Sterne: Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman – gelesen

Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman“ von Laurence Sterne ist einer der ganz großen Romane der Weltliteratur. Es gibt genügend Charakterisierungen und Würdigungen des Buches (s. die Links); ich möchte in Stichworten den „Inhalt“ der ersten beiden der neun Bücher des Romans skizzieren, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie Sterne in den Themen springt und die Zeit dehnt – erst im dritten Buch wird die Geburt des Ich-Erzählers Tristam beschrieben. Also, geordnet nach Buch und Kapiteln:

Erstes Buch

1 Störung bei der Zeugung des Ich-Erzählers

2 über die Gefährdung des Homunkulus nach der Zeugung

3 spätere Klage des Vaters über die Störung

4 Zeugung Anfang März 1718, das ergibt sich aus der Kombination von Beischlaf und Uhraufziehen am Abend des 1. Sonntags jedes Monats

5 Geburt Tristam Shandys am 5. November 1718; Klage über sein Leben

6 über sein Schreiben, an den Leser gerichtet

7 wie seine Hebamme eine solche geworden war

8 über Steckenpferde – Widmung an den Lord

9 Angebot, diese Widmung zu kaufen – Widmung des größeren Teils des Buches an den Mond

10 der Pfarrer und sein dürrer Gaul – warum er ein so schlechtes Pferd reitet – warum er die Lizenz der Hebamme bezahlt hat – was die Leute dazu sagen

11 Pfarrer heißt Yorick, Familie stammt aus Dänemark (mit Hofnarr aus „Hamlet“ verwandt); ein harmloser, unerfahrener Mann, der gern Witze (auch über andere) macht

12 Freund warnt ihn vor leichtsinnigem Spotten, zu spät: Verspottete rächen sich an ihm; Besuch des Eugenius beim sterbenden Yorick, sein Grabstein – mehrere Anspielungen auf den „Don Quijote“

13 über den Ruhm der Hebamme

14 wieso der Autor nur langsam beim Schreiben vorankommt

15 Klausel des Ehevertrags seiner Eltern über das Recht der Mutter auf eine Entbindung in London – weshalb Tristam wegen einer unbegründeten Londonreise mit platter Nase zu Hause geboren wurde

16 Rückkehr von der unbegründeten Londonreise im Zorn

17 Ankündigung des Vaters bei der Zeugung, seine Frau werde nicht in London entbinden

18 frühzeitige Suche der Mutter nach einer Hebamme; Sorgen des Vaters, v.a. wegen der Landflucht nach London; die Mutter setzt die Hebamme als Helferin gegen den Vater durch; über Tristams Verhältnis zu Jenny

19 des Vaters Einschätzung von Vornamen, seine rhetorischen Fähigkeiten; er verachtet den Namen Tristam

20 ob man ungeborene Kinder taufen kann – Reflexionen über das Lesen; das Gutachten der Sorbonne von 1733; Vorschlag, alle Homunkuli direkt nach der Trauung bedingungsweise zu taufen

21 über das englische Klima – Onkelt Toby, ein Original, äußerst züchtiger Mensch; er mag nichts von Tante Dinahs Affäre hören (anders der Vater)

22 Tristam: im Leben und Schreiben von Digressionen (Verzögerungen) bestimmt

23 über die Erkenntnis eines Charakters und seine Darstellung

24 Zusammenhang Steckenpferd – Charakter

25 über die Verwundung Onkel Tobys an der Leiste, sein Krankenlager

Zweites Buch

1 Toby erzählt von der Belagerung von Namur (1695); er bekommt einen Plan der Festung

2 über den Grund der Verwirrung in Tobys Erzählungen: der ewig schwankende Gebrauch der Wörter

3 wie die Erforschung von Befestigungen Tobys Leidenschaft wurde

4 nach vier Jahren Studium von Festungsanlagen will Toby gesund werden

5 Aufbruch Tobys nach Shandy-Hall, wo er ein Haus mit Land besitzt; Diener Trim schlägt vor, dort selber Befestigungen zu bauen

6 die Mutter schickt nach der Hebamme, der Vater nach dem Arzt

7 Vater schickt sich an, Toby die Anatomie der Frau zu erklären

8 über die Dauer des erzählten Geschehens und des Erzählens

9 Diener Obadiah trifft Dr. Slop vor der Tür, der fällt vom Pferd

10 Dr. Slop trifft im Haus ein

11 Er hat seine Instrumente nicht bei sich.

12 Toby ergeht sich in Feinheiten der Fortifikation; der Vater beschimpft ihn, sie versöhnen sich

13 kurz über die Praxis des ehelichen Beischlafs

14 über den Segelwagen des Stevinus

15 Trim hat des Buch des Strevinus geholt, aus dem eine Predigt herausfällt

16 Trim soll sie vorlesen

17 Trims Körperhaltung dabei; Predigt zu Hebr 13,18; Trim beginnt zu lesen – Trims Bruder ist von der Inquisition verhaftet – über das gute Gewissen; die Predigt wird mit Unterbrechungen vorgelesen – über Selbstbetrug und über den Katholizismus; es ist Yoricks Predigt

18 Dr. Slop wird informiert, dass er der Hebamme nur assistieren darf.

19 philosophische Überlegungen des Vaters, in Verbindung mit dem Problem der richtigen = gehirnschonenden Methode des Gebärens; der Kaiserschnitt, vom Vater gelobt, von der Mutter abgelehnt

https://de.wikipedia.org/wiki/Leben_und_Ansichten_von_Tristram_Shandy,_Gentleman (knapp)

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Life_and_Opinions_of_Tristram_Shandy,_Gentleman (engl., umfangreich)

http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/tristram_shandy.htm (Zusammenfassung, kurz)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/wp-content/uploads/2015/10/Sterne_TristramShandy.pdf (kurze Analyse)

http://www.ndr.de/kultur/buch/Laurence-Sterne-Leben-und-Ansichten-von-Tristram-Shandy-Gentleman,weltliteratur190.html (Würdigung)

https://www.rezensionen.ch/laurence_sterne_tristram_shandy/303691174X/ (dito) = http://literaturkritik.de/id/10410

http://www.frankfurter-hefte.de/upload/Archiv/2013/Heft_11/PDF/2013-11_kesting.pdf (dito)

http://www.satt.org/literatur/07_01_sterne.html (dito)

http://www.br.de/radio/bayern2/inhalt/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-tristram-shandy-100.html (Hörbuch)

http://www.br.de/radio/bayern2/inhalt/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-sterne-tristram-shandy-gentleman-100.html (dito? Hörspiel)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/tristram-shandy-5100/1 (Text, Ü. A. Seubert, 1880)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Sterne,+Laurence/Roman/Tristram+Shandy/Erster+Band (dito, Ü. ?)

Um einen Eindruck vom Text zu vermitteln: Ich habe (allerdings in der modernen Walter-Übersetzung) eine köstliche Passage über den Nutzen der Hilfsverben gefunden. Tristams Vater hat sich Gedanken über die Erziehung seines Sohnes gemacht, hält sie in einem Buch fest und trägt sie hier seinen staunenden Zuhörern vor. Ich gebe sie leicht gekürzt wieder:

Ich bin überzeugt davon, Yorick, fuhr mein Vater fort, indem er halb las, halb frei sprach, daß es auch in der intellektuellen Welt eine nordwestliche Durchfahrt giebt, und daß die Seele des Menschen einen kürzeren Weg einschlagen kann, um zum Wissen und zum Erkennen zu gelangen, als den gewöhnlichen. – Aber ach! nicht neben jedem Acker läuft ein Fluß, oder ein Bach – nicht jedes Kind, Yorick, hat einen Vater, der ihm diesen Weg zeigen könnte.

Das Ganze beruht – dies sagte mein Vater mit leiserer Stimme – auf den Hülfszeitwörtern.

