Geschäft eingeführt. Eines Abends: Gespräch des Konsuls mit Frau über Anstellung eines Dieners, was er wegen der Geschäfte der Buddenbrooks und der Krögers (finanzielle Lage beider war schon besser) ablehnt – ein paar Tage später wird trotzdem der Diener eingestellt.
II 6
Tony kommt in die Pension zu Frl. Weichbrodt; Christian (eines Abends, S.80) und Tony (eines Tages, S. 82) machen wegen ihrer amourösen Neigungen dem Vater Sorgen.
II 7
(ohne Datierung) Therese Weichbrodt (Aussprache: S. 84), ihre Schwester Nelly Kethelsen; Frl. Popinet als Schülerin; Armgard von Schilling und Gerda Arnoldsen als neue Freundinnen Tonys; Mädchenträume.
Weihnachten zu Hause – so wanderten die Jahre vorbei (S. 90), Tonys glückliche Jugend.

III 1
[Die Datierung ist etwas problematisch – in III 13 wird die Verlobung durch Tony auf Sept. 1845 datiert; im Juni des Jahres ist Tony 18 (S. 99), Ende Juli ist Tom 20 (S. 115), was sich mit der Hochzeit der Eltern 1825 (S. 158) nicht verträgt!]
Im Juni besucht Grünlich (32) die Familie am Nachmittag zum Kaffe, redet den Eltern nach dem Mund, wird von Tony und dem Erzähler durchschaut.
III 2
Einige Tage später lässt Tony Grünlich einfach stehen; zum nächsten Sonntag ist er eingeladen; er kommt öfter – Tony weist ihn ab.
Acht Tage später sprechen die Eltern mit Tony über Grünlichs Heiratsantrag – „Was habe ich ihm getan?“ Im Gespräch mit der Mutter treten Pflicht und Bestimmung einer Frau als Prinzipien hervor.
III 3
Schulferien – Tony lehnt Grünlich ab. An einem Nachmittag tritt Grünlich Tony allein, wirbt um sie, sie weist ihn zurück; er sinkt in die Knie, sie wird weniger schroff aus Mitleid.
III 4
Jean hat Grünlichs Geschäftsbücher gesehen und sich nach seinem Leumund erkundigt: Alles sei für Familie und Geschäft vorteilhaft. Alle rede Tony zu, Pastor Kölling predigt sie an – sie magert ab und wird von Tom Ende Juli nach Travemünde in Ferien gebracht.
III 5
Fahrt zu Schwarzkopf, Gespräch der beiden über Familie und Heiraten (Hagenström im Aufwind), Ankunft 16 h, Kaffee 16.30 – 18.30, der Sohn kommt dazu.
III 6
Am nächsten Morgen: Rückblick auf den Vorabend, der Sohn gefällt ihr. 9 h steht Tony auf, Frühstück, Gespräch mit Morten über Essen, Zeitung, Politik; er ist schnell verlegen.
III 7
11.30 Gang zum Strand, Gespräch über ihre Bücher; sie fragt nach seinem Vornamen. Morten geht nicht mit zu Möllendorpfs, setzt sich auf die Steine [soziale Differenz]. Tony zu den Möllendorpfs, Spanungen mit Hagenström.
III 8
Tony erholt sich; Spaziergänge mit Morten, der kritisch offen über den Adel urteilt. Er führt republikanische Reden; er nimmt das republikanische Prinzip wahr, sie sieht das Persönliche. Morten gehört heimlich einer Burschenschaft an, tritt für „Freiheit“ ein.
III 9
10. September, am Strand: Morten fragt nach Grünlich, sie antwortet. Morten wirbt um sie, sie sagt zu, sie küssen sich und schämen sich.
III 10
Brief Grünlichs (mit Ring),
Brief Tonys an den Vater,
Brief des Vaters (Hinweis auf Selbstmorddrohung Grünlichs, die Familie).
III 11
Grünlich bei Schwarzkopf, spielt den Vornehmen und Beinahe-Verlobten und macht „ältere“ Rechte auf Tony geltend – Vater weist den Sohn zurecht.
III 12
(Morten ist schon weg nach Göttingen) 10 h Imbiss, Tom hol Tony ab (11 h); Tony wird vom Gedanken an Morten belebt, will „dies alles“ als etwas Heiliges für sich bewahren.
III 13
Ankunft zu Hause; am nächsten Morgen (22. Sept.) liest Tony in der Familienchronik…, wird sich der Familienbindung bewusst, trägt einfach ihre Verlobung ein: 22. September 1845.
III 14
Verhandlung Grünlichs mit Jean über Mitgift; Verlobung Julchens im Oktober; für Tony wird die Aussteuer besorgt. Sie will in der Stadt Hamburg wohnen, aber er setzt das Land durch. Hochzeit Anfang 1846. Nach der Abreise sieht Jean, dass Tony mit sich zufrieden sein wird (sie hatte ihn gefragt, ob er mit ihr jetzt zufrieden sei).
III 15
Thomas geht zum Blumenladen und nimmt Abschied von seiner Anna, mit der er seit anderthalb Jahren ein inniges Verhältnis hatte – er muss nach Amsterdam, sie werden nicht heiraten, wie beide wissen und einsehen.

IV 1
Briefe: 30. 4. 1846 Tony -> Mutter, bittet um Besuch, beschreibt ihre Situation, deutet Schwangerschaft an;
2. 8. 1846 Vater -> Thomas, berichtet über Besuch in Hamburg, die Situation der Söhne und des Geschäftes: auf die Erbschaft von Kröger angewiesen; Hagström im Aufwind;
8. 10. 1846 Grünlichs -> Eltern: Geburt einer Tochter (Erika)
IV 2
Anfang Okt. 1848: politische Unruhen, Köchin der Buddenbrooks aufsässig, neue Verfassung erlassen; Klothilde und die Konsulin altern, revolutionäre Umtriebe auf der Straße.
IV 3
Jean trifft Makler Gosch, sie gehen zum Saal der Bürgerschaft; dort Erregung, das revolutionäre Volk wird kommen, Lärm, Ratlosigkeit; Jean geht hinaus und löst die Versammlung auf.
IV 4
Die Deputierten trinken Bier, Jean fährt den erzürnten alten Kröger nach Hause, wo dieser stirbt.
IV 5
Januar 1850: Frühstück bei Grünlich; Spannungen, Tonys Wünsche nach drittem
Dienstmädchen und einer Kalesche entsprechen nicht den Verhältnissen.
IV 6
Kesselmeyer lacht zur Bemerkung, Tony ruiniere Grünlich; Tonys Selbstbewusstsein (S. 203 f.); Kesselmeyer verlangt sein Geld, Grünlich ist pleite, wird als Betrüger entlarvt, soll sich an Buddenbrook wenden.
IV 7
Jean kommt umgehend (undatiert), gegen 14 h – schlechte Situation der Firma; Vater bietet an, Tony könne nach Hause kommen. Er bereut seinen Rat zur Eheschließung; sie macht ihm keine Vorwürfe, willigt ein.
IV 8
Gespräch der Herren im Rauchkabinett, Prüfung der Bücher, Absage an Grünlich; Kesselmeyer deckt die Betrügereien Grünlichs auf: Schon vor 4 Jahren hatte er Schulden.
IV 9
Anstalten zur Abreise – Grünlich spielt Liebestheater, beschimpft Tony und bekennt, sie nur des Geldes wegen geheiratet zu haben. Jean: „Beten Sie.“
IV 10
Tony stellt sich auf neues Leben ein, distanziert kommentiert vom Erzähler; ihr besseres Verhältnis zum Vater. Scheidung im Februar 1850.
Thomas kommt zurück; Ende 1850 stirbt Frau Kröger, was 100.000 einbringt.
Die Familie des Justus Kröger verkommt. Sommer 1851 fährt Christian nach Chile.
Konfrontation Tonys mit Julchen, Aufstieg der Hagenströms.
„Die Jahre schwanden dahin.“ (S. 240) Tony reist gelegentlich mit Vater, der religiöse Geist im Haus nimmt zu, Tony sperrt sich dagegen.
IV 11
Spätsommer 1855: An einem Sonntagnachmittag ist die Familie zu einem Spaziergang verabredet, man wartet auf den Konsul, Gewitterstimmung draußen. Der Regen setzt ein, Konsul Buddenbrook stirbt.

V 1
(zwei Wochen später) Testamentseröffnung, von Tony als Familienrat inszeniert;
Vermögen der Firma beträgt 750.000. Justus wird Vormund Claras, Thomas überlässt Gotthold das Konsulat, Prokurist Marcus wird (+ 120.000) Kompagnon.
V 2
Christian kommt Februar 1856 zurück, besucht das Grab, tritt exaltiert auf;
Erzähler spricht über den Umgang mit Gefühlen in der Familie (S. 259 f.).
V 3
Christian tritt ins Geschäft ein, wird aber schnell nachlässig; Thomas und Marcus ergänzen sich, Thomas agiert persönlich, bringt frischen Wind in die Firma.
V 4
Gotthold (60) stirbt im Mai 1856. Thomas denkt über ihn und über sich nach (wichtige Reflexion), er wird Konsul der Niederlande, tritt eine Reise an.
V 5
Bethsy pflegt eine aufdringliche Frömmigkeit (u.a. mit Jerusalemabend) und vielen Predigern als Gästen – Tony hasst diesen Betrieb. Tony wird vom Erzähler erneut ironisch mit der Behauptung ihrer Kenntnis des Lebens zitiert (auch 291, 297 u.ö.).
V 6
Pastor Tiburtius wirbt um Clara, die von herber Schönheit ist, aber oft herrisch auftritt. Er bekommt im Juli das Ja-Wort Claras und der Mutter.
V 7
20. 7. 1856: Brief Thomas’ an die Mutter, über seinen Aufenthalt in Holland. Die Verlobung mit Gerda ist perfekt, Aussicht auf hohe Mitgift; Besuch angekündigt.
V 8
Ende Juli ist Tom zurück, Anfang August kommen Tiburtius und Familie Arnoldsen zu Besuch, Verlobungen im Familienkreis; Planung der Hochzeiten. Bericht über den Eindruck, den Gerda resp. Thomas in der Stadt machen.
V 9
Tom kommt im März 1857 von seiner zweimonatigen Hochzeitsreise zurück (-> seine Hochzeit im Januar, Claras Hochzeit Ende 1856). Tony hat das Haus in der Breitenstraße für die junge Familie eingerichtet; sie langweilt sich, ist nach München eingeladen.

