Droste-Hülshoff: Die Taxuswand – Analyse der Bilder und Metaphern

Ich stehe gern vor dir…

Text

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Werk/Lyrik/Ausgabe_1844/taxuswand/index2_html

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=74

http://www.wortblume.de/dichterinnen/taxuswan.htm

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/04.htm (dort das 9. Gedicht)

Das Gedicht ist 1842 erschienen (Brief der Droste an L. Schücking).

„Bereits um das Jahr 1819, so wird überliefert, hatte Annette ein Liebesverhältnis zu Heinrich Straube (1794 – 1847), Göttinger Student der Rechte, geboren in Kassel, [er] arbeitete später als kurfürstlich hessischer Prokurator und Oberappelationsrat in Kassel, und August von Arnswaldt (1798 – 1855), auch Student der Universität Göttingen, später mecklenburgisch königlich hannoverscher Legationsrat, Herr auf Hardenborstel und Hoja, sowie auf Gustaevel und Schönlage, dessen Vater Kurator der Universität war.

Er war mit den Gebrüdern Grimm befreundet. Von August von Arnswaldt wird berichtet, daß er literarisch sehr bewandert war, dass er aber auch von unerbittlicher, religiöser Strenge sein konnte, die ihn dann alle Poesie und Romantik verwerfen ließ.

Über die Ursachen des Scheiterns der Liebesaffären zwischen Heinrich Straube und Annette D. sowie das Liebesverhältnis zwischen August von Arnswaldt und Annette ist viel gerätselt und spekuliert worden. Fest steht, dass die Liebe zwischen Annette und Straube einer Familienintrige zum Opfer gefallen ist, inszeniert vor allem von der Tante Anna von Haxthausen, die vier Jahre jünger war als Annette und 1830 August von Arnswaldt heiratete. Fraglich sind allerdings die Gründe für die Intrige. (…)

Heinrich Straube und August von Arnswaldt gehörten beide dem Bökendorfer Kreis an und lernten hier Annette von Droste Hülshoff kennen. (…) Initiatoren, Träger und Mittelpunkt des „Bökendorfer Kreises“ waren zunächst die Brüder Werner und August von Haxthausen, aber auch deren Schwestern, vor allem Anna, die später August von Arnswaldt heiratete; Ludowine und Ferdinandine von Haxthausen gehörten zu diesem Kreis literarisch ambitionierter junger Leute. Sie beteiligten sich zusammen mit vielen Freunden und Bekannten der Familie an der Sammlung von Märchen, Sagen und literarischem Volksgut. Wilhelm Grimm kam erstmals 1811, sein Bruder Jakob 1846 nach Bökendorf. Am häufigsten war dort ihr Bruder, der Maler Ludwig Emil Grimm, zu Gast. Er hielt seine Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen und Karikaturen in Bild und Schrift fest.“ (http://www.arnswald.de/droste-huelshoff.html)

„1820 Die (freundschaftliche) Beziehung zu dem Göttinger Jura-Studenten Heinrich Straube nimmt auf dem Bökerhof nach einer Intrige ein abruptes und unglückliches Ende; diese ‚Jugendkatastrophe’ hat die 23jährige Droste in den Gedichten Die Taxuswand und Blumentod thematisiert.“ (http://www.droste-gesellschaft.de/cms/?navi=27, vgl. http://www.droste-forum.de/droste-galerie) Vgl. http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/annette-von-droste-huelshoff/gedichte-von-droste-huelshoff-mit-illustrationen-von-gerhard-wedepohl.html, dort auch Bild einer Taxuswand, welches aber m.E. dem Gedicht nicht gerecht wird – die Taxuswand muss die Bank verdecken.

Das Geschehen ist relativ einfach: Das lyrische Ich steht vor einer Taxushecke und spricht freudig sie an; dabei erinnert es sich daran, was ihm diese Hecke und das damit verbundene Liebeserleben einst bedeutet haben, als es jung war. Damit kontrastiert es seinen derzeitigen Zustand: „Nun aber bin ich matt“ (V. 41) und alt, die Liebe ist vorbei (V. 28), es möchte nur noch Ruhe haben.

Ich möchte hier lediglich die Bilder und Metaphern untersuchen, welche das lyrische Ich in der Auseinandersetzung mit der Taxushecke und seinen Erinnerungen verwendet; ich halte mich an die Textgestalt, wie sie der erste Link oben bietet.

„Fläche“ (V. 2) ist ein Bild, das noch sehr nah an der Wirklichkeit einer Hecke ist; „schartiges Visier“ ist ein kühneres Bild aus der Welt ritterlicher Bewaffnung – dass das Visier vor der „Brau[e]“ (V. 4) des Liebsten stand, verdankt sich dem Reim (zu „rauh“); angemessen wäre das Gesicht als der hinter dem Visier befindliche Körperteil.

Es folgt ein Vergleich der Taxushecke mit einem grundierten Tuch (V. 5), der sich durch das ganze Gedicht hinzieht (V. 5-8; V. 30; V.42). „Grundieren“: ‚den grund herstellen‘, besonders ‚den ersten anstrich (aus kreide, leim etc.), die untere farbschicht auftragen‘ (DWB). Auf dieser Grundierung ist dann als Bild der bleiche Krönungszug aufgetragen (V. 7 f.). „Bleich“ ist der Zug, weil er längst vergangen ist (vgl. „kalt“, V. 10; „alt“, V. 12; „fort“, V. 28; „damals“, V. 33). Das Bild des Krönungszugs wird ausgestaltet: Dem Ich gehörte damals die Krone (V. 9 f.), ihm wurde gesungen (V. 11 f.); auch der Vergleich des eigenen Rufs mit dem Hornstoß (V. 23 f.) gehört wohl in den Kontext des Krönungszugs. Das zweite Bild, mit dem die Bedeutung der Taxushecke erfasst wird, ist das vom „Vorhang am Heiligthume“ und vom „Paradiesesthor“ (V. 13 f.); das sind zwei unterschiedliche Bilder aus dem Bereich der Religion, welche die Abgrenzung des weltlichen Außen vom heiligen Innen markieren; diese Abgrenzung wird mit den Blumenbildern Dorn/Blume (V. 15 f.) aufgegriffen und in der 3. Strophe sachlich (grüne Gartenbank…) expliziert.

Das Bild vom Paradiestor ist recht konventionell; das Bild vom Tempelvorhang ist ungewöhnlich – es passt nicht zum Bild vom Krönungszug, und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist der Krönungszug etwas Weltlich-Lautes, und zweitens gehört er deswegen vor und nicht hinter den Tempelvorhang. In der 3. Strophe wird das Geschehen hinter den Vorhang verlegt, während der Krönungszug auf dem grundierten Tuch nach der Bildlogik vor dem Vorhang sein müsste. Zu Deutsch: Das grundierte Tuch passt nicht zum Tempelvorhang; im Sinn der Bildlogik hätte die Droste sich etwas bescheidener fassen sollen. Das gilt auch für den Hornstoß (V. 24), der nicht in die reale Idylle der Gartenbank passt.

In der 4. Str. wird die Liebe als zartes „Epheureis“ bezeichnet (V. 25); das passte vielleicht zum Vorhang vor dem Heiligtum. Die Syntax von V. 25-27 verstehe ich nicht, die Längenangabe „Sechs Schritte“ (V. 27) ist vollends unverständlich.

V. 29 wendet das Ich sich von der Vergangenheit in die trübe Gegenwart; „schleichen“ verdankt sich (unpassend) wieder dem Reim, „achtzehn“ dem Rhythmus. „Lebensbuch“ ist ein traditionelles Bild, wozu „Jahre [aus dem Buch] streichen“ (V. 31) passt. Dass die Hecke der „Liebe Thron“ (V. 35) sei, führt zum Bild vom Krönungszug zurück, ist aber sachlich verfehlt: Auf die Taxushecke würde sich wohl niemand gern setzen. Die Bezeichnung „Wächter“ (V. 36) passt jedoch zur Funktion der Abschirmung der Bank vor neugierigen Blicken (vgl. V. 17 f.). Der Kontrast Schlaf/Wachen (V. 37 ff.) passt nicht ganz zum Liebeserleben; hier soll er jedoch vor allem zur Mattigkeit und dem Wunsch nach Ruhe (6. Str.) überleiten. Das Verb „vergleiten“ wird selten gebraucht: ausgleiten, dahingleiten (DWB). „Saum“ (V. 42) ist vom grundierten Tuch (V. 5) genommen; „vergleiten“ passt zum Blattvergleich (V. 43 f.), aber nicht recht zum Saum. Der Vergleich der Taxushecke mit einem Hafen (V. 45 f.) gelingt nicht ganz; hinter der Hecke könnte sich der Bereich der Ruhe eröffnen, aber die Taxushecke selbst erscheint mir nicht wie ein ruhiger Hafen – „Hafen“ verdankt sich dem Reimwort „schlafen“.

Überschaut man die Bilder und Metaphern des Gedichts, so stellt man zwei Schwächen fest: Es sind der Bilder zu viele, sie passen nicht immer zueinander. Zweitens verdanken sich manche nur dem Reim, was eigentlich ein Anfängerfehler ist – meine ich jedenfalls. Die Taxuswand anzusprechen und so die Erinnerung an die vergangene Liebe zu entwickeln, ist allerdings originell.

Eibe/Taxus

http://www.frost-burgwedel.de/index.php?seite=detail/taxus

https://de.wikipedia.org/wiki/Eiben

http://www.baumkunde.de/Taxus_baccata/

http://www.fug-verlag.de/on2314?bildanzeige=7765 (Taxushecke)

http://www.gartenratgeber.net/pflanzen/eiben-taxus-baccata.html (dito)

http://www.emsland.com/emsland/orte/soegel/detail-soegel/detail/klostergarten-clemenswerth.html (dito)

Sonstiges

http://www.nach100jahren.de/ueber-annette-von-droste/ (über die Droste – viele Materialien!)

http://www.deutsche-biographie.de/sfz45558.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.der-schwache-glaube.de/?p=952 (dito)

http://www.schultreff.de/biographien/b0139t00.htm (dito, ohne Bilder)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/index.htm (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/annette-von-droste-huelshoff/gedichte-von-droste-huelshoff-mit-illustrationen-von-gerhard-wedepohl.html (Gedichte mit Illustrationen)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

http://www.youtube.com/results?search_query=lyrik%20f%C3%BCr%20alle%20Folge%2049&sm=3 (Droste bei Lutz Görner: Lyrik für alle, bis Folge 53!)