Hätte Yorick auf Virgils Natter getreten, er hätte nicht erschrockener aussehen können. – Ich erstaune selbst darüber, rief mein Vater, der es bemerkte, und halte es für einen der beklagenswerthesten Uebelstände unseres Bildungsganges, daß die, welchen die Erziehung unserer Kinder anvertraut ist, deren Geschäft es sein sollte, ihren Geist zu entwickeln und ihn mit Ideen zu befruchten, damit die Einbildungskraft sich frei bewege, bis jetzt so wenig Nutzen von den Hülfszeitwörtern gezogen haben, wie es der Fall ist, mit Ausnahme etwa von Raymond Lullius und dem ältern Pellegrini, welcher Letztere sich in dem Gebrauche derselben bei seinen Gesprächen eine solche Fertigkeit erworben hatte, daß er einen jungen Mann in wenigen Lehrstunden dahin bringen konnte, über jeden beliebigen Gegenstand ganz plausibel pro und contra zu reden und Alles, was darüber gesagt oder geschrieben werden konnte, zu sagen oder zu schreiben, ohne sich in einem Worte verbessern zu müssen, worüber Alle, die es sahen, erstaunt waren.

Ich möchte das gern ganz begreifen, unterbrach Yorick meinen Vater. – Sie sollen es, erwiederte dieser. – Die höchste Anwendung, deren ein Wort fähig ist, ist als bildlicher Ausdruck, – wodurch meiner Ansicht nach die Vorstellung gemeiniglich eher abgeschwächt, als verstärkt wird – doch lassen wir das; hat nun der Geist diese Anwendung davon gemacht, so ist die Sache zu Ende; – Geist und Vorstellung sind mit einander fertig, bis eine zweite Vorstellung auftritt u.s.w.

Nun sind es aber die Hülfsverben, welche die Seele in den Stand setzen, das ihr zugeführte Material selbstständig zu behandeln, und durch die Beweglichkeit der großen Maschine, um die es läuft, neue Wege der Untersuchung zu eröffnen und jede einzelne Vorstellung millionenfach zu vervielfältigen.

Sie erregen meine Neugierde im höchsten Grade, sagte Yorick. […]

Die Hülfsverben, von denen hier die Rede ist, fuhr mein Vater fort, sind sein, haben, werden, mögen, sollen, wollen, lassen, dürfen, können, müssen und pflegen in den verschiedenen Zeiten der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit und in Verbindung mit dem Verbumsehen angewandt. Als positive Frage: Ist es? Was ist es? Kann es sein? Konnte es sein? Mag es sein? Mochte es sein? – Als negative Frage: Ist es nicht? War es nicht? Soll es nicht sein? – Oder affirmativ: es ist – es war – es muß sein, – oder chronologisch: Ist es je gewesen? Kürzlich? Wie lange ist es her? – oder hypothetisch: Wenn es war? Wenn es nicht war? Was würde daraus folgen? Wenn die Franzosen die Engländer schlagen sollten? Wenn die Sonne aus dem Thierkreis treten würde?

Würde nun eines Kindes Gedächtniß durch den rechten Gebrauch und die rechte Anwendung dieser Formen geübt, fuhr mein Vater fort, so könnte keine Vorstellung in sein Gehirn eintreten, und wäre es auch noch so unfruchtbar, ohne eine unendliche Menge von Begriffen und Folgerungen daraus zu ziehen. – Habt Ihr schon einmal einen weißen Bären gesehen? rief mein Vater und kehrte sich rasch nach Trim um, der hinter seinem Stuhle stand. – Nein, Ew. Gnaden, erwiederte der Korporal. – Aber Ihr könntet darüber reden, Trim, sagte mein Vater, wenn es sein müßte? – Wie wäre denn das möglich, Bruder, sagte mein Onkel Toby, wenn er nie einen gesehen hat. – Das brauch‘ ich gerade, erwiederte mein Vater, Du sollst sehen, daß es möglich ist:

Ein weißer Bär! Sehr wohl, habe ich je einen gesehen? Könnte ich jemals einen sehen? Werde ich jemals einen sehen? Dürfte ich jemals einen sehen? oder – sollte ich jemals einen sehen?

Ich wollte, ich hätte einen weißen Bären gesehen! (wie könnte ich mir sonst einen vorstellen?)

Sollte ich einen weißen Bären sehen, was würde ich dazu sagen? Wenn ich nie einen weißen Bären sehen sollte, was dann?

Wenn ich nie einen weißen Bären habe sehen können, sollen, dürfen, – habe ich vielleicht ein Fell von ihm gesehen? Habe ich einen abgebildet, geschildert gesehen? Habe ich je von einem geträumt?

Haben mein Vater, meine Mutter, mein Onkel, meine Tante, mein Bruder oder meine Schwestern je einen weißen Bären gesehen? Was würden sie darum geben? Wie würden sie sich dabei betragen? Wie würde der weiße Bär sich dabei betragen? Ist er wild? zahm? schrecklich? struppig? glatt?

Ist es der Mühe werth, einen weißen Bären zu sehen?

Oder eine weiße Bärin?

Ist es keine Sünde?

Ist es besser, als eine schwarze?

(5. Buch, Kap. 42 und 43, bzw. in der hier benutzen Ausgabe http://www.zeno.org/Literatur/M/Sterne,+Laurence/Roman/Tristram+Shandy: Zweiter Band, Kap. 42 und 43)

Der Fragekatalog erinnert mich übrigens an den sogenannten Beichtspiegel, mit dessen Hilfe wir als Kinder (analog die Erwachsenen) vor der Beichte unser Gewissen zu erforschen hatten, damit auch nur ja keine Sünde übersehen würde.

Diderot: Jakob und sein Herr – erneut gelesen

Erneut habe ich Diderots großen Roman „Jakob (der Fatalist) und sein Herr“ in der Übersetzung von Mylius (1792, Ausgabe it 772, hrsg. von Horst Günther) gelesen; die ist zwar sprachlich manchmal etwas altertümlich, aber in ihren Überarbeitungen auch die das 20. Jh. dominierende Übersetzung. Das heißt nicht, dass die neuesten Übersetzungen nicht gut wären – ich kenne sie nicht, ich besitze halt seit über 20 Jahren das Insel Taschenbuch 772.

Der überaus witzige Roman ist einer der großen Romane der Weltliteratur; es ist die Geschichte von Jakob und seinem Herrn, wobei der Diener Jakob der wahre Herr ist, wie auch in einem Vertrag festgelegt wird:

Jakob. Könnten wir nicht, ohne eben wieder von dieser Sache anzufangen, hundert ähnlichen Fällen durch einen billigen Vertrag vorbeugen?

Herr. Ich bin es zufrieden.

Jakob. Nun, so wollen wir ausmachen: Erstens, daß, weil nun einmal dort oben geschrieben steht, daß ich Ihnen unentbehrlich bin und ich es auch fühle und weiß, daß Sie mich nicht entbehren können – daß ich, sage ich, alle diese Vorrechte so oft werde mißbrauchen dürfen, als sich Gelegenheit dazu bietet.

Herr. Aber Jakob, noch niemals ist ein ähnlicher Vertrag geschlossen worden.

Jakob. Geschlossen oder nicht geschlossen – genug, das ist von jeher geschehen, geschieht noch und wird geschehen, solange die Welt steht. Glauben Sie nicht, daß andere sich, wie Sie, bemüht haben werden, sich diesem Dekret zu entziehen? und halten Sie sich für geschickter als andere Leute? Lassen Sie diesen Gedanken fahren und unterwerfen Sie sich dem Gesetze einer Notwendigkeit, dem zu entgehen nicht in Ihrer Macht steht. Zweitens wollen wir ausmachen: weil es nun für Jakob eine ebenso große Unmöglichkeit ist, sein Übergewicht und seine Gewalt über seinen Herrn nicht zu erkennen, als es für seinen Herrn eine ist, seine Schwachheit nicht einzusehen und seiner Nachsicht zu entsagen; so soll Jakob unverschämt sein und zur Aufrechterhaltung des Friedens sein Herr gar nicht tun dürfen, als ob er das gewahr würde. Denn dieses alles ward dort oben niedergeschrieben, ohne daß sie ein Wort davon wußten, und in eben dem Augenblick dort oben unterzeichnet und besiegelt, wo die Natur Jakob und seinen Herrn hervorbrachte. Es ward dort oben beschlossen, daß Sie den Titel führen und ich im Besitz der Sache sein sollte. Wollten Sie sich gleich dem Willen der Natur widersetzen, so würden Sie doch nichts ausrichten und all Ihr Bestreben vergeblich sein.

