Die Legende vom vierten König

Dies ist eine Bearbeitung von Edzard Schapers Erzählung „Die Legende vom vierten König“, die 1961 in Köln im Verlag Jakob Hegner erschienen ist und von der ich vor rund 40 Jahren diese gekürzte Fassung hergestellt habe, damit sie vorlesbar wird.

Als das Jesuskind in Bethlehem geboren werden sollte, erschien sein Stern den Weisen aus dem Morgenlande – diese Geschichte kennt ihr schon. Der Stern, der die Geburt des Heilandes aller Menschen anzeigte, erschien aber auch einem König im weiten Russland, der menschenfreundlich war und auch gern einmal lachte. Er wusste es von seinen Vorfahren: Einmal wird ein großer Stern leuchten und die Ankunft des Herrn aller Menschen und Länder anzeigen – und wer dann König in Russland wäre, der müsste aufbrechen und ihn besuchen und ihm huldigen. Der kleine König freute sich, dass der Stern gerade ihm erschienen war, und weil er jung war, wollte er sofort aufbrechen.

Aber halt, dachte der kleine König, ohne Geschenke geht man nicht zu Besuch, schon gar nicht zur Verehrung des höchsten Herrn der Welt. So packte er einige Rollen Leinen ein, warme Pelze von Fuchs und Bär, einige Säckchen Gold und schließlich noch ein Töpfchen Honig; denn der süße Honig aus Russland werde das Kindchen noch am ehesten an seine himmlische Heimat erinnern. Nachdem er den Seinen noch die letzten Anweisungen gegeben hatte, ritt er eines Nachts – der Stern leuchtete da besonders hell – auf seinem Pferdchen Wanka davon. Er kam über die Grenzen seines Reiches hinaus, rastete am Tag und ritt des Nachts und sah manches, was ihn tief bekümmerte; aber im Ausland hatte er ja nichts zu sagen.

Zwei, drei Monate war er schon geritten, da stieß er auf eine fremde Karawane, und das Seltsamste war: Die Männer ritten nicht auf Pferden, sondern auf unförmigen Tieren, die sie Kamele nannten. Der kleine König aus Russland gesellte sich zu ihnen; drei prächtig Gekleidete ragten aus der Gesellschaft heraus, und er staunte nicht schlecht, als er hörte, sie seien zum gleichen Ziel unterwegs wie er. Da hielt er es nicht mehr aus, und auch er erzählte von seinem Ziel, von seiner Reise und von seiner geliebten russischen Heimat. So ritten sie gemeinsam dem himmlischen Stern nach – nur waren die fremden Könige etwas vornehmer und zurückhaltender als der kleine König.

Eines Morgens geschah es nun, als der Sonnenschein im Morgentau glänzte, da packte den kleinen König der Übermut, er griff in seine Taschen und streute im hohen Bogen eine Handvoll Perlen in die Luft, die glänzten wie der Tau. Eigentlich waren sie für den größten König aller Zeiten bestimmt – er schämte sich seines Leichtsinns. Und einer der vornehmen Fremden sagte: „Perlen sind Tränen, die sollte man nicht in fremde Erde streuen.“

Der kleine König aus Russland merkte nur zu gut, dass er nicht so recht zu den drei Vornehmen passte, und so schlief er meist nicht in den prächtigen Zimmern der Herbergen, sondern im Schuppen bei seinem Pferdchen Wanka. Da träumte er von Russland und vom neuen König, von Gurken und Bier und einem warmen Ofen, als eines Nachts ein leises Stöhnen ihn weckte: Ein paar Meter entfernt hatte eine junge Frau ein Kind geboren, sie war ganz allein, sie hatte nichts bei sich; da erbarmte er sich, er riss von dem Leinen, das eigentlich für den neugeborenen König bestimmt war, einige Streifen ab, damit die Mutter wenigstens Windeln hätte, um ihr Kind einzuwickeln. Wenn ich diesem armen Säugling helfe, dachte er, wird es dem größten König recht sein, da ja einem seiner Untertanen so geholfen ist. Am nächsten Tag besorgte er der Mutter zu essen und zu trinken, kümmerte sich auch sonst um die junge Bettlerin und ihr neugeborenes Kind, und so wurde es schnell Abend. Da wollte er Mutter und Kind nicht allein lassen, und als er am nächsten Morgen ihnen noch einige Goldkörner gegeben hatte, sagte die Bettlerin beim Abschied: „Ich kann dir zum Dank nichts geben, weil ich außer meinem Kind nichts habe, aber ich schenke dir mein Herz – von jetzt an sollst du der König meines Herzens sein.“

Schnell galoppierte der kleine König fort, er wischte sich noch eine Träne aus dem Auge – er wollte ja den größten König aller Zeiten verehren; doch die fremden Könige aus dem Morgenland holte er nie mehr ein. Wo er hinkam, waren sie schon gewesen, und er hatte den Eindruck, dass ihr Vorsprung immer größer wurde. Auch leuchtete der Stern nicht mehr so hell wie früher, und sein Pferdchen, sein einziger Freund, magerte zusehends ab.

Eines Tages kam er an einem großen Gutshof vorbei, da sah er, wie zwei fette Aufseher die Arbeiter auspeitschten. Kurzerhand kaufte er die ganze Schar los, auch wenn es fast die Hälfte seines Goldes und einen Teil seiner Pelze kostete. Sie feierten ihn als ihren Befreier, die ganze Nacht sangen und tanzten sie, doch am andern Morgen wollten sie von ihm zu essen haben. So gab er ihnen Gold, dass sie für drei Tage zu essen kaufen konnten, und ritt dann schnell davon, weil helfen und befreien offenbar schwierig war.

Er wurde immer trauriger, immer ärmer, er ritt bald ohne klares Ziel, weil er den Stern nur noch selten am Horizont sah, und die fremden Könige kannte auch keiner. Als er nur noch sein Töpfchen Honig hatte, da fiel ein Bienenschwarm über ihn her; sie stachen das Pferdchen Wanka, sie stachen den kleinen König aus Russland und fraßen den Honig restlos auf. Und wenige Tage später, als die Stiche abgeschwollen waren, da stand sein Pferdchen nicht mehr auf, da war es tot. So weinte denn der kleine König, traurig war er und einsam, arm und fern der Heimat, und das Ziel seiner Reise hatte er aus den Augen verloren. Er wollte nicht länger leben, aber wie sehr er auch weinte, es nützte ihm nichts, und so ging er zu Fuß weiter, bis er in eine Hafenstadt kam

Das war für ihn etwas Neues, das kannte er nicht, die Schiffe und Matrosen, die Paläste und Pinten. Auf einmal sah er eine schöne junge Frau mit einem Knaben von vielleicht 14 Jahren; sie weinte am Kai des Hafens, und sie schaute ihn betrübt an, weil ihr Sohn verloren war: Er sollte auf einer Galeere rudern, um so die Schulden seines verstorbenen Vaters abzuarbeiten. Ja, dachte er, so eine Frau könnte ich liebhaben, und kurz entschlossen sagte er: „Ich gehe für deinen Sohn.“ Die Frau lächelte ihn dankbar an, und er ging aufs Schiff und ließ sich an die Ketten schmieden. Dreißig Jahre lang ruderte er das Schiff über die Meere, zusammen mit den anderen Gefangenen; oft zettelte er einen Aufruhr an, bekam viele Schläge und wenig Brot, und schließlich wusste keiner mehr, warum er überhaupt Galeerensklave war.