VI 1
Erstes Diner des jungen Konsuls in der Mengstraße. „heute“ Brief vom 2. April 1857: Tony in München, lernt Permaneder kennen.
VI 2
Ende April: Tony zurück; Spannungen zwischen Tom und Christian wachsen. Christian wahrt nicht die Form, schadet der Firma (313 f.).
VI 3
Ende Mai: Thomas stellt Christian zur Rede, bietet ihm Geld für dessen Selbständigkeit.
Anfang Juni geht Christian nach Hamburg.
VI 4
(undatiert) gegen 11 h kommt Permaneder, ist wegen Geschäften und Frau Grünlich in Hamburg, wird zum Frühstück eingeladen, bis 14 h; wird eingeladen.
VI 5
Permaneder zieht ein, Tom zeigt ihm die Stadt… Er bleibt noch ca. 10 Tage, auch als die Geschäfte erledigt sind. Tony erwartet seinen Antrag und sieht sich in der Pflicht, mit einer zweiten Ehe die erste wieder gutzumachen (wg. Familie).
Sonntagsausflug nach Schwartau, mit Mühe macht Permaneder den Antrag, Heimfahrt. Alles wird geregelt, Verlobung, er fährt zurück. Im Juli: Fahrt nach München, August: Aussteuer, Spätherbst: Heirat.
VI 7
Tagesablauf Toms: ausführliche Rasur am Morgen: ein intelligenter, rühriger, weitsichtiger Kaufmann, der an der Enge Lübecks leidet.
Sorgen machen Christian, Claras Gesundheit, die eigene Kinderlosigkeit (-> Kur für Gerda) und die „arme Tony“.
VI 8
Tonys Probleme mit der Sprache, der Küche, den Mädchen in München; Permaneder hat sich mit Mitgift zur Ruhe gesetzt -> Streit!
Neujahr 1859: Tony wird wieder Mutter; nach der Geburt lebt das Kind nur ¼ Stunde, sie leidet. – Tom wusste, dass Tony immer ein Kind bleibt (369).
VI 9
Ende Nov. 1859: Tonys Telegramm; sie kommt am nächsten Tag 16 h an. „Er ist ein verworfener Mensch.“ (373) Sie hat ihren Mann mit Babette überrascht -> Streit.
VI 10
18 h Tom will keinen Skandal. Tony bekennt sich zum „Adel“ der Buddenbrooks, der in München verletzt wird; Tom akzeptiert die Trennung.
VI 11
Tony betreibt die Scheidung, Permaneder willigt ein und gibt Mitgift heraus. Tony trägt die Scheidung in die Chronik ein (393); Tom muss nach Hamburg, wegen Christian; „und so entschwand die Zeit“ (393, vgl. 240).

VII 1
Frühjahr 1861: Taufe des J. Johann K. Buddenbrook in der Breitenstraße; Paten: Justus B. und Bürgermeister Oeverdieck. Tony sieht die Familie neu erblühen, gute Wünsche Groblebens. (Sprache: 397, 400, 401)
VII 2
Am Tauftag um 21.30 h: Christian kommt „krank“, braucht Geld, ist Vater von Alines 3. Kind, will nach London.
VII 3
Febr. 1862: Konsul Möllersdorpff stirbt; Tom kandidiert gegen den liberalen, erfolgreichen Hermann Hagenström. Agitation, Tonys Erwartungen.
VII 4
Wahltag, Ende Februar: Im 2. Wahlgang wird Tom gewählt, Tony verschleiert unter den Zuschauern; Vereidigung am nächsten Tag (Sa).
VII 5
Tom für Steuern zuständig; seine „Eitelkeit“ bedeutet das Nachlassen seiner Spannkraft (418 f., bedeutsamer Kommentar) -> Rastlosigkeit -> Plan, ein neues Haus zu bauen (im Sommer 1863), allgemeine Zustimmung. Hanno ist etwas zurückgeblieben, Richtfest in der Fischergrube, kurz bei Iwersens Blumenladen.
VII 6
Juli 1864, vier Wochen nach dem Umzug: Tony bringt Brief: Clara im Sterben. Tom macht ein schlechtes Geschäft, fühlt sich alt (429 f., vgl. 419). Er spricht über das Glück und die späten Zeichen des Erfolgs im Niedergang.
VII 7
August 1964, nach Claras Tod: Thomas’ Streit mit der Mutter wegen des von ihr zugesagten Erbteils Claras. Tom sieht in den abgehenden 127.500 die Serie der Niederlagen fortgesetzt: Es steht schlecht um die Familie Buddenbrook.
VII 8
Soldaten in Lübeck einquartiert (Herbst ’64), Krieg mit Dänemark, Frieden (1865); Hannos Kinderspiele (1865, wichtiger Kommentar). Zweiter Krieg (1866) – die Firma verliert 20.000.

VIII 1
Erika Grünlichs Situation – Hugo Weinschenk, nicht ganz erstklassig; Jan. 67 Werbung;
Christians Eskapaden (442 ff., 448 ff.); Tony war die eigentliche Braut (445), sagt der Erzähler; Trauung, Hochzeitsreise Mitte April 1867.
VIII 2
Frühling 1868: Elisabeth ist geboren; Probleme Erikas und Armgards mit den Männern; Tony bittet Tom, die Pöppenrader Ernte für 35.000 zu übernehmen – der lehnt ab.
VIII 3
Tony bei Ida; Charakterisierung Hannos, dem alles nahe geht, der nicht gern zur Schule geht, ein Träumer, den nachts böse Träume schrecken.
VIII 4
Tom ist ermattet, durch seine inneren Vorstellungen; er beginnt zu sparen. Er ist zerrissen: ein praktischer Mensch und ein Träumer [weithin Innensicht Toms]; im Zweifel entschließt er sich, die Pöppanrader Ernte zu kaufen (474); Brief am 26./27. Mai; er reist am 30 Mai hin, ist wohlauf.
VIII 5
Die Unruhe kommt zurück, Marcus ist gegen das Ernte-Geschäft. Am 7. Juli 1868 wird das 100jährige Bestehen der Firma gefeiert: Empfang zu Hause, Hannos Gedicht – Toms Härte gegen Hanno. Viele Gratulanten, kleines Gewitter… Telegramm (indirekt): Ernte vernichtet.
VIII 6
Organist Pfühl musiziert mit Gerda, sie bekehrt ihn zu Wagner, Hanno hört ihnen ergriffen zu; Pfühl wird sein Klavierlehrer – enorme Fortschritte. Am 15. April 1869 (8 J.) führt er eine eigene Phantasie vor der Familie auf: Das Glück der Musik währt nur einen Augenblick.
VIII 7
Thomas gegen Hannos Neigung zur Musik; dessen träumerische Schwäche entfremdet ihn dem Vater. Behandlung bei Zahnarzt Brecht. Hanno freundet sich mit Kai Graf Mölln an, Ida vergöttert ihn. Hanno zieht einen Strich unter seinen Namen in die Chronik; er glaubte, nach ihm käme nichts mehr (524); Thomas schlägt ihn.
VIII 8
Anklage gegen Weinschenk (Versicherungsbetrug); Staatsanwalt ist Hagenström, Verteidiger Breslauer aus Berlin. – Heiligabend bei der alten Konsulin: Hanno bekommt Puppentheater und Harmonium (537). Christian spielt vor und geht in den Club. Abendessen 20.30 h.
VIII 9
Tony ist angeschlagen, bittet Tom um Kaution; sie glaubt nicht an Weinschenks Unschuld. Tony sieht ihr ganzes Leben verfehlt, Weinschenk wird verurteilt (3 ½ Jahre), Sachen werden verkauft, die Stadt vergisst ihn.

IX 1
Bethsy hat Lungenentzündung, wird von Schwester Leandra gepflegt; sie wehrt sich gegen den Tod, spricht mit Jean, stirbt nach Wochen, morgens gegen 5.30 h.
IX 2
Angestellte nehmen schon Wäsche mit… Am nächsten Tag, gegen 9.30 h, streiten sich die drei Geschwister, vor allem die Brüder, als sie das Eigentum der Mutter aufteilen: Thomas „verbietet“ Christian, Aline zu heiraten. Tony will das Elternhaus behalten, Tom hat schon mit dem Makler gesprochen.
IX 3
Hanno nimmt Abschied von der Oma, sie wird begraben (im Herbst), Tony plus Anhang sitzt auf den Ehrenplätzen.
IX 4
Acht Tage später wird das Haus an den Makler Gosch verkauft, 6 Wochen später will Hagenström das Haus kaufen. Er besichtigt das Haus. – Weihnachten wird im kleineren Kreis gefeiert, Anfang 1872 wird der Haushalt der Konsulin aufgelöst, das Haus umgebaut, im Frühjahr zieht Hagenström ein. Tony muss weinen, wenn sie am Haus vorbeigeht: ihr Kinderweinen (609).