Herr. Aber unter diesen Umständen wäre dein Los ja besser als das meinige!

Jakob. Wer streitet Ihnen denn das ab?

Herr. Und ich täte am besten, deinen Platz einzunehmen und dich an den meinigen zu stellen!

Jakob. Wissen Sie, was dann geschehen würde? Sie würden auch den Titel verlieren und die Sache doch nicht besitzen. Lassen Sie uns bleiben, wie wir sind! Wir befinden uns ja alle beide so recht wohl und wollen den Rest unseres Lebens dazu anwenden, ein Sprichwort zu spielen.

Herr. Welches Sprichwort?

Jakob. Jakob hat seinen Herrn am Bändel … Wir werden die ersten sein, denen man es sagt; aber es wird bei tausend anderen wiederholt werden, die mehr wert sind als Sie und ich.

Herr. Das dünkt mich hart, sehr hart!

Jakob. Herr, lieber Herr! Löcken Sie nicht wider den Stachel; er sticht Sie sonst nur noch mehr. Also, das wäre nun zwischen uns ausgemacht.

Herr. Aber wozu bedarf es unserer Einwilligung bei einem notwendigen Gesetz?

Jakob. O, es bedarf ihrer recht sehr! Halten Sie es denn für etwas so Unnötiges, einmal recht klar und deutlich zu wissen, wie man miteinander steht? Alle unsere Fehden und Streitigkeiten sind die ganze Zeit über daher gekommen, daß wir uns noch nie recht offenherzig ins Gesicht gesagt hatten: Sie, daß Sie mein Herr heißen wollten und ich: daß ich Ihr Herr sein sollte. Doch nunmehr ist alles ins Reine gebracht, und jetzt dürfen wir uns nur danach richten und so miteinander fortleben.“

Der Roman besteht u.a. aus den Versuchen Jakobs, seine Liebesgeschichte zu erzählen, wobei er immer wieder unterbrochen wird. Der Ich-Erzähler treibt sein munteres Spiel mit dem Leser und den Figuren, und Jakob beruft sich als „Fatalist“ immer wieder darauf, dass alles so geschieht, wie es in dem großen Buch oben geschrieben steht, weshalb jede Aufregung überflüssig sei. Mit diesem Spruch erinnert Jakob mich an die Figur Candide, die fortwährend bezeugt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, nur dass Jakob nicht tumb, sondern ein gewitzter Bursche mit großem Durst ist, ein Plappermaul, ohne den sein Herr nicht leben und überleben könnte.

Wenn ich recht sehe, hat Hegel die Dialektik von Herr und Knecht aus Diderots Roman übernommen – aber egal, Hegel hin oder her, das Buch ist unbedingt lesenswert. Ich habe es gestern und heute erneut gelesen, und ich muss sagen: Es ist besser als die hoch gepriesenen Bücher des Jahres 2016, von denen ich eines (Bakewell: Das Café der Existenzialisten) zu Ende gelesen und ein anderes (Enard: Kompass) mühsam begonnen und dann weggelegt habe. Die großen Klassiker sind nicht zu schlagen.

Zusätzlich zu den Anmerkungen von Horst Günther musste ich für die Mylius-Übersetzung nachschlagen:

Kahm: Schimmel auf gegorenen Flüssigkeiten

bähen: wärmen und trockner

Laubtaler = Ecu (18. Jh.), 6 Livres

Erdfall: durch Einbruch eines Hohlraums entstandene Senke

Maréchaussée: militärisch organisierte Polizeitruppe (bis 1791)

Schußwasser: gegen Entzündung bei Verletzungen angewandt

Beaten: Betschwestern; Angehörige eines dritten Ordens

Tisane = Orgeade: kühlender Trank aus verschiedenen Kräutern

Praktikenmacherinnen: Intrigantinnen

pränumerieren: vorauszahlen

Das Strumpfband der Braut bekommt das Mädchen, das als nächstes heiratet.

Pierre Galet (+ 1757), französischer Dichter und Sänger

Musche: Schönheitspflästerchen

Schmitze: dünne äußerste Schnur an der Peitsche (erzeugt das Knallen)

Bisturi: Skalpell

Polischinell: Figur aus „Der eingebildete Kranke“

Neben Adelung dem Grimm‘schen Wörterbuch war hilfreich: http://www.deacademic.com/ (Zugriff auf viele alte Lexika)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/jakob-und-sein-herr-664/1 (Text, Ü Hanns Floerke, 1921: Mylius leicht modernisiert)

Clemens Brentano: Am Ufer bin ich gangen – Analyse

Am Ufer bin ich gangen…(http://gedichte.xbib.de/Brentano_gedicht_Am+Ufer+bin+ich+gangen….htm)

Wir haben ein Gedicht Brentanos aus dem Jahr 1835 (https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Brentano/bre_1835.html) vor uns, das einige Rätsel aufgibt: Es spricht als lyrisches Ich eine Frau, die mit sich nicht im reinen ist (Ich irres, wirres Kind, Str. 4; Ich armes Waiselein, Str. 8): Einerseits leidet sie an ihrer Einsamkeit, anderseits verschmäht sie ihren Liebhaber: „Mein ist er, ich nicht sein“ (Str. 7). In ihrer Not wendet sie sich schließlich an den Gekreuzigten; sie hört eine Stimme und bekommt als Rat die Goldene Regel gesagt (Str. 13). Da entschließt sie sich, sich mit einem lieben Wanderer zu verbinden (Str. 15). – Die letzte Strophe steht formal außerhalb dieser Ich-Rede und kann als Dichterwort über sein Gedicht, könnte aber auch als Fazit des lyrischen Ichs gelesen werden.

Die Form der ersten 15 Strophen ist sehr streng und trägt dadurch einiges dazu bei, dem Leser Rätsel aufzugeben: Eine Strophe besteht aus 6 Versen (Ausnahme Str. 14); jeder Vers besteht aus einem dreitaktigen Jambus. Die ersten vier Verse sind im Kreuzreim verbunden, wobei sich weibliche und männliche Kadenzen abwechseln, wodurch nach V. 2 und erst recht nach V. 4 eine Pause entsteht. Die Verse 5 und 6 sind im Paarreim aneinander geknüpft, wobei der sechste Vers immer „So ganz allein, allein, allein“ ist; das ist, gemessen an der Dreizahl der Takte, ein Takt bzw. ein „allein“ zu viel – offenbar war dem Dichter die Dreizahl von „allein“ wichtiger als das Maß des dreitaktigen Verses. – Die Sätze sind kurz, was semantisch einige Unklarheiten bedingt.

Ich gebe einen Überblick über den Aufbau und orientiere mich dabei an den sprachlichen Handlungen des lyrischen Ichs (grammatisch an der Verwendung der Tempora bzw. der Verbformen, der Satzform und der Personalpronomina):

In Str. 1-3 berichtet das Ich von einem Spaziergang am See, bei dem es an seiner Einsamkeit leidet, während sein Liebhaber betrübt zu Hause sitzt; offenbar hat es seiner jedoch kurz gedacht (Str. 2 und 3).

Bereits in Str. 2 ist durch das Perfekt/Präsens signalisiert, dass das Ich beim Spazieren denkt; dieses Denken wird nun in Str. 4-6 intensiv, als eine Jetzt-Situation wahrnehmbar: eine dreifache Absage an den Liebhaber, „Dem ich am Herz geruht“, auch wenn er darüber zugrunde gehen sollte (Str. 6). Der kurze Rückblick in Str. 7, in dem von der diesen belebenden Begegnung mit dem Liebhaber erzählt wird (V. 1-4), begründet die Aussage „Mein ist er“; diese steht in Spannung zur Fortsetzung „ich nicht sein“ – in diesem Vers ist die komplizierte Situation des lyrischen Ichs umschrieben: Es ist einsam, aber von einer unglücklichen, unerwiderten Liebe betroffen. Der Schlussvers „So ganz allein…“ bezieht sich meistens auf das Ich, aber auch auf den Liebhaber (Str. 4, 6); einmal ist unklar, worauf er sich bezieht (V. 5) – eigentlich ist er da fehl am Platz.