Als er von der harten Arbeit kraftlos geworden war, nach dreißig Jahren, da ließ man ihn an Land gehen. Er wankte über die Brücke, das Licht der Sonne blendete ihn, er setzte sich an die Hafenmauer und döste ein wenig vor sich hin – da kam ein vornehmer Mann im besten Alter, der ließ ihn von zwei Dienern in sein Haus tragen, und etwas unfreundlich murmelte er: „Vielleicht bist auch du nur ein Lump wie die meisten, die von der Galeere kommen; aber ich musste meiner sterbenden Mutter versprechen, sie alle zu pflegen, weil einmal einer mir das Leben gerettet hat und für mich auf das Schiff gegangen ist.“ Der kleine König sagte nichts, er schluckte nur ein paar Mal; nach einer guten Woche war er etwas zu Kräften gekommen, bedankte sich und ging davon – und als er so auf der Straße dahinzog, bemerkte er, dass viele Menschen in die gleiche Richtung gingen – nach Jerusalem, sagten sie, zu einem großen Fest. Bald kannte er den einen oder anderen vom Ansehen, und eines Tages leuchteten in der Ferne die Kuppeln einer großen Stadt.

Der kleine König aus Russland war ein alter Mann geworden; er hielt sich für sich allein. Einmal übernachtete er in einem großen Garten am Stadtrand; er war noch nicht eingeschlafen, da hörte er in der Nähe den Lärm vieler Leute, die anscheinend jemand gefangen hatten. Er versteckte sich hinter einer Hütte, bis der Lärm wieder abgeklungen war – da sah er, dass er nicht allein war. Eine alte Frau, die er gelegentlich in den letzten Tagen bemerkt hatte, war ebenfalls zur Übernachtung in den Garten gegangen. Sie kamen ins Gespräch, und die alte Frau erzählte, sie sei eine Bettlerin: Sie gebe den anderen Menschen Gelegenheit, ihr Gutes zu tun, und die Menschen seien ihr dafür dankbar. Und jeder könne etwas geben, jeder, sogar der Ärmste. Sie selber habe bettelarm vor gut dreißig Jahren einmal einem guten Menschen ihr Herz geschenkt. „Seitdem bin ich sehr glücklich“, sagte sie, „denn nichts geht verloren, was man schenkt.“ Der kleine König stimmte ihr zu: „Nein, nichts geht verloren von dem, was man schenkt; nur weiß niemand, wo es bleibt, wie nah oder wie fern.“ Dann sagte er nichts mehr. Dreißig Jahre hatte er etwas Kostbares besessen, und er hatte es nicht gewusst.

Am andern Morgen war die Bettlerin fort, die Sonne schien heiß und er ging in die Stadt. Das Volk drängte sich durch die engen Gassen; die Leute schrien wegen eines Königs, der hingerichtet werden sollte, doch der kleine König aus Russland verstand das alles nicht. Er überließ sich dem Sog der Menge, gelegentlich tauchte auch die alte Bettlerin wieder auf. Der da gekreuzigt werden sollte, habe Kranke geheilt und den Armen geholfen, hieß es, und er sei vielleicht sogar Gottes Sohn, gut dreißig Jahre sei er alt. Der kleine König aus Russland erschrak; er bekam kaum noch Luft, er setzte sich in eine Toreinfahrt – wie war das möglich!? Sollte das der große König sein, den zu verehren er vor dreißig Jahren aufgebrochen war? Ob er auch diesmal wieder zu spät käme? Und so schleppte er sich wieder die Straßen entlang, einen Hügel hinauf, zu einem Haufen Soldaten. Dann schaute er auf, und in der Mitte derer, die da hingen, sah er ihn. Und als der ihn anschaute, zu dessen Verehrung er aus seiner Heimat aufgebrochen war, da war es ihm zu viel. Denn alles, alles hatte er vertan. Nichts hatte er mehr, was er ihm geben konnte. Da fiel ihm das Herz der alten Bettlerin ein, und auch sein eigenes Herz. Das war alles, was er noch besaß. Und als er schon die Besinnung verlor, murmelten seine Lippen: „Aber mein Herz, Herr, mein Herz… und ihr Herz… Unsere Herzen, nimmst du sie an?“

Vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Der_vierte_K%C3%B6nig

Mit https://www.qwant.com/ habe ich noch gefunden:

http://www.luellemann.de/txt-244.htm

http://www.christel-pruessner.de/texte/4ter-koenig.htm

http://www.b-meier.ch/?p=119

https://www.youtube.com/watch?v=BYlFr3m67RE (eine Art Hörspiel, 38:15)

http://www.k-l-j.de/download/pdf/kgeschichten/kgeschichte_weihnacht.pdf (dort die 2. Erzählung)

http://stklemens.at/2009/12/die-legende-vom-vierten-konig/ (eine verunstaltete Version)

Rückblick 2013

Die 25 am meisten in diesem Jahr angeklickten Beiträge waren:

Roth: Hiob – Inhalt, Zeitstruktur und thematischer Aufbau 42,053
Schiller: Kabale und Liebe – Analyse wichtiger Szenen 20,930
Koeppen: Tauben im Gras – Analyse 20,223
Goethe: Iphigenie auf Tauris – Inhalt, Aufbau, Mythos: kommentierte Links zur Interpretation 17,308
Thomas Mann: Buddenbrooks – Übersicht über das Geschehen (Inhalt) 16,941
Goethe: Iphigenie auf Tauris IV,5 – kurze Analyse 10,355
Voltaire: Candide – Inhalt, Aufbau, Interpretation 8,140
Homburgs Traum und Natalies Handschuh im 1. Akt (Prinz Friedrich von Homburg) 8,131
Prinz Friedrich von Homburg – der Kurfürst als Figur 7,583
Goethe: Iphigenie auf Tauris – Themen, Motive, Interpretation 7,345
Kleist: Prinz Friedrich von Homburg – Thema Herz / Gesetz 6,848
Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts – Analysen, Motive 6,666
Epochenumbruch um 1800, Übersicht – Epochen der deutschen Literatur (Links) 6,538
Brecht: Entdeckung an einer jungen Frau – Analyse 6,326
Brecht: Frühling 1938 – Analyse 6,316
Goethe: Fünfte Elegie (Römische Elegien) – Analyse 6,091
Brecht: Sonett Nr. 19 – Analyse 5,788
Fontane: Irrungen, Wirrungen – Analysen 5,722
Borchert: Nachts schlafen die Ratten doch – Analyse, Interpretation 5,604
Brecht: Schlechte Zeit für Lyrik – Analyse 5,584
Brecht: Gedanken über die Dauer des Exils – Analyse 5,306
Schiller: Wilhelm Tell – Inhalt, Aufbau, Analysen 4,763
Goethe: Ganymed – Analyse 4,499
Heine: Die Loreley – Analyse 4,186
Goethe: Heidenröslein – Analyse 4,119