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Droste-Hülshoff: Am Turme – Analyse

Ich steh’ auf hohem Balkone am Turm…

Text

http://www.poemswithoutfrontiers.com/Am_Turme.html (mit engl. Übersetzung)

http://www.g.eversberg.eu/DUpdf/FrauenLyrik.pdf (dort das 2. Gedicht, mit Erläuterungen)

http://bdsae.org/annette-von-droste-hulshoff-arno-thaller/ (mit Parodie plus Erläuterungen dazu)

http://www.poezio.net/version?poem-id=543&version-id=1089,1090 (mit Übersetzung in Esperanto)

Das Gedicht, 1842 entstanden, ist recht einfach zu verstehen: Eine Frau spricht als lyrisches Ich von ihren Wünschen (Str. 1-3), die dem entgegenstehen, was sie tun muss (Str. 4): Sie möchte mit dem Sturm kämpfen (V. 5 ff.), möchte in die schäumenden Wogen springen und das Walross jagen (V. 13 ff.), möchte im mit den Wellen kämpfenden Schiff das Steuerruder ergreifen und losjagen (V. 21 ff.). Die einzige Möglichkeit, solche wilde Freiheit zu leben, besteht darin, dass sie offensichtlich allein „auf hohem Balkone am Turm“ (V. 1) steht und ihr offenes Haar im Wind flattern lässt („gleich einer Mänade“, V. 3, also gleich einer der ausgelassenen Frauen im Gefolge des Dionysos). In der letzten Strophe erklärt sie ihre Wünsche und ihr Tun: Wäre sie ein Mann, „so würde der Himmel mir raten“ (V. 28), d.h. es gäbe Gelegenheit, ihre wilden Wünsche auszuleben: als Jäger, als Soldat oder anders. Nun (V. 29), da sie „nur“ eine Frau ist, muss sie „sitzen so fein und klar / gleich einem artigen Kinde“ (V. 29 f.), was für eine Erwachsene demütigend ist, und darf „nur heimlich lösen mein Haar / und lassen es flattern im Winde“ (V. 31 f.) – eine symbolische Handlung, die den Anspruch auf Freiheit und freie Bewegung (statt stillem Sitzen) verborgen auszuleben erlaubt.

Die verschiedenen Szenen ihrer Freiheitsfantasien ergeben sich aus den Beschränkungen, denen Frauen zu ihrer Zeit (19. Jh.) unterliegen, und aus ihrem Standort mit seinen Möglichkeiten: Sie steht auf dem Balkon am Turm (V. 1) und erlebt dort den freien Wind; sie schaut hinunter auf den Strand (V. 9, evtl. des Bodensees) und sieht „drüben“ im Wasser einen Wimpel wehen (V. 17).

Das Gedicht besteht aus vier Strophen, die zweigeteilt sind: Situation/Wunsch (Str. 1-3) bzw. irreale Möglichkeit/Wirklichkeit (Str. 4). Jeweils zwei Verse bilden eine rhythmische Einheit mit ihrem Wechsel von 4 und 3 Hebungen, dem Kreuzreim und männlichem/weiblichem Schluss, was ein zügiges Durchsprechen der Doppelverse erfordert (meistens Enjambements). Die Füllungen zwischen den Hebungen sind frei; die erste Silbe eines Verses ist meistens unbetont (außer V. 14, 25, 27, 30), was das zügige Sprechen erleichtert. Für die Semantik der Reime muss man nur die jeweils zweiten Verse betrachten: schreiende Stare / flatternde Haare (V. 2/4: wildes Erleben); kräftig umschlingen / ringen (V. 6/8: Kampf); usw. Die Sprachebene liegt oft über der Umgangssprache (umstrichen vom Stare, V. 2; gleich einer Mänade, V. 3; o toller Fant, V. 5; Sehne an Sehne, V. 7; usw. Ein Fant ist ein junger Bursch, abwertend bezeichnet; „Sehne an Sehne“: im direkten körperlichen Kontakt). Formal gleichen sich die Strophen mit ihrer Teilung nach dem 4. Vers, dem dreimaligen o- im 5. Vers und dem und-Anschluss im 7. Vers.

Wenn man das Gedicht biografisch liest, zeigt es die Unzufriedenheit resp. Sehnsüchte und die Selbstbeschränkung einer 45jährigen unverheirateten adeligen Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts; es gelingt ihr nicht, ihrer Neigung zu folgen und aus dem vorgegebenen Lebenskreis mit seinen Konventionen auszubrechen, wozu sicher auch ihre Mutterbindung und ihre starke Religiosität beigetragen haben.

Wenn man in Ruhe über das Gedicht nachdenkt, muss man feststellen: Viel ist der Droste hier nicht eingefallen. Selbst wenn man die konservative, weil letztlich rollenbestätigende Fantasie „Ja, wenn ich ein Mann wäre…“ akzeptiert, sind die darin fantasierten Lebensvollzüge nur die von körperlich kräftigen jungen Männern; Jäger und Soldaten werden genannt – bedeutende Jäger und Soldaten des 19. Jahrhunderts kenne ich allerdings nicht. Jäger und Soldaten standen in Diensten des Adels, also im Rang unter der Droste, sie werden als knackige Jungs fantasiert. Die Reduktion des Mannes auf die körperlich sich frei entfaltende Kraft entspringt der kompensatorischen Fantasie einer älteren kränklichen Dame; emanzipatorisch und sachlich bedeutsam war das Gedicht bereits für ihre Zeitgenossen kaum, höchstens als Zeugnis des Leidens an der Frauenrolle. Auch wenn „Am Turme“ heute zu den (feministisch) geschätzten Gedichten der Droste gehört, ist es allenfalls historisch interessant: als Zeugnis des Leidens, nicht als Formulierung einer Utopie.

http://board.raidrush.ws/threads/384522-Gedichtsinterpretation-Annette-von-Droste-H%C3%BClshoff-%E2%80%9EAm-Turme%E2%80%9C

http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/154661,0.html (wie man so interpretiert)

http://lyrikonline.hep-verlag.ch/mod/data/view.php?d=2&rid=254 (Text plus kurze Erklärung)

http://de.wikipedia.org/wiki/Am_Turme

http://blogs.cornell.edu/glp-kpp25/2011/12/08/5-die-bedeutung-des-meeres-interpretationen-von-frauen-zu-verschiedenen-zeiten/

Vortrag

http://vorleser.net/droste_turme/hoerbuch.html (Julia Nogli, etwas zu schnell)

http://www.lutzgoerner.de/gdt/248/ (Lutz Görner, als er noch jünger war: gut, noch etwas schematisch)

http://www.rezitator.de/gdt/569/ (Lutz Görner, etwas älter: besser)

Sonstiges

http://www.nach100jahren.de/ueber-annette-von-droste/ (über die Droste – viele Materialien!)

http://www.deutsche-biographie.de/sfz45558.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.der-schwache-glaube.de/?p=952 (dito)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/index.htm (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/annette-von-droste-huelshoff/gedichte-von-droste-huelshoff-mit-illustrationen-von-gerhard-wedepohl.html (Gedichte mit Illustrationen)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

http://www.youtube.com/results?search_query=lyrik%20f%C3%BCr%20alle%20Folge%2049&sm=3 (Droste bei Lutz Görner: Lyrik für alle, bis Folge 53!)

Droste-Hülshoff: Am letzten Tage des Jahres – Analyse

Das Jahr geht um…

Text

http://www.gedichtepool.de/autor/autor_d/droste.htm

http://www.g.eversberg.eu/DUpdf/FrauenLyrik.pdf (dort S. 3)

http://users.unimi.it/dililefi/CASTELLARI/Antologie/Antologia%20A&B_2011_12.pdf (dort S. 34 – diese Auswahl zeigt, welchen Stellenwert das Gedicht in der deutschen Literatur hat)

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=57

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von/Gedichte/Geistliches+Jahr+in+Liedern+auf+alle+Sonn-+und+Festtage (der unmittelbare Kontext: Das geistliche Jahr)

Drostes Gedicht „Am letzten Tage des Jahres (Sylvester)“ ist das letzte Gedicht ihres großen Zyklus „Das geistliche Jahr“; durch den klugen Kommentar Winfried Woeslers (Gedichte und Interpretationen, Bd. 4, RUB 7893, S. 147 ff.) bin ich darauf hingewiesen worden, dass man das Gedicht nicht ohne Kenntnis des Zyklus verstehen kann. Zunächst also einige Informationen zu diesem Zyklus:

„1819/20 hatte Annette von Droste-Hülshoff mit der Arbeit an ihrem ‚Geistlichen Jahr’ begonnen. Ursprünglich war das Werk – geistliche Lieder, die sich rund um das Kirchenjahr drehten – als erbauliche Lektüre für die Großmutter Anna Maria von Haxthausen gedacht, die selbst religiöse Gedichte verfasste. Die Autorin bemerkte jedoch bald, dass sich ihre Verse nicht für die fromme Großmutter eigneten, da aus ihnen ein Bekenntnis des Seelenzustandes der Droste, die von Glaubenszweifeln gequält wurde, herauszulesen waren. Sie schenkte den ersten Teil des ‚Geistlichen Jahres’ der Mutter mit einem Brief, in dem sie erklärend auf die Problematik der Gedichte einging. Therese von Droste las das Werk und legte es kommentarlos in einen Schrank. Einige Tage später nahm die dichtende Tochter das ‚Geistliche Jahr’ wieder an sich und betrachtete es fortan wieder als ihr ‚geheimes Eigenthum’.“ (http://www.nach100jahren.de/therese-von-droste/) „Fast zwanzig Jahre später nahm die Autorin die Arbeit auf Drängen ihres literarischen Mentors Christoph Bernhard Schlüter wieder auf. Im Laufe des Jahres 1839 entstanden 46 weitere Texte, deren Abfassung die Droste psychisch und physisch sehr angriff. »Das Hingeben an die rein religiöse Poesie«, schrieb sie, habe »etwas den Körper und alle Nerven zu furchtbar Erschütterndes«. Damals war die 42-Jährige bereits schwer von Krankheit gezeichnet. Sie schrieb einem Freund: »bethen Sie für mich, daß ich nicht gar zu unreif weggenommen werde, – es hat große Gefahr! der heftige Blutandrang nach dem Kopfe nimmt von Jahr zu Jahr mehr Ueberhand, und ich zweifele kaum an einem plötzlichen Ende. – doch darf ich plötzlich nennen was ich Jahre lang voraus sehe? so lassen wir Gottes Gnaden verkommen.« An Schlüter schrieb die Autorin: »Wollte Gott, ich könnte diese Lieder herausgeben, es wäre gewiß das Nützlichste, was ich mein Lebelang leisten kann, … aber es geht nicht.« Sie spielt hier auf familiäre Rücksichten an, die sie zu nehmen hatte. Als eine Art literarischer Testamentsvollstrecker gab Schlüter den Text 1851 aus dem Nachlass der Autorin heraus.“ (http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000081&article_id=00000068&SID=rawyvopflb)

Clemens Heselhaus berücksichtigt in seiner Analyse (in: Die deutsche Lyrik, Bd. II, hrsg. von Benno von Wiese, S. 159 ff.) die Textgeschichte und verschiedene Lesarten – dazu fehlen mir die Hilfsmittel; ich möchte nur die Grundzüge einer Analyse liefern. Es fällt sogleich auf, wie stark das Gedicht von der Todesthematik beherrscht wird. Dafür mag es zwei Gründe geben: a) Zum Rückblick an Silvester gehört für die Droste offenbar der Blick auf die Toten des Jahres und der Gedanke ans eigene Ende, wie das Gedicht „Silvesterabend“ zeigt:

„Am letzten Tage des Jahres
Da dacht‘ ich, wie mancher tot,
Den ich bei seinem Beginne
Noch lustig gesehn und rot;
Wie mancher am Sargesbaume
Gelacht unterm laubigen Zelt,
Und wie vielleicht auch der meine
Zur Stunde schon sei gefällt.“

b) Wichtiger ist die Tatsache, dass „Das geistliche Jahr“ das Kirchenjahr begleitet, aber nicht mit dem letzten Sonntag nach Pfingsten endet, sondern eben mit dem bürgerlichen Jahresende; gleichwohl wirkt sich die eschatologische Thematik des Kirchenjahresendes auch hier aus.

Der zeitliche Rahmen ist die letzte Stunde des Jahres vor Mitternacht (V. 3 – Läuten um Mitternacht, V. 51), die erlebt wird: „Das Jahr geht um“ (V. 1) – „Das Jahr ist um!“ (V. 54); es handelt sich jedoch um ein fiktives Erleben – die Droste war Silvester 1839 krank und hat das Gedicht im Januar 1840 geschrieben. Das Gedicht ist eine gedichtete religiöse Selbstdarstellung“ (Heselhaus); das lyrische Ich übernimmt „die Rolle des religiösen Sprechers“ (Woesler), der vorbildlich am Jahresende dem eigenen möglichen Tod begegnet, sein Gewissen erforscht, zerknirscht ist und Gott um seine Gnade bittet.

Das Ich setzt sich bewusst der letzten Stunde des Jahres aus und wird so gewahr, wie schnell das Jahr vergangen, wie der (Lebens)Faden sausend abgerollt ist (V. 1 f.). Am Bild der Sanduhr, auch „Stundenglas“ genannt, offenbart sich dem Ich die Todesnähe: Das letzte Stündchen des Jahres verweist auf die eigene letzte Stunde (V. 3, vgl. auch V. 11 f.), der Sand rieselt „in sein Grab“ (V. 4), was den Tod der einst lebendigen Zeit (Personifikation) bedeutet. Das Ich spricht die Zeit selber an (V. 10), die Todesnähe macht es schaudern (V. 10).

Vor dem Tod hat der Christenmensch sein Gewissen zu erforschen; die Katholiken waren angehalten „Reue und Leid zu erwecken“ (so z.B. in einer Sage aus Baden). Das Ich erkennt seine schlimmen Verfehlung (Str. 3), der Sturm begleitet die Gewissenserforschung (Str. 4, wird zum Bild seines schlechten Treibens, Str. 5). Der Vorwurf „Du Sündenkind!“ (V. 24) leitet zu einer neuen Selbstanklage über (Str. 5). Zum Verständnis der Trümmerbilder (5. Str.) muss man wissen, „daß die Droste den Zustand der Gott nahen Seele immer wieder im Bild des festen Gebäudes, den der Gott fernen Seele mit Hilfe der Trümmer metaphorisch ausdrückt“ (Woesler – so zum Beispiel hier oder hier).

Darauf wendet das Ich sich wieder seiner Umgebung zu (Lämpchen, 6. Str.), die Öllampe wird ihm zum Symbol des eigenen schwindenden Lebenslichts, mit Ausblick auf das offene Grab. Die hier und in V. 37-39 geäußerte Todeserwartung war in einer ursprünglich zwischen V. 36/37 eingeschobenen Strophe mit dem Hinweis auf eigene Krankheiten begründet worden (C. Heselhaus; vgl. „Am Sonntage nach Weihnachten“). Damit verbindet sich erneut die Selbstanklage (V. 40-42). Wieder wendet sich das Ich von seinem Innern nach außen und sieht einen Stern (V. 45), der ihm als Stern der Liebe (Gottes) Hoffnung und zugleich den Vorwurf der Verzagtheit macht (V. 46 ff.) – das Ich ist zutiefst unsicher, wie es vor dem richtenden Gott bestehen soll. Solche ambivalente Angst ist das Ergebnis eines Glaubens, der massiv mit Höllendrohungen operierte – schon der kleinste Fehler beim Bereuen oder Beichten konnte ewige Verdammnis nach sich ziehen („ekklesiogene Neurose“).

Da hört das Ich die Glocken zur Mitternacht läuten: „Horch, welch Gesumm?“ (V. 49) Statt dass sie ihm wie dem verzweifelten Faust Erlösung verkünden, tönen sie erneut „Sterbemelodie!“ (V. 50) Da rafft das gepeinigte Ich sich zu einem Gebet an Gott im Vertrauen auf dessen Gnade auf: „O Herr! Ich falle auf das Knie: / Sei gnädig meiner letzten Stund!“ (V. 52 f.) Der letzte Vers „Das Jahr ist um!“ nimmt V. 1 auf und rahmt so die ganze Äußerung; im Anschluss an V. 50 ff. und den Hinweis auf die letzte Stunde (V. 53) bedeutet der Vers etwa: Mein Tod ist nah, die letzte Stunde hat geschlagen.

Das Gedicht lebt vom Wechsel der Perspektive: Das Ich blickt nach außen und nach innen, es erlebt und es reflektiert das alles, was ihm dabei an Symbolen des Todes und des Gerichts begegnet. Innen- und Außenwelt greifen ineinander, wie die Personifikationen zeigen (Zeit, 9 f.; Jahr, V. 20-22; der Docht, V. 32 f.; die Glocke, V. 51).

„Das Gedicht ist alternierend gebaut, mit dem ungewöhnlichen Reimschema abcbca; die letzte Zeile bezieht sich – wiederum einen kleinen Kreis bildend [wie der Jahreszyklus, N.T.] – also jeweils auf die erste zurück. Diese durch den Reim gebundenen ersten und letzten Zeilen einer Strophe haben nur vier Silben, alle Verse einen betont männlichen Ausgang.“ (Woesler) Die vielen Enjambements lockern aber diese starre Form auf. Heselhaus hält den Wechsel von Halbversen und vollen Versen für semantisch bedeutsam – gegen solche Einsichten bin ich skeptisch. Ich schaue lieber auf die Semantik der Reime bzw. reimenden Verse: Faden sollt sich ab / Zeit rieselt ins Grab (V. 2/4, Entsprechung); was mir aus dem herzen stieg / halber Sieg (V. 15/17, Vorgang-Ergebnis). Viele Reime kann man jedoch nicht so verstehen, weil am Versende der Satz, also die Sinneinheit weitergeht (V. 9, 10, 11, 16, 19 usw.).

Woesler weist auf die Fragen hin, die sich zum Schluss des Gedichtes häufen (V. 8, 25, 35, 44-49). Sie zeigen seines Erachtens, „welche existenzielle Problematik die Autorin bewegt (…) Hier hält sie bewußt die Schwebe zwischen existenzieller Angst und fiktionaler Wirklichkeit“ (vgl. V. 37-39). Mit solchen Verweisen vom lyrischen Ich auf die Autorin muss man vorsichtig sein; ohne ausdrücklichen Nachweis biografischer Entsprechungen sind solche Verweise fragwürdig, aber der Jahreszyklus scheint doch einiges Persönliche der Droste zu enthalten. („Am Sonntage nach Weihnachten“ spricht die Droste offensichtlich von ihrer eigenen Geschichte als der einer oft Kranken.)

Ich verweise (im Anschluss an Woesler) auf einige wenige Gedichte der Droste, die unser Gedicht erhellen können: „Neujahrsnacht“, enthält christliche Reflexionen zum Jahreswechsel; „Am Pfingstmontage“, voll Spannung zwischen Zweifel und Glaubenwollen. Für das selbstquälerische Sündenbewusstsein, das in unserem Gedicht als literarische Fiktion präsentiert wird, verweise ich auf die Links zur ekklesiogenen Neurose – auch wenn manche heute meinen, solche Neurosen leugnen zu dürfen, hat es sie gegeben.