In seiner Not fragt das Ich: „Wohin, wohin mich wenden?“ (Str. 8) Damit zitiert es, leicht abgewandelt, das Kirchenlied „Wohin soll ich mich wenden, / wenn Gram und Schmerz mich drücket?“ (Trostlied des Johann Philipp Neumann, 1774-1849) Mit dem Zitat ist schon klar, wohin es sich wenden soll: zu Gott, „Zu dir, zu dir, o Vater / komm ich in Freud und Leiden…“ Damit wird die Hinwendung zum Gekreuzigten (Str. 12), die scheinbar (!) auf dem zufälligen Anblick eines Kreuzes beruht, sachlogisch vorbereitet und eingefordert (eine Schwäche des Gedichts).

Verzögert wird diese Hinwendung zum Gekreuzigten durch die Reflexion der eigenen Situation (Str. 8, 9): Das einsame Ich hört sein klagendes Echo, es sieht in der Natur alles paarweise und ist selber so allein.

In der Logik der Frage „Wohin, wohin mich wenden?“ und der Hinwendung zum Gekreuzigten finde ich die Strophen 10 und 11 störend: Sie stellen einen Rückblick aufs eigene Leben dar, aus dem sich ergeben soll, dass die jetzige Einsamkeit unverdient ist; zur Not könnte man sie als kontrastierende Fortführung von Str. 9 lesen, aber erforderlich sind sie nicht. Die ganze Str. 11 verstehe ich ohnehin nicht wirklich: Wieso ist der Trinker gleich schwer berauscht? Wieso ist da ein Zauberbecher? Wieso wird er vertauscht? Und wer ist hier so allein? (Wieder zeigt sich die Schwäche, dass der identische sechste Vers immer wiederholt wird!)

Die Perspektive des lyrischen Ichs wechselt wieder (Str. 12): Es erblickt ein Kreuz und wendet sich mit zwei Bitten an den Gekreuzigten: Blick (als guter Hirt, Joh 10) dein Schäflein = mich an, treib mich (als verlorenes Schaf, Luk 15,1 ff.) wieder ein = zur Herde zurück = rette mich; der sechste Vers ist leicht abgewandelt („Bald“ statt „So“), wobei die Abwandlung keinen rechten Sinn ergibt – im Gegenteil, das Schäflein ist längst allein bzw. in der Gegenwart des Hirten eben nicht mehr allein.

Man muss sich die berichtete Jetzt-Situation vom Anblick des Kreuzes als Fortsetzung des Berichtes (Str. 1-4, V. 1 in Str. 4 und 8) denken; anderseits bleibt die Gesprächssituation mit dem Bericht vom stundenlangen Spaziergang (Str. 1-3) und dem aktuellen Geschehen (ab Str. 4) unklar: 1. Wem soll das Ich dies alles erzählen? 2. Warum bleibt nicht die Tempusform Perfekt/Präteritum erhalten? Man kann natürlich ans aktualisierende historische Präsens denken (ab Str. 4); aber die Sequenz als durchgehende Erzählung überzeugt mich nicht: Sie endet nicht als Erzählung (Str. 16). Der Bericht vom vergangenen Spaziergang steht eher unverbunden vor der Beschreibung gegenwärtigen Erlebens.

Vor dem Kreuz, also wohl vom Kreuz hört das Ich eine mahnende Stimme, wie es im Präsens berichtet (Str. 13), die ihm die Goldene Regel (vgl. Mt 7,12 bzw. Luk 6,31) als Heilmittel empfiehlt und gleich auf seine Einsamkeit anwendet: „Willst du nicht einsam wandern, / So laß nicht einsam stehn.“ Konkret heißt das, das Ich müsste zu dem von ihm (aus unbekannten Gründen) verschmähten Geliebten zurückkehren.

Diesen Schluss zieht das Ich aber nicht, sondern fragt: „Will keiner mir begegnen…?“ (Str. 14) Diese eher unverständliche Frage bereitet die Wahrnehmung vor, dass es einen Schritt hört. Es fragt sich: „Wer ist‘s?“ Und dann fragt es „bist du‘s“ – eine unverständliche Frage, wenn man sie nicht auf das verschmähte Du (Str. 1 ff.) bezieht – wobei das Auftauchen dieses Verschmähten am See natürlich ein kleines Wunder ist, da er doch mit gebrochenem Herzen und mit Schmerzen (Str. 6) zu Hause saß. Nach christlicher Begrüßung stimmt die Ich-Sprecherin dann dem göttlichen Wink zu: „Ach ja, wenn es soll sein…“ – zu ergänzen ist: Dann akzeptiere ich dich als meinen Mann. Ohne diese Ergänzung fehlt die Pointe des Geschehens vor dem Kreuz.

Nach längerem Nachdenken schreibe ich die letzte Strophe als Äußerung dem lyrischen Ich zu: Es hat seinen Gang „In Reue vollendet / Zum Kreuz gewendet“; der Gekreuzigte hat ihm gezeigt, was zu tun ist: sich des verstoßenen Liebhabers zu erbarmen. Str. 16 passt zwar nicht zum sprachlichen Duktus einer Erzählung (ab Str. 1), aber zum erzählten Geschehen von Leiden, Belehrung und Umkehr.

Wie soll man das Gedicht verstehen, wozu hat Brentano ein solches Gedicht von einer verstockten Geliebten, die sich auf des Herrn Jesus Rat dem Verschmähten zuwendet, geschrieben? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht in die Geschichte der Liebeslyrik oder des Dichtens Brentanos einordnen, dazu fehlt mir die Kompetenz. Recht simpel verstehe ich es als eine kompensierende Phantasie des verschmähten Dichters Brentano: „1833 lernte Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen. Wie bei früheren Frauenbekanntschaften wiederholten sich Liebeswerbung und Bekehrungsbemühungen; wie früher entzog sich die Freundin diesen Forderungen, ohne aber von ihnen ganz unbeeindruckt zu bleiben.“ (Wikipedia, Art. „Clemens Brentano“) Ich will mich biografisch nicht auf Frau Linder festlegen – aber dem oftmals zurückgewiesenen Brentano mag es ein Trost gewesen sein, sich vorzustellen, wie eine ihn Zurückweisende selber an ihrer Einsamkeit leidet und dann vom Herrn Jesus mit der Goldenen Regel belehrt wird, solches zu unterzulassen und sich des armen Liebhabers gefälligst zu erbarmen, auf dass sie aus ihrer eigenen Einsamkeit befreit werde. Das klingt zwar simpel, leuchtet mir aber ein.

Ein großes Gedicht ist es nicht, es hakt an einigen Stellen und könnte auch um zwei Strophen (10 und 11) gekürzt werden; aber es ist interessant, sich mit der Auflösung seiner Rätsel zu beschäftigen.

M. Bulgakow: Der Meister und Margarita – gelesen

Im Hotel stand Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ in der Bibliothek; ich habe ihn im Urlaub bei schlechtem Wetter und guter Laune erneut gelesen – zum zweiten Mal nach vielen Jahren. Während ich bei der ersten Lektüre nicht recht den Durchblick hatte, habe ich mich jetzt gewundert, wie schön und leicht der Roman sich liest, auch wenn die russischen Namen mich gelegentlich etwas verwirrt haben. Es ist ein großer Roman, den man ohne weiteres mehrmals lesen kann:

Erzählt wird von einem allwissenden Erzähler (der allerdings manchmal sagt, wovon man nichts wisse, könne man auch nichts sagen) vom Moskau der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, also der Zeit der kommunistischen Diktatur und Planwirtschaft mit ihren Mängeln. Die werden durch den Teufel, der hier Voland heißt und als Magier eine Vorstellung gibt, samt seinem Gefolge satirisch entlarvt, teilweise mit klamaukartigen Wendungen.