Man sieht hier klar, dass die Abiturthemen NRW die Nachfrage in der Spitze bestimmen. Man muss jedoch berücksichtigen, dass viele Gedichtanalysen erst im Lauf des Jahres hinzugekommen sind; deshalb erwarte ich für 2014, dass dann auch Eichendorffs Gedichte unter den 25 meistgefragten Beiträgen zu finden sein werden.

https://norberto42.wordpress.com/2013/annual-report/

Über Rezensionen und Buchbesprechungen

Wozu liest man eine Rezension? Ich lese Besprechungen, um mich über Bücher zu informieren, die ich nicht kenne; auf eine begeistere Rezension reagiere ich gelegentlich so, dass ich das gelobte Buch erwerbe, um es bald zu lesen. Manchmal bleibt es bei diesem guten Vorsatz; gelegentlich bin ich auch davon enttäuscht, dass meine durch das Lob geweckten Erwartungen sich nicht erfüllen. So ist es mir mit Henning Ritter: Notizhefte, ergangen – dabei hatte nicht nur Thomas Steinfeld das Buch in den Himmel erhoben („Wie wenige es sind, mit denen es sich reden lässt“, SZ 7.12.2010, S. 9): Ich habe Ritters Buch nicht zu Ende gelesen, so sehr habe ich mich über dessen hochtrabendes Gerede geärgert (https://norberto42.wordpress.com/2011/01/10/henning-ritter-notizhefte-berlin-2010-besprechung/).

Bei google findet man unter „Rezensionen OR Besprechungen“ ungefähr 35.200.000 Ergebnisse (25.10.2012) – ich schließe daraus, dass kein Mensch das Rezensionswesen oder -unwesen überblickt. Bekannt und auf ihre Weise berühmt sind die Feuilletons der großen Zeitungen, z.B. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/ oder http://www.zeit.de/kultur/literatur/index; aber auf die ist manchmal kein Verlass, sie loben Bücher zu oft und zu heftig. Die zahlreichen fachwissenschaftlichen Rezensionsfabriken beachte ich hier nicht, sie dürften den Interessenten bekannt sein. Einen Hinweis verdient aber das halbpopuläre Spektrum der Wissenschaft (http://www.spektrum.de/page/p_sdwv_sd_rezension&_z=859070).

Die Österreicher sind wieder einmal im Zusammenhang „Schule und Internet“ einen Schritt weiter als die Deutschen, sie haben http://rezensionen.schule.at/. Das Goethe-Institut hat ein entfernt analoges Angebot mit seinem Überblick über Rezensionsquellen (http://www.goethe.de/ins/nl/ams/prj/kij/link/rez/deindex.htm). Einen regelrechten Linkservice gibt es bei http://www.bsz-bw.de/SWBplus/linkliste/linkli-01.shtml.

Das Internet gibt aber auch den Nichtjournalisten, die man früher Leseratten nannte, Gelegenheit, Bücher zu rezensieren und ihre Besprechungen sogar auf Dauer präsent zu halten. Sie sind vielleicht ehrlicher als die Profis, aber nicht immer so kompetent. So sind im Blog http://www.leselupe.de/blog/ viele Leser als Rezensenten aktiv oder potenziell aktiv. Ähnlich arbeitet das von Jan Rintelen geleitete Blog http://www.rezensionen.ch/ – da gibt es Übersichten über die nach Kategorien sortierten Besprechungen. Bereits ins Professionelle scheint das Blog http://www.literaturnetz.com/ zu gehen (s. Impressum). http://www.u-lit.de/rezension/rezensionstart.html ist eines von vielen Literaturmagazinen, die regelmäßig ihre Besprechungen anbieten (vgl. auch http://www.versalia.de/rezensionen.php usw.).

Bleiben zum Schluss die echten Einzelkämpfer zu würdigen. Als ersten bzw. erste nenne ich http://www.buecherrezensionen.org/; hier schreibt ein inzwischen pensioniertes Kollegenpaar mit großer Sachkenntnis und Liebe seine Eindrücke nieder. Ebenfalls positiv vom durchschnittlichen Angebot hebt sich http://biblionomicon.blogspot.de/ ab; dort gibt es auch Links zu weiteren Bibliomanen.

Eher schlicht sind dagegen Blogs wie http://amelie-rezensionen.blogspot.de/ oder http://tanjaisaddictedto.blogspot.de/, neben vielen anderen selbstverständlich. Den Rubikon zur bloßen Vermarktungsinstanz hat Marcel Korstian überschritten; dessen Blog braucht man nicht zur Kenntnis zu nehmen, deshalb wird es auch nicht verlinkt.

Vergessen wir zum Schluss nicht den Zweck der Rezensionen: Sie sollen uns nicht vom Lesen der besprochenen Bücher abhalten, sondern in begründeten Fällen dazu anhalten – auch wenn es Leute gibt, die meinen, fürs Partygeplauder sei man mit einer Rezension beinahe schon überinformiert.

Büchner: Woyzeck – Analyse, Interpretation

Das Lehrerheft zu zwei Unterrichtsreihen (Büchner: „Dantons Tod“ und „Woyzeck“) ist gerade im Verlag Krapp & Gutknecht erschienen. (1. Juli 2010)

Ich stelle hier eine gekürzte Fassung meiner Sachanalyse zu „Woyzeck“ vor:

Zum Verständnis des Dramas – Aspekte

Worum geht es in diesem Drama? Es endet mit einem Mord, genauer: die Lesefassung endet mit einem Mord und der Identifizierung des Mörders Woyzeck; von einem Prozess oder einer Bestrafung ist jedoch nichts mehr zu lesen oder zu sehen. Es ist einfach „ein echter Mord, ein schöner Mord, so schön als man ihn nur verlangen tun kann“, wie der Polizeidiener feststellt (26. Szene). Es geht im Stück also kaum um den Mord.

Als Thema kommt eher der Wahnsinn in Frage, der Wahnsinn des Mörders Woyzeck, welcher Stimmen hört und Visionen hat. Im freien Feld spricht Woyzeck mit sich selbst: „He was, was sagt ihr? Lauter, lauter, stich, stich die Zickwolfin tot? Stich, stich die Zickwolfin tot? Soll ich?“ (13. Szene ) Vom Wahnsinn ist ja auch Lenz befallen, der „Held“ der gleichnamigen Erzählung Büchners; vom Wahnsinn ist Lucile ergriffen, als ihr Mann vom Tod bedroht ist (Dantons Tod, Ende IV 4). […]

Auch die Eros-Thematik ist da, ist aber an seine Frau Marie gebunden; Marie ist von dem schönen Tambourmajor fasziniert (2. und 7. Szene), ebenso wie er von ihr. Es wird aber nur dargestellt, wie sie im Rausch des Tanzens verbunden sind (12. Szene). Ebenso wird Woyzecks sexuelle Gemeinschaft mit Marie nicht dargestellt, nur ihr Anfang wird erwähnt (20. Szene) sowie das Kind, das daraus hervorgegangen ist (etwa 2. und 4. Szene); dem Vater Woyzeck, der an Visionen leidet, sind beide fremd (Ende 2. Szene), auch wenn der seinen Sold (4. Szene) und das durch den Erbsenvertrag verdiente Geld (8. Szene) bei Marie abliefert.