Vortrag

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000081&article_id=00000068&media_id=00000204#Audio

Das geistliche Jahr

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Werk/Lyrik/GeistlicheGedichte

http://www.nach100jahren.de/tag/geistliches-jahr/

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Droste-HuelshoffAnnetteVon 

Sonstiges

http://www.deutsche-biographie.de/sfz45558.html (Biografie)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.der-schwache-glaube.de/?p=952 (dito)

http://www.nach100jahren.de/ueber-annette-von-droste/ (über die Droste)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.wissen-im-netz.info/literatur/droste/gedichte/index.htm (dito)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

ekklesiogene Neurose

http://de.wikipedia.org/wiki/Ekklesiogene_Neurose

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173662.html

http://religionskritik4.blogspot.de/2016/11/pathogene-religiositat.html

http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=483

http://www.stadtgottes.de/stago/ausgaben/2012/09/themen/Zwangsneurosen.php

http://www.kirchenopfer.de/dieopfer/seelischestoerungen/index.html

https://portal.hogrefe.com/dorsch/ekklesiogene-neurose/

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=1643622&k_produkt=1840090

Droste-Hülshoff: Im Grase – Analyse

Süße Ruh’, süßer Taumel im Grase…

Text

http://www.poemswithoutfrontiers.com/Im_Grase.html (mit engl. Übersetzung)

http://www.lyrik-und-lied.de/ll.pl?kat=typ.show.poem.eb&&ds=389&id=586&add=&start=0

http://www.g.eversberg.eu/DUpdf/FrauenLyrik.pdf

„Im Grase“, vermutlich 1844 entstanden, gibt den Interpreten viele Rätsel auf, wie Heinz Rölleke in seiner Interpretation (in: Gedichte und Interpretationen, Bd. 4, RUB 7893, 1983/2000, S. 158 ff.) darlegt. Ich kann hier nur meine Lesart darstellen, indem ich kenntlich mache, wo und wie ich die im Gedicht vorhandenen Ellipsen oder Leerstellen fülle und warum ich es gerade so tue.

Es spricht ein lyrisches Ich, das in einer Wiese zu liegen scheint (V. 2, V. 5) und eine Liebessituation erlebt. Wenn man sorgfältig liest, wird man diese Situation jedoch nur für eine imaginierte halten können; denn die drei Wenn-Sätze (V. 4, 5, 9 ff.) passen nicht in eine erlebte Situation, sondern nur in eine vorgestellte.

Das Ich stellt sich also vor, in süßer Ruh im Gras zu liegen (V. 1 f.), während die/der Liebende sich über einen beugt und lacht und spricht (V. 5-7). Diese Situation ist vor allem süß (V. 1, wiederholt), ist ein „Taumel“ (V. 1), reißt hin und weg wie eine Flut (V. 3), die tief (wiederholt) und trunken (t-Alliteration, V. 3) ist. Es folgen zwei Wenn-Sätze, die sich auf die ganze bisherige Beschreibung beziehen können, vielleicht aber auch nur auf die Existenz der in V. 3 gepriesenen tiefen Flut. Die Wenn-Sätze geben hier keine Bedingung an, sondern sind im Sinn einer Aufzählung zu lesen: „Und wenn dann die Wolke verraucht…“ Die in dieser Situation verschwindende Wolke gibt es später auch bei Brecht („Erinnerung an die Marie A.“: „Und als ich aufsah, war sie nimmer da.“). Das Flut-Erleben wird im Bild vom schwimmenden Haupt aufgenommen (V. 5); Taumel und Müdigkeit (V. 1, 5) können sich nach dem Liebesakt einstellen. Die Taumel-Bewegung ist auch in den Äußerungen der/des Liebenden: Das Lachen „gaukelt“, die Stimme „säuselt und träuft [tropfenweise rinnen]“ herab, eben wie eine Lindenblüte fällt (V. 8) – die Lindenblüte ist m.E. wegen ihrer eigenartigen Bewegungsweise vergleichsweise genannt, nicht wegen der Symbolik des Lindenbaums, sie gaukelt und schaukelt. „gaukeln“ (= „Lächerliche Bewegungen, possenhafte Stellungen, wunderliche Geberden machen“, Adelung 1811) ist wie die anderen Verben metaphorisch gebraucht.

Es folgt im Vergleich der fallenden Lindenblüte eine Überraschung: wie die Blüte „auf ein Grab“ (V. 8) fällt. Dieser Zielort passt eigentlich gar nicht in eine Liebessituation – wenn er trotzdem nebenher und scheinbar harmlos genannt wird, deutet das in einem die Vergänglichkeit der Liebe an. Dieser dezente Hinweis wird im folgenden Wenn-Satz (2. Strophe) ausdrücklich aufgegriffen: In der Vorstellung des Ichs werden in der Situation erfüllter Liebe (1. Str.) auch die vergangenen Liebesgeschichten wieder lebendig: Wenn jede [Liebes]Leiche zum Leben erwacht und sich rührt, wenn alle die toten Schätze sich „berühren mit schüchternem Klang“… – dann findet die gegenwärtige Liebe ihren Zielort wie die Lindenblüte, dann erweisen sich aber auch die alten „toten“ Liebschaften als nicht gänzlich vergangen: Sie „berühren sich mit schüchternem Klang / Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt“ (V. 15 f.). Was „im Schutt verwühlt“ (V. 14) war oder schien, vermag noch leise, schüchtern (V. 15) nachzuklingen, ist also nicht gänzlich zertrümmert und verloren, wenn auch vergangen: „Tote Lieb’, tote Lust, tote Zeit“ (V. 15), alle toten Liebenden erwachen zu einem scheuen Leben.

Hier wechselt das Ich seine Perspektive: Es tritt reflektierend zur Betrachtung der süßen Ruh und der tiefen Flut zurück und bedenkt (3. Str.), dass sie ihre Vergänglichkeit in sich tragen (vgl. V. 8 und die 2. Str.): Es sind Stunden flüchtiger „als der Kuß / Eines Strahls auf den trauernden See“ (V. 17 f.), also aufs ganze (Er)Leben gesehen nur ein Moment – wobei der Kuss des Strahls (Metapher) direkt in den Bereich der Liebe verweist; dieser Vergleich wird noch dreimal variiert. Im kleinen Lied des Vogels „aus der Höh“ werden das süße Lachen und die liebe Stimme (V. 6 f.) aufgegriffen, die genauso herabtropfen wie des Vogels Lied (träufen/niederperlen, V. 7/20). Des Käfers Blicht- oder Lichtstrahl (V. 21) nimmt in seinem Nu noch einmal den Sonnenstrahl (V. 17 f.) auf; es folgt der kurze Händedruck beim Abschied als Signum der Flüchtigkeit (V. 23 f.). Kuss und Händedruck, Zeichen der Liebe, rahmen die naturhaften Phänomene flüchtigen Lebens ein. Das Ich hat die Wahrheit über die Stunden der Liebe offengelegt – doch in welchem Ton hat es gesprochen? Es hat die Flüchtigkeit, die Vergänglichkeit des Schönsten beklagt: „Auch das Schöne muß sterben!“ (Schiller: Nänie) Dieser Einsicht setzt das lyrische Ich sein großes „Dennoch“ (V. 25) entgegen. Es wendet sich an den „Himmel“ (V. 25) und bittet mit Inbrunst: „[Gib] immer mir nur / Dieses Eine“ (V. 25 f.), die vergängliche Liebe. Dabei greift es die drei in der 3. Strophe genannten flüchtigen Phänomene auf: den singenden Vogel, den blitzenden Lichtstrahl, die drückende Hand (V. 26 ff.) – sie alle sollen trotz ihrer Kürze einen Liebespartner finden: der Vogel eine mit ihm ziehende Seele, der Strahl einen farbigen Saum (s.u.), die Hand den antwortenden Händedruck des Ichs. Im letzten Vers fasst das Ich seine guten Wünsche zusammen: „Und für jedes Glück meinen Traum“ (V. 32). Der Traum vom Glück soll der Begleiter jedes Glücks sein und bleiben, auch wenn das Glück nach eigener Einsicht immer flüchtig ist. Zu solchem Glück sagt das Ich „Ja“. Dies wird auch durch die drei Possessiva der 1. Person (V. 30-32) bekräftigt. Das Ich könnte auch die beiden letzten Verse aus Schillers „Nänie“ zitieren:

„Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.“

Es bleibt noch zu klären, was der farbig schillernde Saum (V. 30) sein könnte; ich denke an die Spektralfarben, die jeder gebrochene Lichtstrahl erzeugt. Selbst der kärgliche (knappe, ärmliche, schlechte) Strahl vermag noch ein buntes Spektrum zu erzeugen; selbst die flüchtige Liebe kann Erfüllung und Glück bringen – soll es immer wieder bringen, bittet das Ich den Himmel (Gott).

Bisher haben wir v.a. die sprachlich-gedankliche Bewegung des lyrischen Ichs verfolgt: Wie es zu Beginn mitfühlend seine Vorstellung einer Liebesbegegnung mitsamt der Erinnerung an vergangene Lieben beschrieben, wie es dann im zweiten Teil sich reflektierend und bewertend der Erfahrung der Flüchtigkeit aller Liebe gestellt hat. Jetzt müssen wir uns zumindest kurz dem Rhythmus und den sprachlichen Feinheiten zuwenden. Die Verse umfassen acht oder neuen Silben, sie weisen dabei drei oder vier Hebungen mit freier Füllung auf. Die erste Silbe hat oft einen zumindest schwachen Akzent, die letzte Silbe eines Verses durchweg einen starken; manchmal könnte man streiten, ob 3 oder 4 oder auch nur 3½ Hebungen vorliegen – soll man zum Beispiel die drei „Wenn“ betonen? Soll man in V. 13 nicht nur die drei Nomina, sondern auch die erste Silbe (Tó-) betonen? Der einzige Vortrag, den ich kenne (Lutz Görner), kann hier nicht weiterhelfen. Jeder zweite Vers ist durch Paarreim an sein Pendant gebunden; da zwei Verse jeweils als syntaktisch-semantische Einheiten verstanden werden können, ist es nicht verwunderlich, dass sich durchweg sinnvolle Reime ergeben: vom Aroma umhaucht / am Azur verraucht (V. 2/4, zwei Eindrücke); gaukelt herab / wie die Blüte aufs Grab (V. 6/8, Abwärtsbewegung); usw. Die einzige Ausnahme bildet V. 26, wo der Einschnitt mitten im Vers liegt und am Ende ein Enjambement den Gedanken fortführt. Das ergibt insgesamt ein bewegtes Sprechen, das doch nach jedem zweiten Vers einen Ruhepunkt findet. Die zahlreichen Wiederholungen (süß, tief, Flut, leise, tote, jeder, wenn), vor allem aber die Aufzählungen und der Satzbau (häufig Einschnitte am Versende, auch in den Versen mit ungerader Nummer) dämpfen das Tempo deutlich, während Enjambements es unregelmäßig beschleunigen (V. 5, 7, 9, 15?, 17, 25, 27, 29). Rölleke weist auf zahlreiche Assonanzen und Alliterationen (s-, w-, sch-, gl-, l- in V. 1-16) hin. Die beiden Vergleiche am Ende der Strophen 1 und 2 schließen diese ab und setzen die Strophen parallel.