Die zweite Geschichte ist die des „Meisters“, eines erfolglosen Schriftstellers, und seiner Geliebten Margarita; sie kann wieder zu dem von ihr getrennten Meister kommen, wenn sie eine Nacht als Ballkönigin des Teufels fungiert – was sie dann auch tut, nachdem sie sich mit Hexensalbe eingerieben und um 10 Jahre verjüngt hat.

Die dritte Ebene beherrscht Pilatus vor und nach seiner Verurteilung Jesu, der in einer ungeliebten Stadt Dienst tun muss; es stellt sich heraus, dass diese Geschichte der Roman des Meisters ist, den er in seiner Verzweiflung verbrannt hat – Voland hat jedoch die Macht, ein Manuskript davon vorzulegen.

Zum Schluss wird nicht nur Pilatus erlöst, sondern auch der Meister und Margarita finden ihr Glück und ihren Frieden – im Tod. Der Teufel verschwindet wieder, aber in Moskau bleiben seine Spuren erhalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Meister_und_Margarita (gute Übersicht)

http://www.zeit.de/1999/31/199931.jh-karahasan_bul.xml (stellt Bezug zu Dante und Goethe heraus)

http://www.marabout.de/Bulgakow/bulgakow.htm (Interpretation)

http://www.sandammeer.at/zeitloses/bulgakow-margarita.htm (mit Interpretation)

https://hegewald.wordpress.com/tag/der-meister-und-margarita/ (begeistert)

http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/b/bulgakow-meister-margarita.htm (kritisch gegen die Neuübersetzung durch A. Nitzberg)

http://www.unique-online.de/der-meister-und-margarita-kulturarena2013/5641/ (Interpretation)

http://unaufhoerlicher-anfang.de/essays/michail-bulgakow/ (mehrere Aufsätze des Slawisten Ralf Schröder)

http://www.fb06.uni-mainz.de/russisch/Dateien/Bachelorarbeit_Krailich.pdf (Bachelorarbeit zur Interpretation des Teufels)

http://www.russjahr.de/article/meister-und-margarita-von-mythen-und-fakten (einige Hinweise)

https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Afanassjewitsch_Bulgakow (Bulgakow)

http://www.glanzundelend.de/Artikel/artikelalt/bulgakow.htm (Bulgakow)

https://www.youtube.com/watch?v=RWRzdyL8lXA (Verfilmung, deutsche Untertitel)

https://sites.google.com/site/abge429fafr/adte3461fsg/Der-Meister-und-Margarita.pdf?attredirects=1 (der Text)

S. Twardoch: Drach (2016) – gelesen

Kurz vorzustellen ist der bedeutende Roman „Drach“ von Szczepan Twardoch, Berlin 2016. Der Roman spielt in Schlesien, bis auf wenige Ausnahmen im Milieu der kleinen Leute. Die Erde, in der die polnischen Bergleute wühlen, erzählt von den Menschen, die aus ihr hervorgehen wie die Bäume und die Rehe und deren Säfte wieder in sie zurückfließen, um aufs Neue in irgendwelche Lebewesen hineinzuströmen… so dass letztlich alles Einzelne keine Bedeutung hat: Die Erde weiß alles, aber sie versteht nichts – denn es gibt nichts zu verstehen. Licht und Finsternis gibt es, in Abwandlung eines neutestamentlichen Motivs, aber das Licht kann sich nicht durchsetzen; es wird aus allen möglichen „Gründen“ gestorben und gemordet, was Josef Magnor als Protagonist erlebt und ausführt: wie ein Schwein geschlachtet wird, wie im Ersten Weltkrieg gemordet wird, wie er selber seine junge Geliebte eigenhändig erwürgt und einen ihrer Verehrer erschießt. Neben Josef spielen auch sein Urenkel Nikodem, ein Stararchitekt mit Liebes- und Alkoholproblemen, sowie der alte Pindur, der sich die Perspektive der Erde zu eigen gemacht hat und in der Klapse landet, eine Rolle. Auch die deutsch-polnischen Konflikte in Schlesien nach dem 1. Weltkrieg werden in Parteibildungen und Morden thematisiert. – Die verschiedenen Erzählstränge sind hart geschnitten und gehen ohne Überleitung auch innerhalb eines Kapitels ineinander über.

Weitere Informationen kann man den verschiedenen Rezensionen entnehmen; man liest das Buch leicht, das im Leben „Wichtige“ relativiert sich durch die Lektüre, die einen aber auch deprimieren kann. „Ihr seid der Quell und die Nahrung von allem, das einst geboren wird, und ein jedes ist die Nahrung von jedem. Ihr seid eins. Mit mir und mit euch,“ sagt die Erde. Im ewigen Kreislauf der Lebenssäfte ist alles Einzelne nichts, das etwas zu bedeuten hätte; es kommt wie eine Welle und eilt zum Element zurück (Goethe), ohne dass Gehalt und Form im Geist blieben. Davon kann Szczepan Twardoch allerdings erzählen.

http://postmondaen.net/2016/08/04/szczepan-twardoch-drach-rezension/

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/drach-von-szczepan-twardoch-roman-ueber-schlesien-identitaet-und-sprache-a-1083656.html (gute Übersicht)

https://www.wa.de/kultur/szczepan-twardochs-grosser-roman-drach-6354857.html

http://www.buchrezensionen-online.de/rezensionen/bb/045twardoch.htm

http://culturmag.de/rubriken/buecher/roman-szczepan-twardoch-drach/95038 (gute Übersicht)

http://www.tagesspiegel.de/kultur/drach-von-szczepan-twardoch-lied-von-der-geschundenen-erde/13753972.html (gute Übersicht)

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/diwan/szczepan-twardoch-104.html (gleiche Autorin)

Brüder Grimm: Die Boten des Todes

Seit der 4. Auflage der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (1840) steht das folgende Märchen darin (in der Rechtschreibung der damaligen Zeit):

Die Boten des Todes.

Vor alten Zeiten wanderte einmal ein Riese auf der großen Landstraße, da sprang ihm plötzlich ein unbekannter Mann entgegen, und rief „halt! keinen Schritt weiter!“ „Was,“ sprach der Riese, „du Wicht, den ich zwischen den Fingern zerdrücken kann, du willst mir den Weg vertreten? Wer bist du, daß du so keck reden darfst?“ „Ich bin der Tod,“ erwiederte der andere, „mir widersteht niemand, und auch du mußt meinen Befehlen gehorchen.“ Der Riese aber weigerte sich, und fieng an mit dem Tode zu ringen. Es war ein langer heftiger Kampf, zuletzt aber behielt der Riese die Oberhand, und schlug den Tod mit seiner Faust nieder, daß er neben einen Stein zusammensank. Der Riese gieng seiner Wege, und der Tod lag da besiegt, und war so kraftlos, daß er sich nicht wieder erheben konnte. „Was soll daraus werden,“ sprach er, „wenn ich da in der Ecke liegen bleibe? es stirbt niemand mehr auf Erden, und sie wird so mit Menschen angefüllt werden, daß sie nicht mehr Platz haben neben einander zu stehen.“ Indem kam ein junger Mensch des Wegs, frisch und gesund, sang ein Lied, und warf seine Augen hin und her. Als er den halbohnmächtigen erblickte, gieng er mitleidig heran, richtete ihn auf, flößte ihm aus seiner Flasche einen stärkenden Trank ein, und wartete bis er wieder zu Kräften kam. „Weist du auch,“ fragte der Fremde, indem er sich aufrichtete, „wer ich bin, und wem du wieder auf die Beine geholfen hast?“ „Nein,“ antwortete der Jüngling, „ich kenne dich nicht.“ „Ich bin der Tod,“ sprach er, „ich verschone niemand, und kann auch mit dir keine Ausnahme machen. Damit du aber siehst daß ich dankbar bin, so verspreche ich dir daß ich dich nicht unversehens überfallen, sondern dir erst meine Boten senden will bevor ich komme und dich abhole.“ „Wohlan,“ sprach der Jüngling, „immer ein Gewinn, daß ich weiß wann du kommst, und so lange wenigstens sicher vor dir bin,“ zog weiter, war lustig und guter Dinge, und lebte in den Tag hinein. Allein Jugend und Gesundheit hielten nicht lange aus, es kamen Krankheiten und Schmerzen, die ihn plagten. „Sterben werde ich nicht,“ sprach er zu sich selbst, „denn der Tod sendet erst seine Boten, ich wollte nur die bösen Tage der Krankheit wären erst vorüber.“ Sobald er sich gesund fühlte, fieng er wider an in Freuden zu leben. Da klopfte ihn eines Tags jemand auf die Schulter, und als er sich umblickte, stand der Tod hinter ihm, und sprach „folge mir, die Stunde deines Abschieds von der Welt ist gekommen.“ „Wie,“ antwortete der Mensch, „willst du dein Wort brechen? hast du mir nicht versprochen daß du mir bevor du selbst kämest, deine Boten senden wolltest? ich habe keinen gesehen.“ „Schweig,“ erwiederte der Tod, „habe ich dir nicht einen Boten über den andern geschickt? kam nicht das Fieber, stieß dich an, und warf dich nieder? hat der Schwindel dir nicht den Kopf betäubt? zwickte dich nicht die Gicht in allen Gliedern? brauste dirs nicht in den Ohren? nagte nicht der Zahnschmerz in deinen Backen? ward dirs nicht dunkel vor den Augen? Ueber das alles, hat nicht mein leiblicher Bruder, der Schlaf, dich jeden Abend an mich erinnert? lagst du nicht in der Nacht, als wärst du schon gestorben?“ Der Mensch wußte nichts zu erwiedern, ergab sich in sein Geschick, und gieng mit dem Tode fort.