X 1
Thomas ist müde, wirkt an der Börse eher dekorativ; hat keine Lust zu arbeiten. Er verbirgt sein Leben hinter einer Maske (614, ebenso 629). Armgards Mann erschießt sich.
X 2
Tom will Hanno zu einem „Mann“ erziehen; dieser soll auf die Realschule wechseln. Er ist kein richtiger „Junge“, die Hagenströms piesacken ihn; er begleitet den Vater in den Hafen und zu Empfängen, notgedrungen.
X 3
Sommerferien in Travemünde, vier Wochen Träumen für Hanno; die Sonntagsbesuche (Vater, andere Bürger) stören eher. Nur Tony hat Verständnis für Travemünde.
X 4
Anfang 1873 wird Weinschenk begnadigt, ein gebrochener Mann; nach 3 Wochen geht er nach England und ist dann ganz verschwunden.
X 5
Eheleute Buddenbrook im Visier der Stadt: Gerdas Verhältnis zum Leutnant von Throta gehe zu weit; er musiziert intensivst mit Gerda, Tom ist verstört-unsicher. Im Gespräch leidet Hanno mit ihm.
Thomas sieht seine Tage gezählt (650 ff.), wird damit nicht fertig – liest zufällig Schopenhauer, ist in der Nacht davon erregt und getröstet (654 ff.) – am nächsten Morgen geht es normal weiter, die Ungewissheiten bleiben; er macht sein Testament (661 f.).
X 6
Im Herbst rät ihm der Arzt zu Ferien, er fährt mit Christian nach Travemünde; dort ist er in Gesellschaft abgehalfterter Herren. Tony kommt gelegentlich, ihr Herz ist leicht und frei (671). Tom erklärt ihr, warum er das Meer liebt: aus Schwäche (671 f.).
X 7
Januar 1875, Tom verlässt vorzeitig die Ratssitzung, geht zum Zahnarzt, die Krone bricht beim Ziehen ab. Er geht heim und fällt auf der Straße um (680).
X 8
Die Frauen sind erregt, Tom liegt auf dem Bett, die Ärzte machen keine Hoffnung, der Pastor kommt; dann ein agonierendes Gurgeln; Thomas ist tot (685).
X 9
Kränze und Blumen werden gebracht, Frau Iwersen sieht Tom noch einmal; Tony arrangiert die Trauerszenen. Thomas wird begraben (691 ff.).

XI 1
Die Alten sind weithin gestorben, Christian hat Aline geheiratet, die Firma ist unter Wert verkauft worden; Kistenmaker verdirbt auch den Verkauf der Villa in der Fischergrube. Gerda zieht im Herbst 1876 um, Ida wird entlassen – Hanno sieht darin die allgemeine Zersetzung (699). Tony will in Hanno die Familie erblühen sehen (700, 696), Christian kommt auf Betreiben seiner Frau in die Klapse.
XI 2
Montag, 6.00 h (im Winter): Hanno erinnert sich an den Sonntag („Lohengrin“), muss noch Hausaufgaben machen, schläft wieder ein, steht 7.10 h auf, kommt verspätet in die Schule. Es wird dann ein Schultag Hannos episodisch erzählt – voller Schulklischees; bemerkenswert ist nur, dass Hanno und Kai sich nicht an den üblichen Schülersprüchen und –scherzen beteiligen, sowie ein Gespräch der beiden über die Zeit nach der Schule (742 ff.).
Nach dem Mittagessen phantasiert Hanno am Klavier (748 ff.), am Abend spielt er eine Partie Schach mit Gerda und macht wieder nicht die Hausaufgaben – „ein Tag aus dem Leben des kleinen Johann“ (751).
XI 3
Typhus – Beschreibung des Krankheitsverlaufs (751 ff.).
Ist diese Krankheit eine Krankheit oder eine Form der Auflösung? (754)
XI 4
Herbst 1877: Gerda nimmt Abschied, um nach Holland zu ziehen – Hanno ist vor 6 Monaten begraben worden. Gosch soll alles verkaufen (757) – einige Sentiments zum Schluss, die Weichbrodt hat überlebt.

Sabine Czerny – zur Berichterstattung

September 12, 2008 by norberto42

Unter http://norberto42-3.blog.de/?s=Sabine+Czerny&sentence=AND&submit=Suche habe ich einen Artikel über die tendenziöse Berichterstattung Christian Blehers geschrieben. Hier genügt ein Link auf diesen Artikel.

Die spannende Frage lautet: Wie ist es zum Zusammenspiel Czerny-Bleher gekommen? Welcher Teufel hat die reale Frau Czerny geritten, sich als diese Lichtgestalt Super-Sabine darstellen zu lassen? Welche Interessen verfolgen die verschiedenen Akteure? Aber das alles sagt einem keiner. Und nur derselbe Keiner weiß, wem die Berichte genützt haben.

Baumert: Was ist Schule?

September 9, 2008 by norberto42

Im Streit um die Versetzung von Sabine Czerny und das dadurch entfachte mediale Spektakel haben ganz viele Leute ihre Weisheiten zum Thema „Schule“ hervorgekramt. Ich zitiere eine größere Passage aus einem Vortrag von Jürgen Baumert, den man als pdf-Datei herunterladen und ganz lesen kann; er enthält auch einen Hinweis auf die Frage, wie die Leistung in den Grundkompetenzen und beruflicher Erfolg zusammenhängen.

 

Jürgen Baumert: Deutschland im internationalen Bildungsvergleich (2001)

[...]

Lernen im Alltag und Lernen in der Schule

Der allgemeine Schulbesuch ist eine historisch späte Errungenschaft. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass die Aufgabe, die gesellschaftlichen Kommunikationsvoraussetzungen im Wechsel der Generationen zu sichern, aus anderen gesellschaftlichen Teilbereichen – wie der Familie, dem Beruf, der Religion oder der Politik – ausdifferenziert und einem auf das Lernen spezialisierten Subsystem zur Behandlung zugewiesen wird. In Deutschland – jedenfalls in Preußen – war die allgemeine Schulpflicht erst vor gut 100 Jahren faktisch durchgesetzt. [...]

   Mit der Einrichtung von Schulen, welche die gesamte nachwachsende Generation durchläuft, wandelt sich der Charakter des Lernens substanziell. Kinder und Jugendliche lernen nicht mehr allein – und mit der Bedeutungszunahme von Schule immer weniger – im Mitvollzug praktischer Tätigkeiten in anderen Lebensbereichen, sondern sie lernen in der Auseinandersetzung mit speziell zum Zwecke des Lernens pädagogisch aufbereiteten Sachverhalten. Die Vorteile dieser Umstellung der Modalität des Lernens liegen auf der Hand: Durch die Bereitstellung stabiler Lernumwelten kann systematisch, langfristig und kumulativ gelernt werden. Die Kehrseite der Sicherung von Langfristigkeit, Systematik und Kumulativität bleibt häufig in reformpädagogischer Rhetorik verborgen: Schule vermittelt grundsätzlich stellvertretende Erfahrungen, die dennoch – sollen Lern- und Bildungsprozesse erfolgreich verlaufen -, als persönlich und authentisch wahrgenommen werden müssen.

   Der stellvertretende Charakter von schulischen Erfahrungen wird besonders dann deutlich, wenn die Schule sich bemüht, direkte Erfahrungen, etwa in Form von Projekten oder Gemeindearbeit, in ihr Programm zu integrieren. Jedem Schüler ist über kurz oder lang klar, dass hier nicht „wirkliches“ Leben stattfindet, sondern pädagogische Ziele verfolgt werden – und seien sie so allgemein wie das Ziel, Lernen zu lernen. Wenn diese Unterscheidung aufgegeben und Schule zur Lebensgemeinschaft wird, nähert sie sich einer (im Sinne des Soziologen Erving Goffman) totalen Institution.

   Die Herauslösung schulischen Lernens aus dem Alltagszusammenhang und die Paradoxie von stellvertretender Erfahrung, die dennoch als persönlich bedeutsam wahrgenommen werden muss, erzeugt ein Dauerproblem, das für Schule kennzeichnend ist: Man kann nicht voraussetzen, dass Schülerinnen und Schüler die Motivation mitbringen, in der Schule etwas lernen zu wollen. Die Schule muss also die für ihre Arbeit notwendigen motivationalen Ressourcen im Prozess selbst erzeugen. Dauerhafte Motivation entwickelt sich erst in der Begegnung mit den pädagogischen Gegenständen. Am Anfang mag allgemeine kindliche Neugier, später vielleicht auch Zwang helfen. Beides löst jedoch nicht das konstitutive Problem. Erst das subjektive Erleben von Kompetenzzuwachs vermag Motivation zu verstetigen. Der individuell erlebte Erfolg schulischer Arbeit sichert also die Voraussetzungen weiterer erfolgreicher schulischer Bemühungen. Dieses Strukturproblem lässt sich nur beseitigen, indem man die Schule wieder abschafft.