Auf einer anderen Ebene ist die Liebe in den Liedern präsent, teils offen („Frau Wirtin hat ’ne brave Magd“), teil verdeckt (im Hasenlied, 1. Szene, oder „Ein Jäger aus Kurpfalz“, 12. Szene). […]

„Wir arme Leut“ (5.), wozu der kleine Soldat Woyzeck gehört, bilden die unterste Stufe der menschlichen Existenz, nur knapp vom Tier getrennt: „Der Aff’ ist schon ein Soldat, ’s ist noch nit viel, unterst Stuf von menschliche Geschlecht!“ (Ausrufer, 3. Szene) Damit sind wir bei einem Thema, welches auch in anderen Schriften Büchners auftaucht: Was ist der Mensch? Der Ausrufer, der „intelligente“ Tiere als Menschen anpreist und vorführt, und der Professor, welcher Woyzeck vorführt, als Tier behandelt und beschimpft (10. Szene, vgl. die 8.), decken diesen Aspekt der Erniedrigung ab, verbinden also die soziale Frage mit der nach dem Menschen (wobei es wenig bringt, einer der beiden Fragen den Primat zuzusprechen).

Einen anderen Aspekt der Frage nach dem Menschen berührt die absurde Predigt des betrunkenen Handwerksburschen: „Warum ist der Mensch?“ (12.) In dieser Parodie einer Predigt macht er deutlich, dass die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz sich nicht beantworten lässt. […]

Es geht eben bei Büchner „um die stets gleiche Frage: um die Abhängigkeit menschlicher Existenz von Umständen, die ‚außer uns liegen’“ (Hans Mayer). Die Armut, die Verhältnisse, in denen er lebt, treiben Woyzeck in den Wahnsinn und dann auch ins Verbrechen. In dem Sinn kann der Leser oder Zuschauer nicht nur mit dem Opfer Marie, sondern auch mit dem Täter-Opfer Woyzeck Mitleid haben. Hierzu wird gern aus einem Brief Büchners an die Familie vom Februar 1834 zitiert: „Ich verachte Niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, – weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen.“ Damit hat er sich gegen den Vorwurf, überheblich zu sein, verteidigt, aber auch ein Zeugnis seiner Grundsätze gegeben, nach denen „Woyzeck“ gestaltet ist.

Es fällt auf, dass Woyzeck im Drama keine Lebensgeschichte hat, dass also keine Vorgeschichte des Helden ausgebreitet wird … […]

Die offene Form des Dramas zeigt sich weniger an Sprüngen in Raum und Zeit des Geschehens: Dieses mag einige Wochen dauern, die Dauer des Geschehens ist überhaupt nicht exakt zu bestimmen, nur anhand der Liebesgeschichte Maries mit dem Tambour zu schätzen. Es spielt in einer Garnisons- und Universitätsstadt unbekannter Größe und in deren Umgebung; man könnte darin zur Not noch die Einheit des Ortes erkennen. Einige andere Aspekte bestimmen mich, von der offenen Form des Dramas zu sprechen: Es gibt wenig Handlung, keinen Spannungsbogen, kaum einen Konflikt, keine Peripetie; die Szenen sind locker gereiht; die Figuren haben teilweise nichts mit der Handlung zu tun, sondern verkörpern die Verhältnisse, in denen Woyzeck lebt und leidet […]

Trotz der Lesbarkeit und Spielbarkeit des Textes darf man nicht vergessen, dass „der Text“ ein Konstrukt ist, dass wir also in Wirklichkeit nur das Fragment eines von Büchner geplanten und teilweise ausgearbeiteten Dramas besitzen. Von Bedeutung ist, dass heute nicht mehr die Szene mit dem Hauptmann das Stück eröffnet, sondern dass man sich durchweg an die Reihenfolge der letzten Handschrift (H 4) hält und mit dem schon lange verwirrten Woyzeck beginnt; wo man die Professor-Szene (10.) aus H 3 einordnet, ist eigentlich belanglos, sofern sie nur der Doctor-Szene (8.) folgt. Interessant ist allenfalls, ob man als letzte Szene den Ausspruch des Polizeidieners (aus H 1) oder den Auftritt des Idioten mit dem Kind ansieht (aus H 3). Am Verständnis des Stücks ändert das aber auch nicht viel – einmal steht der distanziert Blick der Justiz am Ende, einmal der sogar seinem Kind fremde Woyzeck samt dem beziehungsreichen Spruch des Idioten: „Der is ins Wasser gefallen.“ Woyzeck steht, den Menschen und dem Menschlichen entfremdet, allein da.

Die von mir bevorzugte Textfassung (RUB 18420) ist von Burghard Dedner erstellt, der wesentlich an Bd. 7 der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke Büchners mitgearbeitet hat. In dieser Ausgabe wird auf den Abdruck der Handschriften verzichtet (sie sind ohnehin im Internet greifbar); aber durch die Verwendung verschiedener Typen wird die Herkunft der Textstücke verdeutlicht, durch < > der Herausgebertext markiert, durch +++ unleserliche Buchstaben ersetzt. Das genügt für die Arbeit in der Schule, denke ich; Dedners ältere (geringfügig abweichende) Ausgabe RUB 18007 mag für den Lehrer und die Arbeit im germanistischen Seminar interessant sein.

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Angelika schrieb mir:

Ich glaube, man neigt wg. des 
fragmentarischen Aufbaus von Büchners „Woyzeck“ dazu, u.U. viel hinein und 
heraus zu interpretieren. Ebenso verleiten Lieder, Märchen, Bibelzitate 
und -bezüge sowie Parallelen zu Büchners eigenen Werken, (der „arme“ 
Mensch = Vieh, am 5. Tag schuf Gott Tiere, glaube ich) und Goethes „Faust“ zu 
einer „Überinterpretation“.

Liebe Angelika,

vermutlich hast du mit dem Verdacht, dass „Woyzeck“ überinterpretiert wird, recht;
 ich hatte einen kleinen Disput mit dem Herausgeber der Werke im Dt. Klassikerverlag: 
was der aus dem St. Lichtmesstag (Kinderlied, 19. Szene) herausinterpretiert, ist beängstigend willkürlich.
 Dem wollte ich mit meinen methodischen Übungen vorbeugen – die aber auch nur helfen, wenn einer methodisch vorsichtig sein will und die von dir benannte Gefahr sieht.

Es gibt auch einen Reiz des Fragments, des Torsos – da spielt die Phantasie (des Betrachters) mit und ergänzt wie bei erotischen Phantasien das Fehlende, wie es der Autor nicht in gleicher Qualität hätte tun können; dazu der Reiz des jung verstorbenen Autors, des genialen, dessen Handbewegungen sämtlich zur großen Geste werden müssen, da hört man als Zuschauer die Flöhe husten.