(https://de.wikisource.org/wiki/Die_Boten_des_Todes_(1840))

Die Anmerkungen der Brüder Grimm dazu:

Die Boten des Todes.

Nach Kirchhofs Wendunmut 2, Nr. 123, und daraus auch bei Colshorn Nr. 68. Ferner in Paulis Schimpf und Ernst Cap. 151, im Äsop von Huldrich Wolgemut Fab. 198 und in einem Meistergesang der Colmarer Handschrift (v. d. Hagen Sammlung für altdeutsche Literatur 187. 188). Der letzte Theil auch in dem lateinischen Äsop von Joach. Camerarius (1564) S. 347. 348 und von Gregor Bersmann (1590), doch weder griechische noch römische Fabeldichter wissen etwas davon. Schon im 13ten Jahrhundert war das Märchen bekannt, denn Haug von Trimberg erzählt es im Rener 23666–23722.

(https://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_Band_3_(1856)/Anmerkungen#177)

Die Anmerkungen von Bolte-Polivka dazu:

https://archive.org/stream/anmerkungenzuden03grim#page/292/mode/2up bzw.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grimms_M%C3%A4rchen_Anmerkungen_(Bolte_Polivka)_III_293.jpg

Meine Anmerkungen dazu:

Die Pointe des Märchen liegt im Begriff „die Boten des Todes“. Der ehemalige junge und später alte Mensch versteht ihn wörtlich: Boten als Leute, die anklopfen, sich ausweisen und mündlich oder schriftlich ihre Botschaft ausrichten. Der Tod jedoch versteht „die Boten“ metaphorisch; er nennt, als er sich rechtfertigt, „Krankheiten und Schmerzen“ seine Boten, die er dann als Fieber, Schwindel, Gicht usw. einzeln benennt. Dazu verweist er auf seinen leiblichen Bruder, den Schlaf, der einen jeden Abend an den Tod erinnere, weil man dann so liege, „ als wärst du schon gestorben“. Diese Argumentation erkennt der alte Mann an, auf dass auch der Leser sie anerkenne.

Eine alte Sentenz ist es, dass der Schlaf der Bruder des Todes ist:

https://thanatos.tv/schlafes-stief-bruder/

http://www.academia.edu/475206/Tod_Schlafes_Bruder._Intertextuelle_Streifz%C3%BCge_und_Fallstudien bzw.

https://www.academia.edu/475206/Tod_Schlafes_Bruder._Intertextuelle_Streifz%C3%BCge_und_Fallstudien?auto=download

http://www.schlafen-aktuell.de/wissenswertes/geschichte-des-schlafs

Zum 70. Geburtstag

für einen lieben Freund, beinahe wörtlich von Heinrich Heine:

Mich locken nicht die Himmelsauen
Im Paradies, im selgen Land;
Dort find ich keine schönre Frauen
Als ich bereits auf Erden fand.

Kein Engel mit den feinsten Schwingen
Könnt mir ersetzen dort mein Weib;
Auf Wolken sitzend Psalmen singen,
Wär auch nicht just mein Zeitvertreib.

O Herr! Ich glaub, es wär das Beste,
Du ließest mich in dieser Welt;
Heil nur zuvor mein Leibgebreste,
Und sorge auch für etwas Geld.

Ich weiß, es ist voll Sünd und Laster
Die Welt; jedoch ich bin einmal
Gewöhnt, auf diesem Erdpechpflaster
Zu schlendern durch das Jammertal.

Genieren wird das Weltgetreibe
Mich nie, denn selten geh ich aus;
Mit Büchern und den Bildern bleibe
Ich gern bei meiner Frau zu Haus.

Laß mich bei ihr! Hör ich sie schwätzen,
Trinkt meine Seele die Musik
Der holden Stimme mit Ergötzen.
So treu und ehrlich ist ihr Blick!

Gesundheit nur und Geldzulage
Verlang ich, Herr! O laß mich froh
Hinleben noch viel schöne Tage
Bei meiner Frau in statu quo!

„Mit Büchern und den Bildern“ kann man natürlich dem Jubilar entsprechend ersetzen, zum Beispiel durch „Mit Bierchen und der Zeitung“ oder „Mit Bierchen und dem Krimi“ usw.

Heinrich Heines Entwicklung als Dichter

Die Biographie von Heines Dichtung zerfällt nach Laura Hofrichter grob in drei Epochen: die frühe Zeit der romantischen Lieder (bloßes Spiel der subjektiven Phantasie, in traditioneller Fom), abgelöst durch die Zeit der „Reisebilder“ (v.a. ab „Die Harzreise“, 1824), in denen Heine sich in Prosa der Welt zuwandte, ohne seine Subjektivität aufzugeben, und die späte Phase ab 1840, in der er eine neue Form der Poesie erfand, der seine bedeutenden Gedichte angehören und in der Bild und Begriff einander entsprechen. Oft sei hier irgendeine Form von Reise, Fahrt, Prozession u.ä. das Strukturmittel, welches die verschiedenartigsten Themen zusammenhalte – so gelinge es ihm, lyrisch zu bleiben, „der Zwangsjacke der Handlung zu entkommen […] und sich gleichzeitig den Zugang in die Weite der Welt offenzuhalten“.

Laura Hofrichter (1919-1962), von der man heute nur noch ein Heine-Buch im Internet findet, hat mit „Heinrich Heine. Biographie seiner Dichtung“ (1966, Kleine Vandenhoeck-Reihe 230) ein sympathisches Buch geschrieben, das sich leicht liest und Lust macht, Heine selber zu lesen. Die Kleine Vandenhoeck-Reihe war in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eine intellektuell bedeutende Taschenbuch-Reihe, die bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen angesiedelt und einem weltoffenen Protestantismus verpflichtet war – eigentlich eher einem evangelischen Christentum (mit Platz auch für Adorno, Hans Jonas und Karl Löwith) als einem Protestantismus, der sich ja per definitionem gegen etwas richtet.