 

Leistungsthematische Situationen und universalistische Maßstäbe

Im Unterschied zum Lernen im Alltag liegen die Stärken des Lernens in der Schule in dessen Systematik, Langfristigkeit und Kumulativität. Damit ist die Schule eine beispielhafte Entwicklungsinstitution. Einrichtungen, die Entwicklungsprozesse auf Dauer stellen wollen, indem sie Gelegenheitsstrukturen vorhalten, die individuelles Lernen herausfordern, folgen notwendiger Weise einer inneren Logik der Graduierung des Erreichten: besser/schlechter, höher/niedriger, schneller/langsamer. Niklas Luhmann (1992) sieht in dieser Graduierung den eigentlichen Funktionscode des Erziehungssystems. Die Referenznormen können freilich in zeitlicher, sozialer und sachlicher Hinsicht variabel sein – also: besser als vorher, besser als andere oder näher am Ziel. In der Praxis finden alle drei Bezugsnormen Anwendung. Entkommen kann man der Bewertung nicht. Auch eine notenfreie Schule entgeht nicht der Graduierung. Versucht die Lehrkraft sich zu entziehen, erledigen die Sache oder die Lerngruppe für sie das Geschäft.

   Damit ist die Schule – und das ist ein weiteres Strukturmerkmal – auch die Institutionalisierung einer Abfolge von leistungsthematischen Situationen, in denen Handeln nach verbindlichen Gütemaßstäben beurteilt wird. Diese Gütemaßstäbe unterscheiden sich von denen, die in der Familie oder der Altersgruppe gelten. In diesen Umwelten wird man als ganze Person in seiner Besonderheit und – wenn es gut geht – mit Zuneigung akzeptiert. In der Schule sind die Gütemaßstäbe zunächst funktional spezifisch: Ein Schüler wird nicht mehr in seiner ganzen Persönlichkeit beurteilt, sondern als Lernender, der Englisch, Mathematik oder Geschichte besser oder schlechter beherrscht. Grundlage der Beurteilung sind auch nicht Zuneigung und Verständnis für die individuellen Besonderheiten. Die Maßstäbe sind vielmehr universalistisch – sie gelten für alle gleichermaßen – und die Graduierung erfolgt affektiv neutral, – mag die schlechte Note die Lehrkraft auch noch so bekümmern. Und selbst wenn man vom Prinzip der einfachen Gleichbehandlung abweicht und etwa nach individuellen Lernfortschritten beurteilt, ist dieser Maßstab universalistisch zu begründen und mit konkurrierenden Gesichtspunkten distributiver Gerechtigkeit auszutarieren.

 

Der duale Zeithorizont und der doppelte soziale Referenzrahmen

Kommen wir zum dritten Strukturmerkmal von Schule: Schule hat notwendiger Weise mit einem dualen Zeithorizont umzugehen: Man lernt kumulativ in der Gegenwart für Zukünftiges. Dabei ist die Zeitperspektive unsicher; es ist keineswegs ausgemacht, ob das Gelernte – die schlichteste Vorstellung – als fertig verfügbarer Vorrat wirklich „gebraucht“ wird, ob es anschlussfähig für weiteres Lernen ist und dieses unterstützt oder sogar den nicht abschließbaren Prozess der Selbstbildung fördert. Gleichzeitig nimmt aber die Schule den größten Raum im Leben junger Menschen ein und bildet eine Lebenswelt eigenen Rechts, die nicht in der Logik institutionalisierter Lernprozesse aufgeht oder unter zukünftige Ansprüche subsumierbar ist. Gegenwart ist nicht gegen Zukunft aufrechenbar. In dieser Sichtweise ist Friedrich Schleiermacher (1826) so modern wie eh. So ist es denn eine der schwierigsten Balanceaufgaben der Schule, durch die – wie der Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth (1994) sagt – Kultivierung der Lernfähigkeit auf eine nicht vorwegnehmbare Zukunft vorzubereiten und gleichzeitig dem Anspruch sinnstiftender Tätigkeit in der Gegenwart Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

   Die Tatsache, dass die Logik institutionalisierter Lernprozesse nicht mit der Logik schulischer Lebenswelten identisch ist, erzeugt ein weiteres Strukturproblem – nämlich den in normativer Hinsicht doppelten Referenzrahmen von Schule. Auch wenn Lernprozesse unauflöslich in emotionales und motivationales Geschehen eingebettet sind, steht die Schule doch unter dem Primat des Kognitiven, und zwar mit höherem Alter der Schüler und Schülerinnen zunehmend. Mag am Anfang der Grundschulzeit der handelnde Vollzug noch gelegentlich im Vordergrund stehen, so gewinnt im Laufe der Schulzeit die reflexive Auseinandersetzung mit Symbolsystemen globale Bedeutung.

   Dies gilt auch, wenn Fragen des Ästhetisch-Expressiven – etwa in den Bereichen von Literatur, Musik, bildender oder darstellender Kunst – Unterrichtsgegenstand sind oder evaluativ-normative Probleme zur Behandlung anstehen, wie Fragen der guten Lebensführung, der ethischen Grundlagen menschlichen Handelns, des richtigen Wirtschaftens oder der Regelung des Gemeinwesens. Schule eröffnet einen primär reflexiven Zugang zu unterschiedlichen Lebensbereichen. Reflexivität und der Primat des Kognitiven sind wahrscheinlich ein der Schule inhärenter Schutz gegen Indoktrination. Gleichzeitig hat die Schule aber auch die sozialen Voraussetzungen systematischer Lernprozesse zu sichern. Dies setzt Regelklarheit, Regeltreue und Wertbindungen voraus – kurz: die Stabilität wechselseitiger Erwartungen. Auch wenn die Normen aus pädagogischen Gründen diskursiver Aushandlung zugänglich sein sollten, können sie nicht zu jeder Zeit und insbesondere nicht alle gleichzeitig in Frage gestellt werden. Die handlungsentlastete „Als-ob“-Situation des Diskurses im Unterricht unterscheidet sich vom praktischen Handeln im sozialen Zusammenleben der Institution. Beide Perspektiven gleichzeitig bewusst zu halten, ist eine notwendige Voraussetzung erfolgreich verlaufender Lernprozesse.

   Diese vier Strukturmerkmale sind die „geheimen“ Erzieher der Schule, die universell wirken. So unterschiedlich Schulen im Einzelnen aussehen mögen, so teilen sie doch in aller Welt diese Grundstrukturen. Dies ist wahrscheinlich auch eine Erklärung dafür, dass sich die Schulen hinsichtlich ihrer erzieherischen Wirkungen eher wenig unterscheiden, während die Unterschiede in den Erträgen des Unterrichts – dem Kerngeschäft der Schule – vergleichsweise groß sind. In der Schule der Moderne bildet der Unterricht und erzieht primär die Organisation. [...]

(http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/aktuelles/bildungsvergleich.pdf)

Nachtrag: Links zum Problem der Notengebung (Leistungsmessung)

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_1439.html

http://www.zeit.de/2006/27/Titel-Schulnoten-27 (mit mehreren Links)  

http://www.zeit.de/2006/29/Noten-29 (Brügelmanns Antwort)

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23078/1.html

http://www.sozialistischegruppe.de/hefte/2005/Noten.html

http://wiki.zum.de/Bewertung_von_Sch%C3%BClerleistungen

http://impulsmittelschule.ch/themata/noten/2001/leistungsbeurteilung.htm

http://www.ph-heidelberg.de/wp/konrad/download/leistungsmessung.pdf

http://www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/englisch/bs/recherche/downloads/rechtsprobleme.pdf

http://www.uni-konstanz.de/ag-moral/evaluation/k_eva_theorie.htm

Epochenumbruch um 1900

September 2, 2008 by norberto42

Mit diesem Stichwort bzw. mit „Epochenumbruch 19./20. Jahrhundert“ wird ein thematischer Schwerpunkt des Lehrplans Deutsch der Sekundarstufe II von NRW umschrieben. Deshalb ist es nötig, diesen Umbruch zu verstehen – aber nicht nur deshalb, sondern auch aus dem Grund, weil mit diesem Umbruch „die Moderne“ beginnt, vereinfacht gesagt. Ich orientiere mich an Hermann W. von der Dunck: Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. I (dt. 2004), den es in der BpB preisgünstig zu kaufen gibt oder gab, Kap. II: Das Ende einer Epoche, S. 76-243. Was Herr von der Dunk auf 165 Seiten schreibt, kann man natürlich nur verkürzt auf einigen Seiten zusammenfassen; ich schreibe im Indikativ, müsste aber als Referent eigentlich durchweg Konjunktiv I benutzen.

Das 19. Jahrhundert endete „eigentlich“ erst 1914 mit dem Beginn des Weltkriegs, auch wenn das Jahr 1900 als Schwelle empfunden wurde: gigantische Weltausstellung in Paris. Was änderte sich in dieser Zeit? Die Lebensverhältnisse in den Städten änderten sich; durch neue Verkehrsmittel konnte man am Wochenende den tristen Städten entfliehen. In den Städt wuchsen riesige Mietskasernen, in speziellen Vierteln errichtet. Schulpflicht und zunehmende Geburtenregelung führten zu einer Verbesserung der Lebensumstände. – Die Könige waren dabei, ihre Macht zu verlieren und mehr oder weniger Bilder der Macht zu sein, in den verschiedenen Ländern aber unterschiedlich stark. Der Adel verlor an Einfluss; er war dem alten Prinzip der Ehre verpflichtet, während das neue Prinzip „Leistung“ hieß; die reichen Bürger näherten sich dem Adel an. – Die Ständegesellschaft löste sich auf, es gab eine neue Elite mit politischen oder Verwaltungsaufgaben; es bildete sich eine „Intelligenz“ heraus. Insgesamt kam dem Nationalismus als Bindeglied große Bedeutung zu, er war eine Art neuer Religion. Die Situation der Arbeiter hatte sich verbessert, sie wandten sich großenteils sozialistischen Partien zu – doch blieben die verschiedenen Sozialismen national bestimmt; die Kirchen versuchten, brave christliche Gewerkschaften zu gründen.