Die Sprachebene ist deutlich höher als die Umgangssprache (Taumel im Gras; Arom’; tief trunkene Flut; usw.), es werden altertümlich-dichterische Ausdrücke verwendet (träufen, V. 7; Odem, V. 11). Die zahlreichen Auslassungen von Vokalen (Ruh’; Arom; trunkne; Lindenblüt’ – allein in Str. 1) dienen dem Rhythmus (Silbenzahl pro Vers) und wirken teilweise „gehoben“.

Wir sollten darauf verzichten, das Gedicht „Im Grase“ biografisch bei der Droste zu verorten – ich weiß auch nicht, ob sie solche Situationen mit ihrem Levin erlebt hat und dabei auf vergangene Episoden zurückblicken konnte. Es genügt, dass hier allgemeine Erfahrungen dichterisch gestaltet sind; dabei ist das bewusste „Dennoch“ der 4. Strophe eine Geste, die dieses lyrische Ich auszeichnet und nicht von jedem Leser mitvollzogen werden wird. – Für eine so streng katholisch erzogene und gebliebene Frau wie die Droste, die ja unverheiratet war, war das im 19. Jh. schon ein recht gewagtes Gedicht.

Das Gedicht stellt hohe Anforderungen an den Sprecher; wenn ich daran denke, dass ich es einmal Schülern meines Philosophiekurses in einer Klausur vorgesetzt habe, kann ich heute nur mit dem Kopf schütteln – das war noch in der Zeit, als ich Klausuren konzipierte, ohne meine Lösungserwartung gleich mit zu formulieren.

http://www.litde.com/stationen-der-deutschen-lyrik/die-wirklichkeit-der-landschaften/von-drostehlshoff-ii-im-grase-alle-poren-zur-natur-geffnet.php

Vortrag

https://www.youtube.com/watch?v=WnlONvqcWew (dort ab 4:55 – Text verändert: Lutz Görner, mit Einschränkungen hilfreich)

Sonstiges

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/fruehromantik/droste/start.htm (Leben der Droste, mit Bildern und Gedichten)

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-H%C3%BClshoff (ähnlich)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt (Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.zgedichte.de/dichter_27.html (dito)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

http://www.xlibris.de/Epochen/Biedermeier (Epoche: Biedermeier)

http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/17/thema-literatur-des-biedermeier-1815-1848/ (dito)

Linde, Symbol

http://www.uni-goettingen.de/de/41770.html

http://www.das-lindenblatt.info/frei/?autor=Michel%20Brunner&titel=Mythos%20Linde&text=mythoslinde

http://www.natuerlich-online.ch/fileadmin/Natuerlich/Archiv/2004/08-04/42-45_Linde.pdf

http://www.bunkahle.com/Kraeuter/Pflanzenbeschreibungen/Linde.pdf

http://www.traumdeuter.ch/texte/4629.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Sommer-Linde

http://www.baumkunde.de/pics/gr/0020pic_more1_gr.jpg (Lindenblüte)

Droste-Hülshoff: Das Spiegelbild – Analyse

Schaust du mich an aus dem Kristall…

Text

http://www.wortblume.de/dichterinnen/spiegbil.htm

http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=63

http://www.hs-augsburg.de/~%20harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Droste/dro_44g4.html (dort das letzte Gedicht)

„Eine Phase höchster poetischer Inspiration erlebte die Autorin im Winter 1841/42, den sie zu Besuch bei ihrer Schwester Jenny von Laßberg auf der Meersburg am Bodensee verbrachte. Angespornt durch ihren ‚Seelenfreund’ Levin Schücking, gelang es ihr, fast täglich ein neues Gedicht zu verfassen. Es entstand damals der Grundstock ihrer zweiten Gedichtsammlung, die 1844 erschien und viele ihrer be­kannten Texte enthält, so Das Spiegelbild, Am Thurme oder die heimatbezogenen Haidebilder mit ihrer Einsicht in die Doppelbödigkeit der Natur.“ (http://www.droste-gesellschaft.de/cms/?navi=2)

Das lyrische Ich erblickt sich im Spiegel; es spricht zu seinem Spiegelbild, um die eigentümliche Erfahrung der Begegnung mit dem eigenen Bild im Spiegel zu verarbeiten. Das ist für mich ungewöhnlich, da ich in solchen Fällen der Spiegelbetrachtung mit mir selbst spreche, nicht zu meinem Spiegelbild. Das Ich erlebt sein Bild als ein ihm Fremdes und setzt sich damit auseinander. Eine  ähnliche Erfahrung finden wir in den Gedichten von Hugo Salus (1866 – 1929, „Das Spiegelbild“: http://gedichte.xbib.de/Salus_gedicht_Das+Spiegelbild.htm: „ein wesenloses Ich“) und Rochus Otto Manderup Heinrich zu Lynar (1793 – 1860, „Das Spiegelbild“: http://gedichte.xbib.de/Lynar_gedicht_061.+Das+Spiegelbild.htm: „Was ist’s, daß mich mein Spiegelbild
/ Unheimlich oft mit Grau’n erfüllt?“); möglicherweise sind sie vom Gedicht der Droste angeregt, vielleicht ist jedoch Lynars Gedicht das älteste [Lynars Gedichte sind bibliografisch mit meinen Hilfsmitteln nicht zu identifizieren].

Das lyrische Ich spricht also sein Spiegelbild mit „du“ an (V. 1), als wäre diese seine Doppelung ein selbständiges Wesen; dies tut es, weil ihm das Bild fremd vorkommt. Zu dieser Fremden (ich nehme an, dass das lyrische Ich für die Droste spricht) steht das Ich in einer ambivalenten Beziehung – diese ist das Thema das Gedichts.

Den Aufbau des Gedichts erfasse ich als eine Dreiteilung: In den ersten beiden Strophen stellt das lyrische Ich die elementare Fremdheit des Spiegelbildes fest (V. 7), relativiert diese aber, indem es die Möglichkeit, das Bild zu lieben oder zu hassen, einräumt, falls dieses als Person aus dem Spiegel herausträte (V. 11 ff. „Und dennoch…“). In der 3./4. Strophe setzt es die Beschreibung seiner möglichen ambivalenten Reaktionen auf diese selbständige Bildperson fort. Die beiden Strophen 5 und 6 gleichen im Aufbau den Strophen 1 und 2: Zuerst wird wieder die Nichtidentität (Fremdheit) beklagt, darauf folgt eine Relativierung mit „Und dennoch…“ (V. 36 ff., vgl. V. 11 ff., wiederum an das [un]mögliche Heraustreten der Person aus dem Spiegel gebunden).

Zunächst (1. Str.) spricht das lyrische Ich über den Beginn einer Begegnung mit seinem Spiegelbild, die es schon öfter erlebt hat (konditional „Schaust du mich an…“, V. 1, mit dem Hauptsatz „dann flüstre ich“, V. 6 f.). Dabei fallen ihm die Augen als bleich (Nebel, V. 2; verbleichen, V. 3), die Gesichtszüge als „wunderlich“ (V. 4 – die „zwei Seelen“ mit dem Spionenvergleich müssen wohl für eine Ambivalenz stehen; sie bezeugen hier Fremdheit, während die zwei Seelen in der eigenen Brust jedem aufmerksamen Selbstbeobachter bekannt sein dürften) auf. Das Bild wird als „Phantom“ erlebt und bezeichnet (V. 7); das ist „ein Blendwerk, eine Erscheinung, ein Gespenst“ (Krünitz), ein „Trug- oder Schreckbild, Luftgesicht“ (Damen Conversations Lexikon, 1834/38): Davon grenzt das Ich sich erschrocken, entsetzt ab: „du bist nicht meinesgleichen“ (V. 7), obwohl der Spiegel ja gerade ein identisches Bild der Person, nur seitenverkehrt, liefert. Worin diese Spiegel-Erfahrung begründet ist, soll zum Schluss bedacht werden.

Die ganze erste Strophe ist ein einziger Satz, wobei hinter V. 3 und V. 6 jeweils eine kleine Pause gemacht wird. Das Tempo des Sprechens ist entsprechend der Erregung des Ichs recht hoch, wozu auch der vierhebige Jambus beiträgt, durchweg mit männlicher Kadenz, nur in V. 3 und 7 mit weiblicher. Das Reimschema ist so eigenwillig wie der Aufbau der Strophe aus 7 Versen: a – a – b – c – c – c – b. Dieser schwungvolle Aufbau hält sich durch; in allen Strophen (bis auf die 5.) wird nach Vers 3 eine Pause gemacht, nur in der 5. nach V. 5. In der 1. Strophe kommt noch eine Pause in V. 6 hinzu (Ende des Nebensatzes hinter „Umschleichen“), ähnlich in der 6. Strophe in V. 7 (hinter dem Einschub: Gedankenstrich). Die einzelnen Verse sind wegen der Satzlänge keine selbständigen Gedanken, daher braucht man prinzipiell nicht nach der Semantik der Reime zu suchen; nur in „Kristall/Nebenball“ (V. 1 f.) liegt vielleicht ein Kontrast vor.