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DAS BESAGTE LEHRERHEFT:

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Georg Büchner

A Georg Büchners Leben

B Die politische Lage zur Zeit Büchners

C Büchners Werke

– Der Hessische Landbote

– Dantons Tod

– Lenz

– Leonce und Lena

– Woyzeck

D Büchner in der Literaturgeschichte

E Materialien zu beiden Unterrichtseinheiten

– Brief an die Braut (Anfang 1834: Fatalismusbrief)

– Brief an die Familie (28. Juli 1835)

– Auszug aus „Lenz“ (zur Literaturtheorie)

– Auszug aus „Lenz“ (Themen: Ruhe, Wahnsinn)

– Auszug aus „Leonce und Lena“ (III 3: Automatenrede)

– Georg Büchner: Probevorlesung „Über Schädelnerven“

– Ursula März: Pilger, Pfarrer, Promis. Poetik des Authentischen

2. Unterrichtseinheit „Dantons Tod“

A Didaktische Überlegungen

– Verständnis des Dramas – Aspekte

– Ziele des Unterrichts

– Überlegungen zum Gang des Unterrichts

– Analytische und produktive Arbeitsformen

– Einsatz des Films

B Untersuchungen zum Text

– Danton und seine Freunde: ihr Porträt in I 1

– Exposition: Akteure und Themen (I 1 und I 2)

– Politische Rhetorik Robespierres in I 3

– Robespierre (I 6 – Analyse im Überblick)

– Der Gang des Geschehens

– Der Kampf der Revolutionäre – Aspekte

– Analyse II 7

– Danton im Angesicht des Todes (im Wesentlichen ab III)

– Marion, Lucile, Julie – drei Frauengestalten

– Die Lieder in „Dantons Tod“, exemplarisch untersucht

– Figurenkonstellation und Figuren

C Materialien

– Lektürekontrolle 1. Akt

– Offene Form des Dramas

– Anleitung zur Szenenanalyse

– Das revolutionäre Geschehen (historischer Hintergrund)

– Vorlagen der Lieder in „Dantons Tod“

– Hans Mayer: Thermidorstimmung

– Max Weber: Politik als Beruf (Auszug)

D Klausuren (mit Lösungserwartung)

– Vergleichende Analyse zweier fiktionaler Texte

– Analyse eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag

3. Unterrichtseinheit „Woyzeck“

A Didaktische Überlegungen

– Zum Verständnis des Dramas – Aspekte

– Ziele des Unterrichts

– Zum Verlauf des Unterrichts

– Arbeitsformen, Arbeitsergebnisse, Arbeitsvorschläge

– Woyzeck-Inszenierungen in Schulen

– Der Film „Woyzeck“ von Werner Herzog

– Weitere Hilfsmittel

B Erläuterungen zum Text

C Untersuchungen zum Text

– Der Doctor und Woyzeck: Subjekt und Objekt (8. – 10.)

– Woyzeck und der Hauptmann (5. und 9.)

– Die 3. Szene – Aspekte einer Szene

– Funktion der Lieder – exemplarisch untersucht

– Vergleich der 4. Szene mit Faust I, „Abend“

– Der Gang des Geschehens

– Marie zwischen zwei Männern: Woyzeck und Tambourmajor

– Woyzecks Sprachlosigkeit

– Arbeit mit dem Wörterbuch – methodische Übungen

– Was der Narr sagt – methodische Übungen

– Sprachliche Handlungen bestimmen – methodische Übungen

– „Woyzeck“ als offenes Drama – verschiedene Arten von Szenen

– Büchners Literaturtheorie

– Woyzeck – Figur und Figurenkonstellation

– Todessignale

D Materialien

– Lektürekontrolle 1. – 18. Szene

– Die wunderliche Gasterei (zu Blutwurst-Leberwurst, 17.)

– Goethe: Faust I, Szene „Abend“ (zum Vergleich mit 4.)

– Reinhard Lindenhahn: Dialog-Theorie

– Fragen zu einer Inszenierung des Stücks – beantwortet von Christian Stückl

– Marius von Mayenburg im Gespräch über Thomas Ostermeiers „Woyzeck“-Inszenierung

– Der Himmel über Marzahn (Rezension von Ostermeiers Inszenierung)

– Wir sind wir (Rezension von Volker Löschs Inszenierung)

– Werner Morlang: Wer und wer? – Mensch ist Mensch (Beispiel produktiven Arbeitens)

E Klausuren (mit Lösungserwartung)

– Analyse eines fiktionalen Textes mit weiterführendem Schreibauftrag

– Vergleich zweier fiktionaler Texte mit weiterführendem Schreibauftrag

4. Sonstige Hilfsmittel

Hier spricht Nietzsche (2)

Zweites Gespräch mit F. Nietzsche über seine frühen Einsichten [Sentenzen von 1877 – Kritische Studienausgabe, Bd. 8]

Herr Nietzsche, mir ist aufgefallen, dass Sie selber von Sentenzen sprechen, während heute in der Literatur normalerweise von Aphorismen gesprochen wird; ich übernehme, nachdem ich Ihre unveröffentlichten Äußerungen von 1877 kennengelernt habe, gern Ihren Sprachgebrauch. Was ist eine Sentenz?

„Eine Sentenz ist ein Glied aus einer Gedankenkette; sie verlangt, dass der Leser diese Kette aus eigenen Mitteln wiederherstelle: dies heisst sehr viel verlangen.“

Sie haben in diesem Jahr gelegentlich über die Leistungen von Sentenzen nachgedacht. Warum schreiben Sie selber Sentenzen?

„Eine Sentenz muss, um geniessbar zu sein, erst aufgerührt und mit anderem Stoff (Beispiel, Erfahrungen, Geschichten) versetzt werden. Das verstehen die Meisten nicht und desshalb darf man Bedenkliches unbedenklich in Sentenzen aussprechen.“

Nicht so bescheiden, Herr Nietzsche! Sie schreiben im Konzept einer Vorrede für „Menschliches, Allzumenschliches“, dass Sie ein „Reisebuch unterwegs zu lesen“ machen wollten; aber weil wir heute insgesamt nicht wirklich reisen, wenn wir verreisen, will ich das Bild „Reisebuch“ ruhen lassen. – Sprechen wir lieber von Ihnen: Sie gehen mit Ihren jetzigen Gedanken unmittelbar bis an Ihr nächstes Buch „Menschliches, Allzumenschliches“ heran. Sie können mit manchen früheren Gedanken nicht mehr zufrieden sein – es erklingen neue Töne.

„Wer sich erlaubt öffentlich zu sprechen ist verpflichtet sich auch öffentlich zu widersprechen, sobald er seine Meinungen ändert.“

Ich habe den Eindruck, dass Sie in den letzten Jahren eine Lebensschwelle überschritten haben, vielleicht die magische Altersgrenze 30 – Sie sind vom Jahrgang 1844.

„Geist der Jugendlichkeit, der Vorrechte, selbst zu einigen Unarten hat, – diess fehlt mir jetzt.“

Anderseits ist die Jugend auch die Zeit der Irrtümer, des Suchens: Ist es nicht gut für jeden, wenn sie vorüber ist?