Die Kirchen unterlagen der Säkularisierung: Der Kirchenbesuch ging zurück, die Kirchen verloren öffentliche Aufgaben an den Staat, im Inneren begehrten modernder Denkende gegen die traditionellen Dogmen auf. Es kam eine Frauenbewegung auf, die den Zugang der Frauen zum öffentlichen Leben, zum Studium und zu Teilnahme an Wahlen forderte. Das neue Jahrhundert stand auf besondere Weise im Zeichen der Jugend; der Vater-Sohn-Konflikt erhielt in der Psychologie Freuds eine zentrale Bedeutung (Ödipuskomplex). Eine pädagogische Reformbewegung wollte zur Charakterbildung und zur freien Selbstentfaltung des Einzelnen beitragen, statt aus ihm nur einen braven, nützlichen Staatsbürger zu machen.

Es entstand auch eine neue Jugendbewegung, weil Jugend sich als eine besondere Lebensphase etablierte und weil „die Jugend“ Trägerin einer hoffnungsvollen Zukunft war, die sich von der harten Welt der Erwachsenen unterschied. Es gab natürlich die kirchlichen Vereine und auch die vormilitärischen Pfadfinder, aber der Wandervogel war die richtige Jugendbewegung: Raus aus der Stadt, Gemeinschaft und Natur auf einfachste Weise erleben! Zudem kam mit der Idee des Sports eine Demokratisierung der Körperkultur auf.

In der Unterhaltungsliteratur kam die Kunst auch zur Menge; der Comic wurde erfunden, Kabarett, Revue und Film waren Kunstformen für die vielen – die elitäre Entwicklung der Kunst kriegten nur wenige mit.

Gegen die kapitalistische Industriegesellschaft wurde „Natur“ neu gesehen und gesetzt: das Widersinnige, Zerrissene der menschlichen Existenz. Raum und Zeit wurden neu erfahren: Beschleunigung als Prinzip der industriellen Produktion, Zerbrechen der einheitlichen Zeit- und Raumvorstellungen durch die Physik und die Erforschung fremder Völker. Das seit der Aufklärung bestimmende autonome Subjekt wurde relativiert als Lebens- und Triebwesen, als geschichtlich und sozial determiniert: Nietzsche, Bergson, Dilthey (Vitalismus, Lebensphilosophie).

Die neue Realitätsvorstellung in den Künsten:

Raum und Zeit waren problematisch geworden. Die Romanautoren J. Conrad, M. Proust, J. Joyce, Th. Mann, F. Kafka führten neue Weise des Erzählens ein – die Zeit war nicht mehr der Ordnungsrahmen eines kontinuierlich ablaufenden überschaubaren Geschehens. Im Drama räumten Strindberg, L. Pirandello, G. Kaiser, Schnitzler und F. Wedekind mit der bürgerlichen Welt- und Wertordnung auf. Die Fotografie hatte das Abbilden unternommen – so sahen sich die Maler in ihrer Existenz herausgefordert: Picasso entwickelt eine multiperspektivische Darstellung der Personen; die Dinge wurden in ihre Grundbestandteile oder -formen zerlegt und wieder zusammengesetzt; Kandinsky malte 1910 das erste abstrakte Bild. In Italien wurde das Manifest des Futurismus veröffentlicht: ein Kult des Tempos, der Kraft, der neuen Zeit. Bereits Mallarmé hatte das Wort befreien wollen, von der Bindung an die Dinge lösen, dem grafischen Zeichen eine eigene Bedeutung zuerkannt. In der Architektur ging die Veränderung langsamer vor sich (A. Loos), in der Dekoration entstand der Jugendstil. Die Musik löste sich aus dem traditionell harmonischen Rahmen (Schönberg: Zwölftonmusik), es kamen mit dem Jazz Elemente „unzivilisierter Völker“ in die Musik, Strawinsky erprobte Neues.

Diese Bewegung war nicht ohne Widersprüche: Man wollte weg von der Zivilisation und ihren Zwängen, betrieb das aber mittels einer Vergeistigung, die nur wenigen zugänglich war, und im Verbund mit den Wissenschaften. „Die Sehnsucht nach dem mythischen Erleben stand in direktem Zusammenhang mit einer Zukunftsgläbigkeit, mit der die Rebellen sich als Erben des neunzehnten Jahrhunderts erwiesen.“

Die Künstler verstanden sich messianisch – als Profeten einer neuen Zeit oder Künder des großen Untergangs; insgesamt waren sie eher „links“ eingestellt. Überall wurde eine traditionelle Ordnung in Frage gestellt. Der vertraute Himmel der Kirchen wie des Erlebens verschwand, die hergebrachte soziale Ordnung (oben/unten, Adel/Bürger/Arbeiter, Mann/Frau, Erwachsene/Jugend/Kinder) ging in die Brüche, die religiöse Sinndeutung verlor an Glaubwürdigkeit – die Kunst war nicht mehr der Welt zugewandt, sondern beschäftigte sich weithin mit sich selbst, mit ihrem Material und seinen Möglichkeiten: Der Rezipient musste selber zusehen, was ihm noch Kunst war und welchen Sinn er damit verbinden konnte.

Fazit: Man sollte sehen,

1.  dass die Literatur in einem großen Umbruch aller Künste stand;

2. dass dieser Umbruch auch seine sozialen, politischen, wissenschaftlichen Entsprechungen (oder Gründe?) hatte;

3. dass es natürlich Anknüpfung an die Tradition (Rousseau, Aufklärung) und innere Widersprüche der neuen Bewegungen gab;

4. dass es „den Umbruch“ nicht gab – es waren oft nur kleine Gruppen, zumindest in der Kunst, die solche Umbrüche vollzogen und verstanden.

Für mein (N.T.) Empfinden versteht man die neuen Entwicklungen in der Literatur am besten, wenn man parallel die Entwicklung in der Malerei verfolgt: Die ist anschaulich zu (be)greifen; da kann man etwas intensiver hinschauen, ohne gleich das Ganze der Kulturgeschichte packen zu müssen. Aber die Schlagworte „Naturalismus / Symbolismus / Impressionismus / Expressionismus/ Jugendstil“ sollte man schon „drauf haben“ und inhaltlich ein bisschen füllen können.

Vgl. http://www.bloghof.net/norberto42/archive/2007/05/ (Lyrik des Expressionismus) und die 1. Lektion von http://logos.kulando.de/post/2008/06/17/deutsche-lyrik-1945-1960!

 

Der Begriff „Epochenumbruch 19./20. Jahrhundert“ (auch: der E. um 1800) ist eine Erfindung der Leute, die die Richtlinien NRW und das segensreich darauf abgestimmte TTS bei Cornelsen machen. Wenn man in die Wörterbücher schaut, findet man

1. im Metzler Lexikon Literatur (2007) die Begriffe „Avantgarde“ und „Moderne“ (s.u.),

2. im Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie (2004) die Begriffe „Avantgarde“, „Epochenschwelle“, „Moderne“ und „Modernismus, Literaturtheorien des“. 

Die Avantgarde ist ein Teil der Moderne im engeren Sinn (etwa ab 1900); den Beginn markiert das Futuristische Manifest F.T. Marinettos (1909). Abgelehnt wird Kunst als Imitation (Nachahmung der Natur oder der maßgebenden Autoren); es werden die Techniken der Montage und der Collage eingesetzt. Die Utopie einer neuen Kunst meint die Überwindung des Grabens zwischen Leben und Kunst und meint damit die Utopie einer neuen Gesellschaft.

   Der Begriff der Moderne ist unklar; er kann die „Neuzeit“ seit der Renaissance meinen, die mit der Frühromantik beginnende Moderne (etwa seit 1795) oder eben die Moderne ab 1900. Diese letzte, an das Fin de Siècle geknüpfte Moderne kämpft gegen den Naturalismus und für eine Autonomie der Kunst und Literatur, für ihre Unabhängigkeit von der industriellen Zivilisation und der gesellschaftlichen Realität. Neben den besonderen Ausprägungen in Berliner, Wiener und Münchener Moderne stehen die „Richtungen“ oder Bewegungen des Ästhetizismus, Symbolismus, der Décadence, der Neuromantik und Neuklassik – und dann eben die bereits genannte Avantgarde.

Die Geschichte meiner Bücher

August 10, 2008 by norberto42

Diese Geschichte ist ein Teil der Geschichte meines Lebens.