Mit der 2. Strophe wird syntaktisch V. 7 fortgesetzt: Das Subjekt „Du“ ist ausgelassen; diese Ellipse beschleunigt das Sprechen und setzt die anklagende Beschreibung des Phantoms fort: wie es als Traumgestalt das Ich zu Tode erschreckt („eisen“ und „blassen“ als Neologismen). Es folgt in der Rede des Ichs die erste Kehrtwendung „Und dennoch…“ (V. 11); mit der Anrede „dämmerndes Gesicht“ (V. 11) wird die anfängliche Beschreibung (V. 2 f.) aufgenommen, mit dem „Doppellicht“ (V. 12) die anfänglich genannte Ambivalenz (V. 4-6). Das Doppellicht (Neologismus für „Zwielicht“, enthält „die vorstellungen ‚halb, gespalten, geteilt‘ oder ‚zweifelhaft, schwankend“, Deutsches Wörterbuch) ist wiederum sachlich nicht zu erklären – wie das Bild der zwei Seelen in den Gesichtszügen (solches kann man nicht im Spiegel sehen!) – sondern als beschriebene Erfahrung festzuhalten. Es folgt ein eigentümlicher Gedanke: „Trätest du vor“ (V. 13) – was natürlich unmöglich ist, also ein Gedankenexperiment einleitet, welches den Ernstfall realer Begegnung mit dem eigenen Spiegelbild eröffnet: Was geschähe dann? „ich weiß es nicht“ (V. 13), bekennt das Ich, das Bild zu lieben und zu hassen wäre möglich: Ambivalenz gegenüber dem eigenen Bild. Die hier noch nicht zu klärende Sachfrage ist, ob damit auch eine Ambivalenz gegenüber dem eigenen Ich ausgedrückt wird, welches man nach allgemeinem Verständnis (wenn auch nicht zwingend!) doch liebt – möglich ist es, aber nicht zwingend erforderlich; denn die Erfahrung mit dem eigenen Spiegelbild ist recht eigentümlich, wie zum Schluss noch erklärt werden soll.

Die Sprache des lyrischen Ichs ist gehoben („der Träume Hut“, V. 8; Neologismen sind die Verben „eisen“ und „blassen“, eine Locke blassen, V. 10). Die Reime „dämmerndes Gesicht / Doppellicht“ (V. 11 f.) verbinden Ähnliches, „hassen“ (V. 14) könnte als Reaktion auf „blassen“ (V. 10) verstanden werden. Auf der gleichen Sprachebene bewegt sich das lyrische Ich in der 3. Strophe (Gedanken leisten Fron, V. 16; des Auges Glast, V. 18 – „Glast“ ist so viel wie „Glanz“: „Im Oberdeutschen ist statt dessen von alten Zeiten her auch Glaß, Glast, Glest, Glis, Gliz üblich gewesen. Der tag mit siner glesten, König Wenzel. Din spilnder ougen glast, der von Gliers. Der lichten Sonnen glast, S. Sachs. Aus welchem Worte es durch die sonst nicht ungewöhnliche Einschaltung des n entstanden ist, wo es nicht unmittelbar von beyder gemeinschaftlichem Stammworte Glo, Lo, Licht, gloa, leuchten, herkommt.“ (Adelung, 1811)

Wie gesagt, wird in den Strophen 3 und 4 konsequent die Ambivalenz des Ichs gegenüber dem potenziell eigenständigen Spielbild durchgespielt: Verehrung der tiefen Gedanken (der Stirn), aber große Distanz gegenüber dem kalten Blick (3. Str.); liebevolle Zuwendung zu des Mundes weichen Zügen, aber Abscheu vor seinen höhnenden Worten (4. Str.) – das zielt schon eindeutig auf eine Stellungnahme gegenüber dem eigenen Ich, nicht bloß gegenüber dem Bild; die großen Gedanken und der Spott sind nämlich dem Bild nicht anzusehen, die kennt das Ich von sich selbst, auch wenn es dafür leicht verzerrte Gesichtszüge bemüht (V. 27).

Bei den Reimen fallen „Thron / Fron“ (V. 15 f.), „schüchtern blicken / weit rücken“ (V. 17/21), „kalter Glast  / gebrochen fast“ (V. 18 f.), „lind / Kind“ (V. 22 f.), „bergen / fliehen wie vor Schergen“ (V. 24/28) und die drei Reime V. 25-27 als semantisch korrespondierend auf. Auch in der 4. Strophe liegt das Ich wieder deutlich über dem Niveau der Umgangssprache (Fron leisten, kalter Glast, ein scheuer Gast, Schergen). In V. 18-20 fällt auf, dass dem Gesicht des Bildes eine Todeskälte zu entströmen scheint (Adjektive: kalt, tot, gespenstig); die Wirkung dieser Kälte hat das Ich gleich zu Beginn seiner Begegnung mit dem Bild bereits verspürt (V. 9 f.).

In den Strophen 5 und 6 wird die gleiche Bewegung wie in den Strophen 1 und 2 vollzogen. Der Beginn „du bist nicht ich“ (V. 29) und die Bestürzung über die Fremdheit des Bildes entsprechen fast wörtlich V. 7; darauf folgt erneut die ambivalente Zuwendung zum Bild, eingeleitet mit der Partikel „dennoch“ (V. 36, vgl. V. 11). Der Schluss ist jedoch keine platte Wiederholung, sondern weist gegenüber der gleichen Figur zu Beginn auch Neues auf. In Str. 5 wird der Gedanke mehr als angedeutet, dass die Seele des als fremd erkannten Bildes (dreimal „fremd“, V. 30, 33) im Inneren des lyrischen Ichs schlummert. Dieser Gedanke wird zwar rhetorisch abgewehrt („Gnade mir Gott“, V. 34, plus Konjunktiv II in V. 35 – „ruhet“ ist die vom Reim geforderte Umwandlung des Konjunktivs „ruhte“), aber indem er ausgesprochen und abgewehrt wird, wird er schon als wahr anerkannt. Der Vergleich mit dem Zögern des Moses vor dem brennenden Dornbusch (Ex 3) ist nicht nur Ausdruck gehobener Frömmigkeit, sondern auch ein wenig verfehlt: Moses ging ganz unbeschwert auf den Dornbusch zu, weshalb der HERR ihm Zurückhaltung gebieten musste („Komm nicht näher heran!“ Ex 3,5).

Auch die Reaktion auf das aus dem Rahmen heraustretende Spiegelbild fällt ein wenig anders als bisher aus; das Ich bekennt nämlich, sich „Zu deinen Schauern wie gebannt“ zu fühlen (V. 37), was es im Vergleich als Verwandtschaft erkennt (V. 36). Schauer: „Eine schnell vorüber gehende Erschütterung der Haut, dergleichen man bey einem plötzlichen Anfalle der Kälte, bey einem hohen Grade des Schreckens, des Abscheues, der Angst u. s. f. empfindet.“ (Adelung, 1811) Die Schauer des Bildes sind also diejenigen, welche es beim Ich auslöst, und mit dem Schrecken verbindet sich die Faszination („gebannt“, V. 37) – diese Verbindung ist von Rudolf Otto als typisch für die Begegnung mit dem Göttlichen (Numinosen) beschrieben worden. Wenn Liebe sich mit der Furcht verbindet (V. 38), ist das die entsprechende Antwort auf die Erfahrung des numinos Fremden.

Das erwartete leise Zittern (V. 41, statt der Flucht, vgl. V. 21 f., und des Hasses, V. 14, der der bloßen Furcht gewichen ist, V. 38) drückt die erfahrene Ambivalenz aus. Durch „Mich dünkt“ (V. 42) ein wenig relativiert, bleibt als negative Reaktion nur „um dich weinen“ (V. 42) übrig. Dieses Weinen muss man nach Hass (V. 14), Flucht (V. 21), Furcht (V. 38) als Abschwächung der bisherigen Ablehnung begreifen; sachlich ist die Bedeutung von „weinen um dich“ nicht ganz klar so wird am ehesten ein Verlust ausgedrückt (http://www.myvideo.de/watch/7797687/Zarah_Leander_Ein_paar_Traenen_werd_ich_weinen_um_dich; vgl. „Du hattest schon einen Platz, kleine Maus, doch wir haben Dich verloren und wir weinen um Dich!“ oder „Aber wir, die wir zurück geblieben sind, sind voller Trauer, wir weinen um dich Bernie, weil du nicht mehr hier bist.“ u.ä. Wendungen im Internet!). In diesem Verständnis wäre „um dich weinen“ m.E. nicht ganz geeignet, die volle Ambivalenz von Fremdheit und Verwandtschaft, von Liebe und Furcht auszudrücken. Das Weinen müsste so sein, dass im Verlust auch ein Gewinn gespürt wird – dann wäre es der angemessene Schluss des Gedichts. Vielleicht kann man den Schluss „retten“, wenn man ihn so versteht, dass das lyrische Ich das Phantom als Phantom verloren und als Verwandte bewahrt hat – aber das wäre kein Grund zum Weinen!?

Von den Reimen sind die in V. 32-34 als besonders sinnvoll zu erwähnen, auch V. 36 f. und V. 37/42 passen gut zueinander. Die Sprache ist wieder erhaben („aus des Kristalles Rund“, der Mosesvergleich und V. 35 als Beispiele). Das Tempo ist ein wenig niedriger als zu Beginn, weil gelegentlich nach einzelnen Versen eine kleine Pause zusätzlich gemacht wird (V. 29, 31, 32, 37, 39, 40 zusätzlich zu den großen Pausen).