Ich habe das Buch wohl 1975/76 zur Vorbereitung meiner Erweiterungsprüfung in Deutsch gekauft, weil auch Heine als Düsseldorfer und damit Rheinländer neben Heinrich Böll (und Franz Kafka) zu meinen Prüfungsautoren gehörte. Damals habe ich es nicht gelesen; dieser Tage sah ich das nach mehreren Umzügen leicht angestoßene Buch im Regal, wollte es schon fortwerfen und habe mich dann doch entschlossen, es zu lesen. Das habe ich nicht bereut. Ich werde mit der Lektüre der „Harzreise“ fortfahren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine (Heinrich Heine)

https://www.deutsche-biographie.de/sfz68461.html#ndbcontent (Heine – Leben)

http://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,+Heinrich (Heine – Werke)

http://gutenberg.spiegel.de/autor/heinrich-heine-257 (dito)

https://de.wikisource.org/wiki/Heinrich_Heine (dito)

https://de.wikipedia.org/wiki/Reisebericht (Reisebericht, Reiseliteratur)

http://universal_lexikon.deacademic.com/291051/Reiseliteratur (dito)

Laura Hofrichter, 1919 in Prag geboren, studierte ab 1948 in Toronto moderne Sprachen und promovierte 1954 über „Heinrich Heines Entwicklung als Dichter“; sie verstarb im Herbst 1962. Requiescat in pace.

Joanna Bator: Wolkenfern (2013) – gelesen

Es ist ein zauberhaftes Buch: von Dominika, die man schon aus „Sandberg“ kennt, von ihrem Geschick nach einem schweren Autounfall und vor allem von ihrer Reiselust – sie ist im Aufbruch, sie plant ihre Zukunft nicht, sie lebt im Augenblick und auch in der Vergangenheit. Dazu treffen wir auf ihre Mutter Jadzia, eine typische Frau und Polin, die sich am Ende von sich selbst befreien kann, und auf viele andere, meistens Frauen: in einem bewegten Reigen, in dem auch Napoleons Nachttopf als Vermächtnis von einer Figur zur nächsten wandert, um am Ende in einem Zeitschriftenaufsatz gewürdigt zu werden. Vieles ist surreal erzählt, wie die Geschichte von der großen Sintflut, in die Jadzia mit ihrer Reisegruppe in einem Auto fortgeschwemmt wird, um am Ende als eben die geläuterte daraus wieder aufzutauchen… Ich glaube, Dominika ist eine moderne Schwester des Taugenichts, nur dass die Umwelt Dominikas (v.a. polnische Frauen und ein spaßeshalber angetrauter  amerikanischer Chocolatier, welcher ein Homodingsbums ist)  teils als Kontrastprogramm, teils als Seelenverwandte (Sara mit dem fetten Arsch) viel stärker als beim Taugenichts ausgebaut ist.

Es sind in diesem Roman die Frauen, die das Leben im Guten wie im Schlechten (das ist hier das Philiströse) bestimmen. Man kann den Inhalt eigentlich nicht erzählen, und er ist auch irgendwie nicht so wichtig – wichtig ist die Leichtigkeit des Seins, in die man im Lesen hineingleitet, auch wenn man (in meinem Fall: ich, hier verallgemeinert) die Beziehungen der Figuren nicht immer durchschaut oder wieder vergisst. Man liest voller Sympathie mit Dominka und Grazynka, von der erzählt wird, sie sei schließlich mit einem Japaner liiert und als Geisha gekleidet gesehen worden. Und der Zustand des Glücks auf der griechischen Insel, er ist ein Moment und wird nicht bleiben.

Ich scheue mich nicht zu sagen: Das ist Weltliteratur.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/joanna-bator-wolkenfern-napoleons-nachttopf-12709851.html

http://www.zeit.de/2013/49/joanna-bator-wolkenfern-roman

http://literaturkritik.de/id/18724

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/generationenroman-wolkenfern-von-joanna-bator-ueber-napoleons-nachttopf-a-928013.html

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritiken/joanna-bator/wolkenfern

https://de.wikipedia.org/wiki/Joanna_Bator (Joanna Bator)

Bators erster Roman „Sandberg“ war auch eine Wucht: https://norberto42.wordpress.com/2015/02/06/joanna-bator-sandberg-besprechung/, der dritte „Dunkel, fast Nacht“ erreicht nicht ganz das Niveau der beiden ersten Bücher, finde ich: https://norberto42.wordpress.com/2017/04/23/j-bator-dunkel-fast-nacht-2016-besprechung/.

P. von Matt: … fertig ist das Angesicht – gelesen

Ich möchte kurz über ein bedeutendes Buch sprechen, dessen Lektüre ich leider unterbrochen hatte. Von Matts Buch zur Literaturgeschichte des menschlichen Gesichts (1983) ist in verschiedenen Verlagen erschienen, mir liegt die Ausgabe als Suhrkamp Taschenbuch von 1989 vor.

Peter von Matt geht von Kafkas Beschreibungen von Gesichtern aus; er zitiert die Texte aus Kafkas Tagebüchern und untersucht sie dann höchst raffiniert und genau. Von Goethe sind die Beschreibungen seiner Schwester Cornelia und seiner Freundin Friederike eindrucksvoll analysiert. Lavaters Versuch einer physiognomischen Theorie wird als leer entlarvt. Im bürgerlichen 19. Jahrhundert blühte eine Art der Gesichtsbeschreibung, die naiv ihr eigenes Weltbild in den Gesichtern wiedererkannte. Über „Möglichkeiten und Grenzen der Symbolisierung“ geht es in einem Exkurs „Zur Psychoanalyse der Gesichtserfahrung“ (S. 150 ff.). Die Beispiele von Musils und Rilkes Porträtierungen sind eindrucksvoll, noch eindrucksvoller ist ein kleiner Text Heinrich Manns über Hitler: „Es muß ein herrliches Gefühl sein, wenn schon um acht Uhr früh sämtliche Militärkapellen die schönst Musik anheben, weil ich um ein Uhr reden will. Ein Anderer würde darüber den Faden verlieren, anders ich. Denn ich habe keinen zu verlieren. Ich mache einfach mein Führergesicht, es ist bösartig, hat aber auch wieder etwas Ulkiges, das entwaffnet. […] Ich rühme mich einer Anordnung meiner Haare, wie nur verkrachte Malermeister sie fertig bringen, lockere Strähnen in die Stirn, und auf dem Gipfel des Hauptes eine Fülle. Es muß etwas daran sein. Menschen der Macht, die nichts weiter sind, haben Kahlköpfe. Ich bin ein Genie.“ (S. 184 f.)

Klug ist auch, wie von Matt die Schwierigkeiten, ein Gesicht zu beschreiben, in die Zeitgeschichte einordnet und wie er die Krise der Gesichtsbeschreibung herausarbeitet. Für mich war dann aufschlussreich, was der Autor über „Das Gesicht im Erzähltext“ (S. 221 ff.) zu sagen weiß: „Im fest gegebenen, erkennbaren, benennbaren Gesicht vergewissere ich mich immer auch meiner eigenen Identität als des naturhaften Widerspiels zur entgegenkommenden andern. Daraus entspringt jene Sicherheit, die mit der Empfindung zusammenfällt, ich sei zu Hause. Wo nämlich das Gesicht feststeht, ist Heimat.“ (S. 254 f.) Und bedeutsam ist auch, was er über „Lesen als Zuhausesein“ (S. 257 ff.) sagt – aber das sollte man selber lesen.

Das Buch von Matts, das erste in seiner Reihe thematischer Literaturuntersuchungen, ist es wert, dass man es zweimal liest.

http://www.zeit.de/1983/49/gesichter-aus-woertern

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=3958

http://www.thomasmacho.de/files/9900/literaturliste_gesichter.pdf (Literatur für ein Seminar)

Märchensammlungen

Neben den deutschen Märchensammlern (https://norberto42.wordpress.com/2014/09/28/deutsche-marchen/) gab es auch in anderen Ländern Sammler:

Afanasjew (russ.)

Asbjörnsen (norw.)

Caballero (span.)

Croker (ir.)

Grundtvig (dän.)

Ispirescu (rumän.)

Jacobs (div.)

Kretschmer (griech.)

Nemcová (tschech.)

Moe (norweg.)

Puschkin (russ.)