Diese Geschichte beginnt mit einem nicht geschriebenen Buch. Wenn ich mich recht erinnere, kannte ich Walter Dirks seit 1966 (oder bereits seit 1961?); jedenfalls habe ich ab 1970 bei den „Frankfurter Heften“ mitgearbeitet. Mit ihm habe ich ein Projekt ca. 1970/71 besprochen, dass ich in der Reihe „Theologia publica“ des Walter-Verlags eine Auswahl aus meinen Predigten veröffentlichen könnte (aus meiner Zeit als Kaplan in Eschweiler, ab 1968, eventuell auch noch aus der Aachener Zeit 1967/68?). Es gab in dieser Reihe auch Predigten eines Theologieprofessors, und meine Predigten waren nicht schlechter. Walter Dirks machte mir Mut – ich sollte mich an Ingo Hermann wenden, der die Reihe „Theologia publica“ bei Walter betreute, und mich auch auf Walter Dirks als Befürworter berufen. Ingo Hermann antwortete mir auch freundlich, er wäre froh, wenn er sonntags solche Predigten zu hören bekäme, aber sie seien für die Reihe nicht geeignet – dabei waren sie genau so „öffentliche Theologie“ wie die des evangelischen Professors; aber ich war halt kein Professor. Die Ablehnung durch Ingo Hermann hat mich sehr enttäuscht.

Das erste Buch ergab sich aus einer ganz anderen Situation, nämlich aus meiner Tätigkeit als Lehrer. 1972 war ich hauptamtlich an die Schule gegangen, ans Neusprachliche Gymnasium Mönchengladbach; 1975/76 war ich am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium MG Referedar (Kath. Religionslehre, Philosophie). Meine Zweite Staatsarbeit habe ich in Philosophie geschrieben, um dem autoritären Fachleiter Dr. Schütt auszuweichen – wenn auch Schwerdtfeger als Fachleiter nicht besser als Dr. Schütt war. Jedenfalls habe ich auf der Basis meiner Unterrichtserfahrung Arbeitshefte für den Einführungskurs Philosophie in 11.1 untersucht; die auf dem Markt käuflichen Hefte taugten allesamt nicht viel, meinte ich feststellen zu können. Eines dieser Hefte war von Ekkehard Martens (damals Privatdozent in Münster?) bei Schroedel herausgegeben worden; über meine Arbeit am Thema hatte ich Kontakt zu Martens aufgenommen, und so schlug Martens mir 1977 (?) vor, ein Arbeitsheft über die Religionsphilosophie zu machen. Ich musste nur einen evangelischen Mitautor suchen, damit das Heft nicht gar zu katholisch würde.
So bin ich dann an den Leiter der Prüfungskommission, vor der ich 1976 die Zweite Staatsprüfung abgelegt und deren Leiter ich als einen ausgesprochen fairen Prüfer (im Unterschied zu Uli Vossen) kennengelernt hatte, mit der Bitte herangetreten, er möge mit mir zusammen das Arbeitsheft machen. Der hatte jedoch als Schulleiter nicht genügend Zeit und verwies mich auf eine tüchtige Fachleiterin, Frau Seelbach. Diese war auch zur Zusammenarbeit bereit; wir haben in Bonn unsere Vorstellungen von Religionsphilosophie verglichen, da war volle Übereinstimmung. Aber bald darauf sagte Frau Seelbach aus privaten Gründen ab und empfahl mir ihre Meisterschülerin, Frau Brunkhorst-Hasenclever. Die war bereits nach zwei Jahren im Dienst [also zu früh] Fachleiterin geworden; mit ihr und Martens zusammen habe ich dann das Arbeitsheft „Wohin mit der Religion?“ (1978, Schroedel) gemacht. Das Heft trägt weithin meine Handschrift; am 21. Oktober 1978 hatte ich es in den Händen.
Gleichzeitig arbeitete Ekkehard Martens an einem Arbeitsheft „Was heißt Glück?“; zu diesem Heft habe ich einige Texte beigesteuert (Ch. Bühler, F. Fürstenberg, H. Jäckel, N. Hinske), und auch an der Organisation des gesamten Stoffes habe ich mitgearbeitet. Das Heft erschien ebenfalls 1978, ohne dass Martens meine Mitarbeit auch nur mit einem Dankeswort in den Vorbemerkungen erwähnt hätte – das sei bei Schroedel nicht üblich, teilte er mir auf meine verwunderte Nachfrage mit. Damit war für mich keine Zusammenarbeit mit Martens mehr möglich, und wenn der mit ihm befreundete E. Nordhofen ihn auch anlässlich eines Geburtstages als bescheidenen und fleißigen Gelehrten gewürdigt hat – ich kenne eine andere Seite des Professors für Philosophiedidaktik in Hamburg.

Eine neue Chance ergab sich daraus, dass ich am NGM Leonhard Horster als Kollegen hatte, mit dem ich mich gut verstand. Leonhard kannte die oder einen der Herausgeber von „Kurs: Philosophie“, einer Reihe im Bagel-Verlag. Auf deren Anfrage bei ihm haben wir beide gemeinsam „Wahrnehmung – Erkenntnis – Wahrheit“ gemacht (1983). Dies war das erste Buch unserer guten Zusammenarbeit, die auf gegenseitigem Respekt und auf Gleichheit beruhte, auch wenn Leonhard von Philosophiegeschichte mehr als ich verstand. – Bei diesem Buch haben wir auch erlebt, dass der Assistent Sir Karl Poppers einen Aufstand machte, weil wir Poppers Text kürzen mussten: Das sei eine Unverschämtheit, Poppers Gedanken könne man nicht kürzen, dreißig Seiten wären deutschen Gymnasiasten wohl zuzumuten, wir wären wohl nur auf schnödes Geldverdienen aus…
Das nächste gemeinsame Buch war dann „Glück und Utopie“, das 1988 bei Diesterweg erschien. Wir hatten uns überlegt, dass diese Zusammenstellung von Glück und Utopie sachlich berechtigt wäre, und haben uns nach einem Verlag umgeschaut; nachdem wir zum Herausgeber der Reihe, Bruno H. Reifenrath, nach Much in Bergische Land gefahren waren und ihm unsere Vorstellungen erläutert hatten, ging das Projekt zügig voran. Leonhard war für die Utopie zuständig, ich für das Glück; jeder von uns hat fünf Kapitel als Hauptautor bearbeitet. Da ich mit Martens schon über das Glück nachgedacht und auch im eigenen Philo-Unterricht das mir vormals verdächtige Thema mehrfach behandelt hatte, war ich für „das Glück“ hinreichend vorbereitet. Hinzu kam, dass ich 1982 meine spätere Frau kennengelernt und das Amt aufgegeben hatte; aber nicht nur in dem Zusammenhang hatte ich auch privat öfter über das Glück nachgedacht.
Noch ein Buch habe ich mit Leonhard Horster gemacht: „Bilder vom Menschen“, 1991 bei J. B. Metzler erschienen. Die Idee zu diesem Buch hatten wir vermutlich beide, ich habe den Kontakt zu Metzler hergestellt – es wurde erwogen, was man bei Metzler in einer Reihe zum Philosophieunterricht alles veröffentlichen könnte. Jedenfalls haben wir das Manuskript nach Metzler geschickt und dann lange nichts mehr vom Verlag gehört; die Bilder im Buch hat übrigens Leonhard ausgesucht, er war und ist firm darin, was Kunstgeschichte und Bilder betrifft. Nach langer Zeit stellte sich dann heraus, dass unser Manuskript beim Verlag irgendwie „verschwunden“ war; so haben wir unsere Materialien neu kopiert und nach Stuttgart geschickt, und mit einem Jahr Verspätung ist das Buch dann im Dezember 1991 erschienen.
Dieses Buch war von der Aufmachung her das schönste, was wir gemacht haben; es war aber auch das, wofür wir am wenigsten gearbeitet haben – wir haben einfach aus dem Bestand geschöpft, aus dem, was wir kannten. Ich habe das 1., 5. und 6. Kapitel bearbeitet, Leonhard die anderen drei. Bernhard Andelfinger meinte einmal, man merke dem Buch an, dass es „nur“ aus den Beständen gemacht worden sei – ich weiß nicht, ob er Recht hat.