„Wenn der Mensch  s o f o r t  mit  E i n s i c h t  in die Wahrheit begabt wäre, die Schule des Irrthums nicht durchgemacht hätte?“

Das wäre allerdings auch ein Verlust – aber man muss schon über 30 oder 40 Jahre sein, um die Zeit des Suchens nicht als vertan zu betrachten. Worin besteht der Gewinn Ihrer jugendlichen Irrtümer?

„Man  m u ß  Religion und Kunst verstehen – sonst kann man nicht weise werden. Aber man muß über sie hinaus sehen können; bleibt man darin, so  v e r s t e h t  man sie nicht. Ebenso ist die Metaphysik eine Stufe, auf der man gestanden haben muß.“

Und was gewinnt man, wenn man sie überwindet?

„Man muss eine Zeitlang im metaphysischen Dunstkreis gelebt haben, nur um zu erfahren, wie wohl es thut in nüchterner Morgenfrische alle Dinge zu sehen und tiefen Athem in reiner Luft zu schöpfen.“

Wie schätzen Sie Ihren derzeitigen Stand der Erkenntnis ein? Sind Sie der Wahrheit näher gekommen? Haben Sie sie gefunden?

„Nachdem ich von Jahr zu Jahr mehr gelernt habe, wie schwierig das Finden der Wahrheit ist, bin ich gegen den Glauben, die Wahrheit gefunden zu haben mißtrauisch geworden: er ist ein Haupthinderniß der Wahrheit.“

Vielleicht sollen wir noch einmal am Beispiel die Eigenart der alten Denkweise darstellen.

„Ist für etwas z.B. Eigenthum Königthum die Empfindung erst erregt, so wächst sie fort, je mehr man den Ursprung vergißt. Zuletzt redet man bei solchen Dingen von ‚Mysterien‘, weil man sich einer überschwänglichen Stärke der Empfindung bewußt ist, aber genau genommen keinen rechten Grund dafür angeben kann. Ernüchterung ist auch hier von Nöthen, aber eine ungeheure Quelle der Macht versiegt freilich.“

Wie meinen Sie das? Welche Quelle versiegt?

„Wenn die Menschen nicht für Götter Häuser gebaut hätten, so läge die Architektur noch in der Wiege. Die Aufgaben, welche sich der Mensch auf Grund falscher Annahmen stellte (z.B. Seele loslösbar vom Leibe), haben zu den höchsten Culturformen Anlaß gegeben. Die ‚Wahrheiten‘ vermögen solche Motive nicht zu geben.“

Und was macht Ihre neue Denkweise aus?

„Aristoteles meint, der Weise sojo  [Lies „sophós“, N.T.] sei der, welcher sich nur mit dem Wichtigen Wunderbaren Göttlichen beschäftige. Da steckt der Fehler in der ganzen Richtung des Denkens. Gerade das Kleine Schwache Menschliche Unlogische Fehlerhafte wird übersehn und doch kann man nur durch sorgfältigstes Studium desselben  w e i s e  werden.“

Wodurch ist auf Seiten der Philosophen das falsche Denken zustande gekommen? Es müssen doch methodische Fehler vorliegenen, wenn man so selbstgewiss in die falsche Richtung marschiert.

„Der Fehler fast jeder Philosophie ist ein Mangel an Menschen-Kenntniss, eine ungenaue psychologische Analyse. Die Moralisten fördern insofern die Erkenntniss mehr als sie sich bei den vorhandenen Analysen der menschlichen Handlungen nicht beruhigen.

Um die falschen psychologischen Facta breitet der Philosoph sein Naturwissen und hüllt alles in metaphysisches Bedürfniss.“

Die Grenze zwischen Philosophie, die ihren Namen verdient, und allen tiefsinnigen Spekulationen muss also ganz streng gezogen werden.

„Eine Philosophie mit religiösen Bedürfnissen erfassen heisst sie völlig missverstehen. Man sucht einen neuen Glauben, eine neue Autorität – wer aber Glaube und Autorität will, der hat es an den hergebrachten Religionen bequemer und sicherer.“

Sie sprechen auch davon, dass die Popularität des Philosophierens zu Ihrer Zeit darauf beruhte, dass es „ein vergnügliches, unter Umständen geistreiches Herumwerfen der philosophischen Ideen-Fangbälle“ war (23/126). Was macht eine lockere „Philosophie“ attraktiv – abgesehen davon, dass sie wenig Mühe bereitet?

„Philosophie ist die Fata Morgana welche die Lösung den ermüdeten Jüngern der Wissenschaften vorspiegelt.“

Eine Ihrer methodischen Entdeckungen ist es, die Geschichte der moralischen Empfindungen zu erforschen oder zu rekonstruieren. Welche persönlichen Motive stecken hinter dieser Methode?

„Es ist kein Zweifel, dass zur Vermehrung der geistigen Freiheit in der Welt die Gewissenbisse wesentlich beigetragen haben. Sie reizten häufig zu einer Kritik der Vorstellungen, welche, auf Grund früherer Handlungen, so schmerzhaft wirkten; und man entdeckte, dass nicht viel daran war, ausser der Gewöhnung und der allgemeinen Meinung innerhalb der Gesellschaft, in welcher man lebte. Konnte man sich von diesen beiden losmachen, so wichen auch die Gewissensbisse.“

Gibt es andere bedeutende Entdeckungen in Fragen der Moral, welche sich der historischen Methode verdanken?

„Das  M i t g e f ü h l  mit dem Nächsten ist ein  s p ä t e s  Resultat der Cultur: wie weit muß die Phantasie entwickelt sein, um anderen wie uns selber nachzufühlen (erst wenn wir gelernt unsere eigenen  n i c h t  gegenwärtigen Schmerzen und Freuden durch die Erinnerung nachzufühlen und wie gegenwärtige zu empfinden). Vielen Antheil hat gewiß die Kunst, wenn sie uns lehrt, Mitleiden selbst mit vorgestellten Empfindungen unwirklicher Personen zu haben.“

Mitgefühl mit dem Nächsten, mit den Mitmenschen scheint Ihre Sache nicht zu sein. Sie gehen auch viel allein spazieren, weichen den volkstümlichen Lustbarkeiten aus.

„Man muss sehr flach sein, um aus den gewöhnlichen Gesellschaften nicht mit Gewissensbissen heimzukehren.“

Sie scheinen von der Intelligenz Ihrer Mitmenschen nicht überzeugt zu sein?

„Mancher trifft den Nagel, aber nicht auf den Kopf, er macht das Problem heillos schief. Es wäre besser, er hätte die Sache ganz verfehlt.“

Wie kann man denn mit solchen Mitmenschen zu Rande kommen?

„Die Klugheit gebietet, sich für das,  w a s   m a n   g i l t , auch zu  g e b e n  oder vielleicht für etwas Geringeres.“

Zu Ihnen: Sie fühlen sich in der Nähe einer Frau bedroht. Auch schöne Frauen könnten Sie nicht mit dem Gedanken an eine Ehe spielen lassen?