Wir haben ein Gedicht vor uns, in dem aus dem Erleben der Fremdheit des Spiegelbildes Erleben und Anerkennung der Fremdheit des eigenen Ichs werden (6. und Beginn der 7. Strophe); dieser Übergang, in den ambivalenten Wahrnehmungen der ersten vier Strophen vorbereitet, wird in dem verunglückten Schluss V. 42 nicht durchgehalten. – Vgl. auch C. F. Meyers Gedicht „Möwenflug“ (1883)!

Exkurs: Warum mutet das eigene Spiegelbild fremd an? Ein Versuch

„Ich hasse mich wenn ich mich im Spiegel sehe, ich könnte mir eine in die Fresse geben, in meine blöde. ich hasse mein Spiegelbild. woher kommt dieser Hass, wem geht es auch so?“ (Katrinchen 25 im ‚forum.gofeminin’) So wie die eigene Stimme auf Band fremd klingt, mutet auch das eigene Spiegelbild fremd an. Ich nehme an, dass dies damit zu tun hat, dass dem Spiegelbild jede eigene Aktivität fehlt: Mit ihm ist keine mimische Kommunikation möglich, es äußert sich nicht – und deshalb (oder umgekehrt) hat es auch kein Innen. Es ist bloße Fassade ohne jede Tiefe, auch wenn man ihm in die Augen schaut – man sieht nichts. Darüber erschrickt man, ich jedenfalls. Vgl. auch: „Er hatte damals […] einen Blick in den Spiegel geworfen, aus dem ihm seine schmalen, tief liegenden Augen angeschaut hatten, als betrachteten sie jemanden, den sie nicht kannten. Zwischen den buschigen Augenbrauen hatten sich zwei steile Falten eingekerbt, unter denen eine große Nase mit einer kleinen runden Geschwulst im Nasenwinkel das Gesicht beherrschte. Der Mund war unauffällig, aber nicht ganz verschlossen, irgendwie zögernd. Ich bin es, hatte er gedacht, aber ich weiß nicht, was ich von mir halten soll. Das Gesicht war leicht verzogen von unterdrückter Spannung. Er hatte es so lange angeschaut, bis es ihm wie ein erstarrtes Brodeln erschien.“ (Dieter Wellershoff: Der Himmel ist kein Ort, Köln 2009, S. 109) Vgl. auch die bei Adorno zitierten Ausführungen Schopenhauers über das Individuum: »Jedes Individuum ist einerseits das Subjekt des Erkennens, das heißt, die ergänzende Bedingung der Möglichkeit der ganzen objektiven Welt, und andererseits einzelne Erscheinung des Willens, desselben, der sich in jedem Dinge objektiviert. Aber diese Duplizität unseres Wesens ruht nicht in einer für sich bestehenden Einheit: sonst würden wir uns unserer selbst an uns selbst und unabhängig von den Objekten des Erkennens und Wollens bewußt werden können: dies können wir aber schlechterdings nicht, sondern sobald wir, um es zu versuchen, in uns gehen und uns, indem wir das Erkennen nach Innen richten, einmal völlig besinnen wollen; so verlieren wir uns in eine bodenlose Leere, finden uns gleich der gläsernen Hohlkugel, aus deren Leere eine Stimme spricht, deren Ursache aber nicht darin anzutreffen ist, und indem wir so uns selbst ergreifen wollen, erhaschen wir, mit Schaudern, nichts, als ein bestandloses Gespenst.«

P.S. Eine wichtige Rolle spielt das Spiegelbild in Döblins Roman „November 1918“, Band 3: „Heimkehr der Fronttruppen“. Dort wird erzählt, wie der Dramatiker Stauffer seine Skrupel, sich auf seine neue Liebe einzulassen (Lucie, die quasi 20 Jahre auf ihn gewartet hat), durch einen Blick in den Spiegel überwindet: „Und da blickte ihm aus dem Spiegel ein bekümmerter älterer Herr zu. Der Herr schien bestürzt zu sein.“ (dtv 1389, München 1978, S. 159) Als er das Bild fragt, wie dieses sich entscheiden würde, „blickte ihn das Spiegelbild wehmütig an, und Stauffer begriff“ (S. 159). Das Spiegelbild sagt ihm dann, dass auch er sich verändert hat, ohne dass Lucie ihm deswegen Vorwürfe machte – er müsse daher  akzeptieren, dass auch Lucie sich verändert habe. „Und wie das Spiegelbild ihm das aufrichtig und überzeugend mitteilte, legte Stauffer seine Stirn an das freundliche Glas und stimmte ihm zu.“ (S. 160, im Kapitel „Erwin und Lucie“) – Natürlich ist die Begegnung mit dem sprechenden Spiegelbild surreal, aber eben doch realistisch erzählt: Das Spiegelbild hat einem etwas zu sagen. – Bemerkenswert ist auch Tucholskys Gedicht „Der Mann am Spiegel“ (1928): http://www.textlog.de/tucholsky-mann-am-spiegel.html.

2. P.S. Kristina Kuhns Artikel „Spiegel“ im Wörterbuch philosophischer Metaphern (3. Aufl. 2011) verdanke ich den Hinweis auf Herders Fragment „Selbst“ (https://de.wikisource.org/wiki/Selbst; vgl. auch das vorhergehende Fragment https://de.wikisource.org/wiki/Das_Ich): „Vergiß dein Ich: Dich selbst verliere nie.“ Mit diesem zunächst rätselhaften Satz beginnt das Fragment. Ich zitiere die Verse 76 ff., um die Problematik der Droste’schen Selbstbespiegelung zu verstehen:

„Wer sich verlohr, was hätt’ er ohne Sich?
Was in dem Herzen andrer von Uns lebt,
Ist unser wahrestes und tiefstes Selbst.“

Und in der nächsten Strophe wird dem Selbst die Kraft zugeschrieben, uns mit der weiten Welt zu einen und inneren Frieden zu schaffen. Dieses gepriesene Selbst kann man natürlich im Spiegel nicht sehen – was die Droste sehen kann, ist nur die Hülle der Person, gesehen mit den Augen der anderen, dazu noch seitenverkehrt. Kein Wunder, dass sie an diesem Bild verzweifelt! Herder hat in der 3. Strophe seines Gedichts genau dieses Problem behandelt (V. 12 ff.):

„Nicht was du siehest; […] die innre Seherinn,
Die aus der Vorwelt sich die Nachwelt schafft;
Die Ordnerinn, die aus Verwirrungen
Entwirrend webt den Knäuel der Natur […];
Das bist du selbst; die Gottheit ists, wie Du.“

Man kann an diesem Gedicht Herders manches problematisch finden, das sei zugegeben; aber Herder hat 1797 klar gesehen, dass das bloße Spiegelbild nicht dich selbst zeigt. Kristina Kuhn hat selber zwei Gedanken ausgeführt, die die Problematik dieser Selbstbespiegelung vertiefen: 1. Da Frauen für Männer Objekte sein können, kann der Spiegel ihnen nicht zur Selbstvergewisserung dienen. Wo die eigene Autonomie nicht gegeben sei, könne sich weibliche Identität nicht ausbilden (S. 388). – Angesichts der beengten Möglichkeiten des adeligen „Fräuleins“ von Droste-Hülshoff (Konvention und Finanzen) erklärt Kuhns Hinweis, wieso seine Selbstbespiegelung scheitern muss. 2. Kuhn weist ferner darauf hin, dass überhaupt ein „Bild“ nicht der Dynamik der Verhältnisse zwischen Welt und Subjekt etc. gerecht werden kann. „Dynamisiert wäre das Spiegelbild lediglich durch die Bewegungsfolge, die vor dem Spiegel statt hat.“ (S. 389) Das bloße Betrachten des Abbildes könne zu nichts führen.

3. P.S. Nach der Lektüre von Peter von Matts Buch „… fertig ist das Angesicht“ (1983) müsste man die Gesichtsbeschreibung der Droste noch einmal als Zeugnis der Gesichtsbeschreibung im bürgerlichen Zeitalter lesen.

http://homepage.bnv-bamberg.de/lk-deutsch/droste-spiegelbild.doc  (schülerhaft-hilflos)

https://norberto42.wordpress.com/2013/07/23/keller-winternacht-interpretation/ (zum Vergleich)

https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelg%C3%A4nger Das Gedicht „Das Spiegelbild“ wird in der Wikipedia dem Doppelgänger-Motiv zugeordnet. Vgl. auch das andere Gedicht http://www.wortblume.de/dichterinnen/doppelga.htm (Gedicht „Doppeltgänger“ der Droste)!

Vortrag

http://www.youtube.com/watch?v=uo3yj_B5Ex8 (interessant)

https://www.youtube.com/watch?v=LRLJ86TGM9o (Verfilmung, schwach, beliebig und grausam, dazu schlecht gesprochen: Was soll eine solche angebliche Gedichtsverfilmung?)