Jedenfalls war es das letzte Buch, das ich „aus dem Wissen heraus“ gemacht habe; die folgenden habe ich „aus dem Fragen heraus“ erarbeitet: Themen, bei denen ich das Gefühl hatte, ich müsste mich darin einarbeiten, weil ich aufgrund meiner Lebens- und Studiengeschichte nicht kompetent genug sei. Dies galt besonders für die Fragen des Zusammenlebens und -arbeitens, in denen die Lektüre von Peter L. Bergers „Einladung zur Soziologie“ 1970 für mich eine Offenbarung bedeutet hatte. Die Arbeit an dieser Thematik habe ich in den 80er Jahren noch einmal aufgenommen, gerade auch für ein neues Arbeitsheft, das ich dann allein gemacht habe: „Ich und die anderen“, 1990 bei Diesterweg. Den Kontakt zu Reifenrath und zum Verlag Diesterweg, wo Herr Thiel ein ausgesprochen freundlicher und kompetenter Gesprächspartner war, hatte ohnehin ich gepflegt. Nur beim Titel machte Reifenrath Einwände: „Ich und die anderen“, das klänge ja beinahe nach Max Stirner, als ob alle anderen neben mir bedeutungslos wären… Ich habe dann diese Formel „Ich und die anderen“ in durchaus verschiedenen Zusammenhängen ganz unverfänglich gebraucht gefunden (einmal sogar in der Theatertheorie); schließlich hat Reifenrath seinen Widerstand gegen den Titel aufgegeben. Sozialphilosophie würde ich das nennen, was ich in diesem Buch vorgelegt habe; die Arbeit daran muss parallel zu „Bilder vom Menschen“ gelaufen sein. Leonhard zog es dann aufgrund seiner Arbeit stärker in die Theorie des Unterrichts und der Schulgestaltung, unsere Zusammenarbeit war mit „Bilder vom Menschen“ beendet.
In der Reihe PHILOSOPHIA PROPAEDEUTICA habe ich dann noch „Gewalt – Recht – Freiheit“ 1994 veröffentlicht, ein Buch, das man unter „Politische Philosophie“ einordnen könnte. Günter Dux hat eigens für dieses Buch seinen Aufsatz „Recht, Macht und Herrschaft“ als Kurzfassung seiner Rechtssoziologie geschrieben; ich hatte ihn darum gebeten, Kapitel seiner Rechtssoziologie zusammenschneiden und -stellen zu dürfen, und er bot von sich aus die Neufassung an, weil er verstanden hatte, worauf ich hinauswollte. Diesen Aufsatz habe ich teilweise in seinem Sinn mitbestimmt, weil das Manuskript Dux‘ ziemlich nachlässig geschrieben war, was Rechtschreibung und v.a. Zeichensetzung anging, und weil einige Fragen entschieden werden mussten, womit ich den Professor Dux nicht behelligen wollte.
Als letztes Arbeitsbuch zur Philosophie habe ich 1997 „In der Zeit – Über die Zeit – Mit der Zeit“ veröffentlicht. Die Zeit, das war seit 1990 eines meiner Themen; die Geschichte der Fragestellung, die eine Schülerin des FMG an mich herangetragen und auf der sie bestanden hatte, habe ich in einer Festschrift des FMG erzählt. Bei Diesterweg passte das Buch aus irgendwelchen Gründen nicht in die Reihe PP – so ist es eben außerhalb der Reihe erschienen. Ich war vom Thema überzeugt und habe es bei Reifenrath und dem Verlag durchgesetzt. Das Manuskript musste ich auf die Hälfte seines Umfangs reduzieren – das habe ich getan, als ich wegen einer Operation vorübergehend aus dem Verkehr gezogen war. Wenn es 1996 war, müsste es die Operation gewesen sein, zu der ich in Mönchengladbach im Maria-Hilf war. Des erfolgreichen Diagnostikers einer kleinen Geschwulst, Dr. Hörster, sei mit Dankbarkeit gedacht.
Auch zum Zeit-Buch hätte ich gern einen Originalbeitrag von Prof. Günter Dux bekommen; aber auf meine Anfrage hat er nicht einmal geantwortet – vielleicht nicht ohne Grund, weil sein Zeitbuch nicht die Klasse seiner Rechtssoziologie und seines Buchs „Die Logik der Weltbilder“ hatte (hat). – Der Wissenschaftlichen Buch-Gesellschaft habe ich nach 1997 eine Anthologie zum Thema „Zeit“ angeboten; aber dem Verlag schien die Zielgruppe nicht hinreichend klar umschrieben, auch wenn er später ein ähnliches Buch brachte – auch das ist eines meiner ungeschriebenen Bücher, aber das Misslingen dieser Idee hat mir nicht viel ausgemacht.

Als letztes der philosophischen Bücher kann ich „Kennen Sie Nietzsche?“ nennen, 1997 bei dtv erschienen. Das Buch beruht auf der zweiten und dritten Lektüre von „Menschliches, Allzumenschliches“ und stellt den Versuch dar, die bedeutenden Aphorismen dieses Buches zu finden und für ein breiteres interessiertes Publikum spielerisch zu erschließen. Es zeigt „meinen“ Nietzsche, der mir in wichtigen Fragen Gesprächspartner war und der einer der großen Philosophen der „Moderne“ ist, kein Systematiker, aber ein leidenschaftlich Denkender, mit teilweise brillanten Einsichten. In meinen Philo-Blogs bei blog.de und also.kulando.de ist er in vielen Stellen gewürdigt; was mir bedeutsam war, muss nicht für alle bedeutsam sein – deshalb hebe ich hier keine Aphorismen hervor. Wichtig ist meine Idee, Aphorismen zu einem Gespräch zu verbinden; dahinter steht die Theorie, dass nur mit dem Schema „Frage und Antwort“ theoretische Texte zu verstehen sind; das gehört aber in die Theorie der Textanalyse.

Wenn ich mich nicht verrechne, habe ich 1998 (oder doch später?) Zugang zum Internet gefunden; dort habe ich dann vielleicht 2002 mein erstes Weblog angelegt, norberto42 bei 20six. Dieses Blog habe ich einmal aus Versehen abgewürgt, was damals bei 20six nicht schwer war – Stunden um Stunden Arbeitszeit unrettbar verloren! Als Ersatz habe ich dafür norbert042 angelegt; doch als 20six mit einem anderen Betreiber fusionierte und die ganze Formatierung verloren ging, habe ich meine Sachen gepackt und bin nach kulando.de, blog.de und zu bloghof.net gegangen. Am übersichtlichsten ist für meine Bedürfnisse kulando.de; aber das ist eine Randfrage.
Aufgrund meiner Weblogs hat Frau Netz von lehrer-online mich Anfang 2006 (?) angesprochen; mit ihrer großartigen Unterstützung habe ich 2006/07 eine Reihe von Beiträgen bei lehrer-online gemacht, welche wiederum zu den nächsten Büchern geführt haben, weil ich von da an im Netz präsenter war (auch aufgrund meiner Platzierung unter den zehn besten Lehrerblogs 2006 im „Lehrerfreund“). Das dritte ungeschriebene Buch ist ein Arbeitsheft im Starck-Verlag zu Schlink: Der Vorleser. Der Verlag hatte meinen Internetauftritt gesehen (Analysen fürs Zentralabitur 2007, meine Arbeit im Deutschkurs) und mich um die Zusammenarbeit gebeten. Ich habe auch eine Reihe von Analysen vorgelegt, aber leider nicht den Ton des Verlags getroffen: Ich halte den Roman für ein ziemliches Machwerk, aber die öberste Tante in der Verlagsredaktion war von Schlink angetan. So teilte mir mein Gesprächspartner beim Verlag mit, der Verlag habe „einen stärker wissenschaftlich orientierten Autor“ (ich muss lachen!) gefunden, und mit großem Bedauern… usw. Meine neuen (beinahe Starck-)Analysen stehen bei logos.kulando.de; da stehen sie gut, die alten stehen im bloghof.net.

Wiederum aufgrund der Arbeiten bei lehrer-online ist Herr Krapp vom Verlag Krapp & Gutknecht (Rot an der Rot, BW) im Herbst 2007 an mich herangetreten, wegen eines Lehrerheftes zu Wolf: Kassandra (Zentralabitur NRW 2009/10). Nach langer, intensiver Vorarbeit wurde dann vieles von meinen Analysen als „Bleiwüste“ beiseite gelegt, das Praktische stärker ausgebaut und schließlich im Juni 2008 veröffentlicht. In den letzten Tagen habe ich auch die Korrekturfahnen zu Schiller: Don Karlos, gelesen, woran ich im Frühjahr 2008 gearbeitet habe, nachdem ich im Frühjahr 2007 für lehrer-online das Drama bereits intensiv gelesen hatte. Das neue Lehrerheft wird wohl in vier Wochen erscheinen; inzwischen verstehe ich das Drama besser als der Bearbeiter im Schiller-Handbuch von Metzler, denke ich in aller Bescheidenheit.
Ob es mit den Büchern weitergeht, wird sich zeigen – es gibt die Anfrage eines neuen Verlags. Zwei Anekdoten möchte ich zum Schluss noch erwähnen. Die erste beruht auf der Eigenart der word-Dateien, dass in ihnen Links blau erscheinen und durch Anklicken aktiviert werden können. Im Kassandra-Heft waren nun wirklich viele Links; der Setzer kannte anscheinend die Eigenheiten von word-office nicht und hat alle Links unterstrichen blau gesetzt. – Beim Lehrerheft zu „Don Karlos“ gab es seitens des Verlages die Kritik, ich hätte zu wenig Arbeitsmaterial für die Schüler; das war sachlich nicht berechtigt, weil ich die Arbeitsblätter usw. in Form der Lösungserwartung „fertig“ konzipiert hatte. Ich habe deshalb in Blau kursiv erläutert, wie ich mir den Druck des einzelnen AB denke: „Blau kursiv“, das war mein Dialog mit dem Verlag. Auf dem Weg von mir über die Verleger zum Setzer ist das Wisses um „Blau kursiv“ aber verloren gegangen, und der Setzer hat nur die Lösungserwartung mitsamt meinen Dialog-Passagen gesetzt. Zur Zeit sind wir dabei, das Versehen zu korrigieren.

P. S. Nachträglich fällt mir ein weiteres ungeschriebenes Buch ein, dessen Untertitel „Kleine Einführung in die Theologie“ geheißen hätte.
Es gibt ein Büchlein von Michael Wittschier: „Alle Kreter lügen… sprach der Kreter… Kleine Einführung in die Philosophie“ (Patmos 1980). Beim Patmos-Verlag gab es die Idee, ein analoges Büchlein zur Theologie herauszubringen; Teile des Manuskripts dazu habe ich in den 80er Jahren geschrieben, aber das Projekt hat sich zerschlagen. Wenn ich heute in Wittschiers Büchlein hineinschaue, denke ich: Ich wollte sachlich zu viel vortragen und habe nicht den netten Umgangston getroffen.
Im Zusammenhang mit dem Patmos-Verlag ist ein weiteres gescheitertes Projekt zu nennen, das der für Religionspädagogik zuständige Mann bei Patmos, Tullio Aurelio, angestoßen hatte. Es ging darum, einen Nachfolger für Werner Trutwin, der mit seinen Heftchen den Markt der Religionspädagogik in der Sek II beherrschte, aufzubauen und etwas zu produzieren, das die Heftchen von „Theologisches Forum“ ablösen sollte. Zu diesem Zweck habe ich viel Material gesammelt und an den Verlag geschickt, aber auch einmal Werner Trutwin in Bonn besucht und mit ihm meine Vorstellungen besprochen. Ich erinnere mich an das Spottkruzifix vom Palatin (http://de.geocities.com/notizen2006/0juni01.htm), welches ich unbedingt den Schülern präsentieren wollte, weil es zum Bestand meines Religionsunterrichts gehörte. – Woran dieses Projekt, ebenfalls in den frühern 80ern (oder späten 70ern?), gescheitert ist, weiß ich nicht mehr. Vermutlich war Trutwin, der zugleich Schulleiter in Bonn war, nicht davon begeistert, einen Nachfolger (auch im Geldverdienen) aufzubauen.