Sutermeister (schweiz.)

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Vor den deutschen Märchensammlungen sind bereits anderswo Märchen gesammelt worden. Die bedeutendsten Sammlungen sind:

Straparola (italien.): Die ergötzlichen Nächte (1550/53)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ergotzliche-nachte-3762/1

Basile (italien.): Das Pentameron

http://www.maerchenatlas.de/aus-aller-welt/marchensammler/giambattista-basile/das-pentameron/ (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-pentameron-4884/1 (Text)

Perrault (franz.): Histoires ou contes du temps passé…

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Perrault (Übersicht)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/charles-perrault-m-5446/1

urn:nbn:de:bvb:355-ubr07455-2

(Manche dieser Stoffe finden sich auch bei den Brüdern Grimm!)

Galland franz.): Märchen aus 1001 Nacht, um 1700

http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-erster-band-3445/1

http://www.maerchen.org/tausendundeine-nacht.htm

http://literaturnetz.org/tausendundeinenacht

http://www.kuehnle-online.de/literatur/habicht/1001/index.htm

http://forum.tunesien.org/ubbthreads.php?ubb=showflat&Number=96414 (Liste der Märchen)

Hier sollen nun Seiten genannt werden, die querbeet Märchen gesammelt haben:

http://de.wikisource.org/wiki/Die_M%C3%A4rchen_der_Weltliteratur (nur Links: Die Märchen der Weltliteratur, hrsg. von Friedrich von der Leyen bzw. Hans-Jörg Uther; dazu http://www.ruhr-uni-bochum.de/oaw/slc/Wilhelm_Volksmaerchen.pdf Chinesische Volksmärchen)

http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein (Märchen aus aller Welt, überaus große Sammlung – weiterklicken!)

http://gutenberg.spiegel.de/genre/m-fairy (dito – weniger übersichtlich)

http://www.maerchen.name/Startseite/maerchen/maerchen_a/index.html (alphabetisches Verzeichnis vieler Märchen)

http://www.hekaya.de/maerchen/titel.html (dito)

http://de.wikisource.org/wiki/Kategorie:M%C3%A4rchen (dito, mit Märchen-Sammlungen; übergeordnet: http://de.wikisource.org/wiki/M%C3%A4rchen)

http://www.internet-maerchen.de/maerchen/ (Märchen aus aller Welt, alphabetisch geordnet, umfangreich)

http://maerchenblog.de/startseite/home…./ (Märchen zum Anhören: podcasts)

http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen.htm (Märchen weltweit, v.a. Deutschland und Österreich)

http://literaturnetz.org/maerchen (Literaturnetz: Märchen und Sagen)

http://www.maerchenlexikon.de/inhalt.htm (Auswahl)

http://lanzerat.de/maerchenlexikon/titelregister.htm (Märchenlexikon: Titelregister; sehr umfangreich, einige kann man aufrufen)

http://www.maerchenatlas.de/category/register/ (Auswahl)

http://www.maerchenstern.de/maerchen/index.php (Auswahl)

http://www.die-geobine.de/marchen.htm (einzelne Märchen aus aller Welt)

http://maerchen-welt.eu/deutsche_maerchen.htm (deutsche und M. aus aller Welt, in Auswahl)

http://www.maerchen-sammlung.de/Russische-Maerchen_16/ (Russische M., Grimm, Andersen, deutsche M. – unübersichtlich)

http://www.maerchen.com/ (Grimm, Andersen, Bechstein, J.W. Wolf)

http://www.maerchen.org/ (Grimm, Bechstein, Wolf, Andersen, Hauff, ETA Hoffmann, 1001 Nacht u.a. – nur in Auswahl)

http://www.maerchen.net/ (Klassische Märchen – nur in Auswahl)

http://www.dw.de/themen/m%C3%A4rchen-aus-aller-welt/s-13423 (M. aus aller Welt, vorgelesen – unübersichtlich)

Die Suche bei http://archive.org/search.php?query=Märchen zeigt 588 Funde an.

https://norberto42.wordpress.com/2010/11/12/die-schonsten-marchen-andersens-ubersicht-und-kriterien/ (alles von H.C. Andersen)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/m-5905/1 Oscar Wilde: Märchen (1922)

http://maerchenfibel.com/maerchensammlungen/oscar-wilde (dito)

http://www.maerchen.ru/ (Volksmärchen aus Russland)

http://www.russouvenir.de/KUNST/maerchen/maerchen.html (russ. M.)

http://www.finn-land.net/finnland-m/maerchen/ (finnische M und Sagen)

http://www.maerchen.name/Startseite/maerchen/ (verschiedene, alphabetisch sortiert)

http://www.wdr5.de/sendungen/alsdaswuenschen/alsdaswuenschen_index100.html (M. in wdr5)

Für Kinder:

http://www.kindergarten-homepage.de/lesen/maerchen.html Texte: Märchen

http://www.familie.de/kind/maerchen-geschichten-576161.html Texte: Märchen

http://www.goethe.de/lrn/pro/maerchen/unterrichtsmaterial/Goethe_Maerchen_Didaktisches_Material.pdf (didakt. Material)

Sonstiges:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_M%C3%A4rchen (Liste von Märchen)

http://www.maerchenhelden.de/liste.php (Märchenhelden und Fabelwesen)

http://www.maerchendichter.de/kalender.php (Märchendichter und -sammler)

http://educationscouts.twoday.net/stories/2092153/ (Märchen: Begriff, Geschichte; Anwendung in der Grundschule)

H. Weinrich: Über das Haben (2012) – gelesen

Harald Weinrichs Buch „Über das Haben“ (2012) beginnt furios: mit klugen Überlegungen und Untersuchungen zum Phänomen („Kategorie“ nach Aristoteles) des HABENS und des SEINS; da kommen die Philosophen von Aristoteles bis Erich Fromm zu Wort. Im zweiten Abschnitt, „Treffpunkt Sprache“, geht es um die verschiedenen sprachlichen Aspekte des Verbs „haben“, alles gut belegt und auch durch Sekundärliteratur abgesichert. Im dritten Abschnitt, „Lebenszeit und Körperlichkeit“, wird das Thema nicht mehr strikt durchgehalten – etwa mit dem Roman des Hochstaplers Felix Krull oder dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern – bzw. Körperlichkeit und Lebenszeit passen nicht zusammen, sind nur noch Titel-Klammer für eine Sammlung divergierender Betrachtungen und Referate; von denen sind allerdings einige noch wirklich gut (die Analyse des Gemäldes „Die Goldwägerin“ etwa), während in der Paraphrase der neutestamentlichen Passagen die verschiedenen Tonlagen von Paulus, den Synoptikern und Johannes überspielt werden.

Den vierten und fünften Abschnitt finde ich deutlich schwächer; da werden fast nur noch literarische Werke paraphrasiert, in denen es irgendwie ums Haben geht, wobei der Sängerkrieg um den Rhein (S. 163 ff.) belanglos ist, eine Hitlerrede (S. 171 ff.) aus dem Rahmen fällt und die Betrachtung über die Menschenrechte als „Haben-Recht“ zu dürftig ist, um diesem großen Thema gerecht zu werden.

Fazit: Anfangs war ich begeistert, man kann zunächst ein kluges Buch meditativ lesen; von den beiden letzten Abschnitten war ich enttäuscht, da wirkt die Schreibweise von HABEN und SEIN in Großbuchstaben nur noch gestelzt. Vielleicht sollte man mit dem Kauf warten, bis das Buch bei Beck als Taschenbuch erscheint (so angekündigt); dann beträgt der Preis vermutlich drei Fünftel des jetzigen Preises (19,95), das wäre für die ersten drei der fünf Abschnitte angemessen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/harald-weinrich-ueber-das-haben-sein-und-haben-11905929.html

https://www.socialnet.de/rezensionen/14000.php (sehr umfangreich)

http://ef-magazin.de/2016/06/22/9294-rezension-ueber-das-haben

http://www.sueddeutsche.de/kultur/schloemanns-auslese-ueber-das-haben-1.1550496