„Ich finde den Mangel an Gerechtigkeitssinn bei Frauen  e m p ö r e n d. Wie sie mit ihrem dolchspitzen Verstand verdächtigen usw.“

Soll das heißen, dass nur wenige Frauen in Ihren Augen etwas wert sind – sozusagen die „männlichen“, besonders gebildeten Frauen?

„Unterschätzen wir auch die flacheren lustigen lachsüchtigen Weiber nicht, sie sind da zu erheitern, es ist viel zu viel Ernst in der Welt. Auch die Täuschungen auf diesem Gebiete haben ihren Honigseim.“

Ich möchte noch auf die Politik zu sprechen kommen. Eine der großen Ideen des 19. und 20. Jahrhunderts ist der Sozialismus. Worin liegt seine Kraft?

„Der Socialismus beruht auf dem  E n t s c h l u s s  die Menschen g l e i c h  zu setzen und gerecht gegen jeden zu sein: es ist die höchste Moralität.“

Am Sozialismus werden Sie noch mehr Kritik üben, etwa in „Menschliches, Allzumenschliches“. Vielleicht sollten wir auch einen Blick auf unsere rührigen Politiker werfen.

„Die munteren hüpfenden Bewegungen des Wallfisches machen Freude als ob sie Spiel und Lust bedeuteten: inzwischen ist es die Qual die die Natur im Innern ihm macht. So bewundert man die Munterkeit großer Staatsmänner.“

Deutschland war nach 1871 vom militärischen Erfolg über Frankreich geblendet; heute fehlt es an Ideen, vor allem aber an Geld.

„Die deutsche Zukunft ist nicht die der deutschen Geldbeutel.“

Eine letzte Frage, Herr Nietzsche. Ihre Begeisterung für Richard Wagner und seine Musik scheint nicht mehr ungetrübt zu sein. Was soll man tun, wenn eine so große Liebe zerbricht?

„Erfahrene Menschen kehren ungern zu Gegenden, zu Personen zurück, die sie einst sehr geliebt haben. Glück und Trennung sollen an ihren Enden zusammengeknüpft werden: da trägt man den Schatz mit fort.“

Vielen Dank, Herr Nietzsche, für dieses Gespräch.

(Das Gespräch fand am Abend des 28.12. 1997 in Jüchen statt.)

Hier spricht Nietzsche (1)

Mein Gespräch mit F. Nietzsche über seine frühen Einsichten [Fragmente von 1876 – Kritische Studienausgabe Bd. 8]

Herr Nietzsche, beginnen wir mit Ihnen und Ihrem Beruf. Sie sind Altphilologe, befassen sich also mit der Kultur der Antike, vor allem mit griechischen und lateinischen Schriftstellern. Wozu ist das heute noch gut?

„Philologie ist die Kunst, in einer Zeit, welche zu viel liest, lesen zu lernen und zu lehren. Allein der Philologe liest langsam und denkt über sechs Zeilen eine halbe Stunde nach. Nicht sein Resultat, sondern diese seine Gewöhnung ist sein Verdienst.“

Wenn Sie so langsam lesen, schaffen sie nicht viel an einem Tag.

„Sich Zeit lassen zum Denken: das Quellwasser muß wieder zusammenlaufen.“

Sind Ihre Kollegen fleißiger als Sie?

„Über den Fleiss machen die Gelehrten viele schöne Worte; die Hauptsache ist, dass sie sich ohne ihren Fleiss zu Tode langweilen würden.“

Das klingt beinahe so, als ob Sie das Lob der Faulheit sängen.

„Es ist ein Unglück der Thätigen dass ihre Thätigkeit immer ein wenig unvernünftig ist: sie rollen so bewusstlos fort wie der Stein fällt.“

Wenn Sie so leben und arbeiten, Herr Nietzsche, bekommen Sie vieles von dem, was in der Welt geschieht, überhaupt nicht mit.

„Die moderne Krankheit ist: ein Übermaaß von  E r f a h r u n g e n. Deshalb gehe jeder zeitig mit sich heim um nicht an den Erfahrungen sich zu verlieren.“

Sie lehren nicht nur an der Universität, sondern haben auch an einem Gymnasium in Basel die alten Sprachen unterrichtet. Wie beurteilen Sie die Organisation des Unterrichts an dieser Schulform?

„Hauptfehler des heutigen Unterrichts ist, daß er stundenweise gegeben wird und alles durcheinander.“

Sie sprechen etwas abfällig von „alles durcheinander“ – könnten die Schüler so nicht lernen, Querverbindungen herzustellen, selbständig zu denken, den vermeintlichen Autoritäten zu widersprechen?

„Dreiviertel aller Lügen sind durch die Antithese in die Welt gekommen.“

Wie kann man denn verhindern, dass wir zum schnellen Widersprechen verführt wird? Kann man eine einseitige Sicht der Dinge vermeiden?

„Um eine Sache  g a n z  zu sehen, muss der Mensch zwei Augen haben, eins der Liebe und eins des Hasses.“

Aufklärung war das Ziel des vergangenen Jahrhunderts, Aufklärung ist auch ein Hauptmotiv Ihres Denkens. Welcher Mechanismus hält die Menschen in ihrer Unmündigkeit fest?

„Das Ansehen der Ärzte beruht auf der Unwissenheit der Gesunden und Kranken: und diese Unwissenheit wiederum beruht auf dem Ansehen der Ärzte.“

Das klingt so, als ob wir politisch wieder mit 1776 und 1789, intellektuell mit Voltaire und Kant beginnen müssten.

„Ein freidenkender Mensch macht die Entwicklung ganzer Generationen durch.“

Bleibt die Aufklärung politisch und sozial ohne Ergebnis, ohne Folgen?

„Der neue Glaube kann keine Berge, wohl aber Worte versetzen.“

Wie würden Sie die Freiheit, die Sie erhoffen, umschreiben? Welche Merkmale machen einen freien Menschen aus?

„Mit der Freiheit steht es wie mit der Gesundheit: sie ist individuell.“

Können wir mit individueller Freiheit leben? Brauchen wir als Wesen, die wie Staubkörner im Weltall sind, nicht einen letzten Halt, also jemand oder etwas, zu dem wir aufschauen und an dem wir uns festhalten?

„Den Glauben an Gott, Freiheit und Unsterblichkeit soll man wie die ersten Zähne verlieren, dann wächst einem erst das rechte Gebiss.“

Aber es gibt doch bei vielen so etwas wie ein metaphysisches Bedürfnis?

„Das sogenannte metaphysische Bedürfniß beweist nichts über eine diesem Bedürfnisse entsprechende Realität: im Gegentheil, weil wir hier bedürftig sind, so hören wir die Sprache des Willens, nicht die des Intellekts und gehen irre, wenn wir dieser Sprache glauben. Ein Gott wäre anzunehmen, wenn er beweisbar wäre,  o h n e  daß ein Bedürfniß ihn uns nöthig erscheinen ließe.“

Widersprechen die christlichen Feste und Gebräuche, widersprechen die zahlreichen Kirchen im ganzen Land nicht sichtbar ihrem Skeptizismus?