Sonstiges

http://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,+Annette+von (Leben und Werke der Droste)

http://www.grupello.de/dateien/C091.pdf („Zu früh, zu früh geboren“ Die Modernität der Droste)

https://archive.org/stream/dielyrikderannet00pfeiuoft/dielyrikderannet00pfeiuoft_djvu.txt Die Lyrik der Droste – Diss. 1923)

http://www.gedichte.levrai.de/gedichte_von/droste_annette_von_droste_huelshoff.htm (Gedichte der Droste)

http://www.thokra.de/html/droste-hulshoff_5.html (dito)

http://www.dein-eigenes-gedicht.de/ausgewaehlte_gedichte/klassiker/droste.html (dito)

http://www.literaturportal-westfalen.de/main.php?id=00000157&author_id=00000080 (Droste im Literaturportal Westfalen)

Spiegel(bild)

http://www.symbolonline.de/index.php?title=Spiegel

http://www.ureda.de/php/spider/anzeige.php3?id=256

http://www.internetloge.de/symhandb/symb09.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel

http://www.pm-magazin.de/r/gute-frage/spiegelbild-oder-foto-was-kommt-der-wirklichkeit-n%C3%A4her

http://www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/papers/Esselborn-spiegel.pdf (Spiegelsymbol bei Hesse)

http://abgedichtet.org/files/pdf/spiegelmetapher.pdf (Spiegelmetapher und -literatur)
https://www.youtube.com/watch?v=B-1j-blr_ug (Vortrag: Spiegelmetaphorik)

Spiegelbild in der bildenden Kunst:

http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/78k175a.jpg (Max Klinger: Philosoph, 1910) oder

http://img14.deviantart.net/ccfe/i/2012/306/6/c/carnet_de_croquis___max_klinger___der_philosoph_by_in2ni-d5jqouo.jpg

http://www.griseldaonline.it/rifiuti-scarti-esuberi/img/pistoletto%20etrusco.jpg (M. Pistoletto: L’Etrusco, 1976) oder

http://www.artphaire.com/wp-content/uploads/2014/09/pistoletto_l-etrusco.jpg (dito)

Das Gedicht der Droste wird inzwischen häufig gelesen; ich habe deshalb einmal versucht, die darin ausgearbeitete Spiegelbild-Erfahrung in den Kontext des Erlebens anderer zu stellen, und zwar unter den Stichworten „Spiegelbild“ und „Spiegelbild Augen“:

http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1310894 (Spiegel – Physik und Kulturgeschichte)

http://www.physiologus.de/spiegelbi.htm („Spiegelbild“ in der Literatur)

http://www.dissoziation-info.de/html/spiegelbild.html Spiegelbild-Gedicht

http://www.sueddeutsche.de/karriere/lebenskunst-ist-sich-morgens-im-spiegel-anzulaecheln-1.591239 (Spiegelbild)

http://www.bernhard-sandkuehler.de/Selbst.html (dito)

http://www.felten.name/marga/spiegelbuch.html (dito)

http://mymonk.de/nackt-vorm-spiegel/ (dito)

http://undermyskyyy.blogspot.de/2011/09/spiegelbild.html (dito)

http://www.gutefrage.net/frage/ich-habe-angst-meinem-spiegelbild-in-die-augen-zu-kucken (Angst vor dem Spiegelbild)

http://www.therapeutenfinder.com/news/1476-die-augen-sind-der-spiegel-der-seele.html (Augen)

http://cochise59.wordpress.com/2010/07/12/die-augen-sind-das-spiegelbild-unserer-seele/ (dito)

http://www.domo-ev.de/augenblicke (dito)

Droste-Hülshoff: Die Vergeltung – Klassenarbeit

Ballade als Klassenarbeit (Kl. 8)

1. Erläuterungen:
Von einzelnen Schülern (7b – 2004) wurde nach folgenden Wörtern gefragt:
V. 2 Höhn
V. 5 Wolkenstreif in Sinnen
V. 6 (Pfeiler)
V. 9 morschen
V. 11 Geflimmer
V. 18 Höhn
V. 20 Bohlen
V. 25 Verdecke
V. 27 eine Strecke
V. 31 Narwal
V. 40 Kahn
V. 47 Courage
V. 48 (mich) dünkt
V. 60 Grau
V. 65 verronnen
V. 68 Bursche
V. 73 Waten
V. 74 Kiesgeschrill
V. 80 dräut
V. 80 Düne
V. 81 Schranken
V. 82 Hessel
V. 90 hohläugig
V. 94 Gesindels Lügenwort
V. 96 der Scherge
V. 99 Walten
V. 100 Pfaffen
V. 101 Hohnes
V. 102 Ätherhöhn

Aufgabenstellung:
1. Bestimme Wortart und Form der erfragten Wörter!
2. Suche Wörter oder Wendungen, die mit den erfragten Wörtern verwandt sind!
3. Ersatzprobe: Nenne ein anderes Wort, welches die gleiche Bedeutung wie das erfragte Wort besitzt!

Diese Wörterliste war ursprünglich weniger umfangreich und als Hilfe für die Schüler bei der Erarbeitung der Ballade gedacht; die Bearbeitung der Liste ist später zu einer eigenen Aufgabe außerhalb der Klassenarbeit geworden. Die Liste zeigt, welche Wörter einzelne oder viele Schüler einer bilingualen Klasse des Gymnasiums nicht kannten (obwohl sie teilweise bereits in den Erläuterungen standen) – dies nur als Hinweis für Kollegen! Zur nachfolgenden Klassenarbeit gehört also noch eine kürzere Liste mit Erläuterungen unbekannter Wörter.

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1. Klassenarbeit 8 d – 1992/93

Analyse der Ballade „Die Vergeltung” – Zeit: zwei Schulstunden
Aufgabenstellung:

Lies die Ballade nochmals ruhig durch und überlege,
– wer als Sprecher der wörtlichen Rede in Z. 21; 53; 82-84 jeweils in Frage kommt;
– welche Handlungen in Z. 54-56 andeutungsweise beschrieben sind.
Bearbeite dann folgende Aufgaben schriftlich:

1. Bestimme (soweit wie möglich) die zeitliche Abfolge und die Dauer des erzählten Geschehens (Z. 1-16; 17-32; 33; 34-56; 57-64; 65 ff.).

2. Von Z. 37 an vermengt sich kurz die Perspektive des Erzählers
mit der des Kranken.
a) Erkläre an zwei Merkmalen, woran du das erkennst.
b) Erkläre kurz, was dadurch beim Leser bewirkt wird.

3. Erkläre kurz zu Z. 99 f. (jeweils in einem Satz),
– was der Passagier „nun” eigentlich „weiß”,
– warum er das weiß (bzw. zu wissen meint).

4. a) Beschreibe kurz, zu welchen Zwecken der erstmals in Z. 9 genannte „Balken” im Verlauf des Geschehens genutzt wird.
b) Sowohl der Kranke wie der Passagier flehen um Barmherzigkeit (Z. 53 und Z. 93). Stelle kurz dar, wieso die Wiederholung dieses Wortes (und der Bitte) wichtig ist.
c) Erkläre im Anschluß daran, was die Überschrift „Die Vergeltung” besagt.

5. a) Stelle dar, welche Geschehnisse in einem Zeitungsbericht vermutlich bzw. sicher nicht vermerkt wären.
b) Untersuche, welche Angaben in einem Zeitungsbericht über das Geschehen zusätzlich gemacht würden.
c) Erkläre, was sich aus beiden Überlegungen für den „Sinn” der Ballade „Die Vergeltung” ergibt.

Viel Erfolg!

H i n w e i s : Die Bearbeitung der Aufgaben 3. bis 5. ist wichtiger als die der beiden ersten Aufgaben und sollte – falls du wenig Zeit oder Schwierigkeiten hast – vorgezogen werden!

Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor – Analyse

Es wird erzählt, wie ein kleiner Junge durchs Moor geht und dabei Schreckliches erlebt. Das Geschehen wird von einem auktorialen Erzähler berichtet; das ist eine (von der Autorin konstruierte) Erzählerfigur, die alles weiß (z.B.: was das Kind denkt und fühlt, dass ein Schutzengel in seiner Nähe ist usw.) und das Geschehen auch kommentiert. So ist die 1. Strophe ein Kommentar des Erzählers, ebenso V. 6-8 in Str. 5.
Die Erzählung weist einen Spannungsbogen auf: Durch den Kommentar des Erzählers vorbereitet, folgt der Leser sogleich (ab Str. 2) dem ängstlichen Kind; die Spannung erreicht zu Beginn von Str. 5 ihren Höhepunkt, als der Erzähler das Bild des offenen Höllenschlundes zeichnet (klaffende Höhle, die verdammte Margret spricht selbst). Durch den genannten Kommentar, in dem er auf die Nähe des Schutzengels hinweist, leitet der Erzähler die Wende zum Guten, zur Rettung ein. Dem Kommentar folgt in der 6. Strophe der Bericht davon, wie der Junge zu Hause ankommt (Boden ist fest, Lampe flimmert heimatlich, Grenze des Moores ist erreicht, Knabe atmet auf).
Die Spannung (bzw. das Erleben des Schrecklichen) wird durch verschiedene Mittel  vom Erzähler hergestellt: mehrere Vergleiche (V. 3, 10, 15 usw.);  Personifizierungen des Moores und der Pflanzen (V. 6; 17 f. usw.); Gedanken und Empfindungen des Kindes, welches im Moor gebannte Seelen zu hören glaubt. Diese Gedanken und Empfindungen werden insgesamt personal erzählt, etwa V. 12-15 („Hu, hu“); V. 21-24 usw. – das Kind identifiziert verschiedene Geräusche als Äußerungen der Gespenster, ohne dass ausdrücklich gesagt würde: „Das Kind denkt: …“ oder : „Das Kind fühlt: …“. Auch in dem wiederholt geäußerten Wunsch „voran“ (V. 25 f.) drückt sich die Anspannung des Kindes aus. Einmal wird der Ruf der armen Seele wörtlich berichtet (V.  36). Das Kind wird von dem, was es hört (statt: was es sieht), beherrscht.
Zum Schluss wird, durch den Doppelpunkt angedeutet, ein Gedanke des Kindes wörtlich berichtet (V. 47 f.); weil diese beiden Verse den letzten der 1. Strophe entsprechen, könnte nachträglich auch die 1. Strophe als personal erzählte Vorstellung des Kindes verstanden werden, wäre dann also kein Erzählerkommentar.
Die Qualität der Zischlaute („zischt und singt“, V. 6), heller („gespenstige Melodei“) oder dunkler („hohl…“) Laute wäre gesondert zu untersuchen.
Insgesamt ist das Metrum als Jambus anzusehen, etwa V. 33 f.:
e é / e é / e é / e é /      [Ich nehme hier e statt x, weil ich auf x keinen Akzent setzen kann!]
e é / e e é / e e é / e      (Störungen des Metrums); Synkopen: „ hohl“, „weh“, „wär“,„tief“…
Das Reimschema in jeder Strophe ist zunächst ein Kreuzreim, dann zwei Paarreime;
gleiche Reimwörter werden mit dem gleichen Buchstaben bezeichnet, sodass das Schema so aussähe: a / b / a / b / c / c / d / d usw. Verse mit Kreuzreim werden insgesamt etwas schneller gesprochen. Bedeutsame Reime sind etwa die Verse 1 / 3, 2 / 4 usw.