Ein abgeschlossenes, aber nicht veröffentlichtes Projekt ist das Lesebuch „Christ-sein in der Kirche? Ein theologisches Lesebuch“ vom Oktober 1980. Neben dem Manuskript, das in einer Schachtel ruht, gibt es zwei gebundene Exemplare: Eines habe ich Leonhard Horster geschenkt, eines habe ich selber. Das letzte, das neunte Kapitel ist „Christ-sein im Zeitalter der Säkularisierung“ überschrieben, mit Texten von Gerhard Schmidtchen, Hermann Lübbe und Trutz Rendtorff. Mit diesem Thema bin ich wieder beim „Don Karlos“, der in einem Monat erscheinen soll: Säkularisierung ist ein Signum der aufklärerischen Moderne, auch wenn viele das noch nicht gemerkt oder bereits wieder vergessen haben.

Deutschland – pubertär?

August 4, 2008 by norberto42

Bei web.de gibt es eine nette Animation:

Noch mehr lustige Ortsnamen: Von Busendorfern, Pupsern und Bösgesäßen

Die Ortsnamen Fucking, Busendorf und Pups werden dort als lustig zur Unterhaltung der normalen Deutschen präsentiert: Wie pubertär sind die Deutschen – zumindest in der Vorstellung von web.de, dass sie an solchem karnevalistischen Niveau Gefallen finden sollen?

Ungarische Geige

Juli 25, 2008 by norberto42

(Violine, Bogen, Koffer, Schulterstütze), 1997 bei Stephan Csonka in Köln gekauft, beim Geigenbauer frisch überholt,

ideal für Schüler und Jugendliche,

privat zu verkaufen: Tel. 02165/7122 (Tholen, Jüchen).

Zwei Tote: Test gelungen

Juli 14, 2008 by norberto42

Zwei Sportler starben bei einem Extremlauf auf die Zugspitze. Teilnehmer sprechen von „desolatem Krisenmanagement“ und „totalem Chaos“. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.

Sie wollten ihre körperlichen Grenzen austesten: Hans P., 45, und Uwe M., 41, starteten im Teilnehmerfeld von 585 Sportlern am Sonntag zum Extremlauf auf die Zugspitze, ihr Ausgangspunkt lag im österreichischen Ehrwald. Am Ende bezahlten beide Männer den sportlichen Belastungstest mit dem Leben. (SPIEGEL-ONLINE)

Die näheren Umstände des organisierten Laufs kenne ich nicht – aber statt dass man jetzt nach dem Staatsanwalt ruft, hätte man die Teilnehmer vorher zum Psychiater schicken sollen: Wer die Zugspitze hochrennen will, hat möglicherweise ein Rad ab. Sportlicher Belastungstest erfolgreich abgeschlossen, kann man nur sagen: Die Grenzen der Leistungsfähigkeit wurden deutlich aufgezeigt.

Eine Woche Urlaub in Thüringen

Juli 12, 2008 by norberto42

Es begann mit der Vorbereitung mittels http://www.thueringen-tourismus.de/; da steht zwar viel drin, aber der Link (der Server?) ist sehr langsam, zum Verzweifeln… Immerhin kann man sich Adressen von Museen, Telefonnummer von Kabaretts, Öffnungszeiten usw. schon notieren, ehe man losfährt. Im Land war der Goldstadt-Reiseführer „Thüringen“ von Bernd Wurlitzer ganz hilfreich.
Entgegen einer Beobachtung von G. Seibt (SZ) waren die Leute in Thüringen sehr freundlich; besonders möchte ich zwei Damen von Museen in Gera loben, im Art deco-Museum und im Otto-Dix-Haus. Die einzige unfreundliche Dame habe ich in Buchenwald erlebt, als ich mir die Funktionsbaracke des ehemaligen Krankenbaus anschauen wollte: Das sei kein öffentlicher Raum, sagte mir eine „Führerin“, die eine Schulklasse führte, und schickte mich raus – als wenn ihr das etwas ausgemacht hätte, dass auch ich am 8. Juli 2008 durchs Gebäude ging! Ansonsten wurde mir, nachdem ich das für mich „realisiert“ hatte, überall der Rentnerstatus (und damit ein kleine Ermäßigung) zuerkannt, obwohl ich keinen entsprechenden Ausweis bei mir hatte und nur sagen konnte, ich sei 66 Jahre. Manchmal wurde sogar gefragt, ob wir kein Anrecht auf Ermäßigung hätten.
Thüringen ist touristisch hervorragend erschlossen – ich verweise nur auf die „Thüringer Städte“ und die vier Museumskarten Thüringen, die es überall in der tourist-information gibt. Auch die Klassik Stiftung Weimar hilft mit ihrem Leporello „Museen, Schlösser und Gärten“, dass man sich schnell zurechtfindet.
Es gibt viele alte (restaurierte) Innenstädte – Thüringen lebt weithin von seiner Geschichte, die Weltgeschichte ist spätestens nach 1832 an Thüringen vorbeigegangen. Ich will aber fair sein: Ich habe als pensionierter Deutschlehrer natürlich auch das alte Thüringen gesucht! In den Innenstädten also: weithin Fußgängerzonen. Aber die Schäden des Sozialismus und seiner Planwirtschaft sind immer noch sichtbar; es dauert bestimmt noch 20 oder 25 Jahre, bis alle Gebäude und Straßen in einem ordentlichen Zustand sind. Wir zahlen und zahlen den Soli… – aber wer jetzt noch Sozialismus wählt, soll seinen Sozialismus selber bezahlen!
Was mir sonst auffiel: Die große deutsche oder gar die internationale Presse war kaum in Kiosken greifbar, nur die Thüringer Regionalzeitungen. Jede halbwegs ordentliche Stadt schmückt sich mit einem Attribut: Glockenstadt Apolda, Bachstadt Arnstadt, Universitätsstadt Ilmenau… Und die Preise waren, wenn man gut suchte, niedrig: In Erfurt auf der Krämerbrücke zahlt man beim Juwelier und im Restaurant ordentlich; aber 200 Meter weiter findet man in der Allerheiligenstraße den preisgünstigen Juwelier, 400 Meter weiter das Restaurant, das Mo-Fr alle Hauptgerichte für 6,50 Euro anbietet. Und in den Geschäften: Rabatte, Rabatte…
Was mir als Mann auffiel: Die Damen zeigten sich „oben“ insgesamt relativ offenherzig, offenherziger als in Großstädten am Niederrhein, meine ich. In Meiningen war es besonders lustig: Wir wollten mal durch die Stadt schlendern, aber da war ein Volksfest, und die guten Meininger wollten fürs Betreten der Volksfest-Innenstadt Meiningen 5 Euro kassieren; das war doch ein bisschen happig.
Wenn man die Erläuterungen in den Gebäuden und Museen sorgfältig las, bemerkte man, wie nah Thüringen bei Hessen lag und liegt und wie falsch das alte Bild Deutschlands, das wir nach 1945/48/49 gewonnen haben, ist: Als wenn der Rhein die Achse Deutschlands wäre – ne, ist er nicht, war er nur in der alten Kalter-Krieg-BRD.
Eine Einsicht oder Vermutung auf dem Goethe-Wanderpfad bei Manebach hinter Ilmenau: Goethe hat mit Frau von Stein 1776 eine kleine Höhle (ich dachte gleich an „Wald und Höhle“) unterhalb des Gipfels vom Kickelhahn, die er liebte, besucht; die Gedichte, in denen er davon gesprochen hat (gesprochen haben soll? Sie waren an der Höhle zitiert!), besagen ziemlich deutlich, dass er dort mit der Stein geknutscht hat. Meine Frau meinte zwar, die Stein sei dafür zu alt gewesen (7 Jahre älter als G.), das sei früher ziemlich viel gewesen; aber sie kennt nicht das Gedicht. „Warum gabst du uns die tiefen Blicke…“
Ja, die Hütte auf dem Kickelhahn, dort hat er gedichtet: „Über allen Gipfel ist Ruh‘“, und jetzt ruht er auch. Und die Goethe-Eiche im KZ Buchenwald steht nur noch als Stumpf, dort ist 1944 eine Bombe eingeschlagen. Goethe in Weimar und die SS in Buchenwald, 5 oder 6 km von Weimar entfernt: Deutschland. Mein Souvenir aus Thüringen: ein kleines Stück Stacheldraht aus Buchenwald. – Es lohnt sich, Thüringen zu besuchen, finde ich; von Eisenach bis Altenburg bekommt man viel zu sehen.