„Beim Anblick der zahllosen Kirchen, welche das Christenthum einstmals baute, muß man sich sagen: es ist gegenwärtig nicht genug Religion da, um diese Gebäude abzutragen. Ebenfalls: es fehlt jetzt an Religion, um die Religion auch nur zu vernichten.“

Wie kann das sein: Wie kann Gott tot sein, wenn die Gotteshäuser bestehen?

„Wenn man einen  G l a u b e n  umwirft, so wirft man nicht die  F o l g e n  um, welche aus ihm herausgewachsen sind. Diese leben vermöge des Herkommens weiter: das Herkommen schließt die Augen über den Verband von Glauben und Folge. Die Folge erscheint ihrer selbst wegen da zu sein. Die Folge verleugnet ihren Vater.“

Wovon lebt letztlich das unfreie Denken? Was hindert die Menschen, ihrem metaphysischen Bedürfnis nicht nachzugeben?

„Es ist in der Art der gebundenen Geister, i r g e n d   e i n e  E r k l ä r u n g  keiner vorzuziehn; dabei ist man genügsam, Hohe Cultur verlangt, manche Dinge ruhig unerklärt stehen zu lassen: επεχω.“

Sie haben im September eine Reihe von Notizen „Menschliches und Allzumenschliches“ überschrieben. Ich darf Ihnen verraten, dass Sie 1878 ein ganzes Buch unter einem ähnlichen Titel veröffentlichen werden – Sie sind offenbar an einer Stelle angekommen, wo neue Einsichten sich Ihnen aufdrängen. Fangen wir mit dem Allzumenschlichen an.

„Menschen, deren Umgang uns unangenehm ist, thun uns einen Gefallen, wenn sie uns einen Anlass geben, uns von ihnen zu trennen. Wir sind hintendrein viel eher bereit, ihnen aus der Ferne Gutes zu erweisen oder zu gönnen.“

Kennen Sie ein anderes Beispiel für unsere allzumenschliche Güte?

„Man schenkt jemandem lieber sein ganzes Herz als sein ganzes Geld. – Wie kommt das? – Man schenkt sein Herz und hat es noch, aber das Geld hat man nicht mehr.“

Gibt es in dieser allzumenschlichen Suppe auch Brocken, die sie nicht mögen und am liebsten ausspucken würden?

„Jeder, der geheimnissvoll von seinem Vorhaben spricht, oder der merken lässt, dass er gar nicht davon spreche, stimmt seine Mitmenschen ironisch.“

In den 10 Geboten des Freigeistes [Herbst 1876: 19/77] heißt das zweite: „Du sollst keine Politik treiben.“ Aus welchem Grund lehnen Sie das politische Agieren und Taktieren ab?

„Ein Staatsmann zertheilt die Menschen in zwei Gattungen, erstens Werkzeuge, zweitens Feinde. Eigentlich giebt es also für ihn nur Eine Gattung von Menschen: Feinde.“

Sie setzen also auf Freundschaft, nicht auf Feindschaft. Welches Ideal menschlicher Verbundenheit schwebt Ihnen vor?

„Die, welche sich mit uns freuen können, stehen höher und uns näher als die, welche mit uns leiden. Mitfreude macht den „Freund“ (den Mitfreuenden), Mitleid den Leidensgefährten. – Eine Ethik des Mitleidens braucht eine Ergänzung durch die noch höhere Ethik der Freundschaft.“

Sie halten nicht viel vom Mitleid mit den Mitmenschen, mit unserem Nächsten?

„Herzliches Mitleid mit sich selbst ist die höchste Empfindung, zu der es der Mensch gebracht hat.“

Unser Gespräch ist inzwischen bei der Ethik angekommen, bei der Frage also, wie wir richtig und gut leben können. Wissen wir, was wir tun sollen? Gibt es eine verlässliche Grundlage der Ethik?

„Auf die reine Erkenntniss der Dinge lässt sich keine der bisherigen Ethiken gründen; aus ihr folgt allein diess, dass man sein muss, wie die Natur, weder gut noch böse. Die Forderung, gut zu sein, entspringt aus unreinem Erkennen.“

Wenn wir weder gut noch böse, sondern einfach dasein müssen, fallen die Maßstäbe fort. Wie können wir dann noch urteilen?

„Niemand ist für seine Thaten verantwortlich, niemand für sein Wesen: richten ist soviel als ungerecht sein. Dies gilt auch, wenn das Individuum über sich richtet.“

Also auch das, was böse ist oder was wir böse nennen, hat seinen eigenen Wert?

„Man unterschätzt den Werth einer bösen That, wenn man nicht in Anschlag bringt, wie viel Zungen sie in Bewegung setzt, wie viel Energie sie entfesselt und wie vielen Menschen sie zum Nachdenken oder zur Erhebung dient.“

Nein, im Ernst gesprochen: Haben böse Taten wirklich ihr Gutes?

„In Lastern und bösen Stimmungen sammelt sich oft der gute Hang in uns sein Quellwasser, um dann stärker hervorzubrechen. Wenn die Tugend geschlafen hat, wird sie frischer aufstehen.“

Sie haben vorhin spöttisch bemerkt, dass man lieber sein Herz als sein Geld verschenkt. Heißt das, dass die Liebe eine Illusion ist?

„Der Eitele und der Verliebte wähnen, einer andren Person wegen eitel oder verliebt zu sein.“

Sie selber sind nicht verheiratet, und ich darf Ihnen verraten, dass Sie auch nie heiraten werden. Aber manchmal sind Sie mit Heiratsanträgen schnell bei der Hand. Woher kommen diese Widersprüche?

„Die Illusion des Geschlechtstriebs ist ein Netz, das, wenn es zerrissen wird, sich immer von selbst wieder strickt.“

Aber eine Ehe findet doch nicht nur im Bett statt, auf Dauer sogar zu einem geringen Teil. Gibt es andere Gründe, welche es schwierig erscheinen lassen, verheiratet zu sein?

„Das Beisammensein der Ehegatten ist das Hauptmittel, um eine gute Ehe selten zu machen, denn selbst die besten Freundschaften vertragen diess nur selten.“

Spontan fällt mir hierzu Schopenhauers Parabel von den Stachelschweinen ein: Sie frieren, wenn sie weit voneinander entfernt leben, und verletzen sich gegenseitig, wenn sie zu nah beieinander sind.

Herr Nietzsche, was Ihr Denken betrifft, galt dieses Gespräch Ihren Anfängen. Sie haben einiges gesagt, was Sie sicher noch vertiefen, ausbauen, vielleicht auch verschärfen werden. Wir dürfen auf weitere Gespräche mit Ihnen gespannt sein. Ich danke Ihnen. Bis zum nächsten Mal!

(Das Gespräch fand am 28. Dezember 1997 in Jüchen statt.)

Wenn ich mich nicht irre, habe ich diese Art des Interviews erfunden – die ersten drei Gespräche dieser Art sind in meinem Buch „Kennen Sie Nietzsche?“ (dtv 30655, November 1997) veröffentlicht worden. – Vgl. auch meinen Beitrag bei lehrer-online zur Methode: http://www.lehrer-online.de/nietzsche-gespraech.php?sid=21948063412221184625880218022310